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Sexueller und Macht-Missbrauch in Geistlichen Gemeinschaften

Afrikanische Nonnen berichten, dass sie von Priestern und Bischöfen missbraucht wurden

1994 berichtete die Ärztin und Ordensschwester Maura O Donohue dem damaligen Vorsitzenden der Ordens-Kongregation Kardinal Edoardo Martinez Somalo von sexuellem Missbrauch. 1998 berichtete Schwester Marie McDonald nach Rom.
In den Berichten werden 23 Länder – darunter nicht nur afrikanische, sondern auch aus den USA, aus Italien und Irland – aufgelistet, in denen von sexuellem Missbrauch an Nonnen durch Priester und Bischöfe, von Vergewaltigung und Abtreibung berichtet wird.

Der Papstsprecher Navarro-Valls sagte, das Problem sei bekannt, sei aber “auf ein begrenztes geografisches Gebiet beschränkt”, d.h. auf Südafrika.
Der Schweizer Religionswissenschaftler Al Imfeld, Frater der Missionsgesellschaft Immensee und Afrikakenner, bestätigt den Skandal um Hunderte von jungen Ordensschwestern, ohne dass der Vatikan etwas dagegen unternimmt. (Nachricht vom 26.3.2001, nicht mehr online)

Quellen
Berliner Zeitung 22.3.2001
spiegel.de 26.3.2001
kfd-Brief zum sexuellen Missbrauch von Ordensschwestern in Afrika vom 6.4.2001 (nicht mehr online)
Nonnen wurden von Priestern missbraucht – 4 von 10 Nonnen haben MB-Erfahrung 21.3.2010
Vertreterinnen von Missbrauchsopfern überreichen Papst ein Buch über Missbrauch von Ordensschwestern durch Priester, 13.9.2016

2018 Inzwischen berichten auch chilenische Nonnen von Missbrauch.


Opus Dei

  • In Spanien beschuldigt ein Opus-Dei-Mitglied 10 spanische Opus-Dei-Priester und 2 Laien des sexuellen Missbrauchs (28.1.2015).
  • Bischof Livieres Plano, Paraguay, Opus Dei, wurde vom Vatikan abgesetzt. Er hat seinen mit Missbrauchsvorwürfen konfrontierten Generalvikar Carlos Urrutigoity geschützt. U.a. wurde ihm sexueller Missbrauch junger Seminaristen in den USA vorgeworfen. Der Bischof hat dem Missbrauchstäter eine steile kirchliche Karriere ermöglicht: Er ernannte ihn zum Jugendvikar, zum Rektor des Priesterseminars der Diözese und schließlich zum Generalvikar. Dem Bischof waren die Missbrauchsvorwürfe bekannt.

Quellen
Zeit 25.9.2014
wikipedia
tagesspiegel.de 25.9.2014


Sodalitium Christianae Vitae – Peru

German Doig Klinge starb 2001 mit 44 Jahren. Er gründete – zusammen mit anderen – die internationale Bewegung Sodalicio de Vida Christinao, Kameradschaft des christlichen Lebens. Er sollte selig gesprochen werden. Dann kam das Doppelleben Doigs zutage. Zwischen 1980 und 1990 hatte Doig als “Generalvikar” der Sodalicio-Bewegung bei Besinnungstagen “Nacktmeditationen” veranstaltet und mindestens drei junge Männer sexuell missbraucht.

