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Presse

3. Quartal 2010

30.9.2010 Die Laiengemeinschaft “Regnum Christi”, die den Legionären Christi angegliedert ist, wird vom Erzbischof von Valladolid, Ricardo Blazquez Perez als Apostolischem Visitator untersucht. Dem Ordensgründer Marcial Maciel Degollado, der Seminaristen sexuell missbraucht hatte und Vater dreier Kinder war (die er nach deren Angaben ebenfalls missbrauchte), warf der Heilige Stuhl “objektiv unmoralisches Verhalten” vor. Der Ordensgründer hatte jahrzehntelang unter dem Schutz der Kirche, incl. des Vatikan und des letzten Papstes, gestanden, obwohl erste Vorwürfe bereits 1956 vorlagen, 1978 und 1989 erneuert wurden und noch einmal 1999 (s. auch NDR) Quelle: kathweb


30.9.2010 Wolfgang Wagner kommentiert in der FR unter dem Titel “Die Perspektive der Täter” die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche als geprägt vom Geist der Bürokraten. Schlecht müsse das nicht sein, meint Wagner – aber es fehle ein Zeichen der Großherzigkeit.

Die Bischöfe begründeten die Unklarheit über die Höhe der “Entschädigungszahlungen” damit, dass sie mit der Angabe hoher Beträge keine andere Institution unter Druck setzen wollten, die nicht so viel Geld hat. Das jedoch ist nach Wagners Ansicht die Täterperspektive, die es zu überwinden gelte. Es gehe nicht darum, Einrichtungen zu schonen, sondern Opfern zu helfen. Quelle: FR


30.9.2010 Die Deutsche Bischofskonferenz hat am Runden Tisch vier Vorschläge zum Umgang mit sexualisierter Gewalt vorgelegt:

– Einmalige Zahlung eines Geldbetrags, der als „finanzielle Anerkennung“ des zugefügten Leids gelten soll.
– Zahlung für therapeutische Hilfe oder therapeutische Paarberatung
– Regelungen für individuelle Härtefälle
– Präventionsfond
Quelle: Radio Vatikan


29.9.2010 Klaus Laubenthal, Missbrauchsbeauftragter des Bistums Würzburg berichtet von 55 Gewaltopfern. In 6 Fällen wurde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Ca ein Viertel der Betroffenen wollte keine Anzeige. In einem zweiten Viertel gehörten die Beschuldigten nicht zum Bistum Würzburg. Ein großer Teil der BEschuldigten sei verstorben. In einigen, wenigen Fällen haben die Beschuldigten die Täten eingeräumt. Einzelne Anschuldigungen stellten sich als falsch heraus. Die meisten Betroffenen wollten ihre Erlebnisse offen legen und sie wollten Gerechtigkeit. Der Missbrauchsbeauftragte steht mit den Betroffenen, die das wünschen, in Kontakt und iinformiert sie darüber, wie es weitergeht. Quelle: Mainpost


29.9.2010 In der Mainpost trifft ein namentlich nicht genanntes, aber der Redaktion bekanntes Opfer sexualisierter Gewalt, Peter M., den Nagel auf den Kopf. Ich zitiere: „Für mich ist weniger die Summe entscheidend, als die Grundhaltung der Kirche: Gestehen die Verantwortlichen im Umgang mit den betroffenen Menschen Schuld ein und zeigen sie Reue?“

Peter M. wurde von einem Würzburger Franziskaner-Minoritenpater missbraucht, der wegen Verjährung nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden kann. Der mutmaßliche Täter bestreitet die Vorwürfe. Peter M. vermisst – nachdem er seinen Missbrauch offenbart hatte – beim Missbrauchsbeauftragten der kath. Kirche, Bischof Ackermann, Zeichen von Reue oder Schuldgefühl. „Ich hätte mir gewünscht, dass man mich ernst nimmt und mir Glauben schenkt und mich in dem Aufklärungsprozess begleitet.“ Dies sei nur sehr bedingt geschehen. Statt dessen hätten ihn die Verantwortlichen teilweise um Verständnis dafür gebeten, wie schwierig die Situation für sie sei. [D.i. ein Vorgehen, das mir unendlich oft begegnet ist.]
Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Zollitsch, hatte in einer Presseerklärung berichtet, dass die Bischöfe ein Hilfsmodell entwickelt hätten, „die Opfer dabei zu unterstützen, ihr Opferschicksal zu überwinden und neue Stärke zu gewinnen“. Peter M. stellt dazu fest: „Die Kirche als Seelsorgerin, die die Opfer tröstet, brauche ich nicht. Ich will nicht von der Institution der Täter getröstet und therapiert werden. Das ist eine ganz verkorkste Herangehensweise.“ Bislang hat der Würzburger allerdings den Eindruck, der Kirche ginge es in der momentanen Entschädigungsdebatte vor allem um Imagepflege – tatsächliche „gesamtmenschliche Hilfe“ und Anerkennung des erlittenen Unrechts ist genau das, was er konkret vermisst.
Quelle: Mainpost


29.9.2010 Das Kinderschutzzentrum Salzburg wird immer häufiger mit schweren Missbrauchsfällen konfrontiert. Seit März 2010 sind die Anfragen um ca 20 %, d.h. um 200 “Fälle” gestiegen. Quelle: krone at


29.9.2010 Der Hauptmissbrauchstäter Ludger Stüper, Bonner Aloisius-Kolleg, ist gestorben und wurde beerdigt. 8 Geistliche zelebrieren sein Requiem. Unter ihnen sind der derzeit amtierende Rektor des Aloisius-Kollegs und sein Vorgänger. Mitglieder des Eckigen Tisches registrieren, dass beide dem Kontakt mit Opfern ausweichen. Die Opfer sexualisierter Gewalt durch Ludger Stüper sehen darin die Solidarität der Kirche mit einem Täter. Rektor Rabe formulierte nämlich in seiner Totenrede: “In den letzten Jahren ist aber auch Schatten auf seine Person [Ludger Stüper] gefallen. Mit Erschrecken hat er zur Kenntnis genommen, dass sein früheres Fotografieren in manchen Dingen unangebracht war. Er hat zur Kenntnis genommen, dass man jugendliche Seelen auch durch solches unbedachtes Tun verletzten kann Er hat sich bei einigen Betroffenen entschuldigt. Er hat einen Brief an den Provinzial geschrieben, wo er das auch nochmal dargelegt hat und versichert hat, dass er zu keiner Zeit weitergreifende Übergriffe vollzogen hat. Es hat ihn bedrückt. Er hat darunter gelitten, weil Vergebung ihm letztlich nicht genügend gegeben worden ist.” Opfer von Stüper haben jreagiert und einen Offenen Brief verfasst. Quelle: Eckiger Tisch und Offener Brief  s.auch Trierer Fernsehpfarrer in der Kritik – Volksfreund


29.9.2010 Im Positionspapier der Teilnehmer*innen des bundesweiten Kongresses „Aus unserer Sicht“ heißt es u.a. ” Menschen, die sexualisierte Gewalt erfahren haben, verfügen über ein breites Wissen, zum Beispiel über Täterstrategien, sexualisierte Gewalt begünstigende gesamtgesellschaftliche und institutionelle Strukturen, beeinträchtigende Auswirkungen und Möglichkeiten der Bearbeitung. Dieses Wissen muss in die Arbeit gegen sexualisierte Gewalt einfließen.” Quelle: aus unserer sicht


27.9.2010 Die Gründerin der Josefsschwestern, eines australischen Ordens, Mary MacKillop, soll im Oktober 2010 heilig gesprochen werden. 1871 wurde sie aus “Rache” für ihre Anzeige gegen Pater Keatin, einen pädophilen Priester, exkommuniziert. Quelle: kath.web


25.9.2010 Dortmund — Zahlreiche Opfer sexuellen Missbrauchs haben sich seit dem Start der Kampagne “Sprechen hilft” innerhalb weniger Tage bei der Missbrauchsbeauftragten Christine Bergmann gemeldet. Insgesamt gingen seit dem Kampagnenstart am Dienstag etwa 1100 Anrufe und Briefe ein, wie die “Ruhr-Nachrichten” unter Berufung auf die Geschäftsstelle der Missbrauchsbeauftragten berichten. Von der Einrichtung der Geschäftsstelle im vergangenen April bis zum Dienstag meldeten sich demnach 2500 Betroffene schriftlich oder telefonisch. Quelle: google.com


25.9.2010 Seit der Abschlussbericht der Adriaenssenskommission vorliegt, sind über 50 neue Klagen über sexuellen Missbrauch eingereicht worden. Genannt werden als Schauplätze der Verbrechen die Abteischule von Zevenkerken bei Brügge und das “Klein Seminar” in Hoogstraten in der Provinz Antwerpen. Der beschuldigte Geistliche hat jetzt Hausverbot im “Klein Seminar” erhalten. Quelle: bfr


25.9.2010 Ein gehörloses Opfer, Terry Kohut, erzählt. Quelle: religion.blog


25.9.2010 Das Schweigen brechen: TV.Spot.


25.9.2010 Die katholische Kirche will die Opfer sexuellen Missbrauchs individuell entschädigen. Quelle: Spiegel


Die Bischofskonferenz weist die Darstellung des Spiegel zurück. Quelle: kath.web

In Österreich ist inzwischen von 500 bekannten Opfern von Priestern und Ordensleuten die Rede. Die von Kardinal Schönborn ins Leben gerufene Klasnic-Kommission hat ein Schmerzensgeld-Modell vorgestellt. Es orientiert sich an der gängigen österreichischen Rechtssprechung bei Missbrauchsfällen. “Leichtere Fälle” des Missbrauchs (keine Vergewaltigung) erhalten 5000 Euro. Für mehrfache Übergriffe über eine längere Zeit oder eine geringe Zahl an schwerwiegenden Übergriffen unter Gewalteinwirkung (Vergewaltigung) sind 15.000 Euro vorgesehen. Bis zu 25.000 Euro erhalten Betroffene, die über mehrere Jahre Missbrauch mit Verletzungsfolgen ausgesetzt waren. Darin inkludiert sind auch seelische Schmerzen. Die vierte Kategorie betrifft extreme und besonders brutale Fälle. Hier gibt es keine finanzielle Obergrenze. Quelle: kurier.at


23.9.2010 Michael Katsch, der Sprecher des Eckigen Tisches, im Interview. Quelle: ZDF-Mediathek


23.9.2010 Pressemitteilung von Erzbischof Zollitsch anlässlich der Herbstvollversammlung der Bischofskonferenz. Dort heißt es u.a.: “Wir haben während der Vollversammlung ein Modell erörtert, das aus mehreren Teilen besteht. Seine grundlegende Idee ist es, Opfer dabei zu unterstützen, ihr Opferschicksal zu überwinden und neue Stärke zu gewinnen. Dieses Modell muss noch weiterentwickelt werden.”

