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Presse

4. Quartal 2020

31.12.2020  Die Vorwürfe gegen den Bühler Pfarrer Wolf-Dieter Geißler, Erzbistum Freiburg, lauteten auf Grenzverletzung und sexuellen Missbrauch. Nun hat die Staatsanwaltschaft das Verfahren eingestellt  wegen Mangel an Tatverdacht. Das kirchenrechtliche Verfahren ist noch nicht abgeschlossen. Der Pastoralreferent sprach im Jahresrückblick u.a. vom Schock und der Trauer, die die Nachricht von der Suspendierung ausgelöst habe. Es sei eine „gute Nachricht“,  dass das Verfahren mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt sei. Gegenüber der BNN-Redaktion sagte er: „Wir waren immer überzeugt davon, dass die Vorwürfe nicht haltbar waren.“ Quelle: BNN

Kommentar: Wer „immer schon“ davon überzeugt ist, dass die Vorwürfe nicht haltbar seien, unterstellt den mutmaßlich Betroffenen, sie seien Lügner. Eine solche Gemeinde ist für Betroffene nicht vertrauenswürdig. Nachtrag 4.1.2021: Das Verfahren wurde nicht mangels Tatverdacht eingestellt, sondern weil Verjährung eingetreten ist.


31.12.2020 Bischof Geoffrey Robinson, Australien, ist gestorben. Er – selbst Betroffener von Kindesmissbrauch – ist einer der wenigen Bischöfe, die an der Seite Betroffener standen. Ihm sei Dank.


31.12.2020 Im Bistum Würzburg wurden am 10.9.2020 Teilnehmer*innen von Gesprächen mit dem Bischof und dem Generalvikar zum Betroffenenbeirat ernannt. Bernhard Rasche kritisiert, dass nicht alle Gesprächsteilnehmer bei der Umbenennung anwesend waren und kein öffentlicher Aufruf zur Bewerbung für den Betroffenenbeirat ergangen ist. Zudem kritisiert er, dass der Bischof die beiden Mitglieder aus dem Betroffenenbeirat für die Aufarbeitungskommission erwählt habe, sie wurden also nicht – wie in der Rahmenordnung vorgesehen – vom Betroffenenbeirat in die Aufarbeitungskommission gewählt. Quelle: Mainpost


30.12.2020 In der Debatte um den Umgang von Kardinal Woelki, Köln, mit Missbrauchsfällen melden sich inzwischen auch mehrere Pfarrer öffentlich und kritisch zu Wort. So bescheinigt der Pfarrer des Seelsorgebereichs Dormagen-Nord, Klaus Koltermann, dem Kardinal „eine Ignoranz den Mitchristen gegenüber, die symptomatisch für seinen Leitungsstil im Bistum steht“. In der Bitte um Verzeihung kann er weder Gewissenserforschung noch Reue oder den Willen zur Umkehr des Kardinals erkennen. Auch der Kölner Sozialpfarrer Franz Meurer sagt im Blick auf einen Rücktritt von Kardinal Woelki: „Es steht Spitz auf Knopf.“ Quelle: Kirche und Leben


29.12.2020 Zum 1. Januar 2021 tritt die neue Verfahrensordnung zur Anerkennung des Leids katholischer Missbrauchsopfer in Kraft. Dann entscheidet eine Unabhängige Kommission für Anerkennungsleistung (UKA), die vom Vorsitzenden der DBK ernannt wurde, über die Höhe der Zahlungen. Betroffene müssen sich zunächst an die unabhängige Ansprechperson ihres Bistums (!) wenden. Diese Person führt ein Gespräch und kann beim Ausfüllen des Antragsformulars helfen. Sie leitet den Antrag an die UKA weiter, die über die Leistungshöhe bestimmt und das Geld auszahlt. Die Betroffenen und das Bistum werden von der UKA über die Entscheidung informiert. Quelle: katholisch.de


29.12.2020 Das Erzbistum München-Freising ruft kirchlich Betroffene auf, sich für den Betroffenenbeirat zu melden. Quelle: Erzbistum München-Freising


28.12.2020 Bischof Bätzing kam als Jugendlicher mit dem Thema sexueller Missbrauch in Berührung. In seinem Heimatort gab es in der Generation seiner älteren Brüder Missbrauch durch einen Priester. Irgendwie habe „man“ es gewusst, aber niemand habe darüber gesprochen. Quelle: katholisch.de


28.12.2020 Florian Breitmeier, NDR, bilanziert das Jahr 2020 im Blick auf die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt an Minderjährigen durch katholische Kleriker: „Kirche beschäftigt sich juristisch mit sich selbst anstatt demütig und konsequent die Perspektive der Betroffenen einzunehmen. Dieser Zustand ist kein guter.“ Der Evangelischen Kirche sagt er: „Die konsequente Einbindung von Missbrauchsopfern in kirchliche Entscheidungsprozesse und die Transparenz eben dieser Entscheidungen bleiben unzureichend.“ Quelle: NDR


28.12.2020 Die Schriftstellerin Petra Morsbach stellt fest, dass Mächtige oft abstreiten, Macht zu haben. Sie hält das für eine Flucht vor der Verantwortung. Diese Sicht gelte auch in der aktuellen Diskussion um Kardinal Woelki, Köln und Erzbischof Heße, Hamburg. Dass Bischöfe um ihr Amt fürchten müssen, hält sie für eine große Errungenschaft. Quelle: DLF


28.12.2020 Werner Kleine fragt am Tag der Unschuldigen Kinder: „Jesus jedenfalls flieht im Matthäusevangelium mit seinen Eltern vor Herodes, dem mit Macht Kinder Tötenden, nach Ägypten. Wird er bei der Kirche bleiben, wenn jenen, die als Kind missbraucht wurden und denen mächtige Kirchenleute keine Gerechtigkeit widerfahren lassen, weiter kein Recht verschafft wird? Gott ist parteiisch. Er steht an der Seite der Schwachen, vor allem der Kinder. Segnen sollt ihr sie. Wehe aber denen, die Hand an Kinder legen!“ Quelle: katholisch.de


28.12.2020 Im Internet haben die Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch nach Angaben der EU-Polizeibehörde deutlich zugenommen. Der Europol-Direktorin De Bolle macht der „Online-Missbrauch“ besonders große Sorgen. Quelle: deutschlandfunk.de


28.12.2020 Auch in Dudenhofen, Bistum Speyer, haben mindestens fünf Kinder in den 60er und 70er Jahren sexualisierte Gewalt durch den Pfarrer erlebt.Die Betroffenen haben sich seit 2003 beim Bistum Speyer gemeldet. Quelle: morgenweb.de


27.12.2020 Im Jahr 2021 soll die historische Aufarbeitung der kirchlichen Missbrauchsfälle in den (Erz-)Bistümern Hamburg, Osnabrück und Hildesheim beginnen. Dabei sollen auch die Namen derer veröffentlicht werden, „die im Umgang mit Betroffenen und Tätern Fehler begangen und sich schuldig gemacht haben“, sagte Bischof Bode, Osnabrück. Quelle: katholisch.de


26.12.2020 „Wir als Kölner Bistumsleitung haben im Umgang mit den Opfern sexuellen Missbrauchs in den letzten Jahrzehnten Fehler gemacht“, sagte Weihbischof Ansgar Puff. Und was bedeutet das nun? Quelle: katholisch.de


26.12.2020 Christiane Florin kommentiert die Bitte von Kardinal Woelki um Verzeihung. Quelle: srv.deutschlandradio.de


26.12.2020  Matthias Katsch, Sprecher des Eckigen Tischs“, kommentiert die Bitte um Verzeihung des Kardinals Woelki so: „Es tut ihm nicht leid, was er falsch gemacht hat, sondern dass er dafür kritisiert wird.“ Woelki versuche, die Gläubigen in Mithaftung zu nehmen, und appelliere „an den Herdeninstinkt“. Es würden aber weder die Kirche noch die Gläubigen angegriffen. „Es geht um sein Fehlverhalten.“ Quelle: dw, ab min. 9


25.12.2020 „Der Missbrauch in der Kirche ist so lange nicht Vergangenheit, wie Betroffene körperlich und seelisch davon schwer gezeichnet unter uns leben und sich als ‚Überlebende‘ bezeichnen… Sexueller Gewalt als weit verbreitetem Phänomen in unserer Gesellschaft wagen wir noch gar nicht ernsthaft ins Auge zu blicken,“ sagte Bischof Bätzing. Quelle: faz.net


25.12.2020 In Speyer tauchten Plakate mit folgendem Text auf: „Ich weiss nur, dass die Nonnen uns Kinder verliehen und für den Missbrauch freigegeben haben und die Nonnen haben an dem Verleih zum Missbrauch fürstliches Geld mit uns verdient. Die beiden Kinderheime in Speyer waren das Rotlichtmilieu in dieser Stadt.“

Stephan Alfter vom Morgenweb  stellte bereits am 19.12. fest, dass das Bistum Speyer bereits 2010 von dem Opfer Rudolf Motzenbäckers von den Verbrechen erfuhr. Danach geschah nichts. 2019 gab es dann ein erstes Gespräch des heutigen Generalvikars Andreas Sturm mit dem Opfer. Erneut geschah nichts. Erst jetzt, da alles öffentlich wird, hat das Bistum vor, das Archiv anzuschauen. „Wille zur Aufklärung sieht wirklich anders aus. Das ist Aussitzen“, kommentiert Alfter. Das Bistum Speyer kritisiert am 22.12. Stephan Alfter für seinen Kommentar. Bis zum 19.12. hat es kein Gespräch des Bischofs mit dem Opfer gegeben. Quelle: morgenweb.de


24.12.2020 Liebe Leser*innen! Ich wünsche euch/Ihnen, dass Sie das Weihnachtsfest als ein Fest der Hoffnung feiern können. Die Geburt Jesu, eines verletzlichen und gefährdeten Kindes, in der Fremde möge unsere Hoffnung auf Beheimatung stärken, denn „Gott ist mit uns“ – עִמָּנוּ אֵל, Immanuel. Unsere Heimatlosigkeit, die uns aus unseren Herkunftsfamilien, aber auch oft in unseren Kirchen vertraut ist, wird nicht das letzte Wort haben. Ermutigen wir einander, halten wir zusammen, erinnern wir einander immer wieder daran, dass Gott auch und gerade diejenigen sucht, die gerne an den Rand gedrängt und übersehen werden hier bei uns und weltweit.

© CL 


24.12.2020 Kardinal Woelki bittet pauschal um Verzeihung – und weiterhin um Geduld und Vertrauen. Dass er etwas ändern möchte, ist nicht zu erkennen. Wörtlich: „Zu den Sorgen, die Sie alle durch Corona ohnehin schon haben, haben wir, habe ich leider noch eine Bürde hinzugefügt. Was die von sexueller Gewalt Betroffenen und Sie in den letzten Tagen und Wochen vor Weihnachten im Zusammenhang mit dem Umgang des Gutachtens zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt in unserem Erzbistum, was sie an der Kritik darüber und insbesondere auch an der Kritik an meiner Person ertragen mussten. Für all das bitte ich Sie um Verzeihung.“ Quelle: domradio.de

Kommentar: Ich verstehe diese Bitte um Verzeihung nicht. Für Betroffene war die öffentliche Kritik an Kardinal Woelki eher entlastend und mitnichten eine Bürde. Die Bürde der Betroffenen wurde – nach der Gewalt – verursacht durch den Umgang des Kardinals mit dem Verbrechen, sie wurde nicht verursacht durch die Kritik am Verhalten von Kardinal Woelki. Kritisiert wurden auch nicht die Gläubigen im Erzbistum Köln, sondern Kardinal Woelki. Gläubige haben sich im Gegenteil an der Kritik beteiligt und sich damit mit den Betroffenen solidarisiert.


22.12.2020 Dem Bistum Speyer liegen 19 Meldungen von Menschen vor, die sich zwischen 2010 und 2019 gemeldet haben und sexuellen Missbrauch und Misshandlung im Jugendwerk St. Josef in Queichheim anzeigten. Die Taten fanden von 1950 bis nach 2010 statt. 32 Personen wurden als Täter benannt: Priester, Ordensschwestern, Lehrer, Erzieher, sonstige Mitarbeiter und andere Heimkinder. Quelle: rheinpfalz.de


22.12.2020 Eine zentrale Anlaufstelle für Frauen, die als Erwachsene Gewalt im kirchlichen Raum erfahren haben, bietet ab heute die Deutsche Bischofskonferenz an. Diese Erst-Anlaufstelle ist über die Internetseite www.gegenGewalt-anFrauen-inKirche.de erreichbar und ermöglicht betroffenen Frauen kostenlose und anonyme Beratung nach geistlichem und/oder sexuellem Missbrauch in kirchlichen Kontexten einschließlich der Orden. Getragen wird die Anlaufstelle von der Arbeitsstelle für Frauenseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz. Quelle: dbk


22.12.2020 Auch nachdem jedem klar geworden sein sollte, dass die Kirche außerstande ist, die sexualisierte Gewalt innerhalb der Kirche selbst aufzuklären, meint Armin Laschet, dass die Kölner Vorgänge innerkirchlich geklärt werden müssten. Der Vorsitzende des Diözesanrates, Tim Kurzbach, vermisst ein Zeichen der Geistlichen aus der ersten Reihe. Zudem werde der Diözesanrat nicht um Rat gefragt, sondern erst im Nachhinein informiert. Die Zahlungen an die Betroffenen kritisiert Kurzbach: „Es gibt keinen ehrbareren Anlass für die Kirche, sich an dieser Stelle arm zu machen.“ Quelle: katholisch.de


22.12.2020 Die Psychologin Petra Hank und Monika Sinderhauf, Direktorin des Trierer Bisumsarchiv, Herber Heyd, bisher Abteilungsleiter im saarländischen Sozialministerium, Ordinarius Lutz Raphael, Historiker und Gerhard Robbers, Ex-Justizminister von Rheinland-Pfalz sind bereit, in der Kommission, die den sexuellen Missbrauch im Bistum Trier aufarbeiten soll, mitzuarbeiten. Die konstituierende Sitzung findet statt, wenn auch die Vertreter*innen der Betroffenen benannt wurden. Quelle: Süddeutsche


22.12.2020 Außer im Nardinihaus in Pirmasens sollen auch im Mädchenheim Maria Rosenberg in Waldfischbach-Burgalben und im Kinderheim St. Nikolaus in Landstuhl Kinder von Kirchenvertretern sexuell missbraucht worden sein. Eine Betroffene aus dem Heim Maria Rosenberg wurde in den 60er-Jahren sexuell missbraucht, eine ander wurde dort misshandelt. Die Betroffenen wandten sich 2010 und 2014 an das Bistum Speyer. Im Kinderheim St. Nikolaus wurden elf Fälle bekannt, in denen mehrere Kinder sexuell missbraucht oder misshandelt wurden. Die meisten trugen sich zwischen den 40er und 70er Jahren zugetragen. Einen Missbrauchsfall habe es allerdings auch im Jahr 2009 gegeben. Quelle: swr.de


22.12.2020 Zur unseligen Geschichte der Katholischen Integrierten Gemeinde. Quelle: DLF


21.12.2020 Dr. Doris Reisinger: Genug Advent – Nun muss Weihnachten kommen. Quelle: y-nachten.de


21.12.2020 Film: Christoph Röhl: Verteidiger des Glaubens


21.12.2020 Der Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf wirft der katholischen Kirche vor, die christliche Botschaft zu verdunkeln und vor den drängenden Gegenwartsproblemen zu versagen. Der Kirche fehle jede Glaubwürdigkeit. Es verwundere nicht, dass zu den Herausforderungen dieser Zeit von der Kirche kaum etwas zu hören sei. „Denn wer wollte notorischen Lügnern glauben?… Wenn sie weiter vertuscht, verschweigt und verdunkelt, kann sie sich nicht einmal selbst dem klaren Licht des Evangeliums aussetzen.“ Ohne sofortige „radikale Umkehr und radikale Reform“ werde die Kirche „zu einer fundamentalistischen Sekte verkommen, mit der kein Mensch von heute mehr seine Sorgen und Hoffnungen teilen will“.

Kardinal Woelki hingegen geht nicht davon aus, dass die Kirche durch die andauernde Debatte einen nachhaltigen Vertrauensverlust erleide. Das berichten Teilnehmer einer Videokonferenz mit Kardinal Woelki, Generalvikar Markus Hofmann und dem Strafrechtler Matthias Jahn. Quelle: Presseportal  rp-online.de


21.12.2020 Christa Pesch, frühere Missbrauchsbeauftragte des Erzbistums Köln, berichtete, dass sie bereits 2011 das Erzbistum darauf hingewiesen habe, dass der Vorwurf sexuellen Missbrauchs durch Pfarrer O. weiter verfolgt werden müsse. „Es ist für mich schwer erträglich, wie der Kardinal und die Bistumsleitung jetzt die Verantwortung von sich wegschieben und an andere weitergeben“, sagte Pesch. Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, fordert, die Aufklärung kirchlicher Missbrauchsfälle grundsätzlich in externe Hände zu geben. Quelle: katholisch.de


20.12.2020 „Dass sexueller Kindesmissbrauch dem System Kirche geschuldet ist, heißt es seit Langem. Offenbar hat auch die Unfähigkeit zu Aufklärung systemische Ursachen“, meint Lothar Schröder. Quelle: rp-online.de


20.12.2020 Hans Zollner fordert die Kirche auf, sich auch an Weihnachten dem Missbrauchsthema zu stellen. Gerade die zum Fest beschworene Harmonie sei für die Betroffenen oft schwer auszuhalten. Quelle: katholisch.de


20.12.2020 Auch im Nardini-Kinderheim, Bistum Speyer, wurden Kinder sexuell misshandelt. Bei den Missbrauchsbeauftragten des Bistums Speyer gingen vier Anzeigen seit 2010 ein. Die Betroffenen von Gewalt, die sie in den 1950er- bis 1970er-Jahren als acht-bis 15-Jährige erlitten, haben vom Bistum Anerkennungszahlungen erhalten. Die Beschuldigten – ein Priester und fünf Schwestern und ein Mitarbeiter – sind verstorben. Quellen: Rheinpfalz  swr.de


20.12.2020 Hermann Häring berichtet vom Rufmord eines afrikanischen Ordenspriesters: „Eine unappetitliche Geschichte. Zum Konflikt eines afrikanischen Priesters mit deutschen katholischen Behörden“. Quelle: hjhaering.de


18.12.2020 Ein Bischof könne in eine Lage kommen, in der ihm im Bistum niemand mehr vertraue. „Dann muss er sich ernsthaft fragen, ob er dort richtig ist“, sagte Heiner Wilmer,  Bischof von Hildesheim. Quelle: katholisch.de


18.12.2020 „Da wird ein brutaler Zynismus geschützt, in dem es um Macht, Geld und Karrieren geht“, gar nicht um den Schutz der Kirche. Das sagt Christiane Florin. Quelle: www1.wdr.de


18.12.2020 Das Sozialreferat von München hat Zweifel am Aufarbeitungswillen der Niederbronner Schwestern, die in den 60er und 70er Jahren auch in Oberammergau ein Kinderheim hatten. Auf die Untersuchung der Historikerin Christine Rädlinger: „Weihnachten war immer sehr schön„, das die Münchener Kinderheime von 1950 bis 1975 untersuchte, u.a. das Oberammergauer Kinderheim der Niederbronner Schwestern, reagierten die Schwestern abweisend beziehungsweise gar nicht. Von einer aktiven Mitwirkung an der Aufarbeitung könne aus Sicht der Stadt München beim Orden bisher „leider nicht“ die Rede sein. In einer Presseerklärung vom 17.12.2020 sichert die heutige Provinzoberin Geißinger „unbedingten Aufklärungswillen“ zu. Bislang findet sie – ausgenommen die Aussagen des Betroffenen des Kinderheims in Speyer – keinerlei Hinweise darauf, dass Schwestern die Kinder der Prostitution ausgeliefert hätten. Der Münchner Sozialpsychologen Heiner Keupp berichtet, dass es Prostitutionsvorwürfe vereinzelt auch schon in anderen Einrichtungen gegeben habe, etwa im Piusheim in Glonn. Allerdings sei ihnen bisher nicht nachgegangen worden. Quelle: katholisch.de


18.12.2020 Die Niederbronner Schwestern sind zu einem Gespräch mit dem Mann bereit, dessen vielfacher sexueller Missbrauch und andere Gewalterfahrungen in den Jahren 1963-1972 im Speyerer Kinderheim der Niederbronner Schwestern vom Sozialgericht Darmstadt anerkannt wurden. Allerdings sagt die Provinzoberin der Niederbronner Schwestern: „Es ist für uns nicht fassbar, dass die vorgeworfenen grausamsten Handlungen und ihre Folgen weder von den Schwestern, von Mitarbeitern des Kinderheims noch vom Lehrkörper in den Schulen, die die Kinder besuchten, bemerkt und zur Sprache gebracht worden sein sollen. Auch der Schule oder dem Jugendamt hätten die Missbrauchsfälle und erst recht das Fehlen eines Kindes auffallen müssen.“ Quelle: vaticannews

Kommentar:  Den Schwestern ist zu empfehlen, den Abschlussbericht des Runden Tisches „Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren  zu lesen. Darüber hinaus war es nachgewiesenermaßen zum Beispiel in Irland möglich, die Leichen von 796 Säuglingen und Kindern zwischen 1921 und 1961 in einem Massengrab verschwinden zu lassen, ohne dass der staatlichen Behörde vor 2019 auch nur aufgefallen wäre, dass der Tod der Kinder zwar gemeldet wurde, die Kinder jedoch nicht auf dem Friedhof bestattet wurden.


17.12.2020 Kardinal Woelki, Erzbistum Köln, zelebrierte 2017 den Trauergottesdienst für den kath. Priester O., von dessen Missbrauchstaten er seit 2010/2011 wusste und den er auch 2015 nicht nach Rom meldete. In seiner Predigt lobte er den Verstorbenen „in den höchsten Tönen“, wie ein Teilnehmer berichtete. Quelle: KStA


17.12.2020 Christiane Florin kommentiert den Verweis von Bischöfen auf noch zu veröffentlichende Gutachten über kirchliche Missbrauchsfälle: „Wenn ich etwas gemacht habe, von dem ich heute sage, das war sehr schlimm, muss ich doch nicht vorher in ein Gutachten schauen, um das zu wissen.“ Quelle: DLF


17.12.2020 Domradio.de erinnert anlässlich des 42. Todestages von Kardinal Frings, Erzbistum Köln, an die Verdienste des Kardinals. Dass Kardinal Frings Missbrauchsfälle vertuschte, bleibt unerwähnt. Quelle: Domradio


16.12.2020 Erzbischof Luigi Ventura, 76, ehemaliger Nuntius in Paris, wurde vom Pariser Strafgericht wegen sexueller Übergriffe auf mehrere Männer zu acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Zudem muss er 13.000 Euro an die Opfer und 9.000 Euro an Prozesskosten zahlen. Ventura hatte die Vorwürfe immer bestritten. Der Heilige Stuhl hatte die Immunität aufgehoben. Quelle: vaticannews


16.12.2020 Claudia Becker kommentiert die Gewalterlebnisse in einem katholischen Kinderheim in Speyer: „Die Kirche, das Kinderheim und die Hölle von Speyer“. Sie fragt: „Warum erfährt die Öffentlichkeit erst jetzt von dem bereits im Mai gefällten Urteil? Auch die Schwestern wollen Aufklärung – bedauern allerdings, dass sie keinen Zugang zu den Archiven der von ihnen betreuten Heime hätten. Als wäre der Kampf um den Zugang nicht das Mindeste, was sie den Opfern schuldig sind. Die Kirche sollte endlich begreifen, dass die Zeit der Ausreden vorbei ist.“ Quelle: welt.de


16.12.2020 Ein Betroffener von Gewalt und sexualisierter Gewalt bei den Niederbronner Schwestern sagt, er habe als 14-Jähriger etwa 1971 den damaligen Bischof Wetter, Bistum Speyer, in einem Brief informiert. Bischof Wetter hingegen sagte KNA: „Ich erinnere mich nicht an einen solchen Brief. Wenn ich einen Brief erhalten hätte, der so schwere Vorwürfe gegen meinen Offizial erhebt, wäre ich der Sache nachgegangen.“ Quelle: katholisch.de


16.12.2020 Die katholische Kirchengemeinde Sankt Margareta in Düsseldorf, in der der beschuldigte Pfarrer O. lange gearbeitet hat, kritisiert Kardinal Woelki, er werde seiner Verantwortung als oberster Seelsorger einer großen und einflussreichen Diözese  nicht gerecht. Auf die Bitte um eine Stellungnahme habe das Erzbistum nicht reagiert. Woelki übernehme keine Verantwortung, gebe vielmehr seinen Fall nach Rom an. Das wird als „unwürdig und als Verhöhnung der Opfer von Gewalttaten“ verstanden. Manche stellen nun ihren Glauben und ihr persönliches Verhältnis zur Kirche“ komplett in Frage. Außerdem stellen sich Gemeindemitglieder die Frage, ob sie nichts gemerkt haben oder nichts merken wollten. Quellen: katholisch.de  st-margareta.de

Kommentar: Es ist für Betroffene eine Hilfe zu sehen, dass eine Kirchengemeinde sich für sie und ihr Anliegen einsetzt. Danke!


16.12.2020 Der Kirchenrechtler Thomas Schüller stellt einen moralischen Tiefpunkt fest, dass Kardinal Woelki seine Karriere durch Instrumentalisierung eines Opfers retten will.Wäre Woelki ein „Mann des Anstandes“, dann würde er seinen Rücktritt anbieten. Schüller weist darauf hin, dass eine neue Bischofsgeneration eine schwere Erblast aufzuarbeiten habe – so z.B. habe der Mainzer Bischof Kohlgraf aufzuzeigen, dass die angesehen Kardinäle Lehmann und Volk systmatisch vertuscht haben. Durch das verheerende Beispiel Woelkis gerieten alle Bischöfe in den gleichen Verdacht, dass sie es nicht ernst meinen mit der radikalen ehrlichen Aufarbeitung der Schuld der Katholischen Kirche. Schüller plädiert zum wiederholten Male – wie viele andere auch -, dass der Staat mit einer unabhängigen Wahrheitskommission aufklären müsse.

