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Presse

2. Quartal 2019

30.6.2019 Auf einem Podium mit Doris Reisinger und dem Berner Pfarrer Nicolas Betticher, Offizial des interdiözesanen Kirchengerichts, waren sich beide einig über notwendige Reformen in der katholischen Kirche. Betticher plädierte dafür, dass „wir alle“ gegen den Missbrauch in der Kirche aufstehen müssten. Er berichtete, dass ihm in seiner Zeit als Chaffeur kaum ein Monsignore für den Fahrdienst gedankt habe. „Er habe im Vatikan gearbeitet, unzählige Male habe er die Hand eines Bischofs von einem Schenkel stossen müssen.“ Er habe immer den Priester und dadurch die Kirche durch sein Schweigen geschützt. Als er gelernt hatte, die unsichtbare Kirche von der sichtbaren zu unterscheiden, habe er aufstehen könne.

Doris Wagner stellte die Systemfrage; sie will Kirche von unten, ohne Einbezug der Amtsträger. Betticher plädiert für ein behutsameres Vorgehen, das die Weltkirche im Blick hat. Quelle: kath.ch

30.6.2019 In Bern fand gestern eine Demonstration „Zeichen gegen Missbrauch“ statt. Die Forderungen der Demonstrant*innen lauteten: Volle Akteineinsicht für Opfer, kirchenrechtl. Strafe für jede Form von Missbrauch; strikte Vorgaben zur Meldepflicht von Missbrauch, Gleichberechtigung aller Gläubigen, Änderungen beim Amtsverständnis und den Zulassungsbedingungen zum Priesteramt. Die Petition soll am 20.8.2019 an den Nuntius Thomas E. Gullickson übergeben werden. Quelle: kath.ch


29.6.2019 Ein inzwischen verstorbener Priester W. des Bistums Münster wurde in einem anonymen Schreiben, das am Grab des 2011 Gestorbenen angebracht war, des sexuellen Missbrauchs beschuldigt.

Nach seiner Priesterweihe am 25. Januar 1966 war er bis 1969 Kaplan in Selm, St. Joseph, und im Anschluss Kaplan bis 1975 in Recklinghausen, St. Antonius, tätig. Von 1975 bis 2006 war er Pfarrer in Bocholt-Barlo. Bereits im November 1976 war der Pfarrer wegen sexueller Handlungen an Minderjährigen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt. 
Die zuletzt bekannte anonyme Beschuldigung ist also die dritte, die gegen diesen Priester erhoben wird – wenn man von den Taten absieht, die 1976 zu einer Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe führte. Quelle: Bistum Münster

29.6.2019 Papst Franziskus hat einen Brief „An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ geschrieben, der von den Addressaten sehr unterschiedlich interpretiert wird. Quelle: tagesschau.de, Hubertus Wolff in WDR 5, ab min. 11


28.6.2019 Die italienische Bischofskonferenz hat neue Leitlinien gegen sexuellen Missbrauch veröffentlicht. Eine Anzeigepflicht gegenüber der weltlichen Justiz ist nicht vorgesehen, lediglich eine „moralische Verpflichtung“, sich bei begründetem Verdacht an die Justiz zu wenden, wenn das Opfer nicht ausdrücklich widerspricht. Dem Opfer und seiner Familie wird therapeutische, psychologische und spirituelle Unterstützung zugesichert, nicht jedoch ein juristischer Beistand. Kirchliche Amtsträger verletzen ihre Verschwiegenheitspflicht nicht, wenn sie intern Anzeige erstatten. Wer anzeigt, darf nicht mit einem Schweigegebot bedroht werden. Quelle: religion.orf.at


28.6.2019 Der „Mahnende Mühlstein“ wird am Mittwoch, 17. Juli 2019, 11 Uhr in Würzburg, Kiliansplatz, sein. Initiative gegen Gewalt


28.6.2019 Im Bistum Dresden-Meißen haben Betroffene sexualisierter Gewalt durch Kleriker einen Betroffenenrat gebildet. Kontaktpersonen sind die Missbrauchsbeauftragten des Bistums. Quelle: pressreader.com


28.6.2019 Der ehemalige katholische Priester Jochen Becker hat sich bei der Kirche angezeigt, weil er von einem Fall sexuellen Kindesmissbrauchs durch einen Theologen wusste, aber erst nach mehreren Jahren Meldung erstattete. Der Theologe gestand ihm im Jahr 2000 mehrere sexuelle Übergriffe auf Kinder und Jugendliche. 2010 recherchierte Becker, dass der Theologe im Bistum Magdeburg in einer Leitungsfunktion arbeitete. Weil er noch immer Jugendfahrten organisierte, zeigte Becker ihn an. Die unabhängige Missbrauchskommission des Bistums Magdeburg übergab den Fall an die Staatsanwaltschaft, diese habe alles untersucht, auch die Krankenakte eines 17-Jährigen, der Suizid begangen hatte. Die Staatsanwaltschaft fand keine Belege für strafbare Handlungen und stellte das Ermittlungsverfahren mangels Beweisen ein. Dieser Darstellung widerspricht Becker: Lediglich das Verfahren wegen des Suizids sei eingestellt worden, weil nicht sicher festgestellt werden konnte, dass ein Zusammenhang bestand. Die anderen möglichen Untersuchungen wurden wegen Verjährung nicht begonnen. Quelle: welt.de


27.6.2019 Der Aufführung des Films „Grace à Dieu“ hatte der französische Priester widersprochen, auf dessen Geschichte der Film von Regisseur Francois Ozon beruht. Gegen den Priester hat bislang kein Prozess stattgefunden. Zuerst hatte der Beschuldigte den Kinostart verhindern wollen und nun die internationale Verbreitung über Videodienste. Das Gericht entschied, dass der Film gezeigt werden kann. Der Titel ist ein Zitat von Kardinal Barbarin. Im März 2016 sagte er: „Gott sei Dank (grace à Dieu) ist ein Großteil der Taten verjährt.“ Quelle: katholisch.de


26.6.2019 Papst Franziskus hat der Deutschen Bischofskonferenz einen Brief geschrieben. Der Brief selbst ist bislang nicht öffentlich. Er soll den „synodalen Weg“ zum Inhalt haben, den der Papst nicht verbot, in dem er aber die Berücksichtigung einiger Wegmarken anmahnte. Unter anderem solle man die Einheit mit der Weltkirche suchen und den Weg der katholischen Lehre nicht verlassen. Der Brief soll am 29.6. veröffentlicht werden. Der Brief wurde von Nuntius Eterovic überbracht. Eterovic hatte zuletzt die päpstliche Opferdiskriminierung vor der Deutschen Bischofskonferenz wiederholt: „„Das Übel, das ihnen [den Opfern] widerfahren ist, lässt in ihnen unheilbare Wunden zurück, die sich auch in Form von Hass und selbstzerstörerischen Tendenzen zeigen.“ Quelle: katholisch.de


26.6.2019 Doris Reisinger schreibt „Von der Last ein Opfer zu sein oder: Von der Unmöglichkeit zu vergeben: „Das heißt, der nächste Schritt in der Krise muss tatsächlich von der Seite der Täter und Vertuscher kommen. Und er heißt: Anerkennung persönlicher Schuld und Korrektur des persönlichen Fehlverhaltens. Ohne diesen Schritt gibt es keinen echten Ausweg aus der Krise.“ Im Blick auf die oft von den Opfern geforderte Vergebung, weist Reisinger darauf hin, dass Opfer nicht Jesus sind und Erlösung von Gott kommt. Quelle: echter.de


26.6.2019 Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, die geplante Reform des Entschädigungsrechts bringe insgesamt Verbesserungen für Gewaltopfer, nicht jedoch für Betroffene sexueller Gewalt. Ihnen sei die Tür zur Entschädigung verschlossen, weil die Opfer Opfer die Gewalttat konkret nachweisen müssten, was für Betroffene sexueller Gewalt oft nicht möglich sei. Offenbar bestehe kein Konsens mit den Ländern, „mehr für die Opfer von sexueller Gewalt zu tun“. Quelle: domradio


26.6.2019 Der Pfarreirat in Datteln will das Gemeindezentrum „Reinhard-Lettmann-Haus“ umbenennen. Die letzte Entscheideung liegt beim Kirchenvorstand der Pfarrei St. Amandus. Ende 2018 wurde bekannt, dass Bischof Lettmann, der von 1980 bis 2008 Bischof von Münster war, in seiner Funktion als Generalvikar, den Priester Heinz Pottbäcker innerhalb des Bistums mehrfach versetzt hatte und ihn in der Seelsorge belassen hatte, obwohl der Priester bereits wegen sexuellen Kindesmissbrauchs verurteilt worden war. An mindestens einem weitern Einsatzort missbrauchte er Kinder. Quelle: kirche-und-leben.de

Nachtrag 27.6.2019: Der Kirchenvorstand der Pfarrei St. Amandus hat beschlossen, das Gemeindezentrum nicht mehr nach Bischof Lettmann zu benennen.

25.6.2019 Der Ständige Rat der Bischofskonferenz hat sich mit der Überarbeitung der Rahmenordnung Prävention, der Leitlinien und des Maßnahmenkatalogs zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs beschäftigt, die am 13.3.2019 beschlossen worden war. 

  • Zur standardisierten Aktenerhebung wurde die bisherige Praxis in den Bistümern erhoben. Auf dieser Grundlage soll eine Expertengruppe eine bundeseinheitliche Rahmenordnung erarbeiten, die sich am weltlichen Beamtenrecht orientieren soll.
  • Über die Einrichtung unabhängiger Anlaufstellen werden derzeit Gespräche über eine mögliche Zusammenarbeit mit der Geschäftsstelle Bundeskoordinierung Spezialisierter Fachberatung gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend (BKSF) ügeführt.
  • Das Verfahren zur Anerkennung des Leids soll von einer unabhängigen Arbeitsgruppe überprüft werden, die Grundsätze für die Überarbeitung und Weiterentwicklung des Verfahrens vorlegen soll, die auf möglichst breite Zustimmung (wessen Zustimmung?) stoßen soll.
  • Zur Sicherstellung einer transparenten und unabhängigen Aufarbeitung soll bis zum Herbst 2019 eine Vereinbarung zu einheitlichen Standards und Kriterien der Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch im katholischen Bereich geschlossen werden.
  • Das geplante überdiözesane Monitoring für Intervention und Prävention und Aufarbeitung soll in Zusammenarbeit mit dem Institut für Prävention und Aufarbeitung (IPA) angestrebt werden, das Mitte September 2019 in Lantershofen seine Arbeit aufnehmen soll.

Die bislang gültigen Leitlinien sollen bis Ende 2019 gelten. Die abschließenden Entwürfe über Aktenerhebung, Anlaufstellen, Anerkennungsverfahren Aufarbeitung und überdiözesanes Monitoring für Intervention und Prävention sollen bis Ende 2019 verabschiedet werden. Solange gelten die jetzigen Leitlinien. Quelle: dbk.de

Kommentar: Nicht erkennbar ist, ob das im Motu proprio „Vos estis lux mundi“ vorgesehene Vorgehen gegen vertuschende Bischöfe, Generalvikare und Personalverantwortliche auch geregelt werden soll. Quelle: dbk


24.6.2019 Fünf Missbrauchsopfer aus dem norditalienischen Bistum Savona, Stadt Savona, haben das Bistum auf fünf Millionen Euro verklagt. Die Diözese habe fahrlässig gehandelt, als sie einem inzwischen verurteilten Priester ermöglichte, fast 30 Jahre lang Minderjährige zu missbrauchen. Die missbrauchten Kinder stammen aus schwierigen Verhältnissen und waren vom Jugendamt dem Priester anvertraut worden. Quelle: orf


24.6.2019 Spanische Staatsanwälte schlagen eine nationale Untersuchung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche vor. Dabei orientiert sich ihr Vorschlag an der Justizministerium an den australischen und niederländischen nationalen Kommissionen. In dem Bericht an die Staatsanwaltschaft ist von 965 Fällen minderjähriger Opfer 2017 und von 1.091 Fällen im Jahr 2018 die Rede. Die Staatsanwälte sprechen dabei von einem unvollständigen Bild. Überdies empfehlen sie, Missbrauch direkt an die staatlichen Stellen zu melden, ohne interne Bewertung durch kirchliche Amtsträger. Quelle: Crux


24.6.2019 An der Weihe des neuen Weihbischofs von Santiago de Chile, Alberto Lorenzelli,  in Rom nahmen auch die ehemaligen chilenischen Bischöfe Kardinal Ricardo Ezzati und Kardinal Errazuriz teil. Sie sind wohl eigens zu dieser Weihe nach Rom gereist.

Gegen beide Kardinäle wird in Chile von der Staatsanwaltschaft wegen des Vertuschens von Missbrauchsfällen ermittelt. Das Rücktrittsgesuch von Ezzati „aus Altersgründen“ nahm Papst Franziskus am 23.3.2019 an. Errazuriz wurde Ende Oktober 2018 von Papst Franziskus aus dem Kardinalsrat entlassen.
In Chile wurden etwa 220 Priester glaubwürdig des Missbrauchs beschuldigt. Das entspricht 9,5 Prozent des chilenischen Klerus. Quelle: Crux

24.6.2019 Die deutschen Bischöfe beraten über den „synodalen Weg“, der in mehreren Foren Macht, Sexualmoral und die Lebensform der Priester thematisieren will. Ob es ein Forum zur Rolle der Frauen in der Kirche geben soll, wird noch besprochen. An den Beratungen sollen auch Laien und externe Fachleute teilnehmen. Anfang Juli wird die Geschäftsordnung von Vertretern der Bischofskonferenz und dem ZdK festgelegt. Mitte September werden 60 Teilnehmer Fahrplan, Themenumfang und Teilnehmerkreis endgültig definieren. Der 1. Advent ist als Startpunkt vorgesehen.

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer und der scheidende Augsburger Bischof  Zdarsa äußerten sich bisher kritisch über den „synodalen Weg“, Kardinal Woelki, Köln, sprach sich gegen Reformen nach dem Vorbild des liberalen Protestantismus aus. Quelle: vaticannews

24.6.2019 In der katholischen Kirche Frankreichs gibt es einen Beauftragten gegen das innerkirchliche Sektenwesen, Alain Planet, Bischof von Carcassone. Planet berichtet von mehr als hundert Fällen des „Abgleitens ins Sektiererische“ in Frankreich in den letzten vier Jahren. Die Gruppe des Beauftragten erhielt etwa 140 Hinweise und ging 110 von ihnen nach. Sie ist dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz unterstellt und arbeitet mit Opferverbänden zusammen, aber auch mit der  interministeriellen Dienststelle zur Überwachung sektiererischer Umtriebe („Miviludes“). Quelle: vaticannews


24.6.2019 Kardinal Kevin Farrell, Präfekt des Dikasteriums für Laien, Familie und Leben, sagte, auch die kirchlichen Vereinigungen und Bewegungen müssten sich mit Prävention befassen und dürften sich nicht von den „Wunden, die dem Leib Christi in unseren Geschwistern zugefügt worden sind“, abwenden. Er zeigte sich enttäuscht dass von Seiten der kirchlichen Bewegungen „nur unzureichende Antworten“ auf die Aufforderung des Dikasteriums, Regeln zum Schutz Minderjähriger und Schutzbedürftiger aufzustellen, gegeben worden seien. Quelle: vaticannews


24.6.2019 Die Schweizer katholische Kirche hat im letzten Jahr 47 Betroffene sexualisierter Gewalt mit 700.000 SF (ca 6300.600 Euro) „entschädigt. 2017 waren es 435.000 Franken. 2018 wurden 52 Anträge gestellt, 2 wurden abgelehnt, drei sind noch nicht entschieden. Quelle: vaticannews


22.6.2019 Im Programm des Kirchentages fehlten bei einem Podium zu Vertrauensmissbrauch noch Vertreter von kirchlichen Missbrauchsopfern, auf dem Podium waren sie dann doch vertreten durch die Journalistin Kerstin Claus, vom Betroffenenrat UBSKM und Detlev Zander vom Netzwerk Betroffenen Forum e.V. In der Aufarbeitung der evangelischen Kirche fehlt noch die eigene Geschichte, denn Gerold Becker, Odenwaldschule, war früher häufiger Gast bei Kirchentagen und sogar Mitglied in dessen Präsidium. Nach Auskunft der Kirchentagsgeneralsekretärin Julia Helmke soll dieser Aspekt noch untersucht werden. Die Marburger Erziehungswissenschaftlerin Sabine Maschke verwies auf zwei repräsentative Umfragen unter 3.000 Schülern in Hessen. Dort berichteten fast ein Viertel der Befragten von körperlicher sexueller Gewalt – von unerwünschten Berührungen bis zur Vergewaltigung, fast die Hälfte darüber hinaus auch von nichtkörperlichen Formen. Ältere Kinder werden meist von Gleichaltrigen oder älteren Jugendlichen missbraucht, kleinere Kinder von Erwachsenen. 130 der Befragten (4,3 %) berichteten von sexualisierter Gewalt im kirchlichen Raum. – Die Journalistin und Autorin Kerstin Claus berichtete, dass ihre Kirche sie zum Schweigen bringen wollte, als sie über ihren Missbrauch berichtete. Der frühere rheinische Präses und Ratsvorsitzende der EKD, Nikolaus Schneider, forderte die Betroffenen auf, weiter zu nerven, „sonst geht es nicht voran.“ Quelle: domradio.de  Süddeutsche

Kommentar: So langsam müsste es doch auch möglich sein, dass Kirchenmitglieder und Kirchenverantwortliche mal  pro-aktiv auf die kirchlich – und außerkirchlich! – Betroffenen zugehen, damit nicht den Betroffenen alleine die Last aufgebürdet wird.  


