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Presse

Missbrauch in der katholischen Kirche

4. Quartal 2014

29.12.2014 „Ganz viele Bischöfe stecken den Kopf in den Sand und wollen überhaupt nicht mehr darüber sprechen.” Das sagt Klaus Mertes. Der ORF fasst dasselbe Interview unter dem Titel zusammen: “Jesuit in D: Missbrauchsaufarbeitung auf gutem Weg”. Wunibald Müller beobachtet: „Die klerikale Struktur ist zäh.” So viel zur Bereitschaft der kath. Kirche, die Aufklärung voranzutreiben und sich den Opfern zuzuwenden. Die zitierten “Diagnosen” (nicht jedoch die optimistischen Aussagen) von Klaus Mertes und Wunibald Müller werden von vielen Opfern geteilt.


26.12.2014 Die Heimopfer der Brüdergemeinde Korntal sind nicht einverstanden damit, dass die Brüdergemeinde ohne Abstimmung mit den Opfern festlegt, wer die Aufarbeitung machen soll. Der zuständige Bischof July hat bisher geschwiegen. Er beteuert, dass sein erstes Interesse den Opfern gelte und unterstützt die Brüdergemeinde in ihrem Vorhaben, die Aufarbeitung durch die Landshuter Professorin Mechthild Wolff vornehmen zu lassen. Bischof July ist der Ansicht, die Opfer würden spüren, dass ihr Anliegen ernst genommen werde. Die Opfer sehen das anders. Quelle: Kontextwochenzeitung

Kommentar: Offensichtlich müssen die Brüdergemeinde und der Bischof die gleichen Fehler machen, die die allermeisten Täter-Institutionen vor ihnen auch schon gemacht haben: Die Opfer umgehen und trotzdem der Ansicht sein, im Interesse der Opfer zu handeln. 


22.12.2014 In seiner Weihnachtsansprache an die Mitarbeiter der Kurie nannte Papst Franziskus als eine der “Krankheiten”: “Spirituell und geistig abzustumpfen: ‘Es ist gefährlich, diese menschliche Empfindsamkeit zu verlieren, die einen mit denen weinen lässt, die weinen, und mit denen feiern lässt, die fröhlich sind’ “. Von dieser Abstumpfung und dem Verlust menschlicher Empfindsamkeit können Opfer sexueller Gewalt viel erzählen. Quelle: zeit    Die ganze Rede des Papstes auf Deutsch.

Und hier ist nachzulesen, wie die Brandrede des Papstes von Radio Vatikan bereits wieder relativiert wird. “Wirklich gute Mitarbeitermotivation” sei das nicht, sagt Pater Hagenkord, Leiter von Radio Vatikan.


22.12.2014 Das Landgericht Krefeld ist sich nicht zu schade dafür, ein Opfer eines Pfarrers so zu benennen, dass es identifizierbar ist. In Zeiten, in denen noch immer die Opfer für die Schuldigen gehalten werden, ist das unerträglich. Mein Protest ist abgeschickt.


19.12.2014 Scotland Yard glaubt einem Mann, der von einem Pädophilenring in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts berichtet. Er selbst sei Opfer gewesen. Der Mann – genannt “Nick” – berichtet von zigfachen Vergewaltigungen und von Morden an drei Jungen. Prominente Politiker und Militärs und Prominente des öffentlichen Lebens sollen dem Pädophilenring angehört haben.

“Nick” soll auch den früheren Botschafter und MI6- Geheimdienstchef Sir Peter Hayman als Täter identifiziert haben. Bei Hyman wurde bereits in den 80er Jahren kinderpornografisches Material gefunden. Bekannt war, dass er Mitglied im „Paedophile Information Exchange” (Kontaktbörse für Kinderschänder) war. Haymann wurde nie angeklagt, 1992 starb er. Der Verdacht, dass Täter aus hochrangigen Kreisen von diesen Kreisen geschützt wurden, ist nicht von der Hand zu weisen.
Bereits 1983 hat der inzw. verstorbene Tory-Abgeordnete Geoffrey Dickens dem Innenminister Brittan ein Dossier mit Details, darunter Täternamen, übergeben. Das Dokument ist verschwunden und konnte auch nach intensiver Suche nicht gefunden werden. Quelle: Süddeutsche und faz


18.12.2014 Heute wurde Edathy, ehemaliger SPD-Bundestagsabgeordneter, vor einem Untersuchungsausschuss vernommen, der die Vorgänge um den Konsum von Kinderpornografie bzw. “legalen Fotos” (Edathy) und die Rolle von Parteigenossen, die Edathy – vielleicht – vor drohenden Ermittlungen gewarnt haben sollen, klären soll. Von zwei christlichen Termini war in der heutigen Sitzung des Untersuchungsausschusses ebenfalls die Rede: Von Opfern und von Mitleid. Der Name des Opfers ist Edathy. Die anderen Opfer – die Kinder und Jugendlichen, deren Fotos Edathy “konsumierte” – wurden nicht erwähnt. Das Mitleid Edathys galt – sich selbst. Quelle: FR


