Aus der Presse
Beide Großkirchen, aber auch Freikirchen, sind mit der Erfahrung konfrontiert, dass auch durch ihre Kleriker, Pastor*innen und Mitarbeiter*innen sexualisierte Gewalt an Minderjährigen und Erwachsenen geschieht. Soweit die Gewalttaten presseöffentlich werden, sind sie hier dokumentiert. Bernhard Fischer, der ein umfangreiches Archiv zu Missbrauch in den Kirchen führt, herzlichen Dank für so viele Hinweise!
Diese Zusammenstellung erfolgt ausschließlich zu folgenden Zwecken: Wir sind der Forschung, der Prävention solcher Taten und der Orientierung Betroffener verpflichtet. Letzteren soll erleichtert werden, ihre Erfolgschancen einzuschätzen, sollten sie sich selbst betreffende Vorgänge öffentlich machen. Wir sind keine Journalisten und leisten keine eigene Recherchearbeit. Wir müssen uns darauf verlassen, dass seriöse Presseorgane die Richtigkeit ihrer Meldungen sorgfältig geprüft haben. Sollte sich jemand durch die zitierten Meldungen zu Unrecht verletzt fühlen, bedauern wir dies. Sie können uns dann gerne Ihre genaue Anspruchsgrundlage mit der Unrichtigkeit der zitierten Tatsachenbehauptung nachweisen. Dann werden wir den angeführten Link löschen.
Meldungen der Woche
13.8.2026 Christopher Saunders, ehemaliger australischer Bischof von Broome, wurde von einem Geschworenengericht in 13 von 19 Anklagepunkten wegen sexuellen Missbrauchs zweier junger indigener Männer für schuldig befunden. Die Taten ereigneten sich zwischen 2008 und 2019. Quelle: vaticannews
10.8.2026 Kerstin Claus, UBSKM, kritisiert die evangelische Kirche, weil es kein einheitliches Verfahren für die Zahlung von Anerkennungsleistungen gebe. Sie verweist darauf, dass nur wenige Landeskirchen sich nach der Musterordnung richten und dass es weiterhin keinen Kriterienkatalog für die Beurteilung der Fälle gebe. Quelle: katholisch.de
9.8.2026 Gabriele Knetsch in einem Radiofeature zum Thema: „Versetzt statt verurteilt – Katholische Priester, Missbrauch und Strafvereitelung“ -Priester, denen sexueller Missbrauch vorgeworfen wurde, konnten sich ins Ausland absetzen. Oft mit Wissen hochrangiger Kirchenvertreter. In mehreren Fällen führten Versetzungen dazu, dass Beschuldigte nicht strafrechtlich belangt werden konnten. Quelle: 1.wdr
7.8.2026 Nach Angaben der US-amerikanischen katholischen Nachrichtenagentur OSV soll es im Archiv der Loyola-Gemeinschaft 22 Briefe von Ordensfrauen an den mutmaßlichen Missbrauchstäter Marko Rupnik geben, in denen die Ordensfrauen ihre „Beziehung“ zu Rupnik beschrieben, schilderten, was er ihnen angetan habe und ihm verziehen haben. Zu diesen Briefen seien sie von der Oberin der Loyola-Gemeinschaft, Ivanka Hosta, gezwungen worden. Quelle: katholisch.de
3.8.2026 Kardinal Dziwisz, ehemaliger Papstsekretär aus Polen und von 2006 bis 2016 Erzbischof von Krakau, bestreitet in einem Zivilprozess um Schmerzensgeld für das Missbrauchsopfer Janusz Szymik Versäumnisse. Zwar habe er während seiner Amtszeit in der Erzdiözese einen „unangenehmen“ Brief erhalten. In diesem sei es um den Priester und andere Geistliche gegangen, er könne sich jedoch nicht erinnern, dass der Name des Klägers in den Dokumenten gestanden habe. Der Kardinal war zweimal zu Vorladungen des Gerichtes nicht erschienen. Quelle: katholisch.de
