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Presse

4. Quartal 2010


31.12.2010 Martin Bormann, Sohn des Reichsleiters von Hitler, wird des sexuellen Missbrauchs beschuldigt. In den 60er Jahren soll er einen heute 63-Jährigen im Gymnasium der Herz-Jesu-Missionare in Salzburg-Liefering missbraucht haben. Das mutmaßliche Opfer wandte sich an die unabhängige Plattform von Betroffenen kirchlicher Gewalt. Bormann war damals Geistlicher, bevor er heiratete. Bekannt wurde er u.a. durch seine Teilnahme an Gesprächen, die Dan Bar On, ein israelischer Psychoanalytiker, begleitete. Diese Gespräche zwischen NS-Täter-Kindern und NS-Opfer-Kindern dienten der Versöhnung. Quellen: ots.at  ORF


30.12.2010 So unterschiedlich sind die Einschätzungen: Die FR spricht davon, dass die kath. Kirche bei den Missbrauchsfällen versagt habe und Rom zu spät und zu lau auf die Skandale reagierte. Erzbischof Zollitsch hingegen lobte die Aufklärung und Aufarbeitung der Fälle. Er sei überzeugt,  dass die kath. Kirche sich der enormen Herausforderung gut gestellt habe, sagte er. Daneben sei es wichtig, nach vorne zu schauen, um dafür zu sorgen, dass es künftig möglichst nie mehr zu Missbrauch komme. Darüber hinaus beabsichtigt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz eine weitere Entschuldigung bei den Opfern für die Missbrauchsfälle.

Kommentar: Es wäre vielleicht hilfreicher, die Opfer selbst zu fragen, ob die Aufklärung und Aufarbeitung der Fälle bei ihnen “angekommen” sind. Das können vermutlich nur sie wirklich beurteilen und ich vermute, dass das so entstehende Bild sehr Unterschiedliches ergeben würde. Die einen sind – nach meiner Wahrnehmung – zufrieden mit der Aufarbeitung, andere hingegen erleben, dass nach wie vor vertuscht wird, Opfer über den Tisch gezogen oder abgewimmelt werden oder zwischen den unterschiedlichen Zuständigkeiten zerrieben werden.
Das Vorhaben der Bischofskonferenz, bei der Frühjahrsvollversammlung erneut um Vergebung zu bitten, legt den Verdacht nahe, dass die bisherigen Bitten um Vergebung nicht wirksam waren. Ob eine weitere Bitte die Wirksamkeit erhöht, bleibt abzuwarten. Ich vermute, dass die bisherige Unwirksamkeit der Bitte, die jetzt eine Wiederholung erforderlich macht, am falschen Adressaten liegt. Vielleicht müsste die Vergebungsbitte zuerst an die Opfer gerichtet werden, nicht an Fernsehkameras.


29.12.2010 Kurt Remele, Ethikprofessor in Graz, formuliert: “Mit Sorge beobachte ich, dass eine wachsenden Zahl von angehenden und amtierenden Klerikern, aber auch von katholischen Laien, die Missbrauchsthematik allmählich leid ist. Manche von ihnen geben sich dem Wunschdenken hin, dass päpstliches Bedauern und bischöfliche Richtlinien das Problem bald aus der Welt oder zumindest aus der Kirche schaffen würden.” Zum Thema Vergebung führt Kurt Remele aus: ” „Kultur des Verzeihens“? Der von den katholischen Bischöfen der Vereinigten Staaten in Auftrag gegebene Bericht des John Jay College of Criminal Justice aus dem Jahre 2004 erkannte in der „unangebrachten Bereitschaft zu vergeben“ einen der Hauptgründe dafür, dass katholische Geistliche ihren sexuellen Neigungen ungehindert nachgehen konnten. Diese Tatsache und der Respekt vor den Opfern klerikaler Gewalt verbieten jeden theologisch und psychologisch naiven Umgang mit dem Begriff der Verzeihung. Auch einem Brandstifter gegenüber sind Verzeihung und Mitgefühl gefordert. Aber bedeutet dies, dass ich ethisch richtig handle, wenn ich ihn mit einer Streichholzschachtel in der Hand in den Wald zurückschicke? Die Gnade des Evangeliums ist keine „billige Schleuderware“ (Dietrich Bonhoeffer)” Quelle: Die Presse


29.12.2010 In Belgien wurde die Kandidatur für einen Friedensnobelpreis für einen kath. Priester zurückgezogen. Ihm wird vorgeworfen, einen Jungen vor 40 Jahren sexuell belästigt bzw. vergewaltigt zu haben. Quelle: Spiegel


29.12.2010 Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen einen katholischen Pfarrer aus dem Bistum Mainz eingestellt, weil die Verbrechen verjährt sind. Quelle: Lauterbacher Anzeiger


28.12.2010 Erzbischof Zollitsch ist überzeugt, dass „wir“ uns der enormen Herausforderung der Aufklärung und Aufarbeitung der Missbrauchsfälle gut gestellt haben. Die katholische Kirche sei deutlich weiter als viele andere gesellschaftliche Gruppen. Quelle: rp-online


28.12.2010 Scheußliche Erinnerungen: Erst hat der Vater sexuellen Kontakt zum Seelsorger, dann lädt dieser
auch den elfjährigen Michael L. zu sich ein. Das Protokoll eines
Missbrauchs. Quelle: welt


26.12.2010 Der für die Hotline für Missbrauchsopfer verantwortliche Leiter der Lebensberatung Trier, Dr. Andreas Zimmer, macht darauf aufmerksam, dass ein Drittel der gemeldeten Delikte außerhalb der Kirche begangen wurden. Diese Menschen hätten angerufen, “weil sie von ihrer Kirche endlich eine Hilfe angeboten sahen…..Nicht nur Täter waren vielfach Mitglieder der Kirche, sondern auch gerade die Opfer waren und sind es.“ Quelle: faz


26.12.2010 Wie Hartmut von Hentig sich der Aufklärung widersetzte, ist in der Zeit nachzulesen. Quelle: Zeit


26.12.2010 Erzbischof Zollitsch erklärt, die Kirche habe zu spät auf die Missbrauchsfälle reagiert. Quelle: focus


25.12.2010 Matthias Drobinski interviewt Erzbischof Zollitsch. Zollitsch ist erschüttert über das Ausmaß sexualisierter Gewalt in der Kirche und in der Gesellschaft. „Wir“, sagte Zollitsch, wussten, dass es auch in der Kirche Gewalt gegen Kinder gibt. Aber das Ausmaß habe ihn erschüttert, ebenso das Ausmaß sexualisierter Gewalt insgesamt in der Gesellschaft. Quelle: Süddeutsche

Kommentar: Als langjähriger Personalchef und Bischof müsste ihm einiges an sexualisierter Gewalt von Priestern gegen Minderjährige längst bekannt sein.


23.12.2010 Joachim Frank bringt auf den Punkt, was Gewaltüberlebende alljährlich an Weihnachten fühlen: Dass sie die Idylle stören. Er schreibt: “Schwere Zeiten für Weihnachtsprediger: Zwei ihrer zentralen Begriffe – Kind und Krippe – sind kontaminiert, das Gift des sexuellen Missbrauchs vergällt die geistliche Rhetorik an Heiligabend. Wer kann in diesem Jahr vom Gotteskind hören, ohne an das zu denken, was Priester und Ordensleute Menschenkindern angetan haben? Viele Pfarrer und Bischöfe werden sich trotzdem scheuen, darüber erneut zu sprechen. Sie werden sich auf die Bedürfnisse gerade jener Gläubigen berufen, die sonst selten oder gar nicht zur Kirche kommen. Für sie sind „Stille Nacht“ und die Geschichte vom Stall zu Bethlehem Teil eines Rituals, Ausdruck einer tiefen Sehnsucht nach Geborgenheit und Harmonie. Der Missklang des Missbrauchs-Skandals steht hierzu im denkbar schrillsten Kontrast. Er stört das weihnachtliche Idyll.” Quelle: FR


22.12.2010 Der Vorsitzende der belgischen Bischofskonferenz wurde angehört. Das Grenzecho berichtet: Die Kirche tritt traditionell großzügig und solidarisch auf, für die Dritte Welt, bei Naturkatastrophen und bei Epidemien. Die Kirche ist stets um Solidarität bemüht, auch wenn sie nicht direkt verantwortlich ist. Doch muss eine Einrichtung auch finanziell verantwortlich gemacht werden für Taten, die durch ihre Mitglieder begangen wurden«, fragte sich der Erzbischof. „An erster Stelle ist es doch wohl der Täter selbst, der das Opfer entschädigen muss. Ich bin nicht angetan von der Idee, dass eine Einrichtung wie die Kirche die Opfer (von pädophilen Priestern) automatisch entschädigen muss, vor allem, wenn die Taten weit zurückliegen.” Quelle: grenzecho


22.12.2010 Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Glück, beobachtet als Folge der Debatte um Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche bei vielen Gläubigen Resignation. In den Gemeinden sei Frustration leider schon weit verbreitet. Quelle: Domradio


