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Presse

4. Quartal 2017


28.12.2017  Das Opfer eines katholischen Priesters im Bistum Paderborn fühlt sich von der Kirche im Stich gelassen. Das Bistum hat Geld gezahlt und sagt: „Wir machen auch Gesprächsangebote, aber irgendwann ist auch der Handlungsspielraum eines Erzbistums ausgereizt.” Quelle: nw.de


28.12.2017 Das Bistum Paderborn hat 410.000 Euro an Missbrauchsopfer gezahlt. 116 Anträge gingen beim Bistum ein, 73 davon betrafen das Bistum, 43 andere Träger. Das sind 11 Opfer im Bistum mehr als am 20.1.2016 bekannt war. Quelle: nw.de


22.12.2017 Der ehemalige Abt Laurence Soper, 74, Rektor der Klosterschule St. Benedict in Ealing/London, wurde wegen Missbrauchs von 10 Jungen zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt. Er ist der vierte Benediktiner an dieser Schule, der wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt wurde. Soper war 2011 in den Kosovo geflohen, aber 2016 festgenommen worden. Der Anwalt bezeichnete das Urteil als Justizirrtum. Quelle: The Tablet


21.12.2017 Magnus Striet zur Vaterunser-Bitte: “Und führe uns nicht in Versuchung”: “In Krisenzeiten trägt ohnehin nur ein Glaube, wenn er auch die Härten der Fragen aushält.” Quelle: Badische Zeitung


21.12.2017 Der Mangel an Transparenz gilt in der kath. Kirche nicht nur den Tätern von sexuellem Missbrauch, er gilt auch den Finanzen. Angekündigt war Transparenz mit dem Jahresabschluss 2016, bis heute bleibt sie aus. Quelle: Handelsblatt


21.12.2017 Seit dem 17.12.2017 sind die Mitglieder der Päpstlichen Kinderschutzkommission aus ihrem Amt entlassen. Bislang wurden die bisherigen Mitglieder nicht in einer weiteren Amtszeit bestätigt bzw. andere/weitere Mitglieder aufgenommen. Derzeit existiert also die Päpstliche Kinderschutzkommission nicht. Das muss leider als Signal verstanden werden, wie wenig ernst der Papst/der Vatikan die Arbeit dieser Kommission nimmt. Bislang ist lediglich bekannt, dass die Kommission weiterarbeiten soll. Unklar ist, ob nach der Suspendierung bzw. dem Ausstieg von Peter Saunders und dem Ausstieg von Marie Collins – beides Missbrauchsopfer von Klerikern – Opfer Mitglieder der Kinderschutzkommission sein werden.

20.12.2017 Kardinal Law, früherer Erzbischof von Boston, ist mit 86 Jahren in Rom gestorben. Er hatte 2002 nach langanhaltenden Vorwürfen zugegeben, Missbrauchsfälle vertuscht zu haben, priesterliche Missbrauchstäter versetzt und vor staatlichen Strafen geschützt zu haben. Im Dezember 2002 trat er als Erzbischof von Boston zurück und zog nach Rom. So entging er einer bereits erlassenen Vorladung des US-Staatsanwalts zum Vorwurf der Beihilfe zum sexuellen Missbrauch von Kindern. Mit dem Umzug nach Rom entzog er sich staatlichen Untersuchungen und Anklagen. Auch kirchenrechtlich wurde er nie für die Vertuschung von Missbrauchsfällen und den Schutz von Tätern – darunter Geoghan, der in mehr als 30 Jahren in sechs Gemeinden mehr als 130 Kinder sexuell missbrauchte – zur Rechenschaft gezogen. Vielmehr ernannte ihn Papst Johannes-Paul II. 2004 (bis 2011) zum Erzpriester der prestigeträchtigen römischen Basilika Santa Maria Maggiore. Quelle: orf  süddeutsche


19.12.2017 Die Römisch-Katholische Kirche in den Niederlanden hat ca 42 Millionen Euro Entschädigungen für 900 Missbrauchsopfer aufgebracht. Damit ist nach 9 Jahren die finanzielle Aufarbeitung in den Niederlanden abgeschlossen. Das Bistum Maastricht zahlte 3,7 Millionen Euro an über hundert Opfer, das Bistum Roermond entschädigte die Opfer mit rund zwei Millionen Euro. Quelle: brf


18.12.2017 Dem Bistum Hildesheim waren schwere Fehler im Umgang mit Missbrauchsfällen vorgeworfen worden. Nun wurde die frühere Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) an die Spitze der Hildesheimer Missbrauchskommission berufen. Sie übernimmt – ehrenamtlich – die Leistung des Bischöflichen Beraterstabes zu Fragen sexuellen Missbrauchs. Quelle: katholisch.de


18.12.2017 Der Prozess gegen den Expriester, dem sexueller Missbrauch von fünf Jungen seit Mitte der 1990er Jahre in Deutschland, Österreich, Polen, Italien und der Schweiz und ein Vergewaltigungsversuch vorgeworfen werden, wurde unterbrochen. Eine Nebenklägerin hat den Ausschluss der Öffentlichkeit beantragt, weil ihr Mandant, ein zehnjähriger Junge, dadurch hoch belastet würde. Das Gericht entscheidet am Mittwoch über den Antrag. Quelle: katholisch.de
Die Saarbrücker Zeitung fragt, ob  “falsche Fürsprache und Tricksereien hinter den Kulissen” dem Angeklagten den Weg ebneten. U.a. wurde er von einem Pfarrer aus Freisen, der ebenfalls wegen Missbrauch angeklagt war, unterstützt.


18.12.2017 In Australien wurden über 1000 Zeugen Jehovas des Kindesmissbrauchs beschuldigt. Der Polizei wurde kein Täter gemeldet. Quelle: vice.com


17.12.2017 Die Stasi vertuschte Kindesmissbrauch in Erziehungsheimen. Akten und Statistiken wurden manipuliert, um den Anschein zu erwecken, in der DDR gebe es keinen sexuellen Missbrauch. 1000 Kinder und Jugendliche waren im DDR-Kindergefängnis in Bad Freienwalde weggesperrt. Quelle:  rbb   br.de


16.12.2017 Der Vatikan sagt, der Schlussbericht der “Royal Commission into Institutional Responses to Child Sexual Abuse” werde genau studiert. Nun gelte es, Opfern und Überlebenden von Missbrauch zuzuhören und sie zu begleiten “im Bemühen um Heilung und Gerechtigkeit”. Quelle: katholisch.de   sueddeutsche.de

15.12.2017 Die Beteiligung katholischer Priester an Kindesmissbrauch sind überproportional hoch. Die australische Missbrauchskommission empfiehlt der katholischen Kirche, den verpflichtenden Zölibat für Priester aufzuheben. Pater Zollner, Mitglied der Päpstlichen Kinderschutzkommission sagt: „Was die katholische Kirche und auch andere Institutionen angeht, sind es immer dieselben Dinge, das heißt, dort wo eine Institution sich selber als absolut setzt oder von den Angehörigen dieser Institution als absolut gesetzt wird, dort wo keine entsprechenden Supervisionseinrichtungen sind, wo keine Meldeeinrichtungen sind, wo Transparenz und Offenheit auch im Rechtsverfahren nicht genügend befolgt werden, da ist das Risiko, dass Missbrauch nicht nur vereinzelt, sondern häufig geschieht und überdurchschnittlich geschieht, sehr hoch.“ Zur Empfehlung, den Pflichtzölibat aufzuheben, sagt er: „In der Empfehlung heißt es, man soll darüber nachdenken, ob nicht ein freiwilliges zölibatäres Versprechen eingeführt wird“, so Zollner. Dass dies einen Stein in der Debatte um den Zölibat ins Rollen bringen könnte, glaubt der Jesuit allerdings nicht: „Weil es weltweit diese Art von Beobachtung nicht gibt. Das ist jetzt auch zum ersten Mal, dass eine staatliche Behörde sich da in kirchliche Belange vorwagt. Ich glaube nicht, dass dadurch eine Debatte ausgelöst wird – die gibt es eh schon fast so lange, wie es den Zölibat gibt.“ Quelle: Radio Vatikan


15.12.2017 Abschlussbericht der “Royal Commission into Institutional Responses to Child Sexual Abuse” in Australien
Einige Schaubilder  Empfehlungen


15.12.2017 Ca 2.500 Kinder und Jugendliche wurden in katholischen Einrichtungen Australiens missbraucht. Davon spricht die “Royal Commission into Institutional Responses to Child Sexual Abuse”, die heute ihren Abschlussbericht vorlegt. Ersichtlich ist dort, dass 61 % der der Kommission vorliegenden Berichte die katholische Kirche betraf, gefolgt von der anklikanischen Kirche mit knapp 15% der Berichte (Anteil an der Bevölkerung 13,3%). 4,2% der Berichte stammten aus der evangelischen Kirche. Katholiken haben in Australien einen Anteil von ca 22% der 21 Millionen Einwohner. Die Kommission empfiehlt der kath. Kirche, den Pflichtzölibat abzuschaffen – zum Wohl der Kinder. Quelle: spiegel.de  NZZ  katholisch.de  domradio


