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Presse

4. Quartal 2012

30.12.2012 Morgen wird die Hotline der Deutschen Bischofskonferenz für Missbrauchsopfer katholischer Kleriker abgeschaltet. Es bestehe kein Bedarf mehr, sagt der Pressesprecher.


30.12.2012 Wie Justiz, Kirche, Sozialämter sexuellen Missbrauch im Fall des von den Christian Brothers geführten Kinderheims Mount Cashel, Neufundland vertuschten, ist hier nachzulesen. Erste Anzeigen gab es Anfang der 1970er- Jahre. In Protokollen wurde jahrelang jeder Hinweis auf sexuellen Missbrauch wieder entfernt. Am Ende wurden 83 Opfer von 9 Christian Brothers als Täter identifiziert. Der u.a. zuständige Erzbischof  Alphonsus Penney trat am 18.7.1990 zurück. Sein Generalvikar, Raymond John Lahey, inzwischen Bischof von Antigonish, wurde 2009 wegen des Besitzes von Kinderpornografie verhaftet. Er hatte gegen die Opfer aus dem Kinderheim Mount Cashel ausgesagt. Am 26.9.2009 nahm der Papst das Rücktrittsgesuch an.

Quellen: heritage.nf.ca
und zerg.uni-bonn.de (Anm.4)
s. auch den Film: Boys of St. Vincent


28.12.2012 Der Abt des Klosters Mehrerau, der u.a. auch für die Mönche der Birnau zuständig ist, die mit dem Erzbistum Freiburg einen sog. Gestellungsvertrag haben, der das Erzbistum von jeglicher Verantwortung entlastet, dieser Abt also hat in zwei Missbrauchsfällen einen von der Richterin vorgeschlagenen Vergleich abgelehnt. Die verhandelten Sexualverbrechen selbst sind unstrittig. Unstrittig ist auch, dass  jener Pater, der die Taten begangen haben soll, bereits 1967 rechtskräftig wegen sexuellen Missbrauchs eines Minderjährigen verurteilt worden war – und trotzdem am Kloster weiter unterrichten durfte. Der Abt wird den juristischen Weg weiterhin beschreiten, d.h. er wird auf die Verjährung hinweisen und damit keinerlei Verantwortung für die Straftaten, denen die beiden Kläger als Kinder/Jugendliche zum Opfer fielen, übernehmen. Der Abt wies darauf hin, dass die Opfer sich an die Missbrauchskommission hätten wenden können. Er betonte, dass die Taten niemals wieder gut gemacht werden könnten und er verurteilte jegliche Form von Gewalt und sexueller Gewalt. Die Täter seien inzwischen suspendiert und Verfahren in Rom seien eingeleitet. Quelle: ORF

Kommentar: Natürlich kann man so mit Menschen umgehen – und man tut es. Aber Übernahme von Verantwortung sieht anders aus. Sie beschränkt sich nicht auf ein paar nichtssagende Floskeln, die vom eigenen Verhalten konterkariert werden – genau wie das Evangelium, das in einem solchen Kloster verkündet wird. Übrigens: Das Leitwort des derzeitigen Abtes heißt: “Caritate invicem diligentes” – “Einander in Liebe zugetan sein”


27.12.2012 Ein italienischer katholischer Priester hat die Ermordung von Frauen gerechtfertigt: Sie verhielten sich schlampig und provozierten die Männer. Quelle: taz


26.12.2012 Eine 24-Jährige hat den früheren Pfarrer von Can Picaforte, Mallorca, wegen sexueller Gewalt angezeigt. Bereits 1998 hatte ein Gemeindemitarbeiter den Fall angezeigt, das damals 10 oder 11 Jahre alte Mädchen leugnete, weil es – wie sie heute sagt – vom Pfarrer gezwungen worden war zu lügen. Der damalige Bischof hat die Vorwürfe nicht ernst genommen. Erst 2011 wurde der Priester suspendiert. Auch an seinem späteren Dienstort, Cala Ratjada, soll es Opfer geben. Quelle: hwww.mallorcazeitung.es/


19.12.2012 Buch-Hinweis: Brüntrup, Herwartz, Kügler (Hrsg.): Unheilige Macht. Der Jesuitenorden und die Missbrauchskrise. Stuttgart 2013 (das Jahr täuscht, das Buch ist bereits im Handel). Lesenswert, weil es Fakten klar benennt und – anders als die Leygraf-Studie – selbstkritisch ist.


19.12.2012 Am Käthe-Kollwitz-Gymnasium in München ist vermutlich ein Missbrauchsfall unter den Teppich gekehrt worden. Ein heute 29-Jähriger, der sich derzeit am Landgericht München I wegen des schweren sexuellen Missbrauchs von vier Jungen verantworten muss, soll sich bereits vor mehr als zehn Jahren an der Neuhauser Schule an einem drei Jahre jüngeren Mitschüler vergangen haben. Dabei bedrohte der Angeklagte einen Jungen mit einem Messer. In den Schulakten ist der Fall nicht dokumentiert, und die damalige Direktorin und eine Klassenleiterin konnten sich vor Gericht angeblich nicht mehr an die Tat erinnern. Quelle: Süddeutsche


18.12.2012 In Polen ist die kath. Kirche dagegen, die Konvention des Europarates gegen Frauengewalt zu unterschreiben. Sie sieht diese „auf ideologischen und unwahren Annahmen“ aufgebaut. Diese Annahmen führten auch dazu, dass mit der Konvention gegen die „Errungenschaften der Zivilisation, die als Bedrohung und Quelle des Übels angesehen werden“ gekämpft werden soll. Die Konvention missachte laut katholischer Kirche auch gänzlich die biologischen Unterschiede zwischen Mann und Frau. Quelle: polen heute


17.12.2012 Einige Anmerkungen zur Studie „Sexuelle Übergriffe durch katholische Geistliche in Deutschland – Eine Analyse forensischer Gutachten 2000-2010“ und deren medialer Darstellung


12.12.2012 Jimmy Savile soll für ca 200 Verbrechen verantwortlich sein, darunter 31 Vergewaltigungen. Quelle: Spiegel


11.12.2012 Die Erzdiözese Los Angeles muss bislang unter Verschluss gehaltene Dokumente über 69 Priester, die sexueller Gewalt an Kindern/Jugendlichen beschuldigt werden, herausgeben. Das hat ein US-Gericht entschieden. Quelle: Radio Vatikan


