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Presse

4. Quartal 2015

30.12.2015  Ein Priester auf den Philippinen wurde vorübergehend suspendiert. Er war an Heiligabend singend mit einem Hoverboard durch eine Kirche gefahren. Nun lässt sich darüber streiten, ob eine solche Aktion der Verkündigung des Evangeliums dient oder nicht. Nicht streiten lässt sich darüber, dass die Kirchenverantwortlichen hier – anders als bei sexuellem Kindesmissbrauch – sehr rasch suspendieren. Quelle: orf


20.12.2015 Interview mit der Fernsehautorin Eva Müller zum Fall des Hildesheimer Bischofs (ab Min 8) Quelle: wdr 519.12.2015 Matthias Katsch, Eckiger Tisch, ist der Ansicht, dass jemand Verantwortung für das von Bischof Trelle eingeräumte Fehlverhalten im Umgang mit dem Missbrauch eines Mädchens durch Peter R. übernehmen müsse – etwa durch einen Rücktritt. Außerdem bemerkt Katsch, dass der Bischof sich nicht zu einer Entschuldigung durchringen konnte. Quelle: ndr


Im Film des NDR wird berichtet, dass das Opfer sagt, das Bistum habe ein Viertel des Protokolls vom Gespräch im März 2010 zurückhalten wollen. Dem habe das Opfer nicht zugestimmt – das gesamte Protokoll solle veröffentlicht werden. Bischof Trelle formuliert: “Einer vollständigen Veröffentlichung des Vermerks über das am 4. März 2010 … mit dem Mädchen geführte Gespräch, der offenbar verschiedenen Redaktionen im Wortlaut vorliegt, hat die Betroffene gegenüber dem Bistum Hildesheim bislang nicht zugestimmt.” Quelle: ndr18.12.2015 Der des Kindesmissbrauchs angeklagte Erzbischof Wesolowski starb eines natürlichen Todes. Das Foto zeigt die polnische Trauergemeinde und die kirchlichen Würdenträger, die an der Beerdigung teilnahmen. Quelle: radiovaticana.va18.12.2015 Bischof Trelle bedauert, im Fall des Mädchens, das von Peter R. sexuell missbraucht wurde, nicht anders vorgegangen zu sein: “Aus heutiger Sicht und mit der Erfahrung von fünf Jahren Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch würden wir heute anders entscheiden und vorgehen. Dass wir damals so entschieden haben, bedauern wir heute sehr.” Die Darstellung der Aussagen des Mädchens in Presseberichten nennt er verkürzt und unvollständig. Quelle: Bistum Hildesheim nicht mehr online


17.12.2015 Missbrauchsopfer des kath. Priesters Karadima sagen, der Papst stehe auf der Seite der Vertuscher. Er habe Juan Barros zum Bischof von Osorno ernannt, obwohl Barros seinen Mentor, den kath. Priester Karadima, der inzw. vom Vatikan verurteilt wurde, schützte. Karadima habe ein “aus Psychodruck und Vergewaltigung bestehendes System” in El Bosque installiert, aus dem Dutzende Priester und drei weitere chilenische Bischöfe hervorgingen. Einem der Bischöfe, Francisco Javier Errázuriz Ossa, waren seit 2003 die Vorwürfe gegen Karadima bekannt, er reagierte aber erst 2010, als der Vatikan ein Verfahren einleitete. Quelle: badische-zeitung.de


17.12.2015 Die Berliner Staatsanwaltschaft überprüft, ob sie erneut gegen Peter R., Ex-Jesuit und suspendierter kath. Priester aus dem Bistum Hildesheim, ermitteln will. Der Fall wurde an die Fachabteilung für Jugendschutz übergeben. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft sprach von einer schwierigen Sachlage. – Peter R. ist ein Haupttäter aus dem Canisius-Kolleg. Im Bistum Hildesheim hat er u.a. ein damals 11-jähriges Mädchen missbraucht. Die Meldung des Opfers, 3 Jahre danach, wurde vom Bistum erst Monate später an die Staatsanwaltschaft weitergegeben.
Quelle: epd.de nicht mehr online


17.12.2015 Der kanadische Premier fordert vom Papst eine Entschuldigung für das Leid, das indigenen Kindern in kanadischen zumeist katholisch geführten Internaten angetan wurde. Rund 150.000 Kinder wurden zwischen 1867 und 2000 von ihren Familien und ihrer Kultur getrennt und in kirchliche Heime gesteckt. Ziel war die Anpassung der Kinder an die Mehrheitsgesellschaft. Viele wurden misshandelt und sexuell missbraucht. 3201 Kinder starben, die meisten an Tuberkulose. Quelle: spiegel.de


15.12.2015 In Kanada wurde heute der Abschlussbericht der “Truth and Reconciliation”-Kommission vorgestellt, der die Gewalt gegen indigene Kinder in kanadischen Schulen/Internaten dokumentiert. Von 3201 Todesfällen zwischen 1867 und 2000 ist die Rede, die Kinder/Jugendlichen wurden oft in anonymen Gräbern bestattet, ihre Eltern, denen die Kinder weggenommen worden waren, wurden nicht einmal über ihren Tod informiert. Die Internate wurden zumeist von der kath. Kirche betrieben.Quelle: trc.ca/


15.12.2015 Kardinal Pell sollte in dieser Woche von der Königlichen Untersuchungskommission in Australien gehört werden – er kann wegen seines erhöhten Blutdrucks leider nicht reisen. Quelle: theage.com.au