14.12.2017 Das Stift Klosterneuburg hat die Einsetzung einer weisungsfreien Expertengruppe beschlossen, die die Vorwürfe gegen das Stift im Umgang mit einem Missbrauchsfall untersuchen soll. Ein damaliger Augustiner-Chorherr hatte 1993 einen minderjährigen Ministranten missbraucht, Das Stift hat den Beschuldigten nicht der Justiz gemeldet, jahrelang für seinen Unterhalt gesorgt und ihn auf dem kirchlichen Karriereweg unterstützt. Quelle: orf


14.12.2017 In Brüssel wurde ein Priester der traditionalistische Priesterbruderschaft St. Pius X. zu fünf Jahren Haft, drei Jahre davon unbedingt, wegen Missbrauchs eines Jungen zwischen 2010 und 2011 in einem Internat der Bruderschaft in Brüssel verurteilt. In erster Instanz war der Priester freigesprochen worden. In zwei weiteren Fällen wurde er aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Bereits im Wallis war der Verurteilte der Pädophilie verdächtigt worden, 2006 jedoch von einem kirchlichen Gericht der Priesterbruderschaft unter Auflagen freigesprochen worden. An die Auflagen hielt er sich offensichtlich nicht, sie wurden wohl auch nicht kontrolliert. Bereits im Mai 2017 war ein Priester der Priesterbruderschaft St. Pius wegen Missbrauchs in Frankreich zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Quelle: kath.ch


14.12.2017 Peter Saunders verlässt vier Tage vor Ende seines Mandats die Päpstliche Kinderschutzkommission. Er zeigte sich enttäuscht über die Arbeit der Kommission. Bereits im Februar 2016 hat er sich eine “Auszeit” genommen. An anderer Stelle wird jedoch von einer Suspendierung gesprochen. In der nächsten Amtszeit der Kinderschutzkommission wird kein Opfer mehr dabei sein. Das soll dazu dienen, dass die Opfer besser gehört werden – sie sollen einen eigenen Beirat bekommen. Bedenken gegen die Nicht-Beteiligung von Opfern an der Kommission äußerten u.a. Fr. Thomas Doyle: “What would they do? Would they have any power? Would they have any influence? Would anyone listen to them? Would they just be a panel that exists in name only?…It sounds to me as if that idea is something that was conjured up to make the appearance that they’re taking it seriously and doing something, while in fact it’s simply another smoke and mirrors production.” Auch Marie Collins hat Kritik an dieser Entscheidung geübt. Quelle: orf  the tablet


14.12.2017 Die Erzdiözese New York hat 189 Opfer von Missbrauch durch Geistliche mit insgesamt rund 40 Millionen US-Dollar (32 Millionen Euro) entschädigt. In dem Bistum leben 2.634.624 KatholikInnen und ca 769 Priester und Ordensmänner. 40 der Bistumspriester (5%) sind Missbrauchstäter, die im Schnitt jeweils zwischen 4 und 5 Opfern hatten. Quelle: orf


14.12.2017 Polanski, 84, wird von der Künstlerin Marianne Barnard sexueller Missbrauch vorgeworfen, als sie 10 Jahre alt war. Der Fall ist verjährt. Mehrere andere Frauen haben sich in den vergangenen Monaten mit ähnlichen Vorwürfen zu Wort gemeldet. So beschuldigt die ehemalige Schauspielerin Mallory Millett Polanski des zweimaligen Vergewaltigungsversuchs im Jahr 1970. Die deutsche Schauspielerin Renate Langer hat Anzeige erstattet, weil Polanski sie 1972 vergewaltigte. Fünf weitere Frauen brachten ähnliche Anschuldigungen vor – sie seien damals zwischen neun und 16 Jahren gewesen. Gegen Polanski wird seit 40 Jahren ermittelt. Als Polanski 2010 in der Schweiz vorübergehend verhaftet wurde, konnte er sich auf die Solidarität seiner Kollegen und den Schutz durch Gerichte verlassen. Quelle: dw


s. auch br.de: Gegen den Dirigenten James Levine wird in den USA wegen sexuellen Missbrauchsermittelt. Levine war von 1999 bis 2004 Chefdirigent bei den Münchner Philharmonikern. Der Münchner Stadtrat diskutierte damals seine Berufung, weil es bereits Ende der 90er Jahre Gerüchte über Missbrauch minderjähriger Jungen gab. Die Grünen machten die Gerüchte öffentlich, um eventuelle Opfer zu ermutigen sich zu melden. Es meldete sich niemand (was in einem Klima von Opferbeschuldigung und Täterschutz vielleicht verständlich ist). 14.12.2017 Die australische königliche Kommission erfuhr von 31 Kindern im Alter von sieben Jahren, dass sie kürzlich missbraucht wurden. Auch in den letzten 10-15 Jahren trat sexueller Missbrauch in Institutionen auf. Sexuelle Gewalt gegen Kinder ist kein Problem der Vergangenheit. Quelle: tjhcouncil.org.au


14.12.2017 In dieser Woche findet die Abschluss-Sitzung der australischen königlichen Kommission statt. Dabei wurde festgestellt, dass die größte Zahl von Tätern in katholischen Einrichtungen gearbeitet habe. Die Macht der katholischen Führung und das Vertrauen der Eltern in ihre Mitarbeiter und der Wunsch, den Ruf der Institution zu schützen, erlaubten und erleichterten den sexuellen Missbruch von Kindern. Zudem haben Institutionen aggressive Anwälte engagiert, die die Opfer zum Schweigen bringen sollten. Francis Sullivan, Leiter des “Rates für Gerechtigkeit und Heilung” der kath. Kirche, war enttäuscht, dass kein leitender Kirchenmann der Katholiken gekommen war, um ein Zeichen der Solidarität mit den Opfern zu setzen.
Quelle: theguardian.com  dlf  spiegel 13.12.2017 Jamie Manson, katholische Theologin und Ethikerin, weist (zu Recht!) darauf hin, dass nicht die katholische Kirche oder Hollywood Männern eine Lizenz zu sexuellem Missbrauch geben, sondern das Patriarchat. Patriarchale Systeme sind ein Nährboden für sexuelle Übergriffe und Fehlverhalten. Quelle: ncronline.org
s. auch: ncronline: Es muss Standard werden, dem Opfer zu vertrauen.


13.12.2017 Das Bistum Würzburg hat gegen einen Ruhestandsgeistlichen Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet. Dem Geistlichen wird vorgeworfen, in der ersten Hälfte der 1970er Jahre einen Schutzbefohlenen sexuell missbraucht zu haben. Das Bistum hat die römische Glaubenskongregation informiert. Quelle: infranken.de


13.12.2017 Ab Mitte Dezember muss sich ein 53-jähriger früherer kath. Priester wegen des sexuellen Missbrauchs von 5 Jungen in 100 Fällen und der versuchten Vergewaltigung einer 18-Jährigen vor Gericht verantworten. Viele der Übergriffe geschahen in Polen, Italien, Österreich, der Schweiz, bei Mainz und im Landkreis Deggendorf. Quelle: infranken.de  katholisch.de


13.12.2017 Francis Sullivan, CEO von “Truth, Justice and Healing Council” schätzt die Änderungsbereitschaft des Vatikans im Umgang mit Missbruchsfällen nicht hoch ein: “The Vatican establishment, its bureaucrats and courtiers, doing all they can to either undermine the pope or driving an agenda that is about maintaining the status quo and protecting the institution. Business as usual.” An anderer Stelle sagte er: “If people of goodwill, the good priests, the willing religious, the enlightened leaders, but more importantly people like you – the engaged and informed Catholics – don’t continue to push for change then, as sure as night follows day, the reactionaries will overcome and nothing will change.” Quelle: theguardian.com

12.12.2017 Die Professorinnen Dr. Margit Eckholt, Universität Osnabrück, Dr. Ulrike Link-Wieczorek, Universität Oldenburg, Dr. Dorothea Sattler, Universität Münster, Dr. Andrea Strübind, Universität Oldenburg haben einen Ökumenischen Kongress zum Thema „Frauen in kirchlichen Ämtern. Reformbewegungen in der Ökumene“ veranstaltet. Mit der Mehrheit der Stimmen von mehr als 120 teilnehmenden Persönlichkeiten aus der multilateralen  Ökumene und dem In- und Ausland wurden nach Vorträgen, Gesprächen und intensiven Beratungen Thesen verabschiedet, die zukunftsweisend sind. weiter  Quelle: zdk.de


12.12.2017 Im Bistum Dresden-Meißen wurde mit Wirkung vom 20.11.2017 Pfarrer Wilfried Wehling gemäß can. 1395 § 1 CIC suspendiert. Näheres ist nicht bekannt. Quelle: bistum-dresden-meissen.de


11.12.2017 In Deutschland verändert die #Metoo-Debatte kaum etwas. In Frankreich erklärte Macron Gleichberechtigung zu einem Schwerpunkt seiner Amtszeit. In Schweden unterzeichneten Tausende Frauen einen Brief, die schwedische Königin hörte auf einer Veranstaltung Schauspielerinnen zu, die ihre Leidensgeschichte berichteten. In Deutschland zentriert sich die Disussion um die Frage, ob Männer Frauen noch Komplimente über ihr Äußeres machen dürfen. So zieht man eine ernsthafte Diskussion über Unrecht ins Lächerliche. Es scheint, dass Frauen in Deutschland Angst haben, als Opfer zu erscheinen. Zudem mangelt es an der Solidarität älterer Frauen mit jüngeren Frauen. Quelle: fr