17.12.2014 Der Papst hat 9 weitere Mitglieder in die vatikanische Kinderschutzkommission berufen. Unter ihnen ist der Brite Peter Saunders, der eine Vereinigung Betroffener gegründet hat und selbst betroffen ist. 7 der inzwischen 17 Mitglieder sind Frauen, von den 10 Männern sind 5 Priester. Quelle: religion.orf.at


14.12.2014 Der Pfarrer von Reichertshofen kehrt in seinen Dienst und an seinen Dienstort zurück. Ihm war sexueller Missbrauch vorgeworfen worden, der sich in den staatlichen Untersuchungen nicht erhärtete. Quelle: nordbayern.de


12.12.2014 „Der Zwang zur Ehelosigkeit könnte unter manchen Umständen zu Missbrauch beigetragen haben.“ Das steht in einem Bericht einer australischen kirchlichen Wahrheitskommission, die den jahrzehntelangen Missbrauch von Kindern durch Priester untersuchte.

Udo Rauchfleisch, Österreich, Psychotherapeut, spricht von einem klaren Zusammenhang zwischen Zölibat und Kindesmissbrauch. Die Leygraf-Studie in Deutschland hatte ergeben, dass 16% der priesterlichen Täter als pädosexuell bzw. ephebo”phil” eingestuft wurden. 84% der Priester-Täter begingen Kindesmissbrauch, obwohl sie nicht pädo- oder ephebophil waren. Diese Gruppe fand jedoch nicht das Interesse der Kirchenleitung, denn bei ihnen könnte sich der Zusammenhang zwischen Zölibat und Kindesmissbrauch zeigen und das ist nicht gewollt. Quelle: orf


3.12.2014 Sexuelle Gewalt macht vor keiner Gesellschaftsschicht Halt: Bill Cosby wird von einer Kalifornierin wegen Vergewaltigung angezeigt; ein britischer Kinderarzt hat krebskranke Kinder missbraucht und wurde zu 22 Jahren Haft verurteilt. Ein katholischer Pfarrer wurde wegen des Besitzes kinderpornografischer Medien zu einer Geldstrafe verurteilt und gilt als nicht vorbestraft, wenn er die Strafe bezahlt. Der Vatikan wird entscheiden, ob er weiterhin als Priester tätig sein kann. In Großbritannien wird untersucht, ob es tatsächlich einen Pädophilenring gab, dem auch prominente Politiker, Richter und andere Personen des öffentlichen Lebens angehörten.


3.12.2014 Der frühere Nuntius in der Dominikanischen Republik, Jozef Wesolowski, ist aus dem Hausarrest entlassen worden, weil die höchstzulässige Dauer überschritten ist. Der Vatikansprecher wies außerdem auf den Gesundheitszustand des Ex-Nuntius hin. Wesoloski wird sexueller Missbrauch und der Besitz von Kinderpornografie vorgeworfen. Er ist bislang einmal vom vatikanischen (weltlichen) Gericht vernommen worden. Quelle: tt.com


2.12.2014 Wer von einem Priester, Ordensmann oder einer Ordensfrau missbraucht wurde, dessen Verhältnis zur Religion und zum Glauben bleibt oft erschüttert. Quelle: Ärztezeitung


1.12.2014 Deborah F. Hellmann, Lisa M. Dinkelborg, Sandra Fernau (KFN): Psychosoziale Folgen sexuellen Missbrauchs durch katholische Geistliche. In dieser Untersuchung des KFN wurde ermittelt, dass 21,2 % der Missbrauchshandlungen im Kontext der Beichte geschahen (a.a.O., S. 113). Diese Verbrechen fallen kirchenrechtlich unter das “crimen sollicitationis” und müssten zur Exkommunikation des Täters führen. Quelle: researchgate.net/


30.11.2014 Mitte November hat der Papst den Amtsverzicht des Erzbischofs von Saragossa, Manuel Urena Pastor, 69 J., angenommen. Vermutlich haben Vatikan-Untersuchungen ergeben, dass die Erzdiözese einem ehemaligen Diakon ungewöhnlich viel Gehalt gezahlt haben, insgesamt 105.000 Euro. Mutmaßlich handelte es sich um Schweigegeld, damit der Diakon nicht “mit sexuellen Bedrängungen eines Priesters” an die Öffentlichkeit gehe oder sogar Anzeige erstatte. Derr mutmaßlich übergriffige Priester soll ein enger Freund des emeritierten Erzbischofs sein. Quelle: kath.ch