22.12.2010 Der frühere belgische Erzbischof Daneels wurde 4 Stunden lang befragt. Den Vorwurf der Vertuschung wies er zurück, Fehler  im Umgang mit Missbrauchstätern – In Belgien ist von 500 Täter-Priestern die Rede – räumte er ein.  Quelle: Radio Vatikan


22.12.2010 Der Papst ist über die Missbrauchsfälle erschüttert: „Wir müssen uns fragen, was wir tun können, um das geschehene Unrecht so weit wie möglich wieder gutzumachen“, forderte Benedikt. „Wir müssen eine neue Entschlossenheit im Glauben und Guten finden. Wir müssen zur Buße fähig sein. Wir müssen uns anstrengen, alles nur mögliche zu tun in der Vorbereitung auf das Priestertum, damit eine solche Sache nicht mehr passieren kann“, sagte Papst Benedikt. Quelle: focus


20.12.2010 Angesichts des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen durch Priester rief Benedikt XVI. zu einer eingehenden Erneuerung der Kirche auf. Vor dem Hintergrund des “unvorstellbaren Ausmaßes” der Fälle müsse sich die Kirche fragen, welche Fehler sie gemacht habe. In der Vorbereitung der Priesteramtskandidaten müsse alles unternommen werden, um künftig zu verhindern, dass jungen Menschen “unter dem Deckmantel des Heiligen” schwerwiegende Verletzungen zugefügt würden, die einen Schaden für das ganze Leben hinterließen, hob der Papst hervor. Er dankte all jenen, die mit großer Hingabe Opfer betreut und ihnen das Vertrauen in die Kirche zurückgegeben hätten. Gleichzeitig dankte er den “viele guten Priestern, die in Demut und Treue ihren Dienst verrichteten.” Quelle: kath.press


19.12.2010 Im Erzbistum Berlin wurde ein weiterer Missbrauchsverdacht öffentlich. Seit November ist der Geistliche nicht mehr in der Gemeinde tätig. Der Vorfall soll sich in den 1990er ereignet haben. Nach Angaben des Erzbistums handelt es sich um einen „minderschweren Vorwurf“. Quelle: bz-berlin 

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19.12.2010 „Wir wissen um ein fortbestehendes Dunkelfeld“, sagte Burgsmüller, eine Ermittlerin in der Odenwaldschule. Fest stehe auch, dass ein Missbrauch oft über Jahre fortgeführt worden sei. Ausdrücklich genannt sind in der Dokumentation der Odenwaldschule elf „Selbsttötungen“ ehemaliger Schüler. Dabei gebe es auch Hinweise auf „Missbrauchshintergründe“. Quelle: welt


Die Süddeutsche zitiert Hartmut von Hentig, Reformpädagoge und Lebensgefährte des pädokriminellen Leiters der Odenwaldschule, mit der Aussage, er habe die Missbrauchsfälle aussitzen wollen. Der um Aufklärung bemühten derzeitigen Leiterin der Odenwaldschule in Heppenheim, Margarita Kaufmann, warf er in einem Brief an den Sohn eines Weggefährten “Schädlichkeit für die Schule, für die Pädagogik, für die Sache der Opfer” vor. Quelle: Süddeutsche  s.auch Spiegel und faz


17.12.2010 In der Odenwaldschule wird inzwischen von 132 Opfern gesprochen und davon, dass das Internat in den 70er und 80er Jahren “ein Nest von Pädophilen” gewesen sei. Als Täter werden 6 Lehrer, 1 Referendar und 1 weiterer Schulmitarbeiter sowie 4 ältere Schüler benannt.

Der Opfer-Verein “Glasbrechen” und die Odenwaldschule können sich derzeit nicht auf “Entschädigungszahlungen” einigen. Quelle: FR


17.12.2010 Das Bistum Limburg ist mit einer Präventionsseite online.


15.12.2010 M. Drobinski und M. Maier-Albang beschreiben den “Blick in den Abgrund”, den das Erzbistum München mit der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle der letzten Jahrzehnte getan hat. Quelle: Süddeutsche


13.12.2010 Die Bischofskonferenz ist mit den Ergebnissen des Runden Tisches Heimerziehung zufrieden. Die ehemaligen Heimkinder protestieren gegen die Beschlüsse des RTH. Die drei am RTH vertretenen Opfer stimmten dem Beschluss zu, weil ihnen angedroht worden war, andernfalls gar nichts zu bekommen. Der Verein ehemaliger Heimkinder will gegen die Ergebnisse des Runden Tisches Heimerziehung klagen. Die Vereinsvorsitzende Monika Tschapek-Güntner nannte die vorgeschlagene Höhe der Entschädigungen für die Opfer von Missbrauch eine “Demütigung“.

Kommentar: Die Reaktion der Heimkinder müsste die Verantwortlichen erkennen lassen, dass die “gefundene Lösung” offensichtlich für alle Beteiligten eine Lösung zu sein scheint – nur für die Betroffenen nicht. Und dies nicht etwa, weil die ehemaligen Heimkinder besonders raffgierig wären, sondern weil der angebotene Fonds tatsächlich einer neuen Demütigung gleichkommt. Zum Vergleich: In Irland wurden ehemalige Heimkinder mit 76000 Euro pro Betroffene “entschädigt”.


12.12.2010 Der Vatikan nimmt Stellung zu den Veröffentlichungen bei Wikileaks. Quelle: Domradio


11.12.2010 Das Bonner Jesuitengymnasium hat einen Präventionsleitfaden veröffentlicht. Im Februar wird der Abschlussbericht der Kommission erwartet. Derzeit ist von 67 Opfern und 18 Tätern (darunter 15 Priester/Ordensmänner) die Rede. Quelle: Domradio


11.12.2010 Die “Ergebnisse” des RundenTisches Heimkinder werden sehr unterschiedlich eingeschätzt. Das Domradio ist zuversichtlich, Dierk Schäfer stellt weitere Fragen. Weitere Berichte:  Süddeutsche, Spiegel, Zeit

Kommentar: Der geplante Entschädigungsfonds soll mit 120 000 000 Euro bestückt werden. Bei 30 000 ehemaligen Heimkindern, die nachhaltig geschädigt wurden, erhält jedes Ex-Heimkind 4000 Euro. Bei 50 000 Geschädigten erhält jede/r 2400 Euro. Mit diesen Beträgen werden  beispielsweise in etwa die Fahrtkosten zu einer mehrjährigen Therapie abgedeckt.


11.12.2010 Laut Wikileaks hat der Vatikan sich geweigert, an der Aufklärung von Missbrauchsvorwürfen mit dem Staat in Irland zusammen zu arbeiten – er soll sich an der Art der Kontaktaufnahme gestört haben, die er als “Affront gegen die Souveränität des Vatikan” gesehen habe. Quelle: stern


10.12.2010 Die deutschen Bischöfe haben unter dem Eindruck der Missbrauchsfälle eine “Dialoginitiative” gestartet. Beginnen sollte sie im November 2010 mit einem Brief an die Gemeinden. Der Brief wurde auf das Frühjahr 2011 verschoben, weil die 27 Bistümer nicht mit einer Stimme sprechen können. DIe Einschätzung von  André Lorenz lesen sie in Liborius.de nach. Er schreibt u.a. “Denn viele Gläubige, denen die Kirche noch am Herzen liegt, haben zunehmend Probleme mit diesem Dilemma: Sie leben inmitten einer Gesellschaft, die von Religiosität weit entfernt ist, und sollen Bischöfen vertrauen, die von ihnen weit entfernt sind.”


9.12.2010 Im Bistum Fulda war ein im Bistum Würzburg tätiger Priester des In der Gemeinde kam es zu einer Spaltung. Die Gemeindemitglieder werfen dem Bischof vor, das Verfahren eingeleitet zu haben, obwohl es nur eine anonyme Anschuldigung gab, die nicht einmal den Namen des Beschuldigten enthielt. Den Hauptamtlichen werfen sie vor, den Pfarrer  gleichsam vorverurteilt zu haben. Ein Gemeindeberater, der die Gemeinde in der schwierigen Situation berät, war nicht eingeschaltet. Quelle: Mainpost


9.12.2010 Broschüre der Bischofskonferenz zur Prävention von sexuellem Missbrauch


9.12.2010 Leben im Kinderheim – 2 Männer erzählen von Prügel im Haus des Guten Hirten. Quelle: Süddeutsches. auch: Verein Ehemaliger Heimkinder e.V.


