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Presse

3. Quartal 2017

30.9.2017 Die kanadische Justiz hat Haftbefehl gegen einen Vatikandiplomaten erlassen. Der Geistliche ist ranghoher Mitarbeiter der Botschaft des Heiligen Stuhls in Washington. Ihm wird Konsum und Verbreitung von Kinderpornografie über einen kirchlichen Rechner vorgeworfen. Die Straftat ereignete sich zwischen dem 24. und 27.12.2016 in Windsor/Ontario in Kanada. Ein Festnahmeersuchen an den Vatikan, wo sich der Beschuldigte aufhält, hat Kanada nicht gestellt. Der Vatikan hat strafrechtliche Ermittlungen aufgenommen. Quelle: religion.orf.at


30.9.2017 Im Bistum Würzburg wurde ein Priester angestellt, der sich als Missbrauchstäter mit langer Vorgeschichte entpuppte. Hier ist die Geschichte der mutmaßlichen Vertuschung durch kirchliche Stellen und der Förderung eines pädophilen Priesters durch kirchliche Stellen nachzulesen. Zuvor hatte sich auch die politische Gemeinderätin Teresa Arrieta (PUK Bürgerliste Klosterneuburg) in einem Offenen Brief an das Stift Klosterneuburg gewandt. Quelle: profil.at


29.9.2017 Die italienische Bischofskonferenz hat eine Arbeitsgruppe gegen sexuellen Missbrauch eingerichtet. Leiter des neuen Arbeitskreises ist mit Lorenzo Ghizzoni der Erzbischof von Ravenna. Quelle: http://de.radiovaticana.va/news/2017/09/29/italiens_bisch%C3%B6fe_arbeitsgruppe_gegen_kindesmissbrauch/1339815


28.9.2017 Der Kongress “Child dignity in the digital world” wird vom Kinderschutzzentrum der Gregoriana, Rom, ausgerichtet. Rund 150 Fachleute tagen vom 3.-6. Oktober. Der Initiator, Pater Zollner, hat die Fachleute auf höchster Ebene, Wissenschaft, Regierungen, NGOs wie UNICEF, Polizei, Medienvertreter und Medienfirmen und Vertreter verschiedener Religionen an einen Tisch bekommen. Die Teilnahme am Kongress erfolgt auf persönliche EInladung. “Die Stimme von Opfern sexuellen Missbrauchs eröffnet die Veranstaltung. ‘Wir werden mit einem kleinen Video beginnen, in dem dargestellt wird, welchen Schaden sexueller Missbrauch bei Kindern und Jugendlichen anrichtet. Wir haben uns entschieden, keine direkten Opfer einzuladen, weil es sich ja auch um sehr junge Menschen handeln würde und wir eine Retraumatisierung verhindern möchten.’ Stattdessen werden zehn Studierende aus verschiedenen Ländern und Universitäten, die in Rom ansässig sind, in den zehn Arbeitsgruppen ihre Sicht auf die digitale Welt einbringen”, heißt es im Bericht von Radio Vatikan. Die Konferenz wird im Internet übertragen über http://childprotection.unigre.it/.Quelle: Radio Vatikan


26.9.2017 In den USA wird die Opferinitiative SNAP (“Survivors Network of those Abused by Priests”), die seit 29 Jahren Missbrauchsopfer von Priestern begleitet, von den katholischen Bischöfen als Bedrohung für die katholische Kirche angesehen. Die Gründungsmitglieder David Clohessy und Barbara Blaine (gest.24.9.2017) weisen den Vorwurf der Kirche, SNAP füge der Kirche “unsäglichen Schaden” zu, zurück. Man könne von SNAP nicht behaupten, der Verein füge den Missbrauchsopfern und deren Familien “die ja schließlich genauso wie die Bischöfe zur Kirche gehörten, irgendwelchen Schaden zu. Richtig beschädigt hätten die Bischöfe die Kirche durch ihr ruchloses Verhalten im Umgang mit den von Priestern begangenen Sexualverbrechen. Quelle: imprimatur


25.9.2017 Die Päpstliche Kinderschutzkommission hat derzeit ihre letzte Vollversammlung nach 3 Jahren Arbeit. Ziel der Arbeit ist, die Stimme der Opfer von Missbrauch durch Kleriker noch besser als bisher hörbar zu machen, weiter an den Richtlinien für die lokalen Bischofskonferenzen zu arbeiten und bei der Aufklärung und Ausbildung von Kirchenmitarbeitern und Geistlichen zu arbeiten. Die Kommission hat dem Papst den Vorschlag gemacht, eine Art Opfer-Beirat einzurichten. Bislang waren zwei Opfer Mitglied der Kommission. Quelle: http://de.radiovaticana.va/news/2017/09/25/kinderschutzkommission_stimmen_der_opfer_h%C3%B6rbarer_machen/1338911, nicht mehr online. Der ncronline.org machte bereits im August darauf aufmerksam, dass mit der Neustrukturierung der Kommission Ende 2017 Missbrauchsopfer ihre direkte Rolle in der Päpstlichen Kinderschutzkommission verlieren werden – faktisch ist mit der Suspendierung von Peter Saunders (2/2016) und dem Ausstieg von Marie Collins (3/2017) schon jetzt kein Opfer mehr in der Kommission.

Kommentar: Wenn keine Opfer mehr in der Päpstlichen Kinderschutzkommission sind, besteht die Gefahr, dass der Opfer-Beirat nur dann gehört wird, wenn die Kommission das möchte. Eine Mitbestimmung bei Entscheidungen ist dann nicht mehr möglich. Wenn zugleich betont wird, dass Opfer mit der Einrichtung eines Beirates noch besser als bisher gehört werden, ist das eine Doppelbotschaft – und solche Doppelbotschaften sind Missbruchsopfern sehr vertraut.


23.9.2017 Norbert Lüdecke im Gespräch mit Christoph Fleischmann über die Studie der australischen königlichen Missbrauchskommission und die Missbrauchsstudie am Collegium Josephinum in Münstereifel. Lüdecke stellt fest, dass die australische Studie von ehemaligen Priestern, also Kennern des Systems, durchgeführt wurde. … “Denn wer nach spezifischen Merkmalen von Missbrauch in der Kirche sucht, und das muss man, wenn Prävention nicht blind und bloße PR bleiben soll, der muss das katholische System, also sein Ideengebäude und seine rechtliche Struktur verstehen….Der Pflichtzölibat funktioniert weithin nicht .. Es ist ein dysfunktionaler Zölibat, der das Problem ist. … Der Pflichzölibat ist keine lineare Ursache für Kindesmissbrauch… Er ist EIN Faktor, der in Kombination mit anderen Risikofaktoren… riskant werden kann… Wer Fragen ausblendet, gewinnt m.E. verlorene Glaubwürdigkeit nicht zurück…Es muss eine offene Auseinandersetzung darüber stattfinden, dass viele Forscher den nicht funktionierenden Pflichtzölibat als ein Problem ansehen, … das relevant sein kann für die Missbrauchsproblematik. Das reicht doch schon, um sich damit auseinanderzusetzen. Das aber regelmäßig damit abzublocken, dass man sagt, es kann hier keinen Zusammenhang geben, dann brauche ich auch keine Untersuchung, wenn ich die Antworten immer schon vorher kenne.” Quelle: wdrmedien-a.akamaihd.net


23.9.2017 Der Pfarrer, der im Bistum Würzburg einen Minderjährigen missbrauchte, hatte bereits 1993 im Stift Klosterneuburg einen Messdiener missbraucht. Nach Angaben des Stiftes brach der Kontakt zw. dem Kloster und dem Täter 1994 ab. Der Täter war jedoch bis 1996 in Klosterneuburg gemeldet und bis 1998 in einer Wohnung in Wien, die dem Stift gehört. Quelle: profil.at  noe.orf.at


23.9.2017 Nach kirchenrechtlichen Voruntersuchungen wird dem früheren Pfarrer der katholischen Gemeinde Freisen Missbrauch von Minderjährigen in mehreren Fällen vorgeworfen. Das Bistum werde dem Vatikan empfehlen, ein kirchenrechtliches Strafverfahren einzuleiten. Weiterhin dürfe der 63-Jährige keine Messe feiern. Staatsanwaltliche Ermittlungen waren u.a. wegen Verjährung eingestellt worden. Quelle: sr.de


Wie es denen erging, die Opfer waren oder den Opfern beistanden, ist hier nachzulesen. s. auch saarbruecker-zeitung.de 13.7.2016  zeit.de 3.5.2017


22.9.2017 Papst Franziskus sagte “Avvenire”, dass er sich zu Beginn seiner Amtszeit bei der Begnadigung eines Priesters nach sexuellem Missbrauch geirrt habe. Das werde er nie wieder tun. Der “Osservatore Romano” berichtete davon nichts. Der “Osservatore Romano” informierte lediglich, der Papst habe zusätzlich zum offiziell verteilten Redetext vor der Päpstlichen Kinderschutzkommission auch eigene Überlegungen ohne Manuskript vorgetragen. Franziskus bezog sich auf den Priester Don Mauro Inzoli, genannt “Don Mercedes”, der im Dezember 2012 unter Papst Benedikt aus dem Priesterstand entlassen wurde. 2014 wurde ihm nach seinem Einspruch lediglich ein zurückgezogenes Leben in Gebet und demütiger Zurückhaltung auferlegt. Nach seiner staatlichen Verurteilung 2016, die Taten zwischen 2004 und 2008 ahndete, wurde er erneut aus dem Priesteramt entlassen. – Der Papst hatte davon gesprochen, dass Inzoli zwischen 2014 und 2016 erneut straffällig geworden wäre. Die Anwälte Inzolis korrigierten den Papst, der sei wohl schlecht informiert gewesen. Quelle: orf  katholisch.de


21.9.2017 Pater Hans Zollner, SJ, berichtet, dass der Vatikan seine Kommunikation mit Missbrauchsopfern vertiefen wolle, denn es brauche mehr als eine Eingangsbestätigung. Der Vatikan arbeite an einem System und wolle ein Modell entwickeln, “wie man auf die Anfragen von Missbrauchsopfern in zig Sprachen an verschiedene Stellen im Vatikan per Brief und E-Mail reagieren” könne, sagte Zollner. Quelle: domradio.de  religion.orf.at katholisch.de


21.9.2017 Der Papst hat vor der Päpstlichen Kinderschutzkommission die Null-Toleranz-Politik des Vatikans im Umgang mit kirchlichen Missbrauchsfällen bekräftigt und gesagt, die Kirche habe spät auf den Missbrauch reagiert. Die Päpstliche Kinderschutzkommission will bis zum Sonntag über einen opferzentrierten Ansatz bei der Aufarbeitung und in der Präventionsarbeit sprechen und eine Bilanz ihrer bisher geleisteten Arbeit ziehen. Quelle: http://de.radiovaticana.va/news/2017/09/21/missbrauch_papst_bekr%C3%A4ftigt_%E2%80%9Enull-toleranz-prinzip%E2%80%9C/1338056

Hinweis: Auf der Internetseite der Päpstlichen Kinderschutzkommission wird Peter Saunders weiterhin als Mitglied geführt. Saunders wurde suspendiert (“eine Auszeit nehmen”). – Nach Angaben der Kommission fanden acht Treffen statt: Das Gremium tagte am 6.-7.2.2015 zum ersten Mal. Das zweite Treffen fand vom 9.-11.10.2015 statt, ein drittes 7-tägiges Treffen war im Februar 2016, vom 5.-11.9.2016 fand ein viertes Treffen statt und vom 24.-26.3.2017 war die achte Vollversammlung. Über das 5.-7. Treffen liegen mir keine Informationen vor.