8.12.2012 Bischof Ackermann sagt im dradio-Interview: “…dass also, wenn wir von Pädophilie sprechen, es ja nur um einen ganz geringen Prozentsatz geht derjenigen, die pädophil im engen Sinne sind, aber es gibt sozusagen ein breites Feld auch sexueller Übergriffe. … Aber die Studie zeigt ja im Vergleich zu der männlichen Allgemeinbevölkerung, dass das irgendwie im Spektrum des Normalen liegt. Auf der anderen Seite muss man natürlich sagen, ist das insofern auch beruhigend, aber wie gesagt mit Vorsicht gesagt, trotzdem, wenn man an die Diskussionen der letzten zwei Jahre denkt, dann hatte man ja da zwischendurch den Eindruck, dass gerade katholische Geistliche und Ordenspriester die Hochrisikogruppe in unserer Gesellschaft sind, und da zeigt die Studie ganz klar, dass dies nicht der Fall ist.”
Quelle: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/religionen/1944549/
Kommentar: Der Studie ist tatsächlich zu entnehmen, dass nur wenige Priester-Täter pädophil (12%, weitere 5% ephebophil) sind. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Gruppe der kath. Geistlichen und Ordenspriester vergleichsweise wenig an sexuellen Gewalttaten beteiligt ist. Für die Opfer ist es unerheblich, ob ein Täter pädophil ist oder eine “Ersatzhandlung” begeht, weil ihm geichaltrige Geschlechtspartner verboten sind. Ob der Anteil kath. Priester und Ordensleute an sexueller Gewalt höher liegt als dies im männl. Bevölkerungsdurchschnitt der Fall ist, könnte erst festgestellt werden, wenn es Zahlen über den Anteil übergriffiger Priester an der Gesamtzahl der Priester/Ordensleute gäbe und wenn diese Zahlen verglichen würden mit dem Anteil von Sexualstraftätern an der männlichen Bevölkerung. Die Zahlen der Priester-Täter wurden bislang von der Bischofskonferenz jedoch nicht veröffentlicht.
Wenn Einsamkeit oder eine Sinnkrise Gründe für Sexualverbrechen ist, spricht dies dafür, dass die strukturellen Gründe angeschaut und verändert werden müssten, z.B. der Zölibat; z.B. eine straffe Hierarchie; z.B. die Männergesellschaft … Davon ist keine Rede.
Zu fragen ist auch, wie unabhängig eine Studie sein kann, wenn die Gutachter schon zuvor Priester-Täter begutachtet haben, also ihre teilweise/überwiegend (?) eigenen Gutachten auswerten. Dies gilt für Prof. Leygraf, Prof. Kröber und Professor Pfäfflin.
Bislang war die Rede davon, dass Homosexuelle mehr als Heterosexuelle Kindern und Jugendlichen sexuelle Gewalt antun. In der nicht-repräsentativen (!) Untersuchung ist von 54% heterosexuellen und 37% homosexuellen Tätern die Rede. Bislang waren vom ehemaligen Chefankläger der Glaubenskongregation, Scicluna, Homosexuelle für die meisten Gewaltverbrechen verantwortlich gemacht worden.
Und das Argument, Priester-Täter in der Kirche zu belassen, weil sie damit der sozialen Kontrolle unterliegen würden, taugt ebenfalls nicht – bislang hat die soziale Kontrolle jedenfalls nicht funktioniert, wohl aber der Täterschutz.


8.12.2012 In Spanien wurden Jungen zwischen 11 und 16 Jahren aus einem Kinderschänderring befreit, darunter auch Jungen aus Deutschland. 28 mutmaßliche Täter des internationalen Rings wurden verhaftet, gegen 10 weitere wird ermittelt. Laut Polizei befinden sich darunter auch ein Religionslehrer, ein Ordensmann, zwei Briten, ein „älterer Sextourist“ und ein Organisator von kirchlichen Jugendlagern. Quelle: Tagesspiegel


8.12.2012 Anna Loll schildert den Fall des Priesters V. aus dem Bistum Trier. 1994 wurde er 28fachen sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Er blieb im Kirchendienst und wurde 1996 in eine ukrainische Gemeinde versetzt, wo er erneut Minderjährige missbrauchte. Inzwischen arbeitet er mit 72 Jahren in einem Altenheim und einer Klinik im Bistum Trier – inclusive Kontakt zu Kindern. Dem Spiegel liegen sieben weitere Fälle von verurteilten Priestern vor, die weiterhin in Bischof Ackermanns Bistum Dienst tun, bevorzugt im Altenheim oder in der Krankenhausseelsorge. Bischof Ackermann weiß nicht so recht, was er mit Priester-Tätern machen soll. Ein „Guantanamo für kirchliche Täter“ lehnt er ab. Quelle: annaloll.files.wordpress.com


7.12.2012 Im Bistum Würzburg hat es “in der letzten Zeit” fünf weitere Verdachtsfälle von sexualisierter Gewalt gegeben. Die Missbrauchsvorwürfe im Bistum Würzburg haben dem Missbrauchsbeauftragten Laubenthal zufolge also nicht aufgehört. Er sagt, er habe viele der Würzburger Beschuldigten als „sexuell sehr unreif“ empfunden. „Beunruhigend ist, dass sich die Täter zum Teil keiner Schuld bewusst sind oder versuchen, ihr Handeln zu rechtfertigen. Mindestens die Hälfte der Beschuldigten hat die Vorwürfe bestritten.“ Quelle: Mainpost