15.12.2015 Der Hildesheimer Bischof Trelle konnte Anfang März 2010 nicht erkennen, dass es bei der Meldung des damals 14-jährigen Mädchens um sexuellen Missbrauch einer 11-Jährigen durch einen 60-jährigen Priester ging. Aus einem unter dem Titel “Ablage: Missbrauch 2010” abgelegten Vermerk über das Gespräch des Bistums mit dem Mädchen, das dem Spiegel und dem WDR vorliegt, geht hervor, dass der Beschuldigte Peter R. mit der Minderjährigen im selben Zimmer übernachtete, ihr nahe gekommen sei, schon früher Situationen herbeigeführt habe, in denen er mit ihr alleine war und aufdringlich geworden war. Und er habe ihr immer wieder große Geschenke (mehrere [Spiegelreflex-]Kameras) gemacht. Das Bistum riet dem Mädchen, den Kontakt mit Peter R. zu meiden.
Dem Bistum war zu dieser Zeit bekannt, dass Peter R. der Haupttäter im Canisius-Kolleg war. Weiter war bekannt, dass Peter R. im Bistum Hildesheim mehrfach  “auffällig” geworden war. Er wurde von Göttingen nach Hildesheim und nach Hannover versetzt und schließlich in den Ruhestand verabschiedet. Für die Verbrechen im Canisius-Kolleg wurde er mit der Entlassung aus dem Priesterstand “bestraft”. Der Missbrauch der 11-Jährigen, der zum Zeitpunkt der Anzeige beim Bistum Hildesheim im März 2010 noch nicht verjährt war, wurde von der Staatsanwaltschaft wegen geringen öffentlichen Interesses eingestellt. Das Bistum hatte die Staatsanwaltschaft nicht über den Kontext der Anzeige informiert und die Staatsanwaltschaft hat ihrerseits keinen Zusammenhang mit dem Canisius-Kolleg-Täter hergestellt.
Am 2.8.2010 leitete das Bistum Hildesheim eine kirchenrechtliche Voruntersuchung (http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/hannover_weser-leinegebiet/Bischof-weist-Vorwurf-der-Verschleppung-zurueck,missbrauch1136.html, nicht mehr online) des Falles ein – zu einem Zeitpunkt also, in dem das Bistum nach eigener Aussage nichts von Missbrauch im Fall des Mädchens hat erkennen können. Dieser Verdacht trat – nach Aussage des Bistums – erst ein, als die Eltern/Großeltern des Mädchens im November 2010 – nach dessen Selbstmordversuch und Psychiatrieaufenthalt – beim Bistum vorstellig wurden. Unerfindlich bleibt, warum das Bistum ein kirchenrechtliches Verfahren einleitet, wenn es doch keinen Hinweis auf Missbrauch erkennen kann. Verurteilt wurde Peter R. von einem Berliner Kirchengericht zu 4000 Euro Strafe. Das Kirchengericht machte das Urteil ohne Anhörung des Opfers, das über das Verfahren auch nicht informiert wurde.
Dass der Bischof und der damalige Missbrauchsbeauftragte und heutige Weihbischof Bongartz im März 2010 angesichts der Schilderungen des Mädchens und im Wissen um die Vorgeschichte Peter Riedels nicht auf den Gedanken kamen, es könne sich um sexuellen Missbrauch handeln, nennt Ursula Enders das Nicht-Wahrnehmen und Bagatellisieren eindeutiger Hinweise und das Vertuschen von Gewalt.
Und wie Weihbischof Bongartz sagen kann: “Angesichts des tatsächlichen Ablaufs der Geschehnisse sind die Vorwürfe in keiner Weise haltbar”, ist mir unerfindlich. Er sprach in einer Pressekonferenz davon, dass er die Vorwürfe “ungeheuerlich” finde und als Verleumdung und Beleidigung verstehe. Quelle: spiegel.de und NDR


15.12.2015 Anmerkungen zum ehemaligen Domspatzendirektor Johann Meier: Der Exzess-Täter und seine (Ex-)Freunde
Quelle: regensburg-digital (Teil 1)  und regensburg-digital (Teil 2)


9.12.2015 Im Vatikan soll es Ermittlungen gegen Kardinal Müller geben, die jedoch vom Pressesprecher Lombardi und von Kardinal Müller dementiert werden. Geld, das Bistümer für die Ermittlungen in Missbrauchsfällen an die Glaubenskongregation zahlen, soll gefunden worden sein. Es sollen auch Gelder für private Zwecke benutzt worden sein. Pressesprecher Lombardi sagte, es habe Unregelmäßigkeiten gegeben, die seien aber beseitigt. Kardinal Müller habe mit den Unregelmäßigkeiten nichts zu tun. Quelle: Mittelbayerische


8.12.2015 Bischof Dr. Ackermann ist überzeugt, dass die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der kath. Kirche nicht abgeschlossen sei. Es gebe immer noch Menschen, die sexuellen Missbrauch aus der Vergangenheit meldeten. Die Bischofskonferenz hat inzwischen den Bistümern bei rund 1600 Opfern die Zahlung einer finanziellen Entschädigung empfohlen. Ackermann kündigte an, als Missbrauchsbeauftragter der DBK nicht nur rückwärts zu schauen, sondern sich auch gesellschaftlich dafür einzusetzen, einen sicheren Raum für Kinder und Jugendliche zu schaffen. Quelle: katholisch.de


8.12.2015 In Minnesota, USA, hat nun auch das Bistum Duluth Insolvenz beantragt. Im Nov. 2015 wurde dem Bistum eine Teilschuld an einem Missbrauchsfall von 1978 zugesprochen. Das Bistum sieht sich einer Schadenersatzforderung von 4,5 Millionen Euro gegenüber. Der Insolvenzvertrag solle nun “sicherstellen, dass die Mittel der Diözese unter allen Opfern gerecht aufgeteilt werden können und zugleich die tägliche Arbeit der Kirche fortgesetzt werden kann”. Quelle: domradio.de


8.12.2015 Traumatisierte Flüchtlinge. Quelle: FR und Tagesspiegel 9.10.2015 und Zeit 16.9.2015 und NDR 30.11.2015


7.12.2015 In Rotherham, England, beginnt ein erster Prozess gegen 5 Männer und zwei Frauen, die zwischen 1997 und 2013 bandenmäßig mindestens 1400 Kinder misshandelt und missbraucht haben, wie die Sozialforscherin Alexis Jay im August 2014 in ihrem unabhängigen Bericht ermittelte. Ihr Fazit: Das alles geschah unter den Augen der Stadtverwaltung und der Polizei, die beschlossen hatten, nichts zu tun. Erste aktenkundige Hinweise gab es 2001, dann 2002, 2003 und 2006. Die Hinweise wurden ignoriert und verheimlicht. Die Stadtverwaltung fürchtete den Vorwurf der Ausländerfeindlichkeit und soziale Spannungen, falls sie gegen die Täter vorgegangen wäre. Quelle: sueddeutsche.de/


5.12.2015 Die insolvente Erzdiözese St.Paul-Minneapolis, USA, hat 2015 mindestens fünf Millionen Dollar für Anwaltskosten in Zusammenhang mit dem Konkurs und Fällen sexuellen Missbrauchs ausgegeben. Das Bistum muss mehr als 400 Entschädigungsforderungen für sexuellen Missbrauch durch Priester erfüllen. Erzbischof Bernard Hebda erklärte, die Verfahren seien so komplex, dass hochspezialisierte Rechtsexperten notwendig seien. Das Bistum hatte sich zum Konkurs entschlossen, um eine angemessene Entschädigung von Missbrauchsopfern sicherzustellen und um teure Rechtsstreitigkeiten abzuwenden. Quelle: radiovaticana.va