8.12.2010 Im Landkreis Neustadt/Bistum Regensburg wird ein Pfarrer des sexuellen Missbrauchs verdächtigt. Das Bistum gab keine weiteren Informationen. Der Bürgermeister sagt, der Pfarrer sei beliebt und angesehen und eher ein Opfer. Quelle: Radio Ramasuri


8.12.2010 Im Bistum Regensburg soll es bislang 8 Täter geben. 14 Opfer haben sich überwiegend über die Presse zu erkennen gegeben. Quelle: Wochenblatt


8.12.2010 Aufklärung im Bistum Regensburg aus der Sicht eines Opfers. Das letzte, das das Opfer hörte: “”Was wollen Sie denn noch,? Wir haben Ihnen doch zugehört.” Quelle: Regensburg digital


7.12.2010 Aufklärung und Gehör für Opfer in St. Blasien. Quelle: Badische Zeitung


7.12.2010 “Der Missbrauchsbericht des Münchner Erzbistums handelt von einem System, das es auch in anderen Ordinariaten gegeben haben muss. Umso bedrückender ist es, dass der Bericht auf absehbare Zeit wohl der einzige bleiben wird.” …”Aber weil die Institution unversehrt und die Priester heilig bleiben mussten, wurden die Opfer zu Feinden der Kirche, setzten sich Lüge und Vertuschung fest und zeugten neue Lüge und Vertuschung.” “Der Münchner Missbrauchsbericht handelt also in seiner Substanz nicht von bösen Menschen oder einem verlotterten Ordinariat; er berichtet von einem System – das ist sein Dienst an der Wahrheit. Er erzählt von einem System, das es auch in anderen Ordinariaten so gab, gegeben haben muss. Umso bedrückender ist es, dass der Bericht aus München-Freising offenbar auf absehbare Zeit der einzige bleiben wird; es müsste sich eigentlich jedes Bistum in Deutschland der gleichen schmerzhaften Wahrheitssuche unterziehen, die gleichen Konflikte aushalten mit jenen, die hinter allzu viel Offenheit die Nestbeschmutzung vermuten.” Das sagt M. Drobinski. Quelle: Süddeutsche


7.12.2010 Der Papst habe als Kardinal 1988 einen Vorstoß gemacht, um priesterliche Missbrauchstäter schneller aus dem Amt zu entfernen, sei jedoch am Kirchenrecht gescheitert. Das berichtet die Rheinische Post. Quelle: rp-online

Kommentar: Wenn das Kirchenrecht die gerechte Bestrafung verhindert und einem Täter weitere Missbrauchstaten an weiteren Opfern ermöglicht, dann gibt es nur Eines: dann muss das Kirchenrecht geändert werden.


6.12.2011 Kulturjournal über den RTH, Runden Tisch Heimerziehung. Was die damals und heute Verantwortlichen sagen, ist kaum erträglich – nicht nur für die ehemaligen Heimkinder. Es ist eine Schande! Quelle: youtube


5.12.2010 Im Bistum Osnabrück ermittelt die Polizei gegen einen kath. Priester wegen der “Nutzung” Kinderpornografie im Internet. Der Priester wurde entpflichtet. Quelle: noz


4.12.2010 Der Runde Tisch Heimkinder soll beschlossen haben, dass Opfer von Gewalt in Kinderheimen nicht mit einer pauschalen Entschädigung oder einer pauschalen Opferrente entschädigt werden sollen. Gezahlt sollnur werden, wenn sich Betroffene nachweisbar “in schwierigen Lebenssituationen befinden”. In Irland wurden ehemalige Heimkinder laut „Spiegel“ mit durchschnittlich 76 500 Euro entschädigt. Quelle: Spiegel und moz.de


4.12.2010 Eine Zusammenfassung des 250 Seiten langen Missbrauchsberichtes des Erzbistum München liegt vor. Die Kürzestfassung: “Aber allein schon die siebenseitige Zusammenfassung des Berichts, den Rechtsanwältin Marion Westpfahl im Münchner Ordinariat vorlegte, ist schockierend genug: Wenn es um Verbrechen wie sexuellen Missbrauch ging, herrschte im Erzbistum ein System der Vertuschung und Verharmlosung. Akten wurden vernichtet, homosexuelle Kleriker erpresst. Die Täter zeigten selten Schuldgefühle, neigten aber zum Selbstmitleid. Mit am schlimmsten, so Westpfahl, empfand sie aber “die vollständige Nichtwahrnehmung der Opfer” durch das Ordinariat: “Es herrschte Desinteresse am Tatgeschehen und am Opferschicksal.”

Laut Gutachten gab es 365 Fälle von Missbrauch. 159 Priester sind “auffällig” geworden, wobei damit nicht alle einschlägigen Übergriffe erfasst seien. “Vielmehr ist davon auszugehen, dass die tatsächliche Zahl deutlich höher liegt.” Wegen Sexualdelikten verurteilt wurden 26 Priester, unter ihnen befindet sich kein lebender Diözesanpriester mehr. Andere Misshandlungen durch Priester sind in 36 Fällen nachgewiesen worden. Außerdem wurden 15 Diakone und sechs Personen unter den Pastoralreferenten, Seelsorgehelfern und Jugendpflegern “auffällig”. Auch die Religionslehrer im Kirchendienst nahmen die Gutachter unter die Lupe. 96 Fälle wurden ermittelt. Ein Lehrer wurde wegen eines Sexualdelikts verurteilt. Ein weiterer Fall sexuellen Missbrauchs sei erwiesen. Es gab keine Verurteilung wegen sonstiger körperlicher Misshandlungen, “obwohl solche nach Auffassung der Gutachter in 24 Fällen erwiesen sind”.
Es kam zu umfangreichen Aktenvernichtungen, die nicht auf Schlamperei zurückzuführen ist, sondern auf eine Grundhaltung – d.h. wohl, dass es um systematischen Täterschutz ging. Die Gutachterin erwähnte auch “besonderes Erpressungspotenzial”, dem homosexuelle Priester ausgesetzt wurden.
Quellen: welt    tz: “Je genauer die Fachleute hinschauen, umso schockierender sind die Erkenntnisse!”


in franken: Viele untersuchte Schriftstücke hätten einen “euphemistischen, verharmlosenden Sprachgebrauch”. Die Auswirkungen auf das Opfer seien nur zu erahnen. Die betroffenen Kinder seien einer Vereinsamung ausgesetzt gewesen und gar nicht wahrgenommen worden, kritisierte Westpfahl.
Über die Täter fanden die Gutachter heraus, dass sie in einer Vielzahl von Fällen psychisch und physisch gering belastbar gewesen seien. Westpfahl sprach von “Wehleidigkeit und Selbstmitleid”. Viele hätten sich hinter Krankheiten verschanzt und “Reifedefizite” aufgezeigt. Immerhin gehe es bei der überwiegenden Zahl der Täter um Männer zwischen 45 und 65 Jahren. Auffällig seien häufiger Alkoholmissbrauch gewesen sowie ein Auftreten der Fälle sexuellen Missbrauchs vorwiegend im ländlichen Bereich. Süddeutsche: Opferzahlen gibt es gar keine.  Quelle. Zeit


4.12.2010 Die Erzdiözese Salzburg schätzt, dass der in Bad Tölz gestorbene Pater B. , Benediktiner, ein gefährlicher Krimineller gewesen sei. Ein erster Verdacht tauchte bereits Anfang der 80er Jahre auf. Vor Gericht gestellt wurde der Täter nie. Quelle: ORF


3.12.2010 Gabriele Heyers, Fachärztin für psychosomatische Medizin, weist darauf hin, dass von der Kirche ausgesuchte Therapeuten von den Betroffenen leicht als kirchentreu angesehen werden können, immerhin würden sie von der Kirche bezahlt. Befragungen hätten zudem ergeben, “dass ein absolutes Misstrauen der Patienten gegenüber der ,Täterinstanz’ Kirche herrscht.” Wenn die Kirche es mit der Aufarbeitung des Missbrauchsskandal also ernst meine, müsse sie “eine eindeutige Stellungnahme für die Opfer abgeben”, sagt die Fachärztin. Dazu gehöre auch die Nennung der Opferzahlen, ganz unabhängig davon, ob es zu staatsanwaltlichen Ermittlungen gekommen ist oder nicht. Quelle: donaukurier


3.12.2010 Der Osnabrücker Bischof Bode hat am 1. Advent in einem Bußgottesdienst um Vergebung für die sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche durch katholische Priester und KirchenmitarbeiterInnen gebeten. Von einigen Menschen, auch einigen Opfern, wird er dafür gelobt. Andere hingegen kritisieren den Bischof. In dem Blog „fortes fide“ hat der Kommentator „Der Aquinate“ die Bemerkung hinterlassen: „Dieses Missbrauchsgeschwafel geht mir auf den Senkel.“ Weiterhin wird Bode “populistisches Theater” vorgeworfen, von “Missbrauchs-Wahn” und vom “Niedergang des Bistums Osnabrück” ist die Rede in den Internetforen. Quellen: noz und noz