3.8.2026 Eine Recherche von Gabriele Knetsch, BR, zeigt, dass die katholischen Bistümer in mindestens 47 Fällen Priester im Ausland einsetzten, gegen die Missbrauchsvorwürfe erhoben wurden. In 20 dieser Fälle waren den Bistümern die Vorwürfe bekannt, da sie aktenkundig waren. Ordensgemeinschaften, die Priester nach Missbrauchsvorwürfen ins Ausland versetzten, sind in der Umfrage nicht enthalten. Quelle: Tagesschau
1.8.2026 Thomas Schwarz und Daniel Wirsching berichten von einer Ordensschwester, die sagt, ein Priester habe sie missbraucht. Ihr Fall wird vor einem Kirchengericht seit Jahren verhandelt. Quelle: suedkurier
1.8.2026 Im Jahr 2000 begann der Missbrauch eines damals Minderjährigen im Interdiözesanen Priesterseminar in Zagreb, Kroatien. Er dauerte rund zehn Jahre. Bereits 2012 vertraute sich der mutmaßlich Betroffene einem Mitstudenten an, der wiederum den damaligen Bischof von Pozega, Antun Skvorcevic informierte. Der Bischof leitete eine interne kirchliche Untersuchung ein, die jedoch keine Folgen hatte. Der Fall war über Kroatien hinaus bekannt, Kardinal Schönborn, Wien, informierte sowohl die kroatischen Bischöfe als auch den Vatikan. Unbekannt ist, ob der Vatikan etwas unternahm. Bis vor Kurzem war der Beschuldigte Pfarrer im Bistum Pozega, wo er auch regelmäßig Kontakt mit Kindern und Jugendlichen hatte. Abberufen wurde er unmittelbar nachdem das Nachrichtenportal Dnevnik.hr Auskunft vom Bistum über den Status des Beschuldigten haben wollte. – Mehrere katholische Priester in Kroatien gehen davon aus, dass der bisherige Umgang mit dem Fall „für ein systematisches Versagen kirchlicher Verantwortlicher“ spreche und „den Eindruck einer gezielten Vertuschung“ vermittle. Inzwischen haben sich weitere Personen mit ähnlichen Vorwürfen gemeldet, die berichten, dass sie zum Zeitpunkt der Taten minderjährig waren. Quelle: katholisch.de
31.7.2026 Am 15.10. wird das Oberlandesgericht Köln die Berufung der Missbrauchsbetroffenen Melanie F. verhandeln. Ihre Schmerzensgeldklage war mit der Begründung zurückgewiesen worden, dass der Täter, der katholische Priester U., Erzbistum Köln, die Taten nicht im Amt, sondern als Privatmann begangen habe. Er war der Pflegevater der Klägerin. Das Gericht stellte überdies fest, dass eine Haftung wegen unterlassener Sorgfalts- und Fürsorgepflichten auszuschließen sei. – Am 8.9. wird vor dem Landgericht Köln weiter über die Klage einer ehemaligen Messdienerin verhandelt. Der Täter – Gruppenleiter der Messdiener*innen – habe die Gruppe betreut, obwohl er schon vorher durch übergriffiges Verhalten aufgefallen sei. Das Erzbistum Köln bestreitet in diesem Fall sowohl die Häufigkeit der Taten als auch die behaupteten Folgen und sagt, der Gruppenleiter habe kein Amt in der Diözese bekleidet. Daher müsse das Erzbistum nicht für dessen Taten haften. Quelle: katholisch.de
29.7.2026 Hinweis auf das ARD Radiofeature von Gabriele Knetsch „Versetzt statt verurteilt – Katholische Priester, Missbrauch und Strafvereitelung“. Sendetermine: Sonntag, 9.8.2026, 13:04 Uhr (Wdh. Montag, 10.8.2026, 20:03 Uhr). 1.wdr