4.12.2015 Christoph Fleischmann, Theologe und Joeurnalist, fragt im Fall des Peter R. und damit des Bistums Hildesheim, warum das Kirchengericht in Berlin das Mädchen und seine Familie nicht angehört hat und wie der Hildesheimer Bischof den in Berlin lebenden Pater R. überwachen solle, dass er nicht wieder zum Täter wird und Fleischmann konstatiert: “Es ist beklagenswert, dass auch nach dem Aufdecken weit verbreiteten Missbrauchs durch Geistliche Anfang 2010 das Verhalten der Verantwortlichen in der Kirche noch immer nicht erkennen lässt, dass es Ihnen wirklich um rückhaltlose Aufklärung geht. Aber es ist beschämend, wie die Verantwortlichen darauf reagieren, wenn man ihnen eigenes Versagen nachweist.” Quelle: publik-forum.de


3.12.2015 Pax Christi warnt vor der Zustimmung zu einem Kriegseinsatz in Syrien: Friedensverhandlungen werden erschwert, Fluchtursachen und Gewaltursachen nicht bekämpft, “Im Gegenteil, die Luftangriffe ausländischer Streitkräfte verstärken die aussichtslose Lebenssituation der Menschen.” Quelle: paxchristi.de


3.12.2015 Die Schweizer Bischofskonferenz hat beschlossen, einen Fond für die Opfer sexueller Gewalt durch Priester einzurichten, deren Fälle nach zivilem und kirchlichen Recht verjährt sind, weil die Anstellungsbehörden eine Mitverantwortung trügen. Die SBK geht von einem Betrag von 10.000 Franken aus. Quelle: kath.ch


3.12.2015 Inzwischen gibt es gegen den Erzbischof von San Salvador, Jose Luis Escobar Alas, den Vorwurf, er habe 2011 einem Missbrauchsopfer die Zahlung von Geld in Aussicht gestellt, wenn die Frau ihren Fall nicht öffentlich mache. Konkret ging es um einen inzw. verstorbenen Priester, der seit den 1970er-Jahren ein junges Mädchen missbraucht hat. Der Beschuldigte habe die Tat eingestanden und das aus diesem Missbrauch entstandene Kind anerkannt.
Das Opfer erhob weitere Vorwürfe: 2000 habe sich ein anderes Opfer an den damaligen Erzbischof Fernando Saenz Lacalle und an den damaligen Generalvikar Jesus Delgado (der inzw. selbst wegen sexuellen Missbruchs suspendiert wurde) gewandt und beide hätten nichts unternommen. Delgado habe dem Opfer geraten, die Beziehung zu dem Priester fortzusetzen, “damit es dem Kind nicht am Notwendigsten” fehle. Quelle: religion.orf.at


4.12.2015 Der Bischof von San Salvador weist den Vorwurf der Schweigegeldzahlung zurück: Das sei eine “abolute Lüge”. Die 5.000 US-Dollar seien gezahlt worden, weil die Frau die Kirche um Hilfe für ihren in Kuba studierenden Sohn gebeten habe. Die Zahlung sein ein Akt der Barmherzigkeit gewesen. Quelle: ORF


2.12.2015 Die Kirche El Salvadors sei im Schockzustand, berichtet der orf. Bekannt wurde, dass der Generalvikar des Bistums San Salvador, Jesus Delgado, suspendiert wurde, weil er 8 Jahre lang ein zu Beginn 9-jähriges Mädchen missbraucht hat. Gegen einen weiteren Geistlichen liegen fünf Anschuldigungen vor. Der Erzbischof von San Salvador, Jose Luis Escobar Alas kündigte eine Null-Toleranz-Strategie an und forderte ein Gesetz, das die Verjährung von Kindesmissbrauch ausschließt. Quelle: religion.orf.at


2.12.2015 Im Fall des Umgangs im Bistum Hildesheim mit dem Serientäter des Canisius-Kollegs in Berlin gibt es Ungereimtheiten. Das Bistum Hildesheim hat im August ein kircheninternes Verfahren gegen den Berliner Täter Peter R. eingeleitet, sagt jedoch, es habe nicht bereits im März 2010, sondern erst im November 2010 Hinweise auf sexuellen Missbrauch eines 11-jährigen Mädchens durch den Täter erhalten. Das kircheninterne Verfahren soll im August eingeleitet worden sein – also Monate bevor das Bistum Hinweise auf sexuellen Missbrauch hatte.
Quellen: ndr.de und  spiegel.de (4.12.2015)


2.12.2015 Der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle weist Vorwürfe zurück, das Bistum habe einen Missbrauchsfall aus dem Jahr 2008 vertuscht. „Der Vorwurf, das Vertuschungssystem in der katholischen Kirche funktioniere, ist eine Beleidigung, die ich so nicht stehenlasse“, sagte er. Quelle: haz.de


1.12.2015 Das Bistum Hildesheim nimmt Stellung zur WDR/ARD-Sendung “Richter Gottes” am 30.11.2015 und weist darauf hin, dass sich bei dem Gespräch im März 2010 mit der 14-Jährigen keine eindeutigen Hinweise auf sexuellen Missbrauch ergeben hätten.
Quelle: Bistum Hildesheim (nicht mehr online) s. auch die Ausführungen des Eckigen Tisches
In einer Diskussion mit dem Bistum Hildesheim schreibt das Bistum am 2.12.2015: “Nach Auskunft unserer Rechtsabteilung besteht die Pflicht zur Herausgabe der Akten gegenüber staatlichen Behörden und Gerichten.” Claudia Adams hatte gefragt: “Konkrete Antwort, bitte: Könnte der Bischof in diesem Fall die Herausgabe seiner Informationen aus dem Geheimarchiv verwehren? Ja oder nein?”
Kommentar: Da dürfen wir gespannt sein. Im CiC 490 (3) heißt es nämlich: Aus dem Geheimarchiv bzw. Geheimschrank dürfen keine Dokumente herausgegeben werden.