26.11.2014 In Granada wurden 3 Priester und 1 Religionslehrer wegen des Verdachts sexuellen Missbrauchs verhaftet. Die Verhafteten gehören einer Gruppe von Geistlichen an, dem sog. “Clan der Romanones”, die eine sektenähnliche Struktur haben sollen. Andere Quellen sprechen von Opus-Dei-Angehörigen. Sie sollen Treffen veranstaltet haben, bei denen es zu sexuellen Ausschweifungen gekommen sei. Ein mutmaßliches Opfer hatte den Papst informiert. Der rief zwei Mal bei dem Opfer an, das zweite Mal, weil er unzufrieden mit der Reaktion des Bistums Granada gewesen sei. Das Bistum hatte zwar die drei hauptverdächtigen Priester aus dem Dienst entfernt, die Mitwisser aber unbehelligt gelassen. Quelle: Badische Zeitung


25.11.2014 Papst Franziskus nennt Europa eine „unfruchtbare Großmutter“. Ich nenne diese Papstäußerung eine unverhohlene Frauendiskriminierung, vor allem die Diskriminierung alter Frauen. Quelle: welt.de


24.11.2014 Der Erzbischof von Granada, Francisco Javier Martinez, hat zehn Priester von ihren Ämtern suspendiert. Sie sollen einen heute 24-jährigen Mann sexuell missbraucht haben, als dieser noch minderjährig war. Die BBC und „El País“ berichteten von dem Fall, über den bisher wenige Details bekannt sind. Vier Tatverdächtige wurden demnach für 72 Stunden in Polizeigewahrsam genommen, jetzt laufen die Ermittlungen., hat zehn Priester suspendiert. Sie sollen einen heute 24-jährigen Mann sexuell missbraucht haben, als dieser noch minderjährig war. Vier Tatverdächtige wurden demnach für 72 Stunden in Polizeigewahrsam genommen, jetzt laufen die Ermittlungen. Quelle: Spiegel.de


24.11.2014 Im September wurde der Jesuit Robert J. Geisinger von Papst Franziskus zum Kirchenanwalt ernannt. Damit ist er der vatikanische Chefankläger in Missbrauchsfällen. Er ist in der Glaubenskongregation angesiedelt. Nun stellt sich heraus, dass Geisinger nach Angaben von The Boston Globe 1995  bereits von Missbrauchsvorwürfen gegen Reverend Donald McGuire wusste, aber erst 2002 die Kirchenvertreter informierte. Weder informierte Geisinger die Öffentlichkeit noch die Polizei. Bereits in den 1960er Jahren waren Beschwerden gegen McGuire bei der Kirche eingegangen. Inzwischen ist er zu 25 Jahren Haft verurteilt. Die Jesuiten zahlten an 6 Opfer, die zwischen 1975 und den frühen 2000er Jahren missbraucht wurden, 19 Millionen Dollar. Lombardi, der Vatikansprecher, sagte: “The Holy See fully expects Father Geisinger to continue to do an excellent job as Promoter of Justice, based on his prosecution record, his commitment to justice and his concern for victims.” Quelle: cbc.ca 


23.11.2014 Der Chefankläger des Vatikans, Robert J. Geisinger, der Verstöße gegen das Kirchenrecht u.a. im Umgang mit Missbrauchsfällen, bearbeitet, hat es selbst jahrelang versäumt, einen priesterlichen Missbrauchstäter, Rev. Donald J. McGuire, um dessen Verbrechen er lange wusste, aus dem Amt zu entfernen. Mc Guire hatte viele einflussreiche Unterstützter, u.a. Mutter Teresa von Kalkutta. Quelle: bostonglobe.com


22.11.2014 Der Würzburger Generalvikar Karl Hillenbrand ist gestorben. Er war an den Anliegen der Initiative GottesSuche interessiert. Wir trauern um einen Verbündeten.