21.9.2017 Der katholische Bischof der Diözese Crookston, Michael Hoepner, steht vor Gericht, weil er Informationen über Missbrauch zurückgehalten hat. Ein Opfer von Monsignore Roger Grundhaus, Vasek, sagt, er sei von Bischof Hoepner bedroht und eingeschüchtert worden, um über den sexuellen Missbrauch zu schweigen. Der Bischof habe gedroht, Vasek am Diakonen-Amt zu hindern. Quelle: wday.com


21.9.2017 Ärzte arbeiten an einem Handbuch für den Umgang mit Missbrauchsverdacht. Es soll Ende 2018 erscheinen. Quelle: aerzteblatt.de


20.9.2017 Anlässlich des Weltkindertages sagt der Bundesbeauftragte Missbrauch: “Kindern eine Stimme geben, heißt auch, dass es Erwachsene braucht, die diese Stimmen hören und entsprechend handeln!” Quelle: beauftragter-missbrauch.de


20.9.2017 Daniel Pittet wird interviewt. Erneut wird Vergebung genannt, was Pittet so definiert: “Die Vergebung bedeutet, dass ich in meinem Peiniger einen Menschen sehe, der Verantwortung trägt.” Der Kommentator meint: Für die katholische Kirche wäre Daniel Pittet ein Glücksfall, wenn das bei dem, was ihm angetan wurde, möglich wäre. Er macht seiner Kirche keinen Vorwurf, in deren Schoß der Täter, der mehr als 20 weitere Kinder vergewaltigt hat, lange gedeckt wurde.” Hans Zollner spricht davon, dass klar werden muss: “Menschen, die verwundet worden sind durch uns, in unseren Institutionen, müssen Platz finden.” – Die EU geht davon aus, dass 20% aller Kinder sexuelle Gewalt erleben.  Quelle: Deutschlandfunk s. auch: blick.ch  Teil 2 blick.ch


20.9.2017 Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung weist anlässlich des Weltkindertages darauf hin, dass das Sprechen über sexuelle Gewalt in unserer Gesellschaft noch immer aus Angst und Scham für viele unmöglich ist. Dieses Schweigen müsse überwunden werden, sagt Rörig. Dazu brauche es personelle und finanzielle Ressourcen und der Schutz von Kindern und Jugendlichen müsse ins Zentrum politischer Entscheidungen gerückt werden. Quelle: beauftragter-missbrauch.de


19.9.2017 Erzbischof Barbarin, Lyon, stand bereits im Februar 2017 vor Gericht wegen Nichtanzeige von sexuellen Übergriffen gegen Minderjährige und wegen unterlassener Hilfeleistung. Er wurde freigesprochen. Nun jedoch haben zehn Opfer des Priesters, der vor mehr als 25 Jahren Pfadfinder sexuell missbrauchte und der Ende August 2015 seines Amtes enthoben wurde, einen anderen Rechtsweg eingeschlagen. Damit ist ein Prozess möglich geworden. Außer Barbarin werden sich sechs weitere Kirchenvertreter vor Gericht verantworten müssen. Der Prozess findet 2018 statt. Quelle: business-panorama.de  http://de.radiovaticana.va/news/2017/09/20/frankreich_lyons_kardinal_vor_gericht/1337865, nicht mehr online


19.9.2017 Die Augustiner-Chorherren des Stiftes Klosterneuburg weisen den Vorwurf der Vertuschung eines Missbrauchsfalles zurück. Aus dem Priesterseminar Trier hätten sie nichts darüber erfahren, was eine Aufnahme des Bewerbers als Novize verhindert hätte. Quellen: stift-klosterneuburg.at  religion.orf.at

Kommentar: Die Informationen sind widersprüchlich: Einmal heißt es, die Augustiner-Chorherren hätten nicht im Priesterseminar nachgefragt (s. mainpost.de), warum der Kandidat das Priesterseminar verlassen hat. Der Regens soll den Bewerber für ungeeignet für das Priestertum gehalten haben. Dann heißt es, die Stellungnahme des Regens’ des Priesterseminars wäre einer Aufnahme ins Noviziat der Augustiner-Chorherren nicht im Wege gestanden.


17.9.2017 “Nicht alle Menschen – Opfer, Überlebende, Beteiligte – können über ihre Erfahrung und ihre Geschichte sprechen. Was sagt er [Daniel Pittet] diesen Menschen? „Ich sage ihnen, dass es manchmal besser ist, zu schweigen. Es ist sehr hart, wenn man spricht. Ich habe viele Briefe bekommen, die das erzählen. Zum Beispiel in der Familie, die Menschen müssen weggehen, weil ihnen nicht geglaubt wird. Der Onkel, der Vater, die Mutter, ja auch Mütter, damit kann man nachher nur sehr schwer leben. Sprechen kann man mit guten Freunden und mit dem Psychiater, ansonsten muss man fast schweigen.“ Das sagt Daniel Pittet, Missbrauchsopfer eines Jugendpfarrers, eines Kapuziners. Und er fährt im Interview fort: „Ja, ich hoffe, dass er mit mir zusammen in den Himmel kommt. Er hat eine Abhängigkeit, er hat nichts daran machen können. Wenn er ein Kind gesehen hat, hat er immer sofort geschaut, wie er es bekommen könne. Er hat geglaubt, dass das gut ist und dass er etwas Gutes tut.“ Pittet habe gar nicht gewusst, wie sehr auch die Täter litten: “Man kann nicht aufhören, das ist das Schlimmste.” Quelle: de.radiovaticana.va, nicht mehr online

Kommentar: Dass ein kirchliches Opfer anderen Opfern Schweigen empfiehlt, dient nicht den Opfern – es dient lediglich dem Schutz der Täter und ihrer Helfer. Vielleicht ist das der Grund, weswegen der Papst ein Vorwort zum Buch Pittets geschrieben hat und dieses Buch in kirchlichen Kreisen so gelobt wird. Das Verständnis Pittets für Missbrauchstäter ist unerträglich – und vermutlich nur als traumatypische Identifikation mit dem Aggressor zu erklären.


17.9.2017 Der Jesuit Hans Zollner, Mitglied der Päpstlichen Kinderschutzkommission und Leiter des Kinderschutzzentrums der Gregoriana, stellt fest, das eine “Theologie im Angesicht von Missbrauch, eine Theologie der Kindheit” fehle. Obwohl seit ca 30 Jahren sexueller Missbrauch in der Kirche bekannt sei, gebe es keine theologische Auseinandersetzung mit dem Thema. – Vom 3. – 6. Oktober 2017 findet in Rom der Weltkongress “Child Dignity in the Digital World” statt. 140 Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Politik und Religion werden neuen Gefahren (Trolling, Cyber-Bullying, sexuelle Erpressung und Cyber Grooming) nachgehen. Am Ende soll eine “Erklärung zum Schutz der Würde von Kindern in der digitalen Welt” stehen. Quellen: domradio.de  domradio.de  kath.ch


16.9.2017 Ein Psychologe erklärt einem nordamerikanischen Bischof, was geschehen muss, bevor Vergebung möglich ist: Entschuldigung, Strafe, Entschädigung und Versöhnung. Mit einer billigen Bitte um Vergebung sei es nicht getan, sagte der Psychologe Arthur McCaffrey. Quelle: ohio.com


16.9.2017 Das Stift Klosterneuburg hat zugegeben, dass ein Augustiner Chorherr 1991 einen minderjährigen Ministranten missbrauchte. Die Mutter des Opfers wollte keine Anzeige erstatten. Nach dem Übergriff wohnte der Täter noch mehrere Jahre in einer Wohnung des Stiftes. 1996 wurde der ehemalige Chorherr in Rumänien zum Priester geweiht. Die Umstände der Weihe sind ungeklärt. Bernhad Backovsky, damaliger Novizenmeister, habe sich noch 1997 für den Täter eingesetzt. – Im Jahr 2000 bekam der Pfarrer im Bistum Würzburg eine Gemeinde und missbrauchte einen weiteren Minderjährigen. Quelle: profil.at noe.orf.at


15.9.2017 Ein in Washington akkreditierter Priester im diplomatischen Dienst des Hl. Stuhles wurde in den Vatikan zurückgerufen. US-Behörden verdächtigen den Priester des Besitzes kinderpornografischer Bilder. Der Vatikan lehnte es am 21.8.2017 ab, die diplomatische Immunität des Priesters aufzuheben. Nun prüfen die Vatikanischen Staatsanwälte die Vorwürfe. Quelle:  bloomberg.com  deutschlandfunk.de  http://de.radiovaticana.va/news/2017/09/15/vatikan_pr%C3%BCft_kinderporno-vorw%C3%BCrfe_gegen_diplomaten/1337042, nicht mehr online

Kommentar: In den in Deutschland geltenden Leitlinien für den Umgang mit sexuellem Missbrauch Minderjähriger ist die Meldung an die staatliche Strafverfolgungsbehörde vorgesehen, wenn sich tatsächliche Anhaltspunkte ergeben und wenn die Opfer nicht widersprechen. Für Vatikan-Mitarbeiter in den Botschaften und Nuntiaturen scheint diese Regelung nicht zu gelten – sie werden zurückgeholt und damit der staatlichen Gerichtsbarkeit entzogen.


15.9.2017 Gisbert Schneider, von 1959 bis 1966 Schüler im „Collegium Josephinum“, hat am Forschungsprojekt teilgenommen. Nach seiner Einschätzung hätte sich die Kirche längst offensiv mit ihrer Sexualmoral oder dem priesterlichen Zölibat befassen müssen. Quelle: ksta.de


14.9.2017 Von den Machtkämpfen im Vatikan berichtet Christ in der Gegenwart. Quelle: christ-in-der-gegenwart.de


14.9.2017 Im Erzbischöflichen Konvikt “Collegium Josephinum” in Bad Münstereifel wurde gegen zwei der Verdächtigen kirchenintern vorgegangen, wie Oliver Vogt, der Interventionsbeauftragte des Bistums mitteilte. In beiden Fällen wurde die ZCelebrationserlaubnis entzogen, ein Priester in den vorzeitigen Ruhestand geschickt. Alle Verdächtigen würden dabei seelsorgerisch und psychologisch betreut. Ein Schuldeingeständnis habe in den Gesprächen keiner abgegeben, wohl aber sei Betroffenheit zu spüren. Vogt bestätigte, dass einer der beschuldigten Priester noch im aktiven Dienst ist. Dabei dürfte es sich um einen Priester handeln, der 1982 nach sexuellen Übergriffen in Bad Münstereifel versetzt worden war und anschließend noch zweimal die Stelle wechseln musste. Er hat zwar keine eigene Pfarrei mehr, zelebriert aber noch Messen, Hochzeiten und Beerdigungen und lebt in einem Pfarrheim im Rhein-Sieg-Kreis. Quelle: general-anzeiger-bonn.des. auch: ksta.de/  rundschau-online.de


14.9.2017 Unter dem Titel “Missbrauchsopfer Daniel Pittet vergibt seinem Täter” schreibt Johannes Bernhard in der Kirchenzeitung “Kirche und Leben” zum Buch des Missbrauchsopfers Daniel Pittet, zu dem Papst Franziskus ein Vorwort geschrieben hat. J. Bernhard hält sich damit an den Titel des Buches “Pater, ich vergebe Euch!”, das so im Vatikan-Verlag, in einem französischen Verlag und im dt. Herder-Verlag betitelt wurde. Quelle: kirche-und-leben.de

Kommentar: Im Interview zitiert Christoph Fleischmann Daniel Pittet zu dessen Verständnis von Vergebung so: “Die Vergebung bedeutet, dass ich in meinem Peiniger einen Menschen sehe, der Verantwortung trägt.” Nun bedeutet die Übergabe der Verantwortung an den Täter für sein Tun gerade nicht Vergebung, sondern Verantwortlich-Machen für eine Schuld. Dies geschieht in der Regel im Kontext der Erkenntnis des Opfers, selbst an der Gewalt keine Schuld zu tragen, nachdem Missbrauchsopfer üblicherweise lange Zeit davon ausgehen, der Missbrauch sei ihre Schuld gewesen und nicht die Schuld des Täters. Wenn der Autor, die verschiedenen Verlage und die Kirchenpresse dieses Verantwortlich-Machen als “Vergebung” bezeichnen, so benutzen sie den Begriff Vergebung nicht richtig. Der Begriff “Vergebung” – losgelöst von der Bedeutung, die Pittet ihm gibt –  ist geeignet, (andere) Opfer unter Druck zu setzen.   