22.6.2019 Gegen den katholischen Pfarrer der Pfarrgruppe Karben, Bistum Mainz, wird wegen des Vorwurfs sexuellen Missbrauchs ermittelt. Er wurde von seinen Aufgaben freigestellt. Die Staatsanwaltschaft prüft die Vorwürfe. Quelle: fnp


21.6.2019 Die Ermittlungen der Trierer Staatsanwaltschaft gegen einen Priester des Bistums Trier und einen Diakon sind noch nicht abgeschlossen. Gegen den Priester wird wegen Missbrauchs eines Minderjährigen ermittelt. Dem Diakon wird der Besitz von Schriften vorgeworfen, die die sexuelle Ausbeutung von Kindern zeigen.
Dr. Thomas Schnitzler, Sprecher der Trierer Opfer-Initiative Missbit, erhebt gegen den ehemaligen Missbrauchsbeauftragten des Bistums, Rainer Scherschel, den Vorwurf, er sei beim Erstgespräch auf eine „täterorientierte Schweigementalität“ getroffen. Den Opfern sei vorgeworfen worden, sie simulierten und es sei der Versuch gemacht worden, die Glaubwürdigkeit der Opfer zu entkräften. Quelle: volksfreund.de

21.6.2019 Kardinal Vincent Nichols, höchster Würdenträger der katholischen Kirche in England und Wales, ist wegen seines Umgangs mit Missbrauchsfällen in die Kritik geraten. Die staatliche Untersuchungskommission zu Kindesmissbrauch (IICSA) stellte fest, er habe sich „zu sehr auf den Ruf der Kirche statt auf das Wohl der Kinder konzentriert“. Nichols hatte eingeräumt, belastendes Material gegen einen Priester nicht offengelegt zu haben. Damit wollte er eine gütliche Einigung im Rechtsstreit mit dem Opfer nicht gefährden. Er entschuldigte sich für sein Verhalten, wies aber Vertuschungsvorwürfe zurück. Quelle: domradio.de


21.6.2019 Die Untersuchungsergebnisse zu den Personalakten des Erzbistums Köln in Bezug auf Missbrauchsverdacht werden nicht im Herbst 201, sondern erst im Frühjahr 2020 vorliegen. Die Münchner Kanzlei „Westphal Spilker Wastl“ wird die Fälle aufarbeiten und die Rolle damaliger und heutiger Verantwortlicher (Personalchefs, Generalvikare und Bischöfe) klären. Beteiligt an der Untersuchung sind auch der Innsbrucker Kirchenrechtler Wilhelm Rees und Hans Zollner, Zentrum für Kinderschutz (CCP) an der päpstlichen Gregoriana-Universität in Rom. Im Erzbistum Köln sind laut MHG-Studie 135 Betroffene und 87 Beschuldigte. Quelle: domradio


21.6.2019 Der Leiter der Disziplinarabteilung der Glaubenskongregation, John Kennedy, dankte Journalisten für ihren investigativen Beitrag zur Missbrauchsaufarbeitung. Seine Behörde „sehe sich einer immer weiter wachsenden Zahl von Fällen des sexuellen Missbrauchs seitens Kleriker gegenüber“.  Quelle: vaticannews


19.6.2019 Die Landesregierung von NRW und die Kirchen erinnern an den Missbrauch Minderjähriger in stationären Einrichungen der Nachkriegszeit und bitten im Düsseldorfer Landtag Gewalt- und Missbrauchsopfer in Psychiatrie- und Behinderteneinrichtung um Verzeihung. 2017 wurde die Stiftung „Anerkennung Hilfe“ gegründet. Dort können sich bis Ende 2020 Betroffene melden, eine Entschädigungspauschale von 9.000 Euro und ggf. Rentenersatzzahlungen bis zu 5.000 Euro beantragen. Bislang haben ca 2.000 Betroffene eine finanzielle Anerkennung erhalten. Quelle: domradio.de


19.6.2019 Wegen des Bruchs des Beichtgeheimnisses gibt es ein kirchliches Gerichtsverfahren gegen einen italienischen Priester. Er hatte von der Mutter eines mutmaßlichen Opfers im Beichtgespräch Details von Missbrauch erfahren und sie weitergegeben, um die katholischen Organisation „Katholische Vereinigung für Kultur und Umwelt“ (Associazione Cattolica Cultura ed ambiente) über polizeiliche Ermittlungen gegen ihren Anführer, Pater Stefano Cavalli, zu informieren. Die Vereinigung  ist in Acireale beheimatet, wird von den sog. „Zwölf Aposteln“ geleitet, die vom Gründer, einem Priester und „spirituellen Sohn“ von Padre Pio eingesetzt wurden. Der derzeitige Anführer versteht sich als Reinkarnation des Erzengels Michael. Er soll mindestens zehn Mädchen sexuell missbraucht haben. Im Oktober beginnt ein Strafprozess vor einem staatlichen Gericht gegen ihn. Die Polizei spricht von Taten, die sich über 25 Jahre erstrecken. In der Organisation soll die sexuelle Gewalt als „Beispiel reiner Liebe“ und „Liebe von oben“ bezeichnet worden sein. Außer den sexuellen Übergriffen wurden die Opfer auch zu Zwangsarbeit verpflichtet. Quelle: katholisch.de


19.6.2019 Das Erzbistum Santiago de Chile hat offenbar ca 127.000 Euro an Opfer des Ex-Priesters Karadima gezahlt. Derzeit ermittelt die Justiz in mehr als 150 Verdachtsfällen gegen 219 Kirchenmirarbeiter. Es gehe um 241 mutmaßliche Opfer, von denen 123 zum Tatzeitpunkt minderjährig waren.Quelle: vaticannews.va

19.6.2019 Bislang wurden in der Schweizer Kirche Missbrauchsopfer nach der Schwere des Erlittenen „entschädigt“. 2018 gab es 22 Registrierungen von Anzeigen wegen sexuellen Missbrauchs. Sechs Fälle sind abgeschlossen, 15 werden noch bearbeitet und ein Fall wurde zurückgewiesen. Außerdem wurden 2018 14 Personen mit ca 165.00 Euro entschädigt. Nun spricht sich die unabhängige Kommission der Schweizer Kirche für „Anhörung, Vermittlung, Schlichtung und Wiedergutmachung“ (Cecar) spricht für eine einmalige Pauschalentschädigung von je 15.000 Franken (13.400 Euro) für jedes Opfer aus. Die Bischofskonferenz stimmte dem Vorschlag zu, die römisch-kathilische Zentralkonferenz und die Ordensgemeinschaften lehnen den Vorschlag ab. Quelle: vaticannews.va


18.6.2019 Nach Ansicht des Gerichtspsychiaters Reinhard Haller zeigen „alle internationalen Untersuchungen“, „dass 30 Prozent der Anzeigen wegen Missbrauch Fehlanzeigen sind“. Zudem läge der Anteil kirchlicher Missbrauchsfälle deutschen Untersuchungen zufolge lediglich bei drei Promille (0,3 %). Haller beklagt zudem, dass unter Priestern und Ordensleuten derzeit eine „unglaubliche Verunsicherung“ bei diesem Thema spürbar sei.

Kommentar: Stephen J. Rossetti sagte 2012, „dass die große Mehrzahl aller Anschuldigungen, d.h. über 95 % der Fälle, berechtigt sind“. (Quelle: Charles J. Scicluna, Hans Zollner, David J. Ayotte (Hg):; Auf dem Weg zu Heilung und Erneuerung. Das Symposium zum sexuellen Missbrauch Minderjähriger. Päpstliche Universität Gregoriana, 6.-9. Februar 2012, München 2012, S. 45)
Und wenn kath. Kleriker für 3 Promille = 0,3 % der Missbrauchsfälle in Deutschland verantwortlich sind, ihr Anteil (13.560 Priester) an der männlichen Bevölkerung in Deutschland (40.844.000 Männer) jedoch nur 0,033 % beträgt, dann bedeutet das – wenn ich richtig rechne -, dass sie im Vergleich zur männlichen Bevölkerung überdurchschnittlich häufig Missbrauchstäter sind.
Und zur herrschenden Verunsicherung beim Thema Missbrauch unter den Priestern und Ordensleuten bleibt eigentlich nur zu konstatieren, dass diese Verunsicherung längst hätte reduziert werden können, wenn sich Priester und Ordensleute in großer Zahl mit den kirchlichen und (!) mit den außerkirchlichen Opfern solidarisiert hätten. Bekannt sind mir in Deutschland knapp zwei Handvoll. Ich hoffe, davon ausgehen zu dürfen, dass es mehr sind, denn eine solche Solidarisierung geschieht ja nicht selten diskret und wird zum Schutz der Opfer nicht öffentlich.

18.6.2019 Hubertus Lutterbach, Professor für Christentums- und Kulturgeschichte hat den Arche-Gründer Jean Vanier gewürdigt. Daniel Bogner, Moraltheologe, macht ihn darauf aufmerksam, dass Vanier seit den frühen 1960er-Jahren eng befreundet war mit Père Thomas Philippe, einem Dominikanerpater, den er zum geistlichen Begleiter der Arche machte. Thomas Philippe hat jahrelang Schwestern und Frauen, die für die Arche tätig waren, sexuell missbraucht. Unter anderen eine Frau, die zunächst bei dem Bruder von Thomas Philippe, Marie-Dominique Philippe, in geistlicher Begleitung war, dort sexuell missbraucht wurde und Thomas Philippe regelrecht zum weiteren Missbrauch „zugespielt“ wurde. Über die verstörende Tatsache, dass mitten in Gemeinschaften, die eine Pionierrolle in einer aufbrechenden Kirche haben, sexueller Missbrauch durch die Pioniere geschieht und über die notwendigen Konsequenzen kommen Lutterbach und Bogner ins Gespräch. Quelle: feinschwarz.net


17.6.2019 Der Moraltheologe Daniel Bogner fordert eine Reform der kirchlichen Verfassung, damit die hoch aktuelle Botschaft der Kirche sich entfalten kann: „Ein Glaube, der an einen zur Freiheit berufenen und in gleicher Würde geschaffenen Menschen gerichtet ist, kann nicht in einer Kirche gelebt werden, die Ungleichheit und Gehorsamspflicht zum heimlichen Markenkern erhoben hat.“ Bogner konstatiert, „dass Spaltung schon längst stattgefunden hat – von oben her, und gegenüber der einen Hälfte der Menschheit“. Theolog*innen fordert er auf sich „jetzt, im Angesicht schlimmster Verbrechen in der Kirche“ laut und unabweisbar einzuschalten, weil sie sonst ihren Auftrag verwirken. Die Bischöfe fordert er auf, eine kirchliche Verfassungsdiskussion zu eröffnen und eine Kirchenordnung zu entwerfen, „die mit der geschöpflichen Freiheit und Gleichheit aller Menschen verbindlich ernst macht“. Ein solcher Entwurf müsse weltkirchlich debattiert werden und der Einwand „Weltkirche“ dürfe nicht aus dem Ärmel gezogen werden, „bevor die Debatte überhaupt begonnen hat“. Quelle: katholisch.de


16.6.2019 Der Salesianer-Orden will sämtliche Personalakten und relevanten Daten durch eine externe Anwaltskanzlei im Blick auf Missbrauchsfälle überprüfen lassen. Das beschloss die Provinzleitung, die vom Provinzkapitel, Kloster Benediktbeuern unterstützt wurde. 

Quelle: domradio.de

14.6.2019 Der Theologe Jan-Heiner Tück fragt sich, wie die Rede des Papstes, der die sexuelle Gewalt von Klerikern gegen Minderjährige auf das Wirken des Teufels zurückführt, bei Opfern sexuellen Missbrauchs ankommt. Wer Menschen als „Agenten des Satans“ hinstelle, sei in der Gefahr, ihre moralische Verantwortung zu halbieren und sie zu dämonisieren.

Nicht der Teufel stehe hier im Raum, sondern das konkrete Versagen von Priestern, die sich an Minderjährigen vergriffen hätten, und das konkrete Versagen von Bischöfen, Verantwortlichen in den Ordinariaten und Gläubigen, die darum gewusst, geschwiegen und nichts getan hätten. Tück beklagt, dass bislang niemand aus der Anonymität herausgetreten und persönliche Verantwortung für Vertuschungsdelikte übernommen habe. Quelle: Domradio

14.6.2019 Die Frauen des Schweizerischen Katholischen Frauenbunds (SKF) protestieren drei Tage lang für die Gleichberechtigung von Frauen in der Kirche. Den heutigen Termin haben sie gewählt, weil sie zugleich die Anliegen der Schweizer Gewerkschaften, Parteien und Verbände unterstützten, die einen nationalen Frauenstreik ausgerufen haben, um für Gleichberechtigung, Lohngleichheit und bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu demonstrieren. Quelle: katholisch.de


14.6.2019 Drei Priester von katholischen Gemeinden in Darmstadt wollen am Fronleichnamsfest „ein Zeichen der Betroffenheit und der Solidarität mit den Opfern kirchlichen Missbrauchs“ setzen. Ihr Bischof Kohlgraf hat Sorge, dass die Darmstädter mit ihrem Vorhaben ein zentrales kirchliches Fest mehr oder weniger ausfallen lassen wollten. Quelle: echo-online


13.6.2019 Klerikalismus. Ein Kampfbegriff oder das Hauptproblem? Quelle: br.de

13.6.2019 Die Aufhebung der strafrechtlichen Verjährungsfristen bei sexuellem Missbrauch und die Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz fordert die Katholische Landesarbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendschutz in NRW.

Quelle: katholisch.de

13.6.2019 Ab 1. Juni 2020 schaffen die US-Bischöfe eine zentrale Erfassungsstelle für Missbrauchsopfer von Klerikern. Ein privates Unternehmen wird damit beauftragt. Die zentrale Erfassungsstelle leitet die Anzeigen an einen der 32 Metropolitan-Bischöfe und den päpstlichen Nuntius weiter. Die Untersuchung der Einzelfälle geschieht durch die Bischöfe in den jeweiligen Diözesen.

An der Vollversammlung der US-Bischöfe nahm auch Bischof Robert Finn teil. Er war wegen Vertuschung verurteilt worden und 2015 zurückgetreten.

Quelle: domradio.de  cruxnow.com


11.6.2019 Bischof Wilmer, Hildesheim, sagt: „Die Vertrauenskrise fährt mit voller Wucht ins Gebälk der Kirche, das begreifen wir immer noch nicht. Wir reagieren mit dem Disziplinar- und Kirchenrecht, verbessern Prävention und Kommunikation, arbeiten mit Justiz und Politik zusammen. Das ist alles gut und richtig. Aber wir gehen das Thema noch nicht grundsätzlich an: Was bedeutet es für unser Reden über Gott, die Kirche, für die Verkündigung des Evangeliums? Unser Kirchenbild war ein Grund dafür, dass es zu diesem Ausmaß sexualisierter Gewalt kommen konnte. Wir haben nicht den Menschen gesehen. Wir waren viel zu sehr am polierten Image der Kirche interessiert. Das finde ich ganz fürchterlich….Entscheidend ist für mich nicht, ob und wie wir Strukturen und Regeln ändern, sondern vielmehr, wie wir das Evangelium so bezeugen können, dass es faszinierend ist, dass die Glut unter der Asche wieder brennt. Wir müssen bei den Sehnsüchten der Menschen ansetzen: nach Geborgenheit, danach, dass ich wachsen darf, einen Freiraum habe, aufblühe; nach Frieden. Das sind die Themen, die mich leben lassen. Wer nur nach dem Überleben der Kirche fragt, hat verloren.“ Quelle: Süddeutsche


11.6.2019 Die Southern Baptist Convention (SBC), größte protestantische Kirche in den USA, befasst sich bei ihrem Jahrestreffen mit dem Thema Missbrauch. Die SBC wird seit mehr als einem Jahr mit Missbrauchsvorwürfen konfrontiert. Recherchen von „San Antonio Express News“ und „Houston Chronicle“ zeigen, dass ca 380 Pastoren, Diakone und Sonntagsschullehrer seit 1998 des Missbrauchs verdächtigt werden, mindestens 35 von ihnen seien weiterhin kirchlich tätig. Quelle: kathpress


11.6.2019 Die evangelische Kirche in Deutschland richtet eine zentrale Anlaufstelle für Opfer sexualisierter Gewalt ein. Beauftragt wurde damit der unabhängige Verein „Pfiffigunde„, Heilbronn. Er soll erste Anlaufstelle für Betroffene sein und Lotsenfunktion bei der Aufarbeitung übernehmen: Telefon 0800-5040 112 – kostenlos, E-Mail: zentrale@anlaufstelle.help und Internet: www.anlaufstelle.help (ab 1.7.2019)

Bischöfin Fehrs, Nordkirche, ist Sprecherin des kirchlichen „Beauftragtenrats zum Schutz vor sexualisierter Gewalt“. Zum Beauftragenrat gehören Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh, Badische Landeskirche, Landesbischof Christoph Meyns, Braunschweig, Oberkirchenrätin Susanne Teichmanis, Oldenburg, und Oberkirchenrat Nikolaus Blum, Bayern. Seit Herbst 2018 ist die Zahl der Missbrauchsfälle von 479 auf ca 600 gestiegen.
Geplant ist eine Dunkelfeldstudie, die vielleicht in Zusammenarbeit mit dem Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs durchgeführt werden soll. Diskutiert wird, wie Betroffene stärker an der Aufarbeitung in der evangelischen Kirche beteiligt werden können.

Kerstin Claus, Mitglied des Betroffenenrates des UBSKM,ist in den bisherigen Prozess der EKD und ihrer Landeskirchen seit November 2018 eingebunden. Sie gehört zu den fünf Betroffenen, die bisher sporadisch zu verschiedenen Themen befragt wurden. Claus kritisiert, dass Betroffene bislang zwar konstruktiv, jedoch nur unstrukturiert eingebunden seien. Quellen: evangelisch.de


Pfingsten 2019: Gotthard Fuchs fragt: Schon aufgeschlossen?