Nachtrag Karsamstag, 26.3.2016: Heute wird bekannt, dass Generalvikar Hillenbrand einem hochrangigen Kollegen in seinem Bistum, gegen den es Vorwürfe sexuellen Missbrauchs gab, erlaubte, dass der Beschuldigte seine Akte, die üblicherweise nicht zugänglich ist, einsehen durfte, und sie ggf. “bearbeitete”. Außerdem hat Generalvikar Hillenbrand zusammen mit dem Beschuldigten beschlossen, dass die Anzeige nicht an die Staatsanwaltschaft geht. Das nenne ich eine gekonnte Irreführung.
Spiegel 26.3.2016 und
Infos aus der Printfassung des Spiegel


21.11.2014 Das Erzbistum Saint Paul und Minneapolis erwägt den Konkurs, um die Missbrauchsopfer des Bistums entschädigen zu können. Zwei Verfahren sind abgeschlossen, 20 stehen noch an. Im Erzbistum Saint Paul wird 34 Priestern sexueller Missbrauch Minderjähriger vorgeworfen, 12 der Täter sind tot, die anderen nicht mehr im Kirchendienst. Quelle: kath.ch


21.11.2014 In Hohenzell/Innkreis wurde ein Denkmal zu Ehren von Kardinal Hans Hermann Groer mit einem neuen Sinn versehen. Erinnert wird mit einem Relief daran, dass Kardinal Groer an diesem Ort für Ungeborene gebetet habe. Erläuternd wird die Bibel zitiert: “Wer aber einen von diesen Kleinen” (Mt 18,6).

Die Plattform österreichischer Betroffener kirchlicher Gewalt hat das Zitat vervollständigt. Vollständig heißt es nämlich: “Wer aber einem von diesen Kleinen, die an mich glauben, Ärgernis gibt, dem gehört, dass ihm ein Eselsmühlstein um den Hals gehängt und er versenkt wird in die Tiefen des Meeres.” Damit will die Gruppe – zu Recht – darauf aufmerksam machen, dass Kardinal Groer Schülern des Jungenseminars sexuelle Gewalt angetan hat und dass dies verschwiegen bzw. geleugnet wird.
Quelle: orf
Kommentar: Der Begriff “Ärgernis geben”/ σκανdalizein umfasst ein großes Bedeutungsspektrum: “jemandem einen Stolperstein oder ein Hindernis in den Weg legen, auf dem jemand stolpern und hinfallen kann; jemanden zur Sünde verleiten; Abfall bewirken; verursachen, dass jemand beginnt zu misstrauen; jemanden verlassen, dem zu vertrauen sein sollte und dem zu gehorchen ist; von jemandem verletzt, verärgert, angegriffen werden; bei jemand anderem sehen, was ich missbillige und das mich hindert an der Anerkennung seiner Autorität; Ärgernis geben; irre machen.” All das geschieht mit einem Menschen – zumal, aber nicht nur mit Kindern und Jugendlichen -, der sexuell missbraucht wird.   


21.11.2014 Amy Berg hatte in ihrem Film „Erlöse uns vom Bösen“ u.a. den Ex-Priester Oliver O-Grady, der in Kalifornien viele Kinder – um die 25 nach eigener Aussage – missbrauchte und wegen des Missbrauchs von 2 Jungen zu 14 Jahren Haft verurteilt worden war. Nach 7 Jahren Haft wurde er 2000 nach Irland in seine Heimat abgeschoben. Zwischen 2007 und 2010 jedoch tat er in einer Rotterdamer kath. Gemeinde Dienst als “Brother Francis”. 2010 ging er nach Irland zurück, vergaß jedoch auf dem Flughafen seinen Laptop mit 280.000 kinderpornografischen Dateien und Videos. Er wurde zu 3 Jahren Haft verurteilt. Im April 2014 wurde er entlassen. Nun lebt er in einer Umgebung, in der auch Kinder leben, ohne dass die Nachbarn Bescheid wissen.

Kommentar: Wenn eine Rotterdamer Kirchengemeinde den Dienst eines Ex-Priesters akzeptiert, der notorisch Kinder sexuell missbraucht und weiterhin zumindest Kinderpornografie konsumiert, so ist zu fragen, ob die Gemeinde und das Bistum sich nicht informieren.


18.11.2014 In Spanien wurden 10 Priester wegen des Verdachtes, Kinder missbraucht zu haben, suspendiert. Vor Gericht wurde Anzeige erstattet. Quelle: cat.elpais.com


14.11.2014 Sexuellen Missbrauch gibt es überall, auch in orthodoxen jüdischen Gemeinden. Quelle: welt.de


14.11.2014 Das belgische Bistum Brügge hat einen Priester, der 2010 wegen Missbrauchs an zwei Schülern angezeigt worden war, nach Brasilien gehen lassen. Dort arbeitet er derzeit mit Straßenkindern. Die Verbrechen waren zum Zeitpunkt der Anzeige verjährt. Der zuständige Bischof in Brasilien sei vom Bistum Brügge informiert worden. Quelle: deredactie


13.11.2014 Im Bistum Brügge wurde bereits im Jahr 2013 ein Priester wegen sexuellen Missbrauchs angezeigt. Der Priester hat inzwischen gestanden. Er wurde – entgegen der Richtlinien – nicht von seinem Amt in Hooglede abgezogen. Das Bistum hatte dem Angezeigten jeglichen Umgang mit Jugendlichen untersagt. Der Angezeigte hielt sich nicht daran. Erst Anfang Nov. 2014 wurde er suspendiert. (Bischof Vangheluwe war lange Zeit Bischof von Brügge. Auch ihm wurde sexueller Missbrauch vorgeworfen.)