Kommentar: Dieser Satz zeugt von einer großen Respektlosigkeit gegenüber Opfern von Menschengewalt. Er suggeriert, dass Opfer sich freiwillig an ihrem Opferschicksal festhalten. Er unterstellt, dass Opfer bislang kein Interesse daran hatten, mit den Folgen der Traumatisierung durch Menschengewalt zurechtzukommen. Er übersieht jene Menschen, die nichts mehr “überwinden” können, weil sie sich umgebracht haben. Und er signalisiert, dass Kirche die bevorzugte Institution sein will, die Opfern helfen will. Und ganz nebenbei hat diese Position noch den Vorteil, die Opfer unsichtbar machen – dann kann ja alles nicht so schlimm sein mit der sexualisierten Gewalt, wenn die Folgen der Gewalt mir nichts dir nichts zum Verschwinden gebracht werden können. Die Realität von Opfern sieht nach meiner Erfahrung anders aus.
Hier hätte ich mir aufmerksames und demütiges Zuhören der Bischofskonferenz gewünscht, um die Realitäten von Opfern überhaupt erst einmal kennenzulernen. Wäre das schon geschehen, dann könnte ein solcher Text nicht in einer Pressemitteilung des Vorsitzenden der Bischofskonferenz stehen.
Erika Kerstner


23.9.2010 Karin Prummer kommentiert in der Süddeutschen die Ergebnisse der Bischofskonferenz. Sie sagt, es fehle der nächste Schritt nach dem Einräumen von Fehlern, nämlich die Entschädigung der Opfer. Damit verspiele die Kirche eine Chance, die so schnell nicht wieder komme. Quelle: Süddeutsche


22.9.2010 In Spanien ermittelt die Polizei gegen einen katholischen Priester aus Valencia (Kreis Ribera Alta). Es soll sich um einen 39-jährigen Geistlichen handeln, der zwei Jungen, 13 und 14 Jahre alt, sexuell missbraucht haben soll. Der Erzbischof von Valencia suspendierte den Priester und teilte in einer Presseerklärung sein Bedauern mit. Quelle: comprendes.de


22.10.2010 “Wir haben Opfern zu wenig zugehört, Fehler falsch beurteilt und unser Handeln, wie andere auch, oft zu sehr darauf ausgerichtet, dass das Ansehen der eigenen Institution, der Kirche, bewahrt bleibe.” Umso wichtiger sei nun ein Dialog über den künftigen Kurs der Kirche. An dessen Spitze müssten die Bischöfe stehen. “Der neue Aufbruch, den wir suchen, beginnt bei uns selbst!” Das sagte Erzbischof Zollitsch zu Beginn der Herbstkonferenz der kath. Bischöfe Deutschlands. Quelle: katholisch.de

Kommentar: Mit den “Fehlern”, die falsch beurteilt wurden, meint der Vorsitzende der Bischofskonferenz vermutlich Verbrechen an Kindern und Jugendlichen.


21.9.2010 Eine Pastorin, als Kind vom Vater und einem katholischen Priester, missbraucht, fordert von der Nordelbischen Kirche rückhaltlose Aufklärung im Ahrensburger Missbrauchsgeschehen und stellt ihre Kenntnisse aus Opfersicht zur Verfügung. Quelle: Abendblatt


19.9.2010 Nun sollten die Kirchenführer ihre Erfahrungen mit dem Ausmaß und den Folgen von Kindesmissbrauch auch in außerkirchlichen Gesellschaftsbereichen einbringen. Es gebe keinen besseren Weg zur „Wiedergutmachung dieser Sünden“, als „in demütiger Haltung des Mitgefühls die Kinder zu erreichen, die anderswo weiter Missbrauch erleiden“, sagte der Papst. Quelle: Domradio

Kommentar: Der Papst hat noch nicht realisiert, dass mit hoher Sicherheit auch in der Kirche nach wie vor Kinder missbraucht werden. Und ihm ist noch nicht klar, dass es eine Wahrnehmungsdifferenz gibt: Die Kirchenleitung glaubt, sie tue alles für die Opfer – viele Opfer sehen das jedoch anders.


19.9.2010 Ehemalige Schüler von Jesuitenschulen, die missbraucht wurden, fordern eine Entschädigung von 82373 € pro “Fall”. Jesuiten hatten 5000 Euro angeboten. Die Opfervereinigung “Eckiger Tisch” will sich an die Bischofskonferenz wenden, weil der Jesuitenorden nicht zahlen kann. Quelle: Fuldaer Zeitung


18.9.2010 Die Ermittlungen gegen den ehemaligen belgischen Bischof Roger Vangheluwe stehen vor dem Abschluss. In den Medien wird berichtet, Vangheluwe habe nicht, wie von ihm eingeräumt, einen, sondern zwei Neffen sexuell missbraucht. Beide Fälle seien aber strafrechtlich verjährt. Das zweite Opfer habe aus eigenem Willen weder die Staatsanwaltschaft noch die unabhängige Untersuchungskommission informiert,. Es soll nun von der Staatsanwaltschaft angehört werden. Der Vatikansprecher bestätigte, dass im Vatikan Kirchenstrafen gegen Vangheluwe geprüft werden – das brauche aber Zeit. Quelle: Radio Vatikan


18.9.2010 Von Jesuitenpatres missbrauchte ehemalige Schüler haben das Angebot eines Schmerzensgeldes in Höhe von 5.000 Euro zurückgewiesen. ‘Wir wollen nicht nur eine symbolische, sondern eine tatsächliche angemessene Genugtuung für das, was uns vor Jahrzehnten angetan worden ist’, sagte Matthias Katsch, Sprecher des Eckigen Tisches. Der Eckige Tisch spricht von einem “Täterschutzprogramm” und fordert 82 373 Euro. Siese Summe ist die durchschnittliche Entschädigungssumme für Schäden der Seele, die in den letzten Jahren in Deutschland und Österreich durch Gerichte festgesetzt wurden. Quelle: ad-hoc-news


18.9.2010 Investigativer Journalismus – heilsam für Politik und Kirche. Quelle: Stuttgarter Zeitung


18.9.2010 Papst Benedikt XVI. hat in London sein „tiefes Bedauern“ gegenüber den Opfern sexuellen Missbrauchs durch Kleriker zum Ausdruck gebracht. Er empfinde „Beschämung und Demütigung“ angesichts dieser „unbeschreiblichen Verbrechen“, sagte das 83-jährige Kirchenoberhaupt am Samstag bei einer Pontifikalmesse in Westminster Cathedral. Die Folgen des Skandals sollten als „Strafe zur Heilung der Opfer, zur Läuterung der Kirche und zur Erneuerung ihres uralten Engagements in der Erziehung und Sorge um junge Menschen beitragen“. Für die Opfer hoffe er, „dass die Kraft der Gnade Christi, sein Versöhnungsopfer, ihrem Leben eine tiefgreifende Heilung und Frieden bringen möge“. Zugleich betonte der Papst, ihr Leiden sei durch „die Sünden einer geringen Anzahl von Priestern“ verursacht. Quelle: abendblatt.de

Vertreter der Missbrauchsopfer äußerten sich trotz der deutlichen Worte des 83-jährigen Kirchenoberhaupts unzufrieden. Die Äußerungen Benedikt seien “Public Relations aber nicht Buße”. Der Papst habe konkretes Handeln gegen pädophile Geistliche unterlassen. Quelle: reuters.com
Kommentar: Die Mär von den Einzelfällen hält sich hartnäckig. Allein in Rom sollen 3000 “Einzelfälle” vorliegen. Eine Überschlagsrechnung für Deutschland kommt auf 487 Täter – Priester und Ordensleute. Alles Einzelfälle.


17.9.2010 “Fakt ist jedenfalls, dass eine beschuldigte Organisation den Missbrauchsopfern ein konkretes Zahlungsangebot vorgelegt hat; für die ehemaligen Heimkinder steht das noch aus. Die ehemaligen Heimkinder werden also nicht nur zweitklassig behandelt, indem für sie die Hotline der katholischen Kirche kostenpflichtig ist (im Gegensatz zu den Missbrauchsopfern), sondern ihnen macht man auch kein konkretes Entschädigungsangebot, verweist vielmehr auf die lange Bank des Runden Tisches.” Quelle: Blog von  Dierk Schäfer


16.9.2010 In Luxemburg haben sich 138 Missbrauchsopfer von Kirchenleuten gemeldet. Quelle: wort.lu


16.9.2010 Die Enthüllungen hätten ihn schockiert und sehr betroffen gemacht, sagte Papst Benedikt am Donnerstag Journalisten an Bord des Flugzeugs, mit dem er nach Schottland flog. “Und es ist sehr traurig, dass die Autorität der Kirche nicht genügend wachsam war und nicht schnell und entschieden genug die notwendigen Maßnahmen ergriff”, fuhr er fort. Quelle: reuters.de

Kommentar: Damit dürfte er recht haben: Nicht die Taten schockierten den Papst, sondern die Enthüllungen. Denn die Taten kannte er als langjähriger Vorsitzender der Glaubenskongration ja. Dass er über die Autorität der Kirche – in diesem Fall über sich selbst – traurig ist, ist angemessen. Traditionell gehört bei den Katholiken zur Reue auch die Änderung des Verhaltens und die Wiedergutmachung. Da ist noch einiges zu tun… 


16.9.2010 Die Orden in Deutschland wollen die bischöflichen Leitlinien vollumfänglich übernehmen. Quelle: kath.web


15.9.2010 In Österreich trat das Kuratorium der Opferschutz-Stiftung zusammen. Sie berieten über Entschädigungszahlungen an die bislang 433 Opfer. Summen wollten sie nicht nennen. Der Vorsitzende von Wir sind Kirche-Austria, Hurka, rechnet im Schnitt mit 20.000 Euro Schmerzensgeld und pro Betroffenen eine zweijährige Therapie. Quelle: kurier.at


15.9.2010 Die Priester der irischen Diözese Ferns sollen jährlich 1.000 Euro für die Entschädigung kirchlicher Missbrauchsopfer zahlen. Damit soll ein Teil der Schadenersatzforderungen über eine Million Euro beglichen werden. 8,1 Millionen Euro wurden bislang an 60 Missbrauchsopfer von 20 Priestern gezahlt. Quelle: kath.web