30.11.2015 Der Eckige Tisch fordert den Rücktritt von Bischof Trelle. Quelle: Eckiger Tisch


30.11.2015 Nach Recherchen von ARD und WDR (online) zeigte eine 14-Jährige Anfang März 2010 einen sexuellen Übergriff im Bistum Hildesheim an. Das Bistum informierte weder die Eltern noch die Staatsanwaltschaft. Als das Mädchen im Oktober 2010 in die Kinderpsychiatrie kam, wandten sich die Eltern an das Bistum. Auf ihr Drängen hin informierte das Bistum die Staatsanwaltschaft, verschwieg jedoch, dass der benannte Täter Pater Peter R. einer der Haupttäter im Canisius-Kolleg war. Die Staatsanwaltschaft ging also von einer Einzeltat aus und stellte 2011 die Ermittlungen wegen geringen öffentlichen Interesses gegen Zahlung einer Geldauflage von Peter R. ein.
Kirchenrechtlich jedoch wurde Peter R. 2012 zu diesem “Fall” befragt und dort  zu 4000 Euro Geldstrafe verurteilt. Das Opfer erfuhr von diesem kircheninternen Prozess nichts und bekam auch keine finanzielle “Entschädigung”. Quellen: presseportal und morgenpost


29.11.2015 Der Gründer des Instituts des fleischgewordenen Wortes (Instituto del Verbo Encarnado, IVE), Carlos Miguel Buela, wurde Anfang 2010 wegen Missbrauchsvorwürfen vom Vatikan mit lebenslanger Wirkung abgesetzt. Er erhielt ein Kontaktverbot zu den Gemeinschaften. Das IVE hielt die vatikan. Anwiesung intern geheim, hielt sich nicht an die Kontaktsperre und gestattete Buela weiterhin Zutritt zu seinen Niederlassungen. Daher wurde das Institut am 16.12.2015 auf Weisung der vatikan. Ordenskongregation unter Aufsicht gestelle. Das päpstliche Dekret wurde in der Öffentlichkeit erst im Nov. 2015 bekannt, als Ex-Mitglieder es veröffentlichten.


28.11.2015 Anfang Dezember wird die Aussage von Kurienkardinal Pell vor der australischen Untersuchungskommission von sexuellem Missbrauch erwartet. Zwei Männer, die Opfer von Priestern in Ballarat wurden, werfen Pell vor, von den Verbrechen seiner damaligen Weggefährten gewusst zu haben und nichts unternommen zu haben bzw. Schweigegeld gezahlt zu haben. Auch sein ehemaliger Weihbischof Geoffrey Robinson wirft Pell vor, sich mit einem kircheneigenen Aufklärungsprogramm der Missbrauchsfälle (“Melbourne Response”) profilieren zu wollen und zugleich “zu hohe Hürden für eine Kontaktaufnahme durch Opfer” aufgestellt zu haben.
In der Erzdiözese Melbourne wurden seit 1980 454 Missbrauchsfälle angezeigt, Täter waren 84 Priester und 104 Ordensleute und kirchliche Mitarbeiter (bei 289 Priestern und 284 Ordenspriestern und 1.061.570 Katholiken insgesamt – Zahlen von 2007). Quelle: katholisch.de


27.11.2015 Der Generalvikar der Erzdiözese San Salvador, Jesus Delgado, 77, wurde nach Missbrauchsvorwürfen suspendiert. Er soll eine heute über 40jährige Frau missbraucht haben, als sie zwischen 9 und 17 Jahre alt war. Delgado ist bereit, sich mit dem Opfer zu treffen und um Verzeihung zu bitten. Delgado hat u.a. am laufenden Heiligsprechungsverfahren für Oscar Romero mitgearbeitet – auch von dieser Aufgabe wurde er suspendiert. Quelle: radiovaticana.va


26.11.2015 Der Papst stehe auf der Seite derer, die Missbrauch durch kath. Kleriker vertuschen, sagen Betroffene aus Chile. Sie werfen Papst Franziskus vor, er habe Juan Barros zum Bischof von Osorno ernannt, obwohl Barros seinen Mentor, den kath. Priester Karadima, der inzw. vom Vatikan verurteilt wurde, schützte. Karadima habe ein “aus Psychodruck und Vergewaltigung bestehendes System” in El Bosque installiert, aus dem Dutzende Priester und drei weitere chilenische Bischöfe hervorgingen. Einem der Bischöfe, Francisco Javier Errázuriz Ossa, waren seit 2003 die Vorwürfe gegen Karadima bekannt, er reagierte aber erst 2010, als der Vatikan ein Verfahren einleitete. Quelle: augsburger-allgemeine.de


26.11.2015 Der nach dem Missbrauchsskandal von der Deutschen Bischofskonferenz eingerichtete Fonds für Präventionsprojekte ist ausgeschöpft. Aus dem mit 500.000 Euro dotierten Fonds seien seit 2011 insgesamt 43 beispielhafte Projekte gefördert worden. Quelle: domradio


25.11.2015 Die Finanzierung der geplanten und beschlossenen unabhängigen Aufarbeitungskommission der Bundesregierung, die sexuellen Missbrauch in Familien und Institutionen untersuchen soll, ist nicht gesichert. 2016 soll sie die Arbeit aufnehmen. Quelle: ekin-deligoez.de


25.11.2015 Heute: Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen. 13. trotz allem: Hoffnungs- und Stärkungsgottesdienst für Frauen, Mittwoch, 25.11.2015, 19 Uhr Hauptkirche St. Trinitatis Altona, Hamburg


25.11.2015 Ein Interview mit Wolfgang Palaver über die Aktualität der Theorien von René Girard.


24.11.2015 Seit Juni 2015 lief ein – öffentlich bislang nicht bekanntes – Verfahren gegen einen kath. Priester aus Mainz-Weisenau. Ihm wurde sexueller Missbrauch vorgeworfen. Er wurde im Dienst belassen. Laut Staatsanwaltschaft haben sich diese Vorwürfe nicht erhärtet, das Verfahren wird voraussichtlich eingestellt. Das Verfahren gegen die ErzieherInnen der Kita in Mainz-Weisenau hingegen wurde öffentlich bekannt gemacht, alle ErzieherInnen fristlos entlassen. Heute berichtet die Staatsanwaltschaft, dass sich die Vorwürfe gegen die Kinder, die Kinder missbraucht haben sollen, nicht erhärten ließen. Dann kann auch keine Aufsichtspflichtverletzung der ErzieherInnen vorliegen. Quellen: merkurist.de und allgemeine-zeitung.de   Stellungnahme des Bistums Mainz


23.11.2015 Ein Polizeichef argumentiert mit Fakten gegen die vielfältigen Gerüchte über gewalttätige Flüchtlinge. Und ganz nebenbei sagt er auch, es interessiere niemanden und es läge kein öffentliches Interesse vor, wenn ein Mann eine Frau schlägt. Da spricht er vermutlich sowohl über Flüchtlinge als auch über Deutsche, die Frauen schlagen. Quelle: süddeutsche


22.11.2015 Im Vatikan beginnt am Dienstag ein Prozess gegen 5 Verdächtige, darunter die beiden Investigativ-Journalisten Fittipaldi und Nuzzi. Den Angeklagten wird vorgeworfen, Informationen über beträchtliche Unregelmäßigkeiten der Kurie weitergegeben zu haben. Den Journalisten wird die Veröffentlichung der Dokumente vorgeworfen. Die beiden Bücher von Nuzzi und Fittipladi erschienen am 5.11.2015. Der Prozess beginnt am 24.11., also 19 Tage später. Quelle: spiegel.de
Kommentar: Wenn es um Kindesmissbrauch durch kath. Priester geht, lässt die Kurie sich länger Zeit.