7.12.2012 Die Bischofskonferenz hat heute die Analyse forensischer Gutachten 2000 – 2010 über „Sexuelle Übergriffe durch katholische Geistliche in Deutschland” von Prof. Dr. Norbert Leygraf vorgestellt. Bischof Ackermann leitet die Pressekonferenz ein – u.a. mit der Bemerkung, es sei “allenfalls in Grundzügen untersucht, welche Präventionsstrategien sich bewähren, wie sich sexualisierte Gewalt im späteren Leben auswirkt und welche Therapien greifen, bei Tätern wie bei Betroffenen…” Zumindest könnte Bischof Ackermann die Auswirkungen sexualisierter Gewalt im späteren Leben kennen.
Weitere Quellen: dbk.de/
bistum-trier.de
spiegel.de/
fr-online.de/
sueddeutsche.de
Hier ist die ursprüngliche Projektbeschreibung nachzulesen. Ursprünglich war noch beabsichtigt,den kirchlichen Umgang mit den Beschuldigten zu erfassen. Davon war bislang nichts zu erfahren.
Kommentar: Im dradio.de/ wird deutlich kommentiert: “Doch leider zeigt die Studie, dass der Opferschutz innerhalb der katholischen Kirche nach wie vor klein, der Täterschutz groß geschrieben wird. So hatten die Gutachter in einem von zwei Fällen überhaupt keine Bedenken gegen die Weiterbeschäftigung des Täters in der Gemeinde. Weiter Jugendarbeit machen, ins Zeltlager fahren? Kein Problem. Ist der Priestermangel mittlerweile so groß, dass da ein Auge zugedrückt wird? Es wäre entsetzlich.” Hinter diesem Kommentar ist das Erschrecken über die Ergebnisse der Studie spürbar. Ergeben hat die Studie u.a., dass die Priester, die sich sexualisierter Gewalt schuldig gemacht haben, nur zu 17% pädophil bzw. ephebophil waren und die ganz überwiegende Anzahl der Täter ganz normale Männer seien. Und das sollen gute Nachrichten sein?
Noch immer fehlen halbwegs zuverlässige Informationen über die
Anzahl der kirchlichen Täter und ihrer Opfer. Das Forschungsprojekt kommt nicht voran, weil manche Bistümer nicht wie zugesagt den Wissenschaftlern Einsicht in ihre Personalakten gewähren. Noch immer wird die Frage nach strukturellen Ursachen nicht beantwortet, d.h. sie darf gar nicht gestellt werden.


7.12.2012 Der Jesuitenorden sieht keinen Anlass zu überprüfen, ob Pater Schneider als ehemaliger AKO-Rektor von den Missbrauchsfällen im AKO etwas wusste und nichts zum Schutz der Opfer unternommen hat. Quelle: unheiligemacht.wordpress.com/


6.12.2012 Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Rörig, kritisiert die Politik für mangelnde Umsetzung der Vorhaben des Runden Tisches Sexueller Missbrauch. In wesentlichen Punkten könne die Politik nichts vorweisen. Quelle: Domradio


6.12.2012 Das Bistum Trier verteidigt sich gegen den Vorwurf, sexuelle Gewalttaten vertuscht zu haben. Quelle: saarbrücker zeitung und sr und volksfreund


5.12.2012 Dass die Opfer sexueller Gewalt in Kindheit und Jugend heute auf Verständnis und Unterstützung treffen, ist auch möglich.Quelle: der Westen


3.12.2012 In Irland fordert die Vereinigung katholischer Priester (ACP), dass Geistlichen, die sexueller Gewalt beschuldigt werden, der Name des Klägers und die genauen Anschuldigungen bekannt gemacht werden müssten.  Nach Angaben der AFP hätten sich in den letzten beiden Jahren 12 Anschuldigungen als unbegründet erwiesen. Marie Collins, die im Februar im Vatikan auf dem Missbrauchskongress gesprochen hat, wies darauf hin, dass die Täter oft große Macht über ihre Opfer hätten und die Opfer damit abgeschreckt würden von einer Anzeige. Quelle: Radio Vatikan


3.12.2012 Der Verein “Priester ohne Amt” sagt, in Österreich, seien in fast allen Diözesen noch immer Priester im Amt, die wegen Kindesmissbrauch rechtskräftig verurteilt seien. Der Verein droht, die Namen zu veröffentlichen, wenn die Bischofskonferenz diese Priester nicht aus dem Amt entferne.
Quelle: www.nachrichten.at


2.12.2012 Bei einer bestimmten Veranlagung führt Traumatisierung in der Kindheit zu einer dauerhaften genetischen Veränderung. Quelle: mpg.de


2.12.2012 Sexueller Missbrauch ist im Sportumfeld noch immer ein Tabu. Quelle: zeit.de


1.12.2012 Der Deutschlandfunk zieht Bilanz: Was wurde in Bund, Ländern, Kirchen in Sachen Missbrauch erreicht? Vor einem Jahr beschloss der Runde Tisch “Sexueller Kindesmissbrauch” Hilfen für die Opfer. Die Versprechen wurden gebrochen. Einzig die katholische Kirche hat sich zu Geldzahlungen bereit erklärt – zu Bedingungen, die die Opfer noch einmal demütigen und zum Objekt machen.


28.11.2012  Eine Aufarbeitung der Missbrauchsfälle an der Odenwaldschule fand nicht statt. Betroffene sexualisierter Gewalt erfuhren stattdessen Widerstände und Hohn. Andreas Huckele alias Jürgen Dehmers sagt anlässlich der Verleihung des Geschwister-Scholl-Preises: “‘Brecht euer Schweigen’, wurde uns zugerufen, und damit haben die Betroffenen sexualisierter Gewalt wieder die Verantwortung für die Situation, in der sie sich befinden. Würden sie sich äußern, wäre alles anders, suggeriert dieses Statement. ‘Schafft einen Rahmen, in dem es möglich ist zu sprechen’, entgegne ich. Sobald die Diskriminierung der Betroffenen beendet ist, sobald die Verjährungsfristen abgeschafft sind, werden mehr von uns sprechen. Ohne Zweifel.” Quelle: FR


28.11.2012 Der Publizist Norbert Blaichinger schildert in seinem Buch „Nie wieder schweigen“ die Geschichte eines Jungen, der als Zehnjähriger in die Fänge von Pater B., damals Pfarrer in Zell am Moos, und seines Gefährten geriet – und rund 250-mal an Körper und Seele missbraucht wurde. Dutzende Male war der Pfarrhof in Zell am Moos Tatort. Quelle: nachrichten.at


27.11.2012 Im Interview sagt Christine Bergmann: “Die Opfer beklagen sehr, dass es bis heute kaum Dialoge gegeben hat zwischen ihnen und den Institutionen und auch den Tätern. Für ihre Verarbeitung aber ist das direkte Gespräch ungemein wichtig: Den Verantwortlichen persönlich gegenüber zu sitzen, so dass die hören, was der Missbrauch für das weitere Leben der Opfer bedeutet. Ohne diesen persönlichen Dialog bleiben die Auswirkungen des sexuellen Missbrauchs für die Verantwortlichen abstrakt. Aber da ist tatsächlich bis jetzt viel zu wenig passiert.” Quelle: wdr