Schüller berichtet, dass Woelki in Veranstaltungen mit Diözesanen gesagt habe, er als Kardinal definiere, ob Vertrauen verloren gegangen ist. Quelle: DLF

Kommentar: Ups, wie kann der Kardinal wissen und entscheiden, wem ich Vertrauen schenke – und wem ich kein Vertrauen mehr schenke?!


16.12.2020 Die Glaubenskongregation hat das Urteil des Kölner Kirchengerichts bestätigt. Damit wird der 87-jährige Priester A. aus dem Klerikerstand entlassen. Er war zweimal strafrechtlich wegen Kindesmissbrauch verurteilt worden und trotzdem in seinem Heimatbistum, dem Erzbistum Köln, aber auch in den Bistümern Münster und Essen eingesetzt worden. Der Fall belastet die Glaubwürdigkeit des früheren Personalchefs von Köln und heutigen Erzbischofs von Hamburg und den Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp. Die  Bischöfe Franz-Josef Overbeck und Felix Genn hatten Fehler eingeräumt. Quelle: Kirche und Leben


16.12.202 Die Journalisten Joachim Frank, u.a. Vorsitzender der „Gesellschaft Katholischer Publizisten“ (GKP) und Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und Ludwig Ring-Eifel, Chefredakteur der Katholischen Nachrichten-Agentur, diskutieren die Frage: „Soll Woelki zurücktreten?“ Quelle: deutschlandradio


15.12.2020 Der Journalist Volker Resing will sich an Weihnachten auf das Wesentliche konzentrieren und das „Desaster“ der katholischen Kirche vergessen. Quelle: katholisch.de

Kommentar: Genau das ist das Problem Betroffener: Andere Christ*innen wollen nicht durch die Erfahrung Betroffener gestört werden, wenn sie sich im Gottesdienst auf das Evangelium konzentrieren wollen. Ich frage mich, was ein Evangelium taugt, wenn es nicht auch Missbrauchsbetroffenen gilt und wenn sie die Solidarität von Christen nicht erfahren. Hat das Evangelium verstanden, – wer nicht einmal an Weihnachten den Schrei derer hört, die unter die Räuber gefallen sind?


15.12.2020 Der im Fall des Pfarrers O. Betroffene hat sich mit Kardinal Woelki, Erzbistum Köln, getroffen. Das Bistum erklärte inzwischen, dass nach aktuellen Erkenntnissen nunmehr klar sei, dass der Betroffene sich „damals einen weiteren Informationsaustausch gewünscht“ habe. Dass Kardinal Woelki dem Betroffenen die Verantwortung für die Vertuschung zugeschoben habe, nannte der ehemalige Sprecher des Betroffenenbeirats, Patrick Bauer, Tätersprache. Quelle: express.de


15.12.2020 In der derzeitigen Diskussion um den Missbrauch durch Pfarrer O., Erzbistum Köln, sagt der Betroffene, er habe „detailliert über die Tat berichtet und habe gebeten, soweit wie möglich außen vor gelassen zu werden“, nicht jedoch – wie vom Erzbistum behauptet – die Mithilfe generell verweigert. Inzwischen fand ein Gespräch des Betroffenen mit Woelki statt und das Erzbistum sieht „eine Chance zu weiterer Aufklärung“ und werde diese pflichtgemäß nutzen. Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller fordert die Herausgabe der Akte zum Fall O. und sagt: „Dass für Woelkis Ausflüchte – gegen geltendes Recht und jede Form von Anstand – der Betroffene herhalten soll, ist ein weiterer moralischer Tiefpunkt. Was muss eigentlich noch passieren, bis der Erzbischof die Konsequenzen zieht?“ Quelle: Presseportal

15.12.2020 Till Magnus Steiner, Alttestamentler, findet klare Worte zum Umgang mit kirchlichen Missbrauchsfällen und den Betroffenen: „Die prophetischen Stimmen der Missbrauchsopfer können die Kirche retten, doch sie müssen gehört werden. Diejenigen, die die Stimmen der Leidenden unterdrücken, löschen den Geist Gottes in der Kirche aus, der Leben schenkt. Maranatha – unser Herr, komm und führe Deine Kirche aus der Unterwelt zum Gericht!“ Quelle: dei-verbum.de


15.12.2020 Nach Einschätzung des Kirchenrechtlers Klaus Lüdicke hätte Kardinal Woelki 2015 einen früheren Missbrauchsfall in seiner Erzdiözese an den Vatikan melden müssen. Auch ohne kirchenrechtliche Voruntersuchung in einem Bistum müsse es eine Information an Rom geben, sagte Lüdecke. Das Kirchenrecht verlange „nicht den Bericht über die Voruntersuchung, sondern über die Kunde von der Straftat“. Das Erzbistum Köln jedoch ist der Ansicht, dass die Voruntersuchung unterblieb und daher auch keine Meldung an Rom zu machen sei. Die Voruntersuchung unterblieb wegen des schlechten Gesundheitszustandes des Beschuldigten und weil sich der Betroffene nicht mehr habe äußern wollen. Quelle: Neues Ruhrwort


15.12.2020 Rechtsanwalt Gercke äußert sich über das neue Gutachten, das er für das Erzbistum Köln bis zum 18.3.2021 anfertigen soll. U.a. zitiert er
„Kollegen aus dem Äußerungsrecht“, die dem Gutachten der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl vorwerfen, mit Spekulationen gearbeitet zu haben
und Schuldzuweisungen an einzelne Personen gemacht zu haben, ohne sie mit Fakten belegt zu haben. Quelle: Domradio


15.12.2020 Interview mit Kardinal Marx in der Süddeutschen


15.12.2020 Kardinal Woelki soll seinen Mediendirektor Markus Günther entlassen haben, wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtet. Günther soll Woelki zur Veröffentlichung des Gutachtens der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl geraten haben. Quelle: t-online


15.12.2020 Christiane Florin, DLF, recherchiert „im Hoheitsgebiet der Kardinäle Meisner und Woelki“. Ihr Fazit: „Das System von Versetzung und
Verharmlosung hat bisher perfekt funktioniert. Die zynische Wahrheit dieser Nichts-Geahnt-Kirche lautet: Geweihte Männer sind wertvoller als
andere Menschen, erst recht wertvoller als missbrauchte Kinder und traumatisierte Familien.“ Stellungnahmen der Kirche wurden nicht abgegeben. Quelle: DLF


15.12.2020 Annette Zoch stellt fest, dass Kardinal Woelki im Skandal um Missbrauch in der katholischen Kirche versagt: „Viele Betroffene können
heute – neben all dem erlittenen körperlichen und psychischen Leid – nicht mehr glauben. Nicht mehr an Gott, an sich selbst, an das Gute im
Menschen. Eine Kirche, die ihren Gläubigen den Glauben nimmt. Was ist das für eine Kirche?“ Quelle: Süddeutsche


14.12.2020 Der Missbrauchsbeauftragte der Niederbronner Schwestern, der Jurist Reinhard Lubitz, zweifelt daran, dass die Schwestern des Kinderheims in der Engelsgasse Speyer die Kinder regelrecht vermarktet hätten – und dies über Jahre hinweg. Er fragt, wie derartig Unfassbares über Jahre habe vertuscht werden können.  Quelle: sueddeutsche.de

Kommentar: Wer Betroffenen zuhört und/oder den Abschlussbericht des Runden Tisches „Heimerziehung“ aus dem Jahr 2010 gelesen hat, wundert sich eher nicht. 


14.12.2020 Die ersten 1000 Seiten des Gefängnistagebuchs von Kardinal Pell werden veröffentlicht. Für seine Anhänger ist Pell Opfer einer Justizposse. Für seine Gegner ist er ein Symbol für die Vertuschung in der katholischen Kirche Australiens. Pell selbst stellt sich in dem Tagebuch als ein
wegen seines Glaubens und seiner Überzeugungen verfolgter Christ dar. Die Königliche Missbrauchskommission Australiens hingegen hatte
ermittelt, dass Pell bereits in den 80er-Jahren informiert war und an der Vertuschung kirchlicher Missbrauchsfälle beteiligt war. Er hatte
selbst „enorme Fehler“ eingestanden, ohne sich jedoch genauer erinnern zu können. Quelle: religion.orf.at

Kommentar: Demütiges Schweigen würde Kardinal Pell gut anstehen – angesichts seiner Beteiligung an Vertuschung. Vom Vorwurf sexuellen Missbrauchs
hingegen wurde er zweimal freigesprochen: Einmal 2020 von einem staatlichen Gericht in Australien und einmal 2002  mangels Beweisen von einem kirchlichen Gericht in Australien.


14.12.2020 Kardinal Marx, München, bezeichnet die Nichtveröffentlichung der Missbrauchsstudie im Erzbistum Köln als „verheerend“ für die gesamte
Kirche. In der Öffentlichkeit werde nun wahrgenommen, dass Juristen über Spitzfindigkeiten auf dem Rücken der Betroffenen streiten. Das neue
Münchner Gutachten, das 2021 veröffentlicht werden soll, werde – wie das Gutachten des Bistums Aachen – auch Namen nennen. Unter den
Verantwortlichen im Erzbistum München sind die Kardinäle Joseph Ratzinger, Friedrich Wetter und Kardinal Marx selbst. Quelle: neuesruhrwort.de


14.12.2020 Gudrun Lux stellt eine der entscheidenden Fragen: „Über die Geburt eines Kindes im Stall zu predigen – wer kann sich angesichts
der erschütternden Berichte und Enthüllungen vorstellen, dass das in dieser Kirche von diesen Bischöfen und Kardinälen glaubwürdig geschehen
kann?“ Quelle: katholisch.de


13.12.2020 „Wir sind Kirche“ fordert eine deutlich aktivere Rolle des Staates als bisher in der Aufklärung und Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in
kirchlichen Einrichtungen. Es könne keine innere Angelegenheit der Kirche sein, wenn Kinder missbraucht oder möglicherweise sogar ermordet
werden. Quelle: wir-sind-kirche.de


13.12.2020 „Diesseits von Eden“ fragt angesichts der Vertuschung sexueller Gewalt im Erzbistum Köln: „Wie viele Skandale noch?“ Quelle: www1.wdr ab min. 16


12.12.2020 In der stationären und ambulanten Altenpflege sind 0,1 bis 1 Prozent der Pflegebedürftigen sexuellem Missbrauch ausgesetzt. Davon geht der Pflegewissenschaftlicher Prof. Olaf Scupin, Jenaer Fachhochschule, aus. Die Dunkelziffer dürfte zudem hoch sein. Quelle: t-online.de


12.12.2020 In der katholischen Gemeinde, in der Pfarrer O. aus dem Erzbistum Köln tätig war, der ein Kindergartenkind missbrauchte, wird der Missbrauch zu einem Thema. Quelle: rp-online.de


12.12.2020 Maria 2.0 lädt zu einer Digitalen Domdemo ein, heute 12 Uhr.  Sie ist hörenswert und unter facebook nachzuhören. Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller sagte, vor allem Kardinal Joachim Meisner sowie der heutige Weihbischof Dominikus Schwaderlapp hätten „das Recht systematisch gebrochen“. Mir scheint, dass hier sichtbar wird, dass die Christ*innen an der Basis beginnen, sich an der Seite der (kirchlich) Betroffenen zu
positionieren. 
Quellen: mariazweipunktnull-koeln.de

Hier lesen Sie einige Statements auf der Digitalen Demo und hier einige Eindrücke.


12.12.2020 Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Sternberg, sagte im Interview: „Wissen Sie, in diesem schrecklichen Thema, was uns ja nun schon seit so Langem beschäftigt, das ja auch einfach von einer Widerwärtigkeit ist, das die katholischen Gläubigen gerade zu nervt, und wenn da wieder mal was hochkocht und wieder mal eine Vertuschung wieder bekannt wird, dann denken alle Leute, muss das denn jetzt schon wieder sein, kann man nicht jetzt mal die Aufklärungsarbeit, die breit und intensiv gemacht wird, auch mal so haben, dass nicht wieder ein neuer
Skandal aufploppt, nicht dass wieder Menschen, die ihre Kirche lieben, wieder mal gezwungen sind, diesen Verein zu verteidigen, sag ich mal.“ Quelle: DLF


11.12.2020 Der Kirchenrechtler Thomas Schüller fordert den Rücktritt von Kardinal Woelki. Dem Opfer die Schuld an der Nicht-Verfolgung der Straftat des Täters zuzuweisen, wie Kardinal Woelki das tut, nennt Schüller einen „perfiden“ Umgang mit dem Opfer. Quelle: tagesschau.de


11.12.2020 „Nichts ist in Ordnung, schon lange nicht. Und doch bleibt es still, auffällig still in vielen Diözesen – und das seit 2010. Währenddessen
entgleitet die Situation zusehends. Gläubige verlieren angeekelt von Vertuschung und Ränkeschmiederei den Glauben an die Kirche. Wie kann man
ausgerechnet über diesen Glaubensverlust schweigen?“ So kommentiert Markus Nolte, Chefredakteur von „Kirche und Leben“ die Aufklärung der
Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche Deutschlands. Quelle: Kirche und Leben


11.12.2020 Er zweifele nicht an der Absicht Kardinal Rainer Maria Woelkis, für Transparenz zu sorgen, sagt Bischof Georg Bätzing, Vorsitzender der
Deutschen Bischofskonferenz. Die Situation im Erzbistum Köln färbe auch auf andere Teile der Kirche ab. Bätzing nennt die Situation ein
„regelrechtes Desaster“. Das sagte er noch vor Bekanntwerden der letzten Vertuschungsvorwürfe gegen Woelki. Quelle: katholisch.de


11.12.2020 Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken fordert, alle Untersuchungen in der kath. Kirche zu veröffentlichen. Dazu gehört auch
die von Kardinal Woelki, Erzbistum Köln, zurückgehaltene Studie der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl. Es könne nicht sein, dass Informationen
über die Kölner Missbrauchsfälle durch Presseartikel öffentlich würden. Quelle: evangelisch.de


11.12.2020 Kardinal Woelki, Erzbistum Köln, ist der Ansicht, dass er als Kandinal nur vom Papst vor Gericht zitiert werden könne. Bischof Genn jedoch
meint, es sei seine Aufgabe als dienstältester Bichof der Kirchenprovinz Köln, den Vorwürfen gegen Woelki nachzugehen. Kirchenrechtler geben
Genn recht: zwar liege das Gerichtsverfahren gegen Kardinäle in Roms Zuständigkeit, die Voruntersuchung jedoch ist vom dienstältesten Bischof
der Kirchenprovinz zu führen. Quelle: Kirche und Leben


11.12.2020 Kardinal Woelki hat sich inzwischen an den Papst gewandt mit der Bitte zu prüfen, ob er – Woelki – sich einer Amtspflichtverletzung schuldig gemacht habe. Quelle: Tagesschau

Kommentar: Kardinal Woelki sollte – wie manch anderer Bischof auch – die Katholik*innen fragen, ob sie ihm noch irgendetwas glauben können. Und
sich selbst sollte er fragen, ob er moralisch versagt hat. Die Frage nach kirchenrechtlichen Amtspflichtverletzungen greift zu kurz.


11.12.2020 An der Kirchenbasis wächst der öffentliche Druck auf Kardinal Woelki, der sich dem Vorwurf der Vertuschung und der innerkirchlichen
Strafvereitelung stellen muss. In Köln häufen sich Kirchenaustritte inzwischen, so dass das Amtsgericht dafür erst wieder für März 2021
Termine vergibt. Am 12.12. wollen Maria 2.0 und der Katholische Frauenbund KDFB eine „Digitale Dom Demonstration“ mit Vertretern des
Diözesanrats, des Kölner und Düsseldorfer Katholikenausschusses oder des Jugendverbands BDKJ veranstalten. Quelle: katholisch.de


10.12.2020 Vatikanische Kirchenrechtsexperten, deren Namen nicht bekannt ist, meinen, dass Kardinal Woelki 2015 einen Verdacht auf Missbrauch nach Rom hätte melden können, aber nicht unbedingt melden müssen. Meldepflicht bestehe, wenn ein Verdacht durch diözesane Voruntersuchungen erhärtet werde. Woelki hatte eine Voruntersuchung aufgrund der Demenz und Krankheit des Beschuldigten für unmöglich gehalten. Zudem habe das Opfer nicht an der Aufklärung mitwirken wollen. Quelle: Domradio

Kommentar: „Das Opfer habe nicht an der Aufklärung mitwirken wollen“ ist ein immer wieder geäußerter Vorwurf, der begründen soll, dass Beschuldigte nicht
zur Rechenschaft gezogen werden. Offensichtlich unberücksichtigt bleibt dabei, dass die katholische Kirche bislang alles getan hat, um Opfern Aussagen zu erschweren. Sie beklagt also, was sie mitverursacht hat. 


10.12.2020 Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) fordert von den Bischöfen, im Missbrauchsskandal auch zum Rücktritt bereit zu sein. Sie müssten Führungsverantwortung übernehmen, sagte die kfd-Vorsitzende Mechthild Heil. „Das heißt in der Konsequenz möglicherweise auch, dass Rücktritte notwendig werden, selbst wenn keine Schuld im strafrechtlichen Sinne vorliegt“. Wer vertusche, mache sich mitschuldig.
Die Bischöfe müssten verstehen lernen, „durch welche Hölle“ die kirchlichen Opfer gegangen seien. Die Interessen der Opfer müssten im
Vordergrund stehen. Quelle: katholisch.de


10.12.2020 Kardinal Woelki kündigt an, er werde sich dem Vorwurf des Vertuschens einer sexuellen Straftat stellen, aber erst im März 2021, wenn das vom Erzbistum Köln in Auftrag gegebene  Gutachten des Kölner Strafrechtlers Björn Gercke vorliege. Inzwischen prüft Bischof Genn, Münster, als
dienstältester Bischof kirchenrechtliche Schritte gegen Woelki. Quelle: www1.wdr.de


10.12.2020 Kardinal Woelki, Köln, soll 2015 als Erzbischof einem Fall schweren sexuellen Missbrauchs durch einen Düsseldorfer Priester Johannes O.
(geb. 1929, gest. 2017)  pflichtwidrig nicht nachgegangen sein, keine kirchenrechtliche Voruntersuchung eingeleitet und den Fall nicht an den
Apostolischen Stuhl gemeldet haben. Gründe seien der „sehr verschlechterte Gesundheitszustand“ von Pfarrer O. und die Entscheidung
des Opfers, nicht an der Aufklärung mitwirken und sich keiner Konfrontation mit dem Beschuldigten auszusetzen. Der Tübinger Kirchenrechtler Bernhard Anuth kommentiert, dass das Kirchenrecht keinen solchen Ermessensspielraum anbiete. Woelki kannte den Priester seit
seiner Ausbildungszeit zum Priester. 1983/84 sei Woelki als Praktikant und Diakon in der Pfarrgemeinde des Priesters tätig gewesen und ihm über
Jahrzehnte eng verbunden geblieben. Das Erzbistum informierte, dass Woelki bereits 2011 als zuständiger Weihbischof von den Vorwürfen vom
heutigen Erzbischof Heße, damals Personalreferent im Erzbistum Köln, erfahren habe. Als Woelki 2012 in das Kardinalskollegium aufgenommen
wurde, war O. unter den persönlichen Gästen des neuen Kardinals in Rom. Das Opfer hat 2010 Anzeige beim Erzbistum Köln erstattet und 15.000 Euro Anerkennungszahlungen erhalten. Der damalige Erzbischof, Kardinal Meisner, unterließ vom Kirchenrecht und den bischöflichen Leitlinien
vorgesehenen Schritte. – Nach heute geltendem Strafrecht hätte der Priester mit einer Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren rechnen müssen.
Der Kirchenrechtler Thomas Schüller ordnet das Verhalten Woelkis als „unentschuldbare Verfehlung im Amt“ ein und fordert den Rücktritt Woelkis. Die kfd-Vorsitzende Mechthild Heil forderte Woelki auf, Verantwortung zu übernehmen: „Wer vertuscht, macht sich mitschuldig.“ Kardinal Woelki hatte im November 2018 vor dem Diözesanpastoralrat sinngemäß geäußert, dass er zurücktreten würde, wenn man ihm eine Beteiligung an Vertuschung nachweisen (!) könne.  Quellen: katholisch.de   katholisch.de  FAZ   Kirche und Leben


10.12.2020 Im Bistum Speyer sollen Niederbronner Schwestern über Jahre hinweg Priestern und Politikern Kinder aus ihrem Kinderheim zum sexuellen Missbrauch zugeführt haben. Das – und viel mehr – wird von einem Urteil des Sozialgerichts Darmstadt vom Mai bestätigt. Ob Prälat Motzenbäcker mit dem Haupttäter gemeint ist, scheint nicht klar zu sein. Gericht und Gutachter haben keinen Zweifel an der Richtigkeit der Vorwürfe. Die Niederbronner Schwestern hätten zur Aufklärung der Fälle vor Gericht nur „bescheiden“ beigetragen. Bislang meldeten sich beim diözesanen
Missbrauchsbeauftragten vier Betroffene. Quelle: Kirche und Leben


10.12.2020 Bischof Wiesemann, Bistum Speyer, geht davon aus, dass sich der frühere Generalvikar und Offizial Rudolf Motzenbäcker (gest. 1998) des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht hat. Drei Betroffene erhoben unabhängig voneinander Vorwürfe, dass sie zwischen 1963 und 1975 von Motzenbäcker über längere Zeit missbraucht worden seien.  Motzenbäcker war von 1959 bis 1968 Generalvikar und von 1969 bis 1995 Offizial im Bistum Speyer. Ein Betroffener hat nach einem wissenschaftlichen Glaubwürdigkeitsgutachten Leistungen aus dem OEG erhalten. Im Gutachten wurde anerkannt, dass der Betroffene als Kind und Jugendlicher in einem von den Niederbronner Schwestern geführten Kinderheim in Speyer missbraucht wurde. Quelle: katholisch.de   pilger-speyer.de


10.12.2020 (Undatiert, vermutlich Dezember 2020) Im Bistum Eichstätt wurden bei der Aktenüberprüfung seit den 1920er Jahren 25 Täter gefunden, unter ihnen ein Diakon und ein Laie. 20 Täter sind bereits verstorben, bei sechs Tätern wurden die Vergehen/Verbrechen erst nach ihrem Tod bekannt. 57 Betroffene konnten identifiziert werden, ca zwei Drittel weiblich. Zwischen den 1920er und den 1950er Jahren sind 21 Fälle durch ca 8 Täter dokumentiert. 33 Fälle geschahen in den 1960er bis in die 1990er Jahre durch ca 12 der Täter. Seit den 2000ern ist nur ein Fall aktenkundig. Wann der Missbrauchs durch die zeitlich nicht eingeordneten Fälle begangen wurde, wird nicht berichtet. Gegen sieben Täter wurden staatliche Strafmaßnahmen verhängt, in fünf Fällen wurden die staatlichen Verfahren eingestellt. Gegen vier Täter wurden kirchenrechtliche Maßnahmen erlassen. In der MHG-Studie  war noch von zehn Tätern und 29 Opfern die Rede. Quelle: Bistum Eichstätt


9.12.2020 Frauen von Maria 2.0 aus Paderborn bitten ihren Erzbischof Becker, sich für die Veröffentlichung der Kölner Missbrauchsstudie der Kanzlei
Westpfahl Spilker Wastl einzusetzen. Die Entscheidung von Kardinal Woelki, die Studie nicht zu veröffentlichen, sei der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe, sagte Claudia Siegel von Maria 2.0. Zum Auslöser für die Aufforderung an Erzbischof Becker gehört auch der Umgang der Erzdiözese Köln mit dem Betroffenenbeirat und mit der Katholischen Hochschulgemeinde Köln. Für die Frauen seien die aktuellen Entwicklungen in der deutschen Kirche „unerträglich“. Erzbischof Becker kündigt ein Gespräch zu Beginn des Jahres 2021 an. Quelle: katholisch.de


9.12.2020 Die katholische Bischofskonferenz von England und Wales reagiert mit umfassenden Safeguarding-Maßnahmen auf den in der unabhängigen staatlichen Untersuchungskommission zu Kindesmissbrauch in England und Wales (IICSA) erhobenen Vorwurf „über Jahrzehnte hinweg das Thema sexueller Missbrauch nicht angegangen und so viele weitere Kinder eben diesem Schicksal überlassen“ zu haben. Mit der Supervision beauftragt wurde Carol Lawrence. Sie soll die katholische Kirche von England und Wales zu einem gemeinsamen Schutzkonzept führen, das auch für Orden, Schulen und Kindergärten gelten soll. Angestrebt wird auch eine enge Zusammenarbeit zwischen Opfern, Diözesen, katholischen Orden und Laien. Außerdem soll eine Fachstelle eingerichtet werden, die mit dem Nationalgericht kirchenrechtliche Fragen zu Verstößen besprechen soll
und für schnelle Entscheidungen sorgen soll. Quelle: vaticannews


8.12.2020 Die Führungsspitze des Erzbistums Köln wird durch einen weiteren Missbrauchsfall belastet. Kardinal Meisner und Generalvikar Dominik
Schwaderlapp sollen – entgegen den Vorgaben des Vatikans – den heute 73 Jahre alte Ruhestandsgeistliche H.-J. F. im Jahr 2010 nicht mit
Sanktionen belegt haben. Meisner soll dem Beschuldigten sogar ausdrücklich ein Kinderbuchprojekt gestattet haben. Der
Beschuldigte/Täter ist u.a. bekannt für ein Praxisbuch für die Erstkommunionvorbereitung und eine Kinderbibel. Die Informationen sollen
in dem von Kardinal Woelki zurückgehaltenen Gutachten der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl stehen. Das Erzbistum bestätigte die

„Bild“-Angabe, wonach es seit 2011 rund 750.000 Euro an Missbrauchsopfer zur Anerkennung ihres Leids gezahlt hat. Schätzungen der Zeitung,
wonach für Gutachter, Anwälte und Berater dreimal so viel ausgegeben wurde, kommentierte die Erzdiözese nicht. Ausgaben für die Aufarbeitung
und für Zahlungen in Anerkennung des Leids stammten aus dem Sondervermögen des Erzbistums, nicht aus Kirchensteuermitteln. Quelle: KStA  Twitter   DLF 9.12.2020   Kirche und Leben


7.12.2020 Der Vorsitzende der polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislaw Gadecki, verteidigt Papst Johannes Paul II. gegen Vorwürfe, er habe
Missbrauchsfälle in der Kirche nicht ernst genommen. Er sieht eine Kampagne, die sich gegen die ganze kirchliche Lehre richte. Zu den
Prioritäten des polnischen Papstes habe der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexuellem Missbrauch und der Kampf gegen
Missbrauchsskandale gehört. Der heutige Stand der Bewusstseinsbildung baue auf dem Handeln von Papst Johannes Paul II. auf. Im Fall des
Ex-Kardinals McCarrick sei Johannes Paul II. getäuscht worden. Quelle: vaticannews


7.12.2020 Pater Tadeusz Rydzyk, Redemptorist und Chef des Kirchensenders „Radio Maryja“, hat bei einer Messe den Bischof von Kalisz, Edward Janiak, als „Märtyrer der Medien“ bezeichnet und behauptet, alles werde verdreht. Janiak wird vorgeworfen, Hinweise auf sexuellen Kindes-Missbrauch durch einen Priester nicht nachgegangen zu sein. Er wurde zunächst beurlaubt, im Oktober 2020 nahm der Papst seinen Rücktritt an. Der Kinderschutzbeauftragte der polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Wojciech Polak, wies die Äußerung von Rydzyk zurück und verlangte vom Orden der Redemptoristen eine „entschlossene Reaktion“ und rief den Orden zum Eingreifen auf. Die polnische Ordensprovinz nahm Rydzyk in Schutz. Pater Rydzyk habe lediglich die „aktuelle Mediensituation“ kommentiert, nicht jedoch zur Entscheidung der Kirche zu Bischof Janiak Stellung genommen, erklärte die Ordensprovinz. Quelle: neuesruhrwort.de

8.12.2020 Pater Tadeusz Rydzyk schreibt inzwischen, ihm sei klar, „dass meine spontan gesprochenen Worte anders verstanden wurden und viele
Menschen verletzt haben“. Das sei nicht seine Absicht gewesen, es tue ihm leid, dass dies passiert sei. Er habe nur zur „medialen Atmosphäre“
und Vorverurteilungen Stellung nehmen wollen, die eine Untersuchung der Vorwürfe gegen den im Oktober zurückgetretenen Bischof von Kalisch
(Kalisz), Edward Janiak, durch die zuständigen Behörden erschweren würden. Quelle: katholisch.de

Kommentar: Es ist bedrückend, dass Kirchenvertreter so wenig von den Erfahrungen ihrer Kollegen in anderen Ländern lernen. Bedrückend vor allem für die
Betroffenen von Missbrauch durch Kleriker.