8.6.2019 Im Vorfeld der Vollversammlung der US-Bischöfe werden zwei nue Vorwürfe bekannt. Der eine Vorwurf richtet sich gegen den Vorsitzenden der US-Bischofskonferenz, Kardinal DiNardo. Eine Frau wirft ihm vor, weggeschaut zu haben, als sie den Generalvikar, Frank Rossi, wegen Verführung zu einem sexuellen Verhältnis in einer Ehekrise beschuldigte.  Zudem habe der Priester ihr während einer Beichte die Absolution für gemeinsam begangene sexuelle Verfehlungen erteilt – ein schweres kirchenrechtliches Vergehen. DiNardo sei 2016 informiert worden und er habe versprochen, Rossi werde nicht mehr als Seelsorger tätig sein. Tatsächlich jedoch wurde Rossi nach einer Rehabilitationsmaßnahme wieder eingesetzt, allerdings in einem anderen Bistum. DiNardo bestreitet die Darstellung als „unprofessionell, voreingenommen und einseitig“.
Darüber hinaus gibt es Vorwürfe gegen den ehemaligen Bischof der Diözese von Wheeling-Charleston, Michael Joseph Bransfield, West-Virginia. Bransfield wir ein luxuriöser Lebensstil vorgeworfen. Zudem soll er Geldgeschenke gemacht haben, an einfluzssreiche Kirchenführer und an junge Priester, die er sexuell belästigt haben soll. Quelle: Domradio.de

8.6.2019 In einem zivilrechtlichen Verfahren beschuldigt ein Mann den australischen Kardinal George Pell, dessen Berufungsverfahren wegen sexuellen Missbrauchs noch läuft, in den 1980er-Jahren Missbrauchstaten eines Ordensmitglieds im Bistum Ballarat vertuscht zu haben. Quelle: katholisch.de


8.6.2019 Die argentinische Staatsanwaltschaft hat Anklage wegen sexuellen Missbrauchs gegen den Kurienbischof Gustaco Zanchetta, den ehemaligen Bischof von Oran, Argentinien, erhoben. Der Beschuldigte weigerte sich bei einer Anhörung in der Provinz Salta, zu den Vorwürfen Stellung zu beziehen. Die Glaubenskongregation wird ebenfalls einen Prozess gegen Zanchetta führen. Papst Franziskus räumte ein, dass es bereits 2015 Beschwerden gegeben habe., aber Zanchetta habe sich geschickt verteidigt. Mitte 2017 wurde Zanchetta von seinem Bischofsamt abberufen und erhielt einen eigens geschaffenen Posten eines Assessors in der Güterverwaltung des Vatikans. Zur Abberufung führte der Vorwurf, Zanchetta habe ein autoritätes Verhalten. Es habe jedoch keine einzige Anschuldigung sexuellen Missbrauchs gegeben, sagte der Pressesprecher des Vatikans Anfang 2019. Quelle: vaticannews


8.6.2019 „Das größte pastorale Missionshindernis überhaupt ist eine Kirche, deren äußere Gestalt permanent ein Zeugnis wider das Evangelium darstellt, weil sie in ihrer alltäglichen „Körpersprache“ (Bischof Hermann Glettler) der jesuanischen Frohbotschaft von der anbrechenden Gottesherrschaft (und eben nicht: Männer- oder Klerikerherrschaft) widerspricht.“ Das sagen Maria Mesrian, katholische Diplomtheologin und Christian Bauer, Professor für Pastoraltheologie.


7.6.2019 Das Bistum Münster will die bekannt gewordenen Missbrauchsfälle historisch aufarbeiten lassen. Man wolle „Strukturen und Haltungen aufzudecken, die zu sexuellem Missbrauch geführt haben“. Hans Zollner, SJ, sagte, es brauche eine fachgerechte und unabhängige Aufarbeitung. Die Kirche müsse sich dem Thema proaktiv, offen, transparent, opferorientiert stellen. Quelle: www.wn.de

7.6.2019 Die Kölner Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen den beurlaubten  Düsseldorfer Stadtdechanten eingestellt. Die kirchlichen Ermittlungen dauern an. Quelle: news.feed-reader.net


7.6.2019 Michael Joseph Bransfield, früherer Bischof der Diözese Wheeling-Charleston, West Virginia, soll über Jahre hinweg mit Kirchengeldern Geldgeschenke an junge Priester finanziert haben, die er sexuell belästigt hat. Die „Washington Post“ berichtet, auch Kardinäle in den USA und im Vatikan hätten Gelder erhalten, etwa der frühere Erzbischofr von Washington, Kardinal Wuerl, der Erzbischof von New York, Kardinal Dolan und der ehemalige Nuntius in den USA, Erzbischof Vigano. Auch der jetzige Apostolische Administrator der Diözese, Erzbischof Lori von Baltimore, habe Geld erhalten.

Bransfield soll 565 Schecks bis zu 15.000 Dollar ausgestellt haben, die ihm das Bistum erstattete. Fünf Laienermittler werteten die Geldgeschenk als Machtmissbrauch. Zudem wird Bransfield verdächtigt, erwachsene Priester sexuell belästigt zu haben und finanzielle Unregelmäßigkeiten verschuldet zu haben. Quelle: katholisch.de


6.6.2019 Prof. Schüßler, Dekan der Theologischen Fakultät Tübingen, sagt: „… um der göttlich-klerikalen Ordnung willen wurde Missbrauch geduldet und vertuscht. Man wird also die konzeptionelle Identität des Katholischen selbst befragen müssen.“ Er weist darauf hin, dass konzeptionelle, theologische Diskurse gerade nicht präventiv, sondern viktimisierend gewirkt haben. Wenn Kirche nicht weiter ein „Hochrisiko-Ort“ für sexuelle Gewalt sein will, müsse sie die Schutzkonzepte so weit denken. „Die notwendige Veränderung muss von der verwundeten Wirklichkeit, vom Schmerz der Betroffenen ausgehen, nicht von der Ideologie.“

Quelle: uni-tuebingen.de


6.6.2019 Im Bistum Graz-Seckau wurde ein katholischer Priester mangels Beweisen freigesprochen vom Vorwurf, ein Autoritätsverhältnis ausgenutzt zu haben zu Missbrauch. Das kirchenrechtliche Verfahren läuft noch. Quelle: kathpress.at


6.6.2019 Der Oberste Gerichtshof in Melbourne hat sein Urteil im Berufungsverfahren um den australischen Kardinal George Pell vertagt. Quelle: vaticannews


6.6.2019 Erzbischof William Lori, Baltimore, veröffentlicht Details über die Untersuchung von Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens und finanzieller Unregelmäßigkeiten gegen Bischof Michael Bransfield, ehemaliger Bischof der Diözese Wheeling-Charleston, West Virginia. Die Berichte derjenigen, die Bransfield der sexuellen Belästigung beschuldigen, hält das Bistum für zuverlässig. Bransfield wird nicht des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger beschuldigt. Außerdem gebe es nach Auskunft von Lori bei Bransfield „ein Muster übermäßiger und unangemessener Ausgaben“. Quelle: ncronline.org


6.6.2019 Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2018 veröffentlicht ihre Zahlen. 2018 kamen 136 Kinder gewaltsam zu Tode, fast 80 Prozent von ihnen waren unter sechs Jahre. 98 mal gab es einen Tötungsversuch an Kindern. Misshandelt wurden 4.180 Kinder (2017: 4.247). 14.606 Kinder wurden sexuell missbraucht, 40 Fälle pro Tag (Hellfeld). Die Herstellung, Besitz und Verbreitung kinderpornografischen Materials stieg um 14,39 Prozent auf  7.449 Fälle (2017: 6.512). Kathinka Beckmann, Professorin für klassische und neue Arbeitsfelder der Pädagogik der Frühen Kindheit an der Hochschule Koblenz, beklagt den Mangel an Fachkräften bei steigenden Fallzahlen, eine nicht ausreichende Qualifizierung der Mitarbeitenden und mangelnde finanzielle Ausstattung. Sie nennt es „institutionelle Kindeswohlgefährdung“. Johannes-Wilhelm Rörig sagt, die Bekämpfung von sexueller Gewalt müsse viel konsequenter angegangen werden und Ermittlungsmöglichkeiten müssten geschärft werden. Es brauche eine EU-rechtskonforme Vorratsdatenspeicherung. Quelle: beauftragter-missbrauch.de


6.6.2019 In Kamerun haben sich Priester an Kindern und Nonnen vergangen. Das Mitgefühl gilt den Geistlichen, nicht den Opfern. Die Geistlichen gelten als Opfer des Zölibats. Dass katholische Priester Familie haben, wird als Missbrauchsprävention geduldet. Erzbischof von Douala Samuel Kleda hält das Missbrauchsproblem für übertrieben. Quelle: DLF


6.6.2019 Jesus äußert sich in Mt 18,1-14 zur Frage des Kindermissbrauchs, sagt der Neutestamentler Andrew Doole. Jesus sagt: „Ich bin das Kind. Ihr habt mich missbraucht.“ Quelle: feinschwarz.net


5.6.2019 Der Berliner Therapeut und Zölibatsberater Joachim Reich glaubt, dass sich 95 Prozent der Priester nicht lebenslang an den Zölibat halten. 
Quelle: Merkur.de

5.6.2019 Das Berufungsverfahren von Kardinal George Pell beginnt. Ergebnisse werden später erwartet. Pell will, dass seine Verurteilung wegen Kindesmissbrauchs aufgehoben wird. Rechtsexperten räumen dem früheren Vatikan-Finanzchef gute Chancen ein, das Verfahren zu gewinnen. Quelle: NZZ


5.6.2019 Der Verband der Religionslehrer fordert, am synodalen Weg beteiligt zu werden. Er konstatiert: „Religionsunterricht ist von den Auswirkungen des Missbrauchs von Menschen und Macht betroffen, wenn Schüler*innen die für eine Gesellschaft grundlegenden Werte und Tugenden, die ihnen in der Schule vermittelt werden, in der Amtskirche nicht wiederfinden: Respekt vor persönlichen Lebensentscheidungen, Gewissensfreiheit, Partizipation durch Mitverantwortung und Mitentscheidung, gleiche Rechte für Frauen und Männer.“ Quelle: bkrg.de


5.6.2019 In den Niederlanden hat sich ein 17-jähriges Missbrauchsopfer zu Tode gehungert.
Quelle: Triggergefahr! vaticannews

5.6.2019 Das Bistum Mainz hat den Regensburger Rechtsanwalt Ulrich Weber beauftragt, Fälle sexueller Gewalt im Bistum Mainz aufzuklären. Weber soll prüfen, ob es Rahmenbedingungen gebe, die sexuelle Gewalt befördert oder nicht verhindert haben und wie mit den Fällen nach dem Bekanntwerden umgegangen wurde. Der Staatsanwaltschaft übergab im Februar 199 Fälle ab 1942 zur Prüfung, ob ein Anfangsverdacht vorliege. Quelle: katholisch.de


5.6.2019 Die argentinische Tageszeitung „La Nacion“ berichtet von 63 Anschuldigungen gegen argentinische katholische Geistliche wegen sexuellen Missbrauchs in den letzten 20 Jahren in Pfarreien, Kinderheimen, Schulen und Priesterseminaren. 17 Verurteilungen wurden ausgesprochen, 22 Fälle werden noch verhandelt, 20 Geistliche wurden nicht juristisch geahndet. Bischof Sergio Buenanueva, Diözese San Francisco (Cordoba), sprach davon, dass es ein „krankes System in der Kirche“ gegeben habe, das die Fälle vertuscht habe. Jetzt sei Prävention die größte Aufgabe der Kirche. Argentinische Opfer fordern nach Aussage des ECA-Mitgliedes Isley Gerechtigkeit und erwarten, dass Papst Franziskus sie im Vatikan empfängt. Quelle: katholisch.de


5.6.2019 In den USA zahlte die katholische Kirche 10,6 Millionen Dollar an Lobbyisten, die verhindern sollten, dass Opfer sexuellen Missbrauchs durch Kleriker auf Schadenersatz klagen.Damit sollten Gesetzesänderungen verhindert werden, die den Opfern mehr Rechte einräumen. Quelle: nbcnews.com


4.6.2019 Drei Mitglieder der Gemeinschaft von Taizé haben fünf Minderjährige in den 1950er bis 1980er Jahren sexuell missbraucht. Hinweise auf Vergewaltigungen gebe es nicht. Zwei der Beschuldigten sind seit mindestens 15 Jahren tot, der dritte lebt in der Kommunität. Nach Rücksprache mit den Betroffenen, die sich teilweise bereits vor mehreren Jahren meldeten, wurde jetzt die Staatsanwaltschaft informiert. Der Leiter Frere Alois sagt im Interview: „Wir schulden es den Opfern, dass wir darüber sprechen“ Quelle: katholisch.de


4.6.2019 Die katholische Gemeinschaft Totus Tuus weist die Vorwürfe zurück, in ihr gäbe es geistlichen Missbrauch, gibt jedoch zu, dass in der Vergangenheit Fehler gemacht worden seien. Quelle: katholisch.de


3.6.2019 Ab heute nimmt die von der katholischen Kirche beauftragte Kommission Zeugenaussagen von kirchlichen Missbrauchsopfern seit 1950 auf. Meldungen sind auch bei der Opferorganisation „France Victimes“ möglich. Der Leiter der Kommission, Jean-Marc Sauvé, rechnet mit tausenden Meldungen. Quelle: katholisch.de


2.6.2019 Im letzten Jahr kamen immer mehr Fälle von Misshandlungen im ehemaligen bischöflichen Internat in Gerolstein zutage. Offensichtlich geschahen die Misshandlungen unter der Aufsicht aller drei Direktoren. Bereits vor acht Jahren berichtete ein Betroffener dem Bistum Trier von Misshandlungen. In einem zweiten Brief beschrieb er, wie er acht Jahre lang „Gewalt, Demütigung und Willkür“ erleiden musste. Er forderte 80.000 Euro Schadenersatz. Das Bistum verwies Monate nach seinem Schreiben darauf, dass die Vorfälle untersucht würden. Da es sich um körperliche Gewalt und nicht um sexuelle Gewalt handle, falle sie nicht unter die Leitlinien. Eine Zahlung sei also nicht möglich. Quelle: pfaelzischer-merkur.de


Schaue nicht in den Himmel, wie die Jünger nach der Himmelfahrt Christi, sondern schaue dich um und suche Christus in denen, die verwundet sind.“ Tomas Halik, 4.5.2019 über Christen in Europa


1.6.2019 Adélaïde Bon hat das Buch „Das Mädchen auf dem Eisfeld“ geschrieben. Der Spiegel interviewt sie. Vorsicht: Quelle: spiegel.de

1.6.2019 Vom 1.7.2016 bis 30.6.2017 wurden in den USA 693 Missbrauchsfälle gemeldet. Vom 1.7.2017 bis 30.6.2018 stieg  die Zahl der Meldungen auf 1.385. Der Bericht des bischöflichen Sekretariats für den Schutz von Kindern und Jugendlichen führt die Verdoppelung der Meldungen auf neue Entschädigungsprogramme in fünf Bistümern im US-Bundesstaat New York zurück. Quelle: vaticannews


1.6.2019 Daniel Pittet („Mon Père, je vous pardonne“) wurde von Pädophilen auf die Idee gebracht, eine Plastikkarte für Kinder und Jugendliche mit der Aufschrift „Nein, No, Non“ zu entwickeln. Pädophile hoffen, dass die Kinder selber (!) ihnen Grenzen setzen. Die Karte, auf deren Rückseite Notrufnummern der Polizei und der Kinderhilfe-Stiftung Pro Juventute stehen, soll 8- bis 16-Jährigen helfen, Nein zu sagen. Quelle: vaticannews.va


31.5.2019 An einem von der Deutschen Bischofskonferenz organisierten Arbeitstreffen mit 28 Expert*innen – Betroffene, Wissenschaftler, psychologische Berater, Mitarbeiter des Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung – forderten prominente Vertreter von Missbrauchsopferverbänden einmalige Entschädigungszahlungen von 300.000 Euro pro Opfer. Die Namen der Vertreter von Opferverbänden sind nicht bekannt. Quelle: Spiegel


31.5.2019 In vier Einrichtungen der „Schwestern von Nazareth“ (Aberdeen, Cardonald, Lasswade und Kilmarnock) wurden zwischen 1933 und 1984 tausende Kinder körperlich und psychisch misshandelt.Die untersuchende Richterin Lady Anne Smith, sagte, die Häuser waren „Orte der Angst, Feindseligkeit und Verwirrung“. Die Kinder seien der Würde, Barmherzigkeit und Sorge beraubt worden. „In manchen Fällen erreichte der Missbrauch eine Ebene der äußersten Verderbtheit“, sagte die Richterin. Auf 140 Seiten listet der Bericht u.a. sexuellen Missbrauch von Mädchen und Jungen auf. Eine Schwester förderte den Missbrauch eines Mädchens durch mehrere Männer, u.a. auch Priester. Die Kinder wurden mit Gürteln, Stöcken, Besen, Bürsten und Kreuzen geschlagen. Gelernt haben die jüngeren Schwestern diese Taten bei den älteren.

Menschen, die in nicht-religiösen Institutionen missbraucht wurden, melden die Übergriffe häufiger (69 %) als Menschen, die in religiösen Kontexten missbraucht wurden (54 %).

Die Richterin Lady Smith ist seit 2017 einziges Mitglied der von der Regierung eingesetzten „Schottischen Kindesmissbrauchsuntersuchung“. Im Oktober 2018 hat sie die „Töchter der Nächstenliebe vom heiligen Vinzenz von Paul“ untersucht, wo sie auch Missbrauchsfälle und ein Massengrab fand. Dort waren die Kinder, die an Unterernährung gestorben waren, verscharrt worden. Quellen: katholisch.de  domradio.de


31.5.2019 Im Bistum Würzburg wurden 2922 Akten von Priestern aus den Jahren 1949 – 1999 von einem Anwalt, der direkte Akteneinsicht hatte, untersucht. Auffällig seien 94 Akten gewesen: Hinweise auf sexuellen Missbrauch enthielten 47 Akten. Ein Drittel der Hinweise sei bereits strafrechtlich verfolgt worden, bei anderen seien die mutmaßlichen Täter gestorben. 13 Akten wurden an die Generalstaatsanwaltschaft weitergeleitet.