13.9.2017 Die Erzdiözese Santa Fe hat die Namen von 74 Priestern und religiösen Führern veröffentlicht, die des sexuellen Missbrauchs für schuldig befunden wurden. Quelle: crux-now


13.9.2017 Eine Studie der RMIT University in Melbourne untersuchte systemische Ursachen sexuellen Missbrauchs von Kindern in der kath. Kirche. Die Autoren – Peter Wilkinson und Desmond Cahil – sehen vor allem zwei Ursachen: Den Zölibat und die große Zahl kirchlicher Waisenhäuser. Das Risiko, Opfer zu werden, trifft vor allem in Wohnzusammenhängen zu, zu denen psychosexuell unreife und/oder sexuell benachteiligte zölibatär Lebende Zugang haben. Der Bericht verweist auf die niedrigere Zahl von Missbrauchsfällen in den katholischen Ostkirchen, die keinen Pflichtzölibat kennen. Quelle: Radio Vatikan, http://de.radiovaticana.va/news/2017/09/13/missbrauchsstudie_%E2%80%9Ez%C3%B6libat_ein_beg%C3%BCnstigender_faktor%E2%80%9C/1336680, nicht mehr online Der Report

Kommentar: Es wird also allerhöchste Zeit, über den Pflichtzölibat in der röm.-kath. Kirche zu sprechen und Änderungen einzuleiten – um Kinder und Jugendliche zu schützen. Und nach wie vor: Um Gerechtigkeit auch für Frauen herzustellen. Es bleibt abzuwarten, ob diese Stimme gehört wird.


13.9.2017 Die Studie über jahrzehntelangen körperlichen, psyhchischen und sexuellen Missbrauch im erzbischöflichen Konvikt “Collegium Josephinum” in Bad Münstereifel ergab u.a., dass sechs Priester und eine weitere Fachkraft sexuelle Gewalt ausübten. An der Ausübung körperlicher Gewalt waren zwölf Fachräfte, darunter vier Priester beteiligt.

Vier der beschuldigten Priester leben noch. Strafrechtlich seien die Fälle aber verjährt. Um kirchenrechtlich gegen sie vorgehen zu können, benötigt das Erzbistum konkrete Vorwürfe von Opfern. Zwei Priester unterliegen einem öffentlichen Zelebrationsverbot, einer davon ist nicht mehr im Dienst, der andere wurde in den Ruhestand versetzt. Diese beiden Fälle liegen der Glaubenskongregation vor. Quelle: Erzbistum Köln
Endbericht Sexueller Missbrauch, physische und psychische Gewalt am Collegium Josephinum, Bad Münstereifel Eine wissenschaftliche Aufarbeitung mit und für Betroffene. Endbericht, Köln im Juli 2017, Claudia Bundschuh


11.9.2017 Geplant war, eine groß angelegte Studie über jahrzehntelangen Missbrauch von Schülern am erzbischöflichen Konvikt “Collegium Josephinum”, Bad Münstereifel, öffentlich vorzustellen. Die Projektleiterinnen, Prof. Claudia Bunschuh und RA Bettina Janssen, berichteten von Drohanrufen. Nun wurde die öffentliche Vorstellung der Studie mit Informationen für Betroffene zum Abschlussbericht abgesagt, weil der Schutz und die Integrität der primär Betroffenen nicht garantiert werden könne. Bereits zu Beginn der Studie setzte Gegenwehr besonders von jüngeren Ehemaligen des Konvikts ein – sie hätten nur gute Erfahrungen im Josephinum gemacht und sähen sich, ihre Schule, Lehrer und Erzieher einem pauschalen und falschen Verdacht ausgesetzt. Quelle: ksta.de


11.9.2017 Nach Ansicht von Hans Zollner, SJ, Mitglied der Päpstlichen Kinderschutzkommission, haben die Menschen in Australien jegliches Vertrauen in die Kirche verloren. Quelle: thetablet.co.uk


10.9.2017 Interview von Christoph Fleischmann mit Daniel Pittet über sein Buch “Pater, ich vergebe euch”. Quelle: nicht mehr online: http://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-diesseits-von-eden-beitraege/audio-daniel-pittet-pater-ich-vergebe-euch-100.html


9.9.2017 Die Staatsanwaltschaften Oldenburg und Hannover haben das Verfahren gegen einen Priester (74) aus Lohne  wegen des Verdachts sexuellen Missbrauchs von Kindern eingestellt. Der Priester war verdächtig, Jugendlichen pornographische Abbildungen gezeigt zu haben und jugendpornographische Schriften verbreitet zu haben. Nun wurde auch die kirchliche Voruntersuchung eingestellt, weil keine nachweisbaren kirchenrechtlichen Straftatbestände vorlägen. Eine Meldung an die Glaubenskongregation ergeht folglich nicht. Dennoch müsse das Bistum “ein deutlich unangemessenes Verhalten des Priesters gegenüber den betreffenden Kindern und Jugendlichen” konstatieren. Der Priester wurde in den Ruhestand versetzt und darf auf dem Gebiet der Pfarrei St. Gertrud in Lohne keine priesterlichen Tätigkeiten mehr ausüben. Quelle: nwzonline.des. auch kreiszeitung.de  und kirche-und-leben.de vom 22.12.2016


5.9.2017 Das Netzwerk Überlebender von Priestern (SNAP) und das Center for Constitutional Rights (CCR) übermittelten de UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes einen Bericht, in dem dargelegt wird, dass der Heilige Stuhl den am 1.9.2017 fälligen Bericht über die Fortschritte im Kampf gegen sexuellen Missbrauch in der Kirche nicht vorgelegt hat. Barbara Dorris, Geschäftsführerin von SNAP, sieht darin einen Hinweis, dass die kirchlichen Beamten den Prozess nicht ernst genommen haben. Außerdem habe die Kirche keine der Empfehlungen des UN-Ausschusses für Kinderrechte umgesetzt. Quelle: snapnetwork.org   Ausführlicher Bericht


1.9.2017 In Hessen wurden 2016 2930 Fälle akuter oder latenter Kindesgefährdungen gemeldet. Gegenüber 2015 ist dies ein Anstieg von über 14 %. In 52% der Fälle handelte es sich um Vernachlässigung, bei 5% wurden Anzeichen sexueller Gewalt festgestellt. Quelle: hessenschau


31.8.2017 Hans Zollner, SJ, Mitglied er Päpstlichen Kinderschutzkommission, berichtet, dass Die Glaubenskongregation jährlich mit 400-500 Anzeigen wegen sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester zu bearbeiten hat und nur 10 Mitarbeiter hat. Es fehle an ausgebildeten Kirchenrechtlern, nicht am Willen, mehr Personal einzustellen. Ca 2000 Fälle liegen derzeit unbearbeitet bei der Glaubenskongregation. Quelle: catholicleader.com.au


31.8.2017 Papst Franziskus hatte einen kurzen Kontakt mit Missbrauchsopfern aus der italienischen Kommune Forteto. Der Vorsitzende des Opferverbands von Forteto, Sergio Pietracito, sieht das Treffen als Anerkennung für den Kampf der Opfer an. Ihre Anzeigen seien „jahrelang als nahezu surreal abgetan worden“. Er erhoffe sich von der Begegnung auch, dass das Interesse des Papstes für andere ein Zeichen sei, „die Aufmerksamkeit für das Geschehene weiter wachzuhalten und die Opfer weiter zu unterstützen“. Quelle: religion.orf.at


31.8.2017 Der australische Priester Ridsdale war bereits 1993 zu 23 Jahren Haft verurteilt worden. Nun wurde er wegen weiterer sexueller Übergriffe gegenüber Kindern/Jugendlichen zu weiteren 11 Jahren Haft verurteilt. Ridsdale hat zwischen 1961 und 1988 insgesamt 65 Kinder/Jugendliche sexuell missbraucht. Er wurde vor seiner Suspendierung 1993 immer wieder von der Kirche gedeckt und in neue Pfarreien versetzt. Medienberichten zufolge soll Pell in seiner Funktion als ranghöchster Kardinal Australiens bei der Versetzung seines früheren Mitbewohners Ridsdale in neue Gemeinden geholfen haben. Ein Neffe Ridsdales, der  von dem Priester im Alter von elf Jahren missbraucht worden sein soll, vertraute sich 1993 Pell an. Dieser soll ihm Schweigegeld geboten haben. Quelle: religion.orf.at  kath.de


31.8.2017 “Das Werk”, eine katholische Gemeinschaft, muss seine Statuten ändern. 2014 hatte Doris Wagner in einem Buch von sexuellem Missbrauch während einer Beichte berichtet. Der beschuldigte Priester gestand und wurde an eine zentrale Stelle in der Kurie nach Rom versetzt. Er wurde Abteilungsleiter in der Glaubenskongregation. Auch andere Mitglieder erhoben Vorwürfe. Die neuen Statuten sehen ein Generalkapitel vor. Die Ordensleitung muss gewählt werden. Bisher wurde sie vom innersten Zirkel, dem “Familienrat”, auf Lebenszeit bestimmt. Mit der Einrichtung eines Generalkapitels ist der innere Zirkel entmachtet. Quelle: vorarlberg.orf.at, s.a. orf  vorarlberg.orf  Die Zeit


24.8.2017 Britische Behörden, u.a. die katholische Kirche, verweigerten bislang ca 700 Missbrauchsopfern Entschädigungszahlungen mit der Begründung, die Opfer hätten dem Missbrauch zugestimmt. Quelle: Independent 


23.8.2017 Die Päpstliche Kinderschutzkommission steht vor einer Neustrukturierung. Überlegt wird, ob alle Opfer aus der Kommissionsarbeit entfernt werden (Peter Saunders wurde bereits suspendiert, Marie Collins trat zurück, weitere Mitglieder, die selbst Opfer waren, gibt es nicht) und stattdessen ein Beirat aus Opfern installiert werden soll, der von der Kommission gehört werden soll. Ein Ausschuss der Kinderschutzkommission soll das Vorhaben prüfen. Peter Isely, ein Gründungsmitglied von SNAP, vermutet, dass die Überlegung der Umstrukturierung der Kinderschutzkommission helfen soll, Konflikte mit den Opfern zu vermeiden. Fr. Thomas Doyle kommentiert: “What would they do? Would they have any power? Would they have any influence? Would anyone listen to them? Would they just be a panel that exists in name only?…It sounds to me as if that idea is something that was conjured up to make the appearance that they’re taking it seriously and doing something, while in fact it’s simply another smoke and mirrors production.” Doyle beurteilt die bisherige Tätigkeit der Päpstlichen Kinderschutzkommission: “Nach drei Jahren bin ich mir nicht sicher, dass sie etwas getan haben, was wirklich sinnvoll ist.” Quelle: ncronline.org