20.11.2015 Weil es in Europa unterschiedliche Wege der Vorbeugung gegen sexuellen Missbrauch in der Kirche gibt, soll in der nächsten Zeit ein europaweites Netzwerk von Experten aufgebaut werden. Dazu fand eine erste europäische Konferenz kirchlicher Präventionsbeauftragter mit Teilnehmern aus 14 Ländern in Luxemburg und Trier statt: „Eine Krise – verschiedene Antworten“. Quelle: orf.at


19.11.2015 Das Abschlussdokument der Bischofskonferenz „Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute“ liegt vor. Quelle: dbk.de


18.11.2015 So kann es Opfern in Deutschland in der katholischen Kirche ergehen, die die Anschuldigungen – naturgemäß – nicht beweisen können. Quelle: kiz-online.de
Kommentar: So erklärt sich vermutlich auch die niedrige Zahl von Meldungen in Deutschland im Vergleich z.B. zu Österreich: Dort gab es bei ca 5 Millionen Katholiken und derzeit 3.834 kath. Priestern und Ordenspriestern ca 1.381 Opfer. In Deutschland gab es bei ca 24 Millionen Katholiken und derzeit ca 14.636 Priestern und Ordensleuten ca 1425 Meldungen.


18.11.2015 Heute ist der 1. Europäische Tag zum Schutz von Kindern vor sexuellem Missbrauch und sexueller Ausbeutung. Quelle: fra.europa.eu und coe.int


17.11.2015 Im Vatikan geht man gegen die beiden Autoren von Büchern – Nuzzi und Fittipaldi – vor, die sich mit den dortigen Missständen befassen. Vermutlich wäre es klüger, gegen die Missstände selbst vorzugehen. Quelle: orf


16.11.2015 Der Vatikan hat einen deutschen Karmeliter-Pater, der Jugendliche sexuell missbraucht hat, bestraft. Zur Strafe darf der Täter keine priesterlichen Handlungen mehr außerhalb des Ordens abhalten und muss sich von Jugendlichen fernhalten; aus Hilfsprojekten muss er sich zurückziehen. Er darf auch nicht mehr uneingeschränkt reisen und sein Wahlrecht im Orden wurde eingeschränkt. Quelle: katholisch.de


15.11.2015 Die deutschen Bischöfe reisen zum ad-limina-Besuch nach Rom. Sie nehmen die Nachricht mit, die Kirche in Deutschland habe wieder Glaubwürdigkeit zurückgewonnen. Vermutlich übersehen sie dabei, dass sich 2014 nur noch jeder Zweite mit den Zielen seiner Kirche identifizieren kann. 2009 galt dies für jeden Dritten. Quelle: katholisch.de


15.11.2015 Information der Öffentlichkeit über den Status des Untersuchungs- Gutachtens- und Berichtsauftrags bzgl. der Missbrauchsfälle bei den Regensburger Domspatzen. Der vom Bistum Beauftragte RA Weber berichtet, dass das Bistum ihm alle angeforderten Unterlagen zugänglich mache, sich weiterhin Betroffene melden und das Beraterkuratorium feststehe. Es ist zu gleichen Teilen aus Vertretern von Opfern und Verantwortlichen zusammengesetzt. Seine personelle Zusammensetzung wird Anfang Februar 2016 bekannt gegeben. Im Februar 2016 soll ein erster Zwischenbericht erscheinen. RA Weber ruft weiterhin Opfer auf, sich zu melden. Quelle: docs.dpaq.de/9958-20151214_mitteilung_ra_weber.pdf


13.11.2015 Der oberste Gerichtshof Chiles hat die vatikanischen Unterlagen angefordert, die – nach Aussage von Papst Franziskus – belegen sollen, dass der kürzlich zum Bischof von Osorno ernannte Juan Barros nicht an der Vertuschung der Missbrauchsfälle durch den Priester Fernando Karadima beteiligt war. Karadima wurde von der Kirche zu einem Leben des Gebets und der Buße “verurteilt”. Ob der Vatikan die Unterlagen zur Verfügung stellt, wird abzuwarten sein. Quelle: reuters.com


12.11.2015 In Chile sind Opfer des Priesters Karadima entsetzt über den Papst. Sie bezweifeln inzwischen, dass er tatsächlich Bischöfe, die sexuellen Missbrauch vertuscht haben, zur Rechenschaft ziehen will. Sie warten auf Taten. Quellen: zeit.de und Christ und Welt


12.11.2015 Amerikanische Bischöfe beraten ihre Diözesen, wie mit dem Film Spotlight umgegangen werden soll. Der Klerus erhält Hinweise, wie mit Menschen umzugehen ist, die durch den Film getriggert werden. Der Film zeigt, wie die Aufdeckungsarbeit des Boston Globe über sexuellen Missbrauch in der kath. Kirche vor sich ging. Quelle: bostonglobe.com


11.11.2015 In einem Artikel über die Vorstellung des Buches “Schweigebruch” von Bettina Janssen und Mary Hallay-Witte wird Generalvikar Ansgar Thim, früher Personalchef und Missbrauchsbeauftragter, zitiert:
“‘Die verschiedenen Erwartungshaltungen, mit denen ich damals konfrontiert wurde, gaben mir das Gefühl, zwischen allen Stühlen zu sitzen.’ Er habe Vertrauensmann sein wollen, sei immer aber auch als Repräsentant einer Täter-Institution wahrgenommen worden.” Quelle: neue-kirchenzeitung.de
Kommentar: Damit benennt Generalvikar Thim das entscheidende Problem: Er hat eine Doppelrolle inne, der er nicht gerecht werden kann. Einerseits möchte er Vertrauensmann/Seelsorger sein, andererseits hat er die Aufgabe, Ermittlungen über die Plausibilität von Vorwürfen anzustellen. Diese Doppelrolle muss zu Kollissionen führen. Aus dieser Doppelrolle heraus gibt es nur einen Weg: Die Kirchenverantwortlichen müssen sich entscheiden, welche der beiden Rollen sie einnehmen wollen. Wenn sie als Vertrauensleute für Opfer handeln wollen, müssen sie die Ermittlungsaufgaben an nicht-kirchliche Fachleute abgeben. Wollen sie die Ermittlungen in eigener Regie führen, müssen sie auf die Rolle der Vertrauensleute/der Seelsorger verzichten. Dann würde allerdings öffentlich, dass Kirche nicht auf der Seite der Opfer steht.