Das Bistum Würzburg hat ein Seelsorgeteam für Betroffene eingerichtet. Quellen: Augsburger Allgemeine  katholisch.de


30.5.2019 Das Bistum Limburg hat einen wegen Besitzes von Darstellungen sexueller Ausbeutung von Kindern verurteilten Diakon kirchenrechtlich für fünf Jahre vom Amt suspendiert. Danach darf er wohl wieder als Diakon arbeiten. Quelle: zeit.de


29.5.2019 Professor Harald Dreßing, einer der Forscher der MHG-Studie, fordert die Kirche auf, Verantwortung für den sexuellen Missbrauch durch Kleriker zu übernehmen. Diejenigen, die Verantwortung und Mitverantwortung bei der Vertuschung von Straftaten trügen, also Bischöfe und Generalvikare, müssten zurücktreten. Dreßing berichtete, dass es nach wie vor neue Taten gebe. Die Quote der beschuldigten Priester habe in den Jahren 2009 bis 2015 gegenüber früheren Jahren nicht abgenommen, sondern bleibe relativ gleich. Die Kirche leiste viel Präventionsarbeit, das könne jedoch auch eine Feigenblatt-Funktion erfüllen. Dreßing sagte, der wichtigste nächste Schritt sei die Erstellung einer großen nationalen Dunkelfeld-Studie. Zu den Entschädigungszahlungen sagte Dreßing, 5.000 Euro seien für viele Opfer eine Demütigung. Quelle: kirche-und-leben.de


29.5.2019 Ehemalige Mitglieder der katholischen Gemeinschaft „Totus Tuus“ erheben den Vorwurf, dass es in der Gruppe sektenartige Strukturen und geistlichen Missbrauchs gebe. Im Bistum Münster ist „Totus Tuus“ als kirchliche Gruppe anerkannt. Seit 2017 werden die Vorwürfe in einer bischöflichen Visitation untersucht. Ehemalige Mitglieder werfen dem Bistum vor, die Aufarbeitung zu verschleppen und keine unabhängigen Personen mit der Visitation beauftragt zu haben. Das Bistum Münster weist die Vorwürfe zurück, der Visitator Jochen Reidegeld habe keine besondere Verbindung zu „Totus Tuus“, außerdem gebe es mit Schwester Birgitte Herrmann eine zweite gleichberechtigte Visitatorin. Reidegeld ist stellvertretender Generalvikar. Die Visitation soll 2020 abgeschlossen sein. Derzeit erkenne das Bistum „Ansatzpunkte“ dafür, dass die Gemeinschaft sich mit den Vorwürfen auseinandersetzen wolle. Das Bistum bestätigte, dass Weihbischof Christoph Hegge, früherer geistlicher Beirat von „Totus Tuus“, 2017 in einer internen Mail von „Leistungsdruck“, „Redeverboten“ und dem Einfordern von „blindem Gehorsam“ berichtet habe und beobachtet habe, dass die Mitglieder sich „in ihrer freien Entwicklung beeinträchtigt, insbesondere im Bereich Sexualität, Ehe und Berufung“ fühlten.


29.5.2019 Der tschechische Erzbischof Jan Graubner, stellvertretender Vorsitzendet der Tschechischen Bischofskonferenz, bittet Missbrauchsopfer, sich bei der am 1. Mai eingerichteten Kontaktstelle zu melden. Doprt werde auf Wunsch soziale, therapeutische, psychologische und auch geistliche Hilfe ermöglicht, die die Kirche jedoch nicht selber anbieten werde. Die Kirche werde keinen Fall unter den Teppich kehren und nach dem staatlichen Gesetz und den kirchlichen Richtlinien handeln. Kirchlich Betroffene wüssten sich an den Generalvikar wenden, der Mitglieder der Diözesankommission mit der Untersuchung des Falles beauftrage. Quelle: kathpress.at


29.5.2019 Gegen Pater Tony Anatrella, einen französischen Priester und Psychoanalytiker, wurden im Bistum Paris neue Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs, diesmal eines Minderjährigen eingereicht. Anatrella war maßgeblich an Texten gegen Homosexuelle im Priesteramt beteiligt.

Bereits 2016 wurde Monsignore Tony Anatrella, Berater des Päpstlichen Rates für die Familie, von sieben Männern des sexuellen Missbrauchs beschuldigt. Erste Informationen soll der damalige Kardinal Lustiger 1999 erhalten haben, aber es geschah nichts. Anatrella hatte noch im Februar 2016 bei einer Fortbildung neu ernannter Bischöfe gesagt, dass Bischöfe nicht verpflichtet seien, staatliche Stellen bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch durch kath. Priester einzuschalten. 2018 wurde er suspendiert. Quelle: LaCroix   s. auch: ladepeche.fr s.auch cruxnow.com und retelabuso.org

28.5.2019 Die Senatsverwaltung in Westberlin genehmigte bereits in den 60er-Jahren ein Projekt, bei dem Straßenkinder zu pädosexuellen Männern in Pflege gegeben wurden. Treibende Kraft war Helmut Kentler, damaliger Abteilungsleiter des Pädagogischen Zentrums und späterer Professor an der Uni Hannover. Er plädierte für die Legalisierung von Sex mit Kindern und schrieb Gutachen im Auftrag von Gerichten und Jugendämtern. Beim Jugendamt des Berliner Bezirks Schöneberg setzte er sich dafür ein, dass Fritz H., mutmaßlicher Missbrauchstäter als Pflegevater beauftragt wurde – davon würden die Jugendlichen profitieren, weil sie ein Zuhause erhielten und die Pflegeväter, weil sie Sex erhielten. Heute fühlen sich die Betroffenen allein gelassen. Einer der Betroffenen sagt: „Ich bin an den Punkt gekommen, wo ich wirklich sagen muss, dass ich entsetzlich müde bin. Hätte ich meinen Glauben nicht, würde ich schon längst schlafen gehen.“ Quelle: deutschlandfunk.de

28.5.2019 Die Staatsanwaltschaft Tübingen hat 22 Ermittlungsverfahren gegen Geistliche des BistumRottenburg-Stuttgart wegen des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs eingestellt. Das Bistum habe alle relevanten Akten übergegen und vollumfängliche Kooperationsbereitschaft signalisiert. Die Auswertung der Akten ergab, dass in keinem Fall ein verfolgbares strafrechtlich relevantes Verhalten gegeben sei.


28.5.2019 Crux zitiert aus angeblich von dem früheren Kardinal McCarrick stammenden Schreiben, dass er im Oktober 2008 unter Papst Benedikt XVI. wegen moralischer Vorwürfe zu einem zurückgezogenen Leben und dem Verzicht auf öffentliche Auftritte vom Vatikan angehalten wurde. Er befolgte diese Maßregeln nicht und nahm ab Frühjahr 2009 als Kirchenvertreter eine rege Reisetätigkeit auf. In Schreiben an Papst Franziskus berichtete er von seiner Kontaktanbahnung für den Heiligen Stuhl in arabischen Ländern und China. Öffentlich machte die Dokumente sein ehemaliger Sekretär Anthony Figueiredo. Im Juli 2018 wurde McCarrick aus dem Kardinalsgremium entlassen, im Februar 2019 aus dem Klerikerstand. Sein Nachfolger als Erzbischof von Washington, Kardinal Donald Wuerl, sagte, er habe nichts von den Missbrauchsvorwürfen gegen McCarrick gewusst und sich erst später an eine Beschwerde eines Priesters erinnert, die 14 Jahre zurücklag. Papst Franziskus sagte, er habe nichts von den Sanktionen gegen McCarrick gewusst. Der ehemalige Vatikandiplomat Viganò wirft Franziskus erneut vor, in der Affäre gelogen zu haben. Quelle: katholisch.de


27.5.2019 Doris Reisinger berichtet von den Schwierigkeiten der Kommunikation mit den zuständigen vatikanischen Gremien im Fall ihrer Anzeige gegen einen Mitarbeiter der Glaubenskongregation. „Ich habe jetzt die Chance, zu zeigen, wie ineffizient, dilettantisch, parteilich, blind und auf sich selbst konzentriert das kircheneigene Rechtssystem ist und wie wenig man dem trauen kann.“ Verblüfft sei sie, dass nach all den Jahren Landes- und Bundesregierungen so tun, als ob die Kirche immer noch ein guter Ansprechpartner wäre, wenn es um die Missbrauchsaufarbeitung geht. Sie lässt eine/n Kirchenrechtler*in die Vorgänge prüfen und erwartet, dass entweder kirchenexterne Institutionen die Notwendigkeit des Eingreifens von außen erkennen oder dass die Kirche wirklich mit Reformen anfange. Unterstützt weiß sie sich von der Maria 2.0-Aktion, die beklagt, dass die Abschaffung bestehender Machtstrukturen nicht in Sicht ist. Quelle: taz


27.5.2019 Ab 15.9. wird das „Institut für Prävention und Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt“ (IPA) unter Leitung des bisherigen Interventionsbeauftragten des Erzbistums Köln, Oliver Vogt, seine Arbeit in Lantershofen aufnehmen. Es hat die Aufgabe, einheitliche Standards bei der Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche  und ein umfassendes Monitoring von Präventions- und Aufarbeitungsprojekten entwickeln. Vogt hat im Erzbistum Köln eine unabhängige Untersuchung von Missbrauchsfällen eingeleitet und einen Betroffenenbeirat eingerichtet, dem zehn Frauen und Männer mit Missbrauchserfahrungen im kirchlichen Bereich angehören. Quelle: katholisch.de

Kommentar: Zu erwarten wäre nach jahrelangen Erfahrungen und nach der MHG-Studie, dass die  Kirchenverantwortlichen wissen, dass Aufarbeitung unabhängig sein muss, wenn sie diesen Namen verdienen will. Warum nun ausgerechnet ein kirchlicher Mitarbeiter mit der Leitung eines Instituts für Aufarbeitung beauftragt wurde, statt externe Fachleute, Betroffene eingeschlossen, damit zu beauftragen, kann nur als Fortsetzung klerikalen Handelns gewertet werden.

27.5.2019 Bischof Franz-Josef Bode, Osnabrück, erfuhr von einem Gemeindemitglied aus Merzen, dass das Bistum bereits 1992 über Missbrauchsvorwürfe gegen Pfarrer Hermann H. gewusst habe und die Anweisung gegeben habe, sie nicht anzuzeigen und nicht öffentlich zu machen. Das Gemeindemitglied berichtete, dass er und seine Frau in der Gemeinde ausgegrenzt und bedroht wurden. Eine Frau berichtete, dass der Pfarrer Filmaufnahmen von ihr und anderen Kindern und Jugendlichen gemacht habe.
Bode räumte ein, dass die katholische Kirche vor 2002 häufig die Anweisung gegeben habe, von Anzeigen abzusehen und die Vorgänge nicht öffentlich zu machen. Er habe bislang von diesen Vorgängen nichts gewusst.
Bode hatte Pfarrer Hermann H. 1997 aufgrund von Gerüchten in den vorzeitigen Ruhestand versetzt und ihm im Dezember 2018 alle öffentlichen Auftritte und liturgischen Handlungen untersagt. Das Verfahren in Rom läuft noch. Quellen: ndr   kirche-und-leben.de

27.5.2019 Klaus Mertes weist darauf hin, dass die Bistumsleitungen Opfer jahrzehntelang nicht ernst genommen haben.Dass man sie heute ernst nehme, sei zwar ein „Quantensprung“, es fehlen jedoch in der apostolischen Signatur noch Verfahren, die den Betroffenen zeigen, dass ihre Vorwürfe ernst genommen werden. Dies sei sichtbar am Fall Doris Reisinger, die nicht wie vorgesehen angehört wurde. Das Desinteresse an Vorwürfen könnte daher rühren, dass es Zeit und Nerven koste, ihnen nachzugehen; dass man den Zusammenbruch von Bildern von Familie, Schule, Pflegeeinrichtung, Gemeinde etc. vermeiden wolle. Im Fall des polnischen Gründers der Gruppe nie lekajcie sie(Nie wieder!), Marek Lisinski, der bereits 1996 seine Vorwürfe erhob, vergingen 23 Jahre zwischen Anzeige und Gehört-Werden. Mertes kommentiert: „Man stelle sich vor, was diese 23 Jahre für die betroffene Person bedeuten.“ Doris Reisinger erhob 2014 die Vowürfe, erst 2018/2019 interessierte sich die Glaubenskongregation dafür. Quelle: katholisch.de


27.5.2019 Ein Bericht über die Geschichte des Gründers der polnischen Betroffenengruppe nie lekajcie sie(Nie wieder!), Marek Lisinski, über den langjährigen Versuch, Gehör zu finden; über die Reaktion der Bischöfe auf Betroffene sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester und über einen Staat, der die Kirche schützt. 

Quelle: bazonline.ch   imprimatur: Theo Mechtenberg Die Polnische Bischofskonferenz und die kirchlichen Missbrauchsfälle


27.5.2019 Im Erzbistum Köln, das einen Betroffenen-Beirat mit 10 Mitgliedern eingerichtet hat, sollen auch Namen von Bischöfen, Generalvikaren, Personalverantwortlichen öffentlich genannt werden, die vertuscht haben. Hans Zollner, der die Arbeit der unabhängigen Rechtsanwaltskanzlei unterstützt, die die Untersuchung durchführt, sagt über die im Herbst geplante Veröffentlichung: „Es wird ein Stahlbad werden“.  U.U. müsse gesagt werden: „Wir haben auch Verbrechen begangen.“ Quelle: www1.wdr.de


26.5.2019 Matthias Drobinski und Benjamin Emonts schildern die Vorgänge rund um die Beschuldigung eines Priesters der Ordensgemeinschaft „Das Werk“ durch Doris Reisinger. Der Beschuldigte wurde vom Vatikan freigesprochen. Nebenbei erfährt die Leserin, dass der Pater, dem Frau Reisinger Vergewaltigung vorwirft, 2012 seinen Posten im Staatssekretariat zwar verlor, aber noch heute in der Seelsorge des Ordens arbeitet. Quelle: sueddeutsche.de

26.5.2019 Der Breslauer Kardinal Gulbinowicz weist die Vorwürfe sexuellen Missbrauchs durch einen Ex-Seminaristen zurück. Sein Anwalt warnte vor der „Verbreitung von Unwahrheiten“ über Gulbinowicz und kündigte juristische Schritte gegen Personen an, die diesen Appell ignorierten.

Der Ex-Seminarist wirft dem Kardinal vor, ihn 1990 zu seiner Zeit als Erzbischof von Breslau sexuell missbraucht zu haben. Quelle: domradio.de : katholisch.de

24.5.2019 Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen zwei Priester aus Wanne-Eickel, Bistum Paderborn, eingeleitet. Ihnen wird vorgeworfen, Minderjährige missbraucht zu haben. Der Verdacht ergab sich aus der MHG-Studie. Die Missbrauchsvorwürfe gegen die beiden Geistlichen stammen von 1955 bzw. 1995. Im Fall von 1955 wird es keine Ermittlungen gegen den sehr alten Priester geben, weil die Tat(en) verjährt sei. Im Fall von 1995 komme es auf die noch zu ermittelnde Schwere des Delikts an. Ermittelt werden auch Opfer. Quelle: waz.de


24.5.2019 Die italienische Bischofskonferenz hat Richtlinien zum Kinderschutz verabschieder. Nun gibt es eine „moralische Pflicht“ zur Anzeige von mutmaßlichen Tätern bei der staatlichen Justiz. Quelle: religion.orf.at


23.5.2019 Schwester Anna-Luisa Kotz, Untermarchtal, berichtet, dass ihr Kloster plötzlich erlebt, „dass Schwestern von uns nicht nur Täterin, Mitwisserin und Mitläuferin sind, sondern auch Opfer, Betroffene und Überlebende. Die Zahl der Mitschwestern mit Erfahrungen von sexueller Gewalt ist erschreckend hoch, durch alle Generationen hindurch.“ Im Kloster selbst wiederhole sich sexueller oder geistlicher Missbrauch, den nicht nur Kleriker, also Männer, sondern auch Schwestern begehen. 
Schwester Katharina Kluitmann spricht von Denkverboten, Kontaktverboten, Gehirnwäsche und mental „leicht inzestuösen Strukturen. Damit ist das Thema Missbrauch in der Mitte der katholischen Kirche selbst angekommen. Quelle: stuttgarter-nachrichten.de

23.5.2019 Ein Ex-Seminarist wirft dem Breslauer Kardinal Gulbinowicz sexuellen Missbrauch vor, der 1990 verübt wurde, als Gulbinowicz Erzbischof von Breslau (1976 bis 2004) war. Damals war der Ankläger 16 Jahre alt. Bereits 1996 habe er die Anschuldigungen öffentlich gemacht, sie habe aber kaum jemanden interessiert. Das Erzbistum nimmt die Anschuldigungen ernst und prüft sie. Quelle: katholisch.de


23.5.2019Die katholischen Bischöfe in Polen haben Mängel beim Schutz von Kindern vor sexuellem Missbrauch eingeräumt. Für viele Gläubige würden die „sexuellen Skandale mit Beteiligung von Geistlichen eine schwere Glaubensprüfung und ein großes Ärgernis“ darstellen, heißt es darin. Quelle: Domradio


22.5.2019 Der polnische Primas Wojciech Polak meint, die katholische Kirche in Polen müsse die aktuelle Situation analysieren. 60 % der Polen sehen die Schuld für den Missbrauch bei der Institution, nicht bei den einzelnen Geistlichen.  Knapp 50 % traut der Kirche generell nicht mehr und 54  fordern den Rücktritt aller kath. Bischöfe Polens. 66 % wollen die Aufklärung der Übergriffe nicht der KIrche überlassen. Sie fordern eine staatliche Untersuchungskommission. Die größte Oppositionspartei „Bürgerplattform“ schließt sich der Forderung nach einer weltlichen Wahrheitskommission an, incl. der Forderung nach Zugang zu den Kirchenarchiven auch für Opfervertreter. – Der Priester Andrzej Kobylinski weist darauf hin, dass es aus kommunistischer Zeit keine Dokumente gibt. Die Zustimmung für eine große Forschungsarbeit dürfte noch Jahre brauchen. Inzwischen melden sich weitere Opfer. U.a. wird der frühere Erzbischof von Breslau, Kardinal Gulbinowicz beschuldigt. Der Papst hatte den Leiter des Opferverbandes „Fürchtet euch nicht“ empfangen und eine Dokumentation entgegengenommen, in der 24 z.T. noch aktive Bischöfe der Vertuschung beschuldigt werden. Quelle: br.de


22.5.2019 Die Staatsanwaltschaft hat ein Exemplar des Westpfahl-Berichts vom Erzbistum Münschen angefordert und erhalten. Bisher war lediglich die Kurzfassung öffentlich einsehbar. Neue Ermittlungsverfahren sind unwahrscheinlich, weil die Justiz zu spät kommt: Viele der mutmaßlichen Täter sind tot, viele Taten verjährt und viele Opfer möchten nicht/nicht mehr sprechen. Im Erzbistum München waren 159 mutmaßliche Priester-Täter im Jahr 2010 bekannt – aber es gibt nur zwei Verfahren. Offensichtlich wurden Annäherungen gegenüber Männern viel öfter an die Kirchenoberen gemeldet als gegenüber Frauen. Im Erzbistum München und Freising wurden seit 2011 zehn Strafanzeigen gestellt  – gegen einen Kleriker sowie diverse Mitarbeiter, darunter Lehrer.