28.7.2026 Die Anwältin von mutmaßlich Betroffenen sexuellen Missbrauchs durch Marko Rupnik, Lauro Sgrò, kritisiert die Geheimhaltung des Verfahrens durch die Glaubenskongregation. Ihre Anfragen an den Glaubenspräfekten Fernández und andere Zuständige werden ignoriert, die Opfer wurden nicht vorgeladen; ihr Antrag, als Rechtsbeistand der Geschädigten am Verfahren teilzunehmen, wurde nicht einmal beantwortet. Quelle: katholisch.de
28.7.2026 Das Hilfswerk missio Aachen sieht eine besondere Gefährdung von Ordensfrauen (auch in Deutschland) durch kirchliche Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse und fordert verbindliche kirchenrechtliche Safeguarding-Standards. Melde- und Verfahrenspflichten bei Missbrauch dürfen sich nicht auf Minderjährige und schutzbedürftige Erwachsene fokussieren. Quelle: katholisch.de
25.7.2026 Nachdem der frühere katholische Pfarrer von Kalbach, Bistum Fulda, gegen seine Verurteilung wegen Besitz, Herstellung und Zugänglichmachung kinder- und jugendpornographischer Inhalte Revision eingelegt hatte, wurde vor dem Landgericht Fulda erneut verhandelt. Er wurde zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. *Quelle: osthessen-news
24.7.2026 Mitte der 1990er Jahre wurde katholischer Pfarrer des Bistums Trier wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt, durfte dann jedoch von 1997 bis 2003 in der Diözese Rottenburg-Stuttgart seelsorglich tätig sein. Zwar hatte das Bistum Trier das Bistum Rottenburg-Stuttgart über die Vorgeschichte des Geistlichen informiert, über Einschränkungen der Tätigkeit jedoch gab es keinerlei Informationen. Sowohl das Bistum Trier als auch das Bistum Rottenburg-Stuttgart distanzierten sich von ihren früheren Entscheidungen. Inzwischen fanden Rettungssanitäter, die zu einem Notfall in die Wohnung des Geistlichen kamen, jugendpornografische Fotos und informierten die Polizei. Die polizeilichen Ermittlungen wurden eingeleitet. Das Bistum Trier strebt an, den Pfarrer aus dem Klerikerstand zu entlassen. Quelle: sr
24.7.2026 Zwei Missbrauchsbetroffene klagen gegen das Erzbistum Paderborn auf Schmerzensgeld. Stefan Fennrich erlitt Missbrauch durch einen Geistlichen in Werl und Michael Schoppe in Netphen im Siegerland. Quelle: WDR
24.7.2026 Schwester Theresa Aletheia und Schwester Danielle Lussier aus Lexington, Kentucky, wollen einen Orden gründen, der sich um Missbrauchsbetroffene in der katholischen Kirche kümmert. Quelle: katholisch.de
23.7.2026 Zum kommenden Wintersemester startet an der Katholisch.-Theologischen Fakultät der Universität Bonn ein berufsbegleitender Masterstudiengang zum Schutz vor sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch in Organisationen. Der Studiengang wird gemeinsam mit einer Sport- und einer Polizeihochschule angeboten. Quelle: vaticannews
23.7.2026 Die Vernetzungsplattform BeNe der EKD ist offline. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI) hat zwei Sicherheitslücken im CMS WordPress festgestellt. Die Sicherheitslücken wurden inzwischen geschlossen. Es wird dringend empfohlen, das für BeNe verwendete Passwort, wenn es auch bei anderen Diensten verwendet wird, unverzüglich zu ändern. Quelle: betroffenen-netzwerk
22.7.2026 Laura Sgro, Anwältin von fünf mutmaßlichen Missbrauchsopfern des katholischen Priesters Marko Rupnik, wirft dem Vatikan Verschleppen des Verfahrens gegen Rupnik vor. Die Betroffenen beklagen, seit neun Monaten keinerlei Informationen über den Fortgang des Verfahrens zu haben und berichten, dass die Frauen bislang nicht als Zeuginnen befragt wurden. Der Vatikan erklärte, das Verfahren sei noch anhängig, daher gebe es keine Informationen. Quelle: stern