  • Weitere Sodalicio-Verantwortliche in Peru sind in einen Skandal um Kinderpornografie im Internet verwickelt, wie ein ehemaliger Sodalicio-Oberer berichtet. Der Zeuge dafür ist inzwischen aus der Sodalitium Christianae Vitae ausgestiegen und lebt in Deutschland, “in Furcht vor der Rache der Ordens-Aktivisten”.
  • Figari, der  „Sodalicio“-Gründer, ging „aus gesundheitlichen Gründen“ in den Ruhestand nach Rom. In dem Buch „Mitad monjes, mitad soldados“ (Zur Hälfte Mönche, zur Hälfte Soldaten) stellen die renommierten Journalisten Pedro Salinas und Paola Ugaz 30 Zeugenaussagen zusammen, die darauf hindeuten, dass auch der Gründer selbst Mitglieder zumindest in einem Fall sexuell missbraucht hat.
  • Luis Fernando Figari wurde vom Papst in den Ruhestand geschickt. Ihm wurde ein Leben des Gebets in einem Kloster auferlegt und ein Kontaktverbot mit dem von ihm gegründeten Orden “Sodalitium Christianae Vitae” ausgesprochen.  Ihm wurde von vielen Opfern sexueller und psychischer Missbrauch vorgeworfen. Opfer hatten sich Gerechtigkeit und eine exemplarische Verurteilung erhofft. (Februar 2017)
    Quelle: latina-press.com
  • Opfer sexueller Gewalt in der Laienorganisation “Sodalitium Christianae Vitae” hatten bereits 2011 im Bistum Lima, Peru, die Verbrechen und Übergriffe gemeldet. Die Ordenskongregation des Vatikans brauchte 6 Jahre, um den Anschuldigungen nachzugehen. (25.2.2017)

Quellen:

Thomas Seiterich 23.10.2011

Blog von Martin Scheuch

Hildegard Willer 31.10.2014

infostelle-peru.de 26.10.2015

rpp.pe/peru 10.10.2016

latina-press.com 12.2.2017

radiovaticana.va 16.2.2017


Das Werk

Quellen
blick.ch 9.11.2014
zeit.de 20.4.2014
Stellungnahme des Ordens 17.11.2014 (nicht mehr online)


 

Gemeinschaft der Seligpreisungen – Frankreich, Österreich, Deutschland, Schweiz

  • Bruder Pierre-Etienne gab zu, bei etwa fünfzig Kindern (Jungen und Mädchen) sexuell übergriffig geworden zu sein; er wurde inzwischen aus der Kommunität entlassen.
  • Gérard Croissant (Bruder Ephraim), dem Gründer der “Gemeinschaft der Seligpreisungen”, wird sexueller Missbrauch vorgeworfen. Er hat sich an einem minderjährigen Mädchen und mehreren Schwestern der Gemeinschaft sexuell vergangen.
  • Diakon Philippe Madre wurde von einem diözesanen Kirchengericht aus dem Klerikerstand ausgeschlossen. Vorgeworfen wird ihm seit dem Jahre 2003 mehrfacher sexueller Mißbrauch.

Quellen
katholisches.info 5.12.2011
la-croix.com 26.5.2011
de.wikipedia.org

Institut des fleischgewordenen Wortes – gegr. in Argentinien, in Deutschland in Berlin und in  Neumarkt/Bistum Eichstätt

Das Institut des fleischgewordenen Wortes (Instituto del Verbo Encarnado, IVE) ist ein Institut des geweihten Lebens. Die Ordensgemeinschaft wurde 1984 in Argentinien gegründet. In Deutschland ist der männliche Zweig des Instituts in Berlin (2 Priester) und Eichstätt (3 Priester) vertreten. Der Gründer Carlos Miguel Buela wurde Anfang 2010 wegen Missbrauchsvorwürfen vom Vatikan mit lebenslanger Wirkung abgesetzt. Er erhielt ein Kontaktverbot zu den Gemeinschaften. Das IVE hielt die vatikan. Anweisung intern geheim, hielt sich nicht an die Kontaktsperre und gestattete Buela weiterhin Zutritt zu seinen Niederlassungen. Daher wurde das Institut am 16.12.2015 auf Weisung der vatikan. Ordenskongregation unter Aufsicht gestelle. Das päpstliche Dekret vom 22.1.2010 wurde in der Öffentlichkeit erst im Nov. 2015 bekannt, als Ex-Mitglieder es veröffentlichten.
Quellen:
Seite des Instituts
Berliner Niederlassung
Niederlassung Neumarkt
Aussteiger-Seite
Aussteiger-Seite
wikipedia.org


Erzbischof Julius Paetz, Polen

Die Ereignisse um Julius Paetz weisen darauf hin, dass es auch in Priesterseminaren Abhängigkeitsverhältnisse zwischen den Seminaristen und ihren Vorgesetzten gibt- bis hin zum Bischof, der über die Zulassung zur Weihe entscheidet. Und Abhängigkeitsverhältnisse tendieren dazu, missbraucht zu werden. Es it erstaunlich, dass es bislang so wenig Nachrichten über sexuelle Gewalt aus Priesterseminaren gibt.