In den 1950er- und 1960er-Jahren waren mehr Opfer bereit zu reden, Jugendliche traten als Zeugen auf, Kirchenleute wurden zu Haftstrafen verurteilt. Von den 1970er-Jahren an drang kaum mehr etwas nach außen, es sei „offenbar so ein Deckel draufgegangen“, sagt Oberstaatsanwältin Ines Karl. Quelle: sueddeutsche.de


22.5.2019 Nach Aussage von Chandan Gomes, Programmentwicklungsdirektor bei World Vision Bangladesch, werden 82 Prozent der Kinder in Bangladesch Opfer von Gewalt und 65 Prozent der Mädchen von Verwandten sexuell missbraucht. Der Sekretär der bischöflichen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden, Pater Liton Gomes, sagte, dass es auch in katholischen Schulen und Wohnheimen noch immer Fälle von Gewalt oder schlechter Behandlung gebe. In Dhaka trafen sich katholische Aktivisten und Bischöfe zur Entwicklung gemeinsamer Standards, um Kinder zu schützen. Quelle: vaticannews


22.5.29019 Die Deutsche Ordensobernkonferenz (DOK) hat eine Erhebung zu den Dimensionen sexueller Gewalt in Klöstern beschlossen, weil immer noch nicht genug über das bekannt ist, was in den einzelnen Ordensgemeinschaften geschehen ist und geschieht, sagte die Vorsitzende Katharina Kluitmann. Der Beschluss wurde von den ca 200 Ordensoberinnen und -oberen einstimmig beschlossen. Festgestellt werden sollen die Anzahl der Betroffenen, die Meldungen an die Staatsanwaltschaften, die Zahlungen an Opfer, die Durchsicht von Personalakten und die unterschiedlichen Schutzkonzepte. Anfang 2010 sollen die Ergebnisse vorliegen. Wer die Forschung durchführt und ob auch Täter*innen benannt werden, ist unbekannt. Die DOK führe Gespräche über externe unabhängige Anlaufstellen. Quelle: katholisch.de


22.5.2019 Die katholische Kirche und der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, wollen sich bis zum Herbst auf Eckpunkte zur Aufarbeitung des Missbrauchs im Bereich der Kirche einigen. Dabei gehe es um strukturelle Festlegungen sowie um einheitliche Standards und Kriterien, teilten Rörig und Bischof Ackermann mit. Rörig sagte, jetzt beginne „eine Phase abschließender Klärungen zu Fragen der umfassenden und einheitlichen Betroffenenbeteiligung, dem rechtssicher ausgestalteten Zugang zu Informationen und Akten und zu Fragen des Datenschutzes und der Sicherstellung von Persönlichkeitsrechten“. Auch Fragen nach einer angemessenen Entschädigung sind zu klären.

Beteiligt an der Erstellung der Eckpunkte ist auch die Arbeitsgruppe „Aufarbeitung Kirchen“, die seit Dezember 2018 existiert und zu der Betroffene gehören und der Psychologe Heiner Keupp. Quelle: katholisch.de  tagesspiegel.de

22.5.2019 Der Augsburger Bischof Zdarsa hat die Initiative „Maria 2.0“ scharf kritisiert, weil deren Anliegen „nicht im Sinne des katholischen Glaubens“ seien. Zudem trage er den synodalen Weg nicht mit, der als Reaktion auf die Missbrauchskrise von der Bischofskonferenz beschlossen wurde. Quelle: katholisch.de


22.5.2019 Einer der Haupttäter des Canisius-Kollegs, Peter R., wird aus dem Priesterstand entlassen und verliert „weitestgehend“ seine Pensionsansprüche. In Absprache mit Betroffenen würden durch das Bistum Hildesheim zudem 20.000 Euro für ein Projekt zur Aufarbeitung der Geschehnisse im Berliner Canisius-Kolleg gezahlt werden. Quelle: katholisch.de


20.5.2019 Dass Bistum Essen will Prävention und Intervention bei sexueller Gewalt verbessern, die persönliche Reife von Priesteramtskandidaten stärken, das Leben von Priestern verbessern und die historische Aufarbeitung der Missbrauchsfälle angehen. Außerdem solle das System Kirche überprüft werden: Sexualmoral, Selbstverständnis des Weiheamtes, Machtfragen und Geschlechtergerechtigkeit. Quelle: Domradio


20.5.2019 Der Vatikanbotschafter in Frankreich, Erzbischof Luigi Ventura, trifft vier Männer, die gegen ihn wegen sexueller Übergriffe klagen. Die Männer seien bereits verhört worden, der unter Immunität stehende Vatikandiplomat Ventura sei auf eigenen Wunsch von der Polizei befragt worden. Die französische Staatsanwaltschaft hat die Aufhebung der Immunität des Nuntius beantragt. Vatikansprecher Alessandro Gisotti erklärte im Frühjahr, man wolle die Ergebnisse der Untersuchungen abwarten. Quelle: vaticannews


20.5.2019 In Polen haben sich 54 % für einen Rücktritt der katholischen Bischöfe des Landes angesichts der Missbrauchskrise ausgesprochen; 20 % lehnten einen Rücktritt hab, 26 % haben noch keine Meinung. Quelle: katholisch.de


20.5.2019 Die Deutschen Bischöfen weisen die Kritik vom Forschungsleiter der MHG-Studie, Harald Dreßing, es gebe keine gemeinsame Strategie der Bischöfe, zurück. Das Gegenteil sei durch den Beschluss der Vollversammlung von Fulda der Fall. Der Sprecher der DBK sagte: „Die deutschen Bischöfe haben umgehend nach Erscheinen der MHG-Studie einen Maßnahmenkatalog beschlossen, welche Konsequenzen aus der Studie abgeleitet werden. Dieser Maßnahmenkatalog wird kontinuierlich bearbeitet.“ Erst vor wenigen Wochen habe der Missbrauchsbeauftragte, Bischof Stephan Ackermann, einen Statusbericht vorgelegt, der gezeigt habe, dass die Bischöfe gemeinsam an den Themen arbeiten. Quelle: Domradio

Kommentar: Die letzte mir bekannte Nachricht über die Maßnahmen der Bischöfe stammt vom 30.1.2019. Dort wurde berichtet, dass Bischof Ackermann dem Ständigen Rat der DBK die fünf von der DBK beschlossenen Teilprojekte berichtete und er das Gespräch mit Johannes-Wilhelm Rörig suchen werde (das diese Woche stattfinden soll). Im übrigen  sollten Arbeitsgruppen gebildet werden, bei denen auch Mitglieder des ZdK teilnehmen sollen. Ein Steuerungskreis wurde im Januar beschlossen, dessen Mitglieder „demnächst“ berufen werden sollen. Den unterschiedlichen Positionen von Bischöfen, soweit sie sich öffentlich seit September 2018 geäußert haben, kann ich nicht entnehmen, dass sie sich auch nur auf eine gemeinsame Beschreibung der Ursachen für sexualisierte Gewalt einigen können. Von Ergebnissen der Arbeitsgruppen ist mir nichts bekannt. Unbekannt ist mir auch, ob die eventuell erzielten Ergebnisse für alle Bischöfe/Bistümer verbindlich sind.


19.5.2019 Der Studienleiter der MHG-Studie, Harald Dreßing, kritisiert die katholischen Bischöfe. Eine gemeinsame Strategie, weitere Forschung zu veranlassen, sei nicht erkennbar. Die Bischöfe reagierten sehr unterschiedlich auf die aus der Studie abzuleitenden Konsequenzen. Statt einer Priorisierung der Ziele gebe es Gesprächskreise und workshops. Dreßing sagte: „Unsere Missbrauch-Studie ist keine Aufarbeitung, sondern sollte der Auftakt für weitere Studien sein.“ Dabei sei natürlich auch damit zu rechnen, dass Verantwortliche benannt werden, die vielleicht noch leben, wenn nicht sogar noch in Amt und Würden sind, sagte der Psychiater der Zeitung. Erstaunlich findet Dreßing, dass nach der Veröffentlichung der Studie viel von Scham und Schuld gesprochen wurde, aber nicht von konkreter und persönlicher Verantwortung. Die Bischöfe thematisierten zu selten konkrete und persönliche Verantwortung. Zudem schlägt Dreßing vor, die für die Institution spezifischen Risikokonstellationen zu verändern. Dazu gehöre die Beschränkung klerikaler Macht, eine Reform der kirchlichen Sexualmoral, die Abschaffung des Pflichtzölibats – alternativ die adäquate Begleitung der Priesteramtskandidaten. Hilfreich sei auch das Aufbrechen der geschlossenen Männerbünde, z.B. durch die Zulassung von Frauen zu Weiheämtern. Ein erster Schritt zur Aufarbeitung könne eine überregionale Untersuchung durch eine Kommission aus Betroffenen, Wissenschaftlern und Vertretern von Kirche und Zivilgesellschaft sein. Sinnvoll wäre auch eine Dunkelfeldstudie. Quellen: DLF  Spiegel  dw

19.5.2019 Der Kirchenrechtler Thomas Schüller sagt, die Voruntersuchung des Vatikans gegen das Mitglied des „Das Werk“, Pater Hermann Geißler, sei nicht nach den rechtlichen Vorgaben erfolgt, weil man nicht beide Parteien gehört habe, sondern nur den vermeintlichen Täter. Er bemängelt,  dass einer der Richter, ein Bischof, dem „Werk“ eng verbunden und also befangen sei. Man habe, wie das üblich sei in Kleriker-Angelegenheiten, immer nur den Kleriker gehört. Wie es aussehe, habe das Kirchengericht seinen Job nicht richtig gemacht und grundlegende Prinzipien der Rechtsprechung nicht beachtet. Das sei ein Skandal hoch 3. Quelle: WDR 5, ab min. 7  Kirche und Leben  kathpress


19.5.2019 Die Vorsitzende der Deutsche Ordensobernkonferenz (DOK), Katharina Kluitmann, hält Missbrauch von Klerikern an Ordensfrauen in Deutschland nicht für ein Massenphänomen und glaubt nicht, dass er „mit System“ betrieben werde. Aber er habe natürlich, wo er vorkommt, „systemische“ Ursachen im Sinne der klerikalen Machtstrukturen. Das sagt sie anlässlich der Mitgliederversammlung der Deutschen Ordensobernkonferenz.

Die DOK widmet sich auch geistlichem Missbrauch, den die  Präventionsbeauftragte des Bistums Eichstätt, Gabriele Siegert, als „spiritualisierte Gewalt“ bezeichnet. Geistlicher Missbrauch habe „ähnliche Dynamiken und systemische Gründe wie sexualisierte Gewalt, jedoch andere Ausdrucksformen“. Dazu brauche es eingehende psychologische Klärung. Quelle: katholisch.de


18.5.2019 In Münster hat Brigitte Hahn, die scheidende Leiterin der Fachstelle für Sekten und Weltanschauungsfragen, einen Kongress initiiert, bei dem sich mehr als 140 Therapeuten, Fachleute aus Medizin und Strafverfolgung und Betroffene über organisierte und rituelle Gewalt an Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen austauschten. Quelle: kirche-und-leben.de


18.5.2019 Der Anglikaner-Primas Justin Welby hat den Bischof von Lincoln, Christopher Lowson suspendiert. Lowson wird vorgeworfen, Missbrauchsfälle an einer Schule nicht angezeigt zu haben. Sollten sich die Vorwürfe der Polizei gegen Lowson bestätigen, würde dieser „ein erhebliches Risiko für den angemessenen Schutz von Kindern und Schutzbedürftigen“ darstellen, sagte Welby. Quelle: vaticannews.va


17.5.2019 Am 20.5.2019 trifft sich in Berlin eine Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz und des Missbrauchsbeauftragen der Bundesregierung, Rörig. Dabei soll die weitere Aufarbeitung kirchlichen Missbrauchs und die Frage, ob die Bischöfe unabhängigen Forschern Aktenzugang ermöglichen, geklärt werden. Einheitliche Standards sollen entwickelt werden. Quelle: berliner-sonntagsblatt.de


17.5.2019 Der Vatikan hat den Freispruch von Pater Hermann Geißler bestätigt, dem Doris Reisinger vorgeworfen hat, sie im Kontext der Beichte sexuell belästigt zu haben. Das Gericht begründete den Freispruch damit, dass „die Umstände der behaupteten schweren Straftat nicht mit ausreichender moralischer Gewissheit bewiesen“ seien. Das Verfahren hatte die Apostolische Signatur übernommen, weil Geißler Abteilungsleiter in der üblicherweise zuständigen Glaubenskongregation war. – Doris Reisinger kritisierte die Gerichtsentscheidung, weil sie in das Verfahren nicht eingebunden war, während der Vorermittlungen nicht angehört worden sei und weil und einer der Richter, Giuseppe Sciacca, in freundschaftlichem Kontakt zum „Werk“ stand, dem Geißler angehört. Reisinger hatte eine umfangreiche schriftliche Aussage vorgelegt, der auch die Aussage einer weiteren Betroffen beigefügt war, deren Erfahrungen sich bis ins Detail hinein mit denen von Doris Reisinger deckten.

Quelle: kathpress


17.5.2019 Der Papst nahm das Rücktrittsgesuch des brasilianischen Bischofs Vilson Dias de Oliveira, Diözese Limeira, an. Dem Bischof wurde Vertuschung mutmaßlichen mutmaßlichen sexuellen Missbrauchs und Erpressung vorgeworfen.

Oliveira soll nach Aussagen mehrerer Padres Missbrauchsfälle in mehreren Gemeinden gedeckt haben und dafür Schweigegeld verlangt haben. Diese Gelder soll er – Besitzer von zehn Immobilien – für Feste ausgegeben haben. Nach Aufnahme behördlicher Ermittlungen habe er versucht, mit Hilfe von Drohungen die Zahlungen zu verdecken. Im Februar nahm der Vatikan eigene Ermittlungen auf. Quelle: Zeit  kathpress


16.5.2019 „Klaus Mertes hat durch sein praktisches Engagement und gleichzeitig durch seine theologischen Analysen die systemischen Gründe des Skandals aufgedeckt“, sagte Laudator Magnus Striet anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Freiburg an Pater Klaus Mertes. Obwohl er als „kirchlicher Nestbeschmutzer“ beschimpft worden sei, höre Mertes seit „zehn Jahren den Opfern zu und half mit, die Schweigespirale in der katholischen Kirche zu durchbrechen“. Quellen: domradio.de  Badische Zeitung


16.5.2019 Informationen zufolge wurde ein Ruhestandspriester der Diözese Würzburg zwei Mal wegen sexuellen Missbrauchs beschuldigt. Ab 2013 wandte sich Alexandra W. an die Diözese Würzburg und warf dem Ruhestandspriester vor, sie im Exerzitienheim Himmelspforten im Jahr 1988 vergewaltigt zu haben. Ein ehemaliger Schüler des Würzburger Kilianeums wandte sich im Dezember 2017 an die Diözese und beschuldigte den Ruhestandspriester des sexuellen Missbrauchs. Beide Fälle wurden der Staatsanwaltschaft übergeben, die die Akten u.a. wegen Verjährung schloss. Der Fall von Alexandra W. wurde auch kirchenrechtlich untersucht, die Akte auf Empfehlung der Glaubenskongregation Ende 2015 endgültig geschlossen.

Nach Recherchen der Mainpost und von Johannes Heibel, Vorsitzender der Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen, soll der Ruhestandspriester inzwischen den sexuellen Missbrauch des Schülers gestanden haben. Das bischöfliche Ordinariat teilte nun mit: „Unabhängig von dem juristisch bereits abgeschlossenen Fall eines ehemaligen Schülers des Kilianeums wird derzeit gemeinsam mit der Betroffenen [Alexandra W.] überlegt, ob das bereits abgeschlossene Verfahren … wieder aufgenommen werden soll.“ Quelle: Mainpost


16.5.2019 Einem kirchlichen Mitarbeiter der Kirchenstiftung St. Philippus und Jakobus in Altötting, Bistum Passau, wurde wegen „möglichen Missbrauchs einer jungen Frau“ fristlos gekündigt. Der Missbrauch soll sich 2006 ereignet haben. Ein weiterer Vorwurf aus dem Jahr 2004 wird ebenfalls geprüft. Bei der Staatsanwaltschaft wurde Anzeige erstattet. Quelle: innsalzach24.de


16.5.2019 Ein spanischer Priester aus der Diözese Ciudad Real wurde vom Papst aus dem Klerikerstand entlassen. Ihm wird vorgeworfen, in einem Priesterseminar mehrere Minderjährige missbraucht zu haben. In einem kirchenrechtlichen Verfahren war er bereits zu einem zurückgezogenen Leben verurteilt worden, hielt sich jedoch nicht daran. In einem staatlichen Prozess droht ihm eine mehrjährige Gefängnisstrafe. Quelle: kathpress.at


16.5.2019 Der frühere Abteilungsleiter der Glaubenskongregation habe sich nicht strafbar gemacht, hat ein Vatikangericht befunden und den Beschuldigten frei gesprochen vom Vorwurf der Belästigung. Das frühere Ordensmitglied Doris Wagner (Reisinger) hat dem Pater vorgeworfen, sie während der Beichte sexuell bedrängt zu haben.