23.11.2012 Der Vorwurf gegen einen Dekan, er habe einem Pfarrer-Kollegen Droh-Briefe geschickt, wurde vor Gericht fallen gelassen. Es kam mangels Tatnachweis nicht zur Anklage. Auslöser für die anonymen Briefe seien die Hinweise des Pfarrers auf sexuellen Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche gewesen. Quelle: Saarbrücker Zeitung


23.11.2012 Ein Lehrer einer Waldorfschule soll sich an zwei minderjährigen Schülern vergangen haben.Quelle: Süddeutsche


22.11.2012 In einem Buch ziehen Jesuiten eine vorläufige Bilanz der Missbrauchsfälle in Schulen und Internaten der Jesuiten. Das Buch stelle nicht die offizielle Sicht des Ordens dar. Die Vorgänge am Aloisius-Kolleg sind längst nicht aufgeklärt, sagten die Autoren. Matthias Katsch spricht von einem “pädophilen Himmelreich” auf dem AKO. Quelle: kathweb.at/ und ksta.de


22.11.2012 Das Bistum Hildesheim zieht eine erste Bilanz der Missbrauchsfälle: 59 bekannte Opfer, etwa 25 Priester-Täter. Quelle: bistum-hildesheim.org


22.11.2012 Ein heutiger Erzieher hat 2008 als Berufspraktikant in einem Jugendtreff, einer Ganztagesschule und in einer Mittagsbetreuung in Altötting vermutlich 4 Kinder zwischen 7 und 10 Jahre sexuell missbraucht. In weiteren, ebenfalls schwerwiegenden Missbrauchshandlungen wird der Erzieher verdächtigt. Zudem wurde kinderpornografisches Material bei ihm gefunden. Die Missbrauchstaten hat er weitgehend gestanden. Quelle: pnp.de


22.11.2012 Hier ist nachzulesen, dass die Berliner Charité – wie so viele Institutionen – Missbrauchsfälle nicht wahrnimmt, zu spät meldet, vertuscht (?) und die Öffentlichkeit nur widerwillig informiert. Quelle: fr-online und fr-online


22.11.2012 Norbert Lüdecke bringt die Diskussion in der katholischen Kirche auf den Punkt: Ausschlaggebend ist das Kirchenrecht. Und im Übrigen sind Frauen “Minderlaien”. Quelle: fnp.de


21.11.2012 Pater Bourgeois, USA, wurde in den Laienstand versetzt und aus dem Orden der Mary-Knoll-Missionare ausgeschlossen. 2008 nahm er an der Ordination einer Frau der Unitarian Universalist Church in Kentucky teil. Mit seiner Teilnahme wollte Bourgeois gegen „Diskriminierungen“ durch die Kirche protestieren. Damit zog er sich die automatische Exkommunikation zu. Bereits wenige Wochen später wurde sie ihm von der Glaubenskongregation mitgeteilt. Nun muss er auch seinen Orden verlassen. Bourgeois war seit langem in der Friedensbewegung aktiv. 2005 hatte er den Aachener Friedenspreis erhalten. Quelle: katholisches info

Kommentar: Merke: Der Einsatz für die Gerechtigkeit gegenüber Frauen ist verwerflicher als sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche. Der Vatikan reagiert überaus schnell, wenn ein Priester ihm gegenüber ungehorsam ist und überaus langsam, wenn ein Priester Kindern durch sexuelle Gewalt die Seele mordet. Es ist nicht abwegig zu vermuten, dass es um die Macht geht – die Macht einer Männerkirche über Frauen und Jugendliche und Kinder. Die Kirche Jesu Christi kann ich in diesem Verhalten nicht erkennen. Vermutlich liegt der Unterschied darin, ob mann die Welt aus der Perspektive eines prunksüchtigen und selbstverliebten Vatikans betrachtet oder aus der Perspektive der Armen in Bolivien bzw. aus der Perspektive Gewaltüberlebender in Deutschland. Wie schwer es männlichen Christen und Machthabern – auch denen an der Basis (!) – fällt, Frauen als gleichberechtigte Geschwister zu erkennen, zeigt die anglikanische Entscheidung, Frauen nicht als Bischöfinnen zuzulassen. Als wären sie minderwertig und nicht ebenfalls Geschöpfe Gottes (Gen 1,27)!


21.11.2012 Einem belgischen Ordenspriester wurden wegen sexuellen Missbrauchs die Bürgerrechte für 5 Jahre entzogen. Er erhielt außerdem eine 2-jährige Haftstrafe, zur Bewährung ausgesetzt. Er muss dem einen der acht Opfer 3500 Euro Entschädigung zahlen, dessen Missbrauch noch nicht verjährt ist. Quelle: ttcom


21.11.2012 Einem italienischen kath. Gefängnisgeistlichen wird mehrfacher sexueller Missbrauch ausländischer junger Gefangener, die in den letzten vier Jahren geschehen sein sollen, vorgeworfen. Quelle: kipa


16.11.2012 Die britische Polizei geht inzwischen von 450 Opfern des früheren BBC-Moderators und seines Umfeldes aus. Inzwischen wurde ein 4. mutmaßlicher Täter festgenommen: Der 67-jährige Lee Travis, ehemaliger Radio-DJ. Quelle: Tagesspiegel


16.11.2012 Opfer sexueller Gewalt in der evangelischen Landeskirche in Hannover können künftig Schmerzensgeld beantragen. Die Kirche habe eine unabhängige Kommission eingerichtet, die über Anträge auf Entschädigung entscheide, teilte die Kirche am Freitag in Hannover mit. 5000 bis 10.000 Euro ständen je nach Einzelfall zur Verfügung.Quelle: Abendblatt


16.11.2012 In Bad Honnef  fand eine Fortbildung zum Thema “opfergerechter Umgang mit Tätern” statt. Generalvikare, Personalverantwortliche, Missbrauchs- und Präventionsverantwortliche fragten nach einem verantwortlichen Umgang mit Sexualstraftätern aus dem kirchlichen Umfeld. Dabei seien verhaltens- und psychodynamische Perspektiven ebenso zu berücksichtigen wie die kirchlich-spirituelle Dimension eines Täters. Auch die Frage müsse beantwortet werden, wie mit Priestern zu verfahren sei, die zu sexuellen Missbrauchstätern geworden sind. Quelle: bistum trier
Kommentar: Das Nachdenken und die Beratung durch Fachkundige darüber, wie verantwortlich mit kirchlichen Tätern umzugehen ist – auch unter der Perspektive, künftige Opfer zu vermeiden – ist uneingeschränkt zu befürworten. Erfreulich auch, dass neben psychologischen und juristischen Gesichtspunkten spirituelle Fragen im Täterkontext in den Blick geraten. Jetzt bleibt zu wünschen, dass auch spirituelle Fragen anderer christlicher Täter in den Blick geraten, denn in den christlichen Gemeinden gibt es ja zweifelsohne auch Täter, die nicht am Altar und im Kirchendienst stehen – sonst wäre nicht jeder 8. in Deutschland Missbrauchsopfer. Und vor allem: Es gibt Opfer – im kirchlichen Kontext ebenso wie im familiären oder sonstigen Nahbereich -, die ebenfalls bedrängende spirituelle Bedürfnisse haben (sonst gäbe es diese Internetseite und die zugehörige Mailingliste nicht!). Die sind noch gar nicht im Blick – obwohl Kirche ja für sich in Anspruch nimmt, sich bevorzugt um die Opfer zu sorgen.