15.9.2010 Die Jesuiten haben beschlossen, MIssbrauchsopfer von Jesuiten finanziell zu entschädigen. Von einer Pauschale über 5.000 € ist die Rede. Eine unabhängige Kommission solle klären, wer Anspruch auf das Geld habe. Für die Zahlungen sollen weder Spendenmittel verwendet noch Geld aus Projekten abgezogen werden, sagte Kiechle, “wir werden unseren Lebensstil einschränken müssen”. Einige Bischöfe seien verärgert über das Vorpreschen der Jesuiten. Opfersprecher weisen darauf hin, dass eine Summe von 5000 Euro aber “in keiner Weise angemessen”. sei Man sei “solidarisch mit der Vereinigung der Heimkinder am runden Tisch”. Die Heimkinder fordern gestaffelte Zahlungen zwischen 20.000 und 120.000 Euro oder eine pauschalierte Zahlung von 54.000 Euro. Die Summe sei nicht übertrieben, sagte Katsch: “Der Durchschnitt der in Deutschland und Österreich in den vergangenen Jahren gerichtlich verhängten Schmerzensgelder für psychische Beschädigungen beträgt 82.000 Euro, wir bleiben deutlich darunter.” Quelle: Süddeutsche   Presseerklärung des Eckigen Tisches


15.9.2010 Die DAK ist inzwischen von ihrer Darstellung abgerückt: Sie spricht nicht mehr von erweiterten Doktorspielen in einer Kinderklinik auf Sylt. Ob ein Doktorspiel oder Missbrauch vorliegt, wird die Staatsanwaltschaft klären. Da die 13 beteiligten Kinder strafunmündig sind, wird es nicht um strafrechtliche Bewertung gehen. Die Frage jedoch, warum die Betreuer nichts von den Ereignissen mitbekommen haben, wird zu klären sein. Quelle: Spiegel


14.9.2010 Einer der in Darmstadt wegen Kindesmissbrauch (auch von Säuglingen), Konsum und Verbreitung von Kinderpornografie Angeklagten sagte, er habe schon immer “Freude am Umgang mit Kindern” gehabt. Der gleiche Angeklagte oder einer seiner Mitangeklagten sagte, Frauen und Kinder hätten ihn schon immer leicht um den Finger wickeln können. Ein Angeklagter aus Wald-Michelbach/Odenwalt meinte zu einer heute 19-Jährigen, die er als 6-Jährige missbraucht hatte: “Erst durch die Lektüre ihrer Aussage habe ich erkannt, dass es nicht genügt, gewaltfrei durchs Leben zu gehen, sondern dass man auch die Seelenlage eines Kindes berücksichtigen muss.” Quelle: tagesspiegel

Wir lernen: Sexueller Missbrauch von Kindern und Säuglingen hat etwas mit der Freude am Umgang mit Kindern zu tun und es sind die Frauen und Kindern, die den Mann um den Finger wickeln – es also darauf anlegen, missbraucht zu werden. Und schließlich erfahren wir, dass sexueller Missbrauch eines 6-jährigen Mädchens ein “gewaltfreies” Handeln ist – der Missbrauchstäter hat nur vergessen, die Seelenlage eines Kindes zu berücksichtigen.


14.9.2010 Der “Eckige Tisch” hat den Vatikan zu mehr Aufklärung von sexuellem Missbrauch in katholischen Einrichtungen aufgerufen. In dem Schreiben berichtet die Initiative der von Jesuiten Missbrauchten von dem früheren Pater Wolfgang S., SJ, der in den 70er und 80 er Jahren an ORdensschulen in Berlin, Hamburg, Sankt Blasien Schüler missbraucht hat. 1991 hat er im Kontext seines Antrages auf Laisierung dem Papst gegenüber ein umfangreiches Geständnig abgelegt. Er räumte den Missbrauch von über 100 Kindern und Jugendlichen ein. Der „Eckige Tisch“ fordert nun Auskunft darüber, wer Anfang der 90er Jahre über die Laisierung von Wolfgang S. entschieden habe und wie darüber mit den Jesuiten kommuniziert worden sei. Zudem stelle sich die Frage, warum die Kirche auf das Geständnis nicht mit einer Strafe reagiert habe, so die Initiative. Quelle: Radio Vatikan und der Beitrag eines Opfers zur Frage: “Wie viel ist genug?”

Derweil berichtet Radio Vatikan, der Papst sei erschüttert über das Ausmaß des Missbrauchs von Kindern durch Priester in Belgien.


13.9.2010 Hans Hermann Brunkhorst berichtet über seine Erfahrungen. Ein Fazit: “Ich denke, dass Gott nur von Menschen erfunden wurde, um andere zu unterjochen, ihnen Angst und ein schlechtes Gewissen zu machen. Wenn es einen Gott wirklich gibt, muss er sehr böse sein. Wie sonst könnte er so etwas zulassen? Wenn ich die salbungsvollen Worte der Priester, Pastoren, Bischöfe und des Papstes über die Güte Gottes höre, wird mir nur noch schlecht.”

Hans Georg van Herste, der diese Geschichte vorstellte, berichtet von seinen Erfahrungen: “Ich bot diese Geschichte mehreren Medien an, die anfangs großes Interesse zeigten. Als nichts geschah und ich nachhakte, wurde mir von einem Mitarbeiter eines Radiosenders erklärt, das Thema Missbrauch sei für ihn abgedroschen und deshalb würde er nichts bringen. Ein Zeitungsredakteur erklärte mir, er wolle die Geschichte unbedingt bringen, es würden aber noch Beweise fehlen. Quelle: pressemitteilung.ws
Kommentar: Die öffentliche Aufmerksamkeit ist vorbei, das Interesse erlahmt, das Thema ist durch – nur die Opfer, die können nicht vergessen, weil sie täglich mit den Folgen konfrontiert sind.


13.9.2010 Gravuren, die ein Leben lang bleiben – ein Missbrauchsopfer erzählt. Der missbrauchende Pater ist verstorben, der Orden hat sich formal entschuldigt – mehr nicht. Keine Zeugenbefragung und keine Nachforschung, ob es noch andere Missbrauchsopfer gibt. Das Opfer sagt:  “Für die Kirche kann ich nur sagen, sie sind nicht gut beraten mit dieser Art von Aufklärung wie ich sie gerade erlebe. Ich rate der katholischen Kirche dringend, ganz intensiv eine Aufklärungsarbeit in voller Öffentlichkeit zu machen. Die heutigen Ordensleitungen haben diese Fehler ja nicht begangen. Sie begehen jetzt weitere Fehler, in dem sie vertuschen und nicht aufklären. Aber hier hilft wirklich ein offenes, geradliniges Angehen dieser Fälle und den Opfern vielfältige Hilfe anzubieten.” Quelle: Dorothea Brummerloh


13.9.2010 Die belgischen Bischöfe wollen ein Zentrum zur Heilung, Rehabilitation und Versöhnung von Opfern von Missbrauch durch Mitarbeiter der Kirche eröffnen. Sie seien entschlossen, die richtigen Lektionen aus den furchtbaren Ereignissen der letzten Monate zu ziehen, wird gesagt. So wolle man in Zukunft alle neuen Initiativen nur mit den Opfern selbst planen. Quelle: Radio Vatikan


Die Vereinigung “Menschenrechte in der Kirche”, Sprecherin: Lieve Halsberghe, kritisierte die mangelnde Unabhängigkeit der geplanten Einrichtung. Halsberghe sagte, es könne kein solches Zentrum «über Verbrechen in einer Institution geben, das von dieser Institution selbst kontrolliert wird.” Quelle: zuonline


Der zuständige Bischof Leonard erneuerte seinen Aufruf an Missbrauchs-Täter unter den Geistlichen, sich bei den kirchlichen Verantwortlichen zu melden. Sein entsprechender Appell von Ende April sei noch nicht wirklich erhört worden, so der Erzbischof. Ein Missbrauchsopfer sagte, die Kirche als Institution der Täter müsse sich völlig aus den Ermittlungen zurückziehen. Quelle: kath.web


Domradio berichtet: Abzuwarten bleibt, ob es mit der Initiative der Bischöfe gelingt, die Bedürfnisse der Opfer nach Würde, Anerkennung und Wiedergutmachung tatsächlich wieder in den Mittelpunkt zu stellen. Sie kamen zuletzt in der Debatte in Belgien oft kaum noch vor. Quelle: Domradio


13.9.2010 Die Kirche in Belgien will sich der Opfer annehmen und gibt zu, Mitschuld an den Missbrauchsfällen zu haben. Quelle: Der standard


13.9.2010 In Niedersachsen darf ein Lehrer weiter unterrichten, nachdem er eine 15jährige Schülerin dreimal missbraucht hatte. Er zahlte eine Geldstrafe und stellte einen Antrag auf Rückstufung um 2 Besoldungsgruppen. Das war’s. Ob die neue Schule, an die er sich versetzen ließ, informiert ist, konnte das Minsiterium nicht sagen. Es sei davon ausgegangen, dass die Geldstrafe und die Besoldungsrückstufung ausreichten, um  davon ausgehen zu können, dass der Lehrer keine weiteren Übergriffen begehen werde. Quelle: westdeutsche zeitung


12.9.2010 Die Kirche entlässt eine Erzieherin, weil sie vor 23 Jahren einen geschiedenen Mann geheiratet hat . “Missbrauch verjährt, Scheidung  aber nicht!”, kommentieren – ganz richtig – die Erzieherin und ihr Mann. Quelle: der westen

Kommentar: Das ist ein respektloser Umgang der Kirche mit einem Menschen.


11.9.2010 Pater G. Beschuldigter Benediktinermönch hat sein Geständnis widerrufen. Der Verteidiger will eine Begutachtung mehrerer Zeugen durch einen namhaften deutschen Aussagepsychologen fordern. Die Zeugen sollen erneut vernommen werden. Der Anwalt vermutet, dass die Art der Vernehmung “hypothesengeleitet” gewesen sei, die ermittelnden Beamten unter Druck gestanden haben und den Beschuldigten negativ stereotypisiert hätten. Der Hauptbelastungszeuge sagte, er sei nicht sexuell missbraucht worden noch habe er je eine Aussage über 100 andere Opfer gemacht, wie die Akten aussagen. Quelle: focus.de


10.9.2010 “Wer tiefe Reue zeigt, der kann auch klare Worte finden.” – Das sagt David Winands und er hat Recht. Quelle: jetzt.de


10.9.2010 Im Bistum Aachen stehen 24 Priester unter dem Verdacht, Kinder und Jugendliche zwischen 1945 und 2010 missbraucht zu haben. 8 der Täter leben noch. 3 mutmaßliche Täter sind wegen Verbrechen zwischen 1990 und heute kirchenrechtlich zur Rechenschaft gezogen worden. 7 Täter wurden strafrechtlich verurteilt, ein Verfahren ist noch anhängig, ein Fall wurde strafrechtlich nicht geahndet, weil keine Anzeige vorlag. Bei 15 Tätern waren die Verbrechen strafrechtlich verjährt. Quelle: Domradio


10.9.2010 Die belgische Missbrauchskommission der Kirche stellte heute ihren Bericht vor. Er ist im Internet einsehbar. Es ist von 475 Fällen sexuellen Missbrauchs zwischen 1960 und heute die Rede. Opfer waren meist Jungen im Alter von 12 Jahren, aber auch 2 Jahre alte Jungen waren betroffen. Mindestens 13 Missbrauchsopfer haben sich das Leben genommen; 6 haben versucht, sich umzubringen. Die Kommission zeigte sich schockiert, dass die Eltern der Opfer häufig Kenntnis vom Missbrauch hatten, sich jedoch für den Schutz des Täters – nicht zuletzt, weil der Herr Pfarrer ein “Freund des Hauses” war – entschieden.