11.11.2015 Der katholische Theologe Wolfgang Beck hat eine Kontrolle aller deutschen Bischöfe im Umgang mit Missbrauchsfällen gefordert. Beck weist daraufhin, dass es in den höheren Ebenen der katholischen Kirche immer noch einen ausgeprägten Klerikalismus gebe und dass die Strukturen, die Kindesmissbrauch und andere Skandale begünstigten, bis heute unverändert seien. Die deutschen Bischöfe, die meist sehr auf Rom hören, seien sehr zurückhaltend, wenn es um die Kontrolle durch Synoden oder frei gewählte Gremien gebe, von denen Papst Franziskus spreche. Quelle: jesus.de


11.11.2015 Das US-Bistum Milwaukee hat Insolvenz angemeldet. Es musste 21 Millionen Dollar an 355 Opfer sexuellen Missbrauchs durch Geistliche zahlen. Quelle: Radio Vatikan


11.11.2015 Der Bürgermeister von Kevelar referiert anlässlich des Missbrauchs eines Jungen durch den früheren Bischof Janssen von Hildesheim die sog. Forschung, die das “false-memory-syndrome” streut. Das Bistum Hildesheim argumentiert da  sorgsamer. Quelle: rp-online.de


9.11.2015 Kritik am Mangel an Transparenz im Missbrauchsfall des früheren Hildesheimer Bischofs Janssen üben – zu Recht – mehrere Leute. Quelle: ndr.de und ndr.de
Weihbischof Bongartz rechtfertigt das Vorgehen des Bistums Hildesheim (11.11.2015)
(Wer Kirchenvolkes’ Stimme kennen will, lese auch die Kommentare. Und wenn mir jemand erklären kann, wie folgendes funktionieren soll, bin ich dankbar: Anzuerkennen, dass ein Mensch Opfer sexuellen Missbrauchs wurde und zugleich die Unschuld des Täters behaupten. Das Opfer soll also Opfer sein, der Täter aber nicht Täter?)


9.11.2015 Hinweis auf ein neues Buch: Mary Hallay-Witte / Dr. Bettina Janssen: “Schweigebruch: Vom sexuellen Missbrauch zur institutionellen Prävention”. Das Buch dokumentiert die Lern- und Entwicklungsprozesse der katholischen Kirche in Deutschland im Umgang mit den Missbrauchsfällen. Quelle: Erzbistum Hamburg   Leseprobe


8.11.2015 Der Papst sagt, es sei ein Verbrechen und ein “beklagenswerter Akt, der nicht hilfreich ist”. Die Äußerung bezieht sich auf die verabredungswidrige Zugänglichmachung vertraulicher Dokumente, die zwei kirchl. Mitarbeiter an Journalisten weitergegeben haben.  Zudem warnte der Papst die Kardinäle vor Verschwendung. Quelle: katholisch.de
Kommentar: Verständlich ist mir, dass die Dokumentenweitergabe insofern zu beklagen ist, weil die verabredete Vertraulichkeit nicht eingehalten wurde. Andererseits gehört es m.E. zur versprochenen Transparenz des Vatikans, dass Missstände öffentlich werden. Immerhin geht es um die Gelder, die Gläubige dem Vatikan zukommen ließen/lassen. Wenn sie dann nicht – wie den Spendern zugesagt – für die Unterstützung von Armen und Bedürftigen verwendet werden sondern zur Unterstützung eines luxuriösen Lebensstils von Kardinälen und vatikan. Mitarbeitern, dann ist es nur gut, wenn die Zweckentfremdung bekannt wird, genauso wie andere Missstände. Die Veröffentlichung als “Beschädigung des Papstes” zu interpretieren, dürfte falsch sein – sie legt die Widerstände offen, die der Transparenz im Wege stehen.


8.11.2015 Der Hildesheimer Bischof Trelle ist tief bestürzt darüber, dass einer seiner Vorgänger ein Kind sexuell missbraucht hat. Quelle: katholisch.de und spiegel.de


7.11.2015 Die Diözese Duluth muss dem Opfer eines Ordenspriesters 7,4 Millionen Euro zahlen. Fünf weitere Prozesse stehen dem Bistum noch bevor. Sie wurden durch eine 2013 beschlossene Fristverlängerung möglich. Quelle: katholisch.de


6.11.2015 Der frühere Bischof von Hildesheim, Heinrich Maria Janssen, wird von einem Opfer beschuldigt, ihn zwischen 1958 bis 1963 sexuell missbraucht zu haben. Janssen war von Februar 1957 bis Dezember 1982 Bischof. Die Hildesheimer Missbrauchskommission hielt die Vorwürfe für glaubwürdig. – Dass auch Bischöfe Kinder und Jugendliche sexuell missbrauchen/missbraucht haben, muss eigentlich nicht verwundern. Täter sind in allen Berufsgruppen und auf jeder Ebene der Hierarchie zu finden. Quelle: zeit.de und radiovaticana.va


6.11.2015 Der Erzbischof von Santiago, Kardinal Ricardo Ezzati, sagte im Prozess dreier Opfer des Priesters Karadima – der vom Vatikan des Missbrauchs schuldig befunden wurde -, aus, dass die Kirche die Wahrheit liebe und vollstes Verständnis für die Opfer habe und nichts vertuscht habe.
Aus E-Mail-Schreiben zwischen Ezzati und seinem Vorgänger, Kardinal Errazuiz, ging hervor, dass sie verhindern wollten, dass der Chilene Juan Carlos Cruz, eines der Missbrauchsopfer von Karadima, über den an ihm begangenen Missbrauch spricht bzw. in die päpstliche Missbrauchskommission komme. Quelle: de.radiovaticana.va/
Kommentar: Dass Radio Vatikan das Missbrauchsopfer als “homosexuell” bezeichnet, dürfte zur Sache nichts Wichtiges beitragen. Es könnte jedoch – in manchen kirchlichen Kreisen – der Diskriminierung des Opfers dienen.