15.11.2012 Der Psychotherapeut und Theologe Dr. Wunibald Müller sagte im Dekanat Maifeld-Untermosel zum Thema „Aus dem Dunkel ans Licht: Sexueller Missbrauch in der Kirche – Fakten, Konsequenzen, Perspektiven“ u.a., es sei ein „Segen, dass die Opfer endlich gehört werden“. Der im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen verwendete Begriff „Seelenmord“ treffe bei Opfern von Priester-Tätern besonders zu. „Die Beziehung zu Gott verdunkelt sich dadurch“ oder werde ganz zerstört. Quelle: bistum-trier.de


15.11.2012 Klaus Mertes, SJ, der den Opfern des Canisius-Kollegs geholfen hat, die sexuelle Gewalt innerhalb der kath. Kirche öffentlich zu machen, berichtet, dass er geschnitten wird von seiner Kirche. Bis heute hat niemand aus der Kirchenhierarchie den Dialog mit ihm gesucht. So lud ihn seine Diözese beim Papstbesuch vorigen Herbst zur offiziellen Begegnung mit Kirchenleuten im Freiburger Konzerthaus gar nicht erst ein. Ihm geschieht auch, dass ein örtlicher Pfarrer ihn nach einer Intervention der Bistumsleitung wieder ausladen muss oder dass die Bischofskonferenz ihn als geistlichen Beirat eines Verbandes ablehnt. Als Mertes den Bürgerpreis der SPD in Berlin erhielt, war niemand vom Erzbistum Berlin da. Zum Auftakt des Dialogprozesses in Mannheim war er nicht eingeladen.  Auch zur Internationalen Konferenz über sexuellen Missbrauch von Minderjährigen in der katholischen Kirche letztes Jahr in Rom war Mertes nicht geladen. Er sagt: “Emotional am anstrengendsten sind die Berichte der Opfer. Zu hören, was Vertrauensmissbrauch bei Menschen anrichtet – im Vergleich dazu ist das gegenwärtige Imageproblem der Kirche ein Witz.” Er hat Recht. Quelle: Zeit


13.11.2012 Ein anglikanischer früherer Bischof und ein anglikan. Priester sind wegen des Verdachts, 8 bzw. 2 Kinder missbraucht zu haben, verhaftet worden. Quelle: kleine zeitung.at


12.11.2012 In Australien wird eine königliche Kommission das Ausmaß sexuellen Missbrauchs in kirchlichen, staatlichen und privaten Institutionen untersuchen. Anlass für die Einberufung der Kommission waren neue Vorwürfe über die Vertuschung von Missbrauchsfällen durch die katholische Kirche und die Polizei. Quelle: kathweb


12.11.2012 Für die Berichterstattung des Canisius-Skandals bekam die Berliner Morgenpost den Wächterpreis der Tagespresse 2011. Betroffene ziehen bittere Bilanzen. Einer sagt, passiert sei nichts: Das war doch eine einzige PR-Nummer.” Die Morgenpost schreibt, die genaue Zahl der Täter sei der Bischofskonferenz nicht bekannt. Quelle: Morgenpost
Kommentar: Durch die Presse gingen immerhin ca 1179 Priester, die als Missbrauchstäter benannt wurden.


10.11.2012 Der Untersuchungsausschuss der Katholischen Kirche in Island hat in seinem Bericht festgestellt, dass sämtliche Bischöfe, die seit dem Jahr 1968 im Amt gewesen waren, an ihren Schülern versagt und ihre Pflichten vernachlässigt haben. Quelle: icelandreview.com und icelandreview


9.11.2012 Im Bistum Erfurt wurde ein aus dem Bistum Fulda stammender Priester wegen Missbrauch an einem Mädchen verurteilt. Zuvor war eine Anklage eines Jugendgefängnisinsassen gegen den Priester fallen gelassen worden. Und noch zuvor hatte dieser Priester im Bistum Fulda 2 Kinder missbraucht. Die Erfurter Gemeinde, das Jugendgefängnis und sein Dienstvorgesetzter erfuhren 2003 nichts von der Fuldaer Vorstrafe. Quelle: tlz.de


6.11.2012 Ein Radiomoderator muss wegen Kindesmissbrauch ins Gefängnis.Quelle: Yahoo


6.11.2012 In Island kam es in einem katholischen Kinderheim zu sexueller Gewalt. Täter waren der Direktor und eine deutsche Lehrerin. Die Gewaltherrschaft dauerte von 1956 bis 1988, ohne dass der Bischof einschritt. Quelle: ORF


4.11.2012 Der britische Premierminister hat eine Untersuchung von Missbrauchsvorwürfen angeordnet. In Wrexham, Nordwales, sollen in einem Kinderheim Kinder von mehreren Männern sexuell misshandelt worden sein. Polizeiliche Ermittlungen von 1996 bis 2000 sollen nur einen Bruchteil aufgedeckt haben. Durch die Aufdeckung des vielfachen Missbrauchs durch Jimmy Savile, BBC, scheint in Großbritannien denkbar geworden zu sein, dass es auch andernorts zu gehäuftem Kindesmissbrauch gekommen sein kann. Quelle: Spiegel


4.11.2012 Tanjev Schultz schreibt im Blick auf die NSU-Morde und den Umgang der Behörden mit ihnen Klartext. Eine Untersuchung der Uni Bielefeld hat gezeigt, dass es auch in den Kirchen rechtsradikales Denken gibt:
haben Kirchenmitglieder nicht weniger Vorurteile gegenüber Minderheiten als die übrige Bevölkerung. Der Aussage “Es leben zu viele Ausländer in Deutschland” stimmten im Sommer 2011 46,4 Prozent der Konfessionslosen, 51,2 Prozent der Katholiken und 45 Prozent der Protestanten zu.Quelle: http://www.domradio.de/aktuell/84751/nicht-weniger-vorurteile.html