Doris Reisinger berichtet, sie sei von dem Vatikan-Gericht nicht gehört worden. Die Information über das Urteil stamme vom „Das Werk“, nicht von der Apostolischen Signatur. Zudem handle es sich nicht um einen „Freispruch“. Vielmehr habe das Gericht beschlossen, nach den Vorermittlungen keinen Prozess zu eröffnen. Quellen: katholisch.de  twitter.com


16.5.2019 Der französische Orden der „Brüder vom Heiligen Johannes“, der 1986 kirchenrechtlich anerkannt wurde, distanziert sich zum Teil vom Ordensgründer Marie-Dominique Philippe. Ihm wird sexueller Missbrauch mehrerer Ordensfrauen über Jahre hinweg vorgeworfen. Außerdem hat er Geistliche ausgebildet und dabei vermittelt, dass eine innige Freundschaft auch Liebesgefühle impliziere. Der Generalprior Francois-Xavier Cazali sagte, die Einflusslinien, die zu sexuellem Missbrauch führten, gingen auf Philippe zurück. Daher könne er nicht als Vorbild gelten. Sein Platz in der Ordensgemeinschaft werde noch diskutiert.

Gegen mehrere Brüder der Gemeinschaft wurden zivile Strafverfahren angestrengt. Zudem laufen etliche kanonische Verfahren in Rom. Es gibt 32 Beschwerden zu Taten an Erwachsenen. 80 % der Taten fanden im Rahmen geistlicher Begleitung statt.

Dem Orden wurde auch vorgeworfen, moralischen Druck auf Mitglieder ausgeübt zu haben und z.B. den Mitgliedern den Kontakt zu ihren Eltern verboten zu haben. Quelle: katholisch.de


16.5.2019 Die katholischen Bischöfe bewerten die Frauen-Aktion „Maria 2.0“ sehr unterschiedlich: Sie begrüßen die Aktion (Hildesheim, Osnabrück); sie zeigen Verständnis (Essen, Würzburg, Mainz, Hamburg, Freiburg); sie lehnen sie ab (Aachen, Dresden-Meißen, Regensburg) oder sie beziehen keine Stellung (Münster, Trier, Limburg und andere).

Bischof Ackermann hält Maria 2.0 für „nicht hilfreich“. Quellen: katholisch.de  zdf.de

Kommentar:  Die MHG-Studie hatte festgestellt: „Eine Änderung klerikaler Machtstrukturen erfordert eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit dem Weiheamt des Priesters und dessen Rollenverständnis gegenüber nicht geweihten Personen.“ (S. 18) Dazu gehört wesentlich auch die Rolle der Frauen in der katholischen Kirche. Wenn die Mehrheit der katholischen Bischöfe der Frauen-Aktion  „Maria 2.0“ indifferent (?) oder ablehnend gegenübersteht, ist kaum zu hoffen, dass die Bischöfe bereit sind, klerikale Machtstrukturen zu verändern, um sexualisierte Gewalt gegen Minderjährige und schutzbefohlene Erwachsene zu reduzieren.


15.5.2019 Fünf Opfer sexuellen Missbrauchs durch römisch-katholische Geistliche aus den USA haben den Vatikan auf Herausgabe der Namen und Daten von Sexualstraftätern verklagt. Die Kläger seien geschädigt worden, weil der Heilige Stuhl mutmaßlichen Kindesmissbrauch nicht den Strafverfolgungsbehörden gemeldet hat. Die Kläger fordern, dass der Vatikan seine Archive öffnet und die Namen und Daten sexueller Straftäter veröffentlicht.Katholische Kirche soll ihre Archive öffnen – Kläger waren als Kinder missbraucht worden Washington – Fünf Opfer sexuellen Missbrauchs durch römisch-katholische Geistliche aus den USA haben den Vatikan auf Herausgabe der Namen und Daten von Sexualstraftätern verklagt. Die Kläger seien durch die „Praxis des Heiligen Stuhls geschädigt worden, mutmaßlichen Kindesmissbrauch nicht den Strafverfolgungsbehörden zu melden“, heißt es in der am Dienstag (Ortszeit) im US-Staat Minnesota eingereichten Klage. Die Kläger fordern, dass der Vatikan seine Archive öffnet und die Namen und Daten sexueller Straftäter veröffentlicht. Die „Praxis“ des Vatikans, Hinweise auf Verbrechen von Kirchenmitarbeitern zurückzuhalten und zu verstecken, habe „zahlreiche Kinder in Gefahr gebracht“, hieß es in der Klageschrift weiter. Priester verurteilt Ziel sei es, dafür zu sorgen, „dass so etwas nie wieder passiert“, sagte Stephen Hoffman, einer der Kläger. „Ich will nicht, dass irgendjemand das durchmachen muss, was meine Brüder und ich durchgemacht haben. Ich will einfach, dass der Vatikan tut, was richtig ist.“ Hoffman und seine Brüder Luke und Benedict waren als Kinder von einem 2012 verhafteten und inzwischen zu fünf Jahren Gefängnis verurteilten Priester missbraucht worden. Der Fall hatte zum Rücktritt eines Erzbischofs geführt. „Weil es aufhören muss“ Ein weiterer Kläger, der inzwischen 51 Jahre alte Jim Keenan, war nach eigenen Angaben in den 70er Jahren von einem Priester missbraucht worden. Die Taten waren laut Keenans Angaben von der römisch-katholischen Kirche dokumentiert, aber nicht gemeldet worden. „Ich bin hier, um den Papst und den Vatikan zu verklagen, weil es aufhören muss“, sagte der 51-Jährige. „Sie stehen nicht über uns.“ Bei dem fünften Kläger handelt es sich um den heute 53-jährigen Manuel Vega. Er ist eines von 30 Opfern eines mexikanischen Priesters, der sich laut Vega nach Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe nach Mexiko abgesetzt hatte. „Er ist nicht zu finden“, sagte Vega. „Soweit ich gehört habe, ist er irgendwo in Mexiko oder Spanien und praktiziert weiter, ist weiter gefährlich.“ Meldepflicht eingeführt Papst Franziskus hatte in der vergangenen Woche eine interne Meldepflicht für Missbrauchsfälle innerhalb der römisch-katholischen Kirche eingeführt. Priester, andere Kleriker und Ordensleute müssen jeden Verdachtsfall und jede versuchte Vertuschung der Kirche melden – allerdings nicht bei den Behörden anzeigen. Die römisch-katholische Kirche wurde in den vergangenen Jahren von zahlreichen Missbrauchsskandalen in aller Welt erschüttert. (APA, 15.5.2019) – derstandard.at/2000103165218/Missbrauchsopfer-verklagten-Vatikan-auf-Herausgabe-von-Taeternamen

Katholische Kirche soll ihre Archive öffnen – Kläger waren als Kinder missbraucht worden Washington – Fünf Opfer sexuellen Missbrauchs durch römisch-katholische Geistliche aus den USA haben den Vatikan auf Herausgabe der Namen und Daten von Sexualstraftätern verklagt. Die Kläger seien durch die „Praxis des Heiligen Stuhls geschädigt worden, mutmaßlichen Kindesmissbrauch nicht den Strafverfolgungsbehörden zu melden“, heißt es in der am Dienstag (Ortszeit) im US-Staat Minnesota eingereichten Klage. Die Kläger fordern, dass der Vatikan seine Archive öffnet und die Namen und Daten sexueller Straftäter veröffentlicht. Die „Praxis“ des Vatikans, Hinweise auf Verbrechen von Kirchenmitarbeitern zurückzuhalten und zu verstecken, habe „zahlreiche Kinder in Gefahr gebracht“, hieß es in der Klageschrift weiter. Priester verurteilt Ziel sei es, dafür zu sorgen, „dass so etwas nie wieder passiert“, sagte Stephen Hoffman, einer der Kläger. „Ich will nicht, dass irgendjemand das durchmachen muss, was meine Brüder und ich durchgemacht haben. Ich will einfach, dass der Vatikan tut, was richtig ist.“ Hoffman und seine Brüder Luke und Benedict waren als Kinder von einem 2012 verhafteten und inzwischen zu fünf Jahren Gefängnis verurteilten Priester missbraucht worden. Der Fall hatte zum Rücktritt eines Erzbischofs geführt. „Weil es aufhören muss“ Ein weiterer Kläger, der inzwischen 51 Jahre alte Jim Keenan, war nach eigenen Angaben in den 70er Jahren von einem Priester missbraucht worden. Die Taten waren laut Keenans Angaben von der römisch-katholischen Kirche dokumentiert, aber nicht gemeldet worden. „Ich bin hier, um den Papst und den Vatikan zu verklagen, weil es aufhören muss“, sagte der 51-Jährige. „Sie stehen nicht über uns.“ Bei dem fünften Kläger handelt es sich um den heute 53-jährigen Manuel Vega. Er ist eines von 30 Opfern eines mexikanischen Priesters, der sich laut Vega nach Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe nach Mexiko abgesetzt hatte. „Er ist nicht zu finden“, sagte Vega. „Soweit ich gehört habe, ist er irgendwo in Mexiko oder Spanien und praktiziert weiter, ist weiter gefährlich.“ Meldepflicht eingeführt Papst Franziskus hatte in der vergangenen Woche eine interne Meldepflicht für Missbrauchsfälle innerhalb der römisch-katholischen Kirche eingeführt. Priester, andere Kleriker und Ordensleute müssen jeden Verdachtsfall und jede versuchte Vertuschung der Kirche melden – allerdings nicht bei den Behörden anzeigen. Die römisch-katholische Kirche wurde in den vergangenen Jahren von zahlreichen Missbrauchsskandalen in aller Welt erschüttert. (APA, 15.5.2019) – derstandard.at/2000103165218/Missbrauchsopfer-verklagten-Vatikan-auf-Herausgabe-von-Taeternamen

tholische Kirche soll ihre Archive öffnen – Kläger waren als Kinder missbraucht worden Washington – Fünf Opfer sexuellen Missbrauchs durch römisch-katholische Geistliche aus den USA haben den Vatikan auf Herausgabe der Namen und Daten von Sexualstraftätern verklagt. Die Kläger seien durch die „Praxis des Heiligen Stuhls geschädigt worden, mutmaßlichen Kindesmissbrauch nicht den Strafverfolgungsbehörden zu melden“, heißt es in der am Dienstag (Ortszeit) im US-Staat Minnesota eingereichten Klage. Die Kläger fordern, dass der Vatikan seine Archive öffnet und die Namen und Daten sexueller Straftäter veröffentlicht. Die „Praxis“ des Vatikans, Hinweise auf Verbrechen von Kirchenmitarbeitern zurückzuhalten und zu verstecken, habe „zahlreiche Kinder in Gefahr gebracht“, hieß es in der Klageschrift weiter. Priester verurteilt Ziel sei es, dafür zu sorgen, „dass so etwas nie wieder passiert“, sagte Stephen Hoffman, einer der Kläger. „Ich will nicht, dass irgendjemand das durchmachen muss, was meine Brüder und ich durchgemacht haben. Ich will einfach, dass der Vatikan tut, was richtig ist.“ Hoffman und seine Brüder Luke und Benedict waren als Kinder von einem 2012 verhafteten und inzwischen zu fünf Jahren Gefängnis verurteilten Priester missbraucht worden. Der Fall hatte zum Rücktritt eines Erzbischofs geführt. „Weil es aufhören muss“ Ein weiterer Kläger, der inzwischen 51 Jahre alte Jim Keenan, war nach eigenen Angaben in den 70er Jahren von einem Priester missbraucht worden. Die Taten waren laut Keenans Angaben von der römisch-katholischen Kirche dokumentiert, aber nicht gemeldet worden. „Ich bin hier, um den Papst und den Vatikan zu verklagen, weil es aufhören muss“, sagte der 51-Jährige. „Sie stehen nicht über uns.“ Bei dem fünften Kläger handelt es sich um den heute 53-jährigen Manuel Vega. Er ist eines von 30 Opfern eines mexikanischen Priesters, der sich laut Vega nach Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe nach Mexiko abgesetzt hatte. „Er ist nicht zu finden“, sagte Vega. „Soweit ich gehört habe, ist er irgendwo in Mexiko oder Spanien und praktiziert weiter, ist weiter gefährlich.“ Meldepflicht eingeführt Papst Franziskus hatte in der vergangenen Woche eine interne Meldepflicht für Missbrauchsfälle innerhalb der römisch-katholischen Kirche eingeführt. Priester, andere Kleriker und Ordensleute müssen jeden Verdachtsfall und jede versuchte Vertuschung der Kirche melden – allerdings nicht bei den Behörden anzeigen. Die römisch-katholische Kirche wurde in den vergangenen Jahren von zahlreichen Missbrauchsskandalen in aller Welt erschüttert. (APA, 15.5.2019 – derstandard.at/2000103165218/Missbrauchsopfer-verklagten-Vatikan-auf-Herausgabe-von-Taeternamenhttps://derstandard.at/2000103165218/Missbrauchsopfer-verklagten-Vatikan-auf-Herausgabe-von-Taeternamen

Quellen: der standard  orf


15.5.2019 Der Luzerner Kirchenrechtler Adrian Loretan weist darauf hin, dass sich die katholische Kirche weltweit für den Schutz der individuellen Menschenrechte einsetzt, nicht jedoch für den Schutz der Menschenrechte innerhalb der katholischen Kirche. Das mache sie unglaubwürdig. Sie müsse das Kirchenrecht ändern, Opfern sexueller Gewalt rechtliches Gehör verschaffen und Rechtsansprüche auf Entschädigung ermöglichen. Diese Aufgabe könnten neu zu schaffende Verwaltungsgerichte übernehmen. Das II. Vatikanische Konzil habe theologisch die Würde der menschlichen Person und deren Rechte, u.a. die gleiche Würde von Mann und Frau anerkannt und betont, dass es keine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts in der Kirche geben dürfe. Diese menschenrechtlichen Aussagen des Konzils würden aber nicht wirklich rechtlich durchgesetzt. Daher seien die darauf bezogenen Konzilsaussagen Makulatur. Loretan sieht die Langsamkeit Roms und empfiehlt den Bischofskonferenzen oder Partikularkonzilien, voranzugehen. Die notwendige Dezentralisierung der Problemlösungen würde von Papst Franziskus unterstützt (Evangelii Gaudium Nr. 16). Quelle: feinschwarz.net


15.5.2019 Agnes Wuckelt, Theologin und stellvertretende Bundesvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD) geht davon aus, dass Frauen in der katholischen Kirche lautlos ausziehen werden und zwar in Scharen, wenn ihr Ruf nach Gleichberechtigung nicht gehört wird. Quelle: fr.de


15.5.2019 Die Erzdiözese Los Angeles hat sich einem privaten Kompensationsprogramm für Opfer von Diözesanpriestern angeschlossen. Das neue Programm erweitert die Bemühungen der Kirche um Seelsorge (!) und um finanzielle Unterstützung für Opfer. Die Erzdiözese bietet seit vielen Jahren Seelsorge und finanzielle Unterstützung an, versteht aber, dass einige Überlebende keine Hilfe in der Kirche suchen. Daher gibt es nun das Angebot eines „Independent Compensation Program for Victim-Survivors of Sexual Misuse of Minors by Priests“, das kirchenunabhängig ist. Quelle: vaticannews.va


15.5.2019 Die Staatsanwaltschaft Limburg hat die mutmaßlichen Missbrauchsfälle im Bistum Limburg überprüft. Die Vorfälle seien entweder verjährt oder besäßen keine strafrechtliche Relevanz oder seien bereits Gegenstand von Ermittlungen gewesen. Quelle: mittelhessen.de


14.5.2019 Der Berliner Erzbischof Heiner Koch, Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und der evangelische Berliner Bischof Markus Dröge haben Opfer von Misshandlungen und Medikamentenversuchen aus staatlichen und kirchlichen Behinderteneinrichtungen um Entschuldigung gebeten. Erzbischof Koch sagte, die Betroffenen hätten viel zu lange um Anerkennung kämpfen müssen, aber jetzt stünden „wir“ zu der Verantwortung. Quelle: katholisch.de


14.5.2019 Michael Ebertz, Religionssoziologe und Theologe, über den Zustand der katholischen Kirche: „Kirche in der Krise, doch der Klerus will sich nicht ändern.“ Quelle: faz


14.5.2019 Die Kirche in Polen hat ein Denkmal des heiligen Johannes Paul II. im westpolnischen Wallfahrtsort Lichen verhüllt. Das Denkmal zeigt einen Priester, der vor Johannes Paul II. kniet und ihm ein Modell der dortigen Basilika übergibt. Der in dem Denkmal dargestellte Priester, Eugeniusz Makulski (91), wird in dem Dokumentarfilm „SAG ES NIEMANDEM“ (Triggergefahr!) von Marek und Tomasz Sekielski des sexuellen Missbrauchs beschuldigt. Inzwischen wurden ihm alle pastoralen Tätigkeiten untersagt. Die für das Denkmal zuständige polnische Provinz des Männerordens der Marianer von der unbefleckten Empfängnis der allerseligsten Jungfrau Maria (MIC) werde entscheiden, was mit dem Denkmal geschehen soll.

Der Film zeigt Begegnungen von Opfern pädophiler Priester mit ihren einstigen Peinigern. Einige der Priester gestehen den Missbrauch, bitten um Vergebung und bieten manchmal finanzielle Entschädigung an. Deutlich wird auch, dass beschuldigte Priester in andere Gemeinden versetzt wurden, in denen sie erneut mit Minderjährigen zu tun hatten.

Der Vorsitzende der polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislaw Gadecki, entschuldigte sich bei den Opfern.

Der Justizminister und Generalstaatsanwalt Zbigniew Ziobro hat eine Gruppe von Staatsanwälten mit der Analyse der im Film geschilderten Missbrauchsfälle beauftragt. Die Oppositionspartei Bürgerplattform (PO) brachte einen Gesetzentwurf ein, mit dem sie die Verjährung von Sexualverbrechen an Kindern abschaffen will.