Zur gleichen Zeit protestierten Gläubige aus Middelkerke gegen ihren Pastor, der einschlägig aufgefallen war und seinen Dienst wieder antrat. Dem Druck des Bistums wich er nicht, nun jedoch dem Druck der Gemeinde.
Heute fand eine Anhörung eines parlamentarischen Ausschusses statt, in der sich der Bischof von Brügge, ein Kanonikus und die Bischöfe von Tournai und Antwerpen verantworten müssen. Quelle: deredactie.be


13.11.2014 Die EKD hat Konsequenzen gezogen. 2013 noch war in einem kirchlichen Disziplinarverfahren zwar der angeklagte Oberkirchenrat gehört worden, nicht jedoch die Opfer. Inzwischen müssen auch die Opfer gehört werden. Ihnen wird bei der Zeugenvernehmung und darüber hinaus ein Verfahrensbeistand gewährt, den die Kirche bezahlt. Täter, die im Ruhestand oder im Wartestand sind, können nun zurückgestuft werden. Quelle: fr


13.11.2014 In Wien hat die Kirche die Staatsanwaltschaft über einen Missbrauchsvorwurf eines 17-Jährigen gegen einen kath. Priester informiert.  Quelle: kurier.at


13.11.2014 Doris Wagner, ehemaliges Mitglied eines katholischen Ordens, berichtet aus der “Innenperspektive”, wie von Opfern sexueller Gewalt gedacht wird: “Außerdem hieß es, wir müssten nun hoffen, dass die Kirche in der Öffentlichkeit nicht ganz so schlimm angegriffen werden würde. Die Medien würden übertreiben und in Wirklichkeit sei die Zahl der Opfer vergleichsweise gering. Die Fälle lägen alle schon lange zurück und sie gingen zum großen Teil auf das Konto von Priestern, die sich durch die sexuelle Revolution hatten mitreißen lassen. Außerdem wären die meisten Fälle Übergriffe an Buben gewesen, das heißt die Täter waren homosexuell. Damit waren sie ohnehin diskreditiert und die Kirche war nicht für ihr Verhalten verantwortlich zu machen. Es waren alles nur bedauerliche Einzelfälle von untreuen Priestern. Die Opfer und deren Leid waren kein Thema. Geschweige denn die Frage, ob und wie man ihnen helfen konnte. Das Opfer war nur die Kirche, die nun von den Medien angegriffen wurde.” Quelle: epochtimes.de


12.11.2014 Ein ehemaliger Schüler der Regensburger Domspatzen, Alexander Probst, hat einen Brief an den Papst geschrieben. Trotz Einschreibebestätigung kam dieser Brief dort nicht an. Probst sagt anlässlich des Rechenschaftsberichtes des Regensburger Missbrauchsbeauftragten: “Für unsere Seelen und unsere Herzen hätten wir uns etwas anderes erwartet.” Er gehört zu fast hundert früheren Domspatzen, die mutmaßlich über Jahrzehnte missbraucht wurden. Im Rechenschaftsbericht des Missbrauchsbeauftragten tauchen sie nicht auf. Quelle: Süddeutsche


12.11.2014 Der chilenische Geistliche John O., 68 J., der großen Einfluss in Wirtschaft und Politik hatte und den Legionären Christi angehört, wurde wegen des drei Jahre andauernden Missbrauchs eines kleinen Mädchens verurteilt. Der Staatsanwalt hatte 10 Jahre Gefängnis gefordert. Das ergangene Urteil lautet auf 4 Jahre Schutzaufsicht und ein lebenslängliches Verbot eines öffentlichen Postens mit Verantwortung. Auch der berufliche Umgang mit Kindern wurde ihm verboten. Quelle: derstandard.at


11.11.2014 Bei der Glaubenskongregation wurde eine Stelle eingerichtet, die die Untersuchung von Missbrauchsfällen und schweren Delikten (delicta graviora) durch Kleriker beschleunigen soll. Das Gremium soll Einsprüche gegen Entscheidungen der Kongregation bearbeiten. Durchschnittlich gibt es monatlich 4-5 Einsprüche. Einsprüche von Kardinälen werden weiterhin in der Kardinalssitzung der Glaubenskongregation behandelt. Von einer Kommission, die Einsprüche von kirchl. Missbrauchsopfern bearbeitet, ist nichts bekannt. Quelle: radiovaticana.va