Der Kommentar von Dierk Schäfer formuliert völlig klar, warum der Bußgottesdienst von Bischof Bode zwar gut gemeint war, aber im Grunde den zweiten Schritt vor dem ersten tat. Es scheint kaum vermittelbar, dass es keine Vergebung “unter Umgehung der Opfer” geben kann. Schäfer wörtlich: „wenn ich das richtig sehe, … ist die demutsgeste an gott gerichtet. bode hätte sich glaubwürdiger in einer veranstaltung mit opfern den opfern zu füßen legen sollen, dann hätte wenigstens die symbolhandlung gestimmt. es ist ein jammer, allerdings nur zweiten grades, daß menschen mit liturgischer bildung mit symbolen nicht richtig umgehen können. der größere jammer ist allerdings, was menschen mit biblischer bildung ihren mitmenschen angetan haben.“ Für den unwahrscheinlichen Fall, daß Theologen oder gar Bischöfe, vielleicht sogar Bischof Bode eine Begründung für meine Aussage suchen und das – noch unwahrscheinlicher – in meinem Blog, so sei diese hier nachgereicht: In der Bergpredigt lesen wir bei Matthäus (5,24): »Darum, wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und wirst allda eingedenk, daß dein Bruder etwas wider dich habe, so laß allda vor dem Altar deine Gabe und gehe zuvor hin und versöhne dich mit deinem Bruder, und alsdann komm und opfere deine Gabe.“


3.12.2010 Vier Monate nach der Loveparade-Katastrophe von Duisburg leiden zahlreiche Teilnehmer weiter unter erheblichen psychischen Spätfolgen. „60 bis 70 Prozent der Menschen, die zu den Treffen kommen oder zu denen ich telefonisch Kontakt habe, sind traumatisiert“, sagte Jürgen Hagemann, Vorsitzender des Betroffenen- Vereins „Massenpanik Selbsthilfe“ am Freitag in Duisburg. Viele Traumatisierte benötigten ärztliche Behandlung. Bei der Kostenübernahme gebe es zum Teil Probleme mit den Krankenversicherungen, sagte Hagemann. Psychisch belastete Jugendliche hätten auch Probleme, Lebensversicherungen abzuschließen, weil die Gesellschaften ihnen die Aufnahme verweigerten. „Über solche Spätfolgen denkt kaum jemand nach.“ Quelle: FR


2.12.2010 Die Bundesregierung zieht eine Zwischenbilanz der Arbeit des Runden Tisches. Quelle: kirchensite


2.12.2010 Norbert Blaichinger stellt sein Buch über einen pädophilen Pater vor, der trotz vieler Opfer (mutmaßlich an die 100) ungeschoren blieb. Titel: Pater B. – eine Dokumenation. Erhältlich bei edition innsalz. Quelle: www.nachrichten.at, s.auch: PNP


2.12.2010 Im US-Staat Delaware erhält ein mutmaßliches Missbrauchsopfer eines Geistlichen 30 Millionen Dollar Schadenersatz, das sind knapp 22,9 Millionen Euro. Die Kirchengemeinde St. Elizabeth’s in der Stadt Wilmington fmuss als Mitverantwortliche 3 Millionen der 30 Millionen Dollar zahlen. Der Täter hatte insgesamt 60 Tage in einem Gefängnis gesessen. Quelle: Die Presse


1.12.2010 Thomas Schlingmann ist langjähriger Mitarbeiter der Berliner Beratungsstelle “Tauwetter” für Männer und Jungen, die missbraucht wurden. Er spricht davon, dass die Arbeit für die Opfer auf der Strecke bleibe. Quelle: Tagesschau


1.12.2010 “Plötzlich so viel Schmutz. Es war wirklich wie ein Vulkankrater, aus dem plötzlich eine gewaltige Schmutzwolke herauskam, alles verdunkelte und verschmutzte, so dass vor allen Dingen das Priestertum plötzlich ein Ort der Schande erschien.” So  soll es im neuesten Papstbuch stehen. So wurde es veröffentlicht. Der Papst hat noch immer die Perspektive “der Kirche” – die Perspektive der Opfer ist ihm fremd. Quelle: baz


30.11.2010 Die Redemptoristen bitten Opfer, an der Aufklärung von Missbrauchsfällen mitzuwirken. Opfer haben sich gemeldet und über Verbrechen in den Internaten in Glanerbrug/Enschede und Bonn vor 40 und mehr Jahren berichtet. Quelle: NOZ


30.11.2010 Missbrauch hinter Gittern – in Torgau. Quelle: focus


30.11.2010 Im Bistum Augsburg, Gemeinde Schiltberg, wurde ein katholischer Priester wegen sexuellen Missbrauchs in fünf Fällen zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Schwerer Missbrauch, den der Geistliche in den Jahren zuvor begangen hatte, wurde wegen der Verjährung nicht verhandelt. Quelle: Augsburger Allgemeine


Weil der Pfarrer wenig Reue erkennen ließ, verdoppelte der Richter die von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafe. Bereits 1999 habe es Gerüchte um Missbrauch gegeben, erst jetzt habe das Bistum Augsburg den Pfarrer gezwungen, Selbstanzeige zu erstatten. Quelle: br-online



29.11.2010 Im Bistum Köln wurde ein bisheriger Kaplan suspendiert, weil gegen ihn der Verdacht sexuellen Missbrauchs besteht.
Quelle: ksta


29.11.2010 Der Bischof von Osnabrück hat in einem Gottesdienst Gott und die Opfer um Verzeihung für das Leid gebeten, das aus sexuellem Missbrauch durch Priester und Kirchenmitarbeiter entstanden ist. Der Bischof sieht auch eine Mitschuld der Kirche. „Um des Ansehens der Kirche willen wurden Täter geschützt und Opfer ein zweites Mal geopfert“, sagte er in seinem Schuldbekenntnis. Quelle: Oberhessische Presse, s.auch taz


28.11.2010 Die Führungsspitze der Odenwaldschule ist zurückgetreten. Sie konnte sich nicht auf eine Entschädigung für die inzw. 125 (bislang 50) Opfer einigen. Ermittelt wird von der Staatsanwaltschaft gegen etwa 1 Dutzend Lehrer. Quelle: HR-online


28.11.2010 Der Papst sagt in seinem neuesten Buch: “Das Priestertum plötzlich so verschmutzt zu sehen, und damit die katholische Kirche selbst, in ihrem Innersten, das musste man wirklich erst verkraften.” Vom Schmerz der Kinder  – und der Erwachsenen, die als Kinder sexualisierte Gewalt erlebt haben – ist keine Rede. Quelle: Zeit


27.11.2010 Der Verein “Innocent in danger” legt seine Finanzen nicht offen. Quelle: FR


27.11.2010 Professor Myriam Wijlens, Kirchenrechtlerin an der Katholischen Fakultät der Universität Erfurt, hat es sich zur Angewohnheit gemacht, bei ihren Vorträgen über sexuellen Missbrauch die „Opfer, Täter und potenziellen Täter“ unter ihren Zuhörern zu begrüßen. Bereits zweimal hat sie erlebt, dass Mitarbeiter, die mit ihr zusammen für die Kirche Leitlinien zum Umgang mit sexuellen Missbrauch erarbeiteten, selbst wegen Missbrauchs verhaftet und verurteilt wurden. Quelle: Tag des Herrn  tdh-online.de


25.11.2010 ai macht auf Gewalt und sexualisierte Gewalt in Nicaragua aufmerksam. Quelle: ai


25.11.2010 Im Bistum Eichstätt werden die Missbrauchsfälle aufgearbeitet. Die Anschuldigungen richten sich gegen sechs Diözesanpriester und einen Ordensgeistlichen. In fünf Fällen wurde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, in einem Fall kam es zu einer Verurteilung, vier Fälle sind verjährt. Zwei der beschuldigten Priester leben nicht mehr, drei sind nicht mehr im aktiven Dienst. Bei den beiden übrigen Geistlichen – sie sind noch in der Seelsorge tätig – beziehen sich die Vorwürfe auf deren Jugendzeit, als sie also noch nicht zu Priestern geweiht waren. Quelle: ovb


25.11.2010 Die Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung legt ihre Bilanz vor. Quellen: Beauftragte Missbrauch  taz


25.11.2010 Sieben Jahre Haft wegen hundertfachen sexuellen Missbrauchs von Kindern – dazu hat das Landgericht Kassel am Donnerstag einen früheren katholischen Pfarrer aus Fritzlar verurteilt. Der 50-Jährige aus dem Prämonstratenser-Orden hatte gestanden, sich zwischen 1992 und 2003 an sechs Ministranten vergangen zu haben. Zudem hatten die Ermittler kinderpornografische Fotos auf seinen Computern gefunden. Quelle: stern


24.11.2010 Die Kirche vertuschte Vergewaltigungen und Gewaltexzesse, sagt eine österreichische Studie. Auch Kleinkinder waren Opfer. Zwölf Prozent der Opfer waren zu Beginn der Übergriffe sechs Jahre und jünger. Der Großteil der Misshandlungen (79,5 Prozent) ereignete sich zwischen dem siebenten und dem 14. Lebensjahr. Mädchen sind vor allem zwischen dem sechsten und achten, Burschen zwischen dem zehnten und zwölften Lebensjahr gefährdet. Der Großteil der Misshandlungen (55,8 Prozent) fand in katholischen Internaten und Heimen statt. Der Rest wurde bei Jugendarbeit, Seelsorge und im Rahmen des Ministrierens gemeldet. Häufig handelte es sich um Kinder aus sozial schwächeren Schichten. Schwärzler: “Wenn sich ein Kind seinen Eltern anvertraute, bezog es meist Prügel. Auch die Kirchenvertreter schlugen zu und brachten so die Opfer zum Schweigen.” Quelle: Kurier.at