8.12.2017 Der ehemalige anglikanische Bischof von Gloucester, Peter Ball, wurde im Februar 2017 nach 16 Monaten Haft aus dem Gefängnis entlassen. Verurteilt worden war er zu 47 Monaten Haft, weil er mehr als 18 Jungen und junge Männer, darunter einen 12-jährigen Jungen, sexuell missbraucht hat. Gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder, Michael Ball (1990-1997 Bischof von Truro, anglikan. Kirche von England) erwägt er, zur katholischen Kirche überzutreten. Die Brüder wollen ihre Tage in einer Kirche beenden, wo sie in Anonymität und ohne ständige Angst leben und anbeten können. Quelle: bbc.com  derwaechter.net  dailymail


6.12.2017 In der Schweiz wird es beim Berufsverbot für Pädokriminelle Ausnahmen in besonders leichten Fällen geben. “Für die katholische Kirche in der Schweiz ist es klar, dass ein pädosexueller Täter beziehungsweise eine pädosexuelle Täterin nie mehr in der Seelsorge mit Kindern und minderjährigen Schutzbefohlenen eingesetzt werden darf”, sagte Joseph M. Bonnemain, Sekretär des Fachgremiums «Sexuelle Übergriffe im kirchlichen Umfeld” der Schweizer Bischofskonferenz. Bonnemain wies auch darauf hin, dass ein Seelsorger, der sich als Exhibitionist verhalten oder Kinderpornografie konsumiert habe, nichts mehr in der Seelsorge mit Kindern bzw. Minderjährigen zu suchen habe. Quelle: kath.ch/


6.12.2017 Im Bistum Ballarat, Australien, hätte mancher sexuelle Missbrauch von Kindern vermieden werden können, wenn die Kirche eher im Interesse der Kinder als in ihren eigenen Interessen gehandelt hätte, sagte die australische königliche Kinderschutzkommission.
Quelle: https://newsco.com.au/newsco-com-au-ballarat-dioceses-catastrophic-failure-led-to-more-abuse-commission-finds/


6.12.2017 Der Erzbischof des australischen Erzbistums Adelaide, Philip Wilson, muss sich seit heute vor Gericht verantworten. Dem 67-Jährigen wird vorgeworfen, dass er von 1976 bis 2004 Missbrauch gedeckt habe und versucht habe, Anzeigen bei der Polizei zu verhindern. U.a. habe er Anzeigen gegen den später verurteilten Priester James Fletcher verhindert. Quelle: amerikawoche.com


5.12.2017 Kanadische Medien berichten von dem belgischen Missionar Alexis Joveneau, der von 1954 bis 1992 in der Innu Community in Québec missionierte und von Mitgliedern der Community des sexuellen Missbrauchs beschuldigt wird. Zwei Jahre zuvor war der belgische Priester Eric Dejaeger zu 19 Jahren Haft verurteilt werden wegen Missbrauchs an Inuit-Kindern. Quelle: deredactie.be


4.12.2017 Ein Pfarrer aus dem Bistum Trier hat zugegeben, ein intimes Verhältnis zu einem traumatisierten syrischen Flüchtling gehabt zu haben. Der junge Mann hat Suizid begangen. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen eingestellt, weil es sich um die Beziehung von zwei erwachsenen Männern gehandelt hat und weil keine Abhängigkeitsbeziehung vorlag. Quellen: swr  katholisch.de 5.12.2017s.auch faz.netund Maya Schuppli-Delpy: Sexuelle Grenzüberschreitungen in Therapie, Pflege und Seelsorge  Hardy Gutknecht: Machtmissbrauch und sexuelle Übergriffe in der helfenden Beziehung


4.12.2017 Bei der von der Korntaler Brüdergemeinde beauftragten Richterin Brigitte Baums-Stammberger haben sich mehr als 70 ehemalige Heimkinder gemeldet. In den Heimen der Brüdergemeinde wurden in den 50er bis 70er Jahren Kinder misshandelt und sexuell missbraucht. Die Täten sind strafrechtlich verjährt, die Brüdergemeinde will als sog. Anerkennungsleistung in der Regel 5.000, maximal 20.000 € bezahlen. Die frühere Sozialministerin Altpeter (SPD) ist aus der Vergabekommission zurückgetreten, sie bezeichnete den Aufklärungsporzess als intransparent und beschrieb, dass das Hinterfragen bestimmter Dinge als Irritation verstanden werde. Auch Opfer kritisieren die Aufklärung der Brüdergemeinde als intransparent und verlogen. Quelle: swr


2.12.2017 Die Studie “Safe Sport. Schutz von Kindern und Jugendlichen im organisierten Sport”. Ein Ergebnis: 48 Prozent der befragten Athletinnen haben schon mal sexualisierte Gewalt im Sport erlebt. 23% Prozent der befragten Männer berichteten von sexualisierter Gewalt. Quellen: dsj.de


1.12.2017 Der ehemalige Nördlinger Dekan hat mußmaßlich nicht nur drei, sondern fünf Opfer. Quelle: augsburger-allgemeine.de


30.11.2017 Der ehemalige Nördlinger Dekan hat in einem Gespräch mit dem Missbrauchsbeauftragten der Diözese Augsburg eingeräumt, dass es nicht nur einen Geschädigten, sondern zwei weitere gibt.Das teilte die Staatsanwaltschaft Memmingen mit. Quelle: br


30.11.2017 Für den ehemaligen Erzbischof von Adelaide, Philip Wilson, ist die Alzheimer-Diagnose kein Grund für seinen Rücktritt. Wilson war wegen eines Herzschrittmachers nicht zur Prozesserföffnung gegen ihn erschienen. Ihm wird vorgeworfen, in den 1970er Jahren als Priester in der Diözese Maitland-Newcastel einen Missbrauchsfall vertuscht zu haben. Bis 2012 war er Vorsitzender der Australischen Bischofskonferenz. Quelle: kathpress.at


30.11.2017 In einem norwegischen Dorf mit 2000 Einwohnern wurden jahrelang Menschen missbraucht. Die jüngsten Opfer waren 4 Jahre alt, die ältesten 75 Jahre. Bevorzugt wurden minderjährige Mädchen missbraucht. Von 82 Opfern und 92 Tätern ist die Rede. Unter den Tätern sind auch drei Frauen, die zuvor selbst missbraucht wurden. Zwei Drittel der Taten sind Teil verjährt.
Zwei Erklärungen für das lange Schweigen gibt es: Die Menschen, Samen, deren Kultur nicht geachtet wurde, trauten den Behörden nicht. Diejenigen, die sich vorgewagt haben, wurden von der Polizei nicht gehört. Und die Menschen sind Laestadianer, eine konservative Strömung des Luthertums. Täter und Opfer gingen lieber zur Beichte als zur Polizei. Zwei Frauen berichteten dem Pfarrer von Missbrauch. Die Reaktionen: Der Pfarrer fragte die Frau, ob es ihr gefalle bzw. er warnte die Frau, zur Polizei zu gehen. Quelle: Süddeutsche


28.11.2017 Ein einschlägig vorbestrafter Ex-Priester muss sich ab dem 18. Dezember vor dem Landgericht Deggendorf wegen sexuellen Missbrauchs verantworten. Laut Anklage hat der 53-Jährige seit Mitte der 1990er Jahre fünf Jungen bei insgesamt mindestens 100 Gelegenheiten sexuell missbraucht sowie eine 18-Jährige versucht zu vergewaltigen. Die Übergriffe geschahen in Polen, Italien, Österreich und in der Schweiz sowie bei Mainz und im Landkreis Deggendorf. Sie werden als schwerer sexueller Missbrauch gewertet. Quellen: volksfreund.de  br.de  wiesbadener-kurier.de


25.11.2017 Katholische Kirchenjuristen drohen, diejenigen wegen Verleumdung zu verklagen, die behaupten, sie seien von einem älteren Seminaristen des Preseminario, der inzwischen zum Priester geweiht wurde, im Vatikan sexuell missbraucht worden. Ein Anwalt des Vereins Don Folci, Riccardo Rolando Riccardi, schrieb an mindestens einen ehemaligen Studenten, dass er einen Prozess wegen Verleumdung vor dem römischen Tribunal vorbereite. Der Verein spricht von Verleumdung und Verfälschung. Der Fernsehsender “Le Iene” berichtete, er habe einen Brief von der Diözese Como erhalten, in dem er gewarnt wurde, die Veröffentlichungen fortzusetzen. AP will erfahren haben, dass der mit den Ermittlungen beauftragte Pfarrer Andrea Stabellini von einem Diözesanbeamten und anderen Kirchenvertretern unter Druck gesetzt werde. Quelle: daily.mail