11.11.2014 Im Bistum Regensburg erhielten 30 Opfer seit 2011 Geldzahlungen. Der Missbrauchsbeauftragte erhielt die Zahlen vom Bistum vorgelegt. Er geht davon aus, dass sich nur eine Minderzahl von Opfern gemeldet haben. Unbekannt ist, ob die 30 Opfer, die Geldzahlungen erhielten, zu den 2011 bekannten 78 (77?) Opfern hinzukommen oder 2011 bereits bekannt waren. Wie viele Anträge gestellt wurden, geht aus dem Bericht des Missbrauchsbeauftragten auch nicht hervor. Seit 1945 soll es 13 Geistliche gegeben haben, die wegen sexueller Straftaten an Minderjährigen verurteilt wurden. Quellen: Mittelbayerische, Bistum Regensburg, regensburg-digital vgl. auch: Spiegel 20.3.2001 

Kommentar: Bei diesen Zahlen ist zu berücksichtigen, dass es im Bistum Regensburg nicht als sexueller Missbrauch gewertet wird, wenn “ein erwachsener Mann den Kopf eines Kindes zwischen die Beine nimmt, stöhnend seinen Penis am Genick des Kindes reibt, während er ihm gleichzeitig auf den nackten Hintern schlägt. Das Stöhnen könne nämlich von der Anstrengung beim Verprügeln kommen.”


10.11.2014 Der Papst hat einen australischen Priester laisiert, der 2011 wegen sexuellen Missbrauchs von vier Jugendlichen zu 14 Jahren Haft verurteilt worden war. Quelle: Radio Vatikan


9.11.2014 Im Bistum Würzburg wurde ein Priester von seinen Tätigkeiten entbunden. Ihm wird eine sexualbezogene Grenzüberschreitung gegenüber einer minderjährigen Person vorgeworfen. Quelle: radiogong.com, http://www.radiogong.com/news/regionalnews-aus-mainfranken.html?content=priester-landkreis-wuerzburg-vorwurf&singleID=39958


8.11.2014 Der geistlichen Gemeinschaft “Das Werk” wird von AussteigerInnen vorgeworfen, dass sie Kontakte der Mitglieder nach außen kontrollieren bzw. unterbinden und dass Frauen, die sexuell missbraucht wurden, als Beteiligte an ihrem Missbrauch angesehen werden. Ein Priester, dem sexueller Missbrauch vorgeworfen wurde und der ihn später auch gestand, sei an eine zentrale Stelle im Vatikan versetzt worden. Quellen: orf und vorarlberg.orf  Die Zeit (20.4.2014)


7.11.2014 Die Erzdiözese Chicago hat Tausende interne Dokumente zum Thema sexueller Missbrauch durch Priester zugänglich gemacht. Die Dokumente zeigen, wie die Erzdiözese Chicago die Verbrechen vertuschte, indem sie u.a. Priester-Täter versetze. Anwälte von Opfern zeigen sich zufrieden mit der Veröffentlichung der Dokumente, sagen aber, sie reichten nicht aus. Quelle: ORF


6.11.2014 Der österreichische Oberste Gerichtshof hat die Nichtigkeitsbeschwerde eines Ex-Paters von Stift Kremsmünster zurückgewiesen. Der Pater wurde wegen sexueller und sonstiger Gewalt gegen 24 Schüler verurteilt. Quelle: orf


4.11.2014 Am 9.1.2015 beginnt der Prozess gegen Pfarrer K., Bistum Aachen. Quelle: wz-newsline.de


1.11.2014 So geht Geschichtsklitterung im Dienste des Ansehens der kath. Kirche. Radio Vatikan schreibt heute:

“Der Heilige Stuhl hat die überarbeiteten Regeln der „Legionäre Christi“ approbiert. Das teilt der neue Generaldirektor der Gemeinschaft, Pater Eduardo Robles-Gil, mit. Die Ordenskongregation des Vatikans gab danach schon am 16. Oktober ihr Plazet zu den „Konstitutionen“. Das ist ein wichtiger Schritt der „Legionäre“ in ihrem Genesungsprozess; die in Mexiko entstandene Gemeinschaft war ins Trudeln geraten, als kurz nach dem Tod ihres Gründers Marcial Maciel 2008 Einzelheiten seines skandalträchtigen Lebens, darunter auch sexuelle Missbrauchsfälle, bekannt wurden.”