4.11.2015 Ein katholischer Pfarrer aus Weilheim, Bistum Rottenburg-Stuttgart, wurde mit 80% seiner Bezüge beurlaubt. U.a. soll er einen Jugendlichen pornografische Filme zugänglich gemacht haben. Quelle: stuttgarter-nachrichten.de


2.11.2015 Nach ernst zu nehmenden Schätzungen hat die kath. Kirche der USA in den letzten 60 Jahren ca 4 Milliarden US-Dollar im Kontext der Missbrauchsfälle ausgegeben – so der National Catholic Reporter.
Nicht beziffert werden konnten die Verluste an Glaubwürdigkeit der Kirche und an Vertrauens-/Glaubensfähigkeit der Opfer und ihrer Umgebung.
Quelle: ncronline.org


29.10.2015 Gabriel Ringlet, der zwei der Dutroux-Opfer beerdigt hat, plädiert dafür, dass die Kirche die kirchlichen Missbrauchsfälle aufarbeitet. Quelle: kath.ch


29.10.2015 Johannes Heibel, Gründer der bundesweit aktiven “Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch”, stellt fest, dass es der Kirche noch immer am Aufklärungswillen mangelt. Quelle: general-anzeiger-bonn.de


28.10.2015 Pater Eduardo Robles Gil, Generaldirektor von Regnum Christ und von den Legionären Christi, hat den Vatikan um einen Ablass gebeten. Die Bitte wurde positiv beschieden. Am Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu 2016 können die Laien- und Ordensmitglieder des von dem notorischen Verbrecher Pater Maciel gegründeten Ordens den vollkommenen Ablass erhalten. Pater Robles-Gil ermuntert die Ordens-Mitglieder, “diese Gnade zu nutzen und den Dank an Gott für das Geschenk der Bewegung zu erneuern”.
Quelle: radiovaticana.va
Kommentar: Fragen drängen sich auf: Warum wird den Legionären ein besonderer Ablass gewährt? Erfüllen sie die Bedingungen –  immerhin haben die ca 900 Priester Armut gelobt und sind Multi-Milliardäre. Und nicht wenig ihres Vermögens wurde vom Gründer Maciel Marcial, einem Verbrecher, erworben, indem er viele Millionärswitwen um ihr Vermögen brachte. Und: Warum wird in der katholischen Kirche die Institution des Ablasses anlässlich des Jahres der Barmherzigkeit ohne jegliche Problematisierung und Diskussion erneuert?


26.10.2015 In Peru wird u.a. dem Gründer des “Sodalitium Vitae Christianae”, Luis Fernando Figari, sexueller Missbrauch vorgeworfen. Er befindet sich in Rom. Quelle: infostelle-peru.de26.10.2015 Zehn Jahre, nachdem bekannt wurde, dass 21 Priester (bei insg. 131 amtierenden Priestern) über 100 Kinder im Bistum Ferns, Irland, sexuell missbrauchten, hat der Bischof Bilanz gezogen. Die Veröffentlichung des Berichts war – so Bischof Brennan – eine Katharsis, seither habe sich viel verändert. Dennoch gebe es eine Atmosphäre des Misstrauens: Pilgerfahrten seien nur noch für Erwachsene ausgerichtet, in einigen Gemeinden gebe es keine Ministranten mehr; Chöre und Jugendeinrichtungen der Gemeinden hätten keinen Zulauf mehr von Kindern. Bischof Brennan ist sicher, dass die Angst unbegründet ist: “Wir sind heute besser denn je aufgestellt, um die Kluft zu überwinden, die in den vergangenen Jahren entstanden ist.” Quelle: katholisch.de
Kommentar: Wenn das Vertrauen durch die Verbrechen und ihre Vertuschung erstmal zerstört ist, kann nicht erwartet werden, es in 10 Jahren wieder zu gewinnen. Im übrigen sind es die Kinder und Jugendlichen und deren Eltern, die entscheiden, ob die Kirche im Bistum Ferns “besser denn je aufgestellt” sei – Sache des Bischofs ist es, sich darum zu bemühen.


25.10.2015 Obwohl die 270 stimmberechtigten Teilnehmer der Bischofssynode ausschließlich männlich und ehelos waren, sprachen sie über Ehe und Familie und schlossen damit Frauen von diesen Überlegungen aus. Nicht zu Wort kamen auch junge Menschen. Konkrete Empfehlungen an den Papst enthielt das Schlussdokument nicht. Der Papst scheint den regionalen Bischofskonferenzen mehr Entscheidungsbefugnis einräumen zu wollen – ob Bischofskonferenzen davon Gebrauch machen werden, hängt sicher von ihrem Mut ab. Dem Thema Homosexualität wichen die Bischöfe aus. Auch um die biblischen Grundlagen und die Praxis der frühen christlichen Gemeinden und Konzilien in der Ehe- und Familienlehre hat sich die Synode leider nicht bemüht – der Blick darauf hätte den garstig breiten Graben zwischen Kirchenvolk und ihren Bischöfen ein wenig zuschütten können. Wer es als Erfolg wertet, dass die Realität in den Beziehungen und Familien überhaupt – zumindest teilweise – wahrgenommen wurde (Gewalt und sexueller Missbrauch wurde lediglich in einer der 13 Arbeitsgruppen erwähnt) und dass darüber gestritten werden konnte, verkennt, dass das freimütige Gespräch eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte. s.auch: Joachim Frank, FR


22.10.2015 In Peru wurde das Buch des Journalisten Pedro Salinas “Mitad monjes, mitad soldados” vorgestellt, das die Verwicklung von Mitglieders des Sodalitium Vitae Christianae (SCV), darunter der Gründer, in sexuellen Missbrauch thematisiert. Quelle: telesurtv.net


22.10.2015 Der Film “Spotlight” thematisiert, dass es kaum noch aufdeckende Pressearbeit gibt – wie der Boston Globe sie in den kirchlichen Missbrauchsfällen gezeigt hat. Damals, 2001/2002, wurde öffentlich, was eine Studie später bestätigte: Die kirchlichen Missbrauchsfälle sind mit 6-7 % signifikant höher als in der übrigen Bevölkerung. Quelle: wienerzeitung


21.10.2015 Die Caritas Wien stellte heute ihren Bericht über Gewalt, incl. sexuelle Gewalt, in Caritas-Kinderheimen vor. Caritas-Direktor Landauer berichtet von 48 Betroffenen, die sich gemeldet hätten und davon, dass Therapiekosten von je 5.000 bis 25.000 Euro übernommen worden wären. Von einer theologischen Reflexion der Missbrauchstaten, einer zu ändernden Kirchenstruktur oder einem Angebot seelsorglicher Begleitung der unwiderruflich Betroffenen berichtet er nichts. Quelle: orf