Eine Gruppe von meist angehenden Priestern wirft Erzbischof Juliusz Paetz vor, sie sexuell genötigt zu haben. Im Juni 2001 übergab eine Gruppe von Geistlichen einen Brief über die Verfehlungen von Paetz den Delegierten des polnischen Episkopats an Rom. Auch der päpstl. Nuntius in Polen erhielt den Brief. Er erklärte, die Vorwürfe seien ein lokales Problem und übergab den Brief — an Erzbischof Patz. Mit Kirchenstrafen belegt wurden – einige der Unterzeichner. Der Erzbischof erhielt Unterstützung durch Geistliche und Laien. Dann war ein Opfer bereit, die Vorwürfe öffentlich und ohne den Schutz der Anonymität, zu erheben. Daraufhin bat Paetz den Papst um die Versetzung in den Ruhestand. 2013 (!) erhielt Paetz die Auflage, öffentliche Gottesdienste nur nach Genehmigung durch den Bischof feiern zu dürfen. Die Teilnahme an größeren Feierlichkeiten wurde ihm untersagt. Noch kurz zuvor hatte Paetz gesagt, er wolle an einem Festgottesdienst anlässlich der Christianisierung Polens im April 2016 teilnehmen. Der zuständige Nuntius erinnerte ihn an das Verbot, an Festgottesdiensten teilzunehmen.

Quellen
polen-news.de
katholisch.de
religionv1.orf.at


Piusbruderschaft

25.9.2014 Der Priester Carlos Urrutigoity, Mitglied der Pius-Bruderschaft, wird vorgeworfen, in den USA junge Seminaristen missbraucht zu haben. Von Bischof Rogelio Ricardo Livieres Plano, Paraguay, wird er dennoch eingesetzt, zuletzt als Generalvikar.
Über die bekannten und üblichen Strategien von Tätern und Täterschützern und die Chancenlosigkeit der Opfer auf Gerechtigkeit ist hier nachzulesen.
Im Mai 2015 erteilte die Glaubenskongregation dem Generaloberen der Piusbruderschaft, Fellay, das Recht, über Missbrauchstäter in den eigenen Reihen zu urteilen. Zwar ist die Pius-Bruderschaft nicht von Rom anerkannt, darf aber über “delicta graviora” Recht sprechen.
7.4.2017 Die Piusbrüderschaft soll 4 Missbrauchstäter, die mindestens 12 Jugendliche missbrauchten, geschützt haben und ihnen Seelsorge erlaubt haben. Einer der Täter wurde inzwischen in den USA zu Lebenslänglich verurteilt, 2 haben sich der Gruppe um Williamson angeschlossen. Dem Vatikan sind die Vorwürfe bekannt, er hat aber nur geringen Einfluss auf die Piusbrüder.
Quellen:
Zeit.de
badische-zeitung.de 6.12.2012
deutschlandfunk.de, 28.4.2016
avref.fr – Opfervereinigung
katholisches.info 6.6.2015 
Tagesspiegel 28.4.2010
kath.net 7.4.2017


St. Johannes-Gemeinschaft

Ein Mitglied der Johannesgemeinschaft wurde 2010 zu sechs Monaten bedingter Haft verurteilt. 2013 tauchten Missbrauchsvorwürfe gegen den Gründer der Johannes-Gemeinschaft, Pater Philipp, auf. 2016 wurde ein Bruder zu acht Jahren Haft wegen Vergewaltigung und Missbrauch verurteilt.
Seite der Gemeinschaft
Pater Denis B., Marchegg, wurde wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt 8.7.2010
Missbrauchsvorwürfe gegen den Gründer der Johannes-Gemeinschaft, Pater Philipp, 16.5.2013
Vorwürfe von zwei Frauen
Verurteilung eines Bruders der Johannesgemeinschaft zu 8 Jahren Haft wegen Vergewaltigung und Missbrauch 28.4.2016
religionsphilosophischer-salon.de