21.8.2017 In Brisbane, Australien, wurde ein katholischer Ordenspriester der La Salle-Brüder zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Er hat zwischen 1978 und 1983 in einem Waisenhaus neun Kinder sexuell missbraucht. Quellen: orf.at   couriermail.com.au


17.8.2017 Im Herder-Verlag erschien das Buch von Daniel Pittet: “Pater, ich vergebe Euch! Missbraucht, aber nicht zerbrochen“ auf deutsch. Der Autor beschreibt darin, wie ihn ein katholischer Priester, Kapuzinerpater und Jugendpfarrer zwischen 1968-1972 vergewaltigte. Der Kapuziner hat mehr als 20 Kinder missbraucht. In den 1990er Jahren gab es Ermittlungen, die wegen Verjährung eingestellt wurden. 2012 wurde der Pater in einem weiteren Verfahren zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Nach der Veröffentlichung von Pittets Buch im Februar 2017 – also 5 Jahre nach seiner Verurteilung – wurde er dann aus dem Klerikerstand und dem Kapuzinerorden entlassen. Papst Franziskus kündigt im Vorwort des Buches an, er werde hart gegen Missbrauch und dessen Vertuschung vorgehen – dies gelte auch für Bischöfe oder Kardinale, die Täter schützten. Quelle: religion.orf.at


17.8.2017 Nach Einschätzung von Terres des Hommes nimmt Kindesmissbrauch per Webcam immer heftigere Züge an. Zahlen nennt das BKA nicht, die Dunkelziffer sei hoch. Quelle: stern.de


17.8.2017 Roman Polanski wird eine zweite Vergewaltigung einer 16-Jährigen vorgeworfen, die jedoch verjährt ist. Quelle: stern.de


16.8.2017 Nach knapp zwei Jahren liegen nun die Ergebnisse der Studie vor, die den Missbrauchsvorwurf gegen den verstorbenen Hildesheimer Ex-Bischof Heinrich Maria Janssen und den Umgang des Bistums mit Missbrauchsvorwürfen gegen den Haupttäter am Berliner Canisius-Kolleg mit mehr als 100 Opfern, Peter R., SJ, untersuchte. Das Bistum Hildesheim äußerte sich nicht zu den Ergebnissen der Studie. Erst Anfang oder Mitte Oktober sollen sie veröffentlicht werden. Der jetzige Bischof Norbert Trelle ist verantwortlich für den Umgang des Bistums gegen den Alt-Bischof und gegen Pater Peter R. Der Bischof wird Anfang September 75 Jahre alt – er reicht dann beim Papst sein Rücktrittsgesuch ein. Die Veröffentlichung der Studie fiele also in eine Zeit, in der der jetzige und verantwortliche Bischof Trelle möglicherweise nicht mehr im Amt ist. Quelle: kreiszeitung


16.8.2017 Die Vizepräsidentin des australischen katholischen “Truth, Justice an Healing Council” sagt, die katholische Kirche (Australiens) sei nicht willens zu Reformen und sich zu verändern: “I fear there’s a view that once the royal commission reports, and the publicity around what will be a fairly dire report all dies down, that life will go back to what it was. …I don’t see any sign that the lessons have been truly learned to the point where the institution of the Church is being questioned by those who’ve got the ability to change it.” Quelle: abc.net.au


16.8.2017 In der Diskussion um die Aufhebung des Beichtgeheimnisses bei Kindesmissbrauch gibt Wunibald Müller zu bedenken, dass das Beichtgeheimnis ein ebenso schützenswertes Gut ist wie es das Gewissen von Priestern ist. Er weist darauf hin, dass ein Priester einem Täter auch auferlegen kann, sich um Hilfe zu bemühen und dem Priester verbindlich zu erklären, dass er Hilfe gesucht hat. Der Priester könne den Beichtenden auch darauf hinweisen, dass er außer Stande ist, das Beichtgeheimnis zu wahren, wenn der Beichtende sich keine Hilfe holt. Quelle: domradio.de


14.8.2017 Triggergefahr! Wer nicht den Moralvorstellungen der katholischen Kirche entsprach, etwa unverheiratete Frauen, die schwanger wurden, wurden ausgegrenzt, weggesperrt, misshandelt und ausgebeutet. Auch ihren unehelich geborenen Kindern widerfuhr Schreckliches. Wie war es möglich, dass jahrzehntelang über dieses Unterdrückungssystem geschwiegen wurde? Ein Gespräch mit Irland-Korrespondent Martin Alioth. Quelle: srf.ch


14.8.2017 Die australische königliche Missbrauchskommission fordert, das Beichtgeheimnis aufzuheben, wenn jemand sexuellen Missbrauch beichtet. Das Nichtanzeigen von sexuellem Kindesmissbrauch in Institutionen soll zu einem strafrechtlich relevanten Vergehen gemacht werden. Dies gelte auch für Informationen, die im Beichtgespräch erhalten wurden. Hintergrund dieser Forderung ist, dass bei den Anhörungen der Kommission sichtbar wurde, dass kath. Priester sexuellen Missbrauch beichteten und weiterhin Kinder missbrauchten. Der Vorsitzende der katholischen Kirche Australiens, Erzbischof Denis Hart, Melbourne, sagte, die Kirche werde sich diesen Empfehlungen widersetzen. Quelle: katholisch.de  kirche-und-leben.de


12.8.2017 Kardinal Barbarin räumt Fehler im Umgang mit Missbrauchsfällen ein. Er erklärte, der Priester habe 2007 beteuert, seit 1991 sei nichts mehr vorgefallen. Daher habe der Kardinal den Priester im Amt belassen. Aktenkundig wurden keine weiteren Vorwürfe. Kardinal Barbarin und sechs weitere Personen sind am 19.9.2017 zu einer Anhörung vor Gericht geladen. Kläger sind zehn Opfer eines Priesters aus der zweiten Hälfte der 80er Jahre. Sie werfen Barbarin Nichtanzeige sexueller Übergriffe vor. Bereits 2016 war ermittelt worden wegen Nichtanzeige – die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren ein, da es keine Hinweise auf eine Straftat gegeben habe. Quelle: kna  katholisch.de


10.8.2017 Eine der wenigen Reaktionen auf den Abschlussbericht der Regensburger Domsaptzen stammt vom Kreiskomitee der Katholiken Coesfeld. Es sei nicht ausreichend, wenn Bischöfe zur vermeintlichen Wiedergutmachung Gelder bereitstellten. “Wir sind Teil dieser Kirche, wir tragen mit an der Verantwortung und erleben, wie immer mehr Menschen der Kirche den Rücken kehren; daran leiden wir. Wir erwarten, dass sich die Bischöfe in Deutschland einhellig auf die Seite der Opfer stellen und alles tun, damit das, was geschehen ist, sich nie wiederholen kann “, sagte der Vorsitzende des Kreiskomitees Gerhard Schmitz. Quelle: azonline.de

Kommentar: Laut hörbar ist das Schweigen der Bischöfe in Deutschland zum Abschlussbericht der Domspatzen.


9.8.2017 Missbrauch in der Kirche: Der Fall Timmerbeil. Quelle: ndr  s. auch: Michael Räuber: Geteilte Hölle


9.8.2017 In der Dominikanischen Republik hat ein katholischer Priester den Mord an einem sechzehnjährigen Messdiener gestanden. Mit dem Mord wollte er jahrelangen sexuellen Missbrauch an dem Jungen verschleiern. Quelle: katholisch.de


8.8.2017 Gegen den ehemaligen Pfarrer von Freisen läuft die im Mai 2016 eingeleitete kirchenrechtliche Voruntersuchung noch immer. Erst danach wird das Verfahren an die Glaubenskongregation gegeben. Quelle: saarbruecker-zeitung.de  saarbruecker-zeitung.de  focus.de


8.8.2017 Der Fonds Sexueller Missbrauch im familiären Bereich (FSM) wird über die ursprünglich 3-jährige Antragsfrist hinaus weitergeführt. Quelle: bmfsfj.de


8.8.2017 An den Universtitäten in Australien ist sexuelle Belästigung Alltag. Eine Umfrage unter 30.000 StudentInnen belegt, dass die Hälfte der Befragten innerhalb des letzten Jahres mindestens einmal sexuell belästigt wurde. Die Hälfte der Belästigungen fanden im universitären Kontext statt, Frauen wurden doppelt so häufig Opfer wie Männer. Jede zehnte Studentin erfuhr in den letzten zwei Jahren sexuelle Gewalt. Nur wenige Opfer meldeten die Übergriffe bei den Universitäten oder Behörden. Zeugen schwiegen meist. Den Universitäten war der Ruf ihrer Institution wichtiger als die Betroffenen. Quelle: nzz.ch


5.8.2017 Kritische Anmerkungen zum Abschlussbericht Regensburger Domspatzen Quelle: regensburg-digital


4.8.2017 Vier Mitglieder der katholischen Sekte “Associazione Cattolica Cultura ed ambiente”, der Vorsitzende Pietro C. und drei Frauen, die ihm weibliche Missbrauchsopfer rekrutierten, wurden wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch Minderjähriger auf Sizilien verhaftet. Pietro C., dem Leiter (“Erzengel”) wird vorgeworfen, mindestens sechs weibliche Minderjährige zu sexuellen Handlungen gezwungen zu haben. Die Taten könnten sich über 25 Jahre erstrecken. Auch der Gründer der Organisation, der renommierte Priester Stefano S., SJ, Exorzist, der als “spiritueller Sohn” des heilig gesprochenen Padre Pio gilt, soll in die Missbräuche verwickelt gewesen sein. Die Sekte ist eine zivilrechtliche Organisation. Ein Priester der Diözese habe Katechesen in der “Assoziazione” angeboten, jedoch nichts bemerkt. Quelle: katholisch.de


4.8.2017 Gegen den ehemaligen Bischof von Phoenix, Arizona, Thomas O’Brien, liegt eine Anzeige wegen sexuellen Missbrauchs vor. Er soll zwischen 1977 und 1982 einen Jungen in Pfarreien von Phoenix und Goodyear sexuell missbraucht haben. Er beteuert seine Unschuld. Bischof Thomas O’Brien trat 2003 zurück, nachdem er nach einem Verkehrsunfall mit einem Toten Fahrerflucht begangen hatte. Außerdem hat er eingeräumt, Priestern die Arbeit mit Minderjährigen erlaubt zu haben, obwohl er von Missbrauch durch diese Priester wusste. Quellen: New York Times  nzz.ch


4.8.2017 Pater Justin Wachs wurde 2014 in Sioux Falls, South Dakota, von einer Pfarreiangestellten angeklagt, sie sexuell belästigt zu haben. Daraufhin wurde er nach Rom versetzt – in die Behörde, die sexuellen Missbrauch in der Kirche untersucht. Er sei von einem Kardinal im Vatikan angefordert worden. Von dort kam er im Februar mit Kardinal Burke nach Guam, um als Schriftführer an der Untersuchung gegen Bischof Apuron teilzunehmen, dem sexueller Missbrauch mehrerer Messdiener vorgeworfen wird. Quelle: pacificnewscenter.com