Der Skandal könne noch weit dramatischere Ausmasse haben als bislang bekannt, sagte der Leiter der Kommission, Adreanssen. Mehrere befragte Priester, die von einzelnen Zeugen belastet worden seien, hätten Listen von 10, 15 bis 20 Internatsschülern vorgelegt, die sie missbraucht hätten.
Quelle: der standard
Quelle: bfr
s. auch fr-online vom


9.9.2010 Die Hausdurchsuchungen in kirchlichen Einrichtungen Belgiens waren nicht rechtens. Die Missbrauchskommission trat zurück, weil die Justiz die den Opfern zugesicherte Vertraulichkeit gebrochen habe. Am kommenden Freitag will sie ihren Abschlussbericht vorstellen.
Quelle: Radio Vatikan


9.9.2010 Das Bistum Augsburg hat einen Schlussbericht über Missbauchsfälle zwischen 1946 und 2003 vorgelegt. Von März bis August gaben 80 Personen Hinweise auf Misshandlungs-und Missbrauchsfälle. 34 Hinweise bezögen sich auf Angehörige der Diözese Augsburg. Unter den 34 Opfern waren 30 Jungen und 4 Mädchen, zur Tatzeit meistens 10-14 Jahre alt. Das jüngste Opfer war 8 Jahre alt. Die körperlichen Misshandlungen waren schwerwiegend und auch zur damaligen Zeit nicht vom Züchtigungsrecht gedeckt.Sie fanden überwiegend in Schulen statt.  In 22 Fällen ging es um sexuellen Missbrauch. Die Übergriffe hätten oft im Elternhaus stattgefunden. 20 der Beschuldigten sind tot, gegen 6 wird ermittelt. Sie wurden von seelsorglichen Aufgaben entbunden. Den Opfern habe die Diözese Hilfe angeboten und für therapeutische Behandlungen bis jetzt 50.000 Euro zugesichert.

Quelle: Mittelbayerische und Augsburger Allgemeine
Der Begriff: “Schlussbericht” suggeriert, dass es seit 2003 keine sexualisierte und körperliche Gewalt in der Kirche mehr gebe und auch in Zukunft nicht mehr geben werde. Das dürfte leider eine Fehleinschätzung sein.


8.9.2010 “Aufbruch oder Abschottung – welche Lehren zieht die katholische Kirche aus dem Missbrauchsskandal” – so lautet das Thema einer Gesprächsrunde, die das Deutschlandradio im Rahmen seiner Sendereihe “Länderzeit” am Mittwoch, 15. September 2010, 10:10 Uhr bis 11:30, ausstrahlt. Die Sendung kommt live aus dem Tagungshaus der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Stuttgart-Hohenheim. Quelle: Bistum Rottenburg-Stuttgart


8.9.2010 Wie viel Buße darf’s denn sein? – fragt Rudolf Jekel im Vorfeld der “Genugtuungszahlungen” die Jesuiten und Eckiger Tisch im September diskutieren wollen.


8.9.2010 Insgesamt gab es im Bistum Aachen in der Zeit von 1953 bis 2000 sieben Fälle mit strafrechtlicher Verurteilung von Priestern.  Eom Ermittlungsverfahren wurde mit der Auflage einer Zahlung von 2.000 Euro durch den Beschuldigten eingestellt. Fünf der verurteilten Priester waren nach Verbüßung ihrer Strafe unter strengen Auflagen wieder im kirchlichen Dienst tätig, davon zwei als Pfarrer tätig, drei von ihnen sind zwischenzeitlich verstorben. Nach den aktuell geltenden diözesanen Bestimmungen würden sie heute keinen neuen kirchlichen Auftrag erhalten. Quelle: Bistum Aachen


8.9.2010 In Hessen stehen sechs mutmaßliche Drahtzieher eines Kinderporno-Rings vor Gericht. Sie sollen im Internet mit perfiden Methoden 100.000 Dateien ausgetauscht haben. Die Opfer: Säuglinge und Kinder. Die Staatsanwaltschaft geht von 500 Nutzern aus, etwa 140 von ihnen wurden ermittelt. Quelle: Süddeutsche und Spiegel


8.9.2010 Ein Schweizer katholischer Priester soll 2001 eine drogenabhängige Frau unter Ausnützung einer Notlage beim Massieren missbraucht haben. Die Taten sollen in Neuenburg begangen worden sein. Bereits früher wurde ein Verfahren wegen ähnlicher Handlungen im Kanton Freiburg wegen Verjährung eingestellt. Quelle: Radio Vatikan


7.9.2010 Im Erzbistum Hamburg haben sich 2002 und 2004 vier Frauen und ein Mann gemeldet und Vorwürfe gegen einen Priester erhoben, der sie in den 1970er Jahren und frühen 1980er Jahren missbraucht haben soll. Schauplätze seien Lingen in Niedersachsen und Bremen gewesen.  Vorwürfe aus den letzten Arbeitsorten, Rendsburg und Nortorf, seien nicht bekannt. Anfangs habe die Kirche die “Sache intern geregelt”. Erst 2010 wurde die Staatsanwaltschaft in Bremen und Osnabrück eingeschaltet. Der heute 67-jährige mutmaßliche Täter sei 2010 in den vorzeitigen Ruhestand versetzt worden. Im Jahr 2002 – nach den ersten Vorwürfen – habe der mutmaßliche Täter eine Therapie auferlegt bekommen; Jugendarbeit sei ihm nur noch im Team erlaubt worden. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück hat die Verfahren wegen Verjährung eingestellt, ohne die Vorwürfe zu prüfen. Die Bremer Staatsanwaltschaft ermittelt noch, ob die mutmaßlichen Taten verjährt sind. Quelle: kn-online


Im Erzbistum Hamburg haben sich etliche MEnschen gemeldet und Vorwürfe gegen Pfarrer und andere kirchliche Mitarbeiter erhoben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt zu Missbrauchsfällen im Kinder- und Jugendhaus St. Josef in Bad Oldesloe, im Benediktiner-Kloster Nütschau (beide Kreis Stormarn) sowie im Schullandheim Neu-Börnsen (Kreis Herzogtum Lauenburg). Quelle: ndr


7.9.2010 Kardinal Danneels bedauert, dass er im Missbrauchsfall von Bischof Vangheluwe nicht dessen Abberufung verfügt habe, sondern das Opfer bat, dem Täter zu vergeben und bis zu dessen Pensionierung Stillschweigen zu halten. Quelle: n-tv


7.9.2010 Die Klasnic-Kommission hat zwei weitere Anzeigen gegen kirchliche Einrichtungen eingebracht. Vermutlich betreffen sie Einrichtungen in Oberösterreich und Tirol. Zum einen handle es sich um das 1990 geschlossene Caritas-Heim in Gleink/Steyr und ein Jungeninternat des seraphischen Liebeswerks der Kapuziner in Fügen. Die mutmaßlich betroffenen EInrichtungen bestätigten die Angaben nicht. In einem Fall gehe es um den Vorwurf der Gewalt, im anderen Fall um Gewalt und sexualisierte Gewalt. An die 50 potenzielle Opfer seien vermutlich betroffen. Eines der Delikte könnte noch nicht ganz 20 Jahre her sein.
Gemeldet haben sich bei der Opferanwaltschaft der katholischen Kirche mittlerweile 433 Betroffene, seit Juni seien das 130 mehr. Dabei würde sich die Schwere der berichteten Fälle steigern, berichtete Klasnic und rief Opfer abermals dazu auf, sich schnell zu melden.
Quelle: Der Standard


Die österreichischen Entschädigungen sind festgelegt: “Leichtere” Fälle des Missbrauchs (keine Vergewaltigung) erhalten 5000 Euro.

Für mehrfache Übergriffe über eine längere Zeit oder eine geringe Zahl an schwerwiegenden Übergriffen unter Gewalteinwirkung (Vergewaltigung) sind 15.000 Euro vorgesehen. Bis zu 25.000 Euro erhalten Betroffene, die über mehrere Jahre Missbrauch mit Verletzungsfolgen ausgesetzt waren. Darin inkludiert sind auch seelische Schmerzen. Die vierte Kategorie betrifft besonders extreme und brutale Fälle. Hier ist gar keine finanzielle Obergrenze gesetzt. Quelle: kurier.at


5.9.2010 Nach Angaben des “Eckigen Tisches” gibt es einen Aufruf von Christine Bergmann, sich mit Berichten, Sichtweisen und Forderungen an die Beauftragte der Bundesregierung zu wenden. Der Runde Tisch wolle sich ein Bild von den verschiedenen Betroffenengruppierungen, ihren Wünschen und Forderungen verschaffen. Es wird darauf hingewiesen, dass der Runde Tisch möglicherweise Ende September 2010 letztmalig tage.


4.9.2010 Noch im September wird es ein Gespräch zwischen den Jesuiten und Mitgliedern des “Eckigen Tisches” geben. Voraussichtlich wird auch über Entschädigungszahlungen gesprochen. Quelle: ad hoc news


4.9.2010 In Portugal wurde das Urteil gegen die Missbrauchstäter der Casa Pia, Lissabon, gesprochen.  Opfer waren 32  mittellose, taubstumme oder verwaiste Kinder und Jugendliche. Der als einziger Geständige, der Hausmeister, erhielt 18 Jahre Haft. Die anderen Strafen  für die 5 der 6 übrigen Täter lagen zwischen knapp 6 und den genannten 18 Jahren. Das Verfahren dauerte 6 Jahre, 920 Zeugen wurden gehört. Einige der Opfer versuchten, sich in diesen Jahren das Leben zu nehmen. Quelle: Spiegel


3.9.2010 Gegen einen Jugendbetreuer der evangelischen Kirche liegen zwei Anzeigen wegen sexuellen Missbrauchs vor. Mutmaßliche Opfer sind 2 Mädchen der Jugendgruppe, eine davon 13 Jahre alt. Quelle: welt.de


2.9.2010 Morgen wird in Portugal ein jahrelang erwartetes Urteil gesprochen. 32 Kinder und Jugendliche wurden in dem staatlichen Kinderheim Casa Pia, Lissabon, jahrelang missbraucht. Das scheint unstrittig zu sein. Täter sind der ehemalige Heimangestellte Carlos Silvino und sechs weitere Angeklagte. Zu ihnen gehört der in Portugal bekannte Showmaster Carlos Cruz, ein prominenter Arzt und ein ehemaliger Botschafter.