6.12.2020 Bischof Meier, Augsburg, will einen Betroffenenbeirat einrichten und bittet alle Interessierten, sich zu melden. Unklar ist, wer in dem
Gremium sitzen soll. An eine Studie denkt der Bischof nicht: „Wir werden nicht in einem Slalom aus immer neuen Studien aus dem Missbrauchsskandal herauskommen.“ Er setzt daher auf Prävention, vor allem in der Auswahl und Ausbildung von Priestern. Quelle: Süddeutsche


5.12.2020 Sünde, Schuld und Vergebung aus Sicht evangelischer Anthropologie, 2020Quelle: ekd.de


5.12.2020 In Polen fordert der Mann, der als Jugendlicher Opfer der Belästigung durch Kardinal Gulbinowicz geworden ist, mehr Transparenz. Er erwartet, dass der Vatikan sagt, welche Vorwürfe die Disziplinarmaßnahmen gegen den Geistlichen, der inzwischen gestorben ist, begründen. In Breslau meldeten sich Politiker, Juristen und Oppositinelle aus der Zeit der Diktatur – sie bezweifeln, dass Gulbinowicz Kontakte zur Staatssicherheit gehabt habe. Quelle: faz.net


5.12.2020 Der Historiker Thomas Großbölting kritisiert die Missbrauchsaufarbeitung im Erzbistum Köln. Es gehe nicht an, die Untersuchung der Diskussion zu entziehen, indem man sie nicht publiziere. Großbölting wirft Woelki vor, den Betroffenenbeirat im Erzbistum Köln benutzt zu haben, um seine Entscheidung zu rechtfertigen. Im Bereich des Äußerungsrechts gebe es noch Lücken, meint Großbölting und kommentiert: „Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass die Täter und die Verantwortlichen sich hinter diesen Lücken verstecken können und vor lauter Angst, eventuell
juristisch belangt zu werden, auf eine konstruktive Aufarbeitung verzichtet wird. Wer auf diesem Hintergrund ‚Rechtssicherheit‘ fordert,
der verhindert eine der Prävention dienliche Aufarbeitung.“ Juristen beurteilen, ob individuelles Verhalten einer bestimmten Norm entspricht.
Historiker hingegen können auch auf die vorherrschende öffentliche Meinung einer Zeit und auf Fragen von Moral und Ethik schauen. Diese
Themen können für die Prävention sogar wichtiger sein als nur juristische Beobachtungen. Quellen: Neues Ruhrwort   katholisch.de


5.12.2020 Kardinal Marx, Erzbistum München, hat eine halbe Million Euro seines Privatvermögens in eine von ihm gegründete Stiftung „spes et salus“
für kirchliche Missbrauchsbetroffene eingebracht. Ziel der Stiftung soll sein, zusammen mit Betroffenen etwas zu tun: „Sexueller Missbrauch im Verantwortungsbereich der Kirche ist ein Verbrechen. Es zerstört das Leben vieler Menschen und bedeutet schwere Belastungen der unmittelbar
Betroffenen, aber auch für deren Familien und Freunde. Das System Kirche als Ganzes ist hier schuldig geworden. Missbrauch hat systemische
Ursachen und Folgen“, schrieb Kardinal Marx. Wie der Jesuit Hans Zollner und der frühere Generalvikar im Erzbistum München, Peter Beer, der
inzwischen am Kinderschutzzentrum der Gregoriana arbeitet, in der Zeitschrift „The Tablet“ schreiben, geht es um eine „kopernikanische Wende
(Mark Coleridge) im Umgang mit kirchlich Betroffenen. Es geht um spirituelle Hilfe für spirituell Verletzte. Bislang habe die Kirche die Begleitung Betroffener „outgesourct“ an Psychiater, Kirchenrechtler, Experten am Rande kirchlicher Aktivitäten. Weil Betr4offene auch religiös und spirituell in der Kirche traumatisiert wurden, habe die Kirche die Verantwortung, „in ihrem Zentrum Räume zu schaffen, wo diese Menschen diese Traumata so weit wie möglich bearbeiten könnten.“ Die Stiftung soll langfristig der Etablierung eines internationalen Netzwerkes von Unterstützergruppen für kirchliche Missbrauchsbetroffene dienen. Beheimatet wird das Netzwerk in dem Gästehaus des Erzbistums München in Rom. Quelle: erzbistum-muenchen.de   katholisch.de


5.12.2020 Im Bistum Fulda soll eine Aufklärungskommission im Frühjahr 2021 die Arbeit aufnehmen. Drei Mitglieder sind haupt- oder ehrenamtliche
Mitarbeiter*innen des Bistums, vier Mitglieder ohne Bezug zum Bistum, unter ihnen ein Forensiker; zwei Betroffene. Ziel der Kommission sei es,
Täter, Helfer und Vertuscher des Missbrauchs im Bistum auch namentlich zu benennen. Gemeinsam mit den Bistümern Limburg und Mainz soll ein
neunköpfiger Betroffenenbeirat gebildet werden, der zwei seiner Mitglieder in den Beirat entsendet. Quelle: faz.net


4.12.2020 Die Missbrauchsaufarbeitung in der evangelischen Kirche ist einen Schritt weiter: Forscher von acht wissenschaftlichen Einrichtungen haben die Arbeit an Studien zu sexualisierter Gewalt in der Kirche aufgenommen. Auch Betroffene sind beteiligt. Ergebnisse sollen 2023 vorliegen. Quelle: evangelisch.de


4.12.2020 Das Danziger Berufungsgericht hat einem kirchlichen Opfer ein Schmerzensgeld – knapp 70.000 Euro – zugesprochen. Der Anwalt bezeichnete das Urteil als zukunftsweisend, weil alte Prinzipien aufgebrochen und Standards gesetzt wurden. Die Erzdiözese Breslau und das Bistum Bromberg haften, weil der Täter dort beschäftigt war, aber auch, weil die kirchlichen Institutionen eine Mitverantwortung tragen. Weitere Opfer könnten sich auf die Entscheidung des Berufungsgerichts beziehen und Ansprüche geltend machen. Bislang lehnte die katholische Kirche in Polen Wiedergutmachung ab, weil nur der Täter selbst Verantwortung trage. Im vorliegenden Fall argumentierte die Diözese zudem, der damalige Ministrant habe ja nicht mit dem Pfarrer auf die Reise kommen müssen, bei der es dann zur Vergewaltigung kam. Deshalb verlangte die Kirche, die Klage abzuweisen und forderte vom Opfer 15.000 Euro – für Anwaltskosten. Quelle: DLF


2.12.2020 Der Kirchenrechtler Thomas Schüller sieht drei mögliche interdisziplinäre Zugänge der wissenschaftlichen Aufarbeitung kirchlicher Missbrauchsfälle.

  • Im Bistum Münster wurde ein historischer Zugang gewählt. Das Forschungsteam um den Historiker Großbölting erhält Zugang zu allen Akten, ist bei bei der Wahl von Gesprächspartnern/Zeugen frei und kann ohne Einsichtsrecht und ohne Genehmigungsvorbehalt die Forschungsergebnisse veröffentlichen, muss jedoch die Veröffentlichung auch rechtlich verantworten. Schüller beobachtet: „Spezialisierte Kanzleien beraten noch lebende kirchliche Entscheidungsträger und tragen persönlichkeits- und äußerungsrechtliche Bedenken vor, damit das aktive Vertuschen und das Benennen von Verantwortlichen nicht an die Öffentlichkeit kommen soll.“
  • Im Bistum Aachen wurde stärker aus den Blickwinkeln des staatlichen und kirchlichen Rechts, jedoch mit Benennung von Verantwortungsträgern auf der Folie des Ethos der katholischen Kirche die juristische Aufarbeitung gestaltet.
  • Im Bistum Essen untersucht seit 2019 das Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP München) systemische Faktoren, die Missbrauch begünstigten,  aus sozialwissenschaftlicher Perspektive.

Quelle: rp-online.de


2.12.2020 Im Bistum Münster gab es zwischen 1945 und 2018 rund 300 Missbrauchsopfer von Klerikern. Zu Beginn der Missbrauchshandlungen waren sie im Durchschnitt elf Jahre alt. Die Studie der Historiker unter dem Leiter Thomas Großbölting ermittelte ca 200 Beschuldigte. Die Dunkelziffer sei hoch und die Zahlen könnten sich in der noch fortlaufenden Studie verändern, sagte Großbölting. Genauer untersucht wurden bisher die Fälle von 82 Betroffenen und 49 Beschuldigten. Danach waren 90 % der Opfer männlich. Seit den 1950er-Jahren war Missbrauch im Bistum bekannt, jedoch erst 2007 wurde der erste Fall ordnungsgemäß behandelt. So waren der Bistumsleitung vor 2000 mindestens 32 Betroffene bekannt, die Pressestelle jedoch sprach noch 2002 von „vereinzelten Fällen“. Großbölting weist auf ein „intensives Leitungs- und Kontrollversagen“ der Verantwortlichen hin. Dies gilt für die Bischöfe Joseph Höffner (1962-1969), Heinrich Tenhumberg (1969-1979) und Reinhard Lettmann (1980-2008). Großböltig spricht von einem „Netzwerk der Missbrauchs-Vertuschung“ unter Bischof Lettmann. Vor allem gegenüber den „Langzeittätern“ Bernhard Janßen, Franz Nienaber, Heinz Pottbäcker, Theo Wehren und dem Priester A. sei es zu Leitungs- und Kontrollversagen gekommen. Die Studie geht auch der Frage nach, ob es unter den Priestern/Beschuldigten ein Netzwerk gegeben habe, ist sicher, „dass es ein hohes implizites Wissen über Täter in den klerikalen Zusammenhängen gibt.“ Sie geht von Komplizenschaft, einer Tendenz zur Verharmlosung und eingespielten Kollektiven nach. Betroffene und ihre Familien wurden von ihren Gemeinden unter Druck gesetzt, wenn sie Anzeige erstatten. Kirchennahe Mediziner und Psychologen wurden vom Bistum als Gutachter herangezogen. Selbst die Staatsanwaltschaft überließ es in einem Fall der Kirche zu handeln („Elitenverschmelzung“). Quellen: www1.wdr.de  domradio   Kirche und Leben


1.12.2020 Haben Sie Sexismus, sexuelle Belästigung oder sexualisierte Gewalt im Medizinbetrieb erlebt? Die Frankfurter Rundschau und Buzzfeed News recherchieren erstmals umfassend zu sexualisierter Gewalt in der Medizin und möchten herausfinden und besser verstehen, wie häufig es zu Übergriffen kommt, wer Betroffene und wer Täter:innen sind – und welche systemischen Probleme den Schutz für Betroffene erschweren. Quelle: FR


30.11.2020 Ute Leimgruber, Professorin für Pastoraltheologie an der Universität Regensburg, spricht mit Christiane Florin über das Buch „Erzählen als Widerstand“, in dem 23 Frauen berichten, wie ihr sexuelles und spirituelles Selbstbestimmungsrecht in der katholischen Kirche missbraucht wurde. Leimgruber fordert, dass das System deutlich sehen muss, dass der Missbrauch erwachsener Frauen kein Einzelfall ist: „… das hat System, das ist System.“ Quelle: DLF


30.11.2020 Berlins Erzbischof Heiner Koch fordert eine bessere Missbrauchsaufarbeitung in der Kirche und kritisierte auch die Nichtveröffentlichung des Gutachtens im Erzbistum Köln als „zutiefst ärgerlich und zutiefst verletzend“. Die Missbrauchskrise sei eine Vertrauenskrise, sagte er. Quelle: katholisch.de


30.11.2020 Drei Betroffene von sexualisierter Gewalt haben beim Obersten Gericht in Victoria, Australien, eine Klage auf Schadensersatz gegen den Papst, die Erzdiözese Melbourne und deren Erzbischof eingereicht. Sie wurden zwischen 1983 und 1991 von einem Priester missbraucht, der erstmals 1978 wegen eines Übergriffs auf ein damals zehn Jahre alten Mädchens zu zwei Jahren Haft verurteilt worden war. Die Betroffenen begründen ihre Klage: „Indem [die kirchlichen Autoritäten] Pfarrer G.s anhaltendes ungeheuerliches Verhalten gegenüber Kindern nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis im Jahr 1979 duldeten, sein Verhalten nicht öffentlich anprangerten und seinen Missbrauch von Kindern geheim hielten, erlaubten es die Angeklagten Pfarrer G., weiterhin Gelegenheiten in der Gemeinde zu nutzen, um das Vertrauen der Gemeindemitglieder und ihrer Kinder zu erlangen und dann zu brechen.“ Der Vatikan und Verantwortliche des Erzbistums hätten die Möglichkeit gehabt, die Öffentlichkeit zu warnen, hätten dies aber bewusst unterlassen. Quelle: katholisch.de


27.11.2020 Ein Bericht über mangelnde Wiedergutmachung nach vielen guten Worten aus der katholischen Kirche Irlands. Quelle: euronews


27.11.2020 Kardinal Woelki, Erzbistum Köln, will das von ihm zurückgehaltene Missbrauchsgutachten „für interessierte Einzelpersonen, insbesondere Betroffene oder Journalisten“ zugänglich machen. Dies solle nach der Veröffentlichung des von ihm in Auftrag gegebenen neuen Gutachtens „im rechtlich möglichen Rahmen“ geschehen. Quelle: RND


27.11.2020 Pfarrer Dr. Meik Schirpenbach, Grevenbroich und Rommerskirchen, hat einen Brief mit den „Fragen an meine Kirche. Sorgen eines Landpfarrers im Rheinland veröffentlicht. Quelle: kirche-rommerskirchen.de


27.11.2020 Die Erzdiözese München und Freising bietet nun für Ex-Mitglieder der Katholischen Integrierten Gemeinde, KIG, unter der Adresse Beratung-KIG@eomuc.de Beratung an. Gesprächspartner sei Siegfried Kneißl, Leiter der Hauptabteilung Beratung im Erzbischöflichen Ordinariat München. Quelle: domradio.de


27.11.2020 Nachdem Kardinal Marx die Katholische Integrierte Gemeinde im Erzbistum München aufgelöst  hat, fordern ehemalige Mitglieder weitere Aufarbeitungsschritte. Notwendig sei, Anlaufstellen einzurichten, den Betroffenen Therapien, geistliche Begleitung und materielle Unterstützung anzubieten. Es müsse eine unabhängige Aufarbeitungskommission für die KIG mit Beteiligung der Betroffenen errichtet werden. Joseph Ratzinger stand als Münchner Erzbischof, Glaubenspräfekt und Papst über Jahrzehnte in engem Kontakt mit der Gruppe. Inzwischen ging er auf Distanz zur KIG. Er sei getäuscht worden, sagte er. Mechthild Leise hingegen stellt klar, dass Ratzinger u.a. durch Ordinatiatsmitarbeiter, Theologen und ehemaligen Gemeindemitgliedern über die Vorgänge im Inneren der Gemeinde informiert wurde. Bis heute warten Betroffene auf ein persönliches Gespräch mit Kardinal Marx. Quelle: katholisch.de


27.11.2020 Gemeinsam kämpfen Karl Haucke und Patrick Bauer dafür, dass sexualisierte Gewalt in der katholischen Kirche aufgeklärt wird. Sie sind selbst Betroffene. Beide werfen dem Kölner Kardinal Woelki vor, sie für seine Interessen benutzt zu haben. Wie geht es jetzt weiter? Wir haben gefragt, was sie sich wünschen. Quelle: Zeit.de


26.11.2020 Die Großgemeinde Bickendorf, Ehrenfeld und Ossendorf schreibt einen Offenen Brief an Kardinal Woelki, in dem sie Kritik an der Führung des Erzbistums Köln übt. Quelle: gemeinden.erzbistum-koeln.de


26.11.2020 Seit 2000 haben sich ca 150 Opfer sexualisierter Gewalt in der evangelischen Landeskirche in Bayern gemeldet. Unter ihnen waren 40-50 schwere Missbrauchsfälle. Die Sprachlosigkeit im Umgang mit Missbrauchsfällen sei das Hauptproblem, sagt Oberkirchenrat Blum. Nachdem die Synode ein neues Präventionsgesetz verabschiedet hat, müssen alle kirchlichen Institutionen innerhalb der Bayerischen Landeskirche Schutzkonzepte entwickeln. Für diejenigen, die bereits Opfer von sexuellem Missbrauch innerhalb der Kirche geworden sind, ändert sich durch das Gesetz nichts, kritisiert Detlev Zander vom „Netzwerk Betroffenen Forum“. Zander ist Mitglied im Betroffenenbeirat der Evangelischen Kirche in Deutschland. Er fordert eine schonungslose Aufarbeitung und kritisiert, dass Betroffene sich zuerst an eine kirchliche Stelle wenden müssen. Bislang hat die Bayerische Landeskirche über 700 000 Euro Anerkennungsleistungen gezahlt. Die Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt soll personell aufgestockt werden. Dafür sind ca fünf Millionen Euro vorgesehen. Quelle: br.de


26.11.2020 Das Sondergutachten der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl ist vom Kölner Stadtanzeiger veröffentlicht worden. „Kirche und Leben„, Bistum Münster, listet die Vorgänge noch einmal auf, soweit sie das Bistum Münster betreffen. Quelle: KStA


26.11.2020 Mehr als 1.200 polnische Professoren und Wissenschaftler verteidigen Papst Johannes Paul II. (1978-2005) gegen mögliche Verleumdungen. Sie weisen die Vorwürfe zurück, er habe pädophile Taten von katholischen Geistlichen vertuscht. Wer Papst Johannes Paul II. anklage, hätte keinen Respekt vor seinen historischen Leistungen. Quelle: katholisch.de

Kommentar: Dass ein Papst große historische Leistungen hat, hindert nicht daran, dass er Missbrauchsfälle vertuscht und Täter (z.B. auch den Gründer der Legionäre Christi), und andere Vertuscher fördert.


25.11.2020 Der Katholikenrat der Region Düren im Bistum Aachen erwartet, dass im Anschluss an die Veröffentlichung des Gutachtens „Sexueller Missbrauch Minderjähriger und erwachsener Schutzbefohlener durch Kleriker im Bereich des Bistums Aachen im Zeitraum 1965 bis 2019“ der Münchener Rechtanwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl die nötigen Veränderungen zeitnah und nachvollziehbar umgesetzt werden, und von den Bistumsverantwortlichen in diesem Sinne auch Einfluss auf die Bischofskonferenz und die Weltkirche genommen wird. „Wir stehen an der Seite der Geschädigten, und erwarten eine ‚angemessene Entschädigung’ für ihr unermessliches Leid, das nie wieder gut gemacht werden kann.“  Quelle: Aachener Zeitung

Kommentar: Nach fast 20 Jahren, in denen kirchlich Betroffene einem mächtigen Kirchenapparat alleine gegenüberstanden, scheinen Mitchristen/Laien anfangen zu verstehen, dass Betroffene ihre Solidarität brauchen.


25.11.2020 Heute, am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, wird das Buch „Erzählen als Widerstand“, hrsg. von Barbara Haslbeck, Regina Heyder, Ute Leimgruber und Dorothee Sandherr-Klemp, in einer Buchpräsentation vorgestellt. Barbara Haslbeck berichtet im Interview, wie auch erwachsene Frauen von Klerikern und Ordensfrauen spirituell, finanziell, in ihrer Arbeitskraft und/oder sexuell ausgebeutet werden. Es kann jede Frau treffen. Oft ist spiritueller Missbrauch die Grooming-Strategie der Täter, um den sexuellen Missbrauch vorzubereiten und zu rechtfertigen. Viele der betroffenen Frauen haben große Angst, dass ihnen eine Mitschuld am Missbrauch zugeschoben wird. Umso bemerkenswerter ist, dass 23 Frauen den Mut hatten zu erzählen, wie sie Gehirnwäsche und Psychoterror ausgeliefert waren. Quellen: katholisch.de   kath.press

Dr. Barbara Haslbeck: Die Zeit der Scheinheiligkeit ist vorbei

Prof.in Dr. Ute Leimgruber: Kirche ist kein sicherer Raum

 


25.11.2020 Dr. Barbara Haslbeck beschreibt wichtige Erkenntnisse über spirituellen und sexuellen Missbrauch an erwachsenen Frauen in der Kirche, die sich in den 23 Berichten von Erfahrungen von Frauen in der Kirche zeigen: Spiritueller und sexueller Missbrauch sind eng verbunden – Missbrauch ist immer ein Machtgeschehen und kann jede Frau in der Kirche treffen – das Erzählen davon ist Widerstand gegen die Strategien der Täter und Täterinnen, Widerstand gegen das Trauma und Widerstand gegen die Stretegien von Tätern und Täterinnen. Es gilt: „Wer verantwortlich ist für Prävention und Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der Kirche, findet hier eine wichtige Sehhilfe.“ Quelle: feinschwarz.net


25.11.2020 Karl Haucke wurde als Kind jahrelang von einem Pater missbraucht. Ihm und anderen Betroffenen wurde Aufklärung versprochen. Doch nun soll eine lang ersehnte Studie geheimgehalten werden. Haucke fühlt sich erneut benutzt. Er ist sich sicher, dass das Vorgehen Der Bistumsspitze im Erzbistum Köln  eine bewusst verfolgte Taktik war. Aus Protest verlassen er und andere Betroffene den Beirat. Der Kirchenrechtler Thomas Schüller kommentiert: „Aber das ist schon an Dreistigkeit, an dunklen Machenschaften kaum zu überbieten, was das Erzbistum Köln da gerade abliefert. Und man wird es ihnen nachweisen können und man kann es ihnen nachweisen.“ Quelle: dw


25.11.2020 Der Kirchenrechtler Thomas Schüller kritisiert den Umgang von Kardinal Woelki und Generalvikar Markus Hofmann, Erzbistum Köln, mit den kirchlichen Missbrauchsopfern: „Der Missbrauch von Missbrauchsopfern in diesem Fall ist ruchlos, schändlich und unentschuldbar… Die hierfür Verantwortlichen müssen ihren Hut nehmen.“ Sie seien vor allem daran gescheitert, „dass die noch lebenden Verantwortlichen für Vertuschung im Erzbistum Köln voneinander genau wissen und jeder weiß, dass wenn einer fällt, alle anderen mit abstürzen“. Quelle: Kirche und Leben


24.11.2020 Nachdem das Bistum Aachen – anders als das Erzbistum Köln – ein Gutachten zu sexueller Gewalt von Klerikern veröffentlicht hat, fordern Laienverbände, u.a. die kfd, vom Bistum einen klaren Zeit- und Maßnahmenplan. Quelle: www1.wdr.de


24.11.2020 Ulrich Waschki, Geschäftsführer und Chef­redakteur der Verlagsgruppe Bistumspresse in Osnabrück, kommentiert angesichts des Täterschutzes in drei Bistümern durch elf Bischöfe: „Die stetigen Beteuerungen und allgemeinen Schuld­anerkenntnisse aber werden schal, wenn sie nicht konkret werden. Dieses Desaster aus nicht eingelösten oder gebrochenen Aufklärungsversprechen und leeren Schuldeingeständnissen muss ein Ende haben. Wann endlich übernimmt ein Amtsträger spürbar Verantwortung und tritt zurück?“ Quelle: Kirche und Leben


24.11.2020 Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, kritisiert Kardinal Woelki, Köln: „Es deutet vieles darauf hin dass Kardinal Woelki mit Blick auf Betroffenenbeteiligung, Transparenz und Unabhängigkeit von Aufarbeitung einen massiven Fehler begangen hat“, sagte er und fährt fort: „Wenn man Transparenz verspricht und dann nicht einhält, steht der Verdacht erneuter Vertuschung im Raum.“ Quelle: kirche-und-leben.de


23.11.2020  Eine Betroffene berichtet über ihren Weg. Quelle: br.de


23.11.2020 Die fünf Bistümer in Nordrhein-Westfalen – Aachen, Essen, Köln, Münster, Paderborn – wollen ihre Präventionsmaßnahmen gegen sexualisierte Gewalt wissenschaftlich untersuchen lassen. Quelle: evangelisch.de


20.11.2020 Enrico Radice, ehemaliger Rektor des „Preseminario San Pio X“ bestreitet, von Anschuldigungen wegen sexualisierter Gewalt gewusst zu haben. Vielmehr hätten sich ein mumaßliches Opfer und ein Zeuge einen Missbrauch aus wirtschaftlichem Interesse ausgedacht. Dem Priester Radice wird vorgeworfen, den Hauptangeklagten trotz der Missbrauchsvorwürfe geschützt und dessen Priesterweihe gefördert zu haben. Radice soll auch Ermittlungen behindert haben. Das Opfer habe die Taten zwischen 2009 und 2010 dem Rektor gemeldet, dieser habe aggressiv reagiert und das Opfer bedrängt, so dass die Misshandlungen weitergingen. Der Rektor bestreitet das. Im November 2019 warfen drei weitere ehemalige Präseminaristen Priestern ebenfalls sexuelle Belästigung vor. Quelle: katholisch.de


20.11.2020 Kardinal Reinhard Marx, Erzbistum München, hat die Katholische Integrierte Gemeinde (KIG) in der Erzdiözese München und Freising aufgelöst. Das Erzbistum prüft außerdem „weitere Schritte zur Aufarbeitung“. Bereits 2005 gab es ein Gutachten, das kirchenrechtswidrige Praktiken der Gruppierung monierte. Zuletzt hatte sich der emeritierte Papst Benedikt XVI. in der „Herder Korrespondenz“ von der Katholischen Integrierten Gemeinde distanziert. Quelle: erzbistum-muenchen.de


20.11.2020 Das Zentralkomitee der Dt. Katholiken (ZdK) hat einen Antrag verabschiedet, in dem es bedauert, nicht schon vor 2010 das Thema Missbrauch in den Blick genommen zu haben und es bekennt, dass auch das ZdK das Leid der Betroffenen oft nicht an sich herangelassen habe. Zudem fordert das ZdK, das Gutachten der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl vollständig offen zu legen und die Ergebnisse zugänglich zu machen.