Gemeinschaft Villaregia

Der Gründer der Gemeinschaft Villaregia, der Missionar Pater Luigi Prandin, wird des sexuellen Missbrauchs beschuldigt. Der Papst entfernte ihn aus seinem Amt. Entlassen wurde auch die Mitbegründerin Maria Luigi Corona, die den Missbrauch vertuschte.
ilrestodelcarlino.it

Laienorganisation Lavina/”Katholische Kultur- und Umweltvereinigung”

27.4.2018 Auf Sizilien, im Bereich des Bistums Acireale, gründete der katholische Pater Stefano Cavalli – “spiritueller Sohn” von Padre Pio – die katholische Laienorganisation Lavina, später umbenannt in “Katholische Kultur- und Umweltvereinigung”. Von der Gemeinschaft wurde seit etwa 1976 von abweichenden Lehren und spirituellen Praktiken und von psychologischer Einschüchterung vor allem junger Mädchen berichtet. Die Rede war auch von einem starken Personenkult um den Laienführer Piero Capuana, genannt “Erzengel”. Seit Anfang der 80er Jahre wusste das Bistum auch von einem Roman, den Capuana über Beziehungen mit jungen Mädchen schrieb. Seit mindestens 2010 ist dem Bistum auch sexueller Missbrauch minderjähriger Mädchen durch Capuana bekannt. Vier Bischöfe behandelten trotz der Hinweise auf problematisches, sektenhaftes Gebaren der Leitung die Laiengemeinschaft als legitime katholische Organisation.
Quelle: cruxnow


Ein Opfer wird Priester

Der Direktor des Franz-Sales-Hauses in Essen missbrauchte einen Jungen, der später selbst Priester wurde. Das ist eine der seltenen Nachrichten, die davon berichten, dass auch unter katholischen Priestern Missbrauchsopfer sind. Die Forschung geht davon aus, dass 5-15% aller Jungen Missbrauchsopfer sind. Bei ca 14.400 Priestern und Ordensmännern müssen wir rein rechnerisch von 720 – 2160 Opfern unter den männlichen Klerikern in Deutschland ausgehen.
Quelle: kirchensite.de

Prof. Becker, Opfer des Direktors Otto K. im Erzbischöflichen Collegium Josephinum, trifft im Krankenhaus auf einen Seelsorger, der ebenfalls dort missbraucht wurde.
Quelle: berliner-zeitung.de (28.1.2015)


Bischöfe, die sich als Opfer zu erkennen geben

Bischof Gumbleton, Präsident der US-amerkanischen Sektion von “Pax Christi”, hat ein Auftrittsverbot in kircheneigenen Gebäuden der Diözese Tucson im Bundesstaat Arizona erhalten. Gumbleton war für den 6. Februar als Hauptredner bei der Jahresversammlung der innerkirchlich umstrittenen Bewegung “Call to Action” angekündigt. Thomas Gumbleton war 1968 von Papst Paul VI. zum damals jüngsten Bischof der US-Kirchengeschichte ernannt worden. Der Weihbischof war eine Symbolfigur der weltweiten katholischen Friedensbewegung. Aufsehen erregte der Bischof vor einem Jahr, als er sich als Missbrauchsopfer eines Priesters in seiner Jugendzeit outete.
Quelle: radiovaticana.va

Der australische katholische Bischof von Parramatta, Vincent Long Van Nguyen, sagte im Februar 2017 vor der australischen königlichen Untersuchungskommission, er selbst sei als Erwachsener Opfer von Missbrauch durch einen Geistlichen gewesen. Nguyen war als vietnamesischer Bootsflüchtling nach Australien gekommen. Der Übergriff geschah kurz nach seiner Ankunft.
Quelle: orf  katholisch.de
Kommentar: D.i. ein mutiger Bischof, der sich als Missbrauchsopfer zu erkennen gibt. Man muss davon ausgehen, dass es auch unter Priestern und Bischöfen und Kardinälen Missbrauchsopfer sind. Aber nur wenige geben sich zu erkennen – sie wissen vermutlich, wie ihre Kollegen über Missbrauchsopfer denken und reden.

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