Solange 2002 nur der Angestellte angeklagt war, war die Öffentlichkeit entrüstet und um die Opfer besorgt. Als prominente Tatverdächtige bekannt wurden, wurden aus den Opfern die Bösen, deren Aussagen kein Glauben geschenkt werden darf.
Die prominenten Angeklagten beschäftigten die die teuersten Anwälte. Deren Strategie war, die Opfer als Lügner hinzustellen und durch EIngaben und Anträge den Prozess zu verschleppen. Der Prozessbeobachter Pedro Namora, Rechtsanwalt, Prozessbeobachter und selbst Opfer im Kinderheim Casa Pia, geht davon aus, dass nach dem Schulerweis der Angeklagten die Verteidigung auf Verjährung setzen wird.  (Das ist ein auch in Deutschland bekanntes übliches Mittel, Sexualstraftäter ungestraft zu lassen.) Quelle: Deutschlandradio    Spiegel 3.9.2010


2.9.2010 Britta Baas, Publik Forum, weist auf einige Schwachpunkte der neuen Leitlinien gegen Missbrauch der DBK hin. Quelle: Publik Forum


2.9.2010 Sühne muss weh tun, sagt Pater Mertes. Quelle: Rheinischer Merkur


1.9.2010 “Das neue Regelwerk ist nur so gut, wie die Bereitschaft echt ist, Opferschutz vor Täterschutz zu stellen.” So urteilt Patrick Schwarz  über die neuen Leitlinien der Bischofskonferenz- und dürfte damit Recht haben. Quelle: Die Zeit


1.9.2010 Der belgische Kardinal Danneels gerät nach der Veröffentlichung einer protokollierten Aufnahme eines Gespräches mit Bischof  Vangheluwe, dem Opfer  und dessen Eltern weiter unter Druck, meldet kath.press. Kardinal Daneels wehrt sich dagegen.


1.9.2010 Kommentar von Matthias Drobinski, Süddeutsche, zu den neuen Leitlinien gegen Missbrauch in der kath. Kirche.


31.8.2010 Zu den bereits vor 2010 öffentlich gemachten Fällen von Missbrauch im Bistum Magdeburg sind 8 Beschuldigte  neu hinzugekommen. 6 der Beschuldigten waren oder sind Priester, 4 davon verstorben. Die Vergehen der beiden noch lebenden Priester sind nach staatlichem und kirchl. Recht aufgearbeitet, 2 Beschuldigungen richten sich gegen Personen, die nicht Priester sind. Diese Fälle werden derzeit durch die Staatsanwaltschaft bearbeitet. Abschließende Ergebnisse liegen noch nicht vor. Das Bistum geht von weiteren unbekannten Fällen aus. Quelle: Bistum Magdeburg   pr-inside


31.8.2010 Der irische Kardinal Sean Brady will den Papst auf seiner Englandreise begleiten. Der Vorsitzende der Irischen Bischofskonferenz war zum Rücktritt aufgefordert worden, weil er als Gemeindepriester Mitte der 7oer Jahre an der Vertuschung eines Missbrauchsfalls beteiligt gewesen sein soll.  Der Vorsitzende der Nationalen Säkularen Gesellschaft, Terry Sanderson, erklärte, die Ankündigung Bradys spiegele die «Arroganz» wider, «die so vielen in der Hierarchie der katholischen Kirche zu eigen» sei. Sollte der Papst dem Kardinal erlauben, ihn zu begleiten, käme dies einer «wortlosen Billigung» seines Verhaltens gleich, so Sanderson. Quelle: Liborius


31.8.2010 Die Leitlinien der Bischofskonferenz – Stand 23.8.2010
Kommentar von Peter Wensierski, Spiegel
Kommentar von “Wir sind Kirche”
Kommentar von FR
Erster Kommentar:

  • Im Birnauer Missbrauchsfall, in den neben dem Orden der Zisterzienser von Mehrerau/Österreich das Erzbistum Freiburg involviert ist, ist laut BAZ vom 20. Juli 2010 und  BAZ vom 21.7.2010 strittig, welche Verantwortung das Erzbistum Freiburg trägt. Die bisherige Regelung in den Leitlinien von 2002 lautete: “Die Zuständigkeit für die Prüfung von Fällen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Ordensleute, die unter Gestellung in bischöflichem Auftrag tätig sind, liegt – unbeschadet der Verantwortung der Ordensoberen – bei der Diözese. In anderen Fällen bieten die Diözesen dem Ordensoberen Unterstützung an.”  Die neuen Leitlinien sehen vor, dass ein Diözesanbischof die Ansprechperson für Verdachtsfälle auf sexuellen Missbrauch durch Kleriker, Ordensangehörige und andere MitarbeiterInnen im kirchl. Dienst beauftragt. Der Diözesanbischof ist auch für Ordensangehörige zuständig, die in bischöflichem Auftrag tätig sind. Soweit die Regelung. Im Birnauer Missbrauchsfall ist nun genau dies umstritten: War der Täter (der vom Erzbistum trotz seines Geständnisses nach wie vor als ‘mutmaßlicher Täter’ bezeichnet wird) in bischöflichem Auftrag tätig – oder galt der bischöfliche Auftrag nur dem Orden und nicht dem einzelnen Ordensangehörigen? Mit der neuen Regelung scheint auch in Zukunft eine Zuständigkeitsrangelei zwischen Diözese und Orden nicht zu vermeiden sein – auf Kosten des Opfers.
  • Mir fehlen große Bereiche der Prävention.
  • Mir fehlt der gesamte Bereich der Postvention, wie sie in der “Initiative GottesSuche” praktiziert wird.
  • Völlig undiskutiert ist die Frage nach einer Entschädigung der Opfer. Natürlich kann man wie Kardinal Lehmann von der “Begehrlichkeit nach Geld” sprechen und Opfern damit Geldgier unterstellen. Man kann auch – zu Recht! – sagen, die Schäden seien  mit Geld nicht wieder gut zu machen. Das stimmt. Sie sind unwiderruflich nicht mehr wieder gut zu machen und die vielen Folgen von Traumatisierung durch Menschengewalt sind wirklich nicht in Geld aufzuwiegen. Dennoch muss es eine Form von Genugtuung geben, die über eine der vielen billigen Entschuldigungen der letzten Monate hinausgeht und die zeigt, dass Täter und Vertuscher auf Opfer zugehen wollen. Das wäre nur recht und billig. Nur: Billig darf es für die Kirche nicht werden. Das hat zwei Gründe:
  1. Weil sie offensichtlich nur unter Schmerzen lernt, evangeliumsgemäßer zu handeln – und Geld abzugeben, tut ihr weh. Wenn eine Genugtuung ihr nicht weh tut, wird sie nicht lernen, ehrlichen Herzens auf Opfer zuzugehen. Das lehrt die Vergangenheit.
  2. Billig darf es nicht werden um der Opfer willen, weil die in den meisten ihrer Lebensbereiche lebenslänglich “draufzahlen”. Es geht nicht um Begehrlichkeit – es geht um ein Stückchen Gerechtigkeit. Und die kann höchstens symbolisch sein – aber sie sollte mindestens symbolisch sein.
  • Mir fehlt der Schutz der Opfer vor den Nachstellungen der Gemeinden, in denen sie üblicherweise als Nestbeschmutzer gelten und in denen man lieber den Täter schützt und das Opfer beschuldigt – wie das nicht nur in Uznach in der Schweiz vor vielen Jahren geschah, sondern wie es bis heute geschieht.
  • Und last not least wäre es nicht schlecht, wenn das Schweigen der Kirchen gegenüber den Opfern ein Ende fände – es dauert schon viel zu lange und es hat sich kaum etwas geändert daran seit Anfang 2010.

31.8.2010 “Die Sorge um Glaubwürdigkeitsverlust kann eine Falle sein. Ich hege den Verdacht, dass da in aller Stille die Aufpolierung der Institution im Zentrum steht, der institutionell kirchliche Selbsterhalt – und eben nicht das Evangelium, das befreit zu einem wahrhaftigen Umgehen mit Opfern, Tätern und den vielen Wegguckern. Nur wenn es uns wirklich um die Opfer geht, werden wir am Ende vielleicht Glaubwürdigkeit gewinnen. Sozusagen als Kollateralgewinn.” Das sagt Klaus Mertes, SJ. Quelle: Südwestpresse
Kommentar: Ich teile seine Einschätzung.


28.8.2010 In Elisabethenfehn, Bistum Münster, hat der Kaplan Alwin B. zwischen 1957 und 1961 sechs Jungen missbraucht. Zunächst hatten Eltern den Kaplan konfrontiert, er leugnete. Daraufhin kam es zu einer Anzeige. Der Priester wurde zu einer 3-jährigen Haftstrafe verurteilt. Er verbüßte ein Jahr der Strafe und wurde 1963 mit dreijähriger Bewährungsauflage entlassen. Danach wohnte er im Bistum Mainz. Weitere Straftaten wurden bis zu seinem Tod 2002 nicht bekannt. Quelle: General-Anzeiger


28.8.2010 Kardinal Danneels, Belgien, bedauert, dass er an einem Gespräch mit einem missbrauchenden Kollegen und dem Opfer und der Opferfamilie teilgenommen hat. Ein heimlicher Tonbandmitschnitt dieses Gespräches belege die Vertuschungsabsichten des früheren Vorsitzenden der belgischen Bischofskonferenz, schreiben belgische Zeitungen. Daneels bestreitet Vertuschungsabsichten. Quelle: der standard und stern.de


26.8.2010 Michael Tfirst (tfirst@gmx.at), Missbrauchsopfer aus Österreich, sucht weitere Opfer des aus Deutschland stammenden Pallottiners und Zirkuspaters Schönig.