2.8.2017 Der ehemalige katholische Pfarrer von Braunsbedra, Bistum Magdeburg, ist wegen des Besitzes kinderpornografischer Schriften zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden. Er unterliegt einem Ausbildungs- und Beschäftigungsverbot mit Jugendlichen. Quelle: mz-web.de


1.8.2017 Die Theologin Marianne Heimbach-Steins sagt, der Druck der Medien auf die Kirche bei der Aufdeckung von kirchlichen Missbrauchsfällen werde weiterhin gebraucht. Kirche sei auf das kritische Potential der Öffentlichkeit angewiesen, um sündhafte Strukturen aufzudecken und zu überwinden. Innerkirchlich seien bis heute “Abwehrreaktionen” festzustellen, die die Tiefe der Krise leugneten oder herunterspielten. Quelle: kna-news


1.8.2017 Auf den Philippinen wurde ein katholischer Geistlicher verhaftet. Ihm wird vorgeworfen, ein 13-jähriges Mädchen mehrfach sexuell missbraucht zu haben. Er hatte das Mädchen durch einen Zuhälter “gebucht”. Quelle: ibtimes.co.uk


31.7.2017 Burkhard Schäfers fragt im Deutschlandfunk, ob die katholische Kirche wegen des Priestermangels beim geistlichen Nachwuchs nicht so genau hinschaue. Anlass für die Frage ist die Diakonenweihe eines Seminaristen im Bistum Eichstätt, der zuvor wegen antisemitischer Aussagen im Bistum Bamberg und wegen Uneinsichtigkeit das dortige Priesterseminar verlassen musste.
Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden, sagt: “Man sollte bei der Frage ihres Gedankengutes prüfen, inwieweit sie dazu geeignet sind, um andere Menschen zu führen. Denn was so von der Kanzel über Jahrhunderte gepredigt wurde, gerade im Verhältnis von Christentum zu Judentum, und zu welchen Folgen dies geführt hat, das sollte man bei all solchen Entscheidungen unbedingt mit im Auge behalten.” Der zuständige Bischof Hanke sagt, der junge Mann habe sich bewährt und eine zweite Chance verdient. Quelle: dlf


28.7.2017 CiG kommentiert den Abschlussbericht der Regensburger Domspatzen: “… das Ungeheuerliche, das ans Licht gekommen ist, trifft die Kirche ins Mark. Ihre Selbstüberhöhung als etwas Hehres, Ideales, Sakrosanktes ist die eigentliche Ursache für den systematischen Missbrauch von Macht von seinen Anfängen bis zu seiner Aufklärung. Ein System, das sich absolut setzt, hat keine Kontrollmechanismen, seine Lenker sind früher oder später überfordert. Leider verhalten sich die Bischöfe in ihrer Gesamtheit angesichts dieser Verbrechen in der Öffentlichkeit auffällig ruhig, verlieren sich lieber in Fragen der Wiederverheiratung Geschiedener und deren Zulassung zur Eucharistie anstatt für alle vernehmbar das nahezu unermessliche Unrecht zu benennen. Ihre Aufgabe wäre es, endlich damit anzufangen, das theologische Verständnis der „sancta ecclesia“ von einer klerikalistischen Ideologie zu befreien.” Quelle: CiG 


28.7.2017 Deutsches Jugendinstitut: “Schluss mit Schweigen!” Quelle: dji


28.7.2017 Christian Feldmann kommentiert: “Die Veröffentlichung des Berichts [über Gewalt und sexuellen Missbrauchbei den Regensburger Domspatzen] ist nun der sichtbarste Beweis dafür, dass sich in der konservativen Diözese endgültig etwas verändert hat. Die Opfervertreter – jahrelang frustriert und verärgert von den Aussagen seines Vorgängers – lobten Voderholzers ehrliches Engagement. Besonders aufgefallen war ihnen, dass der Bischof bei jeder Sitzung des Krisenstabs dabei gewesen war, ohne die Verhandlungen zu beeinflussen. Alexander Probst, Autor der Streitschrift ‘Von der Kirche missbraucht’, sagt: ‘Wir haben etwas erreicht, von dem wir jahrelang geträumt haben. Es sind nicht allein die Worte, die Voderholzer wählt, sondern die Art, wie er sie sagt. Auch der Bischof hat Narben davongetragen.’ Quelle: Zeit.de


28.7.2017 Kardinal Müller kann nicht erkennen, dass nicht nur die Täter Verantwortung für sexuellen Missbrauch haben, sondern auch die Kirche als Institution. Sehr wohl jedoch sieht er einen koordinierten Angriff säkularer Medien auf die Kirche, der auf die Abschaffung des Zölibates zielt. Mit Betroffenen spricht er nicht. Quelle: Zeit.de


28.7.2017 In der Mitteldeutschen Kirche hat die Disziplinarkammer einen Pfarrer im Ruhestand aus dem Dienst entfernt. Der Pfarrer hat sexuellen Missbrauch in den Jahren 1973 bis 1978 in der Kirchengemeinde Bad Lauchstädt, Kirchenkreis Merseburg, begangen. Die erste Anzeige stammte aus dem Jahr 2010, ihr wurde jedoch nicht nachgegangen. Erst als 2012 ein zweites Opfer Anzeige erstattete, ergriff die Landeskirche Maßnahmen. Sieben Jahre mussten die beiden Opfer auf das Urteil warten. Ein Opfer berichtet: “Das schwierigste auf diesem Weg war eindeutig, dass wir als Täter hingestellt worden sind. Der Pfarrer als Opfer.”

Lesenswert sind die Kommentare zu einem früheren Bericht. Quelle: zdf.de


27.7.2017 In einem Kommentar zu den Machtkämpfen im Vatikan heißt es: “Der Prozessbeginn [gegen Kardinal Pell] markiert einen negativen Höhepunkt im Pontifikat Jorge Bergoglios. Papst Franziskus muss sich vorwerfen lassen, auf dem Gebiet des sexuellen Missbrauchs sowie bei den Wirtschaftsreformen im Vatikan – zwei der wichtigsten Themen seiner Agenda – einen Misserfolg an den anderen zu reihen. Pell, der stellvertretend für das päpstliche Scheitern in beiden Themenkomplexen steht, ist bei weitem nicht der einzige Stachel im Fleisch des Papstes.” Quelle: mittelbayerische.de


27.7.2017 In einem namentlich nicht gekennzeichneten Kommentar zu den Reaktionen auf den Abschlussbericht des Sonderermittlers bei den Regensburger Domspatzen heißt es: “Heute aber zeigen die Reaktionen auf den Bericht über die Vergehen bei den ‘Regensburger Domspatzen’ , wie sehr sich der Druck im Kirchenkessel inzwischen verflüchtigt hat und wie behände bestimmte Küchenchefs den Deckel lüften, um weiter Dampf entweichen zu lassen.” Quelle: KStA


27.7.2017 Hedwig Herrath Beckmann, 72, hat ein Buch über ihr Leben geschrieben. Es war geprägt von seelischem und sexuellem Missbrauch, vor allem im Heim katholischer Nonnen vom Orden der göttlichen Vorsehung. Unterstützung hat sie von Bischof Felix Genn und Papst Franziskus erhalten. Quelle: infranken.de


26.7.2017 Der Wissenschaftler Benno Hafeneger untersucht die Heime der Brüdergemeinde in Korntal und Wilhelmsdorf. Er spricht davon, dass Kirche, Staat und Eltern in der Heimerziehung der fünfziger und sechziger Jahre versagten und sagt, es habe ein “System der Gewalt” geherrscht. “Bisherige Berichte über Heime zeigen eine Verschränkung von sexualisierter, physischer und psychischer Gewalt oder auch von Medikamentenmissbrauch in Einrichtungen, die autoritär und von der Außenwelt abgeschottet waren und kaum kontrolliert wurden.” Detlev Zander, ehemaliges Korntaler Heimkind, machte im Frühjahr 2014 auf Vorfälle in den Einrichtungen der Brüdergemeinde aufmerksam. Die Juristin Brigitte Baums-Stammberger hat inzwischen mehr als 40 Gespräche mit Betroffenen geführt, die von Prügeln, Medikamentenmissbrauch und Vergewaltigung berichteten. Aufarbeitungsversuche scheiterten bislang. Quelle: stuttgarter-zeitung.de


26.7.2017 Sarah Zerback stellt fest, dass Kardinal Pell Karriere in der Kirche machen konnte, obwohl die Vorwürfe gegen ihn schon lange bekannt sind und konstatiert, dass der Fall Pell die Widersprüchlichkeit der päpstlichen Politik zeige. Quelle: Deutschlandfunk

Kommentar: Marie Collins sagte bereits im März 2017, Pell hätte sich niemals im Vatikan verstecken dürfen, um zu vermeiden, für die falsche Behandlung von Missbrauchsfällen in Australien sanktioniert zu werden. Außerdem hätte er nie zu einer so hochrangigen Stellung ernannt werden dürfen und die Niederlegung seines Amtes sei viel zu spät erfolgt. Die Amtsniederlegung hätte bereits 2016 erfolgen müssen, als die australische Polizei ihre Ermittlungen wegen Missbrauchsvorwürfen begann. Kirchliche Leitlinien sehen die Amtsniederlegung vor, sobald Missbrauchsvorwürfe auftauchen, schreibt Collins und fragt, warum der Rang eines Beschuldigten einen Unterschied machen solle.  – Pell gehörte von 1990 bis 2000 der Glaubenskongregation an, die kirchliche Missbrauchsfälle weltweit bearbeitet. 26.7.2017 Kardinal Pell hat in der Prozesseröffnung durch seinen Anwalt mitteilen lassen, er sei in allen Punkten der Anklage unschuldig. Öffentlich bekannt ist lediglich, dass mehrere Männer Pell sexuelle Übergriffe in seiner Zeit als Priester im australischen Ballarat (1976-1980) und als Erzbischof von Melbourne (1996 – 2001) vorwerfen. Vor der australischen Königlichen Missbrauchskommission hatte Kardinal Pell 2016 eingeräumt, dass die Kirche in Australien Missbrauchsvorwürfe lange Zeit heruntergespielt habe. Aussagen zu seiner eigenen Rolle beim Herunterspielen von Missbrauchsvorwürfen hielt die Kommission nicht für glaubwürdig.
Eine kirchliche Untersuchung, die 2002 erfolgte und sich auf das Jahr 1961 bezog, wurde mangels Beweisen eingestellt. Der zuständige Richter sagte, er glaube Pell, dass er die Wahrheit sage und er glaube dem Ankläger, dass er die Wahrheit sage. Pell interpretierte dieses Ergebnis immer so, als wäre seine Unschuld erwiesen. Quelle: Spiegel  orf orf
Kommentar: Spätestens das kirchliche Verfahren von 2002 hätte Papst Franziskus hindern müssen, Kardinal Pell zum vatikanischen Finanzchef zu ernennen. Damals ging es um den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs. Seit 2008 gibt es Anschuldigungen, dass Pell Missbrauchsfälle vertuscht habe. Als das Mitglied der Päpstlichen Kinderschutzkommission, Peter Saunders, eines von damals noch 2 kirchlichen Opfern in der Kommission, 2015 den Rücktritt Pells als Finanzminister forderte, musste Saunders gehen [“Peter Saunders’ Auszeit ist genau gesehen eine Suspendierung“], Pell blieb. Aber der Papst hat natürlich ein Problem: Es wird weltweit kaum einen Bischof geben, der Missbrauchsfälle nicht vertuscht hat.