3.11.2012 Georg Bier, katholischer Kirchenrechtler, kommt im Blick auf die Position der katholischen Kirche, die den Austritt aus der Kirchensteuergemeinschaft vor den staatlichen Behörden mit der Exkommunikation bedroht, zu folgendem Fazit: “Dem Ansehen und der Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche haben die deutschen Bischöfe keinen guten Dienst erwiesen. Ihr Dekret lässt auch nicht erkennen, dass sie darauf mehr Wert gelegt hätten als auf den Schutz der Kirchenfinanzen.” Quelle: Herderkorrespondenz


3.11.2012 Der Jesuit Zollner berichtet von der Bilanz einer internationalen Konferenz in Freising, die sich mit sexueller Gewalt befasste. Er erzählt von weltweiten Fortschritten der katholischen Kirche in der Prävention. Er vergisst – wie der Kongress auch, soweit Nachrichten an die Presse gelangen – die Menschen, für die jede Prävention zu spät kommt. Er übersieht, dass es innerkirchlich Opfer gibt, die zwar mit einer – sie und die Kirche beschämenden – “Entschädigungszahlung” abgespeist wurden, damit aber nicht am Ende ihrer “Aufarbeitung” sind. Er übersieht – trotz des allgegenwärtigen Hinweises auf die vielen Gewaltopfer in allen gesellschaftlichen Bereichen -, dass der genuin kirchliche Beitrag zur Begleitung Traumatisierter aussteht und noch kaum überhaupt wahrgenommen wird: Seelsorge mit Traumatisierten. Quelle: Domradio


1.11.2012 Das Aloisiuskolleg will die bisherige Aufklärung der Missbrauchsfälle fortsetzen, sagt Rektor Pater Johannes Siebner und fügt hinzu: “Alle noch so guten Präventionskonzepte taugen nicht, wenn nicht die Aufklärung und die Anerkennung des Gewesenen und noch immer Wirkmächtigen wesentlicher Bestandteil unseres Tuns ist.” Quelle: epd


31.10.2012 Der neue Missbrauchsbeauftragte der Hiltruper Missionare, Dr. Lehmann, sagt in schöner Offenheit: “Ich sehe es als meine Bürgerpflicht an, den Orden in dieser schwierigen Situation zu unterstützen.” Von einer Unterstützung der Opfer spricht er nicht. Der bisherige Mediator, Professor Haupert, kann beim Orden der Hiltruper Missionare nicht erkennen, dass sie an einer Einigung mit den Opfern interessiert sind. Eine wirkliche Bereitschaft, auf die Opfer zuzugehen, könne er nicht sehen. Quelle: Initiative Ehemaliger Johanneum
höre auch Kommentar des SR
Wer übrigens die Mailadresse des neuen Missbrauchsbeauftragten anklickt, kommt auf kürzestem Weg … zum Kontaktformular der Hiltruper Missionare.


30.10.2012 Rezension “In bester Tradition der Wahrheits-Sagerin” des Buches von Carola Moosbach: Bereitet die Wege. Poetische Kommentare zu Bachs geistlichen Kantaten. Strube Verlag.  


30.9.2012 Dierk Schäfer über “Opfer ohne Chance – Über Roma, die nach Deutschland fliehen”


29.12.2012 In Burgau, Landkreis Günzburg, wurde ein evangelischer Pfarrer wegen des Verdachts sexueller Kontakte zu einer Minderjährigen suspendiert. Quelle: Passauer Neue Presse


27.10.2012 Der Jesuit Hagenkord bespricht den Tagungsband zum Missbrauchs-Kongress in Rom. Er schreibt u.a.: ” Be­acht­lich ist auch die Re­fle­xi­on des mitt­ler­wei­le zum Bi­schof er­nann­ten ehe­ma­li­gen Chef­an­walts der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on, Charles Sci­clu­na. Die Ge­rech­tig­keit habe mit der Wahr­heit zu tun, pas­to­ra­le Er­wä­gun­gen dürf­ten des­we­gen einer Auf­klä­rung nicht im Wege ste­hen. Die von ihm er­läu­ter­ten Ver­fah­ren wür­den des­we­gen den Ver­su­chun­gen ent­ge­gen­tre­ten, die ein „fal­sche Auf­fas­sung von Mit­ge­fühl“ ent­ste­hen lasse.” Quelle: Münchner Kirchenradio
Kommentar: Man beachte, dass die “pastoralen Erwägungen” den Blick auf die Priester-Täter richten, nicht auf die Opfer.

Das Buch versammelt die Beiträge, die bei diesem Symposium gehalten wurden, beginnend mit dem Beitrag von zwei Opfern von Missbrauch und dem Grußwort des Papstes, der von der „tief greifenden Erneuerung der Kirche auf allen Ebenen“ spricht. Kardinal Reinhard Marx fügt seine Gedanken zur Führungsverantwortung der Bischöfe hinzu, es geht ferner um den Umgang mit schuldig gewordenen Priestern und um die Aufnahmekriterien vor einer Zulassung zum Dienst in der Kirche. Beachtlich ist auch die Reflexion des mittlerweile zum Bischof ernannten ehemaligen Chefanwalts der Glaubenskongregation, Charles Scicluna. Die Gerechtigkeit habe mit der Wahrheit zu tun, pastorale Erwägungen dürften deswegen einer Aufklärung nicht im Wege stehen. Die von ihm erläuterten Verfahren würden deswegen den Versuchungen entgegentreten, die ein „falsche Auffassung von Mitgefühl“ entstehen lasse. Wenn es um die verletzten Rechte Dritter gehe, könnte nur das Einhalten der Verfahren dafür sorgen, dass wirklich Gerechtigkeit und Wahrheit zusammenfallen. Er analysiert die „Instrumentalisierung der Gerechtigkeit“, die in der Vergangenheit zu Misstrauen in der Kirche und der Leitung der Kirche gegenüber geführt habe.