25.8.2010 Nach Ansicht der beiden Vatikan-Journalisten Andrea Tornielli und Paolo Rodari ist der Papst systematischen Attacken internationaler Medien ausgesetzt. Quelle: Radio Vatikan


25.8.2010 Großbritanniens katholische Kirche soll zusammen mit Regierung und Polizei einen katholischen Priester gedeckt haben, der 1972 an den Bombenattentaten im nordirischen Claudy beteiligt war. Quelle: Radio Vatikan


25.8.2010 Pater Mertes, Berlin, sorgt sich weniger um die Glaubwürdigkeit der Kirche als um die Sorge um die Glaubwürdigkeit der Kirche. Er macht die Erfahrung: “In dem Moment, wo Offenheit und Versöhnungswillen da sind, die Bereitschaft, bittere Wahrheiten über sich selbst auch anzuerkennen und Reaktionen daraus folgen zu lassen, Vertrauen zurückgewonnen wird. Ich habe in den letzten Monaten ganz viel Vertrauenszuwachs erlebt.” Quelle: Domradio


25.8.2010 Bei der niederländischen Missbrauchskommission haben sich seit Mitte März etwa 900 Opfer gemeldet. An eine kirchliche Beratungsstelle wandten sich im gleichen Zeitraum ca 1600 mutmaßliche Opfer. Quelle: Domradio und stern.de


24.8.2010 Ordensobere und Bischöfe beraten nach Aussagen des Sprechers der Bischofskonferenz gemeinsam über eine finanzielle Entschädigung von Missbrauchsopfern. Absprachen gebe es noch nicht. Der Sprecher der deutschen Jesuiten teilte mit, Ende September werde ein Vorschlag zur Entschädigung von Opfern vorliegen. Die Ettaler Benediktinerabtei hat einen Fonds für unmittelbare Hilfe eingerichtet. Über Entschädigungszahlungen werde erst nach Abschluss der Verhandlungen der DBK entschieden. Das erklärten Abtei und der Verein Ettaler Misshandlungs- und Missbrauchsopfer. Die Gespräche zwischen Abtei und Opfern seien so erfolgreich, dass sie ohne die Unterstützung von Anwälten fortgeführt werden könnten. Ziel sei, einen modifizierten Täter-Opfer-Ausgleich zu erreichen. Quelle: Radio Vatikan


24.8.2010 Missbrauch: Im Jahr des heiligen Geizes. Erst rang die Kirche um Worte, jetzt ringt sie ums Geld. Ein Kommentar. Quelle: Die Zeit


24.8.2010  Im Bistum Osnabrück soll ein damals in Haren/Emsland tätiger katholischer Geistlicher ein 14-jähriges Mädchen vergewaltigt haben. Die Vergewaltigung ist noch nicht verjährt, der drei Jahre andauernde sexuelle Missbrauch jedoch. Der Geistliche hat die sexuellen Kontakte eingeräumt, schildert sie jedoch als einvernehmlich. Gegen den Geistlichen gibt es zweites Ermittlungsverfahren wegen Vergewaltigung. Opfer soll eine damals 23-Jährige sein, die im April und Mai 1995 mehrfach vergewaltigt wurde. Die Ermittlungen in diesem Fall seien noch nicht abgeschlossen und der Nachweis der Gewaltanwendung schwierig. Quelle: focus und NDR


23.8.2010 Klaus Mertes, SJ, äußert sich zur Überarbeitung der Leitlinien zum Umgang mit den Missbrauchsfällen. Korrekt benennt er das Allerwichtigste: “Das Allerwichtigste was wir tun müssen, ist dass wir uns mit einer Frage auseinandersetzen, die über die Richtlinienfrage hinausgeht: was müssen wir bei uns reflektieren und bedenken, um uns zu öffnen für die „Opfer unserer Pastoral“. Und er formuliert positiv: “In dem Moment, wo die Menschen vor allem in der Kirche aber auch außerhalb der Kirche erleben, dass die Kirche ehrlich und ohne Angst mit der Wahrheit, auch wenn sie bitter ist, umgeht, in dem Moment wächst Vertrauen.“ Quelle: Radio Vatikan
Kommentar: Es gibt sie, die Öffnung für die Opfer der katholischen Pastoral – aber nur punktuell. Ich höre noch zu viel von Opferbeschimpfung, von Abwimmeln, von Abschrecken, von Leugnen von Verantwortlichkeit – und immer wieder davon, dass die angesprochene kirchl. Stelle zuallererst überprüft, ob sie zuständig ist. Es geht nicht um das Opfer, nicht um sein Leid; es geht darum, die Zuständigkeit abzuwehren und das Opfer weiterzuschicken. Dass die nächste Stelle ebenfalls ihre Zuständigkeit leugnet, ist Ehrensache. Der Gipfel des Zynismus liegt darin, dem Opfer, das eine Therapie braucht, psychische Labilität zu bescheinigen und ihm dann  eine Form von Unzurechnungsfähigkeit zu bescheinigen – am besten durch den Täter und dessen Anwalt, der wiederum von der Kirche finanziert wird. – Mit einer Änderung der Leitlinien wird kaum das zu erreichen sein, was Opfer brauchen, wenn die in der Institution Handelnden sich nicht mit dem Opfer solidarisieren, sondern nach wie vor mit den Tätern und mit der Institution.


23.8.2010 Mathias Drobinski in der Süddeutschen über die Pflicht zum Widerspruch in der katholischen Kirche. Quelle: Süddeutsche


21.8.2010 Ein Pfarrer aus dem saarländischen Neunkirchen/Bistum Trier, kehrt in seine Gemeinde zurück. Er war des sexuellen Missbrauchs verdächtigt worden. Die Vorwürfe beziehen sich auf die Zeit des Pfarrers als Erzieher im Homburger Internat Johanneum. Die Staatsanwaltschaft stellte ihre Ermittlungen wegen Verjährung ein. Ein Gutachter hatte dem Pfarrer bestätigt, er könne ohne Einschränkungen wieder in der Seelsorge eingesetzt werden. Quelle: salue.de


21.8.2010 Die Vizepräsidentin des Zentralkomitees der KatholikInnen, Kortmann, mahnt einen neuen Anfang im Verhältnis zwischen Klerikern und Laien an. Quelle: Deutschlandradio


21.8.2010 Der Priester aus der katholischen Seelsorgeeinheit Tiengen-Lauchringen, Erzbistum Freiburg, wird seinen Dienst in der SE nicht mehr antreten. Gegen ihn wird in Irland weiterhin wegen sexuellen Missbrauchs ermittelt. Er war dort als Angehöriger der Legionäre Christi in der Mission Jugendlicher tätig. Näheres ist nicht bekannt. Er sagt, er sei unschuldig. Quelle: Südkurier


20.8.2010 Matthias Drobinski äußert sich verhalten bis skeptisch zu den Aufräumarbeiten in der Katholischen Kirche. Die Leitlinien sollen überarbeitet werden. Die Vorbereitungen trifft der Ständige Rat der Bischofskonferenz in Himmelspforten. Quelle: jetzt.süddeutsche


20.8.2010 Im Bistum Speyer wurde ein Diözesanpriester beurlaubt. Ihm wird sexuelle Belästigung einer Jugendlichen vorgeworfen. Der Geistliche hat sich selbst angezeigt. Ihm wurde jede seelsorgliche Tätigkeit untersagt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Quelle: Bistum Speyer
Bereits im vergangenen Jahr war einem anderen Priester sexuelle Belästigung vorgeworfen worden. Dem Bistumssprecher zufolge wurde das Verfahren eingestellt. Der Mann habe die Pfalz verlassen. Quelle: Ärztezeitung


19.8.2010 In den USA haben sieben mutmaßliche Missbrauchsopfer aus der Diözese Oakland eine Klage wegen Vertuschung sexuellen Missbrauchs eingereicht. Die Diözese habe sich nicht ausreichend um die Suspendierung des Priesters gekümmert und die Eltern nicht rechtzeitig gewarnt. Der damals zuständige Kurienkardinal Ratzinger schrieb in einem Brief, die Argumente seien gravierend, aber eine solche Entscheidung brauche Zeit.
Quelle: standard.at


18.8.2010 Erzbischof Zollitsch will in Zukunft noch offensiver gegen sexuellen Missbrauch vorgehen. Sie trete für die vollständige Ausarbeitung der Fälle im kirchlichen Raum ein und sie wolle in die gesamte Gesellschaft hineinwirken, um Kindesmissbrauch einzudämmen. Zollitsch verwies auf die Präventionskonzepte der katholischen Jugendverbände oder kirchlichen Schulen, die hervorragend seien. Quelle: Domradio


17.8.2010 Das Erzbistum Freiburg verstärkt seinen Dialog mit den Menschen. Dazu wurden ein Telefon und eine neue E-Mail-Adresse eingerichtet. Wörtlich: “Mit Blick auf die weiter wachsende Bedeutung des Internets will die katholische Kirche gezielt „neue Brücken der Kommunikation bauen“, um mit den Menschen auch digital in Kontakt zu kommen und „von ihrer Freude und Hoffnung, ihren Sorgen und Ängsten, von ihren Ideen und Fragen zu hören“, erklärte Erzbischof Dr. Robert Zollitsch. Der Erzbischof von Freiburg hat dabei nicht nur die aktiven Katholiken im Blick: „Kirche darf nicht zu viel mit sich selbst kommunizieren. Kirche braucht Reichweite – auch im Internet.“ So möchte die Erzdiözese auch mit Menschen ins Gespräch kommen, die bisher nicht in ihrer Gemeinde engagiert oder bereits aus der katholischen Kirche ausgetreten sind. Dafür wurden spezielle Dialog-Seiten und eine besondere Email-Adresse eingerichtet (dialog@ordinariat-freiburg.de).” Quelle: Erzbistum Freiburg

Kommentar: Die angegebene Mail-Adresse scheint nicht zu funktionieren. Jedenfalls wurden meine Mails vom 17. Mai, 6. Juli und 5. August bislang nicht beantwortet. Vielleicht liegt es daran, dass ich in einer Gemeinde engagiert bin, noch nicht aus der katholischen Kirche ausgetreten bin und – horribile dictu – auch noch etwas von Wünschen Gewaltüberlebender an Kirche mitteilen wollte? 
Nachtrag vom 19.8.2010: Heute kam eine Mail von einem Mitglied der Missbrauchskommission. Es soll zu einem Gespräch kommen. Das ist eine erfreuliche Nachricht.
Nachtrag vom 1.9.2010: Die Pressestelle des Bistums Freiburgs bestätigt den Eingang der Mails seit Mai an unterschiedliche Adressaten des Erzbischöflichen Ordinariates Freiburg. Der Absender berichtet mir zunächst von den gestern veröffentlichten neuen Leitlinien, zitiert Bischof Dr. Ackermann und schreibt dann, dass die von mir angemerkten Punkte – “Wahrnehmung der Gewalt, Information über Traum und Traumafolgen, Widerstand gegen Opfermythen, Empathie gegenüber den Belangen der Opfer, Vermeidung von Vergebensforderungen und Wiederaufbau von Vertrauen” – “schon jetzt zentraler Bestandteil der täglichen Arbeit unserer Ansprechpartner bei Missbrauch” seien.
Daraufhin bedanke ich mich für den Eingang der Mail und stelle fest, dass der Absender der Pressestelle mein Anliegen (Postvention! nicht Prävention oder Aufdeckung!) nicht verstanden habe und dass die neuen Leitlinien keineswegs die von mir eingebrachten postventiven Gesichtspunkte berücksichtigen. Ich mache keinen Versuch mehr, mein Anliegen noch einmal zu erklären und es kommt auch keine Nachfrage.
Dass die Pressestelle im Grunde keine inhaltliche Stellungnahme/Rückmeldung geben kann, versteht sich. Sie war auch nicht der erste Adressat der Wünsche Gewaltüberlebender an Kirche. Offensichtlich ist eine Kommunikation, die diesen Namen verdient, nicht möglich.
Nachtrag: Es kommt am 6.9.2010 zu dem Gespräch mit dem Mitglied des Beraterstabes der Missbrauchskommission.