25.11.2017 Ein weiteres Opfer des ehemaligen Nördlinger Dekans hat sich gemeldet. Das Bistum AUgsburg ruft mögliche weitere Betroffene auch, sich beim Bistum, der Staatsanwaltschaft oder der Polizei zu melden. Quelle: br


24.11.2017 In Beziehungen wurden 133.080 Männer und Frauen im Jahr 2016 verletzt, ganz überwiegend Frauen (knapp 82%). Die Statistik verzeichnet 80.000 Körperverletzungen, 149 Tötungen und 208 versuchte Tötungen und 7.600 Stalking-Fälle. Frauenhäuser müssen Frauen abweisen, weil sie keinen Platz haben. Die Aufnahme von Kinderrechten im Grundgesetz steht noch immer aus. Quelle: Zeit.de domradio.de  kinderpolitik.de  tagesschau


24.11.2017 Der Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben sagte zum Thema “Frauen auf der Flucht vor Gewalt”, die Kirche müsse helfen, ein diesbezüglich bestehendes “kulturelles und spirituelles Defizit” aufzuarbeiten. Er forderte eine “kulturelle Revolution inner- und außerhalb der Kirche”. Quelle: Domradio.de
Kommentar: Nun, das spirituelle Defizit aufzuarbeiten und die Konsequenzen zu ziehen liegt in der Macht und Verantwortung der Kirche, die in ihren Ämtern und Entscheidungsbefugnissen ausschließlich oder weitgehend männlich dominiert ist. Das könnte die Kirche in ihrem eigenen Raum ändern, wenn sie denn wollte.   


22.11.2017 Unter dem Hashtag #churchtoo schreiben Frauen auf Twitter von sexuellen Übergriffen und Diskriminierungen in der Kirche – überwiegend aus dem englischen Sprachraum. Quellen: evangelisch.de  katholisch.de


22.11.2017 Der italienische Kurienkardinal Angelo Comastri weist Vorwürfe zurück, dass er Untersuchungen von Missbrauchsvorwürfen im Preseminario San Pio X vor 10 Jahren behindert habe. Er habe nichts vertuscht, sondern drei Untersuchungen angeordnet, nachdem er anonyme Hinweise erhalten habe. Comastri ist als Generalvikar des Papstes seit 2005 für das Seminar zuständig. Die unmittelbare Verantwortung trägt jedoch der Bischof von Como. Der frühere Offizial der Diözese, Andrea Stabellini, sagte, er habe damals genügend Hinweise für eine kirchliche Untersuchung gehabt. Der damalige Bischof Coletti habe seine Einschätzung jedoch nicht geteilt und er, Stabellini, habe nichts unternehmen können. Quelle: orf


20.11.2017 “Noch immer in leitender Stellung [im Vatikan] ist indes ein deutschsprachiger Geistlicher, der sich gegen den Vorwurf, eine Ordensfrau mehrfach missbraucht zu haben, mit der Behauptung wehrt, es habe sich um “einvernehmlichen” Geschlechtsverkehr gehandelt.” Quelle: FAZ, 20.11.2017, S. 7


20.11.2017 Der frühere Bischof von Como, Diego Coletti, soll einen Missbrauchssfall in einem vatikanischen Vorseminar vertuscht haben und den Schuldigen nicht zur Rechenschaft gezogen haben. Bereits 2013 waren ergebnislose Untersuchungen durchgeführt worden. Damals seien Hinweise eingegangen, die Schüler betrafen, von denen einige zum Untersuchungszeitraum nicht mehr in dem Vorseminar waren. Ein Zeuge habe den Missbrauch seinem geistlichen Leiter angezeigt und sei daraufhin der Bildungseinrichtung verwiesen worden. Der beschuldigte Semianrist sei 2017 zum Priester geweiht worden, obwohl die Vorwürfe gegen ihn bekannt waren. Quelle: katholisch.de


20.11.2017 Der Nördlinger Dekan missbrauchte den Jungen jahrelang. Quelle: Augsburger-Allgemeine


19.11.2017 Der Augsburger Bischof Zdarsa hat einen Pfarrer und Dekan (68) von seinen Ämtern entpflichtet und in den Ruhestand versetzt. Der Pfarrer war am 6.11.2017 durch einen Brief des sexuellen Missbrauchs eines Minderjährigen beschuldigt worden und hatte die Tat eingeräumt. Quelle: katholisch.de


19.11.2017 Im vatikanischen Preseminario San Pio X werden erneut Missbrauchsfälle untersucht. Ein ehemaliger Zögling, Ministrant, hat Gianluigi Nuzzi berichtet, dass vor etwa 10 Jahren sein Zimmernachbar von einem Seminaristen mehrfach sexuell missbraucht worden sei. Der Zeuge habe den Missbrauch seinem geistlichen Leiter angezeigt und sei daraufhin der Bildungseinrichtung verwiesen worden. Der Semianrist sei 2017 zum Priester geweiht worden. Der Vatikan teilte mit, dass 2013 anonyme und nicht anonyme Hinweise eingegangen seien, die von der Semianrleitung und vom zuständigen Bischof von Como ergebnislos untersucht worden seien. Die Hinweise hätten Schüler betroffen, von denen einige zum Zeitpunkt der damaligen Untersuchungen nicht mehr in dem Preseminario gewesen seien. Quelle: domradio  orf


18.11.2017 Ein ehemaliger Zögling des Kinderheims Fischingen hat sich 2015 und im Oktober 2017 vergeblich ans Bistum Basel gewandt. Er erhielt keine Anwort. Das Bistum Basel verlautbart, es habe an den ehemaligen Zögling geschrieben, jedoch keine Antwort erhalten. Quelle: tagblatt.ch

16.11.2017 90 Generalvikare, Personalverantwortliche und die Missbrauchs- und Präventionsbeauftragten der deutschen Bistümer und Ordensgemeinschaften haben sich in Köln auf einem 7. Fachtag mit dem Thema “‘Irritierte Systeme’ – Die Auswirkungen (des Verdachts) von sexuellem Missbrauch auf die betroffenen ‘Systeme’ und Möglichkeiten einer qualifizierten Hilfestellung” beschäftigt.  Bischof Ackermann, Missbrauchsbeauftragter der Bischofskonferenz,  forderte, nicht nachzulassen in dem Bemühen, die Aufmerksamkeit für das Thema wachzuhalten. Der Sozialpsychologe Prof. Keupp, fragte, ob die bisherigen Maßnahmen eine Kultur der Achtsamkeit fördern und gelebte Wirklichkeit seien oder ob sie vor allem oder nur eine plakative Bedeutung nach außen haben. Der Psychologe und Psychiater Prof. Dr. Löhrer stellte fest, dass eine gelingende Kommunikation in vielen Fällen ein geeignetes Mittel sei, um Irritationen erst gar nicht aufkommen zu lassen. Prof. Dr. Zollner SJ sprach von der Kirche als einer traumatisierenden und traumatisierten Institution und forderte, dass sexueller Missbrauch im kirchlichen Raum nicht zu einer Selbststilisierung als Opferinstitution führen dürfe. Es gehe darum, das Wurzelgeflecht aufzudecken, in dem Missbrauch entstehen und vertuscht werden konnte. Sexuelle Gewalt und andere Arten von Missbrauch seien systemisch gesehen Symptome für tiefliegende Missstände. Als entscheidende Frage stellte er heraus: “Wer und was will die Kirche sein? Geht es ihr um sich und ihre Sicherheiten, oder geht ihr im Angesicht des Leids von Menschen das Herz auf?“
Die Unabhängige Kommission der Bundesregierung wird im Sommer 2018 eine öffentliche Anhörung zum Thema Kirche abhalten.
Quelle: http://www.bistum-trier.de/news-details/pressedienst/detail/News/7-fachtagung-der-deutschen-bischofskonferenz-zu-fragen-sexuellen-missbrauchs/ nicht mehr online, katholisch.de 


15.11.2017 In Dänemark muss ein Pastor, der mindestens 1 Mädchen und 7 Jungen sexuell missbrauchte, für 10 Jahre ins Gefängnis. Die Taten geschahen zwischen 2006 und 2016. Quelle: katholisch.de


15.11.2017 Laut epochtimes hat die katholische Kirche inzwischen 3,4 Milliarden Euro an Missbrauchsopfer von Klerikern gezahlt. Quelle: epochtimes

14.11.2017 In Bern in der Schweiz fand eine internationale Konferenz «Abuse & Neglect» am Freitag in Bern statt. Die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) war mit einem eigenen Stand zum sexuellen Missbrauch vor Ort. Alt-Abt Werlen berichtete, dass sein Vorgehen bei seinen Mitbrüdern zum Teil auf große Ablehnung gestoßen sei und er gegen innere Kräfte der Kirche anrennen musste. Fachleute stellten fest, die Kirche müsse alles daran setzen, damit die Opfer “nicht eine Odyssee” antreten müssen, wenn sie mit konkreten Personen in der Kirche in Kontakt kommen möchten. Eine Traumatherapeutin wies darauf hin, dass die kirchliche Seelsorge möglicherweise nicht über den Wortschatz und die Kenntnisse verfüge, um Missbrauchsopfer zu erreichen. Quelle: kath.ch/ 
So sieht übrigens in der Schweiz die Aufklärung kirchlicher Missbrauchsfälle aus – transparent.