Tatsache hingegen ist: Bereits 1956 wandten sich 5 mexikanische Bischöfe an Rom und klagen Marcial Maciel der Päderastie und des Drogenkonsums an. Maciel wurde für 2 Jahre seiner Ämter enthoben. 1997 berichteten 8 ehemalige Legionäre Christi – heute Professoren oder Diözesanpriester -, dass sie von Marcial missbraucht wurden. Am 30.11.2004 empfing Papst Johannes Paul II. Marcial. Im Januar 2005 leitete Kardinal Ratzinger eine Untersuchung ein, mit der Msgr. Scicluna beauftragt wurde. Am 26.5. 2006 empfahl Papst Benedikt XVI. Marcial, ein Leben der Buße und des Gebetes. Von Verbrechen war keine Rede, von den Opfern auch nicht. Im Januar 2008 starb Maciel – in den USA, nicht etwa am Ort seiner Buße. Die Missbrauchsverbrechen des Ordensgründers wurden also nicht erst 2008 nach seinem Tod bekannt – sie waren seit 1956 bekannt und Einzelheiten spätestens seit 1997.


29.10.2014 Im Bistum Triest hat ein kath. Priester Selbstmord begangen. Er hat den sexuellen Missbrauch eines 13-jährigen Mädchens gestanden und sollte suspendiert werden. Das Bistum Triest bittet die Gläubigen um das Gebet für den Priester. Von einem Gebet für das Opfer ist keine Rede.  Quelle: orf


27.10.2014 Der anglikanische Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, hat sich bei einer Mutter für den sexuellen Missbrauch ihrer drei Söhne an einer kirchlichen Schule entschuldigt. Quelle: evangelisch.de


27.10.2014 Die Ärztin Luisa Bonello sprach 6 Tage vor ihrem Tod von “Omertà”, dem Schweigen, das in Italiens katholischer Kirche herrscht. Sie beklagte, dass in 8 Monaten nichts geschehen sei. Der für das Bistum Savona zuständige Bischof Lupi sagte: „Ich habe nicht die Absicht, zu den Lügen Stellung zu nehmen, die von einer Frau verbreitet werden, die Rache im Sinn hat. Einer rachsüchtigen Person, die aufgrund ihrer Entfernung aus dem
Eucharistischen Ministerium Lügen gegen unsere Kirche verbreitet.“ Bei ihrem Gespräch mit Papst Franziskus hatte sie ein Dossier dabei, das u.a. einen Briefverkehr zw. Joseph Ratzinger und den Savoneser Bischöfen dokumentierte, der die Anweisungen enthielt, die Vorfälle zu vertuschen. Quelle: netzfrauen


25.10.2014 Im italienischen Bistum Albenga-Imperia häufen sich die Skandale: Der Bischof verteidigt einen Missbrauchstäter, ein Priester stellt Nacktfotos von sich ins Internet und arbeitet als Barmann in einer Bar, in der Partys mit minderjährigen Prostituierten stattgefunden haben sollen; einer belästigt junge Mädchen sexuell… Die Ärztin Luisa Bonello hat den Missbrauch an einigen ihrer Patienten angezeigt und sprach auch mit dem Papst. Bei ihrer Rückkehr wurde sie von Bistumsmitarbeitern diskreditiert. Inzwischen wurde sie tot aufgefunden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Anstiftung zum Suizid. Quelle: sueddeutsche.de


22.10.2014 Die Staatsanwaltschaft Warschau hat Anklage gegen den polnischen Missionar P. Wojciech G., Michaelit, erhoben. Ihm wird vorgeworfen, zwischen 2009 und 2013 sechs Minderjährige in der Dominikanischen Republik und 2 Minderjährige von 2000 – 2001 in Polen missbraucht zu haben. Auch der Besitz von kinderpornografischem Material wird ihm angelastet. Quelle: orf


21.10.2014 Deborah F. Hellmann: KFN – Forschungsbericht NR. 122:  Repräsentativbefragung zu Viktimisierungserfahrungen in Deutschland, 2014


17.10.2014 Menschenrechtsvertreter fordern im Verfahren gegen den Ex-Nuntius Wesolowski, dass eine Kommission gebildet werde, die das Land während der Gerichtsverhandlung im Vatikan vertritt. Ziel sei es, die Familien der Missbrauchsopfer zu
repräsentieren und zu unterstützen. – Das wäre eigentlich Aufgabe der
vatikan. Kinderschutzkommission gewesen. Quelle: Radio Vatican


16.10.2014 Der aus dem Fernsehen bekannte chilenische Geistliche John O’Reilly, Angehöriger des Ordens der Legionäre Christi, wurde wegen Kindesmissbrauch an einem 7-jährigen Mädchen schuldig gesprochen. Er beteuert seine Unschuld. Die sexuelle Belästigung der älteren Schwester konnte ihm nicht nachgewiesen werden. O’Reilly gehört zu den Verteidigern von Marcial Maciel Degollado, dem Ordensgründer. Quelle: orf