24.11.2010 Holger Eich, Psychologe und ehemaliges Mitglied der Opferschutzkommission der Erzdiözese Wien, berichtet, dass der Wiener Erzbischof Schönborn stets über Missbrauchsfälle informiert war. Untätig sei man nicht gewesen, in verschiedenen Fällen habe man Therapien gezahlt, in zahlreichen Fällen sei gar nichts passiert. Eine Weisung zum Vertuschen habe es nicht gegeben, Transparenz sei jedoch nicht gewollt gewesen. Die Ombudsstellen bezeichnete Eich als “zahnloses Element”: “Die Opfer reden mit der Ombudsstelle, diese leitet an den Bischof eine Empfehlung weiter. Der Bischof wird von einer Diözesankommission beraten. Mit den Opfern gibt es keinen Kontakt mehr. Das ist, wie wenn ein Richter nicht mit dem Opfer redet, den Täter aber kennt.” Daran habe sich auch durch den jüngsten Beschluss der Bischöfe, die Ombudsstellen besser zu vernetzen, “rein gar nichts geändert”. Quelle: Der standard


24.11.2010 In der Badischen (evangelischen) Landeskirche wurde ein Pfarrer zu zweieinhalb Jahren Gefängnis wegen Missbrauchs von 2 Jungen verurteilt. Quelle: ntv


24.11.2010 In Belgien hat die parlamentarische Sonderkommission Rik Devillé angehört. Er ist Priester i.R. (ehemals Buizingen) und erhebt seit Jahren schwere Vorwürfe gegen die Kirche: Verantwortliche hätten Klagen über sexuellen Missbrauch durch Geistliche konsequent nicht ernst genommen. 427 Klagen hat Devillé seit 1999 entgegengenommen – meistens Klagen über Missbrauch durch Geistliche. Auf 1000 Briefe an Verantwortliche in der Kirche habe er die immer gleichen Antworten erhalten: “Wir können Sie Sie leider nichts tun” bzw. “Wir wissen von nichts.” Quelle: brf


24.11.2010 In Bobingen wurde der Stadtpfarrer Albert M. verabschiedet. Er hatte “unangemessene Berührungen” eingeräumt, die die Justiz als Straftaten bewertete. Der Pfarrgemeinderat zeigt sich betroffen – vom Weggang des Pfarrers. Und er dankte dem Pfarrer für all seine Mühe. – Der Bericht übermittelt nicht, wie die Opfer vom Weggang des Pfarrers und von seiner Verabschiedung durch den Pfarrgemeinderat denken. Quelle: Augsburger Allgemeine


24.11.2010 Heute Abend wird in Fritzlar für die Priester und Ordensschwestern gebetet, die in dieser Stadt in Hessen gearbeitet haben.  Ebenfalls am heutigen Tag wird der Prozess gegen den geständigen Ordensmann der Prämonstratenser, der elf Jahre lang in 164 fällen Kinder/Jugendliche missbrauchte, eröffnet. Von einem Gottesdienst, in dem für die Opfer gebetet wird, wurde nichts bekannt. Quelle: FR


24.11.2010 Die Deutsche Bischofskonferenz stellte den Zwischenbericht der Hotline der DBK vor. Einige Ergebnisse: ” 664 Nutzer der Hotline Sexualdelikte thematisiert, die im kirchlichen Umfeld stattfanden. 432 davon wurden durch Priester oder Ordensleute begangen. 393 Sexualdelikte wurden benannt, die nicht im kirchlichen Umfeld verübt wurden. Täter waren hier z. B. Lehrer in staatlichen Schulen und Internaten, Familienangehörige oder Verantwortliche im Verein. 16,1 Prozent aller Opfer gaben an, einmal missbraucht worden zu sein. 69,8 Prozent seien mehrmals und 14,1 Prozent andauernd missbraucht worden. Rund 97 Prozent der Anrufenden berichteten, zum Tatzeitpunkt katholisch gewesen zu sein. Gut 12 Prozent betonten, dass sie inzwischen aus der Kirche ausgetreten seien.” Quelle: DBK


22.11.2010 Der Bundeswehr fehlen Psychiater, die die vom Krieg traumatisierten Soldaten behandeln könnten. In den ersten drei Quartalen kehrten 483 Soldaten mit einer PTBS zurück. Quelle: Die Zeit


20.11.2010 Im Vatikan findet ein Treffen von mehr als 100 Kardinälen statt.  Der Papst kündigte ein Rundschreiben mit Richtlinien zum Umgang mit Missbrauchsfällen an. Das Treffen wird vom Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Levada, geleitet. Opfergruppen in den USA weisen darauf hin, dass Levada als Erzbischof von San Francisco einen Priester unter Druck gesetzt hatte, der einen Annäherungsversuch eines “offenbar pädophilen Priesters” an einen Jugendlichen gemeldet hatte. Der Priester ging 2002 gerichtlich gegen das Erzbistum San Francisco vor – mit Erfolg. Quelle: de.news


19.11.2010 In der katholischen Kirche Luxemburgs haben sich 138 Betroffene bei der Hotline gemeldet. 114 Fälle sind an die Staatsanwaltschaft gegangen. Quelle: Tageblatt Luxemburg


19.11.2010 Der Bischof von Eichstätt hat die Bitte um finanzielle Beteiligung an der Opferberatungsstelle “Wirbelwind Ingolstadt” abgelehnt. Die Beratungsstelle für Opfer sexuellen Missbrauchs wird verstärkt auch von Menschen in Anspruch genommen, die Opfer von Priestern oder Kirchenmitarbeitern wurden. Quelle: Donaukurier


16.11.2010 Gotthold Hasenhüttl, suspendierter Priester und Professor der Theologie, verlässt die katholische Kirche. Er hält sie nicht für reformfähig. Quelle: Heute


16.11.2010 Die österreichische Klasnic-Kommission hat inzwischen für 58 der 652 Missbrauchsbetroffenen eine Entschädigungszahlung beschlossen. Quelle: Die Presse


11.11.2010 Statements der Betroffenen und Für-Sprecher Betroffener am Runden Tisch der Bundesregierung. Quelle: beauftragte-missbrauch


10.11.2010 Hans Küng im Interview: „Die Koordination zwischen dem sexuellen Missbrauch Jugendlicher durch Kleriker und dem Zölibatsgesetz wird immer wieder geleugnet. Aber man kann doch – wenn man nicht blind sein will – die Zusammenhänge nicht übersehen.“ Quelle: Grenzecho


8.11.2010 Der Papst hat 200 Kardinäle nach Rom eingeladen. Themen: Umgang mit Missbrauchsfällen und Übertritt von Anglikanern zum Katholizismus. Quelle: stern.de


8.11.2010 Der Jesuitenorden hat den Dialog mit dem Eckigen Tisch nach dessen Anzeige gestoppt. Quelle: Domradio


7.11.2010 Die Interessengemeinschaft Missbrauchsgeschädigter hat Strafanzeige gegen den amtierenden Rektor des Aloisiuskollegs in Bonn und weitere 4 Personen erhoben. Quellen: Domradio und Eckiger Tisch


5.11.2010 Im Bistum Speyer wurden bislang zehn Priester und Ordensleute des sexuellen Missbrauchs beschuldigt. Außerdem wurden in über tausend Personalakten Hinweise auf bis zu 20 weitere Geistliche gefunden, denen sexueller Missbrauch oder sexuelle Belästigung Minderjähriger vorgeworfen wird. Insgesamt ist also von 30 Beschuldigten zwischen 1945 bis 2010 auszugehen. Quelle: Bistum Speyer


4.11.2010 In der Steiermark sind neue Missbrauchsvorwürfe gegen einen Ordensmann, einen Pater des obersteirischen Benediktinerstiftes Seckau, bekannt geworden. Ein ehemaliger Schüler berichtete darüber. Der Beschuldigte ist vom Schul- und Pfarrdienst freigestellt. Quelle: ORF


4.11.2010 Derzeit ist unklar, ob der Runde Tisch Heimerziehung vor dem Scheitern steht. Im Fall des Scheiterns wollen ehemalige Heimkinder  klagen. Quelle: NOZ


4.11.2010 „Im Moment melden sich viele Menschen, die besonders schwer belastet sind“, erläutert Andreas Zimmer, der Leiter des Beratungsangebots. „Viele von ihnen sind in ihrem Leben immer wieder missbraucht worden: in der Familie, in der Kirche, am Arbeitsplatz“, so Zimmer. Diese schwer traumatisierten Opfer brauchen oft viel länger, bis sie sich zu einem Anruf durchringen können. Sie schließen ihr Leid lange in ihrem Innern ein. „Darunter sind einige Fälle, die in den 50er- und 60er-Jahren Missbrauch erlebt haben und sich erst jetzt offenbaren können“, zeigt Hotline-Leiter Zimmer auf.” Quelle: Rheinzeitung