21.10.2015 Immerhin einer Arbeitsgruppe der derzeit tagenden Bischofssynode in Rom ist aufgefallen, dass “Familie” auch mit “Gewalt, sexuellem Missbrauch und Ausbeutung” konnotiert sein könnte und dies nicht unter den Tisch fallen dürfe, wenn es um die Familie. gehe. Quelle: radiovaticana.va


20.10.2015 Zunehmend schicken Bischöfe Missbrauchs-Priester in Entwicklungsländer, die eine weniger effektive Strafverfolgung, weniger unabhängige Medien und ein größeres Machtgefälle zwischen Priestern und Gemeindemitgliedern haben. So geschehen bei  dem ehemaligen belgischen Pfarrer Jan Van Dael, der in Brasilien ein Waisenhaus gründete. Und bei dem kolumbianischen Priester Ferdico Fernandez Baeza, der nach Anzeigen wegen Kindesmissbrauch Texas verließ und in Cartagena an der Universität “San Buenaventura” die zweithöchste Stelle in der Universität antrat. Quelle: pri.org


16.10.2015 In Kolumbien haftet die katholische Kirche für ihre Priester, wenn diese Kinder sexuell missbrauchen. Die kolumbianischen Bischöfe sint entsetzt über dieses Urteil der Justiz. Sie sagen, es handle sich um individuelle Straftaten von Einzelpersonen. Derzeit laufen gegen 18 kath. Priester in Kolumbien Verfahren, denen schwerer Kindesmissbrauch vorgeworfen. Mitunter sollen Kirchenvertreter versucht haben, die Verbrechen zu verheimlichen. Nun drohen der Kirche Schadenersatzforderungen. Quelle: domradio.de


16.10.2015 Die Revision des zu 6 Jahren Haft verurteilten Pfarrers Georg K. ist gescheitert. Quelle: wz-newsline.de


15.10.2015 Michael T., Opfer des Kardinals Groer, fragt über seinen Anwalt das Stift Göttweig, ob tatsächlich ein Seligsprechungsverfahren für Groer lanciert werde. Für Groer, der anvertraute Jugendliche sexuell missbrauchte, wurden mindestens bis 2013 jährliche Gedenkgottesdienste gehalten.


12.10.2015 Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung und Kinderhilfswerke weisen auf sexualisierte Gewalt in Flüchtlingsunterkünften hin. Sie kann von Wachleuten, von Ehrenamtlichen, von ehrenamtlichen Vormündern, von Bewohnern der Unterkünfte ausgehen. Quelle: tagesspiegel.de


12.10.2015 Die vatikanische Kinderschutzkommission hat ihre zweite Vollversammlung beendet. Beraten wurde über die Ergebnisse der Arbeitsgruppen “Richtlinien zum Kinderschutz”, “Betreuung der Opfer” und “Ausbildung von Priesteramtskandidaten”. Die Überlegungen, die von den Arbeitsgruppen angestellt wurden, wurden nicht veröffentlicht. Quelle: domradio


11.10.2015 Ein dem Aktionskreis Regensburg Nahestehender hat beim Kirchenanwalt am Strafgericht im Vatikan eine Anzeige wegen Vertuschung eines sexuellen Missbrauchs durch den damaligen Diözesanbischof Gerhard Ludwig Müller und jetzigen Präfekten der Glaubenskongregation eingereicht. Quelle: akr-regensburg.de


9.10.2015 Der Oberste Gerichtshof von Kolumbien entschied, dass die kath. Kirche 22.300 $ an zwei Missbrauchsopfer des Priesters Luis Enrique Padua und weitere “Entschädigungen an die Geschwister zahlen muss. Padua wurde 2010 zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt. Quelle: au.news.yahoo.com


8.10.2015 Letzte Woche wurde ein Video vom Mai 2015 öffentlich, in dem der Papst mit einem Priester spricht, der Angehörige von Opfern des chilenischen Priesters Karadima nach Rom begleitete. Karadima war über Jahre hinweg von dem ehemaligen Militärbischof und jetzigen Bischof Barros von Osorno, Chile, geschützt worden. Der Papst hat ihn dennoch zum Bischof ernannt. Im Gespräch mit dem Begleiter der Opfer sagt der Papst, die Linke in Chile habe diese Geschichte aufgebauscht. Gegen den Bischof läge nichts vor. Papst Franziskus sagt seinem Gesprächspartner, ‘sie sollen sich nicht an der Nase herumführen lassen von denen, die nur versuchen, Verwirrung zu stiften, die versuchen zu verleumden…’
Marie Collins, Mitglied der Päpstlichen Kinderschutzkommission sagte The Irish Catholic “die ganze Einstellung zum Problem ist deprimierend, enttäuschend und entmutigend.” Juan Carlos Claret, ein Sprecher der Laienbewegung OLA de Osorno, nannte den Papst “unempfindlich gegen die erneute Viktimisierung von denen, die er versprach, zu schützen, nämlich die Opfer von sexuellem Missbrauch”.
Quelle: http://www.irishcatholic.ie/article/pope%E2%80%99s-attitude-abuse-survivors-%E2%80%98disappointing%E2%80%99-%E2%80%93-marie-collins und nytimes.com
Kommentar: Im Vatikan hat sich – entgegen aller öffentlichen Verlautbarungen – offensichtlich doch nichts geändert. Abzuwarten bleibt, wie lange Marie Collins noch in einer sog. Päpstlichen Kinderschutzkommission mitarbeitet, die die Täterschützer weiterhin schützt und sogar befördert.


7.10.2015 Der anglikanische frühere Bischof von Gloucester, Peter Ball (83) hat 18 angehende Priester über einen Zeitraum von 15 Jahren sexuell missbraucht. Geschützt wurde er u.a. von der königlichen Familie und hochrangigen Mitgliedern des Establishments. Nun wurde er zu 32 Monaten Gefängnis verurteilt. Quelle: the telegraph


7.10.2015 In Italien hat ein Priester Verständnis für Pädophile geäußert und gesagt, Homosexuelle sollten zum Arzt gehen. Und nebenbei wird im deutschsprachigen Raum öffentlich, dass 2014 in Italien 200 Fälle von sexuellem Missbrauch in der Kirche öffentlich wurden. Quelle: Spiegel


1.10.2015 Der National Catholic Reporter stellt eine Diskrepanz zwischen den Worten und den Taten von Papst Franziskus fest. Einerseits spricht er davon, dass die Fälle nicht länger geheimgehalten werden können oder dürfen (die Übersetzungen variieren), andererseits ändert er das Kirchenrecht, das die Bischöfe zur Geheimhaltung verpflichtet, nicht. Quelle: ncronline.org