14.10.2014 Kirsten Fehrs, Beschöfin der Nordkirche, stellt einen Bericht zu den Missbrauchsfällen in der ehemaligen Nordelbischen Kirche vor. Eine unabhängige Kommission aus zwei Juristinnen und zwei Pädagogen haben 155 Empfehlungen für die Nordkirche ausgesprochen. Welche davon umgesetzt werden, wird eine Arbeitsgruppe entscheiden. Ursula Enders, Köln, berichtete, dass 2013 die Eltern eines Kindes, das in einer kirchlichen Kita in Hamburg-Schnelsen missbraucht worden war, keine adäquate Hilfe erhielten. Sie seien zu Adressen geschickt worden, die dann aber mangels
Kapazität keine Unterstützung leisten konnten. Durch Fehler bei der Aufarbeitung seien neue Konflikte entstanden. Quelle: taz


12.10.2014 Im Bistum Essen gab es seit 1950 insgesamt 56 Täter (darunter 19 Ordensleute, vermutlich überwiegend aus dem Sales-Haus) und 159 Hinweise. (Ob die Hinweise identisch mit Opfern sind, ist nicht zu entnehmen. Bislang wurden mehr als 99 Opfer
benannt.) Quelle: der westen: http://www.derwesten.de/staedte/essen/der-blick-in-die-abgruende-sexuellen-missbrauchs-id9918048.html


6.10.2014 Zahlungen der Bischofskonferenz “in Anerkennung des Leides…” sind nicht pfändbar. Quelle: juris.bundesgerichtshof.de


4.10.2014 Papst Franziskus habe pädophilen Priestern – unabhängig von ihrem kirchlichen Rang – den Krieg erklärt, sagen Beobachter. Aber es bleibt die Frage, ob der Papst nicht eine “passive Verteidigungshaltung mit medienwirksamen Reflexen im letzten Moment” einnehme. So wird von den Leitlinien der Glaubenskongregation gefordert, dass Verdächtige bei der jeweiligen Landesjustiz anzuzeigen sind. Der Ex-Nuntius-Wesolowski jedoch wurde nach Rom beordert, ohne dass die Justiz in Santo Domingo durch die Kirche informiert wurde. Wesolowski war ca 1 Jahr in Freiheit – er hatte
Zeit, Beweise zu vernichten – und tat dies wohl auch. Masalles, Weihbischof von Santo Domingo, traf Wesolowski bei einem Spaziergang in der röm. Innenstadt und kommentierte die Begegnung: “Das Schweigen der Kirche hat das Volk Gottes verletzt.”  Die Opfer Wesolowskis werden in Santo Domingo jedenfalls noch lange auf Gerechtigkeit warten müssen. Quelle: zeit.de


2.10.2014 In Luxemburg hat sich ein kath. Priester wegen sexuellem Missbrauch selbst angezeigt. Quelle: volksfreund.de


2.10.2014 Der Film “Die Auserwählten” (Odenwaldschule) ist in der Mediathek der ARD noch 6 Tage zu sehen. Wer Trigger fürchtet, sollte überlegen, ob er ihn anschauen will. Die Hauptfigur des Films – eine Lehrerin, die den Kindern zuhörte und glaubte – gab es in Wirklichkeit nicht. Andreas Huckele (“Wie laut soll ich denn noch schreien!?) sagt: “Im Kollegium der Odenwaldschule gab es niemanden, der uns helfen wollte.” Quelle: Zeit
Bemerkenswert: Adrian Koerfer weist darauf hin, dass sich inzwischen vermehrt Mädchen als Opfer in der Odenwaldschule outen. Das dürfte in der kath. Kirche ähnlich sein: In der Diskussion seit 2010 haben sich Jungen/Männer als Opfer zu erkennen gegeben. Mädchen/Frauen kommen seither in der
Diskussion nur wenig vor. Und von den Heimkindern spricht sowieso kaum jemand.


1.10.2014 Der Vatikan ermittelt u.a. gegen Bischof Robert Finn von der Diözese Kansas City-Saint Joseph. Ihm wird vorgeworfen, Fälle von sexuellem Missbrauch nicht gemeldet zu haben. In den USA stand er deswegen bereits vor Gericht. Quelle: SN.at
Kommentar: Wenn der Vatikan gegen alle Bischöfe ermittelt, die Missbrauchsfälle nicht den staatlichen oder kirchlichen Stellen gemeldet haben, wird es viel zu tun geben.


1.10.2014 Im Stift Göttweig wurde ein Benediktinermönch suspendiert von der Pfarreiseelsorge. Er habe über Twitter zweideutige Tweets geschickt, die Saufgelage und Stricherdienste verherrlichten. Quelle: orf.at