4.11.2010 Auch Kritiker loben die Experten der kirchlichen Hotline. Quelle: Rheinzeitung


4.11.2010 “Ein Fall von weniger Gewicht” – wie in der Evangelischen Landeskirche von Bayern mit einem Pfarrer, Ende 20, der eine damals 14-Jährige missbrauchte, umgegangen wurde. Quelle: Süddeutsche


3.11.2010 Die österreichische unabhängige Opferschutzanwaltschaft beschloss bislang 39 Entschädigungszahlungen. Bis Ende Oktober meldeten sich 636 Menschen als Opfer von (sexualisierter) Gewalt. Quelle: ORF


3.11.2010 Kirchenzeitungs-Chefredakteure und katholische Laien fordern den Rücktritt des belgischen Vorsitzenden der Bischofskonferenz. Quelle: kathweb


1.11.2010 Der Papstsprecher Federico Lombardi lädt alle Verbände von Opfern sexuellen Missbrauchs ein, die Kirche auch als ihren Verbündeten zu sehen. Quelle: Radio Vatikan


31.10.2010 In Rom findet heute ein Fackelzug von Missbrauchsopfern von katholischen Priestern und Ordensleuten. Am Reformationstag wolle man zeigen, dass das Kapitel noch lange nicht abgeschlossen sei, sagten die Organisatoren. Sie wollen eine, wie sie sagen, ehrliche Entschuldigung. Irgendwann werden die Entschuldigungen kommen, die auch aus dem Herzen kommen. Eine finanzielle Entschädigung könne nur ein Teil sein, das sei aber unzureichend. Der Vatikan reagierte auf den Fackelzug: Er verbot, dass er auf dem Petersplatz ende.
Quelle: ORF
Kommentar: Offensichtlich kommen die Entschuldigungen der Kirchenleitungen bei den Opfern nicht an.


31.10.2010 Bei den Hiltruper Missionaren wurden vom externen Ermittler 6 Missbrauchsfälle ermittelt. Der Provinzial Werner Gahlen bat noch einmal um Entschuldigung vor Presse, Funk und Fernsehen. Am 27.10.2010 hat er sich zusammen mit einem Mitbruder mit den Opfern in Speyer getroffen. Quelle: Hiltruper Missionare


31.10.2010 Im Zwischenbericht der von den Jesuiten am Bonner Aloisiuskolleg berufenen Missbrauchsbeauftagten Julia Zinsmeister ist von bislang 67 Missbrauchsopfern und 18 Tatverdächtigen die Rede, 15 von ihnen Jesuiten. Die Verantwortlichen des Ordens hätten schon vor 2010 von den Übergriffen gewusst und sie verschwiegen. Quelle: az-web


30.10.2010 Von einem ehemaligen Benediktiner, dessen Job es war, sexuellen Missbrauch zu vertuschen. Quelle: Tagesspiegel


30.10.2010 Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen sexuellen Missbrauchs gegen einen katholischen Priester, der in der Krankenhausseelsorge in Wuppertal arbeitet. Weibliche Verwandte erheben den Vorwurf. Die Missbrauchshandlungen sollen geschehen sein, als sie minderjährig waren. Der Beschuldigte wurde beurlaubt. Der Wuppertal Stadtdechat Bruno Kurth ist von der Unschuld des Kollegen überzeugt.  Quelle: wz


29.10.2010 Ein Dekan aus dem Bistum Augsburg wurde wegen sexuellen Missbrauchs in drei Fällen zu einer neunmonatigen Haftstrafe auf Bewährung und der Zahlung von 4000 Euro verurteilt. Er trat von seinem Amt als Dekan und Pfarrer zurück. Quelle: Augsburger Allgemeine


28.10.2010 Ein Ordenspriester aus Fritzlar wird in 164 Fällen des sexuellen Missbrauchs von 6 Jugendlichen angeklagt. 30 Fälle hatte er zugegeben. Quelle: FR


Die Ermittlungen gegen seinen Vorgesetzten, der von den Missbrauchstaten gewusst haben soll, laufen noch. Quelle: hr-online


28.10.2010 “Auf die Frage eines Mitarbeiters der Sendung “Questions à la une” nach seiner Ansicht  zur Bestrafung des von Priestern begangenen  sexuellen Missbrauchs sagt der Vorsitzende der belgischen Bischofskonferenz Léonard:”Sexuelle Straftäter sind auch Menschen. Natürlich müssen sie sich dessen bewusst werden, was sie getan haben, doch wenn sie nicht mehr im Amt sind und folglich keine Verantwortung mehr tragen, dann frage ich mich, ob ein Racheakt gegen sie, zumal er kein konkretes Ergebnis mehr hätte, eine menschliche Lösung ist.” Quelle: BRF online

Kommentar: Mit Racheakt meint der Bischof eine von einem Gericht ausgesprochene Strafe.


26.10.2010 Das kriegen Missbrauchsopfer zu hören: Der Religionslehrer bittet, doch auch an die Familie des Täters zu denken. Der Schuldirektor sagt, es könne so schlimm doch nicht gewesen sein. Die  Elternbeiratsvorsitzende sagt, man müsse jetzt nach vorne schauen. Der Beratungslehrer sagt, er wolle das nicht so genau wissen. Unterschriftenlisten für den Täter gibt es natürlich auch. Mitschüler rufen an und bitten das Opfer, nicht böse zu sein, sie hätten auch unterschrieben, denn ihnen persönlich habe der Mann ja nichts getan. Quelle: Süddeutsche


25.10.2010 Dr. Norbert Reuhs, Diözesanrichter der Diözese Rottenburg-Stuttgart,  sagte auf einer Podiumsdiskussion: „Es gibt immer wieder Verdachtsfälle, aber keine Opfer, die sich melden.“ So gebe es offiziell auch keinen Täter. Quelle: Schwäbische Post


24.10.2010 “Wilhelm Ritthaler ist mittlerweile ein bekannter Mann. Immer wieder hat er gesprochen über das, was ihm in seiner Zeit bei den Regensburger Domspatzen passiert ist. In der Süddeutschen Zeitung hat er im März zum ersten Mal öffentlich von den körperlichen Misshandlungen berichtet, später sprach er auch im Fernsehen. Sein Name sei dadurch bekannt gewesen, sagt Ritthaler, er wäre jederzeit zu kontaktieren gewesen. Gemeldet aber habe sich niemand, bis heute. “Es fühlt sich bitter an, es ist sehr enttäuschend”, sagt der 63 Jahre alte Arzt und Psychotherapeut. “Ich hätte mir eine Reaktion gewünscht, aber ich habe es nicht anders erwartet. Das Bistum reagiert passiv, defensiv, beschwichtigend.” Das Bistum Regensburg bestätigte, dass Wilhelm Ritthaler nicht kontaktiert wurde. “Es liegt kein Schreiben an ihn vor”, erklärte Sprecher Clemens Neck. Das Bistum ruft Betroffene aber weiter dazu auf, sich zu melden.” So berichtet die Süddeutsche – und von diesen Doppelbotschaften höre ich immer wieder: Verantwortliche in den Kirchenleitungen fordern Opfer auf, sich zu melden. Und wenn die sich melden, bricht das große Schweigen aus. Quelle: Süddeutsche


23.10.2010 In der katholischen Kirche in Bayern sollen seit Ende des Zweiten Weltkriegs mindestens 380 Menschen Opfer von Missbrauch oder Misshandlung geworden sein. Das berichtet die “Süddeutsche Zeitung” (Samstag) unter Berufung auf eine Umfrage in den Diözesen und mehreren Ordensgemeinschaften. Es sei von mindestens 280 Tätern auszugehen, von denen die meisten aber schon verstorben seien. Die Ordinariate  Augsburg, München, Passau, Regensburg und Würzburg machten diese Angaben. Aus den Bistümern Bamberg und Eichstätt liegen keine Angaben vor. Quelle: kath.web


22.10.2010 Ein ehemaliger katholischer Priester ist in Birmingham wegen Kindesmissbrauchs zu 21 Jahren Haft verurteilt worden. Der heute 73-Jährige hat während 20 Jahren in insgesamt 21 Fällen kleine Jungen sexuell missbraucht. Der Mann hatte bis zum Schluss alles abgestritten. Der Missbrauch begann in den 1950er Jahren. Der Mann hatte sich jahrelang einem Gerichtsprozess entzogen. Der Richter beschrieb den Verurteilten bei der Urteilsverkündung als «doppelzüngig und manipulativ». Seine Taten seien «unvorstellbar grausam» gewesen. Quelle: radio basel


22.10.2010 Im Erzbistum Freiburg liegen die Missbrauchszahlen inzwischen vor: Von 1950 bis heute gab es etwa 110 Anzeigen. Diese richteten sich in der Zeit bis 2000 fast ausschließlich gegen Priester; danach sei das Verhältnis zwischen Geistlichen und pastoralen Mitarbeitern bei den Beschuldigten etwa ausgeglichen. Das Ordinariat geht davon aus, dass es mehr Opfer als bekannt gibt. Die Täter waren  mit einer Ausnahme männlich. Es habe so gut wie keine unbegründeten Anzeigen gegeben. Unter den Opfern waren auch solche, deren Missbrauch nicht innerhalb der Erzdiözese Freiburg stattgefunden hat. “Wir haben das trotzdem aufgenommen und bearbeitet, weil es für Opfer sehr schwierig ist, ,Wir sind nicht zuständig‘ gesagt zu bekommen”, berichtete der Missbrauchsbeauftragte Domkapitular Dr. Maier. Betroffen waren überwiegend ältere männliche Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren.
30 weitere Anzeigen benennen Gewalt in Heimen. Quelle: Badische Zeitung


21.10.2010 Die Staatsanwaltschaft Mainz ermittelt gegen einen kath. Priester, dem Übergriffe vorgeworfen werden. Der Priester ist geständig. Quelle: Rheinzeitung


21.10.2010 Über die verlorene Würde des Anderen: Erwin Möde geht in CiG dem missbrauchten Menschen und dem missbrauchten Gott nach.