Laut Faz stand in einem ersten Entwurf noch: „Im Prozess der Aufarbeitung bewegt sich das Zentralkomitee der deutschen Katholiken loyal an der Seite der Deutschen Bischofskonferenz.“ Quelle: antrag.zdk.digiv.de

Kommentar: Es ist bitter, aber wahr: Wer an der Seite der Bischofskonferenz steht, steht nicht an der Seite der Betroffenen.


20.11.2020 Das Erzbistum Köln lehnt die Bitte des Bistums Münster ab, das Sondergutachten der „Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl“ zum Fall A. jetzt zu veröffentlichen. Dem Bistum Münster ist nur eine Ausarbeitung vom 1.8.2019 bekannt. Das Sondergutachten war von den Bistümern Köln, Münster und Essen in Auftrag gegeben worden.

Vor ziemlich genau einem Jahr, am 23.11.2019 sagte Kardinal Woelki: „Wir müssen die Zusammenhänge gründlich aufklären. Es liegt auf der Hand, dass Personen hier ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden sind und Kinder und Jugendliche wissentlich einer erheblichen Gefährdung ausgesetzt haben. Deshalb will ich schon jetzt alle Betroffenen um Vergebung bitten. Ich schäme mich für das, was hier geschehen ist.“ Quelle: Kirche und Leben


19.11.2020 Der Hamburger Erzbischof Heße lässt sein Amt als Geistlicher Assistent des Zentralkomitees der deutschen Katholiken ruhen. Nicht der Präsident des Zentralkomitees, sondern die Arbeitsgemeinschaft der katholischen Organisationen Deutschlands, die 125 katholische Organisationen vertritt, hatte ihn aufgefordert, sein Amt ruhen zu lassen. Heße sagte, es sei ihm ein großes Anliegen, dass sexueller Missbrauch aufgearbeitet werde, nur die Wahrheit mache frei. Jegliches Vertuschen schließt Heße für sich persönlich ausdrücklich aus. Quelle: Süddeutsche


19.11.2020 Die Evangelische Hochschulgemeinde Köln veröffentlicht das Positionspapier der Katholischen Hochschulgemeinde Köln: „Wir wollen glaubwürdig bleiben.“ Das Erzbistum Köln hat nämlich die Internetseite der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) Köln gesperrt. Grund sei anhaltende Kritik an der kirchlichen Sexualmoral und am kirchlichen Lehramt. Die Theologin Julia Knop sagt, gerade eine solche Reaktion zeige, wie berechtigt die Forderungen der Studierenden sind. Das Positionspapierlege „ganz massiv den Finger in die Wunde der Situation im Erzbistum Köln“. Quellen: esgkoeln.de  kirche-und-leben.de


19.11.2020 Das Buch Erzählen als Widerstand. Berichte über spirituellen und sexuellen Missbrauch an erwachsenen Frauen in der katholischen Kirche wurde heute in einer Pressekonferenz vorgestellt. Es zeigt an 23 Berichten von Frauen – Ordensfrauen, Kirchenmitarbeiterinnen, Engagierte, Studentinnen und Pfarreiangehörige -, dass spiritueller und sexueller Missbrauch eng verbunden sind und auch erwachsene Frauen trifft. Nach Einschätzung des KDFB gibt es eine hohe Dunkelziffer an in der Kirche missbrauchten Frauen. Die Mitherausgeberin Barbara Haslbeck kommentiert: „Es ist erschütternd wahrzunehmen, wie das Spirituelle hier ein dämonisches Gesicht bekommt. Täter benutzen Spirituelles, um die Übergriffe anzubahnen und zu rechtfertigen.” Die Regensburger Pastoraltheologin Ute Leimgruber stellt fest: „Wenn zum Beispiel der Täter gleichzeitig der Exerzitienleiter der Betroffenen ist, kann man nicht von Begegnung auf Augenhöhe zwischen den beiden Personen sprechen. Das Buch zeigt: Missbrauch ist alltäglich, weil Machtverhältnisse alltäglich sind.” Frauen in der Kirche sind einer „doppelten Asymmetrie“ ausgeliefert: Frauen gegenüber Klerikern und Frauen gegenüber Männern. Quelle: vaticannews.va


19.11.2020 Im Mai 2020 trat Propst Bernhard Backovsky von Stift Klosterneuburg zurück. Am 21.10.2020 wurde der Kurienbischof Josef Clemes als päpstlicher Delegat bestimmt. Nun begründet der Vatikan diese Maßnahme: „Das Dekret begründet den Einsatz eines päpstlichen Delegaten mit der Feststellung, dass der ehemalige Propst Bernhard Backovsky die Situation rund um den von Mitgliedern und ehemaligen Mitgliedern des Stiftes begangenen Missbrauch nicht angemessen gehandhabt hat.“ Quelle: ORF


19.11.2020 Das Bistum Münster stellt fest, dass der Priester A. im Erzbistum Köln inkardiniert war und daher die Verantwortung für die Aufarbeitung der Missbrauchstaten beim Erzbistum Köln liegt. Das Bistum Münster hat sämtliche Akten zum Fall A. 2019 nach Köln geschickt und fordert das Erzbistum Köln auf,  das Sondergutachten der Kanzlei Westphal Spilker Wastl zum Fall A. „unmittelbar“ zu veröffentlichen. Bis heute wurde das Bistum Münster nicht über mögliche weitere Erkenntnisse in der Angelegenheit des Pfarrers A. informiert, kann also auch – entgegen dem Hinweis des Erzbistums Köln (Quelle 2)- keine Fragen beantworten.

Soweit Pfarrer A. im Bistum Münster gearbeitet hat und Verantwortliche aus dem Bistum Münster benannt wurden, haben diese schon im November 2019 nach Veröffentlichung durch das Erzbistum Köln reagiert – mit einem Schreiben vom 22.11.2019 von Bischof Genn, in dem auch die Betroffenen in den Blick kamen (!), mit einem Infoabend in Westerkappeln am 21.11.2019 und am 28.11.2019 in Recklinghausen. Quelle: Kirche und Leben


19.11.2020 Als „jahrzehntelange Aneinanderreihung schwerer Fehler“ hat der Kölner Kardinal Woelki den Umgang mit einem zweimal wegen Missbrauchs verurteilten Priester bezeichnet. Kommentar: Der Erzbischof benutzt Passivformen, die es erlauben, die handelnden Personen nicht zu benennen: Es ist nicht gehört worden, es ist verheimlicht worden, es ist nicht ausreichend informiert worden, es ist nicht bestraft worden… Quelle: Domradio


19.11.2020 Der emeritierte Bischof Mussinghoff sagte: „Ich fühlte mich überfordert – vor allem mit Opfergesprächen.“ Hier offenbart ein Bischof, dass er mit der Sorge um Seelen überfordert war. Das ist ungefähr so, als würde eine Friseurin sagen: „Ich fühlte mich überfordert – vor allem mit Haareschneiden.“ So kommentiert Detlef Esslinger und zitiert Hans Zollner, der das Kinderschutz-Zentrum an der Päpstlichen Universität Gregoriana leitet: „Ich glaube, dass wir bei Weitem noch nicht so weit sind, dass man sagen kann, die katholische Kirche hat verstanden, welches Leid die Institution über die Betroffenen gebracht hat.“ Quelle: sueddeutsche.de


19.11.2020 Im Skandal um sexualisierte Gewalt in der katholischen Kirches geraten offenbar der Hamburger Erzbischof Stefan Heße und der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki unter Druck. Betroffene werfen Woelki jetzt „Missbrauch von Missbrauchsopfern“ vor. Offensichtlich wurde Kardinal Woelki bereits im Frühjahr 2019 bekannt, dass der frühere Personalchef des Erzbistums Köln, Heße, und weitere ehemalige Verantwortliche von Woelki informiert wurden, dass sie sich „in mehrerer Hinsicht rechtswidrig“ verhalten hätten. Bereits Mitte September 2020 gab das Erzbistum ein Gegengutachten in Auftrag. Die Aufkündigung der Zusammenarbeit mit der „Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl“ war von langer Hand geplant. Der Betroffenenbeirat jedoch wurde „überrumpelt“ und „unter Druck gesetzt“. Quelle: DLF

 

19.11.2020 Jens Windel hat im Bistum Hildesheim eine Initiative kirchlich Betroffener gegründet. Er ist auch Mitglied im Betroffenenbeirat der DBK. Mit einer Lichteraktion erinnerte die Initiative an die 154 bekannten Betroffenen sexualisierter Gewalt und weitere unbekannte Betroffene im Bistum. Generalvikar Martin Wilk sagte der Initiative die Zusammenarbeit des Bistums zu – das Bistum werde den Aufbau eines Netzwerkes unterstützen. Die Betroffeneninitiative im Bistum Hildesheim ist im Internet zu finden unter www.betroffeneninitiative-hildesheim.de, Kontakt per Telefon über Jens Windel unter 0176 47611285. Quelle: bistum-hildesheim


18.11.2020 Pfarrer A. missbrauchte Kinder und wurde zweimal verurteilt. Die Kirche setzte ihn über Jahrzehnte weiterhin als Seelsorger ein. Ende 1963 wurden erste Vorwürfe bekannt, 2019 wurde ein kirchenrechtliches Verfahren durch Kardinal Woelki eingeleitet. Es waren 9 Bischöfe und zwei Personalchefs, die später Bischöfe wurden, die den Täter schützten: Erzbischof Josef Frings, Erzbischof, später Kardinal Joseph Höffner; Hauptabteilungsleiters Seelsorge-Personal, der heutige Erzbischof von Hamburg; Bischof Heinrich Tenhumberg, Münster; Bischof Reinhard Lettmann, Münster; der damalige Generalvikar und spätere Erzbischof von Hamburg Werner Thissen; Kardinal Joachim Meisner; Weihbischof Stefan Zekorn, Münster; Bischof Hubert Luthe; Bischof Felix Genn, Essen und Münster; Bischof Overbeck, Essen. Quelle: zeit.de


18.11.2020 Der von der unabhängigen staatlichen Untersuchungskommission zu Kindesmissbrauch in England und Wales (IICSA) vorgestellte Missbrauchsbricht wirft Kardinal Nichols, Vorsitzender der Bischofskonferenz, Versäumnisse im Umgang mit Missbrauchsfällen vor. Zwar habe der Erzbischof von Westminster um Entschuldigung gebeten, jedoch keine persönliche Verantwortung übernommen. Medienberichte habe er zu unterbinden versucht und lange abgelehnt, ein mutmaßliches Opfer zu treffen. Versäumnisse sieht die Untersuchungskommission auch beim Vatikan und dem Papstbotschafter, Erzbischof Edward Adams, die der Bitte um Informationen nicht nachgekommen seien. In England und Wales gerieten 931 Geistliche, Ordensleute und Laien von 1970 bis 2015 in Missbrauchsverdacht. Mehr als 3.000 Fälle wurden angezeigt. Nur 177 Täter angezeigt, in 133 Fällen kam es zu einer Verurteilung. Auch nach 2015 habe es jährlich ca 100 Anschuldigungen gegeben. Quellen: vaticannews.va

Link zum Bericht


18.11.2020 Der Vorstand der Gesellschaft Katholischer Publizisten (GKP) hat sich für eine Veröffentlichung der Kölner Untersuchungsergebnisse zum sexuellen Missbrauch ausgesprochen. Er solidarisiert sich mit den Betroffenen, die, wie die Öffentlichkeit auch, einen Anspruch auf die Wahrheit hätten und nicht zum zweiten Mal zu Opfern gemacht werden dürften. Quelle: gkp.de


18.11.2020  Der Essener Bischof Overbeck hat als erster deutscher Bischof eingestanden, persönliche Schuld für den Einsatz eines Missbrauchspriesters in seinem Bistum zu tragen. „Ich habe Schuld auf mich geladen… Ich habe die Verantwortung am Anfang meiner Zeit als Bischof nicht richtig wahrgenommen. Ich hätte die Unterlagen lesen müssen, um dann Konsequenzen daraus zu ziehen.“ Von Rücktritt sprach Bischof Overbeck nicht. Er sagte: „Verantwortung zu übernehmen heißt für mich lernen. Das halte ich in diesem Fall für angemessen. Es kann andere Fälle geben, da müsste ich vielleicht andere Zeichen setzen.“ Als unverständlich bezeichnet Overbeck, dass Anfang 2010, als alle Missbrauchstäterakten durchgeschaut wurden, kein Handlungsbedarf im Fall von Pfarrer A. gesehen wurde. Quellen: katholisch.de

Untersuchungsbericht über den Einsatz des Ruhestandsgeistlichen A. im Bistum Essen – axis Rechtsanwälte GmbH  Köln, 12.11.2020

Brief des Bischofs an die Gemeinde, in der der Ruhestandsgeistliche ab 2001  tätig war.

24.11.2019 Bischof Overbeck besucht die Gemeinde, in der der Ruhestandsgeistliche 2001-2015 tätig war.


18.11.2020 Ein weiteres Mitglied des Betroffenenbeirates im Erzbistum Köln, der Mitbegründer des Betroffenenbeirates, Patrick Bauer,  tritt zurück. Das Gremium ist nicht mehr beschlussfähig. Bauer begründet seinen Rücktritt mit der mangelnden Fürsorge im Umgang mit den teils schwer traumatisierten Betroffenen von sexueller Gewalt. Er habe ohne Erfolg diese Fürsorge immer wieder bei der Bistumsleitung angemahnt.

Im Interview sagt das bisherige Mitglied des Betroffenbeirats Haucke: „Ich halte das [den Umgang von Kardinal Wölki und anderen mit dem Betroffenenbeirat] heute für eine gezielte Irreführung“ und fährt fort: „Aber die Erkenntnisse müssen toxisch sein aus Sicht des Erzbistums. Sonst würden sie sich nicht derart der Kritik der Öffentlichkeit und dem Zorn vieler Betroffener aussetzen, um das zu unterdrücken. Das bisherige Mitglied Bauer plädiert dafür, die Münchener Untersuchung zu veröffentlichen. Quellen: www1.wdr.de   sueddeutsche.de


18.11.2020 Ein Sondergutachten der „Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl“ wirft dem früheren Kölner Kardinal Höffner vor, gegen Pfarrer A. (87) kein kirchenrechtliches Verfahren eingeleitet zu haben und ihn nach einer Verurteilung wegen fortgesetzter Unzucht mit Kindern in der Seelsorge eingesetzt zu haben. Auch Höffners Nachfolger, Kardinal Meisner, habe von den Verbrechen gewusst und pflichtwidrig auf jegliche Sanktionierung kirchlicherseits und auf Maßnahmen zum Schutz gefährdeter Minderjähriger verzichtet zu haben. Pfarrer A. war auch im Bistum Münster eingesetzt und ab 2002 Ruhestandsgeistlicher im Bistum Essen. – Die Kölner Anwaltskammer kritisiert die andauernde Verschwiegenheitsverpflichtung der „Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl“, die das Erzbistum der Kanzlei auferlegt hat. Es sei zu prüfen, ob die veröffentlichte Kritik der Strafrechtsprofessoren Jahn und Streng und das neue Gutachten von Gercke die Kanzlei Westpfahl…  „in ihren eigenen Rechten verletzt“. Quelle: katholisch.de


18.11.2020  Michael Schenk beschuldigt einen inzwischen verstorbenen Beueler Pfarrer des sexuellen Übergriffs. Er hofft auf Klärung möglicher weitere Fälle und fordert ein Ende des institutionellen Machtmissbrauchs im Erzbistum: „Erst wenn die Kirche tief bereut und bekennt, dann kann ich verzeihen.“ Quelle: ga.de


17.11.2020 Wilton D. Gregory, Erzbischof von Washington, sagt angesichts des McCarrick-Berichtes: „Für einen Priester kann es kein schlimmeres Versagen geben – außer vielleicht, so ein Verhalten bei anderen mitzubekommen, aber nichts dagegen zu tun.“ Nie wieder dürfe es so weit kommen, dass Opfer sich nicht trauten, auszusagen, weil sie den geballten Machtapparat der Kirche gegen sich hätten (vgl. jedoch die Ereignisse im Erzbistum Köln). Quelle: vaticannews


Buch-Hinweis: Gefährliche Seelsorge? Geistiger und geistlicher Missbrauch


17.11.2020 Slawomir Oder, Postulator im Heiligsprechungsverfahren für Papst Johannes Paul II., hält Papst Johannes Paul II. für unschuldig an der kirchlichen Karriere des Missbrauchstäters McCarrick, denn er habe vor dessen Ernennung zum Erzbischof von Washington mehr über McCarrick erfahren wollen, sei jedoch von ihm belogen worden. Der McCarrick-Bericht belege schwarz auf weiß, dass erst 2017 glaubwürdige Anschuldigungen öffentlich wurden. Quelle: katholisch.de


17.11.2020 Nikolaus Blum, Bayerische Landeskirche, sagt, das Engagement gegen Missbrauch habe in der evangelischen Kirche auch weiterhin einen großen Stellenwert. Die bayerische Landeskirche beabsichtigt, mehr Mittel für die Aufarbeitung aufzuwenden. Quelle: evangelisch.de


16.11.2020 Bischof Dieser, Bistum Aachen, sagte, das Gutachten der „Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl“ sei der Anfang der Aufarbeitung. Entscheidend sei der Perspektivwechsel hin zur Betroffenenperspektive. Damit dies gelinge, müssten die vielfältigen Formen von Klerikalismus erkannt und überwunden werden. Ein Betroffenenbeirat solle gegründet werden und eine unabhängige Kommission eingerichtet werden, die die Aufarbeitung aktiv begleiten solle. Auf die Betroffenen will das Bistum proaktiv zugehen und bittet, erfahrenen Missbrauch zu melden unter www.missbrauch-melden.de. Bis zum 20.11.20 ist eine Hotline (0241-452 225) eingerichtet. Transparent will das Bistum die Öffentlichkeit informieren: www.bistum-aachen.de/aufarbeitung. Quelle: Bistum Aachen

GUTACHTEN BISTUM AACHEN

Kommentar: Bischof Hemmerle war es kurz vor seinem Tod im Januar 1994 immerhin möglich, zu den Betroffenen zu fahren und mit ihnen zu sprechen. Das geschah in einer Zeit, von der andere Bischöfe sagen, sie hätten nichts über sexualisierte Gewalt und dessen Folgen gewusst. Hemmerle zeigt: Auch andere Bischöfe hätten wissen können, was die sexualisierte Gewalt anrichtet – wenn sie denn gewollt hätten.


16.11.2020 Die Bundesverbände der Pastoral- und Gemeindereferentinnen und -referenten fordern vor dem Hintergrund der Ereignisse im Erzbistum Köln eine ehrliche und schonungslose Aufklärung aller Missbrauchsfälle im Bereich der katholischen Kirche. Der Umgang des Erzbistums Köln mit der Aufklärung schadete der Glaubwürdigkeit auch des Synodalen Weges. Daher rufen die Verbände den Synodalen Weg auf, Stellung zu beziehen. Quelle: Kirche und Leben


16.11.2020 Bischof Dieser, Aachen, bat Altbischof Heinrich Mussinghoff (80) und dessen früheren Generalvikar Manfred von Holtum (76), einen „persönlichen Prozess der Selbstreflexion“ über ihren Umgang mit Missbrauchsfällen zu beginnen. Er appellierte an die früheren Führungskräfte der Diözese, auf juristische Schritte gegen das Gutachten zu verzichten und die Perspektive der Opfer einzunehmen. Dieser wies seinen Vorgänger im Amt auch darauf hin, dass das Gutachten nicht die Lebensleistung Mussinghoffs und von Holtums bewerte, sondern ihren Umgang mit dem Thema sexueller Missbrauch. Quelle: Kirche und Leben


16.11.2020 Kardinal Gulbinowicz, Alterzbischof von Breslau, ist gestorben. Im November hatte ihm der Vatikan wegen sexueller Gewalt gegen einen Minderjährigen Gottesdienste und die Nutzung der Bischofsinsignien untersagt und als posthum abzuleistende Strafe die Trauerfeier und die Beisetzung in der Kathedrale ausgeschlossen. Quelle: domradio


16.11.2020 Christiane Florin kommentiert „das Schweigen der Laien“ angesichts der Nichtveröffentlichung der Studie im Erzbistum Köln. Betroffene fühlten sich wieder missbraucht – und Laienverbänden falle es schwer, für die Opfer Partei zu ergreifen. Sowohl die Bischofskollegen des Kölner Erzbischofs schweigen als auch das Zentralkomitee der Katholiken. Florin sagt: „Sollte jemand Partei für die Kölner Betroffenen ergreifen, könnte das als feindlicher Angriff auf den Amtsbruder aufgefasst werden. … Es gilt vielen Laien als Ekelthema. Die Betroffenen stören nicht nur die da oben, sie stören auch an der Basis. Und deshalb funktioniert das System.“ Quelle: DLF


16.11.2020 Die katholische Kirche in Polen erlebt eine Vertrauenskrise. 65,7 Prozent der Polen sind der Meinung, die Kirche spiele eine negative Rolle im öffentlichen Leben. Zu dieser Vertrauenskrise tragen auch Vorwürfe gegen den Krakauer Kardinal Stanislaw Dziwisz bei, der fast 40 Jahre lang Privatsekretär des polnischen Papstes Johannes Paul II. war. Dziwisz wird vorgeworfen, sexuellen Missbrauch in der Kirche gedeckt und die Opfer im Stich gelassen zu haben. Der polnische Nachrichtensender TVN24 weist darauf hin, dass Dziwisz sowohl McCarrick als auch den Gründer der Legionäre Christi, Degollado, gestützt habe, obwohl er von beiden wusste, dass sie sexualisierte Gewalt gegen Minderjährige verüben. Kardinal Dziwisz weist alle Vorwürfe zurück. – Der Vorsitzende der polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislaw Gadecki, verteidigt Papst Johannes Paul II.: „Der Fall des ehemaligen Kardinals McCarrick ist auch ungerecht für den heiligen Johannes Paul II., der von ihm zynisch betrogen wurde.“ Piotr Studnicki, Leiter des Büros für Kinder- und Jugendschutz, spricht davon, dass  das Nichtaufklären der ganzen Kirche geschadet hat. Quelle: katholisch.de


16.11.2020  Der neue Sprecher des Beauftragtenrates zum Schutz vor sexualisierter Gewalt in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Christoph Meyns, wünscht sich eine intensive Beteiligung Betroffener, um Missbrauchsfälle aufzuarbeiten. Quelle: evangelisch.de


15.11.2020 Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche sagt im Blick auf die Aufklärung und Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in Einrichtungen der evangelischen Kirche, Gründlichkeit gehe vor Schnelligkeit. Bisher hat die EKD ca 7,4 Millionen Euro an materiellen Leistungen an Betroffene gezahlt. Die Zahlungen orientieren sich an vergleichbaren Schmerzensgeldern. Quelle: sueddeutsche.de


14.11.2020 Der Regensburger Kirchenhistoriker Klaus Unterburger fordert, dass der Vatikan sich bei Heiligsprechungen Zeit nehmen solle. Im Fall von Johannes Paul II. sei zu fragen, ob dieser heilig gesprochene Papst nicht ein Stück weit im Blick auf die Skandale des sexuellen Missbrauchs weggesehen habe. Zudem sei die hohe Zahl von Papst-Heiligsprechungen „eine Form der Selbst-Sakralisierung“. Quelle: katholisch.de

Kommentar: Papst Johannes Paul II. (1978-2005) hat auch die Anzeigen gegen Maciel Marciel Degollado, den Gründer der Legionäre Christi, nicht ernst genommen. 1978 und 1989 schrieb der amerikanische Psychologieprofessor Juan Vaca, früher selbst Präsident der Legionäre, an den Papst und berichtete von seinem Missbrauch. Eine Antwort erhielt er nicht. 1999 (oder 1997) reichten 20 ehemalige Seminaristen eine Anzeige im Vatikan ein. Die folgende Untersuchung wurde 2002 wieder abgebrochen und erst 2005 wieder aufgenommen. Es geht also nicht nur um den Fall des ehemaligen Kardinals McCarrick, bei dem Papst Johannes-Paul II. weggeschaut hat. 