26.10.2012 Der ehemalige Mediator für Opfer von Hiltruper Missionaren, Prof. Bernd Haupert, glaubt, dass es eine „genaue Aufklärung wohl nicht mehr geben wird“. Auf die Frage, warum, schreibt er: „Fragen Sie den Provinzial des Ordens, Dr. Kleer! Denn ich glaube, hier besteht wenig Interesse, vor allem, weil die Angelegenheiten aus Sicht des Ordens ‚verjährt‘ sind“. Quelle: muensterlandzeitung.de


25.10.2012 In Belgien wurden 403 Entschädigungsanträge wegen sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Bereich gestellt – zu ca 80 Prozent von Männern. Der Großteil der Opfer sei zwischen 1940 und 1970 geboren; etwa 5 Prozent sind über 80 Jahre alt. Quelle: kath.web


25.10.2012 Ein Mönch, Deutscher, aus dem Kloster Melk ist des sexuellen Missbrauchs angezeigt worden. Er widerspricht den Vorwürfen. Er wurde – als “routinemäßige Vorsichtsmaßnahme” – nach Deutschland versetzt und soll dort therapiert werden. Die österreichische Pfarrer-Initiative wird von der Plattform „Betroffener kirchlicher Gewalt“ mit dem Vorwurf konfrontiert, in ihren Reihen Missbrauchstäter zu haben.Quelle: krone.at


25.10.2012 Im Fall Jimmy Savile werden nun auch Missbrauchsvorwürfe gegen drei Ärzte erhoben. Die Polizei spricht inzw. von bis zu 300 Opfern. Von den Tätern und dem Schaden für die BBC ist die Rede – die Opfer verschwinden im Hintergrund. Quelle: Spiegel


24.10.2012 Opfer von Frauenhandel – sprachlos, hilflos, rechtlos? Zu einer Fachtagung anläßlich des 5. Europäischen Tags gegen Menschenhandel. Dass es Frauen- und Mädchenhandel mitten in Deutschland gibt, berichtet eine Nachricht vom gleichen Tag.


24.10.2012  Fast 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde heute in Berlin ein Mahnmal für die in der NS-Zeit ermordeten Sinti und Roma eingeweiht. “Die toten Sinti und Roma haben nun ihr Denkmal. Die lebenden werden auch in Deutschland kaserniert und abgeschoben. Während die Bundeskanzlerin der bis zu 500.000 Ermordeten gedenkt, überlegt der Bundesinnenminister, wie man sich die Enkel und Urenkel vom Leib hält.” So kommentiert – ganz zu Recht – Heribert Prantl in der Süddeutschen die heutige Realität der Sinti und Roma in Deutschland. Zoni Weisz hat am 27.1.2011 im Bundestag viel Nötiges dazu gesagt, ebenso wie Romani Rose sich seit Jahrzehnten zu Wort meldet.


24.10.2012 Gegen 9 weitere Mitarbeiter der BBC wird derzeit – im Gefolge der Vorwürfe gegen Savile, der bis zu 200 junge Mädchen missbraucht haben soll – wegen Kindesmissbrauch ermittelt. Karen Ward, eines der Opfer, hatte in dem nicht-ausgestrahlten BBC-Film formuliert: “Mein ganzes Leben habe ich damit zugebracht, dass mir nicht zugehört wurde.” Quelle: Spiegel


20.10.2012 Australische Kinderschutzexperten berichten, dass in der kath. Kirche der Diözese Raleigh Australiens sechsmal so viel Missbrauch geschehe als im Rest aller anderen Kirchen zusammen – und das sei eine vorsichtige Schätzung. Seit 1956 habe es 2110 Straftaten gegen 519 Opfer gegeben und keine einzige sei angezeigt worden, berichtete der Police Deputy Commissioner von Victoria, Graham Ashton. Erzbischof Denis Hart hingegen betonte, dass die Kirche in den vergangenen 16 Jahren offen und ehrlich mit der Polizei zusammengearbeitet habe. Professor Parkinson, unter dessen Vorsitz die Kinderschutzgesetze in New South Wales überprüft wurden, hat im Zuge der Erfahrung von Vertuschung seines unabhängigen Berichtes über die Salesianer Don Boscos mit der Kirche gebrochen. Den Bischof Moloney bezeichnete Parkinson als Mittelpunkt aller Unwahrheiten. Quelle: Sydney Morning Herald


19.10.2012 Über 1.200 Jugendbetreuer der US-Pfadfinderorganisation Boy Scouts sollen Kinder und Jugendliche belästigt und sexuell missbraucht haben. Das geht aus tausenden vertraulichen Akten hervor, die die Organisation per richterlicher Anweisung herausgeben musste. Es handelt sich um Fälle zwischen 1965 und 1985. Zum Schutz der Opfer hatten die Pfadfinder viele Fälle nicht angezeigt. Inzwischen sind sie aber die sicherste Organisation, die es für Kinder gibt. Bislang hat die kath. Kirche diese Selbstbeschreibung für sich in Anspruch genommen. Quelle: krone.at


18.10.2012 In Belgien sind Polizeiprotokolle von Ermittlungen in kirchlichen Pädophilie-Fällen verschwunden. Die Anklagekammer in Brüssel hat daher die Behandlung des Falls bis zum 20.11. verschoben. Der Inhalt der Polizeiprotokolle liegt als Kopie weiterhin vor. Quelle: kipa


15.10.2012 Im Johanneum in Homburg gab es nicht 14, sondern 18 Opfer. Quelle: Rheinpfalz


15.10.2012 In einem Freiburger Kindergarten filmte ein Mann Kindergartenkinder mit versteckter Kamera und berührte die Kinder im Intimbereich. Der Täter war zunächst als Aushilfe, später als sog. Bürgerarbeiter im Kindergarten beschäftigt. Quelle: welt.de


13.10.2012 Im Bistum Trier wurde seit 2010 gegen 17 Priester wegen Missbrauchsverdacht ermittelt, 6 Verfahren laufen noch. Quelle: Pfälzischer Merkur


13.10.2012 Gegen Jimmy Savile wird auch der Vorwurf erhoben, er habe gelähmte und geistig behinderte Mädchen vergewaltigt. Patientinnen aus Krankenhäusern, für die Savile Gelder sammelte, berichten ebenfalls von Vergewaltigungen. Ein ehemaliger BBC-Regisseur erzählt, er habe Vorgesetzte auf die Vorgänge aufmerksam gemacht, doch habe das einfach niemand hören wollen. 2011 hat die BBC einen Beitrag, in dem mehrere Frauen angaben, als Teenager von Savile missbraucht worden zu sein, ‘aus redaktionellen Gründen’ aus dem Programm genommen. Quelle: Süddeutsche
Kommentar: Offensichtlich können Opfer erst dann sprechen, wenn der Täter und/oder die Institution, die ihn schützte, alt und schwach geworden sind bzw. gestorben sind.