20.10.2010 Hanspeter Oschwald berichtet, dass Papst Johannes Paul II. den Kindersschänder und Gründer des Ordens der Legionäre Christi, Marciel Maciel Degollado schützte. “Der Schaden für die Gesamtkirche wäre unabsehbar, wenn Papst Benedikt seinen Vorgänger zur Ehre der Altäre erheben würde. Es könnte sich schnell herumsprechen, welche Altlast Medien-Star Wojtyla hinterlassen hat. Es geht um Kindesmissbrauch.”
Quelle: Südwestpresse
1.5.2011 Die Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. durch Papst Benedikt XVI. erfolgte heute. Einige – wenige – haben dagegen protestiert. Schaden wurde nur bei den Opfern von Kindesmissbrauch durch Kleriker der kath. Kirche angerichtet – aber das ist ja eine zu vernachlässigende Menschengruppe. Erzbischof Zollitsch sagte: “Er [Papst Johannes Paul II.], der unerschrocken für die Unverletzlichkeit der Würde des Menschen und die Achtung der fundamentalen Menschenrechte eintrat, war und blieb ein entschiedener Kämpfer für eine `Kultur des Lebens`. …..Daran werden sich viele ihr Leben lang erinnern – kurzsichtige Kritik an der schnellen Seligsprechung wird Johannes Paul II. nicht gerecht und schon bald vergessen sein.”
Kommentar: Das Eintreten von Papst Johannes Paul II. für die Menschenrechte werden die Opfer des Herrn Degollado, der vom Papst geschützt wurde, anders sehen. Ob die Kritik von Opferverbänden und Hans Küng und der Initiative Romero tatsächlich “kurzsichtig” und “bald vergessen” sein wird, wird sich zeigen. Ich glaube nicht, dass eine Kirche, die mit einer Lüge lebt, langfristig glaubwürdig ist.


20.10.2010 Schuld hat nicht der Teufel.Quelle: zeit.de


17.10.2010 Beim Bonner Aloisiuskolleg gibt es erneut einen Missbrauchsverdacht. Wie der «Bonner Generalanzeiger» (Samstag) berichtete, trennt sich die Jesuitenschule von einem unter Missbrauchsverdacht stehenden weltlichen Mitarbeiter. Seit Monaten ermittele die Staatsanwaltschaft gegen den Mann. Inzwischen lägen der Justiz drei Anzeigen vor. Dabei gehe es um Fälle möglicher Übergriffe gegen Schutzbedürftige in den späten 80er und 90er Jahren. Quelle: liborius.de


16.10.2010 Thomas Wystrach stellt ein paar Fragen zur neuen “Dialogoffensive” und zum “neuen Aufbruch” der katholischen Kirche. Quelle: wystrach.de


16.10.2010 Pater Mertes lobte das Vorgehen der Wiener katholischen Kirche: “Mit einer Bußfeier im Stephansdom, der Einrichtung einer Opferschutzkommission, der raschen Auszahlung von Therapie- und Entschädigungszahlungen und der Überarbeitung der kirchlichen Richtlinien habe Kardinal Schönborn wichtige Akzente gesetzt. Quelle: kathweb s. auch: welt.de: Mertes – Ungeliebter Mahner mit heiligem Zorn


16.10.2010 Ein Mitarbeiter der Caritas, Leiter eines Kinderdorfes, wurde in der fragwürdigen RTL-Sendung “Tatort Internet” als einer geoutet, der Kontakt zu einer Dreizehnjährigen im Internet suchte. Inzw. ist der Mann entlassen und verschwunden. Die Caritas Würzburg ist entsetzt, dass RTL 2 sie nicht früher informierte. Quelle: Süddeutsche

Die Zeit formuliert andere Fragen zur Sendereihe “Tatort Internet”.


16.10.2010 Die FR berichtet von den Verbindungen von Papst Johannes Paul II. zu Marcial Maciel Degollado, dem Gründer der Legionäre Christi, der Kinder, Jugendliche und Seminaristen missbrauchte.


15.10.2010 Der Vorsitzende der Belgischen Bischofskonferenz äußerte in seinem Buch, das heute im Niederländischen veröffentlicht wurde, die Immunschwäche-Krankheit Aids könnte eine “Art von immanenter Gerechtigkeit” für den Missbrauch der Liebe sein. Quelle: Spiegel


15.10.2010 Der Missbrauchsbeauftragte der DBK, Bischof Ackermann, zur Frage, wie die Kirche wieder Vertrauen zurück gewinnen könne. Quelle: Liborius


14.10.2010 Der Anwalt von zwei Opfern des Marc Dutroux wurde zu einer Haftstrafe verurteilt wegen Konsum von Kinderpornografie. Quelle: Spiegel


13.10.2010 Der Soziologe Franz-Xaver Kaufmann weist darauf hin, dass die Sakralisierung des Priesters in der kath. Kirche sexuellen Missbrauch begünstigt habe. Kaufmann bemerkte, dass “Vergehen” gegen das 6. Gebot undifferenziert als Todsünden verstanden würden, also als Verstöße gegen die Ordnung Gottes. Die Folgen für den Nächsten hingegen würden ausgeblendet. Der Leiter des Berliner Canisiuskollegs, der Jesuit P. Klaus Mertes, betonte die Verantwortung der Kirche als Institution im Missbrauchsskandal. Die Kirche sitze zu Recht auf der Anklagebank, weil die Opfer mit ihren Beschwerden über lange Zeit nicht ernst genommen worden seien. Missbrauch sei “nicht nur die Missbrauchstat, sondern auch das Weghören”. Quellen: kath.web    generalanzeiger


13.10.2010 Ein Hinweis auf eine Veranstaltungsreihe Gemeindehaus-Saal in Hamburg, St. Nikolai: Ärzte-Kanzel 2010 – am 10. November geht es um das Thema: Sexuelle Gewalt und ihre lebenslangen Folgen Trauma – Scham – Schweigen. Es spricht PD Dr. med. Dragana Seifert (Institut für Rechtsmedizin UKE) , Dipl.-Pädagogin Carmen Kerger (Dunkelziffer e.V. Hamburg)

12.10.2010 Johannes Heibel,  , erhebt Vorwürfe gegen das Bistum Aachen: Es tue nichts, um den Prozess gegen den Priester des Bistums, der in Südafrika des Missbrauchs von Kindern angeklagt ist, zu beschleunigen. Quelle: wzdüsseldorf


11.10.2010 Im Interview sagte Christine Bergmann, dass sich oft die Opfer und nicht die Täter schuldig fühlen. Quelle: Märkische Allgemeine


10.10.2010 Der Freund des Papstes – ein Kinderschänder – über den Chef der “Legionäre Christi” und seine Beziehungen zu Papst Johannes Paul II. Quelle: PF


11.10.2010 Das Erzbistum München distanziert sich von dem Spiegel-Bericht über das Engelswerk und dessen Anerkennung durch den Papst. Die vom „Spiegel“ angeführte „Anerkennung“ des Engelwerkes durch den Vatikan beziehe sich auf Mitglieder und Vereinigungen, die sich von sdem “Engelwerk” und deren abstrusen Lehren distanziert haben und fasse diese in einem eigenen Verein „Werk der Heiligen Engel“ (Opus Ss. Angelorum) zusammen. Quelle: Erzbistum München


10.10.2010 Papst Benedikt XVI. lässt per Dekret die kruden Lehren des „Engelwerks“ wieder zu. Innerhalb der Kirche war die sektiererische Gemeinde stets hoch umstritten. Quelle: FR   Welt.de


9.10.2010 Der Fall des Pfarrers Georg K. aus dem Bistum Aachen. Quelle: initiative gegen gewalt


9.10.2010 Der Speyrer Ombudsmann für Missbrauchsopfer stellt seine Arbeit ein. Der Ludwigshafener RA Rüdiger Weidhaas kann nach den neuen Richtlinien nicht mehr Ombudsmann sein, weil die Opfer – wenn gewünscht – mit absoluter Verschwiegenheit rechnen konnten. Die neuen Richtlinien formulieren hingegen: “Wenn ein mutmaßliches Opfer über einen Verdacht des sexuellen Missbrauchs informieren möchte, vereinbart die beauftragte Person ein Gespräch. Der Diözesanbischof bestimmt, wer seitens der Diözese an diesem Gespräch teilnimmt Zu Beginn des Gesprächs wird auf die Möglichkeit hingewiesen, dass der Missbrauchsverdacht der Strafverfolgungsbehörde mitgeteilt wird.” Quelle: Rheinpfalz