14.11.2020 Das Dekanat der Katholisch-Theologischen Fakultät in Tübingen hat Hinweise auf mögliche Übergriffe in den letzten zehn Jahren erhalten. Betroffene können sich an die Gleichstellungsbeauftragte und den Dekan wenden. Quelle: swr


13.11.2020 Die Auseinandersetzung um die Rolle von Papst Johannes Paul II. im Umgang mit Missbrauchsfällen, vor allem im Umgang mit dem inzwischen laisierten Kardinal McCarrick geht weiter. Polnische Bischöfe verteidigen den polnischen Papst Johannes Paul II. Der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislaw Gadecki, sagt, Papst Johannes Paul II. sei von McCarrick betrogen worden. Außerdem hätten die US-amerikanischen Bischöfe den Papst vor der Nominierung von McCarrick zum Erzbischof von Washington nicht richtig informiert. Quelle: katholisch.de


13.11.2020 Neben dem BDKJ fordert auch der Vorstand des Diözesanrates der Katholiken im Erzbistum Köln, dass die Täter und Vertuscher endlich klar benannt werden. Diese Forderung wurde bereits am 4.10.2018 beschlossen – auf eine Antwort von Erzbischof Woelki und der gesamten Bistumsleitung wartet der Diözesanrat noch immer. Die besondere Sorge des Diözesanrates gilt den Betroffenen. Der Betroffenenbeirat müsse gestärkt werden.  Die juristische Ebene ersetze nicht die moralisch-ethische Verantwortung, sagt der Diözesanrat.  Quellen: diözesanrat.de   honnef-heute


12.11.2020 In Polen wird die Kritik am ehemaligen Papstsekretär Kardinal Stanislaw Dziwisz, Krakau, lauter. Der Abgeordnete Bartlomiej Sienkiewicz nennt den 81-Jährigen einen „Betrüger und Menschen mit doppelten Gesicht“. Dziwisz habe Missbrauchstäter geschützt. Quelle: katholisch.de


12.11.2020 Das Bistum Passau sucht Bewerber*innen für den geplanten unabhängigen Betroffenenbeirat. Wer die Mitglieder auswählt, ist nicht bekannt. Quelle: bistum-passau.de


12.11.2020 Annette Zoch und Matthias Drobinski beschreiben die jahrzehntelange „systemische Verantwortungslosigkeit“ im Bistum Aachen. Die Verursacher sexueller Gewalt wurden geschützt, nicht die Betroffenen. Zoch und Drobinski konstatieren, dass die Kirche auf der falschen Seite stand. Interessant auch: Der damalige Chefredakteur der Aachener Kirchenzeitung, Armin Laschet, berichtet vom Prozess gegen den Priester:  Erschütternd sei „die Tatsache, dass die fatale Neigung seinen Vorgesetzten seit langem bekannt war oder hätte bekannt sein müssen“. Der Generalvikar maßregelt daraufhin den Chefredakteur. Quelle: Süddeutsche


12.11.2020 Matthias Drobinski kommentiert die Veröffentlichung des Berichts der „Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl“ über den Umgang mit Betroffenen im Bistum Aachen. Drobinski registriert den Perspektivwechsel hin zu den Betroffenen und betont, dass der Bericht die systemische Verantwortungslosigkeit mit konkreten Namen (unter vielen anderen Bischof Mussinghoff) verbindet. Zwar würde Bischof Mussinghoff Fehler zugeben – aber keinesfalls persönliche Schuld eingestehen. Die Veröffentlichung des Berichts im Bistum Aachen ist ein „mutiger Schritt“ des jetzigen Bischofs Dieser und des Generalvikars Frick. Im Erzbistum Köln wird ein gleichartiges Gutachten der „Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl“ nicht veröffentlicht. Drobinski vermutet als Motiv dafür, dass die Kölner Verantwortlichen unfähig sind zu sagen: Ich habe Fehler gemacht. Ich übernehme die Verantwortung dafür. Quelle: sueddeutsche


12.11.2020 Karl Haucke, zweiter Sprecher des Beirats von Betroffenen sexualisierter Gewalt im Erzbistum Köln hat sein Amt niedergelegt und wird den Betroffenenbeirat verlassen. Er fühlt sich instrumentalisiert für das Interesse der Verantwortlichen im Erzbistum Köln, das Gutachten der „Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl“ nicht zu veröffentlichen.

Thomas Schüller, Kirchenrechtler, spricht von einer „gezielten Desinformation der Öffentlichkeit” bei der die Opfer sexueller Gewalt „zum zweiten Mal instrumentalisiert werden, um kirchenpolitisch Schaden vom Erzbistum Köln abzuwenden”. Quelle: katholisch.de   www1.wdr.de

Kommentar: Das Erzbistum Köln gibt mit seinem Umgang mit dem Betroffenenbeirat an jene Betroffenen, die prüfen, ob sie sich in ihrem Bistum zum Betroffenenrat melden wollen, das Signal: Meldet euch lieber nicht, es droht ein erneutes Benutzt-Werden.


12.11.2020 Nachdem im November der staatliche Untersuchungsbericht über Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche von England und Wales veröffentlicht wurde, haben sich die Bischöfe bei allen Opfern und Überlebenden entschuldigt. Kardinal Nichols, Erzbischof von Westminster, wird vorgeworfen, er habe keine persönliche Verantwortung übernommen und kein Mitgefühl mit den Opfern gezeigt. Das Ansehen der Kirche sei ihm wichtiger gewesen. Der Bericht dokumentiert von 1970 bis 2015 über 900 Beschwerden wegen 3.000 Missbrauchsfällen gegen mehr als 900 Betroffene. In dieser Zeit gab es 177 Strafverfahren und 133 Verurteilungen. Seit 2006 wurden der Kirche jährlich über 100 Anschuldigungen gemeldet. Die Bischöfe werden aufgefordert, darauf hinzuwirken, dass das kirchliche Gesetzbuch Kindesmissbrauch als Verbrechen einstuft, nicht als Verstoß gegen das 6. Gebot. Der Bericht kritisiert, dass der Vatikan nur begrenzt Informationen bereitstellte – in der Regel lediglich bereits öffentlich bekannte Fälle. Quelle: katholisch.de


12.11.2020 Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Erzbistum Köln kritisiert Kardinal Woelki für den Umgang mit der von ihm in Auftrag gegebenen Missbrauchsstudie. Der Erzbischof und sein Generalvikar Markus Hofmann hätten „innerhalb eines Jahres durch ihr Handeln das Vertrauen vieler Betroffener von sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche erneut zerstört“, erklärt der BDKJ und fordert Kardinal Woelki zum Rücktritt auf. Quelle: Kirche und Leben   BDKJ


12.11.2020 Thomas Schüller, Kirchenrechtler, nennt das Gutachten des „Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl“ für das Bistum Aachen den „Goldstandard“. Er „bewertet das Gutachten als ‚qualitativ präzise‘ und ‚fachlich hochwertig‘. Er kommentiert „Hinter diesen Bericht wird kein Bistum zurückgehen können, und jeder weiß jetzt, welche Angst das Erzbistum Köln umtreibt, verzweifelt den für Köln erstellten Bericht mit allen Kräften nicht der Öffentlichkeit zu übergeben.“

In der MHG-Studie, die Missbrauchsfälle von 1934 bis 2016 untersuchte, war von 86 Betroffenen und 55 Beschuldigten die Rede. Die Kanzlei „Westpfahl Spilker Wastl fand von 1965 bis 2019 81 Priester (darunter 2 Diakone) als Täter und 175 Betroffene. Quelle: KStA


12.11.2020 Das Gutachten der Kanzlei „Westpfahl Spilker Wastl“ Sexueller Missbrauch Minderjähriger und erwachsener Schutzbefohlener durch Kleriker im Bereich des Bistums Aachen im Zeitraum 1965 bis 2019 – Verantwortlichkeiten, systemische Ursachen, Konseuqenzen und Empfehlungen“ kann auf der Kanzlei-Seite nachgelesen werden.  Quellen: westpfahl-spilker.de   zeit.de   Süddeutsche  FAZ  Pressekonferenz


11.11.2020 Moritz Bauer denkt über das problematische Narrativ „Reinheit der Kinder/kindliche Unschuld“ im Kontext der Missbrauchskrise nach und stellt fest: „Die Kirche blockiert durch eine ausbleibende ernsthafte Reflexion und hierauf basierende Revision ihrer Sexualmoral eine adäquate Aufarbeitung des Missbrauchsgeschehens. Wie das thematisierte Beispiel der kindlichen Unschuld zeigt, scheint eine wissenschaftliche Reflexion jedoch dringend geboten.“ Quelle: feinschwarz.net


11.11.2020 Der Skandal um sexuellen Missbrauch in der polnischen katholischen Kirche erreicht immer höhere Kreise. Mit Kardinal Dziwisz steht nun ein enger Vertrauter von Papst Johannes Paul II. unter Vertuschungsverdacht. Quelle: dw.com


11.11.2020 Ein Priester des Erzbistums Köln war in drei Bistümern – Köln, Münster und Essen – tätig, auch nachdem er 1972 erstmals, 1988 ein zweites Mal wegen sexualisierter Gewalt an Minderjährigen verurteilt wurde. Bis 2019 war er im Dienst. Nun, nach 48 Jahren, nimmt die Glaubenskongregation das Verfahren an sich. Quelle: katholisch.de


11.11.2020 Nachdem der Vatikan seine Untersuchung über den McCarrick-Fall veröffentlicht hat, äußern US-amerikanische Bischöfe ihre Trauer und ihr Bedauern. Drei Päpste ließen trotz ihres Wissens McCarrick gewähren. Auch die Ortsbischöfe in den USA schritten nicht oder nicht ausreichend deutlich ein. Eines der Opfer von McCarrick, Robert Ciolek, äußert seine Enttäuschung, wie wenig sich die Kirchenführer für die Aussagen der Betroffenen interessiert haben. Ciolek fragt: „Hätte das nicht wichtig sein müssen für eine Kirche, die moralische Führung beansprucht?“ Quelle: katholisch.de


11.11.2020 Pastor Hans-Georg Badenhop (gest. 1989) soll sich Anfang der 1970er Jahre an einem damals Elfjährigen vergangen haben. Das teilte die diakonische Pestalozzi-Stiftung in Burgwedel bei Hannover mit. Quelle: evangelisch.de


10.11.2020 Das Bistum Münster hat mit bestehenden Betroffenengruppen die Beteiligung Betroffener an der Aufklärung kirchlicher Missbrauchsfälle beraten und wird im Dezember zu einem Treffen der Betroffenen einladen, die Interesse an einer Mitarbeit haben. Die Betroffenen werden also ihre eigenen Vertreter wählen – anders als in anderen Bistümern, in denen die Mitglieder der Betroffenenräte von der Kirche ausgewählt werden. Quelle: kirche-und-leben.de


10.11.2020 Die Polnische Bischofskonferenz erwartet, dass der Vatikan die Vertuschungsvorwürfe gegen Kardinal Stanislaw Dziwisz, der von 1978 bis 2005 Privatsekretär von Papst Johannes Paul II. war, prüft. In der Reportage „Don Stanislao. Das andere Gesicht von Kardinal Dziwisz“ wird Dziwisz beschuldigt, Hinweise auf sexualisierte Gewalt gegen Kinder durch Marcial Maciel Degollade und den früheren Kardinal McCarrick ignoriert und vertuscht zu haben. In der Reportage wird auch gesagt, McCarrick habe 1988 für eine Privataudienz mit Papst Johannes Paul II. 10.000 Dollar an Dziwisz gezahlt. Sein Opfer war bei der Papstaudienz im Juli 1988 dabei, er sollte den damaligen Erzbischof von Newark entlasten. Quelle: katholisch.de   tagesschau, 11.11.2020


10.11.2020 Die Stadt Breslau/Wroclaw prüft, ob sie dem polnischen Kardinal Henryk Gulbinowicz die Ehrenbürgerwürde aberkennen will. Gulbinowicz wird des sexuellen Missbrauchs eines Minderjährigen und der Zusammenarbeit mit dem früheren kommunistischen Geheimdienst beschuldigt. Quelle: katholisch.de


10.11.2020 Ein vatikanischer Untersuchungsbericht über den ungehinderten Aufstieg des ehemaligen Kardinals McCarrick liegt vor. Eine wichtige Entscheidung geschah in der Ernennung zum Erzbischof von Washington und damit zum Kardinal. Zwar rieten der damalige Nuntius in Washington, Gabriel Montalvo, und der Leiter der Bischofskongregation, Giovanni Battista Re, davon ab, McCarrick in die US-Hauptstadt zu versetzen, weil es Gerüchte gab. Die „Gerüchte“ waren in einem Brief von Kardinal O’Connor, Erzbischof von New York, datiert vom 28.10.1999, an den Apostolischen Nuntius zusammengefasst und erreichten auch Papst Johannes Paul II. (Bericht S. 5 ff). Im August 2000 beteuerte McCarrick gegenüber dem päpstlichen Privatsekretär Stanislaus Dziwisz, niemals sexuelle Beziehungen mir irgendeiner Person gehabt zu haben. Johannes Paul II., der den Brief erhielt, glaubte McCarrick. Als 2005 erneut Anschuldigen wegen sexueller Ausbeutung Erwachsener auftauchten, forderte Papst Benedikt XVI. den Rücktritt McCarricks und nahm ihn 2006 an. Ein offizielles Verfahren wurde nicht eröffnet, weil es bis dahin keine Anschuldigungen wegen Missbrauchs Minderjähriger gab. McCarrick wurde mündlich und schriftlich ermahnt und ihm wurde ein zurückgezogenes Leben auferlegt. Rom duldete jedoch, dass der Kardinal weiterhin reiste. Im SOmmer 2017 tauchten konkrete Missbrauchsbeschuldigungen Minderjähriger auf. Der Vatikan eröffnete ein Verfahren, McCarrick wurde zunächst aus dem Kardinalsstand, später aus dem Klerikerstand entlassen. Es ist unbekannt, ob unabhängige Experten am der Untersuchung und dem Bericht beteiligt waren. Quellen: vatican.va  katholisch.de


10.11.2020 Die Evangelische Kirche in Deutschland sieht sich bei der Missbrauchsaufarbeitung auf einem guten Weg. Betroffene sehen das anders. Kerstin Claus bemängelt, dass es oft gar keine Aufklärung gebe. Aufarbeitung könne nur auf der Basis von Aufklärung geschehen. Aufklärung schaut nach den begünstigenden Faktoren; nach denen, die nicht hingeschaut haben, die Täter geschützt haben. In diese Aufarbeitung müssten Betroffene gleichberechtigt einbezogen werden, die Deutungshoheit dürfe nicht bei der Kirche liegen. Ihrer Einschätzung nach sind die Betroffenen im evangelischen Setting (Jugendarbeit, Konfirmation) älter als die in der katholischen Kirche Betroffenen. Dann ist es eben nicht „die erste misslungene Liebesbeziehung“, sondern sexualisierte Gewalt. Bislang habe die EKD keine Strukturen geschaffen, damit sich Betroffene in unabhängigen Stellen melden können. Notwendig sei in beiden Großkirchen, dass Betroffene nicht emotionalisiert und damit marginalisiert werden („Ich verstehe ja, dass Sie das belastet!“), sondern „in ihrer Expertise, in ihrer Kenntnis auch um Täterstrategien wahrgenommen werden.“ Quelle: Domradio

10.11.2020 Klaus Mertes verurteilt die Nichtveröffentlichung des Kölner Gutachtens über den Umgang der Bistumsleitung des Erzbistums Köln mit Missbrauchsfällen. Zum Umgang des Erzbistums mit dem Betroffenenrat sagt Mertes: „Es ist dieselbe Konstellation, in der die Missbrauchstäter nachträglich zu ihren Opfern sagen: ‚Ihr habt doch selbst gewollt und mitgemacht.‘ Genau diesen Text müssen sich die Betroffenen nun wieder anhören.“ Er plädiert für die Unabhängigkeit der Betroffenenvertreter, weil vom Bischof – wie in Köln – ausgewählte Mitglieder schon strukturell nicht auf Augenhöhe seien. Mertes fragt: „Und jetzt will eben diese Institution den Opfern als Erwachsenen wieder vorschreiben, was sie sagen dürfen und was nicht?“ Das nennt er „auf absurde Weise gruselig“. (Dem ist nichts hinzuzufügen!) Quelle: Kirche und Leben


9.11.2020 Die Bild-Zeitung zitiert aus einem vertraulichen Sondergutachten der „Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl“ für die (Erz-)Bistümer Köln, Münster und Essen vom 1.8.2019. Die Zeitung schreibt, dass dem damaligen Personalchef Heße 2008 ein Verdachtsfall bekannt wurde, über den er den Missbrauchsbeauftragten des Erzbistums Köln nicht informierte. 2008 wandte sich ein mutmaßlicher Betroffener an das Erzbistum Köln und informierte über einen Geistlichen, der 1972 wegen Missbrauchs von Kindern zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. Der mutmaßliche Täter habe bereits Anfang der 1960er Jahre in einem Kindergarten massive sexuelle Übergriffe begangen. 1973 ging der Beschuldigte ins Bistum Münster, wurde 1988 zu einer Bewährungsstrafe wegen sexualisierter Gewalt an Minderjährigen verurteilt, kehrte 1989 als Altenheimseelsorger ins Erzbistum Köln zurück und war von 2002 bis 2015 in Bochum-Wattenscheid tätig.

Ein Sprecher von Erzbischof Heße sagte, der damalige Missbrauchsbeauftragte des Erzbistums Köln habe den damaligen Generalvikar D. Schwaderlapp über den Vorfall informiert. Der mutmaßlich Betroffene sagte, Heße habe gesagt, es lägen keine Beschwerden über den mutmaßlichen Täter vor. Der Sprecher von Erzbischof Heße sagt, Heße und der damalige Missbrauchsbeauftragte des Erzbistums hätten mündlich und schriftlich die längere Gefängnisstrafe des Priesters angesprochen. Quelle: Domradio


9.11.2020 Joachim Frank berichtet unter dem Titel „Das kalte Herz der Kirche“, was Michael Schenk erlitten hat – zunächst im Missbrauch durch katholische Priester, schließlich in der Verweigerung von Gerechtigkeit im klerikalen System. Sein „Fall“ zeigt, wie empathielos und brutal Opfer in Köln unter dem 2017 gestorbenen Meisner behandelt wurden – und wie sich das bis in die Gegenwart auswirkt. Quelle: Frankfurter Rundschau


9.11.2020 Sowohl die katholische Kirche in Polen als auch die regierende Pis-Partei verschärfen ihre Hassrhetorik. 2015 galt der Hass den Flüchtlingen, inzwischen richtet er sich gegen queere Menschen. Die katholische Kirche schürt den Hass gegen die LGBTQ-Community, um von ihrem Missbrauchsskandal abzulenken. Quelle: fr.de


9.11.2020 Pater Mertes ist sehr irritiert darüber, wie die Kölner Bistumsleitung in ihrem bisher gescheiterten Bemühen um rechtliche Aufklärung mit dem Betroffenenbeirat umgeht. Quelle: Kölner Stadtanzeiger


9.11.2020 Tilmann Kleinjung hat im Anschluss an die Synode der EKD den Eindruck, dass die evangelische Kirche jeden Fehler der katholischen Kirche noch einmal wiederholen will. Quelle: katholisch.de


9.11.2020 Sowohl in der evangelischen als auch in der katholischen Kirche kommt die Aufklärung der Missbrauchsfälle an ihre Grenze. Zur EKD-Synode war der Betroffenenbeirat zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der Kirche nicht eingeladen – vorgeblich, um zu verhindern, dass die Synode in ihrer digitalen Form dem Anliegen der Betroffenen nicht gerecht werden könne. Inzwischen hat die evang. Kirche erkannt, dass auch sie ein Problem mit sexualisierter Gewalt hat. 881 Fälle sind bekannt. Eine wissenschaftliche Studie wird erst jetzt begonnen – in drei Jahren soll sie abgeschlossen sein. Weder gibt es einheitliche Aufarbeitungsstandards noch einheitliche Regeln zur Auszahlung von Anerkennungsleistungen. Der Betroffenenbeirat hat sein Veto gegen die Musterordnung eingelegt, weil dort vorgesehen ist, dass Betroffene nur dann Anerkennungsleistungen erhalten, wenn sie institutionelles Versagen nachweisen können.

Der Beauftragtenrat zum Schutz vor sexualisierter Gewalt weist darauf hin, dass „grundlegende Strukturen und Instrumente“ geschaffen wurden. Betroffene kritisierten die bislang geleistete Aufarbeitung. Es sei kaum etwas geschehen und Betroffene seien bislang zu wenig einbezogen worden.

Auch die katholische Kirche taugt nicht als Vorzeigemodell. Zuletzt wurde ein Gutachten, das Vertuscher im Erzbistum Köln benennen sollte, vom Erzbistum Köln einkassiert und der Betroffenenbeirat in Mithaftung genommen, ohne das Gutachten selbst zu kennen. Annette Zoch kommentiert: „Eine unerträgliche Konstellation. So setzt sich der Missbrauch fort, nur in anderer Form.“ Inzwischen sei deutlich, dass die Institutionen Missbrauch nicht selbst aufklären können. Gefordert seien wirklich unabhängige Ausklärungskommissionen, die vom Staat mandatiert werden. Quellen: Süddeutsche   katholisch.de


9.11.2020 Die Untersuchungen zum Umgang mit Missbrauchsanzeigen im Bistum Aachen durch die Münchener „Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl“ sollen am 12.11. vorgestellt werden. Altbischof Heinrich Mussinghoff (Bischof von 1995 bis 2015) und der frühere Generalvikar Manfred von Holtum (1997 – ?) kritisieren das Gutachten, weil sie unberechtigte Schuldzuweisungen erwarten und fürchten, dass das Verfahren nicht fair sei. Von Holtum sagte, er könne die Einwände der Strafrechtler gegen die Kölner Untersuchung nachvollziehen. Das Gutachten für Aachen dürfe aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht veröffentlicht werden. Die Protokolle der mit Mussinghoff und von Holtum geführten Gespräche seien „unzulänglich und sehr fehlerhaft“, sagen beide Geistlichen. Von Holtum gestand, „dass wir damals wenig Erfahrung hatten im Umgang mit Missbrauchsfällen“. Mussinghoff fühlte sich vor allem mit Opfergesprächen überfordert: „Ich hätte mir nicht zugetraut, sachgemäß mit ihnen zu sprechen. Ich würde das auch keinem Bischof raten.“ Er hat den 2017 verstorbenen Personalchef Heiner Schmitz mit den Missbrauchsfällen beauftragt.

Dass ein Bischof auch anders handeln konnte, zeigt Bischof Hemmerle (1975–1994). Er sprach mit Opfern und konnte die Schuld der Kirche, auch die eigene Schuld, erkennen. Bislang hält das Bistum Aachen an der Veröffentlichung des Gutachtens der „Kanzlei Westpfahl  Spilker Wastl“ fest. Quelle: vaticannews


9.11.2020 Auf der interdisziplinären Fachtagung „Gefährliche Seelenführer? Geistiger und geistlicher Missbrauch“ fordert Bischof Timmerevers: „Nach einem Jahrzehnt des Lernens über Ursachen und kirchlich-strukturelle Blindheit beim Umgang mit dem sexuellen Missbrauch, hat die Kirche die große Verantwortung im missbrauchsempfindlichen Feld der Seelenführung die Perspektive der Betroffenen endlich ernst zu nehmen.“ Quelle: katholisch.de


8.11.2020 „Wertvolles Vertrauen habe man bei den Betroffenen verloren“, so die Klage des Kardinals. Doch Vertrauen verloren hat auch er, nicht nur unter Bischöfen. Der Missbrauch des Betroffenenbeirates durch den Kardinal, um sich vor der Rache derer zu retten, die er nicht davonkommen lassen wollte, ist an Ruchlosigkeit kaum zu überbieten.“ So kommentiert Daniel Deckers unter dem Titel „Ruchloser Kardinal“ die Entscheidung des Kölner Erzbischofs, Kardinal Woelki, die Untersuchung von Vertuschung im Erzbistum Köln durch die Münchener „Kanzlei Westpfahl, Spilker, Wastl“ nicht zu veröffentlichen. Quelle: FAZ


8.11.2020 Der Kölner Erzbischof Kardinal Woelki verteidigt die Entscheidung, dass ein neuer Gutachter die Missbrauchsstudie für das Erzbistum Köln erstellt. Er verspricht, dass es ihm um eine „ehrliche Anerkennung des Leids der Betroffenen“ und eine „wirksame Prävention von sexueller Gewalt in unserem Bistum“ gehe. Bereits 2018 hatte Kardinal Wölki gesagt: „Nur, wenn wir ehrlich und aufrichtig sind, wird uns wieder Vertrauen geschenkt werden.“ Quelle: katholisch.de


8.11.2020 Über sexuelle Gewalt in der katholischen Kirche wurde in den letzten Jahren viel berichtet. Aber auch in Gemeinden und Institutionen der evangelischen Kirche kam es zu Missbrauch von Kindern und Jugendlichen – nur ist darüber viel weniger bekannt. Ein Feature von Christoph Fleischmann. Quelle: www1.wdr.de


6.11.2020 Michael Schenk, ehemals katholischer Priester, wurde als Junge jahrelang schwer sexuell von Priestern des Kölner Erzbistums missbraucht. Als er sich beim Erzbistum meldet, erfährt er Kälte und Unbarmherzigkeit. Quelle: ksta.de

Kommentar: Die neue Untersuchung des Umgangs mit Missbrauchsanzeigen im Erzbistum Köln wird sich – anders als die Studie der „Kanzlei Westpfahl, Spilker, Wastl“ – auf juristische und kirchenrechtliche Gesichtspunkte beschränken. Damit allerdings lässt sich kaum abbilden, was Betroffene in der katholischen Kirche immer wieder beklagen: Kälte, Ignoranz, Unbarmherzigkeit, Gleichgültigkeit….