Der Krakauer Erzbischof Slawoj  Glodz wurde gefragt, was er von der Dokumentation halte. Er antwortete: „Ich hatte gestern andere Angelegenheiten und schaue mir nicht einfach irgendwas an.“ Slawoj Leszek Glodz

Krakauer Erzbischof Slawoj Leszek Glodz befragt, was er von der Dokumentation hält. Er antwortete darauf lediglich: „Ich hatte gestern andere Angelegenheiten und schaue mir nicht einfach irgendwas an.“
Krakauer Erzbischof Slawoj Leszek Glodz befragt, was er von der Dokumentation hält. Er antwortete darauf lediglich: „Ich hatte gestern andere Angelegenheiten und schaue mir nicht einfach irgendwas an.“
Krakauer Erzbischof Slawoj Leszek Glodz befragt, was er von der Dokumentation hält. Er antwortete darauf lediglich: „Ich hatte gestern andere Angelegenheiten und schaue mir nicht einfach irgendwas an.“
Krakauer Erzbischof Slawoj Leszek Glodz befragt, was er von der Dokumentation hält. Er antwortete darauf lediglich: „Ich hatte gestern andere Angelegenheiten und schaue mir nicht einfach irgendwas an.“

Quelle: katholisch.de  focus.de


14.5.2019 Die Theologische Fakultät der Universität Freiburg verleiht Pater Klaus Mertes, SJ,  die Ehrendoktorwürde.

Quelle: Badische Zeitung


14.5.2019 In Lügde haben die Hauptbeschuldigten an mehr als 40 Kindern schwerste Missbrauchshandlungen begangen. Einer der Hauptbeschuldigten soll Kinder gezwungen haben, an anderen Kindern sexuelle Handlungen vorzunehmen. Quelle: Süddeutsche


13.5.2019 Hinweis auf den Dokumentarfilm von Christoph Röhl über den Aufstieg und Fall von Joseph Ratzinger „Verteidiger des Glaubens“. Quelle: welt.de


13.5.2019 Einem früheren kath. Priester in Warendorf, Bistum Münster, wird von einem heute 58-Jährigen vorgeworfen, Nacktfotos von dem damals 20-Jährigen nach einem von mehreren seelsorgerlichen Gesprächen gemacht zu haben. Der junge Mann war so konsterniert gewesen, dass er der Forderung, sich auszuziehen und fotografieren zu lassen, gefolgt sei. Obwohl der junge Mann sich danach zurückgezogen habe, habe der Pfarrer ihm mehrere persönliche und und unmissverständlich schwärmerische Briefe geschrieben. Es gibt den Hinweis, auf einen weiteren Betroffenen.

Der Pfarrer war auch in Kranenburg, in Ahlen und St. Viktor Xanten, im Altkreis Moers, in Xanten, in Warendorf, in Büderisch, im Kreis Wesel und in Ginderich tätig. Das Bistum teilte mit, dass erste Vorwürfe 2011 bekannt wurden. Das Bistum will dem Betroffenen, der die Meldung gemacht hat, seinem Wunsch entsprechend die Kontaktaufnahme zu weiteren möglichen Betroffenen ermöglichen. Quelle: wn.de  rp-online.d4 14.5.2019


9.5.2019 Mehrere argentinische Opferorganisationen – „Iglesia sin Abusos“ und „Bishop Accountability“ – wollen mit dem Papst sprechen. Sie machten eine Kundgebung vor dem Gebäude des Erzbistums Mendoza, und vor dem Instituto Provolo in Lujan de Cuyo, Argentinien. Dort sollen Priester taubstumme Kinder missbraucht haben. Zuletzt seien zwei der beschuldigten Priester nach Italien versetzt worden, gegen die konkrete Missbrauchsvorwürfe vorlägen. Die argentinische Justiz könne die beiden Geistlichen zwar verhaften lassen, habe aber keinen Zugriff auf sie, weil sie sich außer Landes befänden. Die Opfergruppen beklagen eine schleppende juristische Aufklärung und den Mangel an Unterstützung für die taubstummen Leidtragenden nach der Schließung des Instituts 2016. Anne Barrett Doyle, „Bishop Accountability“, macht Papst Franziskus und seinen Vorgänger für die Vorfälle im Instituto Provolo mitverantwortlich. Beide hätten gewusst, dass ein umstrittener Geistlicher dort tätig gewesen sein. Quelle: Domradio


9.5.2019 Der Papst hat das Motu Proprio „Vos estis lux mundi“ veröffentlicht. Neue Regelungen gelten:

  • Innerkirchliche Meldepflicht für Missbrauchsfälle: Alle Kleriker und Ordensleute sind verpflichtet, „unverzüglich alle ihnen bekannt gewordenen Berichte über Missbrauch“ zu melden. Sie müssen auch jeden Versuch, eine Tat zu vertuschen und den Täter zu decken, melden. Laien sind zur Meldung angehalten. Ob die Meldepflicht auch für Missbrauchstäten in katholischen Laiengruppierungen gilt, scheint unklar.
  • Das Motu Proprio umfasst sexuelle Gewalt und Missbrauch von Autorität an Minderjährigen (bis 18 Jahre), an  schutzbedürftigen Menschen, an Ordensleuten und volljährigen Seminaristen und Novizen.

  • Einrichtung verpflichtender Anlaufstellen in jedem Bistum bis Juni 2020, die der Öffentlichkeit leicht zugänglich sein müssen. Dass die Anlaufstellen unabhängig sein müssen, wird nicht vorausgesetzt. Opfer müssen vor Vergeltungsmaßnahmen geschützt sein und dürfen keiner Diskriminierung ausgesetzt sein. Sie unterliegen keinerlei Schweigepflicht zum Inhalt der Vorwürfe. Damit wird das bisher geltende Päpstliche Geheimnis in Missbrauchsfällen aufgehoben. Die Opfer und ihre Familien müssen „mit Würde und Respekt behandelt werden und angemessene spirituelle (!), medizinische und psychologische Unterstützung erhalten“.
  • Verfahren zum Umgang mit Vorwürfen gegen Bischöfe. In Verfahren gegen Bischöfe, die Zivilermittlungen oder kanonische, administrative oder strafrechtliche Ermittlungen gegen Kleriker oder Ordensleute in Bezug auf die Verbrechen des sexuellen Missbrauchs stören oder umgehen, muss der Erzbischof der Metropolie (Erzbischöfe von Köln, München, Hamburg, Berlin, Paderborn, Bamberg und Freiburg) Ermittlungen durchführen und innerhalb von 30 Tagen melden. Das zuständige Dikasterium informiert das mutmaßliche Opfer binnen 90 Tagen über den Stand der Voruntersuchungen. Wenn einem Bischof Vertuschung nachgewiesen wird, gelten die bereits existierenden kanonischen Vorschriften. (Ob Bischöfe gegen ihresgleichen vorgehen werden, bleibt abzuwarten.)
  • Meldepflichtig sind Missbrauchsfälle an zuständige zivile Behörden nur, wenn der Staat eine Meldepflicht vorsieht. (In Deutschland sind Mitarbeiter*innen der Kirchen nicht dazu verpflichtet, Straftaten anzuzeigen.)
  • Das Gesetz gilt ab 1. Juni 2019. Es bezieht sich nicht auf vorher stattgefundene Vertuschungen und Missbrauchsfälle.
  • Die kirchenrechtloch vorgesehenen Strafen (Höchststrafe: Laisierung) wurden nicht verändert.

Quellen: vaticannews.va

9.5.2019 Die Oberstaatsanwältin Andrea Grape teilte mit, dass sie bei dem Eichstätter Diözesanpriester keinen Anfangsverdacht sieht. Dem Priester war vorgeworfen worden, einen Untergebenen sexuell bedrängt zu haben. Bereits 2012 seien erste Vorwürfe über das Portal kreuz.net öffentlich geworden. Der Priester spricht von einer „böswilligen Verleumdung“. Er lässt seine kirchlichen Ämter bis zur Klärung der Anschuldigungen ruhen. Quelle: donaukurier.de 


8.5.2019 Im Erzbistum Köln sagt Pater Romano Christen vor Priesteramtskandidaten, Homosexualität sei nicht angeboren, sondern die Folge einer psychologischen (Fehl)Entwicklung. Homosexuelle Liebe sei weniger eine reale Begegnung mit einem Du, sondern „eine narzisstische Suche“. Die „Fixierung auf die Lust“ solle „die eigene innere Wunde heilen und das Selbstmitleid stillen“. Homosexualität sei heilbar. Pater Christen ist seit 2015 Direktor des Erzbischöflichen Theologenkonviktes Collegium Albertinum und seit 1998 Geistlicher Leiter der dt. Abteilung der Bewegung „Communione e Liberazione“. Quelle: Süddeutsche


8.5.2019 Papst Franziskus sagte, zu einem möglichen Diakonat der Frau in der katholischen Kirche gebe es „in absehbarer Zeit keine Entscheidung“. Zwar habe die von ihm eingesetzte Kommission ihre Arbeit beendet, sei aber zu keinen gemeinsamen Schlussfolgerungen gekommen. Es brauche weitere Studien. Quelle: kathpress

Ohne Kommentar


8.5.2019 Argentinische Missbrauchsopfer von Klerikern haben Papst Franziskus aufgefordert, sie persönlich im Vatikan zu empfangen. Peter Isley von ECA sagt, der Papst sei „nicht in der Lage, mit den Opfern von Missbrauch in seinem Heimatland eine Beziehung aufzubauen“. Quelle: religion.orf.at


8.5.2019 Sonja Strube analysiert das rechte katholische Spektrum mit der Erklärung von Adorno zur autoritären Persönlichkeit. Quelle: katholisch.de


7.5.2019 Am 13. Mai soll die Entscheidung fallen, mit welcher „Geste“ die Opfer der „Colonia Dignidad“ bedacht werden sollen. Von Entschädigung ist keine Rede, weil damit ein Präzedenzfall für andere Opfer geschaffen würde, z.B. für Hereros, Namibia. Im Gespräch ist eine einmalige Zahlung von ca 5.000 Euro. Quelle: tagesschau.de


7.5.2019 Seit 2017 gibt es einen Missbrauchsverdacht gegen den griechisch-katholischen Bischof von Kosice/Slowakei, Milan Chautur. Nun hat der Apostolische Nuntius in Großbritannien, Erzbischof Edward Joseph Adams, der Klägerin Martina O’Connor mitgeteilt, dass die Glaubenskongregation die kanonische Untersuchung ihres Falles eingeleitet habe. 2017 wiesen die Behörden die Anschuldigungen zurück, gaben jedoch Ende 2018 bekannt, dass der Fall neu aufgerollt werde. Der Bischof hält es für etwas Normales, ein sechsjähriges Mädchen an den Brüsten und am Gesäß anzufassen. Die katholische Bischofskonferenz steht ebenso wie die meisten Gläubigen hinter dem Beschuldigten. Quelle: kathpress


7.5.2019 Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen 41-Jährigen, der mindestens vier Jungen zwischen neun und elf Jahren missbraucht haben soll. Die Taten sollen zwischen 2009 und 2013 im Pfadfinderstamm Lazarus von Schwendi der evangelischen Kirchengemeinde Staufen und zwischen 2014 und 2018 in der Freizeit stattgefunden haben. Hinweise auf Mittäter gebe es nicht. Der Verdächtige musste sich bereits in einem Strafverfahren wegen sexuellen Missbrauchs in den Jahren 2004 bis 2007 verantworten. Damals wurde er freigesprochen, weil Aussage gegen Aussage stand. – Gegen einen zweiten Betreuer der Pfadfinder in Staufen wird wegen sexuellen Kindesmissbrauchs vor sechs oder sieben Jahren an einem damals 13 und 14 Jahre alten Mädchen ermittelt. – Einen Zusammenhang zwischen einem Missbrauchsfall, der sich 2015 bis 2017 in Staufen ereignete, gibt es nicht. Die Frau und ihr Lebensgefährte hatten ihren Sohn jahrelang vergewaltigt und anderen zum Missbrauch überlassen. Quelle: Spiegel.de


7.5.2019 Die chilenische Bischofskonferenz und die Staatsanwaltschaft hatten vor einer Woche ein Abkommen getroffen. Damit sollte der Wille der katholischen Kirche in Chile dokumentiert werden, dass sie bei der Aufklärung von priesterlichen Missbrauchsfällen mit den staatlichen Behörden zusammenarbeite. Vorgesehen war, dass die Kirczhe den Ermittlungsbehörden gezielt Informationen übermitteln, um die Missbrauchsaufklärung voranzutreiben. Durchgesetzt hat sich die Lesart, die Kirche könne von der Staatsanwaltschaft eine Art Sonderstatus erwarten. Opferverbände kritisierten die Regelung scharf. Nach Gesprächen mit Opfergruppen kündigte der Generalstaatswanwalt Jorge Abbott das Abkommen. Der Staatsanwaltschaft sagte, sein Fehler sei gewesen, das Abkommen ohne vorherige Anhörung der Opfer getroffen zu haben.- Derzeit ermittelt die chilenische Justiz Laut Medienberichten ermittelt die Justiz derzeit in mehr als 150 Fällen gegen mehr als 200 Kirchenmitarbeiter. Gegen ranghohe Kirchenvertreter laufen Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Vertuschung. Quelle: katholisch.de


7.5.2019 Die Liturgiewissenschaftler Benedikt Kranemann und Jürgen Bärsch weisen darauf hin, dass Aspekte der Liturgie Machtvorstellungen bei Priestern begünstigen können und zu einer „Habitualisierung von Selbstüberschätzung über den Gottesdienst hinaus“ führen könne. Quelle: katholisch.de


6.5.2019 Der Kirchenhistoriker Hubertus Wolf erinnert an vergessene Optionen in der Tradition der Kirche. Sie könnten „das Gesicht der Kirche nachdrücklich verändern, ohne dadurch ihre Katholizität infrage zu stellen“. Vielmehr könne sie „aus der Vielfalt ihrer Tradition schöpfen.“
Quelle: kathpress


6.5.2019 Bischof Bode sagte anlässlich eines Gesprächs in einer Kirchengemeinde, in der ein Priester Kinder missbraucht hat: „Wir dürfen nicht in der Verstörung gefangen bleiben … Wir kommen nicht weiter, wenn wir aus dem Vertrauensverlust nicht wieder herauskommen. Versöhnung und Heilung müssen möglich werden.“ Quelle: katholisch.de

Kommentar: Bischof Bode übersieht, dass es zwar für viele Betroffene Besserung gibt, jedoch keine Heilung. Und er unterschätzt die Schwierigkeit der Versöhnung mit Tätern, die sich chronisch für unschuldig halten und die Versöhnung mit  Kirchenleitungen, die die Täter jahrzehntelang schützten und nur zögernd, unwillig, unter Druck oder gar nicht bereit sind, ihre Verantwortung für Vertuschung zu bekennen und Konsequenzen zu ziehen. Richtig ist, dass Kirche nicht „in der Verstörung gefangen bleiben“ darf. Sie könnte z.B. offensiv auf Betroffene zugehen und mit ihnen zusammen überlegen, wie sie unterstützt werden können.


6.5.2019 Ein ehemaliger Pfadfinder und früherer Mitarbeiter der evangelischen Kirchengemeinde Staufen, Badische Landeskirche, sitzt wegen Vorwürfen sexuellen Missbrauchs mehrerer Kinder seit etwa einem Monat in U-Haft. Die Fälle sollen sechs und mehr Jahre zurückreichen, aber auch noch im Herbst 2018 begangen worden sein. Die Badische Landeskirche teilte mit, dass der Beschuldigte seit mehreren Jahren nicht mehr in einem kirchlichen Arbeitsverhältnis stehe. Quelle: suedkurier.de


6.5.2019 Papst Franziskus hat einen 43-jährigen Priester der Gemeinschaft „Piccola Casetta di Nazareth“, bei Neapel, aus dem Klerikerstand entlassen. Der Priester soll ein 14-jähriges Mädchen während einer Dämonenaustreibung mit Schlägen und Anspucken misshandelt haben. Außerdem wird er sexueller Übergriffe gegen zwei weibliche Jugendliche beschuldigt. Die Staatsanwaltschaft ist seit Februar 2018 eingeschaltet. Der Bischof von Aversa hatte den Geistlichen zuvor suspendiert. Mitangeklagt sind die Eltern des Exorzismus-Opfers und der Lewiter der örtlichen Polizeikommission, der der „sektenähnlichen Gemeindschaft“ angehört und Ermittlungen verhindert haben soll. Quelle: katholisch.de


6.5.2019 Ab heute können sich Menschen, die in Sportvereinen Missbrauch erlitten haben, bei der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung von sexuellem Kindesmissbrauch melden und ihre Geschichte in vertraulichen Anhörungen erzählen. Die Vorsitzende, Sabine Andresen, geht davon aus, dass die Dimension der Übergriffe im Sport ähnlich groß ist wie in der katholischen Kirche. Quellen: deutschlandfunk.de  Bericht einer Betroffenen   s. auch die vorläufigen Ergebnisse einer Studie 2016 der Deutschen Sportjugend.


5.5.2019 Evangelische Morgenfeier von Kirchenrätin Melitta Müller-Hansen, München, Sonntag Misericordias Domini: Vom guten Hirten (Joh 10, 11-18) 


4.5.2019 Wort zum Sonntag von Veronika Jehle: „Meinen Gott finde ich bei den Opfern. Und überall, wo die Kirche dort nicht ist, führt sie sich ad absurdum.“ Quelle: kath.ch


4.5.2019 Das Bistum Münster geht neuen Hinweisen auf sexuellen Missbrauch durch einen Priester nach. Aus dem Kreis Kleve meldeten sich zwei mutmaßliche Opfer des Geistlichen mit neuen Anschuldigungen. Einer der Betroffenen habe angegeben, den Missbrauch bereits im Jahr 1993 mitgeteilt zu haben. Zu diesem Zeitpunkt lebte der beschuldigte Priester noch. Bislang hatte das Bistum erklärt, dass es weder zu seinen Lebzeiten Hinweise gab noch sich Hinweise in seiner Personalakte befinden. Diese Aussage ist inzw. von der Internetseite des Bistums entfernt worden. Quelle: www1.wdr.de


4.5.2019 Werner Busch setzt sich mit Kardinal Ratzingers Missbrauchstext und Drewermanns Neuauflage des Kleriker-Buchs auseinander und stellt fest, dass weder die Flucht in die Entweltlichung noch die Verabsolutierung des psychotherapeutischen Blickwinkels im Umgang mit den kirchlichen Missbrauchsfällen hilft. Helfen könne „die Liebe zur Wahrheit und das Ringen um Gerechtigkeit“. Quelle: feinschwarz.net


3.5.2019 Erzbischof Gänswein berichtet, dass die Stellungnahme von Kardinal Ratzinger zum Missbrauchsskandal mit Papst Franziskus abgesprochen worden sei.