13.11.2017 Der Papstsprecher Greg Burke dementiert, dass der Papst den polnischen Ex-Ministranten Kamil Tadeusz Jarzembowski getroffen habe, der ein mutmaßliches Missbrauchsopfer eines früheren Seminaristen und heutigen Priesters sein soll. Der erste Missbrauch soll ihm im Alter von 13 Jahren geschehen sein. Ein weiterer Ministrant sei ebenfalls missbraucht worden, berichtet Jarzembowski. In einem TV-Interview sagt er, er habe seinem spirituellen Pater die Vorfälle berichtet. Es seien jedoch keine weiteren Maßnahmen ergriffen worden. Jarzembowski wurde jedoch aus dem Vorseminar entfernt. –
Der Ex-Leiter des Vorseminars, Enrico Radice, weise die Vorwürfe des Polen als Verleumdung zurück, berichtete der Mailänder „Corriere della Sera“. Auch der Papst habe sich mit dem Fall befasst. Er sei zum Schluss gekommen, dass es sich um Verleumdungen handle. Quelle: religion.orf  stol.it


12.11.2017 In chilenischen Kinderheimen starben seit 2005 ca 1312 Kinder und Jugendliche. Die Kinderheime wurden von der staatlichen Fürsorge (SENAME) privaten oder kirchlichen Trägern anvertraut. Kontrollen fanden nicht statt. Das Ausmaß des sexuellen Missbrauchs an Heimkindern ist bislang unbekannt – 2013 ging man davon aus, dass  40 – 45% der chilenischen Heimkinder in staatlich subventionierten Unterkünften der Kirche sexuell missbraucht wurden. Heimbewohner berichten, dass sie von Betreuern und anderen Heimbewohnern vergewaltigt wurden. Auch kirchliche Heime sind betroffen. Kinderschützer beklagen, dass bislang die Verantwortung der Kirchenstruktur nicht untersucht wurde. Im Vordergrund standen Verzeihen und Barmherzigkeit. Davon profitierten jedoch nur die Täter. Gegen den ehemaligen Erzbischof Francisco José Cox Huneeus (* 18.12.1933, heute 84 Jahre), einen Schönstatt-Priester, liegen schwerste Missbrauchsvorwürfe vor. Er trat 1997 mit 64 Jahren von seinem Amt zurück und wurde von der vatikanischen Bischofskongregation den Schönstatt-Patres in Vallendar/Deutschland zugewiesen. Seit 2005 lebt er dort. Der Generalobere der Schönstätter, P. Juan Pablo Catoggio, kennt den “unangemessenen affektiven Umgang” des Erzbischofs mit Minderjährigen. Bislang wurden weder in Chile Ermittlungen aufgenommen, noch ein kirchenrechtliches Verfahren eingeleitet. Quellen: WDR 5 ab min.6


10.11.2017 Der oberste Rechnungsprüfer von Alabama, Jim Ziegler, rechtfertigt sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche mit der Bibel: “Maria war ein Teenager und Josef ein erwachsener Zimmermann. Sie wurden die Eltern von Jesus”, sagte er. Quelle: Süddeutsche

10.11.2017 Nach der Vorlage des Endberichts über sexuelle, physische und psychische Gewalt am Konvikt Collegium Josephinum, Bad Münstereifel, kam es zu einem Austausch des Erzbistums Köln mit 30 ehemaligen Konviktoristen. Quelle: domradio.de

9.11.2017 Bislang wurden von der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe 139 Missbrauchsopfer entschädigt. Quelle: www1.wdr.de

9.11.2017 Das Bistum Essen hat eine externe Untersuchung der Personalakten aller noch lebender Priester und Diakone durchführen lassen. Dabei wurden in 17 der 1549 untersuchten Akten bislang unbekannte Hinweise auf Missbrauch oder Grenzverletzungen gefunden. Zwei der 17 Priester seien bereits strafrechtlich und kirchenrechtlich verurteilt worden. Bei vier Hinweisen seien die Betroffenen bereits volljährig gewesen. Elf der Priester gehören nicht mehr dem Bistum an – die neuen Bistümer oder Orden wurden informiert. Auch die 100 Geheimakten wurden untersucht – in 30 von ihnen fanden sich Hinweise auf sexuelle Gewalt, die bereits bekannt waren. In den Personalakten der Diakone befanden sich keine Hinweise auf sexuelle Gewalt. Über die Dunkelziffer kann die untersuchende Rechtsanwaltskanzlei keine Angaben machen. Alte Akten wiesen teilweise erhebliche Lücken auf.
Seit 2010 lagen dem Bistum insgesamt 216 Hinweise auf sexualisierte Gewalt vor. Darunter waren 2016 insgesamt 24 Hinweise, von denen 13 Altfälle betrafen, zehn bezogen sich auf 2015 und 2016. Quellen: t-online.de, bistum-essen.de, katholisch.de


8.11.2017 Der Kirchenhistoriker Hubertus Lutterbach weist darauf hin, dass nach allgemeiner Vorstellung Priester und Kinder das Ideal sexueller Unberührtheit verkörperten. Das Verhalten von Klerikern gegenüber Kindern sei bislang nicht kontrolliert worden, weil es bis vor kurzem als unstrittig galt, dass es nur positiv sein könne. Lutterbach sagte: “Es ist umso tragischer, dass sexueller Kindesmissbrauch ausgerechnet aus jener Gruppe kommt, die sich über Jahrhunderte für die Bildung und den Schutz für Kinder eingesetzt hat.” Im Rückblick sehe man, dass das Ideal kultischer Reinheit einen sozialen Sonderraum eröffnet hat, “der sich gegenüber äußerer Kontrolle machtvoll und hermetisch abgrenzen konnte!
Quelle: katholisch.de 8.11.2017 Kindesmissbrauch und Inzest sind in Nigeria zwar strafbar, doch kaum jemand zeigt die Taten an. Die Opfer werden stigmatisiert. Die Ordensfrau Rosemary Ukata versucht, Täter vor Gericht zu bringen. Sie hat 1999 das “Zentrum für Frauenstudien und Einmischung” – kurz CWSI – gegründet. Quelle: Deutschlandfunk


6.11.2017 Interview mit Matthias Katsch und Florian Breitmeier, Redaktion “Religion und Gesellschaft” des NDR. Quelle: ARD

6.11.2017 Missbrauchsopfer Matthias Katsch sieht die Kirche in der Pflicht, den Missbrauchsopfern mehr anzubieten als die reine Anerkennung des Leids. “Seit 2010, seit wir uns damit auseinandersetzen, fordern wir Hilfe, Aufklärung und Genugtuung, das heißt also auch Entschädigung. Man kann das nicht wieder gutmachen, der Schaden ist angerichtet. Aber man kann den Menschen helfen, damit klarzukommen. Insofern appelliere ich an dieser Stelle auch erneut an die in der Kirche Verantwortlichen, den Opfern über eine reine Anerkennung des Leids hinaus etwas anzubieten. Und zwar jenseits dessen, was unser Gesundheitssystem an Hilfestellungen bereit hält. Denn ich glaube, über diesen Punkt in der Diskussion sollten wir langsam hinwegkommen. Es geht nicht nur darum anzuerkennen, sondern auch Konsequenzen zu ziehen und Unterstützung anzubieten, zu helfen.” Quelle: NDR 

Kommentar: Unterstützung für Opfer könnte z.B. bedeuten, dass Kirchenverantwortliche Opfer fragen, was sie brauchen. Darüber hinaus könnte die Kirche SeelsorgerInnen zur Verfügung stellen, die in traumasensibler Seelsorge ausgebildet sind, und die mit Kontaktadresse und Foto öffentlich kenntlich gemacht werden. Sie bietet angeleitete Gruppen für Missbrauchsopfer an und gibt Opfern so die Möglichkeit, sich auch regional zu vernetzen. Sie lädt zu Exerzitien ein, die sich gezielt an Opfer wenden. Klöster könnten zu Zufluchtsorten für Missbrauchsopfer werden, wenn diese Menschen eine Auszeit brauchen, in der sie eine kundige Ansprechpartnerin/einen traumakundigen Ansprechpartner vorfinden. Dabei hat die Kirche Opfer von katholischen Priestern im Blick, aber auch Menschen, die in ihren Familien, im Nahbereich, in anderen Institutionen sexuell missbraucht wurden. Kirchenverantwortliche setzen sich dafür ein, dass christliche Gemeinden eine Atmosphäre des Wissens um Traumatisierung durch Menschengewalt entwickeln und Betroffene willkommen heißen. Kirche könnte auch den Opfern Nahestehende in den Blick nehmen, denn diese haben ganz eigene Lasten zu tragen und sollten nicht alleine gelassen werden.