6.11.2020 Der Vatikan wird am 10.11. den Bericht über den früheren Kardinal McCarrick veröffentlichen. Dort soll auch stehen, was Kircheninstitutionen über die Vorwürfe wussten und wie die Entscheidung zur Sanktionierung ablief. Äußerungsrechtliche Bedenken werden nicht vorgetragen. McCarrick wird Macht- und sexueller Missbrauch, u.a. an Minderjährigen vorgeworfen. Quelle: Domradio


6.11.2020 Das höchste indische Gericht hat die Fortsetzung des Prozesses gegen den katholischen Bischof Mulakkal ermöglicht. Dem suspendierten Bischof wird die Vergewaltigung einer Nonne vorgeworfen. Riju Kanjookaran von der katholischen Laienorganisation „Save Our Sisters“ (SOS) sagte, dies sei die letzte juristische Möglichkeit für den Beschuldigten gewesen, einem Prozess zu entgehen. Quelle: kathpress.at


6.11.2020 Der Vatikan hat Disziplinarstrafen gegen den des sexuellen Kindesmissbrauchs beschuldigten polnischen Kardinal Henryk Gulbinowicz (97) verhängt. Er darf nicht mehr zelebrieren, nicht an öffentlichen Veranstaltungen teilnehmen, die Bischofsinsignien nicht mehr nutzen und nach seinem Tod darf es keine Trauerfeier in der Kathedrale geben. Dort darf er auch nicht beigesetzt werden. Zudem muss er eine Spende an die Sankt-Josef-Stiftung zahlen, die kirchliche Betroffene unterstützt. Der Vatikan nennt keine konkreten Vergehen des Kardinals. Allerdings hat der Breslauer Dichter Karol Chum den Kardinal im Mai 2019 des sexuellen Missbrauchs beschuldigt. Der Anwalt des Kardinals drohte im Mai 2019 mit juristischen Schritten und der Kardinal wies die Anschuldigungen zurück. Quelle: katholisch.de


5.11.2020 Björn Gercke, Gutachter der neuen Untersuchung zum Umgang mit Missbrauchsfällen im Erzbistum Köln befürwortet eine Veröffentlichung der Studie der „Kanzlei Westpfahl, Spilker, Wastl“, zeitgleich mit der Veröffentlichung seiner eigenen Studie: „Dann können sich alle ein Bild machen. Wenn dies in irgendeiner Form äußerungsrechtlich möglich sein sollte, würde ich dies im Sinne von Transparenz begrüßen.“ Quelle: domradio.de


5.11.2020 Maria 2.0 bietet den Führungskräften der Erzdiözese Köln am 6. November in Köln auf dem Roncalliplatz und am 7. und 8. November vor dem Amts- und Wohnsitz von Kardinal Woelki in der Kardinal-Frings-Straße ein Beichtmobil an. Dort können sie sich zu ihrer Schuld im Umgang mit Missbrauchsfällen bekennen. Quelle: neuesruhrwort.de  Domradio


5.11.2020 Patrick Bauer, bisheriger Sprecher des Betroffenenbeirats im Erzbistum Köln, hat den Beirat verlassen. Die Hälfte der Beiratsmitglieder war nicht einverstanden damit, dass er im Nachgang zur Beiratssitzung vom 29.10.2020 gesagt hat, das Gutachten der Münchener „Kanzlei Westpfahl, Spilker, Wastl“ solle veröffentlicht werden. Bauer sagt, er habe das Vertrauen des Gremiums nicht mehr. Im 2018 gegründeten Beirat, dessen Mitglieder vom Erzbistum Köln ausgewählt wurden, waren ursprünglich 10 Betroffene. Eine/r verließ den Beirat im Sommer und ein weiteres Mitglied ging im Anschluss an die letzte Beiratssitzung am 29.10. Quelle: katholisch.de


5.11.2020 Der Jugendpastor der sektenähnlichen Mettlacher Glaubensgemeinschaft „Gemeinde ohne Mauern“ wurde zu vier Jahren Haft verurteilt. Unter dem Deckmantel von Aufklärung oder von Heilungsprozessen hat er zwei Mädchen sexualisiert misshandelt. Quelle: Saarbrücker Zeitung


5.11.2020 Ein Mitglied der Initiative Ehemaliger Johanneum Homburg ist aus einem Mediationsversuch mit dem Orden der Hiltruper Herz-Jesu-Missionare ausgestiegen, weil es während der Mediation die Ankündigung einer Unterlassungsklage erhielt. Dem Betroffenen wird unterstellt, er hätte öffentlich Lügen zum Nachteil des Ordens verbreitet. Dies treffe nicht zu, sagt der Betroffene und berichtet, dass zwei Terminvorschläge für ein persönliches Treffen vom Provinzial Dr. Kleer ignoriert wurden. Quelle: initiative-ehemaliger-johanneum-homburg.de


5.11.2020 Missbrauchsermittlungen der Staatsanwaltschaft Paderborn gegen einen Priester des Erzbistums Paderborn wurden „aus Zweifelsgründen“ eingestellt. Die kirchenrechtlichen Voruntersuchungen gehen weiter. Quelle: domradio.de


4.11.2020 Der Fachanwalt Eberhard Reinecke nimmt Stellung zum endgültigen Rückruf des Missbrauchsstudie des Kölner Erzbistums. Die Kanzlei Höcker/Köln und RA Lehr, Kanzlei Redeker, Bonn, haben dies beurteilt. Reinecke urteilt: „Beide Kanzleien sehen eine wesentliche Aufgabe darin, die Veröffentlichung von Skandalen insbesondere dabei eine personalisierte Berichterstattung mit Namensnennung zu unterbinden.“ Die Kanzlei Höcker hat sich den Markennamen „Höcker-Rufwächter“ patentieren lassen. Laut NZZ vom  11.12.2020 hat die Kanzlei Höcker u.a. den den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, den Schweizer Wettermoderator Jörg Kachelmann und die AfD vertreten.

Auch die Aussage des Strafrechtlers Matthias Jahn sei fragwürdig. Jahn hatte gesagt: „Die namentliche Erwähnung von Verantwortungsträgern könne zudem bei Mängeln zivilrechtliche Klagen nach sich ziehen.“ Reinecke kommentiert: „Die ganze Diskussion verwundert deswegen umso mehr, weil es keinen gesellschaftlichen oder gar staatlichen Anspruch darauf gibt, dass eine vom Bistum veröffentlichte Studie „gerichtsfest“ zu sein hat (was das auch immer ist).“

Nach Ansicht Reineckes kann sehr wohl auch dann berichtet werden, wenn kein Verfahren mehr geführt werden kann. Alleine die Namensnennung in diesen Fällen verletze zumindest höhere Würdenträger nicht in ihrem Persönlichkeitsrecht. Quelle: blog-rechtsanwael.de


4.11.2020 Der Vatikan hat den Warschauer Kardinal Kazimierz Nycz beauftragt zu untersuchen, ob der frühere Danziger Erzbischof Slawoj Leszek Glodz (75) Maßnahmen gegen sexuellen Kindesmissbrauch vernachlässigt hat.Nach Einschätzung von Beobachtern deutet das darauf hin, dass die Vorwürfe gegen Glodz nicht offenkund haltlos sind. Im Oktober 2019 hatten 16 Priester aus dem Erzbistum Danzig dem päpstlichen Botschafter in Warschau mitgeteilt, dass Erzbischof Glodz Anzeigen wegen sexueller Belästigungen gegen Priester vertuscht habe. Der Beschuldigte weist die Vorwürfe zurück. – 2019 hatten Opfer sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester 24 amtierenden und ehemaligen Bischöfen Vertuschung vorgeworfen. Sie beschuldigten den Krakauer Erzbischof Marek Jedraszewski, den früheren Posener Erzbischof Juliusz Paetz und die amtierenden Bischöfe Jan Tyrawa (Bromberg/Bydgoszcz), Jozef Gorzynski (Ermland), Andrzej Dziuba (Lowicz), Jacek Jezierski (Elbing/Elblag), Jan Watroba (Rzeszow) und Andrzej Czaja (Oppeln/Opole).) Quelle: katholisch.de


3.11.2020 Das Bistum Münster bietet kirchlichen Missbrauchsbetroffenen im Bistum Münster Unterstützung bei der Antragstellung auf Anerkennungszahlungen an, um „seelische Belastungen“  zu vermeiden. Quelle: katholisch.de


3.11.2020  Dr. Doris Reisinger sagte anlässlich der Verleihung des Christine-Schenk-Preises 2020, dass wir unseren Bischöfen und dem Papst nicht vertrauen können, dass sie sich mit den schrecklichen Verbrechen des Missbrauchs in der Kirche befassen. Sie weist darauf hin, dass die gleichzeitige Betonung von Gewissen und Gehorsam ein Widerspruch ist. Quelle: novenanews.com


3.11.2020 Das Erzbistum Köln beantwortet Fragen rund um die Untersuchung der Handhabung von Missbrauchsfällen im Erzbistum Köln, die bei der Pressekonferenz am 2.11. nicht beantwortet wurden. Die Fragen und Antworten werden nach jeweils vorliegenden Informationen laufend aktualisiert. Quelle: kommunikation.erzbistum-koeln.de

Einige Fragen beantwortet das Erzbistum Köln bislang nicht:

  • Warum wurde vom Erzbistum ein Gegengutachten in Auftrag gegeben, wenn das Erzbistum das Münchener Gutachten gar nicht gekannt hat? Und wer genau hat das Gegengutachten in Auftrag gegeben?
  • Wie können Vertreter des Erzbistums (zusammen mit der Kanzlei Redeker) am 19.2. und 4.3. Gespräche mit der Münchener Kanzlei führen, wenn das Erzbistum doch das Gutachten gar nicht kennt? Auch die Kanzlei Redeker erhält das Gutachten erst am 6.3. Wie kann die Kanzlei Redeker am 19.2. und 4.3. Gespräche über ein Münchener Gutachten führen, das sie erst am 6.3. erhält?
  • Das Münchener Gutachten wurde „vom Auftraggeber“ den Gegengutachtern vertraulich als passwortgeschütztes PDF-Dokument zur Verfügung gestellt. „Auftraggeber“ sowohl des Münchener Gutachtens als auch des Gegengutachtens war das Erzbistum Köln. Hat also das Erzbistum Köln entgegen anderer Aussagen Zugang zum Münchener Gutachten gehabt?[in der Aktualisierung vom 4.11.2020, abgerufen am 5.11. um 9 Uhr, wird diese Frage geklärt: Die Gegengutachter erhielten das Dokument über die Kanzlei Redeker, die es von der Münchener Kanzlei erhalten hatte.]
  • Dass nur Stichproben untersucht wurden, gehörte zum Auftrag an die Münchener Kanzlei. Liegt es nicht im freien Ermessen eines Gutachters, die Auswahl der Stichproben zu bestimmen?
  • Der Auftrag an die Münchener Kanzlei galt der Untersuchung des Handelns von Verantwortlichen nach kirchenrechtlichen und staatlichen Vorgaben, aber auch „im Blick auf das Selbstverständnis der Kirche“, ging also über kirchen- und strafrechtl. Gesichtspunkte hinaus. Warum wird vom Gegengutachten kritisiert, dass die Münchener Kanzlei ihrem diesbezüglichen Auftrag nachgekommen ist?
  • Zum Auftrag der neuen Untersuchung sagte das Erzbistum bei der Pressekonferenz, es sei derselbe Auftrag, der auch an die Münchener Kanzlei ergangen sei. Andererseits heißt es, das Gutachten von Jahn/Streng betrachtet dabei primär die rechtliche Einordnung nach dem Straf- und Kirchenrecht. Vom Abgleich des Handelns der Verantwortlichen mit dem Selbstverständnis der Kirche ist nicht die Rede. Ist es also doch ein anderer Auftrag? (Nachtrag: In Publik Forum, 23/2020, S. 30 wird der Jurist Gehrcke zitiert, er könne mit dem kirchlichen Selbstverständnis wenig anfangen als Jurist.)
  • Von wem hat die Kanzlei Redeker im August Teile und später das ganze Münchener Gutachten erhalten? Von der Münchener Kanzlei oder vom Bistum?
  • Der neue Gutachter erhielt erste Interventionsakten am 22.09.2020 und das komplette Münchener Gutachten am 02.10.2020. Das Gegengutachten war bereits am 22.9. oder am 2.10. in Auftrag gegeben. In beiden Fällen konnte der Betroffenenbeirat keine Stellung beziehen, weil er erst in der Sitzung vom 29. mündlich und am  30.10. schriftlich vom Gegengutachten und dem neuen Auftrag erfuhr. Das Münchener Gutachten kannte/kennt der Betroffenenbeirat nicht.
  • Und ganz nebenbei erfährt man noch Interessantes: In der MHG-Studie war 2018 von 135 Opfern und 87 beschuldigten Klerikern die Rede. Wann die im Vergleich zur MHG-Studie 156 weiteren Beschuldigten und die 251 weiteren Betroffenen (plus 312 Verdachtsmeldungen) bekannt wurden, ist nicht erkennbar.

3.11.2020 Der Historiker Thomas Großbölting leitet ein Forschungsprojekt für das Bistum Münster zum Umgang mit Missbrauchsfällen. Er hält die Aufarbeitung des Missbrauchs in der katholischen Kirche durch Juristen – wie im Erzbistum Köln – für unzureichend, weil Juristen lediglich die Rechtmäßigkeit oder die Rechtswidrigkeit prüfen. Für das Forschungsprojekt des Bistums Münster kündigt Großbölting an, Verantwortlichkeiten von „relativen Personen der Zeitgeschichte“ – Bischöfe, Generalvikare, Personalchefs – in seinem Gutachten klar zu benennen, gegebenenfalls verbunden mit eigenen Einlassungen der Betreffenden. Standards dafür seien bereits zum Beispiel im Stasi-Unterlagengesetz etabliert, in dem die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen gewahrt wurden und zugleich das Aufklärungsinteresse berücksichtigt wird. Quelle: Presseportal


3.11.2020 Der emeritierte Erzbischof von Krakau, Kardinal Stanislaw Dziwisz, ehemaliger Privatsekretär von Papst Johannes Paul II., sagt, nicht er habe Missbrauch vertuscht, sondern sein Kollege, der emeritierte Bischof von Bielsko-Zywiec, Tadeusz Rakoczy. Zuletzt hat die Erzdiözese Lodz auf Bitten des Vatikans ein Verfahren gegen den Bischof von Lowicz, Andrzej Dziuba, eingeleitet. Dziuba hatte gesagt, er habe es versäumt, auf Missbrauchsvorwürfe gegen Kleriker in seiner Diözese zu reagieren. Quelle: katholisch.de


3.11.2020 Das Mitglied des Betroffenenbeirates des Erzbistums Köln, Winfried Ponsens, hat seinen Rücktritt aus dem Beirat bekannt gegeben. Er sagte: „Ich war wie vor den Kopf gestoßen, dass plötzlich der Betroffenenbeirat der Einstampfung eines Gutachtens zustimmt, das er selbst nicht gelesen hat.“ Von dem Gegengutachten habe der Betroffenenbeirat nicht einmal etwas gewusst. Es gehe nicht, ein Gutachten zur Vertuschung zu vertuschen. Er habe jedes Vertrauen verloren, dass ein kirchlich eingesetzter Betroffenenbeirat wirklich etwas  bewegen könne. Der Beirat sei nicht von Betroffenen berufen, sondern von der Kirche ausgewählt. Posens hofft, dass die Politik in die Aufarbeitung eingreife. Der Sprecher des Beirats, Patrick Bauer, bedauert, dass er den Vorgang der Zustimmung zum Vorgehen des Erzbistums nicht unterbrochen habe, indem der Beirat keinen Beschluss fasst. Bauer appelliert an das Erzbistum, völlige Transparenz herzustellen und das Gutachten der Kanzlei Westpfahl offenzulegen, muss dies jedoch noch mit den anderen Beiratsmitgliedern abstimmen. Quellen: noz.de   Neues Ruhrwort


2.11.2020 Der Jesuit Ansgar Wucherpfennig sagt, im Blick auf die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche müssten bestehende patriarchale Strukturen in der Kirche aufgebrochen und deren biblische Begründung kritisch hinterfragt werden. Seine Diagnose: „In der katholischen Kirche hat sexualisierte Gewalt einen theologisch spirituellen Wurzelgrund in männlich-väterlichen Dominanzmustern.“ Soll der Glaube auch heute die Botschaft beinhalten, dass der Gott des Lebens die Mächte des Todes besiegt habe, dann müssten biblische Schriften und theologische Traditionen patriarchatskritisch verstanden werden. Quelle: katholisch.de


2.11.2020 Die Kirchenhistorikerin Alexandra von Teuffenbach weist die die Vorwürfe der Schönstätter Marienschwestern zurück, ihre Sammlung von Archivfunden über den Gründer Josef Kentenich sei einseitig. Das Archiv der Marienschwestern sei für wissenschaftliche Forschung verschlossen. Von Teuffenbach berichtet, dass die von ihr dokumentierten Aussagen und ähnliche Fälle in keiner Veröffentlichung der Schönstatt-Bewegung erwähnt werden. Unterlagen darüber müsse es geben, weil die ausgetretenen Schwestern ihren Austritt schriftlich begründen mussten. Anders als in der Stellungnahme des Schönstatt-Generalpräsidiums dargestellt sei die Veröffentlichung rechtlich zulässig. Das Generalpräsidium hatte behauptet, dass niemand befugt sei, Zeugenaussagen zu veröffentlichen. Zeugen unterlägen bezüglich ihrer eigenen Aussagen nicht der Geheimhaltungspflicht, sagt von Teuffenbach. Sie fragt auch, wie der Generalpräsident der Schönstattbewegung, Catoggio, sagen könne, dass die Aussagen im Seligsprechungsprozess „in ihrer Bedeutung ausgewertet und ernst genommen“ wurden, wenn eine solche Bewertung doch nur den zur Geheimhaltung verpflichteten Beteiligten am Seligsprechungsverfahren möglich sei. Quelle: katholisch.de


2.11.2020 Das Gutachten über den Umgang mit Missbrauchsfällen im Erzbistum Köln, sei nicht gerichtsfest und im Ganzen misslungen, ließ Kardinal Woelki auf einer Pressekonferenz ausrichten. Der mit einer neuen Untersuchung beauftragte Kölner Strafrechtsexperte Björn Gercke sagte, es ginge nicht darum, Missstände zu vertuschen. Die neue Untersuchung werden weit umfassender ausfallen: Es gehe um 243 Beschuldigte, 312 Verdachtsmeldungen und 386 Betroffene. Der Kirchenrechtler Thomas Schüller warf Kardinal Woelki vor, sich hinter Anwälten zu verstecken. Es ginge um zwei konkurrierende Anwaltskanzleien, die alte Rechnungen beglichen: „Dieses infame Trauerspiel, was das Erzbistum Köln abliefert, dient der Desinformation der Öffentlichkeit“, sagte Schüller und die Verantwortlichen für die Vertuschung sollen gedeckt werden.  Quelle: aachener-zeitung

Kommentar: In der MHG-Studie war 2018 von 135 Opfern und 87 beschuldigten Klerikern die Rede. Wann die im Vergleich zur MHG-Studie 156 weiteren Beschuldigten und die 251 weiteren Betroffenen bekannt wurden, ist nicht erkennbar.


2.11.2020 Im Kölner Erzbistum ist das neue Missbrauchsgutachten bereits in Arbeit. Auf einer Pressekonferenz des Erzbistums war kein Verantwortlicher des Bistums dabei, der adäquat Auskunft hätte geben können. Der Chefredakteur von Domradio.de Ingo Brüggenjürgen hat den Eindruck, dass die Journalisten sich fragen, ob das Erzbistum die Wahrheit sagt. Sie wollten genau wissen, „wer was wann und zu welchem Zeitpunkt gewusst hat. Wer hat welche Akten gehabt? Wer hat wann welchen Auftrag erteilt?“ Interessant zu wissen wäre für die Journalisten, wann der neue Arbeitsauftrag vergeben wurde und ob bereits zur Sitzung mit dem Betroffenenbeirat alles vom Erzbistum entschieden worden war. Zudem wollten die Journalisten wissen, wie der Auftrag an die Kanzlei „Westpfahl Spilker Wastl“ aussah im Vergleich zum neuen Auftrag an Kölner Strafrechtsexperte Björn Gercke. Das Erzbistum sagte, beide Gutachten hätten genau den gleichen Auftrag erhalten. Gegen die Veröffentlichung des Gutachtens der Kanzlei „Westpfahl Spilker Wastl“ sprächen juristische Bedenken, die dem Erzbistum vor die Füße fallen könnten. Vom Betroffenenbeirat war niemand auf dieser Pressekonferenz. Brüggenjürgen berichtete, dass bei den Journalisten ein großer Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsverlust gegenüber dem Erzbistum Köln festzustellen war. Quelle: Domradio


2.11.2020 „Gefährliche Seelenführer? Geistiger und geistlicher Missbrauch“ ist Thema einer digitalen Veranstaltung der Deutschen Bischofskonferenz, der Katholische Akademie des Bistums Dresden-Meißen und der Sächsische Landesärztekammer.


2.11.2020 Der Kölner Strafrechtsexperte Björn Gercke, der nun anstelle der Kanzlei „Westpfahl Spilker Wastl“ die Untersuchung im Erzbistum Köln durchführen soll, hat den Auftrag, „Rechtsverstöße von Bistumsverantwortlichen zu identifizieren – auf Basis eines juristischen Gutachtens und nicht nach moralisch-ethischen Maßstäben.“ (Die Kanzlei „Westpfahl…“ hatte den Auftrag, eine „umfassende Bewertung des Handelns der Bistumsverantwortlichen“ vorzunehmen, die nicht auf die bloße Rechtmäßigkeitskontrolle beschränkt war.)

Dem Betroffenenbeirat war zur Sitzung lediglich der Tagesordnungspunkt „Weitergang der unabhängigen Untersuchung“ ohne nähere Information bekannt geworden. Erst nach der Sitzung sei dem Sprecher des Betroffenenbeirats, Patrick Bauer, klar geworden, dass es dabei „Dinge gab, die nicht gut gelaufen sind“. Inzwischen möchte der Sprecher des Betroffenenbeirats Transparenz herstellen und plädiert für die Veröffentlichung der Studie.  Diese Position ist noch nicht mit dem Betroffenenbeirat abgestimmt. Das Münchener Gutachten selbst liegt dem Betroffenenbeirat nicht vor.

Ein Mitglied des Betroffenenbeirats, das aus dem Beirat austreten will, sagte, das Erzbistum habe den Betroffenen-Beirat über den Tisch gezogen. Nun sei man das Feigenblatt des Kardinals dafür, dass ein kritisches Gutachten nicht das Licht der Welt erblicke. Quellen: katholisch.de   www1.wdr.de


2.11.2020 Der vom Erzbistum Köln neu beauftragte Gutachter für die Untersuchung zu sexuellem Missbrauch hat vor, die systemischen Defizite des Erzbistums und persönliche Verantwortlichkeiten zu untersuchen. Dabei sollten verantwortliche Personen „möglichst konkret“ benannt werden. Das will er bis zum 18.3.2021 leisten. Quelle: deutschlandfunk.de


2.11.2010 Christiane Florin berichtet von den Ungereimtheiten der Untersuchung des Erzbistums Köln. Ihr Fazit: Sie erkennt keinen echten Willen zur Aufklärung der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche. Quelle: deutschlandfunk.de


2.11.2020 Die Kanzlei „Westpfahl Spilker Wastl“ weist darauf hin, dass die vom Generalvikariat des Erzbistums Köln beauftragten Gutachter in ihrer Ausarbeitung von einem falschen Sachverhalt ausgehen. Auftrag des Erzbistums sei eine umfassende Bewertung des Handelns der Bistumsverantwortlichen gewesen, nicht etwa beschränkt auf die bloße Rechtmäßigkeitskontrolle. Derzeit wartet die Kanzlei auf die Antwortdes Erzbistums, ob Einwände dagegen bestehen, dass Betroffene (Betroffenenbeirat?) das Gutachten erhalten. Bislang sei den Betroffenen die Untersuchung nicht bekannt. Quelle: westpfahl-spilker.de/  s. auch sueddeutsche.de


2.11.2020 Harald Dreßing weist in der Diskussion um die nicht-veröffentlichte Kölner Untersuchung darauf hin, dass nicht bekannt ist, ob die Münchener Kanzlei Westpfahl eine Studie oder ein Gutachten angefertgit hat. Eine Studie wird von den Forschenden mit wissenschaftlichen Methoden erstellt, publiziert und in der Fachwelt diskutiert. Ein Gutachten hingegen beurteilt Einzelfälle. Dabei können äußerungsrechtliche Bedenken entstehen: Handelt es sich bei den Einzelfällen um Personen der Zeitgeschichte, an denen die Öffentlichkeit ein berechtigtes Interesse hat, so kann ein Gutachten veröffentlicht werden. Nicht jedoch darf ein Gutachten über Personen, die nicht wichtig für die Zeitgeschichte sind, veröffentlicht werden. Bisher ging es um äußerungsrechtliche Bedenken. Nun jedoch geht es im Gutachten über die Untersuchung der Münchner Kanzlei gar nicht mehr um äußerungsrechtliche Bedenken, sondern um methodische Probleme des Gutachtens. Die Gutachter, die die Untersuchung begutachtet haben, werfen der Münchener Kanzlei vor, dass sie nicht nur strafrechtliche und kirchenrechtliche Kriterien anlegten, sondern auch ethisch-moralische Grundsätze prüften. Nach Ansicht Dreßings müsste nun aber genau untersucht werden, ob die Verantwortlichen über straf- und kirchenrechtliche Verfehlungen hinaus auch moralisch-ethische Verfehlungen begangen haben. Für die Verantwortung im moralisch-ethischen Sinn brauche es jedoch keine Untersuchung. Die Prüfung dieser Fragen geschehe im Gewissen eines jeden Menschen. Die in den letzten Jahrzehnten Verantwortlichen müssten ihr eigenes Gewissen befragen und schließlich sagen, ob sie im moralisch-ethischen Sinn Fehler gemacht haben. Das Bekenntnis der Fehler sei ein erster Schritt. Schließlich sei in der katholischen Kirche häufiger vertuscht worden als in anderen Institutionen. Dann müsse auch jemand die Verantwortung dafür übernehmen.  Quelle: DLF