22.7.2026 Gisela Muschiol, katholische Kirchenhistorikerin, weist auf die zusammengesetzte Figur der Maria Magdalena hin. In diese Figur wurden andere Marien „eingetragen“, vor allem die Figur der Sünderin. Gesichert hingegen ist lediglich die biblische Maria von Magdala. Sie war bei der Kreuzigung Jesu und seiner Grablegung dabei und gemeinsam mit anderen Frauen als erste an seinem Grab. Sie hatte den Auftrag den Jüngern von der Auferstehung zu erzählen. Ohne diese Zeugin der Auferstehung gäbe es keine christliche Verkündigung. Dieser Maria von Magdala wurde zu Recht der Titel „apostola apostolorum“ verliehen. Heute ist ihr Festtag. Quelle: katholisch.de
22.7.2026 Die Zahl der Missbrauchsfälle von Kindern und Jugendlichen ist 2025 gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent auf mehr als 20.000 Opfer gestiegen. Die Mehrheit der Opfer war zwischen sechs und 13 Jahre alt. Herstellung, Verbreitung, Erwerb und Besitz jugendpornografischer Inhalte hat sich gegenüber 2020 mehr als verdoppelt. Kerstin Claus, Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung nannte die Social-Medi-Plattformen oder Chats von Online-Spielen einen „immensen Risikoraum für junge Menschen.“ Quelle: Süddeutsche
15.7.2026 Nun hat die UBSKM einen Rechercheratgeber für Akten zu sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend herausgegeben.
15.7.2026 Ein Pfarrer, 82, aus dem Bistum Trier hatte zwischen 1994 und 1997 Berufsverbot, nachdem er wegen des Missbrauchs von Schutzbefohlenen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war. Danach wurde er bis 2003 für Aushilfs- und Vertretungsdienste in der Diözese Rottenburg-Stuttgart eingesetzt. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts des Besitzes von jugendpornografischem Material. Das Gesuch des Bistums um Entlassung aus dem Klerikerstand liegt dem Vatikan vor, wurde aber noch nicht entschieden. Das Bistum Trier teilte nun mit, dass der Pfarrer endgültig aus dem Klerikerstand entlassen werden soll. Quelle: sr
14.7.2026 Ein 62-Jähriger hatte den Verdacht geäußert, er könne ein Sohn von Kardinal Franz Hengsbach sein. Nun hat ein DNA-Test den Verdacht widerlegt. Quelle: katholisch.de
13.7.2026 Gegen einen 82‑jährigen wegen sexuellen Missbrauchs verurteilten ehemaligen Pfarrer aus dem Landkreis Merzig‑Wadern, Bistum Trier, ermittelt die Staatsanwaltschaft Saarbrücken wegen des Verdachts, jugendpornografische Inhalte besessen zu haben. Quelle: saarbruecker-zeitung
10.7.2026 Sylvia Schraut, Historikerin und Ulrich Wastl, Jurist, sind an Studien zur Missbrauchsaufarbeitung beteiligt. Als Problem bei ihrer Aufarbeitungsarbeit erklären sie mangelnde Kenntnisse über Täternetzwerke und erhebliche Behinderungen durch „überzogenen Datenschutz“. Sie erwarten, „dass die Netzwerke von pädosexuellen Priestern auch Verbindungen haben zu Kriminellen außerhalb der Kirche.“Schraut und Wastl gehen von vergleichbaren Strukturen aus wie sie in der Drogenszene bestehen. Die Kenntnis von Täternetzwerken und Täterstretegien seien für Prävention wichtig, sagen sie. Quelle: katholisch.de