12.10.2012 Jimmy Savile, ein bekannter Moderator der BBC, soll ab 1959 4 Jahrzehnte lang ein rücksichtsloser Sexualtäter gewesen sein. Erst jetzt, nach seinem Tod, sprechen die Opfer. Die Polizei geht von 20-25 Opfern zwischen 13 und 16 Jahren aus. Inzwischen ist auch von Opfern die Rede, die im Kinderheim oder in Kliniken waren, als sie Opfer von Savile wurden. Die BBC spricht davon, dass das Verhalten Saviles ein offenes Geheimnis gewesen sei. Die Vermutung liegt nahe, dass das Unternehmen seinen guten Ruf nicht gefährden wollte. Savile wurde 1990 wegen seiner vielen wohltätigen Werke zum Ritter geschlagen und erhielt im gleichen Jahr den vom Papst verliehenen Ritterorden des heiligen Gregor des Großen.
Quelle: yahoo-nachrichten und Süddeutsche


11.10.2012 Der bisherige Ansprechpartner für Opfer von Hiltruper Missionaren, die nicht mit dem Orden reden wollen, Bernd Haupert, gibt auf. Ihm wurde vom Anwalt eines beschuldigten Paters mit juristischen Schritten gedroht. Die Opferinitiative “Initiative Ehemaliger Johanneum Homburg” spricht davon, dass es beim Orden “keine Spur von Verantwortung oder Wiedergutmachung” gebe. Weder das Bistum Speyer noch die Hiltruper Missionare waren für eine Stellungnahme zu erreichen, die die “Rheinpfalz” angefragt hatte. Quelle: Rheinpfalz
Kommentar : Opfer, die sexuelle Gewalt innerhalb der Kirche anzeigen, müssen mit Anzeigen rechnen. Das ist bekannt. Dass auch gegen Mediatoren juristisch vorgegangen wird, ist neu. Matthias Katsch formulierte es Anfang 2012 mal so: “Bei Betroffenen von sexueller Gewalt im Bereich von Institutionen wie der katholischen Kirche kommt zum eigentlichen Verbrechen [die] zweite Tat durch die Institution hinzu. Diese hat in der Vergangenheit gar nicht oder nicht adäquat auf Rückmeldungen von Opfern reagiert. Dieses zweiten Verbrechens werden sich die nun erwachsenen Opfer aber erst im Zuge der Aufdeckung und des Sprechens über den Missbrauch bewusst. …Die Opfer wurden alleine gelassen.“ Diese Entwicklung ist desaströs – für die Opfer – und für die Glaubwürdigkeit der Kirche. Die Glaubwürdigkeit der kath. Kirche kann dann auch nicht durch Events wie Papstbesuch, Weltjugendtage, Jahr des Glaubens, … wiederhergestellt werden. Sie wird daran gemessen, wie die Kirche mit den Opfern der eigenen Pastoral umgeht.   


11.10.2012 Der Altabt von Mehrerau räumt Fehler im Umgang mit Missbrauchsvorwürfen gegen einen Pater ein. Der Altabt wusste bereits 1967 von Missbrauchsvorwürfen gegen den Pater und den polizeilichen Ermittlungen, nicht jedoch von der Verurteilung. Davon habe er erst 2004 erfahren. In den 1980er Jahren wandten sich die Eltern des heutigen Klägers an den Abt mit der Aussage, er sei von dem Pater missbraucht worden. Daraufhin erst wurde der Pater aus dem Schuldienst entfernt, als Priester suspendiert und – versetzt. Ein Gespräch zwischen dem Abt und dem Täter fand nicht statt.
Quelle: kath.web


9.10.2012 Der chilenische Bischof von Iquique, Marco Antonio Ordenes Fernandez, hat seinen Rücktritt eigereicht. Ihm wird sexueller Missbrauch vorgeworfen. Er spricht von einer “unvorsichtigen Handlung”. Quellen: kipa  ndtv.com


8.10.2012 Bekannt wurden 800 Fälle sexueller Gewalt in niederländischen Kinderheimen und Pflegefamilien; 42 führten zu Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft. Heimkinder würden mehr als doppelt so häufig missbraucht wie andere Kinder. Bei Kindern mit einer geistigen Behinderung sei das Risiko dreimal so hoch, heißt es. Quelle: tt.com


8.10.2012 In den Niederlanden wirft ein sozialistischer Abgeordneter, der Mitglied des für die sexuelle Gewalt zuständigen Parlamentsausschusses ist, den Kirchen vor, sie mache die Opfer mundtot und die Kirche käme weiterhin ihren Verpflichtungen nicht nach. Begründung: Die Kirche schließt Vereinbarungen mit den Opfern, in denen die Opfer verpflichtet werden, keine weiteren Schritte gegen jegliche Instanzen der kath. Kirche zu unternehmen. Ein Sprecher der Bischofskonferenz wies die Vorwürfe zurück.
Quelle: brf online 


8.10.2012 Opfervertreter beklagen eine stockende Aufklärung des Missbrauchsskandals an der südhessischen Odenwaldschule. Quelle: dradio


5.10.2013 Erzbischof Müller, Präfekt der römischen Glaubenskongregation, sagt, der Kirche geschehe schweres Unrecht, wenn behauptet werde, die sexuelle Gewalt liege im “System Kirche”. Aus theologischen Erwägungen könne sich die Kirche nicht zur Täterin erklären und die Täter dadurch entlasten. Quelle: kipa
Kommentar: Bei dieser Sicht erübrigt sich ja jegliches Nachdenken über Strukturen in der kath. Kirche. Thema ist dann auch nicht, dass Bischöfe und Personalchefs Täter versetzten, Opfer im Stich ließen und weitere Opfer im Kauf nahmen.  


4.10.2012 Die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der Odenwaldschule gestaltet sich schleppend. Der Opferverband Glasbrechen spricht von einer “grundsätzlich opferverachtenden Haltung”. Quelle: Süddeutsche


3.10.2012 Die Chilenische Bischofskonferenz hat Untersuchungen gegen den Bischof von Iquique (47) wegen sexuellen Missbrauchs in mehreren Fällen eingeleitet. Der Vatikan untersucht seit April 2012. Quelle: kath.web