24.7.2017 Nach Informationen der Redaktion von Regensburg-digital wurde der Sonderermittler Weber im Bistum Regensburg angewiesen, Betroffene sexueller und körperlicher Gewalt, die nicht bei den Domspatzen geschah, abzuweisen. Quelle: regensburg-digital.de


24.7.2017 Informationen zur Teilnahme an einer Studie der Universität Hamburg: „Versorgungssituation bei organisierter und/oder ritueller Gewalt – Befragung für Betroffene Die professionelle Begleitung von Menschen, die sexuelle Gewalt, einschließlich organisierter und/oder ritueller Gewalt erlebt haben: Die Perspektive der Behandelnden und der Betroffenen“ Quelle: limesurvey.uni-hamburg.de


24.7.2017 Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung versucht zu erklären, warum Aufklärung in der kath. Kirche so schwierig ist: “Es gehört Größe dazu, Fehler einzugestehen und sich zu entschuldigen.” Quelle: spiegel.de


23.7.2017 Hirtenwort des Bischofs von Regensburg: “…angesichts der obigen Schilderungen kann ich nur in Demut um Entschuldigung bitten. Als Bischof der Kirche von Regensburg bitte ich anstelle der Täter, von denen die meisten verstorben sind, um Vergebung und bitte, dass diese Entschuldigung von den Betroffenen angenommen werde.” Quelle: Bistum Regensburg


22.7.2017 Dr. Wolfgang Beck im “Wort zum Sonntag”: “Der lange Weg der Aufarbeitung zeigt auch, wie mühsam das Lernen bei den Verantwortlichen ist. Es wird anscheinend immer nur so viel aufgeklärt, wie wirklich unumgänglich ist. Zu sehr haben sich gerade in katholischen Kreisen Vorstellungen entwickelt, man würde der Kirche und damit dem christlichen Glauben, ja sogar der Botschaft der Bibel schaden, wenn Probleme offen beim Namen genannt werden. Allzu gerne werden bis heute Ablenkmanöver akzeptiert, bei denen es heißt: es sei eben eine Zeit gewesen, in der Schläge überall zur Erziehung gehörten. Die Täter seien eben Einzelfälle. Oder es habe doch auch bei nichtkirchlichen Einrichtungen und Parteien Pädophilie und Gewalt gegeben. Um es klar zu sagen: Das sind die üblichen Ausflüchte, um die Dramatik abzuschwächen.” Quelle: daserste.de


22.7.2017 Kardinal Müller habe immer noch nichts verstanden, sagt Joachim Frank. [Recht hat er.] Bei manchem in der Kirche habe sich ein Gefühl zwischen Überdruss und Trotz eingenistet – die Diskussion müsste doch irgendwann auch mal ein Ende haben, sagen sie. “Hat es aber nicht. Darf es nicht. Diskussion und öffentlicher Druck müssen anhalten, weil sonst diejenigen in der Kirche Oberwasser bekämen, die immer noch nichts verstanden haben. Sie halten die Welle der Empörung für unverhältnismäßig und übertrieben, haben sie von jeher als Medienkampagne gegeißelt, als böswillige Attacke auf die Kirche in destruktiver, zerstörerischer Absicht.” Die Stimme dieser Sichtweise sei Kardinal Müller. Er bestreitet, verantwortlich für die Schwächen der Aufarbeitung in Regensburg zu sein und droht, gegen jeden Vorwurf der Verschleppung anwaltlich vorzugehen. Er meint, das wahre Opfer im Missbrauchsskandal sei die Kirche. Quelle: deutschlandfunk.de


22.7.2017 Der Osservatore Romano übt in einem Leitartikel von Lucetta Scaraffia scharfe Kritik an der Berichterstattung zum Abschlussbericht der Misshandlungs- und Missbrauchsfälle bei den Regensburger Domspatzen. Die Autorin schreibt, es werde mit zweierlei Maß gemessen. Während sexistische, körperlich wie seelisch verletzende Initiationsriten in einer römischen Kaserne in den 1980er Jahren kein Medienecho und keine öffentliche Ermpörung auslösten, werde der Missbrauch bei den Domspatzen von den Medien reißerisch und tendenziös dargestellt. Zum Teil werde der Eindruck erweckt, es handle sich um 547 Fälle von schwerem sexuellen Missbrauch. Verschwiegen werde, dass die Kirche selbst den Abschlussbericht in Auftrag gegeben habe. – Die katholische Kirche werde zur Ursache allen Übels gemacht. Als Beispiel fügte sie an, dass in einer Reportage von einem lesbischen Paar berichtet werde, das die vier Kinder nicht gemeinsam adoptieren könne. Verantwortlich gemacht werde der Vatikan dafür, verschwiegen werde, dass die Gesetzgebung gleichgeschlechtlichen Paaren keine Adoption erlaube und die italienische Gesellschaft die Frage kontrovers diskutiere. Quelle: Radio Vatikan

Kommentar: Es sind solche Artikel, die nicht nur kirchliche Opfer nach wie vor am Sprechen hindern. Im Übrigen zeigen die Aussagen von Frau Scaraffia, dass sie immer noch nicht verstanden hat, dass die Folgen von sexuellem Missbrauch ganz ähnlich den Folgen sind, die Menschen zu tragen haben, wenn sie als Kinder über Jahre hinweg einem Terror-Regime ausgesetzt waren. Dies galt für die Regensburger Domspatzen und es galt/gilt für viele Kinder in Familien. Frau S. sollte einfach mal die Opfer-Aussagen im Abschlussbericht der Regensburger Domspatzen lesen und sich zugleich ein Kind von vielleicht 8 oder 9 Jahren oder einen Jugendlichen vorstellen. Schließlich: Der Osservatore Romano täte wahrlich gut daran, keine Kommentare abzudrucken, die die katholische Kirche als das wahre Opfer im Missbrauchsskandal darstellen. – Das Gute an diesem Bösen: Wir erfahren in diesem Leitartikel, was wir immer wieder spüren: So denken weite Teile der kirchlich Verantwortlichen noch immer über Missbrauchs- und Gewaltopfer. Das belastet Opfer – und es belastet jene MitchristInnen, die sich redlich um Missbrauchs- und Gewaltopfer mühen. Letztere gibt’s nämlich auch.     


22.7.2017 Aus der kath. Kirche sind 162.000 Menschen ausgetreten, aus der evangelischen 190.000. “Wir müssen mit den Menschen reden, die sich uns (wieder) zugewandt haben und mit denen, die sich von der Kirche abgewandt haben.” [Wäre ja nicht schlecht, wenn auch mit jenen geredet würde, die in der Kirche sind, also weder ausgetreten, noch zurückgekehrt sind.] Quelle: katholisch.de


22.7.2017 Die Fürstin Gloria von Thurn und Taxis sagt, was nicht wenige denken: Auf die Frage, ob die Institution den Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen ermöglicht habe, antwortet sie: “Das ist totaler Schmarrn. Das ist einfach richtig gemein. In jeder Schule, in jedem Sportverein gibt es dieses Phänomen und das wird es auch immer geben. Man geht gerne auf die Kirche los und das ist ein gefundenes Fressen.” Sie weist auf das Sommerloch hin. Quelle: http://www.br.de/nachrichten/oberpfalz/inhalt/gloria-von-thurn-und-taxis-missbrauch-regensburg-domspatzen-100.html, nicht mehr online


20.7.2017 Mit dem zugrundeliegenden Kirchenbild, das sexuellen Missbrauch und sonstige Gewalt gegen Kinder und Jugendliche erst ermöglichte, beschäftigt sich Felix Neumann. Quelle: katholisch.de


20.7.2017 Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung reagiert auf die Entschuldigungsforderung von Kardinal Müller: “Es tut mir für die Opfer der Gewalttaten bei den Regensburger Domspatzen außerordentlich leid, dass Kardinal Müller jetzt erneut die Chance verpasst, empathisch und mitfühlend zu reagieren.” Er vermisse ein Signal der Wertschätzung und Anerkennung für die Betroffenen, denen es “maßgeblich zu verdanken ist, dass der Aufarbeitungsprozess nach jahrelangem Ringen jetzt eine positive Entwicklung nehmen konnte”, so Rörig. “Das wäre auch ein wichtiges und Mut machendes Signal für alle in der katholischen Kirche, die aktuell oder zukünftig mit Aufarbeitungsprojekten betraut sind.”

Die Süddeutsche formuliert: “Entschuldigung – ein solches Wort ist weder dem greisen Ex-Domkapellmeister Georg Ratzinger noch dem früheren Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller über die Lippen gekommen. Dabei wäre eine Geste der Demut das Mindeste, was man von den beiden erwarten könnte, angesichts der Ungeheuerlichkeiten, die im Abschlussbericht zum Missbrauchsskandal bei den Regensburger Domspatzen aufgelistet werden.” Quellen: Spiegel  Süddeutsche


20.7.2017 Kardinal Müller fordert eine Entschuldigung vom Missbrauchsbeauftragten des Bundes. Es würden “Falschaussagen und falsche Informationen verbreitet, wirft Müller dem MB-Beauftragten Rörig vor. Müller habe nicht die Aufklärung bei den Regensburger Domspatzen verschleppt. Er habe “erstmals diese Aufklärungsarbeit an die Institutionen des Bistums übertragen, so dass mit der Untersuchung angefangen werden konnte, sagte Müller.

Zum Sonderermittler Weber sagte Müller: “Wenn Rechtsanwalt Weber nun aus der Rückperspektive und dem heutigen Kenntnisstand solche Vorhaltungen macht, dann kann ich das nicht akzeptieren. Das entspricht nicht der Wahrheit.” Müller sei zu einem seelsorglichen Gespräch mit Betroffenen bereit, sagte er. Er fuhr fort: “Ich darf aber feststellen, dass ich im gleichen Alter bin wie viele der Opfer. Auch ich habe so Manches erlebt in meiner Schulzeit. Ohrfeigen und Stockschläge haben wir genug bekommen – es war übrigens keine kirchliche Schule. Freilich muss ich zugeben: Sexueller Missbrauch ist noch eine ganz andere Kategorie als pädagogische Übergriffe.” Quelle: Sueddeutsche  pnp.de  domradio 


19.7.2017 Bischof Voderholzer ließ sich von seinem Bruder, der Psychiater und Klinikdirektor ist, berichten, was in Opfern von Gewalt und sexuellem Missbrauch vorgeht – zur Tatzeit und danach. Mit ca 100 Betroffenen soll der Bischof selbst gesprochen haben. Er nahm auch am Aufarbeitungsgremium der Regensburger Domspatzen teil, das sich seit Frühjahr 2016 traf und über Konsequenzen beriet. Quelle: Domradio (Kasten links)  swp.de


19.7.2017 Kardinal Müller sieht keinen Grund für eine Entschuldigung im Kontext der Gewalt gegen Regensburger Domspatzen. Die Domspatzen seien keine Stiftung kirchlichen Rechts, sagte Müller. Er habe angeboten, die zuständigen Personen und finanziellen Mittel der Diözese Regensburg zur Verfügung zu stellen. Dafür sei ihm ausdrücklich gedankt worden. Generalvikar Fuchs hatte in der gestrigen Pressekonferenz Versäumnisse eingeräumt, und gesagt, auch Kardinal Müller sehe dies heute so. Müller hingegen sagte heute, er wisse nicht, ob von Versäumnissen die Rede gewesen sei. “Jedenfalls wurde vonseiten der Diözesanleitung alles getan, was nach dem jeweiligen Erkenntnisstand erforderlich war.” Im Abschlussbericht sei lediglich von Schwächen in der noch ganz unübersichtlichen Anfangsphase die Rede gewesen. Der Bischof könne nicht “in eigener Person die operative und kommunikative Seite des Gesamtprozesses verantworten, die in die Zuständigkeit der dazu Beauftragen fällt.” Quelle: katholisch.de


19.7.2017 “Wir sind Kirche” hat den Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer aufgefordert, nach dem Abschlussbericht zu Missbräuchen bei den Domspatzen auch weitere Kircheneinrichtungen untersuchen zu lassen. Quelle: wochenblatt.de

Kommentar: Diese Forderung ist naheliegend. Überall, wo jemand hinschaut und es wirklich wissen will, trauen sich viele Opfer zu reden: Odenwaldschule, Canisius-Kolleg, Jimmy Savile, Englischer Fußball….