6.11.2017 Das Kinderschutzzentrum der Gregoriana veranstaltete einen Studientag über Missbrauchstäter: “Understanding and working with perpetrators of abuse” Quelle: childprotection.unigre.it


6.11.2017 Viele katholische Lehrer, Priester und Mitarbeiter aus der Kinder- und Jugendarbeit reagieren auf Pflichtfortbildungen zu Prävention von sexuellem Missbrauch mit folgenden Aussagen: “Bin ich jetzt verdächtig? Haltet ihr mich für einen Kinderschänder? Wieso muss ich in diesen Kurs? Das ist doch alles ein bisschen übertrieben.” Quelle: https://www.inforadio.de/programm/schema/sendungen/vis_a_vis/201711/169650.html


2.11.2017 Die katholische Kirche der USA hat in den letzten 65 Jahren mindestens 4 Milliarden Dollar für die Handhabung von Missbrauchsfällen ausgegeben, ermittelte der NCR. Interessant sind die Kosten von 2004 – 2013 für die Therapie von Opfern: $ 78 Millionen; die Täter wurden mit 142 Millionen $ unterstützt, die Anwaltskosten der Kirche betrufen 433 Millionen $. Da nicht alle Bistümer ihre Finanzen offenlegen, die Einordnung unterschiedlich gehandhabt wird, ist es kaum möglich, die wirklichen Kosten zu ermitteln. Quelle: ncronline.org


31.10.2017 Matthias Drobinski zum Reformationstag: “An diesem Reformationstag wird viel Erbauliches gepredigt über Martin Luther und seinen Thesenanschlag vor 500 Jahren in Wittenberg, über seinen Protest gegen die Behauptung, man könne das Heil und das Paradies mit Geld erwerben, über seine Erkenntnis, dass Gottes Gnade den Menschen erlöst und nicht seine Leistung; über Freiheit, Gewissen, Individualität. Das alles hat sein Recht. Und trotzdem klingt so manche Pfarrers- und auch Bischofsrede flach an diesem Tag: Du bist in Ordnung, wie du bist. Gott ist da und liebt dich, hat dich und die Welt in der Hand. Und geht es dir schlecht, ist er da. Ist er das?” Quelle: sueddeutsche.de


27.10.2017 Überall da, wo Frauen und Männer sich trauen, von sexuellen Übergriffen zu berichten, häufen sich die Anklagen: James Toback, Harvey Weinstein, britischer Fußball, Blauhelme, Bundeswehr, Bill Cosby, katholische Kirche Australien, US-Athleten, u.s.w.


26.10.2017 Weihbischof Schwerdtfeger, Bistum Hildesheim, bittet die Pfarrgemeinden in einem Brief um das Gebet für Missbrauchsopfer von Geistlichen und für die, die in der Kirche “gemeinsam Verantwortung tragen”. Seit 2010 sind im Bistum Hildesheim über 70 Meldungen über sexuellen Missbrauch eingegangen. Schwerdtfeger sagte: “Wir müssen ohne Wenn und Aber zugeben, dass nicht einer allein, sondern wir als Institution Fehler gemacht haben.” Weihbischof Schwerdtfeger, seit 11.9.2017 Diözesanadministrator, habe ein kirchenrechtliches Verfahren gegen den Täter Peter R. eingeleitet, der zugleich einer der Haupttäter des Canisius-Kollegs ist. Im Gutachten des IPP werden bis 2003 elf Opfer von Peter R. benannt, von einer noch größeren Dunkelziffer ist auszugehen. Soweit möglich, suche das Bistum Kontakt zu den Opfern. Nicht jedes Opfer sei namentlich bekannt und das Bistum müsse “im Blick auf eine eventuelle Retraumatisierung achtsam und verantwortlich vorgehen”. Quelle: kiz-online.de
Kommentar: Nun, in Deutschland wurde nicht einmal der von der Päpstlichen Kinderschutzkommission vorgeschlagene Gebetstag für kirchliche Missbrauchsopfer durchgeführt. In den Gottesdiensten sind nur ausnahmsweise Gebete/Fürbitten für kirchliche Missbrauchsopfer zu hören. Von Gebeten für die Menschen, die in ihren Familien oder im Nahbereich sexualisierte Gewalt erlebt haben, ist schon gar nichts zu hören. Neben Gebeten brauchen diese Menschen die spürbare Solidarität der/ihrer Kirche und Gemeinden – auch davon sind wir weit entfernt. Wie groß das Interesse an den Opfern sexualisierter Gewalt in der Kirche ist, kann hier nachgelesen werden. Gottesdienst und anschließendes Gespräch fanden in einer Ordensniederlassung statt, in der ein inzwischen verstorbener Ordenspriester mindestens 5 Kinder/Jugendliche sexuell missbraucht hatte. Hinzu kommt: Mitnichten muss sich der Bischof des Bistums verantworten, der für die Versäumnisse verantwortlich zeichnet. Er trat vor Veröffentlichung in den Ruhestand. Nach wie vor im Amt ist der Weihbischof, der persönliche Fehler zu verantworten hat. Eine Verantwortungsübernahme der Institituion ist nicht erkennbar.   


26.10.2017 2013 war ein Würzburger Franziskanerpater wegen Missbrauchs vom Vatikan verurteilt worden. Der Verurteilte legte Widerspruch ein, der nun von der Glaubenskongregation zurückgewiesen wurde. Quelle: katholisch.de  mainpost.de  welt.de


26.10.2017  In Argentinien wurden 66 Priester, Nonnen und Brüder des sexuellen Missbrauchs von Dutzenden von Menschen, zumeist Kindern, seit 2001 beschuldigt. Zwischen 2000 und 2015 lagen die Anklagen im einstelligen Bereich. Seit Anfang 2016 haben die Opfer weitere 21 Priester, Nonnen und Brüder beschuldigt. Dass die Anzahl sich erhöhte, könnte am zunehmenden Mut der Opfer liegen, aber auch daran, dass Staatsanwälte eher bereit sind, Vorwürfe zu untersuchen und Medien zunehmend berichten.
Einer der schockierendsten Fälle betrifft Pfarrer Nicola Corradi, der von einigen Dutzend Missbrauchsopfern der Schule der Provolos, Italien, beschuldigt wird, gerichtlich jedoch nie belangt wurde. Corradi wurde im November 2016 in Argentinien angeklagt und befindet sich in Hausarrest. Offizielle Zahlen gibt es weder von der kath. Kirche in Argentinien, noch von der argentinischen Justiz oder von der Regierung.
In einem der schockierendsten Fälle sagen Ankläger, dass mindestens 20 Kinder am Provolo-Institut für taube und stumme Kinder in der Provinz Mendoza missbraucht wurden. Einige der Opfer sagen, dass sie von einem italienischen Priester, Pfarrer Nicola Corradi, belästigt wurden, der auch von einigen der Dutzenden von Missbrauchsopfern an der Schule des Provolos in Italien beschuldigt worden war, aber nie vor Gericht gestellt wurde. Corradi, inzwischen älter, wurde im November offiziell von argentinischen Staatsanwälten angeklagt und befindet sich in Hausarrest, bevor er in Argentinien vor Gericht gestellt wird. Corradis Anwalt lehnte es ab, sich zu dem Vorbringen des Klägers oder anderen Details des Falles zu äußern. Keine offiziellen Zahlen über kirchlichen Missbrauch wurden von Argentiniens Kirche, Regierung oder seinem Justizsystem veröffentlicht, und das Thema ist immer noch ein Tabu. Aber Papst Franziskus versuchte das Stigma zu brechen, indem er Rufino Varela anrief, nachdem er aufgedeckt hatte, dass er als Kind von einem Priester in einer Schule missbraucht worden war, an der auch der argentinische Präsident Mauricio Macri teilnahm.
Papst Franziskus sagte, dass er nie mit Fällen sexuellen Missbrauchs durch Kleriker konfrontiert war, als er Erzbischof von Buenos Aires (1998 – 2013) war. Viele argentinische Missbrauchsopfer von Klerikern sagen, dass sie sich von der Kirche verlassen fühlen. Quelle: ibtimes.co.uk


20.10.2017 Florian Breitmeier, NDR Redaktion Religion und Gesellschaft, weist in einem Kommentar darauf hin, dass die Verantwortlichen im Bistum Hildesheim klare Worte gefunden und schonungslose Bekenntnisse über ihr Versagen beim Umgang mit Missbrauchsfällen – speziell mit dem Fall Peter R., der im Berliner Canisius-Kolleg ebenso wie im Bistum Hildesheim Opfer hinterließ – gefunden haben. Breitmeier kritisiert, dass der lange verantwortliche bisherige Bischof Norbert Trelle keine Verantwortung übernommen hat – und dennoch vom derzeitigen kommissarischen Bischof und später von Bischof Ackermann gelobt wurde, weil er das Gutachten des IPP in Auftrag gegeben habe. In Wirklichkeit waren es die Opfer, die den Mut hatten, auf Aufklärung zu beharren. Da das Rücktrittsangebot von Weihbischof Bongartz nicht angenommen wurde, bedeutet, dass das Bistum erkennt, dass die Fehler und Versäumnisse nicht einfach einer Person angelastet werden können, sondern der Institution. Zur Korrektur des strukturellen Versagens gehört es, dass Bistümer untereinander und Orden mit Bistümern (besser) vernetzt sind und miteinander kommunizieren. Auch die Leitlinien der Bischofskonferenz sind zu verändern und die unklare Rolle der AnsprechpartnerInnen ist zu klären und zu entzerren. Quelle: NDR