16.8.2010 Andreas Kirchmair fragt, ob die katholische Kirche von einer Krise zur nächsten geht oder ob sie die Chance nutzt, der Welt ein Beispiel zu geben, wie sie mit Missständen im Klerus umgeht. Quelle: Die Presse


16.8.2010 Die FR spricht von der Kirche im Bunker und kommentiert mit diesem Begriff das erwartbare, erfahrbare und dennoch fatale Gesprächsverbot in der Kirche, wie es mit dem Rücktritt von Michael Broch zutage tritt.


16.8.2010 Die Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands e.V. (GKP) ist bestürzt über den Rücktritt von Michael Broch, dem Geistlichen Leiter des Münchner Instituts zur Förderung des publizistischen Nachwuchses. Der Journalistenverband sieht es als ein fatales Signal für die Gesprächskultur in der Kirche an, wenn eine offen geäußerte Kritik zu solchen Konsequenzen führe. Neben dem Aufsichtsratsvorsitzenden Bernhard Hermann hat auch sein Stellvertreter Hermann Glandorf inzwischen sein Amt niedergelegt. Er begründete ebenso wie Hermann diesen Schritt damit, dass inzwischen auch sein Vertrauensvorrat in die Bischöfe erschöpft sei. Die GKP sieht dies als Alarmsignal für den Zustand der katholischen Kirche.  Quelle: gkp

s.auch den Kommentar von Matthias Drobinski in der Süddeutschen


14.8.2010 “Fürchterlich” betroffen von den vielen bekannt gewordenen Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche, hatte Michael Broch das geschlossene System der “Männerwirtschaft” und bischöfliche “Bunkermentalität” kritisiert und gesagt: “Wenn es so weitergeht, fährt Papst Benedikt die Kirche an die Wand.” (Der Spruch könnte von mir stammen:-). Broch war der Geistliche Leiter des Münchner Instituts zur Förderung des publizistischen Nachwuchses (ifp), das 1968 von der Dt. Bischofskonferenz gegründet worden war.  Broch trat auf Druck der Bischöfe zurück – nur Lehmann, Mainz, hatte sich für seinen Verbleib ausgesprochen.
Hörfunkdirektor Hermann, beratendes Mitglied der Bischofskonferenz und Aufsichtsratsvorsitzender des ifp, tritt ebenfalls zurück. “Wenn Bischöfe sich in ihrer Mehrheit als Repräsentanten eines gnadenlosen Systems gerieren, will ich mit denen als katholischer Christ nichts mehr zu tun haben”, begründete er seinen Rücktritt. Quelle: SWP und Stuttgarter Zeitung
Kommentar: Wenn die neue Diskussionsbereitschaft der Bischöfe, die im Gefolge der aufgedeckten Missbrauchstaten beschworen wurde, darin besteht, dass das Spektrum der erlaubten Diskussion durch Entlassungen und Entzug des bischöflichen Vertrauens sichergestellt wird, dann bleibt von der neuen Gesprächsbereitschaft nichts übrig.


14.8.2010 Vier Messdiener sind angeklagt worden, weil sie zwei andere Ministranten während einer Ferienfreizeit gequält und missbraucht haben sollen. Quelle: welt.de


13.8.2010 Die belgische Generalstaatsanwaltschaft hat die gerichtlichen Untersuchungen im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen kritisiert. Bei den Ermittlungen seien Fehler begangen worden. Deshalb dürften alle Untersuchungsergebnisse aus den Hausdurchsuchungen nicht verwendet werden. Quelle: BRF


13.8.2010 Wir sind Kirche, Hartmut Meesmann, beschreibt die Situation nach einem halben Jahr Diskussion wegen der aufgedeckten Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche. Er nimmt auch Stellung zum “Fall Zollitsch” im Blick auf die Missbrauchsfälle in Birnau/Nussdorf und Oberharmersbach, und berichtet die Stellungnahme von Opfern. Quelle: WsK


13.8.2010 Der Papst lehnt den Rücktritt der zwei irischen Weihbischöfe Eamonn Walsh und Raymond Field ab. Beiden war die Vertuschung von Missbrauchsfällen vorgeworfen worden. Sie hatten im Dezember 2009 ihren Rücktritt angeboten. Die Ablehnung der Rücktritte ist ein Rückschlag für den Erzbischof Martin, der eine rückhaltlose Aufklärung des jahrzehntelangen Missbrauchs von Kindern durch katholsiche Geistliche fordert. Irische Missbrauchsopfer kritisieren die Entscheidung des Papstes. Quelle: google.com und kleine zeitung


12.8.2010 zu sexuellem und gewalttätigen Missbrauch in der Bonner Jesuitenschule, dem Aloisius-Kolleg, haben sich 35 frühere Schüler gemeldet. Gegen 2 Täter wird ermittelt. Bislang war von 6 Tätern die Rede. Quelle: az-web


12.8.2010 Die Staatsanwaltschaft Ravensburg ermittelt gegen einen katholischen Pfarrer aus Munderkingen, Alb-Donau-Kreis, wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen. Aus den Jahren 2005 bis 2008 werden auch mögliche sexuelle Übergriffe auf einen 16-Jährigen durch den gleichen Priester in Wangen/Allgäu untersucht. Quelle: http://www.radio-seefunk.de/default.aspx?ID=6533&showNews=793360, nicht mehr online


12.8.2010 Eine Mutter berichtet, wie Vertreter der Kirche mit ihr umgingen. Es ging 2008 um 5 Kinder, bis Augsut 2010 hatte sich niemand von der Kirche bei den Opfern bzw. ihren Eltern gemeldet. Die Eltern mussten sich von Prälat Prassel als Schuldige hinstellen lassen. Quelle: Initiative gegen sexuelle Gewalt


11.8.2010 Fran Ferder, John Heagle: Das innere Funktionieren einer Hierarchie mit der Mentalität eines Sexualtäters. Davon sprechen die beiden AutorInnen, eine Franziskanennonne, klinische Psychologin, Autorin und Professorin an der Uni von Seattle und ein Priester, Psychotherapeut, Anwalt für kanonisches Recht und Professor an der Uni von Seattle. Quelle: Wir-sind-Kirche.at  Hier geht’s zum Dokument Normae de gravioribus delictis


11.8.2010 Ein Opfer des Paters Gregor M. aus Nussdorf, Erzbistum Freiburg, äußert sich gestern im SWR-Fernsehen. Der zuständige Missbrauchsbeauftragte, Domkapitular Dr. Maier, gesteht, er habe einen Fehler gemacht, als er nicht nachgefragt habe beim Kloster, ob der Täter aus der Seelsorge herausgenommen wurde. Quelle: SWR


11.8.2010 Bei der Klasnic-Kommission haben sich 350 Opfer von Gewalt gemeldet. Mehr als die Hälfte betreffen Vorfälle in Internaten und Schulen von Ordenseinrichtungen. Zwei Drittel der Meldungen stammen von Männern. Über die Austrittszahlen des Vorjahres wird die Kirche in Österreich nicht wie üblich im August berichten, sondern erst zu Beginn des nächsten Jahres. Quelle: Die Presse


10.8.2010 Der Vatikan begrüßt, dass eine Klage gegen den Papst in den USA zurückgezogen wurde. In Kentucky hatten drei Männer geklagt, der Heilige Stuhl habe sexuellen Missbrauch vertuscht. Da sie aber nicht nachweisen können, dass die US-Bischöfe Angestellte des Vatikan sind, hat die Klage keine Erfolgsaussichten. In Wisconsin und Oregon sind noch zwei weitere Klagen gegen den Vatikan anhängig. Quelle: Domradio


9.8.2010 Hinweis auf eine Neuerscheinung: Rainer Bucher, Johann Pock (Hg.): Klerus und Pastoral. Werkstatt Theologie. Praxisorientierte Studien und Diskurse. Bd. 14, LIT-Verlag 2010, u.a. mit Beiträgen von Dr. Barbara Haslbeck und mir :-).


9.8.2010 Interview mit Christine Bergmann, der Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung in der Süddeutschen: “Was ich lese, übersteigt mein Vorstellungsvermögen”.

Kommentar: Wenn schon die ehemalige Bundesfamilienministerin geschockt ist, die doch eine Menge über Gewalt in der Familie hätte wissen müssen und wissen können, dann wird vielleicht verständlicher, warum Opfer schweigen – sie müssen damit rechnen, dass ihnen nicht geglaubt wird (wer glaubt schon Ungeheuerliches?) und dass sie beschuldigt werden.


9.8.2010 Der wegen Kindesmissbrauch zurückgetretene belgische Bischof, Roger Vangheluwe, hat der Familie des Opfers jahrelang hohe Entschädigungsgelder gezahlt. Der Sprecher des früheren Bischofs sagte, damit habe nicht das Schweigen der Familie erkauft werden sollen. Quelle: ORF-Religion


7.8.2010 Erzbischof Zollitsch zeigt Verständnis, dass das Leid der Opfer andauere. Er erinnerte daran, dass er die Schüsse gehört hat, mit denen sein damals 16-jähriger Bruder ermordet wurde. Quelle: Domradio

Kommentar: Wenn das so ist, dann wird immer unverständlicher, dass Erzbischof Zollitsch in den Missbrauchsfällen (22) von Oberharmersbach vertuscht hat  und auf diesen Vorwurf von Report Mainz nicht reagiert. Unverständlich ist, dass auch im Birnauer Missbrauchsfall in seinem Erzbistum Freiburg offensichtlich nicht engagiert und transparent gehandelt wurde und wird und der Vorsitzende der Bischofskonferenz, der zugleich Erzbischof von Freiburg ist, nichts dagegen unternimmt.  Er lässt zu, dass das dortige Opfer in den Statements des Erzbistums so dargestellt wird, als hätte es Unrecht, sei mäkelig, weil es die vermeintlich großzügig angebotene Hilfe nicht angenommen habe und als sei es “sehr verzweifelt” – die letzte Beschreibung klingt fast wie “unzurechnungsfähig”. Auch wenn eine solch persönliche Aussage des Erzbischofs so aussieht, als stünde Verständnis dahinter, so fehlt mir dennoch die eindeutige Positionierung des Erzbistums an der Seite der Opfer und es fehlen die entsprechenden Handlungen (Mt 7,20).