19.7.2017 Über “Geduldete Gewalt” sprechen Sigrid Grabmeier, Hans Zollner und Klaus Mertes. Quelle: Zeit


19.7.2017 Der jetzige Kapellmeister der Regensburger Domspatzen Roland Büchner fordert vom früheren Regensburger Bischof Müller eine Entschuldigung. Büchner erhebt Vorwürfe gegen seinen Vorgänger Georg Ratzinger: “Es herrschte ein System der Angst…Das muss ans Licht, auch wenn es weh tut.” Quelle: dtoday.de


19.7.2017 Drei Stimmen zur Gewalt bei den Regensburger Domspatzen: Klaus Mertes (“Man muss sich entscheiden, den Opfern zu glauben.”), Sigrid Grabmeier (“Auch nachdem die Bischofskonferenz 2002 ihre Leitlinien zum Umgang mit sexueller Gewalt herausgab, ließ die Bistumsleitung unter Gerhard Ludwig Müller die Opfer allein im Kampf um ihr Recht: Für die Taten sollten sich die Täter verantworten, nicht die Kirche. Heute sind Ortsnamen wie Viechtach, Riekofen, Falkenstein, Nittenau verbunden mit Vorwürfen sexueller Gewalt durch Seelsorger. Deren Taten waren im Ordinariat bekannt, doch sie durften weiter arbeiten.”) und Hans Zollner SJ, der in Regensburg aufwuchs und heute Mitglied der Päpstlichen Kinderschutzkommission ist (“Doch das Ausmaß des Verschweigens bleibt auch mir ein Rätsel.”) Quelle: zeit.de


19.7.2017 Rörig, der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, spricht von einem “System der Angst”, das bei den Regensburger Domspatzen geherrscht habe und einer “kriminellen Energie”. Ihm sei wichtig, sagte Rörig, dass sich Kardinal Müller bei den Opfern entschuldige, weil er jahrelang den systematischen Missbrauch an Domspatzen nur als Einzelfälle abgetan habe. Quelle: archivioradiovaticana.va


19.7.2017 Die Rolle des Domkapellmeisters Georg Ratzinger wird von 124 Opfern und Zeugen geschildert: “die meisten werfen dem Papst-Bruder Gewaltexzesse vor. So soll Ratzinger “streng, perfektionistisch und jähzornig” gewesen sein, einen Buben öffentlich geschlagen haben, weil er ein Eis gegessen hatte, störende Chorknaben an den Koteletten hin- und her gezerrt haben und die Sänger als “Stimmmaterial” bezeichnet und erniedrigt haben. Laut Bericht hatten die Buben teilweise so große Angst vor Ratzinger, dass sie sich während des Singens durch Ritzen mit einem Messer an Unterarm und Oberschenkel selbst verletzten: ‘Ich dachte, Gott würde die Chorstunde verkürzen, wenn ich ein Opfer brächte. Ich war elf Jahre alt’, so ein Opfer.” Der Bruder des ehemaligen Papstes wolle sich derzeit nicht äußern, heißt es. Quelle: heute.at  sueddeutsche.de/  orf


19.7.2017 Hans Zollner, SJ, Mitglied der Päpstlichen Kinderschutzkommission und des Vatikanischen Kinderschutzzentrums der Gregoriana, sagt, Kardinal Müller solle mit den ehemaligen Domspatzen sprechen, die Missbrauch erlitten haben. „Die Betroffenen von Missbrauch wünschen in erster Linie, dass sie angehört werden. Das ist das Allererste und Allerwichtigste, und für manche auch so wichtig, dass sie darüber hinaus andere Dinge wie Therapien oder Entschädigungszahlungen für sich selbst gar nicht wirklich als eine entscheidende Geste ansehen – sondern es dabei belassen, wenn sie wirklich einmal angehört werden. Das ist etwas, was ich jedem Bischof oder Provinzial bei den Fortbildungen, die ich immer wieder halte, sage und sehr ans Herz lege.“ Quelle: radio vatikan http://de.radiovaticana.va/news/2017/07/19/pater_zollner_missbrauchsopfer_brauchen_das_gespr%C3%A4ch/1325893, nicht mehr online

Kommentar: “Was wollen Sie denn noch? Wir haben Ihnen doch zugehört.“ Das war das letzte, was Udo Kaiser von der Diözese Regensburg gehört hat.  Kaiser fährt fort: „Bisher muss ich mir ja vom Bischof sagen lassen, ich würde den Ruf der Regensburger Domspatzen beschmutzen.“ Das war im Dezember 2010, als Müller Bischof von Regensburg war. 19.7.2017 Johannes-Wilhelm Rörig, Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung, fordert Kardinal Müller zu einer Entschuldigung bei den Opfern der Regensburger Domspatzen auf wegen der verschleppten Aufarbeitung. Rörig sagte: “Unter dem damaligen Bischof Müller wurde eine umfassende, proaktive Aufarbeitung unter Einbeziehung von Betroffenen leider versäumt. Müller hat stets von Einzelfällen gesprochen, aber die strukturellen Versäumnisse nicht untersucht. Es wäre den Betroffenen zu wünschen, dass er sich wenigstens jetzt für die verschleppte Aufarbeitung entschuldigen würde. Abwehrende Rechtfertigungsversuche, wie er sie in einem langen persönlichen Brief Ende 2016 an mich formuliert hat, sollte er sich künftig selbst ersparen.” Quelle: pnp   dlf


19.7.2017 Kardinal Müller, dessen Vertrag als Präfekt der Glaubenskongregation nicht verlängert wurde, sieht die katholische Kirche im Fall von Kindesmissbrauch zu Unrecht so scharf kritisiert. “Es ist offensichtlich, dass die katholische Kirche bei dem Thema härter angegangen wird, dass Priester a priori verdächtigt werden”, sagte er dpa in Rom. “Es gibt Geistliche – Gott sei es geklagt – die solche Verbrechen begangen haben. Aber deshalb kann man nicht die anderen, nur weil sie auch Priester sind, kollektiv verdächtigen. Prozentual gesehen ist das mit Blick auf die Gesamtzahl der Geistlichen in der Welt sogar weniger als bei vergleichbaren pädagogischen Berufsgruppen – was die Straftat natürlich in keiner Weise entschuldigt und das Leiden der Opfer mindert”, sagte er. Müller beruft sich auf die Leygraf-Studie, die jedoch gerade keine Aussage darüber macht, ob sexuelle Übergriffe durch katholische Geistliche häufiger als in der Allgemeinbevölkerung vorkommen (s. auch: wir-sind-kirche.de und gottes-suche). Gegen die Vorwürfe, dass Müller als Präfekt der Glaubenskongregation die Aufklärung von Missbrauchsfällen nicht genug vorangetrieben oder gar behindert habe, führt Müller an: “Es trifft einfach nicht zu, dass wir in irgendeiner Weise bei der Verfolgung solcher Straftaten nachlässig gewesen sind oder aus mangelndem Arbeitseinsatz den Abschluss eines Prozesses verschleppt hätten. Das genaue Gegenteil ist der Fall.” Auch gegen Widerstände habe er eine Null-Toleranz-Linie gefahren. – Kardinal Müller beklagt sich auch darüber, dass er seine Wohnung in Rom auf eigene Kosten renovieren lassen musste. Quellen: Passauer Neue Presse  spiegel  t-online.de

Zur Erinnerung: Menschen, die als Regensburger Domspatzen sexuellen und körperlichen Missbrauch erlebten, mussten sich mit Serienbriefen abspeisen lassen. Wer Anzeige erstattete, musste mit einer Unterlassungserklärung rechnen. 


18.7.2017 Kardinal Müller sieht bei sich keine Versäumnisse bei der Aufklärung der Missbrauchsfälle bei den Regensburger Domspatzen. “Eine “Chronologie der diözesanen Aufarbeitung von 2010 bis 2016″ gibt detaillierte Auskunft über die Tatsachen, die oft weit von verbreiteten Fehlurteilen abweichen”, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Rom, bevor der Abschlussbericht veröffentlicht wurde. “Um den Opfern zu helfen, wurden Diözesanbeauftragte bestellt, die mit einer Kommission von Experten den Anzeigen sorgfältig nachgehen.” Müller verwies zudem auf einen Hirtenbrief. Darin habe er als Bischof die Opfer aufgerufen, sich zu melden. Quelle: pnp.de   http://www.mittelbayerische.de/bayern-nachrichten/domspatzen-kardinal-mueller-sieht-keine-versaeumnisse-21705-art1542241.html, nicht mehr online


18.7.2017 Der Generalvikar des Bistums Regensburg, Michael Fuchs, räumte Versäumnisse bei der Aufklärung und Aufarbeitung von Übergriffen bei den Regensburger Domspatzen ein. Das Thema sei 2010 nach bestem Wissen und Gewissen angegangen worden, sei jedoch in vielem mangelhaft gewesen. Das habe eine Weiterentwicklung des Verfahrens nötig gemacht. Fuchs sagte auf Nachfrage, auch Kardinal Müller teile diese Einschätzung und sei erleichtert über die inzwischen erzielten Fortschritte. Quelle: katholisch.de  http://de.radiovaticana.va/news/2017/07/18/d_bistum_regensburg_r%C3%A4umt_fehler_bei_aufarbeitung_ein/1325688, nicht mehr online

18.7.2017 Ulrich Weber und Johannes Baumeister stellten in einer Pressekonferenz den Abschlussbericht über Fälle sexueller und körperlicher Gewalt bei den Regensburger Domspatzen vor. Sie machen vor allem mangelnde Kommunikation mitverantwortlich für die hohe Zahl der Opfer. Ab 2011/2012 wäre im Blick auf die Aufklärung notwendig gewesen, nicht nur die Einzelfallprüfung zu betreiben, sondern auch die strukturellen Bedingungen, die so viel Gewalt an Kindern ermöglichten. Weber sprach von 547 Opfern insgesamt, darunter 500, die körperliche Gewalt erlitten haben und 67 Opfer sexueller Gewalt. Ca 300 Opfer haben Anträge auf Entschädigung gestellt. Weber sprach von 49 Beschuldigten, 45 verübten körperliche Gewalt, 9 von ihnen verübten (auch) sexuelle Gewalt. Das Bistum Regensburg selbst hatte 2015 von 72 Opfern von Gewalt gesprochen. Zu den im Zwischenbericht genannten ca 700 Opfer sagte Weber: “Ich sehe keinen Grund, an der Gesamtopferzahl von 600 bis 700 zu zweifeln.” Georg Ratzinger – so RA Weber – sei Wegschauen und fehlendes Einschreiten trotz Kenntnis der körperlichen Gewalt vorzuwerfen. Weber habe keine Erkenntnisse darüber, dass Ratzinger von sexueller Gewalt gewusst habe [der Vater von Probst hatte ihm sehr wohl sexuelle Gewalt mitgeteilt]. Kritik übte Ulrich Weber am früheren Regensburger Bischof, dem späteren Präfekten der Glaubenskongregation, in dessen Aufgabenbereich die kirchlichen Missbrauchsfälle fallen, Kardinal Müller. Dieser habe nicht das Gespräch mit den Opfern gesucht und eine “klare Verantwortung” für die “strategischen, organisatorischen und kommunikativen Schwächen” des von ihm 2012 initiierten Aufarbeitungsprozesses.

