Skip to content

Presse

Katholische integrierte Gemeinde (KIG)

Die Katholische integrierte Gemeinde (KIG) wurde 1978 im Bistum Paderborn durch Bischof Degenhardt und im Erzbistum München durch Joseph Ratzinger kirchlich anerkannt. 1985 wurde sie als öffentlicher Verein nach dem katholischen Kirchenrecht errichtet. U.a. gehören ihm die Neutestamentler Gerhard Lohfink (Wie hat Jesus Gemeinde gewollt?) und Rudolf Pesch (1936-2011) an.

18.10.2019 Ehemalige Mitglieder der KIG haben schwere Vorwürfe gegen die KIG erhoben. Die Vorwürfe beziehen sich auf die Zeit vor 2012. Kontrolle über das Privatleben der Mitglieder und ihre Kontaktpersonen, die Trennung von Kindern von ihren Eltern und wirtschaftliche Ausbeutung werfen die Ehemaligen der KIG vor. Es sei über weite Strecken zu geistlichem Missbrauch gekommen. „Beziehungen und Ehen wurden gestiftet und getrennt, je nachdem, ob dies der Gemeindeversammlung für das Gemeindeleben förderlich erschien. Die Gemeindeversammlung entschied darüber, ob und wann ein Ehepaar Kinder bekommen durfte oder sollte,“ heißt es in einem Zwischenbericht der Visitatoren, die seit Februar 2019 die KIG untersuchen. Die Gemeinde verweigert die Zusammenarbeit mit den Visitatoren.

Bereits im Jahr 2000 hat das zuständige Erzbistum München in einem internen Dokument von „Missbrauch des Bußsakraments“ in der Gemeinschaft gesprochen. 2004 kam ein kirchenrechtliches Gutachten zu dem Schluss, dass es „rechtserhebliche Mängel beim Ausschluss von Mitgliedern“ gegeben habe. Eine Aussteigerin berichtete 2019.

Der frühere Papst Benedikt XVI. distanzierte sich im Oktober 2020 von der KIG. Als Erzbischof von München, Präfekt der Glaubenskongregation und als Papst unterstützte er sie. Inzwischen bescheinigte das Erzbistum München der KIG den Missbrauch von Mitgliedern und sektenähnliche Strukturen. Kardinal Ratzinger schreibt, er sei „über manches im Innenleben der IG nicht informiert oder gar getäuscht worden“.  Mitglieder berichten, dass unter der Leiterin Traudl Wallbrecher eine geistliche Diktatur geherrscht habe, dass Beziehungen und Ehen gestiftet und getrennt wurden auf Anweisung der Gemeindeversammlung. Diese habe auch entschieden, wann ein Paar Kinder bekommen sollte und welche Berufe ergriffen werden sollten. Einkommen und Erbschaften mussten der Gemeinde übergeben werden. Wer nicht gehorchte, wurde mit Kontaktabbruch bestraft.

26.10.2020 Die Visitation der Katholischen Integrierten Gemeinde durch das Erzbistum München-Freising ist abgeschlossen. Konsequenzen werden geprüft. Eine kirchenrechtliche Auflösung kann nur durch den Erzbischof von München, Kardinal Marx, erfolgen. Alle Mitglieder der KIG sind ausgetreten und haben sich damit der Visitation entzogen (s. auch Domradio). Vertreter der Gemeinde lehnten eine Stellungnahme ab. Der „Förderkreis“ der KIG hat Ende September seine Selbstauflösung angekündigt. Die KIG sieht sich als Opfer bösartiger Verleumdungen. Einige Personen suchen derzeit nach einer neuen rechtlichen Form. Benjamin Leven spricht von Geistlichem Missbrauch  und einer Professoren-Sekte. Betroffene von „Gehirnwäsche im Namen Gottes„. Betroffene beklagen zudem, dass das Erzbistum München und Kardinal Marx sich bis jetzt zu wenig oder gar nicht um die Betroffenen kümmert. Wenn der Kardinal „einfach mit den Leuten vor Ort reden würde, wäre schon viel gewonnen. Es wäre der erste Schritt, ein ganz einfacher. Er muss von seinem hohen Ross runter.“

Im November 2020 hat Kardinal Marx die KiG aufgelöst.

katholisch.de berichtet Mitte 2021, dass es gegen die vor einem halben Jahr von Kardinal Reinhard Marx kirchenrechtlich aufgelöste KIG bislang unbekannte Vorwürfe sexuellen Missbrauchs gibt. Das Erzbistum München und Freising kennt fünf Hinweise, von denen sich vier in den 1970er Jahren abgespielt haben sollen. Ein Vorgang wurde dem Erzbistum Paderborn übergeben. Die Hinweise seien 2018/2019 der Staatsanwaltschaft übergeben worden, von Ermittlungen ist nichts bekannt. Ende November 2020 ernannte das Erzbistum einen Ansprechpartner für ehemalige Mitglieder der Gemeinde. Mehrere Betroffene baten um ein persönliches Gespräch mit Kardinal Marx. Der Gesprächswunsch werde derzeit geprüft. 

25.10.2021 Erzbischof Becker, Paderborn, hat die „Gemeinschaft der Priester im Dienst an Integrierten Gemeinden“ im Erzbistum Paderborn aufgelöst. Die Gemeinschaft war 1982 vom damaligen Erzbischof  Degenhardt als klerikale Vereinigung (can. 302 CIC) errichtet worden. Zuletzt zählte sie nach Informationen des Erzbistums Paderborn noch 20 mit der KIG verbundene Geistliche.

4.10.2022 Die KIG wurde nun auch im Bistum Münster mit Wirkung zum 15.9.2022 aufgelöst.

7.12.2022 Im Jahr 1978 wurde die Integrierte Gemeinde vom damaligen Erzbischof Ratzinger kirchlich anerkannt, 2019 von Kardinal  Marx aufgelöst. Kardinal Joseph Ratzinger wurde 2003 u.a. durch seinen Münchner Nachfolger Kardinal Wetter in Rom in mehreren Briefen über schwerwiegende Fehlentwicklungen in der KIG informiert. Heute kann Ratzinger sich nicht mehr an den Brief erinnern. 2011 verhinderte Kardinal Marx die weltkirchliche Anerkennung der KIG, indem er sich „wiederholt kritisch geäußert“ hat zur KIG. Ein  Abschlussbericht vom 29. Juni 2020 liegt vor. Dort wird empfohlen, dass Kardinal Marx sich „für das jahrzehntelange zögerliche Vorgehen des Erzbistums gegen die Machenschaften und Unrechtmäßigkeiten“ des Vereins und das dadurch geschehene Leid der ausgeschiedenen Mitglieder entschuldig, eine Aufarbeitungskommission einsetzen und daran auch ehemalige Mitglieder beteiligen solle. Geschehen ist bislang nichts. Außer, dass das Erzbistum München und Freising darum bat, sich auf Ebene der Deutschen Bischofskonferenz mit dem Thema zu befassen, weil die KIG in mehreren Bistümern tätig war. Ein Fachgespräch dazu gab es im März 2021. Zudem gebe es einen Ansprechpartner für ehemalige Mitglieder der KIG. Und Fachleute befassten sich eingehender mit dem „komplexen Thema geistlicher Missbrauch“. Quelle: Domradio

23.1.2023 Eine katholische Sekte mit päpstlichem Segen. podcast