7.8.2010 Am Collegium- Josephinum-Internat wurden Schüler sexuell und körperlich misshandelt. Täter waren drei Redemptoristenpatres. Im ersten Fall wurde der sexuelle Missbrauch von folterähnlichen Züchtigungsmaßnahmen begleitet. Im zweiten Fall gab es neben dem Missbrauch ein perfides Überwachungssystem. Die Opfer mussten jüngere Schüler überwachen und erhielten dafür Privilegien. Einkauf und gemeinsames Anschauen von Pornoheften, die Schüler hatten kaufen müssen, gehörten dazu. Der externe Missbrauchsbeauftragte geht von weiteren Opfern aus. Ein Opfer hatte an die Ordensoberen geschrieben, das Schreiben lag auch der Vatikan-Behörde vor. Eine Antwort gab es ebensowenig wie Kontakt zu den Strafverfolgungsbehörden. Ein dritter Pater hörte von sexuellen Unregelmäßigkeiten und erzwang mit folterähnlicher Befragung ein Geständnis – der Opfer.  Dieser noch lebende Täter entschuldigte sich bei seinen Opfern. Quelle: Generalanzeiger


6.8.2010 Der BDKJ (Bund der deutschen katholischen Jugend) beklagt den durch den sexuellen Missbrauch entstandenen Vertrauensverlust in die kirchliche Jugendarbeit. Dirk Tänzler, Bundesvorsitzender des BDKJ, forderte den Vatikan auf, vermehrt den Dialog mit jungen Menschen zu suchen. Quelle: Jesus.de


7.8.2010 Die Kirche tabuisiert wichtige Fragen, sagt Alois Glück, Vorsitzender des Zentralkomitees der Deutschen KatholikInnen. Quelle: rp-online


5.8.2010 Der Abt des Klosters Marienstatt, Andreas Range, hat eingeräumt, dass es auch am Gymnasium Marienstatt Fälle von Gewalt und sexuellem Missbrauch gegeben hat. Ein Opfer spricht von faschistoiden Zügen und davon, dass die Gewalt System hatte. Quelle: RegioTicker und Rheinzeitung


5.8.2010 Ein Frater aus dem Maristenkolleg in Mindelheim, der ehemalige Leiter, wird vermutlich doch noch angeklagt, weil ein Opfer sich gemeldet hat, bei dem das Verbrechen noch nicht verjährt ist. Quelle: Vaterland.li/


5.8.2010 Der Papst beklagt sich in einem Schreiben an die Kolumbus-Ritter, eine in den USA gegründete katholische Laienorganisation, über “oftmals falsche und unbegründete Angriffe” auf die Kirche und ihre Vertreter. Quelle: Baseler Zeitung


4.8.2010 „Das Eingeklammerte beten wir nicht mit”!? Zur Problematik der Feindpsalmen in der christlichen Rezeption. Ursula Silber Quelle: Haus Ohrbeck


3.8.2010 Tauwetter und Wildwasser Berlin laden zu einem Kongress. Mehr unter http://www.aus-unserer-sicht-kongress.de/


3.8.2010 Die an das Erzbistum Freiburg zu stellenden Fragen stellt skydaddy.


3.8.2010 Da sind sie wieder – die Missbrauchsopfer, die Schatten werfen und die gute Stimmung trüben könnten. Nach Aussagen der Veranstalter des MinistrantInnen-Treffens in Rom  wird das Treffen in keiner Weise vom Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche überschattet.  Nach Ansicht des Präsidenten der internationalen Ministrantenvereinigung, Weihbischof Martin Gächter, betrifft sexueller Missbrauch teils Jahrzehnte zurückliegende Vorgänge und stelle aus seiner Sicht “kein besonders aktuelles Problem für das Pfarreileben” dar. Ein Beleg dafür sei, dass die Ministranten zahlreicher als je zuvor zu der internationalen Begegnung nach Rom gekommen seien. Quelle: Die Presse

Kommentar: Schon einmal haben Missbrauchsopfer die gute Stimmung eines Welttreffens gestört: Im Sommer 2008 beim Weltjugendtag in Sydney. Diesmal gelingt ihnen das in Rom zur Erleichterung von Weihbischof Gächter nicht. Opfer sind also Menschen, die von der Kirche als Störer erlebt werden. Der Optimismus des Weihbischofs, dass sexueller Missbrauch kein Problem der Gegenwart in den Pfarreien sei, widerspricht allem, was man über sexuellen Missbrauch, über die Täter, über das jahrzehntelange Schweigen der Opfer, über das Vertuschen der Helfershelfer…. wissen kann. Halbwegs verlässliche Zahlen sagen aus, dass jeder 10. Junge und jedes 7. Mädchen zwischen 0-14 Jahren i.e.S. missbraucht (d.h. vergewaltigt) werden. Unter den 53000 MinistrantInnen in Rom sind also statistisch 3785 Mädchen und 2650 Jungen, die missbraucht wurden/werden. Was werden diese 6435 Kinder/Jugendliche fühlen, wenn sie hören müssen, dass ihre Not “kein Thema” ist?


2.8.2010 Es geht um den Zisterzienser-Pater Gregor Müller, der jahre- oder jahrzehntelang Ministranten missbrauchte, in Birnau, in Deisendorf (inzwischen SE Birnau), in Mehrerau, in Baden/Bistum Basel – und vielleicht auch andernorts. Das zuständige Erzbistum Freiburg rückt nur dann mit der Wahrheit heraus, wenn sie nicht mehr verborgen werden kann – und lehnt im Übrigen jegliche Verantwortung ab. Das Mutterkloster Mehrerau zeigt sich ahnungslos – derweil der Missbrauchstäter von Ort zu Ort versetzt wurde. Nebenbei: Nicht nur, dass er ein zweites Mal in Birnau als “Seelsorger” auftauchte – er scheint auch nicht drei Jahre in Frankreich  (Kloster Oelenberg/Mulhouse) gewesen zu sein – wie bislang kolportiert wurde, – sondern nur 3 Monate. Dann taucht er von Februar 1969 bis Ende 1970 im Kloster Himmerod/Eifel wieder auf. Dort betreute er neben seinem weiteren Studium die Pfarrei Gransdorf. Von dort wurde er in die Schweiz versetzt, wo er bekanntermaßen erneut Kinder missbrauchte. Warum dieser Deutschland-Aufenthalt von Pater Gregor bislang verschwiegen wurde, lässt Vermutungen anstellen.  Über Pädophilie ist immerhin bekannt, dass von ihr Betroffene nicht einfach aufhören, sich Opfer zu suchen und sie zu finden. Die von der Abtei Mehrerau beauftragte Agentur für “Krisenkommunikation” äußert sich nicht zu diesem Zeitraum.

Nach Auskunft des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof des Erzbistums Freiburg, Zollitsch, soll es darum gehen, aufzuklären und die Perspektive der Opfer zuallererst im Blick zu haben.
Das, was ich zu den Missbrauchsfällen rund um Pater Gregor mitbekomme (und in Oberharmersbach ebenfalls), straft diese Aussagen Lügen. Die Opfer werden von der Kirche nach wie vor als Feinde der Kirche erlebt.
Dr. Jens Schmitz von der Badischen Zeitung formuliert: “Wo sich schuldig und mitschuldig Gewordene zur Wahrheit bekennen, zeigen Opfer oft hohe Vergebungsbereitschaft. Wahrheit, die gegen Widerstände ans Licht gezerrt wird, hinterlässt neue Verletzungen, kann aber immer noch der Versöhnung dienen. Nur wo die Wahrheitssuche unterbleibt, da wird auch Vergebung zum frömmelnden Wunsch.” So wie Schmitz formuliert – so ist es. Wer lügt, vertuscht, oder nicht die Wahrheit und nicht die ganze Wahrheit sagt oder irgendetwas, was gar nicht Thema ist, der verspielt jegliche Glaubwürdigkeit – da mag es noch so viele Akademietagungen zur Glaubwürdigkeit der Kirche und noch so viele rote Telefone geben.
Quelle 1: Badische Zeitung
Quelle 2: Badische Zeitung
s. auch: SF
Kommentar: Opfer brauchen keine Agentur für Krisenkommunikation, die einem Bistum oder Orden helfen, das Opfer über den Tisch zu ziehen. Opfer brauchen nur ein ehrliches und berührbares Gegenüber. Aber das scheint im Erzbistum Freiburg und leider auch andernorts zu viel verlangt zu sein. Erika Kerstner


2.8.2010 Ein früherer Leiter des Stuttgarter Bibelwerkes wird von seinem Neffen und anderen Männern des sexuellen Missbrauchs beschuldigt. Quelle: Stuttgarter Zeitung


2.8.2010 Bischof Küng, St. Pölten, warnt vor dem Missbrauch mit dem Missbrauch. Quelle: Standard


1.8.2010 Erzbischof Zollitsch will unter den Ministranten, die derzeit ihr Treffen in Rom haben, für den Priesterberuf werben. Der Focus lässt offen, ob  auch bei den Ministrantinnen für den Priesterberuf geworben werden soll.


2006 hatten sich noch 211 junge Männer für diesen Beruf beworben, jetzt sind es deutschlandweit nur noch 150.


1.8.2010 Anna Catherin Loll stellt im “Spiegel” (S. 37-38) fest, dass der Missbrauchsfall von Birnau (incl. Deisendorf und Nußdorf) die Frage aufwirft, ob Erzbischof Zollitsch, Freiburg, alles für die Aufklärung getan hat. Strittig ist, ob Birnau dem Kloster Mehrerau oder dem Erzbistum Freiburg untersteht, ob also das Erzbistum Freiburg oder der Abt des Klosters Mehrerau zuständig ist. Elmar Güthoff, Professor für Kirchenrecht an der Ludwig-Maximilian-Universität München urteilt: “Für alles, was auf dem Territorium eines Bistums passiert, ist grundsätzlich der zuständige Bischof verantwortlich.” Die Unterlagen scheinen eindeutig zu sein: Birnau gehört zum Bistum Freiburg. Die Seelsorge für Birnau, Nußdorf und Deisendorf wurde vom Freiburger Erzbischof in einem sog. Gestellungsvertrag den Zisterziensern der Abtei Wettingen-Mehrerau übertragen. Ein Gestellungsvertrag beinhaltet, dass jeder Mönch, der in der Seelsorge eines Bistums nicht nur aushilfsweise arbeitet, dem zuständigen Bischof gemeldet sein muss. (vgl. auch Südkurier v. 30.12.2008)

Zur Erinnerung: Die Klärung dieser Frage ist für ein Opfer wichtig, das von Pater Gregor Müller in dessen erster Zeit in Birnau von 1966-1968 missbraucht wurde.  In Nußdorf hat sich laut Südkurier ein zweites Opfer aus der Zeit von 1966 – 1968 gemeldet. Pater Gregor wurden im Herbst 1968 sexuelle Übergriffe im Kloster Mehrerau/Privatgymnasium vorgeworfen. Zwischen 1971 und 1987 wird von 4 Opfern im Bistum Basel berichtet.