1.11.2020 In der Pfarrei Hering, Bistum Mainz, fand in den Jahren 1955-1987 Missbrauch durch den 2001 verstorbenen Pfarrer Lorenz Dickescheid stat. 1993 wandten sich Betroffe an das Bistum. Der Pfarrer gestand die Taten. Ob das Bistum die Staatsanwaltschaft informierte, geht aus den Bistumsakten nicht hervor. Der Beschuldigte musste die Pfarrei verlassen und durfte nicht mehr seelsorgerlich tätig sein. Der Pfarrgemeinderat stellt sich an die Seite der Betroffenen. Quelle: bistummainz.de


1.11.2020 Matthias Drobinski kommentiert die Nichtveröffentlichung des Kölner Missbrauchsberichts. Es gehe Kardinal Wölki darum, die verstorbenen Kardinäle Joseph Höffner und Joachim Meisner und ihre noch lebenden Generalvikare und Personalchefs, von denen einer heute Erzbischof von Hamburg ist, Stefan Heße, zu schützen. Drobinskis Fazit: „Es hat das alte System gesiegt. Institution und Amtsträger müssen unantastbar bleiben. Was im Umgang mit den Missbrauchsbetroffenen rechtlich und kirchenrechtlich nicht zur Strafe führt, muss schon irgendwie in Ordnung gewesen sein….Wieder einmal sind die Betroffenen der sexuellen Gewalt die Opfer. Den Betroffenenbeirat des Erzbistums über den Tisch zu ziehen und ihn ein Gutachten kritisieren zu lassen, das er selber nicht kennt, war eine infame Aktion. Man sollte die Mitglieder das weggesperrte Gutachten lesen lassen – und sehen, welche Meinung sich diese dann bilden.“ Quelle: sueddeutsche.de


1.11.2020 Christoph Fleischmann kommentiert die Kündigung des Gutachtens, das die Kanzlei  „Westpfahl Spilker Wastl“ für das Erzbistum Köln erstellt hat. Die Gutachter des Gutachtens monieren, dass die Kanzlei sich nicht auf die nach kirchlichem und staatlichem Recht sanktionierbaren Tatbestände konzentriert hätten. Fleischmann fragt, ob wir nicht wissen wollten, „wie man insgesamt mit Missbrauchsbeschuldigungen umgegangen ist: war man menschlich, auf Seiten der Opfer oder hat man – juristisch vielleicht unangreifbar – beschuldigte Priester gedeckt, aber mit verheerenden Folgen für weitere Menschen, die zu neuen Opfern der Priester wurden“? Es gehe doch darum zu erfahren, ob die Kirchenhierarchen ihren eigenen Ansprüchen genügt haben. Wenn es nur noch darum gehe zu schauen, ob die Standards des  juristischen und kirchlichen Strafrechts sicher als Rechtsverletzung nachgewiesen werden können, dann werde „die Latte viel zu niedrig“ angelegt. Quellen: www1.wdr.de, ab min. 12; christoph-fleischmann.de


1.11.2020 Offensichtlich hatte Kardinal Wölki doch nicht den gesamten Betroffenenbeirat auf seiner Seite bei der „einvernehmlichen“ Entscheidung, das Gutachten der Kanzlei „Westpfahl Spilker Wastl“ zu kündigen. Laut Twitter  hat einer der Beiräte wegen dieser Entscheidung den Betroffenenbeirat verlassen. – Zudem wurden die Akten von der Kirche nicht von sich aus und auch nicht am 14.4.2019 der Staatsanwaltschaft übergeben, sondern erst am 14.4.2020 und erst auf Anforderung der Staatsanwaltschaft hin. Diese Korrektur der ursprünglichen Pressemeldung „wurde mit der zuständigen Staatsanwaltschaft abgestimmt“. Quelle: erzbistum-koeln.de


1.11.2020 Bestandsaufnahme zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der Evangelischen Kirche im Zeitzeichen.net


30.10.2020 Der Generalpräsident der Schönstatt-Bewegung, Pater Juan-Pablo Catoggio, hat an die Schönstatt-Bewegung einen Brief geschrieben. Er schreibt, dass es weitere gründliche Studien brauche, um das Werk Kentenichs zu prüfen. Zudem weist er darauf hin, dass die Zeugnisse über Kentenich nur den für den Seligsprechungsprozess verantwortlichen Personen bekannt waren und dass viele der im Buch von Alexandra von Teuffenbach aufgeführten Dokumente zu den geheimen Akten des Seligsprechungsprozesses gehörten. Die Anschuldigungen, die in den veröffentlichten Unterlagen dokumentiert sind, widersprechen den sehr positiven Erfahrungen mit der Person und der Botschaft Pater Kentenichs. Quelle: schoenstatt.de


30.10.2020 Das Erzbistum München fordert die Kanzlei „Westpfahl Spilker Wastl“ zu einer Stellungnahme auf, nachdem das Erzbistum Köln die bei dieser Kanzlei in Auftrag gegebene Studie gekündigt hat. Die Kanzlei war Anfang des Jahres vom Erzbistum München mit einer zweiten Untersuchung beauftragt worden. Das Erzbistum München erwartet „ein rechtssicheres, methodisch einwandfreies und belastbares Gutachten“. Quelle: welt.de


30.10.2020 Das Bistum Aachen will den Opfern sexualisierter Gewalt durch Kleriker unbürokratisch die neu vereinbarten Zahlungen zur Anerkennung ihres Leids zukommen lassen. Im November will das Bistum die im Sommer 2019 begonnene Studie zum Umgang der Bistumsverantwortlichen mit Missbrauchsfällen von 1965 bis 2019 veröffentlichen. Die Studie wurde von der Münchner Anwaltskanzlei „Westpfahl Spilker Wastl“ durchgeführt. Anders als das Erzbistum Köln scheint das Bistum Aachen der Kanzlei zu vertrauen. Die Kanzlei hatte bereits 2010 eine Studie im Erzbistum München durchgeführt, die lediglich als Kurzfassung veröffentlicht wurde. Quelle: domradio.de


30.10.2020 Die Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker und Wastl veröffentlicht eine „Pressemitteilung zur Pressemitteilung des Erzbistums Köln von heute Mittag zu unserer unabhängigen Untersuchung zu sexuellem Missbrauch“. Die Kanzlei schreibt, dass sie erst heute zwischen 13 und 14 Uhr durch die Pressemitteilung des Erzbistums Köln erstmals informiert wurde über das Gutachten zu methodischen Standards und über zwei äußerungsrechtliche Stellungnahmen. Bislang habe die Kanzlei ausschließlich von angeblichen, nicht näher spezifizierten äußerungsrechtlichen Problemstellungen gehört. Die Kanzlei könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht umfassend Stellung zu dem Gutachten und äußerungsrechtlichen Mitteilungen Stellung nehmen, zumal das Erzbistum Köln ausdrücklich mitgeteilt hat, dass die Kanzlei weiterhin zur Verschwiegenheit verpflichtet sei.

Aus Sicht der Kanzlei könne das Gutachten jederzeit veröffentlicht werden und dem Betroffenenbeirat weitergegeben werden. Jederzeit stehe die Kanzlei dem Betroffenenbeirat für Gespräch, Erläuterungen und Rückfragen zur Verfügung. Quelle: westpfahl-spilker.de


30.10.2020 Die Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker und Wastl wies die Vorwürfe des Erzbistums Köln zurück. „Aus unserer Sicht kann das Gutachten jederzeit veröffentlicht werden, um der Öffentlichkeit die Möglichkeit zu geben, sich selbst ein umfassendes Bild zu machen“, teilte die Kanzlei mit. Weitere Stellungnahmen würden zu gegebener Zeit erfolgen. – Thomas Schüller, Kirchenrechtler, spricht von einem „Super-Gau für das Erzbistum Köln und alle involvierten Beteiligten“. Die Kritik an dem Münchner Gutachten sei nur juristisch bewertbar, wenn man es im Wortlaut nachlesen könne. „Auf dem Rücken der Opfer werden gutachterliche Fechtereien inszeniert, die die Aufklärung von Verantwortlichkeit im Erzbistum Köln verschleppen und verzögern. Ein dunkler Tag für das Erzbistum Köln und den Kölner Kardinal Woelki und ein bitterer Tag für die Opfer.“ Quelle: Zeit.de   faz


30.10.2020 Die angekündigte Studie des Erzbistums Köln durch die Kanzlei Westpfahl-Spilker-Wastl, die auch die Namen von Verantwortlichen für Vertuschung nennen sollte, wird nicht weitergeführt. Ein Gutachten über die Mängel der Studie liegt inzwischen vor. Stattdessen soll eine vollständige Neufassung durch den Kölner Strafrechtsexperten Prof. Dr. Björn Gercke erstellt werden. Sie soll bis zum 18. März (2021?) veröffentlicht werden. Quelle: katholisch.de

Kommentar: Nun ja, was soll man dazu noch sagen? Wie konnten Kardinal Wölki  oder der Generalvikar vermuten, dass die Studie nicht belastbar sei, wenn sie doch – nach eigener Aussage – die Studie gar nicht kennen? Das Erzbistum teilt in einer Pressemitteilung nämlich mit: „Nach wie vor bleibt dabei sichergestellt, dass weder Kardinal Woelki, noch Generalvikar Dr. Hofmann oder anderen Verantwortungsträgern des Erzbistums, der Inhalt des Berichts vorab bekannt wird.“


 30.10.2020 Die Deutsche Bischofskonferenz ruft die Katholik*innen zu einem Gebetstag für Missbrauchsbetroffene zwischen dem 15. und 22.11. auf.


30.10.2020 Im Gerolsteiner ehemaligen bischöflichen Internat kam es seit Bestehen bis 1983 zu verschiedenen Gewaltformen. Beschuldigt wurden acht männliche Fachkräfte, unter ihnen auch drei inzwischen verstorbene Priester, die nacheinander das Internat leiteten. Nachdem der Zwischenbericht inzwischen vorliegt, bitten die Forscher*innen Betroffene, sich zu melden. Meldungen sind bis Ende Mai 2021 möglich. Quelle: katholisch.de


29.10.2020 Der Kölner Erzbischof, Kardinal Woelki, sagte am 16.11.2018 bei einer Sitzung des Diözesanpastoralrats, dass es möglich sei, dass ihm in der noch nicht veröffentlichten Studie über Missbrauch im Erzbistum Köln vorgeworfen werden könne, an Vertuschungen von Missbrauch beteiligt gewesen zu sein. In diesem Fall müsse das „Domkapitel eben neu wählen“, d.h. dass er dann zurücktreten würde. Im Fall eines früheren Wuppertaler Pfarrers hat das Erzbistum inzwischen eingeräumt, den Vatikan nicht informiert zu haben. Der Kirchenrechtler Thomas Schüller spricht von einem „offenkundig rechts- und pflichtwidrigen Verhalten der Kölner Akteure“. Neben den unmittelbar Zuständigen kämen auch weitere Verantwortliche in den Blick, so Schüller: „Hier ist zunächst an Woelki zu denken, der als Regionalbischof für den Nordteil des Erzbistums zuständig war.“

Das Erzbistum Köln bestätigt den Inhalt der Aussage Wölkis, nicht jedoch den Wortlaut und fügt hinzu, dass Weihbischöfe keine Verantwortung tragen für die Personalführung, das Seelsorge-Personal und den Umgang oder die Aufarbeitung von Verdachtsfällen sexualisierter Gewalt. Quelle: news.feed-reader.net  katholisch.de


28.10.2020 Dr. Bernd Biberger, Generaldirektor und Sr. M. Aleja Slaughter, Generaloberin der Schönstätter Marienschwestern, wehren sich gegen die Darstellung von sexuellem Missbrauch und Machtmissbrauch ihres Gründers Kentenich durch die Kirchenhistorikerin Alexandra von Teuffenbach: „Aussagen – auch wenn sie archiviert sind – stellen noch keine Fakten dar. Die Glaubhaftigkeit von Aussagen sowie eventuelle Motive, die zu einer Aussage führten, bedürfen einer umfassenden Untersuchung. Gründliche historische Forschung hat die verschiedenen Aspekte und Sichtweisen sowie den Gesamtkontext zu berücksichtigen, bevor sie zu einer Bewertung kommt. Die vorliegende Dokumentation lässt diese Arbeitsweise vermissen.“ Quelle: s-ms.org


28.10.2020 In einem ehemaligen Kinderheim des Paritätischen Wohlfahrtverbandes in Feldafing soll es zu schwerer sexualisierter Gewalt und zu Misshandlungen gekommen sein. Der Verband richtete einen Beirat mit Experten und Verbandsvertretern ein, in dem auch Betroffene beteiligt werden sollen. Ebenfalls soll ein externes Aufarbeitungsteam beauftragt werden. Quelle: br.de


28.10.2020 Im Bistum Hildesheim gibt es gegen einen katholischen Priester, der vor Jahrzehnten eine Jugendliche sexuell missbrauchte, weitere Vorwürfe. In zwei Füällen handelt es sich möglicherweise um grenzverletzendes Verhalten gegen volljährige Personen. Der Geistliche ist bis zur Klärung der Vorwürfe beurlaubt. Der Beschuldigte hat eine jungen Frau in den 1980er-Jahren sexuell missbraucht. Er hat ihr Geld gezahlt und einen Entschuldigungsbrief geschrieben. Staatsanwaltliche Ermittlungen wurden wegen Verjährung eingestellt. Die Glaubenskongregation wies das Bistum darauf hin, dass ein kirchenrechtliches Verfahren nicht möglich sei, da die Betroffene mit 16 Jahren kirchenrechtlich als Erwachsene gilt (CiC can 1395 § 2), auf die die kanonische Schutzaltersgrenze nicht mehr zutrifft. Quelle: NDR


28.10.2020 Von September 2019 bis September 2020 wurden den Missbrauchsbeauftragten des Bistums Würzburg sieben Vorwürfe zu sexualisierter Gewalt gegen Minderjährige oder zu Grenzüberschreitungen gemeldet. Vier Priester werden des Missbrauchs von Kindern verdächtigt. Zwei von ihnen sind bereits tot, einer wurde suspendiert. Die Vorwürfe gegen einen vierten Priester ließen sich nicht erhärten. Ein Laienmitarbeiter steht unter Missbrauchsverdacht, einen Laienmitarbeiter und einem weiteren Priester werden Grenzüberschreitungen vorgeworfen. Seit September 2019 haben fünf Betroffene Anträge auf Leid-Anerkennungszahlungen gestellt. An vier Betroffene wurden 15.000 Euro gezahlt, über einen Antrag ist noch nicht entschieden. Quellen:  Bistum Würzburg   sueddeutsche.de


27.10.2020 Der Interventionsbeauftragte des Bistums Aachen, Helmut Keymer, berichtet von seiner Arbeit. In den kommenden Wochen will das Generalvikariat des Bistums ein Gutachten über das Ausmaß an sexuellem Missbrauch veröffentlichen. Quelle: kirchenzeitung-aachen.de


27.10.2020 Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt leitet kein Ermittlungsverfahren gegen einen Domkapitular des Bistums Eichstätt ein. Eine kirchenrechtliche Voruntersuchung läuft derzeit noch. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, gegen einen ihm im Vatikan (2001-2008) unterstellten Geistlichen mehrfach sexuell übergriffig geworden zu sein. Der Domkapitular weist die Vorwürfe zurück. Vrstöße gegen das Zölibatsversprechen werden kirchenrechtlich nur geahndet, wenn sexuelle Handlungen durch Gewalt oder Drohungen erzwungen werden. Ob Abhängigkeitsverhältnisse auch ins Gewicht fallen, ist nicht bekannt. Quelle: Domradio


26.10.2020 Die Visitation der Katholischen Integrierten Gemeinde durch das Erzbistum München-Freising ist abgeschlossen. Konsequenzen werden geprüft.Eine kirchenrechtliche Auflösung kann nur durch den Erzbischof von München, Kardinal Marx, erfolgen.

Alle Mitglieder der KIG sind ausgetreten und haben sich damit der Visitation entzogen. Vertreter der Gemeinde lehnten eine Stellungnahme ab. Der „Förderkreis2 der KIG hat Ende September seine Selbstauflösung angekündigt. Die KIG sieht sich als Opfer bösartiger Verleumdungen. Einige Personen suchen derzeit nach einer neuen rechtlichen Form. Quelle: neuesruhrwort.de  Domradio


26.10.2020 Der Kirchenrechtler Thomas Schüller nennt die monatelange Verzögerung der Veröffentlichung der Missbrauchsstudie im Erzbistum Köln ein „Trauerspiel“. Das Erzbistum teilt mit, dass die Veröffentlichung noch dauere. Eine weitere Kanzlei prüfe nun die Voraussetzungen für die identifizierbare Nennung der früheren Verantwortungsträger. Quelle: evangelisch.de


26.10.2020 Alexandra von Teuffenbach legt eine Dokumentation über den Machtmissbrauch von Josef Kentenich, Gründer der Schönstattschwestern, über den von ihm initiierten und geförderten Personenkult und über seine Grenzüberschreitungen vor. Sie schreibt vor allem aus der Perspektive der Betroffenen. Der Trierer Historikerkommission, die im Auftrag des Bistums Trier die diözesane Phase zum Seligsprechungsverfahren betrieb, lagen diese Kenntnisse vor. Sie beendete 2007 ihre Arbeit, ohne die Aussagen so vieler Frauen über ihren Missbrauch durch Kentenich zu berücksichtigen und ohne ein Ergebnis.

„Vater darf das!“ Eine Archivdokumentation. Sr. M. Georgina Wagner und andere missbrauchte Schönstätter Marienschwestern. Eingeleitet und zusammengestellt von Alexandra von Teuffenbach, Bautz Verlag, Nordhausen 2020, ISBN 978-3-95948-494-7 Quellen: katholisch.de   br.de

schoenstatt.org: hier wird versucht, wissenschaftliches Arbeiten durch Phantasien über die Psyche der Forscherin unglaubwürdig zu machen.


Am 1.7.2020 hatte das Generalpräsidium des internationalen Schönstattwerkes die Darstellung zurückgewiesen. Der Vorsitzende des Generalpräsidiums, Pater Juan Pablo Catoggio, hatte u.a. geschrieben: „Bekannt ist, dass im Rahmen der kirchlichen Prüfung des Schönstattwerkes in den 1950er Jahren von einigen Personen gegenüber Vatikanischen Behörden Anklagen gegen den Schönstatt-Gründer erhoben wurden, die alle in der 14-jährigen Exilszeit des Gründers bearbeitet und entkräftet wurden. Auch im Rahmen des im Jahre 1975 eröffneten Seligsprechungsverfahrens wurden diese Themen erneut aufgegriffen und geklärt, und alle in irgendeiner Form als relevant erscheinenden Dokumente und Zeugenaussagen den zuständigen kirchlichen Autoritäten zugänglich gemacht.“


25.10.2020 Der frühere Papst Benedikt XVI. hat sich von der Katholischen Integrierten Gemeinde (KIG) distanziert. Als Erzbischof von München, Präfekt der Glaubenskongregation und als Papst unterstützte er sie. Inzwischen bescheinigte das Erzbistum München der KIG den Missbrauch von Mitgliedern und sektenähnbliche Strukturen. Kardinal Ratzinger schreibt, er sei „über manches im Innenleben der IG nicht informiert oder gar getäuscht worden“.  Mitglieder berichten, dass unter der Leiterin Traudl Wallbrecher eine geistliche Diktatur geherrscht habe, dass Beziehungen und Ehen gestiftet und getrennt wurden auf Anweisung der Gemeindeversammlung. Diese habe auch entschieden, wann ein Paar Kinder bekommen sollte und welche Berufe ergriffen werden sollten. Einkommen und Erbschaften mussten der Gemeinde übergeben werden. Wer nicht gehorchte, wurde mit Kontaktabbruch bestraft. Quellen: Süddeutsche   br.de – Bericht einer Aussteigerung 20.11.2019


Zwei interessante Vorträge aus katholischer Perspektive:

Hans Joachim Sander: Die Zukunft des Christentums in Europa

Thomas Schüller: Wege der Kirche in die Zukunft der Menschen


24.10.2020 Maria Voce, Präsidentin der Fokolarini, hat die Rücktritte von Bernard Bréchet, Claude Goffinet und Henri-Louis Roche angenommen. Sie waren für die Fokolar-Bewegung in Frankreich bzw. in Westeuropa zuständig. Hintergrund der Rücktritte scheint „das Schweigen oder die jahrelange mangelnde Initiative seitens verschiedener Leitungsvertreter“ im Umgang mit einem Missbrauchstäter und seinen Opfern zu sein. Nun soll ein unabhängiges Gremium die Vorgänge untersuchen. Die Rücktritte der Mitverantwortlichen sollen gewährleisten, dass die Untersuchungen in vollem Umfang und transparent umgesetzt werden können. Quellen: vaticannews.va  fokolar-bewegung.de


24.10.2020 Der Kirchenrechtler Thomas Schüller wirft Kardinal Joachim Meisner, Erzbistum Köln, vor, 2010 keine Anzeige bei der Glaubenskongregation in einem Missbrauchsfall gemacht zu haben. Aufgabe des damaligen Personalchefs und heutigen Erzbischofs von Hamburg, Stefan Heße, wäre es ebenso wie Aufgabe des beauftragten Kirchenrechtlers gewesen, den Bischof zu unterrichten. Heße wiederum hätte die Anhörung des beschuldigten Pfarrers protokollieren müssen und – nach der Aussageverweigerung der mutmaßlichen Opfer – Nachforschungen im sozialen Umfeld des Priesters und seiner mutmaßlichen Opfer anstellen müssen. Quelle: katholisch.de


23.10.2020 Die Deutsche Bischofskonferenz hat eine „Rahmenordnung zum Ausschreibungs- und Besetzungsverfahren sowie zur Aufwandsentschädigung für die strukturelle Beteiligung von Betroffenen“ erstellt. Die Betroffenen sollen die Prozesse zur Aufarbeitung in den Diözesen und den Austausch der Kommissionen auf Diözesanebene begleiten. Quellen: DBK  katholisch.de


23.10.2020 Das Erzbistum München-Freising wird das Geld für die Anerkennungsleistungen für Opfer von sexuellem Missbrauch aus dem Vermögen des Erzbischöflichen Stuhls nehmen, nicht aus der Kirchensteuer. Die Verwaltung plant dafür maximal 2,5 Millionen Euro ein.

Zur Erinnerung: Die Westpfahl-Studie von 2010 hatte die Zeit von 1945 bis 2009 untersucht und 159 Priester (plus 17 mehr) und 15 Diakone gefunden, die„auffällig“ geworden waren. Die Zahl der Opfer wurde nicht ermittelt. Die MHG-Studie untersuchte den Zeitraum von 1946 bis 2014 und fand 94 beschuldigte Priester und vier beschuldigte Diakone. Auch hier blieb die Zahl der betroffenen Minderjährigen unbekannt. Quelle: sueddeutsche.de


22.10.2020 Die Suche nach der Wahrheit über einen Missbrauchsfall im Erzbistum Köln geht weiter. Bizarr – wenngleich durchaus üblich – scheint die Aussage zu sein, dass es gar keinen Missbrauch gegeben haben kann, weil der Beschuldigte gar kein Geständnis abgelegt habe. Das sei aus den Notizen zu ersehen, die wiederum unleserlich seien. Wenn es also gar keinen Missbrauch gegeben hat, kann dem damaligen Personalchef Heße natürlich auch keine Vertuschung vorgeworfen werden. Warum dann jedoch eine unterlassene Meldung eines Unschuldigen an die Glaubenskongregation eine Pflichtwidrigkeit sein soll, ist schleierhaft, denn der beschuldigte Priester habe seine drei minderjährigen Nichten ja gar nicht missbraucht. Quellen: domradio.de  erzbistum-koeln.de   katholisch.de


22.10.2020 Der Kirchenrechtler Thomas Schüller fordert Erzbischof Wölki auf, das Gutachten über die Missbrauchsfälle und deren Vertuschung im Erzbistum Köln, zeitnah zu veröffentlichen. „Der kaum noch zu stoppende Glaubwürdigkeitsverlust der katholischen Kirche wird weiter Fahrt aufnehmen und zu einem rasenden Legitimationszerfall ungeahnten Ausmaßes führen, wenn Bischöfe nicht die persönliche Verantwortung für das übernehmen, was sie in ihrem beruflichen Leben getan beziehungsweise unterlassen haben“, sagte Schüller. Er weist darauf hin, dass Erzbischof Heße, Hamburg, wohl einschätzen könne, „ob er mit dieser gravierenden Belastung aus seiner Kölner Zeit als Personalchef auf Dauer Erzbischof der Hamburger Diözese bleiben kann“. Schüller verweist darauf, dass auch andere amtierende Bischöfen von ihrer Vergangenheit eingeholt werden. Quelle: Aachener Zeitung


22.10.2020 Der Leiter des Kirchengerichts im Erzbistum Köln, Günter Assenmacher, soll laut „Zeit“ Dienstpflichten verletzt haben, weil er die Meldung eines Missbrauchsfall an den zuständigen Kardinal Meisner und an die Glaubenskongregation pflichtwidrig unterließ. Das Erzbistum Köln bestätigte die Unterlassung der Meldung an die Glaubenskongregation (durch wen?), sieht jedoch keine explizite Verantwortung von Assenmacher. Quelle: Zeit   katholisch.de 22.10.2020


21.20.2020 Der vom Bistum Trier vor einem Jahr eingerichtete Ausschuss hat seinen Zwischenbericht zu Gewalt am ehemaligen bischöflichen Internat Albertinum (1945 bis 1982), Gerolstein, vorgelegt. Acht männliche Mitarbeiter – unter ihnen drei katholische Priester – sollen körperliche, psychische und/oder sexuelle Gewalt gegen die Schüler ausgeübt haben. 32 Berichte von Schülern liegen den Ausschussmitgliedern vor. Bischof Ackermann berichtet, dass es schon vor Jahren Hinweise auf Gewalt im Internat gegeben habe, „man“ habe aber erst 2018 erkannt, dass es sich nicht um Einzelfälle gehandelt habe. Quelle: swr.de


21.10.2020 Der Fall des Erzbischofs Heße wird von R. Löbbert und G. Löwisch dargestellt. Quelle: Zeit


20.10.2020 Tanten, Omas, Nachbarinnen und besonders häufig: die eigene Mutter. Immer wieder sind Frauen an Kindesmissbrauch beteiligt. Über einen blinden Fleck in der Gesellschaft. Quelle: Süddeutsche