18.10.2017 In einem Essener kath. Kinderchor hat ein Chorleiter sieben Kinder sexuell missbraucht und Viedoaufnahmen im Darknet verbreitet. Quelle: waz.de


18.10.2017 Der Abschlussbericht über Missbrauch in der Korntaler Brüdergemeine soll im kommenden Jahr vorliegen. Quelle: stuttgarter-nachrichten.de


18.10.2017 KIZ berichtet ausführlich über das Gutachten des IPP zu den Versäumnissen und Fehlern (nicht nur) im Bistum Hildesheim beim Umgang mit Missbrauchsfällen. Quelle: kiz-online.de


18.10.2017 Helmut Jacob, ein unbestechlicher Streiter für die Anliegen der Heimkinder, ist tot. Dierk Schäfer schreibt einen Nachruf. Quelle: dierkschaefer.wordpress.com


17.10.2017 Florian Breitmeier weist im Interview über das Gutachten des IPP darauf hin, dass die katholische Kirche ein Problem mit ihrer “Verantwortung nach unten” hat und dass es keinerlei Institutionen in der kath. Kirche gibt, die ggf. korrigierend eingreifen könnten. Er beobachtet auch eine mangelnde Fehlerkultur und fragt, was dazu führt, dass ein Weihbischof/Missbrauchsbeauftragter und Personalchef eines Bistums nicht in der Lage ist, gegenüber Vorgesetzten seine Überforderung zu erklären.
Daniel Deckers, FAZ, kommentiert, dass eine “institutionelle Selbstgewissheit” keine Hildesheimer Besonderheit sei, vielmehr tief oder gar unauslöschlich in der kath. Amtstheologie verwurzelt ist. “Nichts ist im Umgang mit Tätern so falsch wie „pastorale Loyalität“, nichts macht so blind für das Leid der Opfer wie der Drang, Schaden von der Institution Kirche fernzuhalten. Es spricht für die Kirchenoberen in Hildesheim, dass sie ihr Handeln von unabhängiger Seite haben überprüfen lassen. Die Ergebnisse sprechen nicht nur gegen sie, sondern gegen die Kirche als Ganzes.” Quelle: Deutschlandfunk


17.10.2017 Der Eckige Tisch nimmt Stellung zum Gutachten des IPP – Bistum Hildesheim – und nennt das Gutachten “Eine Dokumentation jahrzehntelangen Versagens”. Quellen: eckiger-tisch.de  katholisch.de  


16.10.2017 Die Bischöfe in Deutschland zeigen sich betroffen über das Missbrauchsgutachten des Bistums Hildesheim. Quelle: Domradio  katholisch.de


16.10.2017 Das Bistum Hildesheim veröffentlicht das Gutachten zu Missbrauchsfällen, nennt Versäumnisse und gibt Empfehlungen für die Zukunft. Der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz nimmt Stellung dazu. Dem Gutachten des IPP zufolge tragen Verantwortliche des Bistums Hildesheim und des Jesuitenordens eine Mitverantwortung am sexuellen Missbrauch von Kindern in den vergangenen Jahrzehnten. Die Gefährdung von Kindern sei von Bistum und Jesuitenorden “wissentlich in Kauf genommen worden”, heißt es in dem Gutachten, das von gravierenden Versäumnissen spricht. Im Fall des Priesters Peter R., dem elf Fälle sexualisierter Gewalt im Bistum Hildesheim nachgewiesen wurden, werfen die Münchener Experten dem Bistum ein “Muster des Wegschauens” vor. Peter R. stand im Zentrum der sexuellen Gewalt im Canisius-Kolleg mit über 100 Opfern. Der Jesuitenorden habe den Täter loswerden wollen und das Bistum Hildesheim habe ihn inkardiniert. Laut IPP waren dem Bistum sechs Fälle sexualisierter Gewalt im Zeitraum von 1989-1997 durch Peter R. bekannt. Inzwischen wurden ihm elf Fälle nachgewiesen. Das Gutachten formuliert: “Der damalige Umgang des Bistums Hildesheim mit diesen Fällen ist von einem Muster der Naivität, Verantwortungslosigkeit und unklaren Kommunikation geprägt.” Vor allem lasteten sie dem Bistum an, den Priester nach intern bekannt gewordenen Missbrauchsfällen immer wieder in andere Gemeinden versetzt zu haben, ohne über den tatsächlichen Grund zu informieren.
Der Missbrauchsvorwurf gegen den 1988 verstorbenen Hildesheimer Ex-Bischof Heinrich Maria Janssen lässt sich laut Gutachten nicht mehr abschließend aufklären. Quellen: bistum-hildesheim.de   NDR


16.10.2017 Der Livestream zum Gutachten Bistum Hildesheim ist unter https://www.bistum-hildesheim.de/ erreichbar, bzw. unter https://www.youtube.com/watch?v=16RJW9gEQnc oder beim NDR


14.10.2017 Am Montag, 16.10. um 11 Uhr wird das Bistum Hildesheim das Gutachten zu den Missbrauchsvorwürfen gegen den verstorbenen Bischof Heinrich Maria Janssen und den pensionierten Priester Peter R. (Canisius-Kolleg) vor. Quelle: NDR


12.10.2017 Der Mitarbeiter der Vatikanbotschaft in Washington, der Kinderpornografie in einem kirchlichen Computer in Kanada heruntergeladen und verbreitet hat, wird mit Haftbefehl gesucht. Er hält sich im Vatikan auf, soll jedoch nicht ausgeliefert werden. Der Vatikan soll die Überstellung mit Verweis auf die diplomatische Immunität abgelehnt haben. Das vatikan. Pressemant reagierte nicht auf die Bitte um eine Stellungnahme. Quelle: katholisch.de


11.10.2017 In Leipzig war die zweite öffentliche Anhörung zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs in der DDR. Für die Expertise wurden 250 Fälle gesichtet und 150 genauer ausgewertet, sagte Mitautorin Stefanie Knorr. Die Expertise sei jedoch nur ein Anfang. „Es muss weiter gearbeitet werden, sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen gehört zu den weißen Flecken in der Wahrnehmung der DDR-Geschichte“. Corinna Thalheim, Vorstandsvorsitzende der Betroffeneninitiative “Missbrauch in DDR-Heimen” sagt, dass sexuelle Gewalt in den Heimen der DDR noch kaum Beachtung finde. Sie fordert eine Gleichstellung mit anderen Opfern des DDR-Regimes. Quelle: Sächsische Zeitung  bmfsfj.de  Eine Frau berichtet – Triggergefahr!
11.10.2017 Am Rheinbacher Konvikt der Pallottiner gab es Anfang der 1960er Jahre mindestens drei Fälle des sexuellen Missbrauch. Ein Täter soll sein Opfer im Jahr 2009 mit 50.000 Euro abgefunden haben. Das geht aus einer eidesstättlichen Erklärung des inzwischen verstorbenen Opfers hervor. Der Provinzial habe das Geld im Gegenzug zu einem „Stillschweigen über die Sachverhalte des Vergleichs“ gezahlt. Der Opferverteter Prof. Becker sagt, der Betroffene habe diese notarielle Vereinbarung als Schweigegeld verstanden. Der Pallottiner Norbert Possmann bestätigte den Sachverhalt, will die Zahlung aber anders verstanden wissen: Es sei nicht üblich und auch damals nicht üblich gewesen, Geld zu zahlen und Schweigen zu vereinbaren. Dies sei nur in diesem einen Fall geschehen, man habe sich auf Anraten des Anwaltes auf diesen Passus geeinigt. „Ich wollte, dass die Leute reden und den Tätern die Macht über sie nehmen“, so Possmann weiter. Quelle: Generalanzeiger
Kommentar: Wie soll das gehen: Jemand will, dass die Opfer reden und erlegt zugleich Schweigen auf?