7.10.2010 Marilyn Monroe. Quelle: Die Zeit


7.10.2010 Im Bistum Regensburg wurden bislang fast 1500 Personalakten auf den Verdacht sexuellen Missbrauchs hin gesichtet. Diese Arbeit sei noch nicht abgeschlossen, sagte der Bistums-Sprecher. Seit dem Bericht von März 2010 seien keine neuen Fälle mehr bekannt geworden. Quelle: Wochenblatt


7.10.2010 Ein Missbrauchsopfer aus dem Bereich des Erzbistums Freiburg berichtet, dass es vom Bistum an die für den Täter zuständige Abtei Mehrerau, Österreich, verwiesen wurde. Der Anwalt des Täters, eines Ordensmannes aus der Abtei Mehrerau, schrieb nun dem Opfer, “dass diesseits KEINE ZAHLUNG erfolgen wird”. Dies läge ganz überwieged daran, dass das Opfer in seiner Verhaltensweise stark überzogen habe. Gemeint ist, dass das Opfer die Presse einschaltete, als es weder im Bistum noch beim Orden Gehör fand. Der Anwalt wirft dem Opfer auch vor, eine “apostolische Klageschrift” in Rom eingereicht zu haben. Quelle: NetzwerkB


7.10.2010 In Nordirland trafen Missbrauchsopfer mit Politikern und Psychologen zusammen. Das Treffen stand unter dem Thema “Zeit für Gerechtigkeit”. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International fordert bei dem Treffen die nordirische Regierung zur Untersuchung von institutionellem Kindesmissbrauch auf. Quelle: kipa


7.10.2010 Im Vatikan beginnt die Aufarbeitung der sexualisierten Gewalt in der Kirche Irlands, um das erschütterte Vertrauen wieder herzustellen. Vier vatikanische Inspektoren sollen die Vorgänge in Irland untersuchen. Quelle: domradio


7.10.2010 Die österreichische Klasnic-Kommission hat weiteren 10 Opfern von Gewalt Entschädigungen zugesagt. Insgesamt haben sich bei der unabhängigen Opferschutzanwaltschaft 556 Betroffene gemeldet. Quelle: kath.web


7.10. 2010 Der in Südafrika angeklagte Priester, K., aus dem Bistum Aachen, bewegt sich nach Aussagen einer Mutter in Südafrika frei. Auch die Kirche kontrolliert nicht, ob er sich an die Auflage – kein Kontakt zu Kindern und Jugendlichen – hält. Der Vorsitzende der Initiative gegen sexuelle Gewalt, Johannes Heibel, zeigt sich in einem Brief an den Personalverantwortlichen des Bistums, Pfarrer Schmitz, ebenfalls enttäuscht von den Vorgängen im Bistum. Er habe gehofft, dass nach der Podiumsdiskussion in Viersen mehr passieren werde, sagte er. Weder die Staatsanwaltschaft noch das Bistum Aachen seien wirklich um die Aufklärung möglichst aller Missbrauchsfälle in Sachen K. bemüht. Heibel fragt, warum niemand alle ehemaligen Messdiener in allen von Pfarrer K. geleiteten Pfarreien anschreibe. Er fragt auch, warum das Bistum Aachen nicht allen Betroffenen finanzielle Hilfe zusichere. Heibel spricht von Ignoranz. Ihn wundere es nicht, dass es viele Opfer vorziehen, zu schweigen, bei dem Unverständis und der Kälte, die ihnen entgegen gebracht würden. Quelle: Grenzland


7.10.2010 Die Angst der Kirche vor Erneuerung thematisiert Gernot Facius. Quelle: Welt.de


7.10.2010 Das Bistum Passau legt seine Missbrauchsbilanz vor: “Demnach ist im Bistum Hinweisen auf sexuellen Missbrauch oder Gewaltanwendung durch 40 Personen nachgegangen worden. Die Hinweise und Rückfragen bezogen sich auf den Zeitraum von 1948 bis 2009, wobei der Großteil der Hinweise die Zeit zwischen 1960 und 1980 betrifft. Zum jetzigen Zeitpunkt sind es 26 Fälle, in denen wegen sexuellem Missbrauch ermittelt wurde. 14 Mal ging es um Gewaltanwendung. 21 Priester, ehemalige wie aktive , waren betroffen. Zwölf Fälle wurden staatsanwaltschaftlich behandelt. Es gab eine Verurteilung wegen Verbreitung pornografischer Schriften. Ein Verfahren läuft noch. Zehn Verfahren wurden entweder aufgrund eingetretener Verjährung oder haltloser Anschuldigungen eingestellt.” Quelle: pnp


4.10.2010 Ein ehemaliger Messdiener muss wegen Kindesmissbrauchs ins Gefängnis. Das Landgericht Darmstadt verurteilte den heute 31-jährigen Eventmanager am Montag wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger zu vier Jahren und neun Monaten Haft. Quelle: ad-hoc-news


4.10.2010 Der Zwischenbericht der Missbrauchsbeauftragten Christine Bergmann liegt vor. Bei über 80 Prozent der Betroffenen liegt der Missbrauch mindestens 20 Jahre zurück. Diejenigen, die sich bereits an jemanden gewendet hatten, berichten vielfach, dass ihnen nicht geglaubt wurde oder dass sie sogar dafür bestraft wurden. Quelle: beauftragte-missbrauch


4.10.2010 Ein Mitglied der Franziskaner-Minoriten muss den Orden in Würzburg verlassen. Ihm wird vorgeworfen, Kinder und Jugendliche missbraucht zu haben. Der Orden und der Bischof von Würzburg, Friedhelm Hofmann, wurden für ihre Entscheidung, den angezeigten Pater D. aus der Seelsorge zu entfernen, kritisiert. Orden und Bistum halten Pater D. für schuldig. Weitere Schritte gegen den ehemaligen Diözesankaplan und geistlichen Beirat der DJK Würzburg werden vom Ordensgeneral der Franziskaner-Minoriten in Rom entschieden. Quelle: mainpost


3.10.2010 In den letzten 2 Wochen haben sich weitere 40 Missbrauchsopfer in Belgien gemeldet. Das hat die Arbeitsgruppe “Menschenrechte in der Kirche” aus Löwen bekanntgegeben. Quelle: brf


2.10.2010 Eine Stimme der Hoffnung: Dom Erwin Kräutler erhielt den alternativen Nobelpreis für seinen Kampf mit den und für die Menschen im Regenwald. Er sagt u.a.: “Ein Bischof gehört unters Volk.” Recht hat. Quelle: kurier.at


2.10.2010 Das Ausmaß sexualisierter Gewalt von Priestern gegen Kindern mache in Italien keine kirchliche Initiative gegen Missbrauch nötig, sagte der Generalsekretär der Bischofskonferenz, Mariano Crociata. Quelle: Radio Vatikan


In Italien wurden 2012 erstmals Missbrauchsfälle in der kath. Kirche benannt: Zwischen 2000 und 2011 gab es 135 Fälle von Missbrauch von Kindern. 77 Fälle wurden gerichtlich verhandelt. 22 Priester wurden in erster Instanz, 17 weitere in 2. Instanz verurteilt. 5 Beschuldigte wurden freigesprochen. In 21 Fällen kam es zu einer Einigung, 12 Verfahren endeten mit Freispruch. Eine Studie von AP spricht von 73 Tätern und mindestens 235 Opfern.

1.10.2010 Der belgische ehemalige Leiter der Missbrauchskommission sprach sich in einem Interview für den Rücktritt des Papstes aus. Ihm gehen die von der Kirchenleitung eingeleiteten Schritte nicht weit genug. Quelle: BRF


1.10.2010 Karin Kortmann, Vizepräsidentin des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, hält den Bischöfen Zögerlichkeit bei der Entschädigung von Missbrauchsopfern vor. Ihr ist schwer verständlich, warum die Bischöfe keine Summen für finanzielle Hilfen nennen und nicht großherzig handeln – was man von ihnen zu Recht erwarten könne. In der Öffentlichkeit werde der Verdacht genährt, dass sich die Bischöfe drücken wollen. Quelle: Domradio


1.10.2010 Ursula Enders, Zartbitter Köln, nennt das Entschädigungsangebot der katholischen Kirche (bis zu 4250 Euro an Psychotherapiekosten für Missbrauchsopfer) eine Verhöhnung der Opfer. Sie kennt Fälle, in denen Opfer mehrere Zehntausend Euro für Therapiekosten selbst gezahlt haben. Sie weist darauf hin, dass die am Runden Tisch versammelten Institutionen zum Teil selbst Tatort gewesen sind. Die automatische Strafanzeige beurteilt sie als ein Druckmittel in der Hand von Tätern: “Du bist schuld, wenn ich ins Gefängnis muss.” Quelle: FR