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Rörig, wirft dem Bistum Regensburg unter dem damaligen Bischof Müller vor, mit der Aufarbeitung der Vorwürfe nicht früher begonnen zu haben. Unter Müller habe es eine “bleierne Zeit der Abwehr und Verschleppung gegeben”, sagte Rörig. Quellen: Abschlussbericht-Domspatzen.pdf  br.de  dlf  spiegel  welt.de orf  regensburg-digital  br.de  süddeutsche


18.7.2017 Im Interview sagte Prof. Dr. Harald Dreßing, der das Forschungsprojekt zu sexuellem Missbrauch in der Kirche leitet, dass die Forscher Zugriff zu den Geheimarchiven der Bischöfe haben. Personenbezogene Daten und damit personelle Verantwortlichkeiten seien jedoch nicht Gegenstand des Forschungsprojektes. Gegenstand der Forschung sei die Frage, ob es besondere Strukturen und Dynamiken gibt, die für die katholische Kirche spezifisch sind, die sexuellen Missbrauch in dieser Institution begünstigt haben, der doch, “so zeigen das ja viele andere internationale empirische Studien, in großem Maße vorgekommen ist”. Quelle: dlf


14.7.2017 In Italien wurden zuletzt rund 200 Geistliche wegen sexueller Übergriffe verurteilt und suspendiert. Quelle: profil.at


14.7.2017 Ende 2015 soll es eine Anzeige gegen Kardinal Müller beim Kirchenanwalt (Promotor Iustitiae) des vatikanischen Strafgerichts gegeben haben. Die Anzeige liegt regensburg-digital vor und soll aus dem Umfeld des AKR (Aktionskreis Regensburg) kommen. Müller wird darin beschuldigt, mit der Wiedereinsetzung des Geistlichen Peter K. seine Aufsichtspflicht verletzt zu haben. Das Ergebnis der Anzeige ist unbekannt. Der amerikan. Jesuit Robert J. Geisinger, ist für die Anzeige zuständig. Das vatikanische Strafgericht ist der Glaubenskongregation unterstellt, dessen Präfekt Kardinal Müller war. Geisinger selbst wird die Vertuschung sexueller Übergriffe vorgeworfen. Quelle: regensburg-digital.de


13.7.2017 “Im Jahr 2016 wurden in Deutschland insgesamt 133 Kinder unter 14 Jahren getötet. Noch mehr als im Vorjahr, meldet das Bundeskriminalamt. Die Zahlen seien alarmierend. Über 14.000 Kinder wurden demnach Opfer von sexueller Gewalt. Das sind nur die bekannten Fälle – die Dunkelziffer dürfte wesentlich höher liegen, sagen die Experten in Berlin.” Täglich werden statistisch in Deutschland zwölf Kinder von Kinderärzten als misshandelt oder sexuell missbraucht identifiziert. Das betrifft jene Kinder, die überhaupt einem Arzt vorgestellt werden. “Kinderschutz und Jugendhilfe nach Kassenlage” dürfe es nicht geben, sagen Experten. Quelle:  spiegel.de   dlf   general-anzeiger-bonn.de  tagesschau.de


13.7.2017 Die Zahl der von sexuellem Missbrauch im britischen Sport Betroffenen steigt weiter an. Die britische Polizei geht inzwischen von 741 Opfern und 276 mutmaßlichen Tätern aus. Die meisten davon kämen aus der Bereich Fußball. Quelle: deutschlandfunk.de


13.7.2017 Das Rätselraten um die Gründe des Papstes für die Nichtverlängerung des Amtes von Kardinal Müller als Präfekt der Glaubenskongregation geht mangels Fakten weiter. Der Kommentator beim Domradio meint: “Dass jetzt einer, der sich eigentlich nichts zu Schulden hat kommen lassen und der auch noch in einem guten Alter ist mit 69 Jahren, nicht verlängert wird, das ist wirklich etwas Neues.” Quelle: domradio.de

Kommentar: Dass Kardinal Müller sich “eigentlich nichts zu Schulden hat kommen lassen” sehen z.B. Marie Collins. ehemaliges Mitglied der Päpstlichen Kinderschutzkommission, oder Opfer von sexuellem und körperlichem Missbrauch im Bistum Regensburg und bei den Regensburger Domspatzen anders. Collins wirft Müller vor, nicht mit der Päpstlichen Kinderschutzkommission zusammengearbeitet zu haben, die Installierung eines Tribunals für vertuschende Bischöfe verhindert zu haben (“nur ein Projekt”)  und Briefe von kirchl. Missbrauchsopfern nicht beantwortet zu haben. Menschen aus dem Bistum Regensburg werfen Kardinal Müller vor, die Aufklärung der Missbrauchsfälle im Bistum Regensburg, incl. bei den Regensburger Domspatzen, verhindert oder blockiert zu haben. Unbekannt ist, ob der Papst durch dieses Verhalten des Kardinals zur Nichtverlängerung des Amtes veranlasst wurde. Unbekannt ist also auch, welchen Stellenwert die Aufklärung von kirchlichen Missbrauchsfällen für den Papst wirklich hat. 


13.7.2017 Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen Kardinal Barbarin wurden bereits im Dezember 2016 eingestellt, wie erst jetzt durch die Französische Bischofskonferenz bekannt gemacht wurde. Barbarin war vorgeworfen, Fälle sexuellen Missbrauchs durch zwei Priester verschleiert zu haben. Die Vorwürfe bezogen sich auf die siebziger und neunziger Jahre, als Barbarin noch nicht Erzbischof von Lyon war. Quelle: katholisch.de


11.7.2017 Wegen des Verdachts des sexuellen Übergriffs am Bad Godesberger AKO ermittelt die Polizei weiter gegen einen Lehrer. Eine Strafanzeige liege vor. Es gibt Hinweise auf weitere Grenzverletzungen gegenüber einer Schülerin. Schulleiter Sieburg sagte: „Es gab auch ansonsten beobachtbares [!] distanzloses Verhalten des Lehrers zu Schülern.“ 43 Eltern von AKO-Schülern fragten, ob die Schulleitung dem beschuldigten Lehrer gegenüber aktenkundig zu erkennen gegeben habe, dass sie seine Form der “Ausweitung des Schulischen ins Private” nicht billige. Das Elternschreiben geht nicht auf die Belange der mutmaßlich betroffenen Schülerin ein. Quelle: general-anzeiger-bonn.de


7.7.2017 Um die 87 000 Menschen, mutmaßlich meist Männer, tauschten auf einer Internetplattform kinderpornografisches Material aus. Sie schicken sich Videos und Fotos zu, auf denen Kinder missbraucht werden, viele Babys sind darunter. Viele Väter boten ihre eigenen Kinder an. Quelle: Süddeutsche  Süddeutsche


5.7.2017 Hans Zollner, SJ, sagt zu den Vorwürfen gegen Erzbischof Ladaria, den neuen Präfekten der Glaubenskongregation: “Das ist so falsch, dass ich es eigentlich nicht kommentieren will. Nur so viel: Für Täterschutz gibt es kein Indiz. Der Priester wurde laisiert, das ist die Maximalstrafe. Danach kann die Kirche ihn aber auch nicht mehr belangen. Der Rat an den zuständigen Bischof, aus dem Fall keinen Skandal zu machen, wurde von Kardinal Levada [dem zuständigen Präfekten] gegeben, nicht vom Sekretär Ladaria.” Quelle: zeit.de

Kommentar: Was zur Verteidigung von Erzbischof Ladaria vorgebracht wird, wirft ein Licht auf das oberste Ziel der Glaubenskongregation: Keinen Skandal machen! Kardinal Levada war vom 13.5.2005 bis 2.7.2012 Präfekt der Glaubenskongregation. Ihm wird vorgeworfen, nicht entschieden gegen Priester-Täter vorgegangen zu sein und Täter geschützt zu haben.


3.7.2017 Nachdem im Oktober 2016 das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft gegen einen Pfarrer aus Pfaffenhofen, Bistum Augsburg, eingestellt wurde, wird auch kein kirchliches Strafverfahren eingeleitet. Es wurden – nach einer anonymen Anzeige – keine Beweise gefunden. Quelle: Donaukurier  Süddeutsche


3.7.2017 Dem neuen Präfekten der Glaubenskongregation, Erzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer, wird von der italienischen Tageszeitung “Republicca” vorgeworfen, 2013 einen Missbrauchsfall, der ihm in der Glaubenskongregation bekannt wurde, nicht angezeigt zu haben. Dem beschuldigten Geistlichen aus Foggia wurde im Vatikan der kirchenrechtliche Prozess gemacht – er wurde aus dem Priesterstand entlassen. Nach einem Schreiben der Glaubenskongregation von 2012 (unterzeichnet von Ferrer und dem damaligen Präfekten Levada) solle der neue Status des laisierten Geistlichen keinen Skandal unter den Gläubigen verursachen. Nur wenn die Gefahr eines erneuten Missbrauchs bestehe, solle der zuständige Bischof den Fall öffentlich machen. 

Der Ex-Priester arbeitete nach seiner Entfernung aus dem Priesteramt als Jugend-Fußballtrainer und näherte sich weiteren zehn Minderjährigen.
In den italienischen Leitlinien von 2012 stand nicht, dass kirchliche Stellen die “moralische Pflicht” haben, Verdachtsfälle an staatliche Behörden zu melden. Diese Ergänzung wurde erst 2014 in die Leitlinien aufgenommen. In Italien gibt es auch keine automatische Anzeigepflicht der Kirche bei staatlichen Behörden. Quellen: katholisch.de  kath.ch


1.7.2017 Kardinal Müller schien, nachdem seine Amtszeit als Präfekt der Glaubenskongregation nicht verlängert wurde, überrascht. Differenzen zwischen ihm und dem Papst habe es aber nicht gegeben, sagte er. Der Papst wolle aber ab sofort nur noch fünfjährige Amtszeiten zulassen und habe mit dieser Regelung bei ihm, Müller, begonnen. Der Theologe Wofgang Beinert kommentierte, es sei “eine Entlassung ins Nichts” und die Entlassung sei eine Strafe. Quellen: allgemeine-zeitung.de  dnn.de  focus.de


 

1.7.2017 Der Nachfolger von Kardinal Müller wird der bisherige Stellvertreter Müllers, Kurienerzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer (73). Ferrer ist Jesuit und hat u.a. an der Jesuitenhochschule in St. Georgen/Frankfurt studiert. Auch die bisherigen Ämter Müllers in der Päpstlichen Kommission “Ecclesia Dei”, der Päpstlichen Bibelkommission und der Internationalen Theologischen Kommission übernimmt Ferrer von Müller. Quellen: Domradio  Radio Vatikan katholisch.de