11.10.2017 Vier Wochen nach (!) der Veröffentlichung des Berichts über Missbrauchsfälle am Collegium Josephinum in Bad Münstereifel hat das Erzbistum Köln einen Geistlichen, der zuletzt im Rhein-Sieg-Kreis tätig war, wegen früherer sexueller Übergriffe aus dem Dienst genommen. Der Pressesprecher des Erzbistums sagte, dass unter Verdacht auf Missbrauch stehende Priester mitunter noch viele Jahre seelsorgerisch tätig sein, liege daran, dass man zunächst den Hinweisen nachgehe. Erst wenn die Hinweise konkret genug seien, seien personalrechtliche Konsequenzen möglich, die aber bestimmte Voraussetzungen erfüllen müssten. Quelle: Generalanzeiger  Rundschau online

10.10.2017 Vor zehn Jahren wurde der Prozess gegen zwei Männer in dem bayerischen 200-Seelen-Dorf Eschenau (Unterfranken) wegen Kindesmissbrauchs eröffnet. Der eine Beschuldigte beging Selbstmord, der andere wurde zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Opfer, ihre Familien und die Menschen, die sich mit ihnen solidarisch zeigten, wurden beschimpft, verachtet, bedroht, des Rufmords beschuldigt, mit “Haus- und Hofverbot” belegt. Viele von ihnen zogen fort. Heute sind die Gräben noch immer da, obwohl Mediatoren eingeschaltet wurden. Der Bürgermeister stellt fest: “Nach zehn Jahren muss ich leider sagen, dass es mir und uns allen nicht gelungen ist, die sogenannten Opferfamilien wieder so im Dorf zu integrieren, dass auch deren Leistung – und es war eine mutige Leistung, das damals publik zu machen – dass das von allen honoriert wird. Es gibt viele, die das mutig fanden, die das mir auch sagen, die das auch die Familien spüren lassen, aber es ist doch noch ein Graben da, der noch nicht ganz zugeschüttet ist.“ Der Bürgermeister sagte, er habe versucht, die Menschen zu bewegen, wieder auf die Opfer und ihre Familien zuzugehen. Das aber sei schwierig. Quelle: br.de


9.10.2017 Der Hollywood-Produzent Harvey Weinstein hat mutmaßlich über Jahre hinweg wiederholt Frauen sexuell belästigt und sich in mindestens acht Fällen außergerichtlich mit ihnen auf eine Entschädigung geeinigt. Bemerkenswert sind die Leserbriefe zu dem Artikel über Harvey Weinstein. Sie erklären, warum Frauen noch immer schweigen, statt über die sexuelle Gewalt zu sprechen und Anzeige zu erstatten. Quelle: welt.de


7.10.2017 In Argentinien wurden seit 2002 bislang 66 kath. Priester wegen sexueller Missbrauchsvergehen angeklagt. Neun wurden verurteilt. Quelle: batimes.com.ar


7.10.2017 Bischof Ackermann, Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz, sagt, die Prävention sei weiterhin Chefsache. Aber es gebe Ermüdungserscheinungen. Die Kirche habe eine große Lerngeschichte hinter sich. Quelle: volksfreund.de
Kommentar: Die Lerngeschichte der kath. Kirche, d.h. ihrer VertreterInnen, aber auch der Gläubigen an der Basis, reicht nach meiner Erfahrung nicht sehr weit. Bislang war es nicht einmal möglich, in Deutschland den vom Vatikan empfohlenen Gebetstag für Missbrauchsopfer durchzuführen. Wenn überhaupt, dann sind bei den Kirchenleitenden Opfer von Klerikern im Blick, noch gar nicht im Blicke sind jene MitchristInnen und Mitmenschen, die in ihren Familien oder im Nahbereich sexuell missbraucht wurden. Ich denke, sie müssen wahrgenommen werden, wenn Kirche von einer “Lerngeschichte” sprechen will. Dass es in Deutschlad auch nicht den vom Vatikan empfohlenen Gebetstag für Missbrauchsopfer gab, müsste eigentlich nachdenklich machen. Darüber hinaus sind es nicht die Bischöfe, die beurteilen können, ob für die Opfer, die keine Prävention mehr erreicht, genug Hilfreiches getan wurde. Nur: Sie müssten gefragt werden.Das geschieht m.W. jedoch nicht oder nur ausnahmesweise.   


6.10.2017 In der “Erklärung von Rom” hat der Weltkongress “Child Dignity in the Digital World” vom 3.-6.10. an der Gregoriana in Rom folgende Institutionen aufgefordert, alles zum Schutz von Kindern zu tun: Führungspersönlichkeiten weltweit, Führer der Weltreligionen, Parlamente in der Welt, Führungskräfte in IT- Unternehmen, Gesundheitsminister und Leitungsmitglieder von NGOs, Regierungsbehörden, Zivilgesellschaft und Strafverfolgungsbehörden, medizinische Einrichtungen, Regierungen und private Institutionen, Gesetzgebungsorgane, private Unternehmen weltweit. Sie müssen über Schwere und Ausmaß von Missbrauch und Ausbeutung informieren und Führungspersönlichkeiten zum Handeln auffordern, Gesetze effektiver gestalten, neue Technologien entwickeln, die die Verbreitung von Missbrauchsbildern im Internet bekämpfen, Hilfen für minderjährige Missbrauchsopfer stärken und Behandlungsprogramme – auch im Dunklefeld –  verbessern, Strafverfolgungsorganisationen müssen ihre Zusammenarbeit erweitern, medizinisches Fachpersonal verbessern, Forschung intensivieren, Kinder und Jugendliche zum verantwortungsvollen Umgang mit dem Internet befähigen. Quelle: childdignity.com


6.10.2017 Kardinal Luis Antonio Tagle, Erzbischof von Manila und Präsident von Caritas Internationalis, fordert mit Blick auf die Kindheit einen Kulturwandel in Asien, eine “ernsthafte Auseinandersetzung mit der Kindheit und der Würde des Kindes”. Auf den Philippinen hätten die meisten Missbrauchsfälle einen familiären Bezug. Außerdem forderte Tagle, die Stimme der Opfer hörbarer zu machen.

Quelle: http://de.radiovaticana.va/news/2017/10/06/kinderschutz_philippinischer_kardinal_fordert_kulturwandel/1341254 s. auch Die Hölle von St. Philomena

6.10.2017 Unter der Überschrift “Kirche strebt Führungsrolle bei Kinderschutz an” berichtet das Internetportal katholisch.de, dass der Papst beim Kongress “Child Dignity in the Digital World” gesagt habe, man habe das Thema in den eigenen Reihen tabuisiert und vertuscht. Mittlerweile zeige sich die Kirche jedoch sensibilisiert und bemühe sich, eine internationale Führungsrolle beim Schutz von Kindern einzunehmen. Quelle: katholisch.de

6.10.2017 Bei der Papst-Audienz des Kongresses der Gregoriana “Child Dignity in the Digital World” nannte der Papst drei Wege, um die durch das Internet vermittelten Missbrauchsmöglichkeiten anzugehen: 1. Müsse man die Schwierigkeiten sehen und nicht unterschätzen; zweitens dürfe man nicht nur von technischen Lösungen Hilfe erwarten und drittens dürfe das Internet nicht als eine Welt ohne Regeln und ohne Grenzen angesehen werden. Die Kirche, sagte der Papst, habe aus ihren Fehlern gelernt und fühle sich daher besonders stark verpflichtet, sich für den Schutz Minderjähriger und ihrer Würde im Inneren der Kirche, in der Gesellschaft und in der ganzen Welt einzusetzen. Quelle:  press.vatican.va   https://www.youtube.com/watch?v=yYTlpv4Aw00, http://de.radiovaticana.va/news/2017/10/06/papst%E2%80%9Ewir_m%C3%BCssen_einm%C3%BCtig_f%C3%BCr_kinderw%C3%BCrde_handeln%21%E2%80%9C/1341287


6.10.2017 Das Amtsgericht in Melbourne hat festgestellt, dass das gegen Kardinal George Pell vorgelegte Beweismaterial die Eröffnung einer Anhörung – terminiert auf 5. März 2018 – rechtfertige. Am Ende der Anhörung wird nach ca 4 Wochen entschieden werden, ob es zu einem Hauptverfahren kommt. Pell wird sowohl die Vertuschung von Missbrauchsfällen als auch sexueller Missbrauch von männlichen Jugendlichen vorgeworfen. Pell war eine zentrale Figur im Bistum Ballarat – sowohl als jemand, der an der Vertuschung beteiligt war als auch als jemand, der gegen sexuellen Missbrauch kämpfte. 2002 war Pell von einem Kirchengericht der Erzdiözese Melbourne aus Mangel an Beweisen von dem Vorwurf, einen Jungen sexuell missbraucht zu haben, freigesprochen worden. Pell bestreitet die Vorwürfe. Quelle: kath.ch  orf  domradio  katholisch.de

5.10.2017 Marie Collins, ehemaliges Mitglied der Päpstlichen Kinderschutzkommission, die aus Frust über die Behinderung der Arbeit zurückgetreten ist, äußert sich besorgt über die Umstrukturierungspläne der Kommission. Opfer sollen in Zukunft nicht mehr Mitglieder der Kinderschutzkommission sein, sie sollen in ein Beratungsgremium ausgelagert werden. Collins ist besorgt, dass die Überlebenden dann nur noch gehört werden, wenn die Kommission es für angebracht hält. Die sonstige Arbeit würde dann ohne Zutun von Überlebenden stattfinden. Darüber hinaus schlägt Collins vor, dass die Kommission befugt werden sollte zu prüfen, wie der Vatikan die Empfehlungen der Kommission nach ihrer Genehmigung durch den Papst umsetzt. Besorgt ist Collins auch darüber, dass das Vatikanische Büro der Kommission bei der Entscheidungsfindung eine zu große Rolle spielen könne. Quelle: ncronline.org


5.10.2017 Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Rörig, appelliert an die künftigen Koalitionspartner, jetzt ein neues Kapitel im Kampf gegen sexuellen Kindesmissbrauch aufzuschlagen und sich deutlich hinter den Schutz der Kinder und Jugendlichen vor sexueller Gewalt zu stellen. Er fordert den Deutschen Bundestag u.a. auf, noch im Jahr 2018 ein „Kindesmissbrauchsbekämpfungsgesetz“ zu verabschieden und das Opferentschädigungsgesetz zu reformieren. Quelle: beauftragter-missbrauch.de