20.10.2020 Dr. Doris Reisinger erhält den Christine-Schenk-Preis 2020 für junge katholische Führungspersönlichkeiten. Herzlichen Glückwunsch! Quelle: futurechurchnews.org


20.10.2020 Der katholische Theologe Georg Essen, Berlin, sagt, der Missbrauch und dessen Vertuschung durch Amtsträger sei „eine Beschädigung des katholischen Selbstverständnisses, von der wir noch nicht wissen, wie wir weiter damit umgehen können“. Das gebe der Missbrauchskrise „ein dramatisches Ausmaß“. Der Kirche drohe „ein Legitimationszerfall, wie wir ihn bislang noch nicht kannten“. Quelle: domradio.de


19.10.2020 Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße räumt gegenüber der Bildzeitung ein, dass sein Namenskürzel unter einer rechtswidrigen Anweisung steht. Die Anweisung vom 3.11.2010 (!) lautet:

„Aus einer Gesprächsnotiz über ein Telefongespräch geht hervor, dass Pfarrer U. im Generalvikariat in einem Gespräch alles erzählt hatte. Es sollte über dieses Gespräch jedoch bewusst kein Protokoll angefertigt werden, weil befürchtet wurde, dass dies dann beschlagnahmefähig wäre. Aus diesem Grund sollten nur handschriftliche Notizen existieren, die notfalls vernichtet werden könnten. Herr Prälat Dr. Heße gibt zu diesem Vorgehen sein Einverständnis.“ Quelle: Aktenzeugnis des Erzbistums Köln vom 19. Dezember 2018

Hinweis: In den ab 1.9.2010 gültigen Leitlinien heißt es: Das Gespräch wird protokolliert. Das Protokoll soll von allen Anwesenden unterzeichnet werden.“ Quelle: Bild-Zeitung

18.10.2020 In einem wissenschaftlichen Projekt will das Bistum Würzburg klären, wie Kirchenverantwortliche mit Missbrauchsfällen umgegangen sind. Ergebnisse sollen 2025 vorliegen. Quelle: Domradio


18.10.2020 Interview mit Christina Zühlke, WDR 5 zum Film: Missbraucht! Wann nennt die Kirche endlich Namen?


18.10.2020 Thomas Schüller: Wo Synode drauf steht, sollte auch Synode drin sein. – Montagsakademie, Katholische Fakultät Uni Paderborn


17.10.2020 Papst Franziskus hat den Rücktritt des polnischen Bischofs Edward Janiak (68) von Kalisz, Polen, angenommen. Janiak wird die unangemessene Behandlung eines Missbrauchsfalls vorgeworfen. 2016 sollen die Eltern des mutmaßlichen Opfers Janiak über den Missbrauch informiert haben, der nichts unternahm gegen den beschuldigten Priester. Öffentlich bekannt wurde es durch den Film „Das Versteckspiel„. Janiak wies die Anschuldigungen zurück und beklagte sich über den Erzbischof Gadecki, Posen, der als Metropolit im Auftrag der vatikanischen Bischofskongregation die Vorwürfe prüfen sollte. Ergebnisse dieser Prüfung sind nicht bekannt. Außerdem hat die Kleruskongregation die vorübergehende Schließung des Priesterseminars im Bistum Kalisz angeordnet. Gründe wurden nicht genannt. Quelle: katholisch.de 

16.10.2020 Erzbischof Heße, Hamburg, hat erneut Vorwürfe zurückgewiesen, wonach er als früherer Personalchef im Erzbistum Köln Missbrauchsfälle vertuscht haben soll: „Ich würde für mich in Anspruch nehmen, nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt zu haben, um diese Themen aufzuklären und vor allen Dingen den Betroffenen zu helfen“, sagte er. Quelle: Domradio   NDR 18.10.2020

16.10.2020 Alf Spröde, von 1996 bis 2014 katholischer Priester, berichtet, dass er als Jugendlicher sexualisierte Gewalt durch einen katholischen Priester erlebt hat. Dennoch wurde er im Erzbistum Köln Priester. Als die Erinnerungen zurückkamen, informierte er 2011 den Personalchef des Erzbistums, Stefan Heße. Im Zuge einer Bistumsintrige sollte er sich 2014 von seiner Homosexualität distanzieren.  Spröde beschreibt den Umgang des Bistums mit ihm als „brutal und verletzend“ und schied aus dem Priesteramt aus. Weder von Kardinal Wölki noch vom damaligen Generalvikar Stefan Heße hörte er ein Wort des Bedauerns über die erlittene sexuelle Gewalt noch über sein Ausscheiden als Pfarrer. Quelle: taz.de

16.10.2020 Im Bereich Mecklenburg des katholischen Erzbistums Hamburg wurde begonnen, Personalakten von ca 200 Priestern, die zwischen 1945 und 1989 dort tätig waren, zu sichten. Sieben Interviews mit Betroffenen wurden vereinbart. Noch bis Jahresende soll die ehemalige Bistumsleitung durch Wissenschaftler*innen der Universität Ulm unter Leitung der Psychiaterin Manuela Dudeck befragt werden. Erzbischof Heße hatte 2018 einen Beirat eingerichtet, der die Wissenschaftler beauftragte. Grund für die Untersuchung ist eine Häufung von Missbrauchsfällen durch Kleriker im mecklenburgischen Bereich des Erzbistums Hamburgs. Dort wurden 17 Priester bekannt, die 54 Minderjährige missbrauchten. Einer der Hauptverdächtigen ist der verstorbene Priester Hermann-Josef Timmerbeil, der die Pfarrei Neubrandenburg zwischen 1946 und 1975 leitete. Quelle: Domradio


16.10.2020 Das Amtsgericht Jülich hat beschlossen, das Verfahren gegen einen katholischen Pfarrer wegen eines sexuellen Übergriffs nicht zu eröffnen, weil es „eine überwiegende Wahrscheinlichkeit“ für einen Freispruch sehe. Die Staatsanwaltschaft Aachen legte gegen diesen Beschluss Beschwerde ein. Der Beschuldigte war im Oktober 2019 angeklagt worden und von seinen Ämtern freigestellt worden. Der kirchliche Interventionsbauftragte der Diözese Aachen, Helmut Keymer, hat vor, Gespräche mit dem Betroffenen, dem Beschuldigten und den Verantwortlichen in der betroffenen Gemeinde zu führen. Quelle: domradio.de


15.10.2020 Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, weist die katholischen Bischöfe darauf hin, dass es mit Sicherheit kirchliche Missbrauchsbetroffene gebe, für die der beschlossene Höchstbetrag inakzeptabel sei. Zudem sollten Verfahrensfragen geklärt sein, wenn zum 1.1.2021 die Auszahlungen der Leid-Anerkennungszahlungen erfolgen solle. Zu Bischofsrücktritten sagte Rörig, wenn ein Bischof von Fällen sexuellen Missbrauchs Kenntnis hatte und nicht mithalf, ihn zu beenden, oder wenn er Täter heimlich versetzte, dann habe er schwere Schuld auf sich geladen und sollte seinen Rücktritt anbieten. Rörig betont, dass für einen Rücktritt ein individuelles Fehlverhalten nachzuweisen sein müsse.
Matthias Katsch legt Erzbischof Heße den Rücktritt nahe. Der Kirchenrechtler Thomas Schüller und Matthias Katsch fordern eine „Wahrheitskommission“. Dann – so Schüller – könnte auch der Staat die Kirche „an die Kandare nehmen“. Schüller sagt: „Unter den amtierenden Bischöfen befinden sich nur noch wenige Langgediente, die also vor 2010 schon Diözesanbischof waren. Es hat also in jüngster Zeit ein Generationswechsel stattgefunden. Bischöfe, die mit Bekanntwerden des Missbrauchsskandals, also ab 2010, in ihr Amt kamen, dürften sich einigermaßen korrekt verhalten haben. Diejenigen aber, die davor in Diözesen tätig waren – als Weihbischöfe oder in leitenden Funktionen – haben teils eklatant versagt oder könnten möglicherweise versagt haben. Ein Bischof wie der jetzige Kölner Erzbischof Woelki war zum Beispiel Erzbischöflicher Geheimkaplan von Meisner, war Regens und Weihbischof – der hat mit hoher Wahrscheinlichkeit von Missbrauchsfällen gewusst und mitentschieden. Inwiefern ihn eine Mitverantwortung oder Schuld trifft, wird die Studie der Münchner Anwaltskanzlei zeigen.“ Quelle: augsburger-allgemeine.de

15.10.2020 Das Amtsgericht Jülich wird kein Hauptverfahren gegen Pfarrer K. einleiten. Das Bistum Aachen leitet die Voruntersuchung für ein Kirchenrechtsverfahren ein. Quelle: bistum-aachen.de


14.10.2020 Das Strafgericht des Vatikanstaates hat einen Prozess gegen einen damaligen Schüler des „Preseminario San Pio X“ für angehende Priester, Gabriele Martinelli, eröffnet. Der Beschuldigte soll als Minderjähriger zwischen 2007 und 2012 einen ein Jahr jüngeren Mitschüler zu sexuellen Handlungen gezwungen haben. Dem früheren Rektor des Seminars Enrico Radice wird vorgeworfen, trotz der Verwürfe die Weihe des Beschuldigten zum Priester gefördert und Ermittlungen behindert zu haben. Bereits 2013 seien anonyme und nicht anonyme Hinweise eingegangen. In der folgenden Untersuchung seien keine Bestätigungen gefunden worden. Quelle: Domradio


14.10.2020 Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße verantwortete 2012 eine Broschüre, in der die Gläubigen darüber informiert wurden, dass 2008 im Erzbistum Köln ein Hinweis auf einen Verdachtsfall einging, der Beschuldigte jedoch verstorben sei. In den seit 2012 vergangenen Jahren habe es lediglich einen Fall gegeben, der strafrechtlich geahndet wurde. In drei weiteren Fällen stellte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen ein. In der MHG-Studie ist 2018 von 87 beschuldigten Priestern die Rede.

Erzbischof Heße beschreibt diese Lüge folgendermaßen: „Die Broschüre ist aus heutiger Sicht ein erster, aber misslungener Versuch, mit dem Thema Missbrauch umzugehen. Es ist sicher ein Versäumnis, dass nicht alle damals bekannten Fälle aufgeführt worden sind.“ Quelle: Kirche und Leben    Zeit.de, Artikel von  Raoul Löbbert und Georg Löwisch


 14.10.2020 Der Erzbischof des Erzbistums Hamburg, Stefan Heße, soll 2010 als Leiter der Personalabteilung des Erzbistums Köln einen Priester, der über Jahre hinweg seine drei Nichten sexuell missbrauchte, der staatlichen und der kirchlichen Strafverfolgung entzogen haben. Die Bild-Zeitung berichtet, dass es eine handschriftliche Gesprächsnotiz vom 3.11.2010 über ein Telefonat gebe. Inhalt der Notiz sei, dass der beschuldigte Pfarrer U.im Generalvikariat alles erzählt habe, dass jedoch „bewusst kein Protokoll angefertigt werden, weil befürchtet wurde, dass dieses beschlagnahmefähig wäre. Aus diesem Grund sollten nur handschriftliche Notizen existieren, die notfalls vernichtet werden könnten. Prälat Dr. Heße gibt zu diesem Vorgehen sein Einverständnis.“

Erzbischof Heße bestreitet gegenüber der Bild-Zeitung, an der Vertuschung des Falles beteiligt gewesen zu sein.

Der Beschuldigte wurde 2010 beurlaubt, soll jedoch bereits seit dem 22. Juni 2011 wieder in der Seelsorge eingesetzt worden sein. 2014 wurde er in Wuppertal zum stellvertretenden Stadtdechanten gewählt. Erst im April 2019 wurde er erneut beurlaubt. Erst dann wurde der Fall dem Vatikan gemeldet. Quellen: faz.net   welt.de


13.10.2020 In der FAZ stand eine Glückwunschanzeige für den Erziehungswissenschaftler Hartmut von Hentig zu seinem 95. Geburtstag. Dort wurde von Hentig als „Freund und Kollege“ und als „Lehrer und großen Anreger“ gepriesen. Von Hentig hat 2016 in seinem Buch „Noch immer mein Leben“ sechs Jahre nach dem Tod des Haupttäters der Odenwaldschule, Gerold Becker, versucht, Beckers Ehre zu retten und den Opfern eine Mitschuld an ihrem Missbrauch zu geben. Dies kritisiert der Passauer Strafrechtsprofessor Dr. Holm Putzke. Zu den Gratulant*innen gehörten u.a. Rita Süssmuth und Klaus Hurrelmann. Quelle: hpd.de


13.10.2020 Papst Franziskus hat Kardinal Pell zu einem halbstündigen Gespräch empfangen. Vergessen scheint nach dem Freispruch wegen sexuellem Missbrauch – aus Mangel an Beweisen –  die Feststellung der australischen königlichen Missbrauchskommission, dass Pell in seiner Zeit als Priester und Erzbischof von dem „unangemessenen Verhalten von Klerikern gegenüber Kindern in den 1970er und 1980er Jahren“ gewusst habe  und den Vorwürfen nicht nachgegangen war.  Das stellte 2017 die königliche australische Missbrauchskommission fest. 2016 hatte Pell pauschal Fehler eingestanden. Quelle: sueddeutsche.de


12.10.2020 Carola Moosbach, der Initiative seit ihren Anfängen verbunden, hat ein neues Buch geschrieben: Johann Sebastian Bachs Töchter. Historischer Roman, St. Benno-Verlag, Leipzig.Interview mit Carola Moosbach am 12.10.2020


11.10.2020 Christiane Florin fordert im Interview mit Doris Reisinger, dass Frauen ihre Erfahrungen mit Kirche aufschreiben sollen. Ihr Appell richtet sich vor allem auch an Frauen, die 80 und 90 Jahre alt sind. Damit solle verhindert werden, dass die Kirchengeschichte eine „Männergeschichte“ bleibe. Quelle: kathpress.at   Interview mit Christiane Florin 13.10.2020


11.10.2020 Über den Zwischenbericht des Bistums Mainz zu sexualisierter Gewalt durch Kleriker und Kirchenmitarbeiter*innen. Quelle: www1.wdr.de ab min. 13


10.10.2020 Zwei Missbrauchsbetroffene aus dem Bistum Luxemburg erzählen. Quelle: wort.lu


9.10.2020 Interview mit Christiane Florin zu Kardinälen und Bischöfen in Deutschland, die über ihre Beteiligung an der Vertuschung sexuellen Missbrauchs lügen. Quelle: DLF


9.10.2020 Hans Zollner, SJ, fragt, warum die Kirche zwar bei den einzelnen Katholiken anmahne, Fehler zu bekennen, zu bereuen und wiedergutzumachen. Zugleich schaffe sie es als Institution nicht, eigene Fehler öffentlich zu bekennen und zu bereuen. Weltweit werde in vielen Ortskirchen die Missbrauchsproblematik verleugnet und die Aufarbeitung verleugnet. Bischof Ackermann verweist auf die geplante Einführung einer kirchlichen Verwaltungsgerichtsbarkeit. Matthias Katsch, Sprecher des Eckigen Tisches, nenntz die Kirche ein autoritäres System mit „organisierter Verantwortungslosigkeit“. Bislang habe in Deutschland noch kein Bischof Verantwortung für Vertuschung und Versagen übernommen. Jörg Fegert beklagt die große Sprachlosigkeit der Kirche bei Fragen der Sexualität und sexueller Ausbeutung. Er schlägt vor, Schweigekartelle aufzudecken, indem analysiert werde, welcher Bischof wem in seiner akademischen und kirchlichen Laufbahn verpflichtet gewesen sei. Quelle: Domradio


8.10.2020 Carola Moosbach, der Initiative seit ihren Anfängen verbunden, hat ein neues Buch geschrieben: Johann Sebastian Bachs Töchter. Historischer Roman, St. Benno-Verlag, Leipzig.


8.10.2020 Das Bistum Speyer plant die Gründung eines Betroffenenbeirates, der die Aufarbeitung kritisch begleiten soll und Hinweise für Prävention geben soll. Quelle: Bistum Speyer


8.10.2020 Die Kirchenrechtlerin Myriam Wijlens fordert, dass sexueller Missbrauch durch katholische Kleriker im Kirchenrecht nicht mehr als Verletzung des Zölibats, sondern als Verletzung der Menschenwürde von Kindern verstanden und geahndet werden soll. Ermöglicht werden müsse die Anhörung und Beteiligung der Opfer in kirchlichen Verfahren möglich werden. Und Richtern und Beschuldigten müsse Zugang zu bisher getroffenen Entscheidungen ermöglicht werden. Nur so können die Verfahren fair sein. Wijlens kritisierte fehlende Aus- und Fortbildung des Personals in den Kirchengerichten. Der Vatikan jedoch habe inzwischen dazugelernt und sei vorangegangen. Die Umsetzung in den Ortskirchen hingegen dauere zu lange. In Deutschland werde die Frage nach der persönlichen Verantwortung und möglichen Rücktritten von Bischöfen und Ordensoberen, die Täter gedeckt haben, gerade erst gestellt. Zudem sei noch offen, ob Schadensersatz nicht auch für das Vertuschen geleistet werden müsse. – Die Kölner Strafrechtsprofessorin Frauke Rostalski kritisierte eine mangelnde Bereitschaft von Staatsanwaltschaften, bei kirchlichen Fällen hart zu ermitteln. Quelle: Domradio


8.10.2020 Der Hamburger Historiker Thomas Großbölting leitet das Team, das Missbrauchsfälle im Bistum Münster aufarbeiten soll. Er stellt fest, dass derzeit die Persönlichkeitsrechte von Verantwortlichen für den Umgang mit kirchlichen Missbrauchsfällen und die Persönlichkeitsrechte von Missbrauchstätern Vorrang vor dem Aufklärungsinteresse haben. Verantwortungsträger beriefen sich immer stärker auf Persönlichkeitsrechte, um öffentliche Aufklärung zu verhindern. Es fehle in diesem Bereich an eindeutiger Rechtsprechung. Großbölting appellierte an die Politik und die Bischöfe, für rechtliche Klarheit zu sorgen, auch im Bereich kirchlicher Archiv-Vorschriften. Der Bochumer Kirchenhistoriker Wilhelm Damberg bemerkte, dass in Deutschland der Datenschutz als Vorwand diene, um Aufklärung und die Nennung von Namen zu verhindern. Quelle: Domradio


7.10.2020 Rechtsanwalt Ulrich Weber hat im Auftrag des Bistums Mainz in persönlichen Kontakten und Prüfung von Dokumenten und Archivdaten Missbrauchsfälle ermittelt. In einem heute vorgestellten Zwischenbericht geht er von 273 Beschuldigten und 422 Betroffenen aus. In der MHG-Studie waren 53 Täter und 169 Opfer ermittelt worden.  Der Abschlussbericht über Missbrauchsfälle im Bistum Mainz, der die Zeit von 1945 bis 2019 umfasst, soll Anfang 2022 vorliegen. Der Großteil der Vorfälle fiel in die Amtszeiten von Kardinal Volk (1962 bis 1982) und Kardinal Karl Lehmann (1983 bis 2016). Versetzungen oder Bistumswechsel von Klerikern entschied der amtierende Bischof.

Bischof Kohlgraf versprach im Blick auf den Abschlussbericht: „Wir werden Wir werden uns der Frage stellen, was solches Fehlverhalten für das Leben der Kirche heute bedeutet, für unsere Präventionsarbeit, aber auch für die historische Einordnung und Erinnerung an Menschen, die früher im Bistum gearbeitet und Verantwortung getragen haben.“ Quellen: Bistum Mainz   saarbruecker-zeitung.de  katholisch.de   swr

Kommentar: Kardinal Lehmann sagte im Spiegel am 13.3.2006: „In meiner Diözese Mainz sind es in den 19 Jahren, in denen ich Bischof bin, insgesamt vielleicht drei oder vier Fälle gewesen. Eine bundesweite Übersicht gibt es nicht. Nochmals: Wir haben das Problem nicht in diesem Ausmaß. Warum soll ich mir den Schuh der Amerikaner anziehen, wenn er mir nicht passt?“


7.10.2020 Das Erzbistum Freiburg sucht Betroffene kirchlicher sexualisierter Gewalt, die bereit sind, im Betroffenenbeirat mitzuarbeiten. Quelle: Domradio.de


5.10.2020 Joachim Frank sagt, dass die Katholik*innen mit Recht erwarten dürfen, dass die Bischöfe das Geld für die „Anerkennungszahlungen“ an kirchliche Missbrauchsbetroffene nicht aus der Kirchensteuer genommen werden dürfen. Er schlägt vor, dass die Bistümer Immobilien – z.B. Priesterseminare, aus denen die späteren Täter hervorgingen – verkaufen. Oder sie könnten 1000 Euro von ihrem ungefähr zehnmal höheren Monatsgehalt nehmen.  Damit würde aus der Betroffenheitsrhetorik eine Betroffenensymbolik. Quelle: katholisch.de


3.10.2020 Heribert Prantl kommentiert das Verhalten der katholischen Bischöfe in Deutschland: Die Entschädigungszahlungen an die Opfer sind „nicht wenig, aber auch nicht sehr viel. Vor allem aber geht das nicht einher mit einem umfassenden, schmerzhaften, radikalen Bekenntnis der Verantwortlichen dazu, welches Unrecht sie den Opfern angetan haben. Dies ist es, was die Opfer in erster Linie wollen. Keinen deutschen Bischof hat das Leid der Opfer so umgetrieben, dass es ihn zum Rücktritt gedrängt hätte. Die Leitung der katholischen Kirche in Deutschland findet keine Schuld bei sich. Es geschieht nicht mehr überall, aber noch viel zu häufig: Es wird vertuscht, wie sehr vertuscht wurde. Vertuschung zeigt sich selbst in den Betroffenheits- und Schamritualen, in denen Bischöfe von ihrem Schmerz sprechen und um Entschuldigung bitten. Die Reue ist routiniert, sie ist wortreich, aber nicht tatkräftig.“ Quelle: sueddeutsche.de


2.10.2020 Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße sagt, er habe als Generalvikar im Erzbistum Köln alle Missbrauchsfälle Kardinal Meisner vorgelegt. Kardinal Meisner wiederum zeigte sich Ende März 2015 ahnungslos: „Nichts geahnt! Nichts geahnt! Wissen Sie, ich habe mir das doch nicht vorstellen können.“ Quelle: zeit.de


2.10.2020 Im Bundesstaat New York trat 2019 ein Gesetz in Kraft, das Opfern von sexuellen Übergriffen das Recht gibt, Fälle auch nach Jahrzehnten noch anzuzeigen. In der Diözese Rockville Centre wurden mehr als 200 Klagen eingereicht. Nun hat die Diözese Konkurs angemeldet. Quelle: katholisch.de


2.10.2020 Kardinal Barbarin leidet darunter, zum öffentlichen Symbol für Pädophilie geworden zu sein. Das hat er in einem Buch beschrieben. Quelle: katholisch.de


2.10.2020 Weitere Analysen der MHG-Daten ergaben, dass das katholische System der Vertuschung deutlich ausgeprägter war als in anderen Institutionen. Und es zeichnet sich ab, dass der Anteil katholischer Priester, die Jungen missbrauchten, auch nach der Zulassung von Mädchen zum Ministrantendienst 1994 mit 77 Prozent vor 1994 versus 78 Prozent nach 1994 stabil geblieben ist. Quelle: herder.de


1.10.2020 Helga Kohler-Spiegel findet in Lukas 1,26-38 – Verkündigung der Geburt Jesu – die Berufung von Maria zur Prophetin. Alle Elemente der Gattung Berufung sind vorhanden: Ansprache des Propheten durch Gott oder einen Boten Gottes; Erschrecken des Menschen, Antwort des Menschen; Auftrag; Widerspruch des Beauftragten; Zeichen zur Bestätigung; Bejahung des Auftrags durch den Berufenen.

1.10.2020 Der Freiburger Erzbischof Burger legt einen Zwischenbericht der Kommission „Macht und Missbrauch“ vor. Demnach wurden bisher 40 – 50 Befragungen durchgeführt. Für weniger als zehn Personen wurde eine fortlaufende Überprüfung empfohlen. Das Erzbistum will einen Betroffenen-Beirat einrichten und eine neue Kommission „Unabhängige Kommission für sexuellen Missbrauch“ soll eingerichtet werden. Quelle: swr


1.10.2020 Lisa Scharnagel kommentiert den Beschluss der Bischofskonferenz über Anerkennungszahlungen an kirchliche Missbrauchsbetroffene: „Wenig ist nicht genug“. Quelle: cicero


1.10.2020 Die (Erz-)Bistümer Bamberg, München und Freising, Augsburg, Eichstätt, Passau, Würzburg, Speyer wollen zeitnah Kommissionen zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche einrichten. Das Bistum Regensburg, das ebenfalls zu den bayerischen Bistümern zählt, geht einen eigenen Weg. Die angemessene Beteiligung Betroffener sei nach wie vor schwierig. Die Bistümer beraten derzeit über die Möglichkeit, einzelne Betroffene in mehreren Kommissionen zu haben. Quelle: gmx.net


1.10.2020 Robert Köhler war Schüler im Klosterinternat Ettal. Heute kämpft er dafür, Missbrauch in der Kirche aufzuarbeiten – und fordert drastische Konsequenzen für diejenigen, die beim Vertuschen geholfen haben. Er weist darauf hin, dass es häufig eine Kultur des Nichtkommunizierens gab: „Man ist nicht gewohnt, zu kommunizieren.“ Quelle: Süddeutsche

1.10.2020 Das Institut für Prävention und Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt (IPA) hat sich mit einem Trägerverein eine neue Struktur gegeben. Es soll kirchennah bleiben, aber unabhängig von der Kirche handeln. Dem Kuratorium gehören zehn Vertreter aus Kirche, Politik und Wissenschaft an, u.a. der Unabhängige Beauftragte der Bundesregierung, die Theologin Karlijn Demasure. Vorsitzender ist der Kölner Rechtsanwalt Stefan von der Linde, sein Stellvertreter ist Bischof Ackermann.  Quelle: katholisch.de