Quelle: vaticannews


3.5.2019 Der Internationalen Vereinigung von Generaloberinnen (UISG) wurden im vergangenen halben Jahr kaum neue Fälle sexuellen Missbrauchs an Ordensfrauen gemeldet. Berichte über „unangemessene Annäherungen“ häuften sich jedoch. Die UISG umfasst fast 2000 Orden, die mehr als 450.000 Ordensfrauen weltweit vertreten. Quelle: katholisch.de


3.5.2019 Das Verfahren gegen den Düsseldorfer Stadtdechanten, Erzbistum Köln, wegen sexueller Belästigung eines Erwachsenen wurde eingestellt. Das Erzbistum Köln kündigte zugleich ein kirchenrechtliches Verfahren an. Weitere Vorwürfe werden derzeit noch ermittelt. Quelle: katholisch.de


2.5.2019 Die katholische Kirche in Australien lässt die Strukturen in Bistümern, Gemeinden und Orden von einem Expertengremium überprüfen. Ziel seien Verbesserungen etwa in Sachen Transparenz, Verantwortlichkeit und Mitwirkung der Laien. Quelle: vaticannews


1.5.2019 Pater Hans Zollner kritisiert die stockende Missbrauchsaufarbeitung in den Kirchen Mittel- und Osteuropas. Die Ursache sieht er darin, dass es in ehemals kommunistischen Staaten schwierig sei, mit staatlichen Stellen, speziell der Polizei, zusammenzuarbeiten. Dort habe man als Katholik*in ein kirchenfeindliches und kirchenzerstörerisches Klima erlebt und die Kirche als einzigen Ort der Freiheit erlebt. Dass die deutschen Bischöfe nur aufgrund gesellschaftlichen Drucks gegen Missbrauch vorgingen, sei ein falscher Eindruck. Alle Bischöfe seien betroffen und berührt, aber „wir“ schafften „es nicht, das auch emotional authentisch zu kommunizieren“. Quelle: vaticannews


30.4.2019 Generalvikar Klaus Pfeffer, Bistum Essen, hat Verständnis für den Ärger der Gläubigen über die schleppende Aufklärung von Missbrauchsfällen. Er ist enttäuscht, wie schwer sich die Bischofskonferenz tue. Zurückhaltend ist er bei einer Beurteilung des Handelns früherer Essener Bischöfe. Da gehe es vor allem um Bischof Hengsbach. – Das Bistum Essen (gegr. 1958) nennt 85 Opfer von sexuellen Übergriffen und 60 beschuldigte Geistliche. 19 Priester seien verurteilt worden: sieben von ihnen straf- und kirchenrechtlich, vier nur strafrechtlich und acht nur kirchenrechtlich. Bei den übrigen 41 Priester gebe es ernstzunehmende Hinweise auf Missbrauchstaten. Quelle: waz

Kommentar: Wo die 29 Missbrauchsmeldungen aus dem Jahr 2018, von denen zwölf das Ruhrbistum betreffen, geblieben sind, wird nicht erklärt.


30.4.2019 Die Frauenbeilage des „Osservatore Romano“ hat eine neue Redaktion. Die Leiterin ist die italienische Journalistin Rita Pinci. Der Redaktion gehören auch die deutsche Kunsthistorikerin Yvonne Dohna Schlobitten und die iranische Islamwissenschaftlerin Shahrzad Houshmand Zadeh an. Unter den vier nicht aus Italien stammenden neuen Mitarbeitern ist auch die Spanierin Marta Rodríguez Díaz von der Universität der konservativen Ordensgemeinschaft Legionäre Christi in Rom. Quelle: faz.net


30.4.2019 Pater Zollner sagt, die katholische Kirche müsse rasch klären, welche Sanktionen Bischöfe zu erwarten haben, die Missbrauch vertuschen. Das hatte er bereits Anfang Juni 2016 festgestellt. Zudem fordert er, dass „wir“ zugeben müssten, dass „wir“ „wegen des Missbrauchs in einer Krise stecken.“ Quelle: domradio


30.4.2019 Gegen einen Vertrauten des ehemaligen Papstes Benedikt XVI., der heute als Domkapitular im Bistum Eichstätt arbeitet, erhebt ein Priester den Vorwurf, von dem Vorgesetzten sexuell bedrängt worden zu sein. Sein Fall sei im Vatikan bekannt, es lägen medizinische Unterlagen vor, die die Vorwürfe belegten. Der Beschuldigte weist die Vorwürfe zurück. Sein Anwalt spricht von „böswilliger Verleumdung“. Im Bistum Eichstätt sollen bereits 2012 Hinweise auf sexuelle Übergriffe des Beschuldigten gegenüber Erwachsenen eingegangen sein. Untersuchungen hätten die Vorwürfe nicht bestätigt, es sei auch kein Handeln im Sinne der Leitlinien nötig gewesen. (Die Leitlinien von 2010, die 2012 gültig waren, galten nur im Blick auf Minderjährige, nicht im Blick auf erwachsene Schutzbefohlene oder Untergebene.) Quelle: katholisch.de


29.4.2019 In Spanien wurde Joaquín Benítez, ein ehemaliger Lehrer an einer Ordensschule der Maristen wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger zu 21 Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Er hatte 4 Opfer, an die er 120.000 Euro zahlen muss; wenn er zahlungsunfähig ist, muss der Orden einspringen. Bereits verjährte weitere Missbrauchsfälle wurden nicht verhandelt. Quelle: welt.de


29.4.2019 Gegen elf Priester des Erzbistums Paderborn wird von den örtlichen Staatsanwaltschaften wegen Missbrauchsvorwürfen ermittelt. Geprüft werden Verjährungsfristen und Tatnachweise in den elf Fällen, in denen die Beschuldigten noch am Leben sind und nicht bereits Gegenstand eines Strafverfahrens waren.

In weiteren acht Verfahren sind die Beschuldigten unbekannt. In einem aktuellen Fall wird derzeit ermittelt. Bereits im Januar 2019 waren zwei weitere neue Missbrauchsrfälle bekanntgeworden. Die Ermittlungen richten sich gegen einen Priester und einen Kirchenmitarbeiter. Quelle: Mindener Tageblatt


29.4.2019 Bischof Bode, Osnabrück, besucht Kirchengemeinden in Osterbrock, Meppen, Hagen-Gellenbeck und Merzen. Das sind Gemeinden, in denen Priester Minderjährige sexuell missbraucht haben. Quelle: domradio


29.4.21019 Die 22 katholischen Akademien in Deutschland haben die Initiative „Strukturen des Missbrauchs überwinden“ gestartet. Sie wollen Debatten über Macht in der Kirche, Sexualmoral, priesterliche Lebensform forcieren. Quelle: domradio


29.4.2019 Bischof Hanke, Eichstätt, bekennt sich mitschuldig an der Vertuschung kirchlicher Missbrauchsfälle. Die kirchliche Reaktion auf entsprechende Fälle in der Vergangenheit sei „sicher ein Beleg dafür, dass die Institution Kirche an der eigenen Selbstfixierung“ leide. Es habe ein Bewusstsein dafür gefehlt, wie verheerend ein falscher Umgang mit Missbrauchstätern sein könne. „Ich spreche hier kein Schuldurteil über andere, ich schließe mich selber ein“, so Hanke wörtlich. Weitere Konsequenzen hat das Eingeständnis der Mitschuld des Bischofs nicht. Quelle: katholisch.de


28.4.2019 Im Jahr 2015 informierte der Sekretär des Bischofs Zanchetta von Oran u.a. den Generalvikar Manzano über Nackfotos des Bischofs und Fotos homosexueller Handlungen. Diese informierten andere argentinische Bischöfe. Danach wurde die apostolische Nuntiatur informiert, die um Berichte bat. Anfang 2015 wurde Zanchetta in den Vatikan beordert, kehrte aber auf seinen Bischofsposten zurück. Im Jahr 2016 schickten zwei Generalvikare des Bistums Oran, der Rektor des Priesterseminars und zwei weitere Priester einen Bericht an den Vatikan, in dem sie von Übergriffen des Bischofs Zanchetta in einem Priesterseminar berichteten. Der Bericht blieb folgenlos. 2017 schickten sie einen zweiten Bericht, in dem auch von sexuellem Missbrauch durch Zanchetta berichtet wurde. Eine Journalistin berichtete darüber, die Kirche verschwieg die Vorwürfe jedoch. Papst Franziskus holte Zanchetta nach Rom und schuf ihm eine neue Stelle in der Güterverwaltung des Päpstlichen Stuhls. Erst als „El Tribuno“ Ende 2018 die wahren Gründe für den Rücktritt Zanchettas vom Bischofsamt öffentlich machte,  ging der Vatikan Anfang 2019 an die Öffentlichkeit. Erst in den letzten Monaten des Jahres 2018 habe der Vatikan von den Vorwürfen sexuellen Missbrauchs erfahren. Inzwischen haben zwei Seminaristen Anzeige gegen Zanchetta erhoben. Als Erzbischof Bergoglio an der Spitze der argentinischen Kirche stand, war Zanchetta  Sekretär der argentinischen Bischofskonferenz. Der Verdacht drängt sich auf, dass Papst Franziskus den Bischof Zanchetta und die Kirche schützen wollte, indem er den Bischof in den Vatikan holte. Quelle: www1.wdr.de


27.4.2019 Ein Pfarrer aus dem Bistum Limburg steht im Verdacht, sein Pflegekind, einen verwaisten Neffen, zwischen 1986 und 1993 sexuell missbraucht zu haben. Die FAZ berichtete, dass leitende Mitarbeiter des Bistums Limburg – auch der damalige Personalchef und Domkapitular Helmut Wanka – 1997 von dem Missbrauch erfahren hätten. Eine Notiz in der Personalakte gab es nicht. Der Beschuldigte wurde 1999 nach Eppstein versetzt. Die Gremien und die pastoralen Mitarbeiter*innen wurden nicht informiert. Verantwortlicher Bischof war zu jener Zeit Franz Kamphaus.

Der Diakon Mathias Wolf, der als Pastoralreferent in Eppstein zur Zeit des Beschuldigten tätig war, sagt: „Das ist die Kernschmelze des Vertrauens… Nicht nur die Leute glauben uns nicht mehr, auch die Mitarbeiter glauben der Institution nicht mehr.“ Quelle: fnp


27.4.2019 Die Erzdiözese New York hat 120 Namen von Diakonen, Priestern und Bischöfen veröffentlicht, die mutmaßliche Missbrauchstäter sind. Kardinal Dolan sagt, kein Geistlicher, gegen den ein Vorwurf besteht, übe sein Amt aus. Derzeit gibt es im Bistum New York 1605 Priester, Ordenspriester und Diakone. Quelle: domradio.de


27.4.2019 „Das Werk“ hat in einer einstweiligen Verfügung gegen den Film „Gottes missbrauchte Dienerinnen“ dessen Bereitstellung in der Arte-Mediathek geklagt. In dem FIlm werden falsche Anschuldigungen gegen einen Priester der Gemeinschaft, der bis vor kurzem leitend an der Glaubenskongregation tätig war, vorgebracht. Arte will Widerspruch einlegen. Quelle: katholisch.de


26.4.2019 Der Richter Thomas Fischer beschreibt die katholische Kirche als verbrecherische Parallelgesellschaft: Mitten in Deutschland hat, vom Rechtsstaat unbehelligt und von den Polizeibehörden bewusst oder unbewusst ignoriert, über Jahrzehnte eine Parallelgesellschaft ihr Wesen treiben können, die, soweit erkennbar, die Begehung schlimmer Verbrechen erstens strukturell gefördert und zweitens systematisch und vorsätzlich vertuscht hat.“ Quelle: spiegel.de


26.4.2019 Michael Seewald, Dogmatikprofessor in Münster, macht sich Gedanken darüber, wie die katholische Kirche sich demokratisieren könne. Er stellt fest, dass im „verbindlichen synodalen Weg“ die Rechte von Frauen nicht vorkommen. Der synodale Weg soll sich den Themen „Macht, priesterliche Lebensform und Sexualmoral“ widmen. Wer an diesem Weg beteiligt ist, ist noch unklar. Seewald stellt fest, dass das Versprechen der Bischöfe, sie täten alles, um Missbrauch in der Kirche aufzuklären, bisher wenig wert ist, weil es keine Kultur der Offenheit in der Kirche gibt. Seewald fordert auch, dass die Bischöfe auf Tabuisierungen aller Art verzichten müssten „und die außer Rand und Band geratene Kurie in die Schranken weisen“ müssten. Die Bischöfe dürften auch nicht nur wie bisher den Gläubigen sagen, was universalkirchlich nicht möglich ist. Seewald benennt , was mutige Bischöfe tun müssten: „Nun kommt es darauf an, dass sie auf universalkirchlicher Ebene auch deutlich machen, was ortskirchlich nicht mehr akzeptabel ist. Nur, wenn die Bischöfe diese Kraft aufbringen, hat der synodale Weg eine Chance.“ Quelle: Süddeutsche


25.4.2019 Bischof Antonino Raspanti, Acireale in Süditalien, muss vor Gericht aussagen im Fall des Vorwurfs an den Führer der katholischen Vereinigung „Catholic Culture and Environment Association (ACCA)“, Piero Alfio Capuana, sieben minderjährige Mädchen missbraucht zu haben. Die Gruppe glaubt, dass Capuana die Reinkarnation des Erzengels Michael sei und dass er mit der Jungfrau Maria spreche. Gegründet wurde die Vereinigung 1974 durch den katholischen Priester Pater Stefano Cavalli, der sich als spirituellen Sohn von Padre Pio betrachtete. Die katholische Kirche unterstützte – trotz Besorgnis über die hierarchische Struktur – die Gruppe durch Bereitstellung von Räumen in einer katholischen Pfarrei und die Bekanntgabe von Aktivitäten in der offiziellen Diözesanzeitung. Mitglieder der Gruppe durften nur bei bestimmten Priestern beichten. Einer von ihnen, Pater Orazio Caputo, brach vermutlich das Beichtgeheimnis, um ACCA-Mitglieder vor den polizeilichen Ermittlungen zu warnen. Gegen ihn läuft ein ziviler und ein kirchlicher Prozess.

Quelle: Cruxnow


25.4.2019 Die Boy Scouts of America listen 7 819 Täter und 12 254 Opfer sexuellen Missbrauchs auf. Die Dunkelziffer dürfte erheblich sein. In einigen US-Bundesstaaten wurde die Verjährungsfrist für einen gewissen Zeitraum ausgesetzt. Dann können Opfer klagen, auch wenn verjährte Taten betroffen sind. Beobachter erwarten viele Klagen. Quelle: NZZ  faz.net 24.4.2019


25.4.2019 Matthias Katsch, Sprecher des Eckigen Tisches, fordert ein Eingreifen der Politik, nachdem der Kriminologe Christian Pfeiffer die Bischofskonferenz belastet hat, von einem Schweigegeld-Angebot in Höhe von 120.000 Euro, moralischer Erpressung und versuchter Nötigung im gescheiterten Forschungsprojekt mit der KFN gesprochen hat. Namentlich erwähnt er Bischof Ackermann, in dessen Anwesenheit das Schweigegeldangebot gemacht worden sei und Kardinal Marx mit Blick auf Zensur- und Kontrollwünsche der Bischöfe.

Katsch hält es für wichtig, dass die Kirche jetzt auf die Enthüllungen und Vorwürfe Pfeiffers reagieren müsse und z.B. damalige Fehler beim Umgang mit der ersten Studie und Pfeiffer einräumen müsse. Pfeiffer meint, „eigentlich“ müssten die Bischöfe Ackermann und Marx zurücktreten, weil sie ihre Glaubwürdigkeit verloren haben. Kardinal Marx könne nicht in Rom von Transparenz reden und den von ihm in Auftrag gegebenen Untersuchungsbericht des Erzbistums München-Freising geheim halten. Kritiker gehen davon aus, dass mit der Nicht-Veröffentlichung des Münchner Westpfahl-Gutachtens Kardinal Ratzinger geschützt werden solle. Quelle: Neues Ruhrwort


25.4.2019 Dr. August H. Leugers-Scherzberg, Historiker, nennt als Voraussetzung für gelingende Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der kath. Kirche kirchenunabhängige Organe, die eine umfassende juristische und (sozial-)wissenschaftliche Aufarbeitung leisten. Diese Aufarbeitung beinhalte, dass gegenwärtige Leitungspersonen als Täter und Vertuscher disziplinarisch und moralisch zur Rechenschaft gezogen werden.Zugleich müsste die absolutistische Herrschaft in der Kath. Kirche durch die Implementierung von Rechtsstaatlichkeit überwunden werden. Leugers-Scherzberg sieht, dass die Kath. Kirche weiterhin zu einer Bewältigung in Eigenregie tendiere. Ob die in Aussicht gestellte kirchliche Verwaltungsgerichtsbarkeit tatsächlich eine unabhängige Gerichtsbarkeit werden solle, sei nicht klar. Entscheidend sei, ob die in Lingen in Aussicht gestellte unabhängige Aufarbeitungskommission zustande komme. Kommt die unabhängige Aufarbeitungskommission nicht zustande, sondern nur ein apologetisches Institut, dann laufe „der derzeitige Aktionismus in eine kirchliche Vergangenheitspolitik …, die lediglich dazu dient, das System autoritärer Herrschaft aufrechtzuerhalten.“ Quelle: feinschwarz.net


24.4.2019 Der Erzbischof von Kapstadt, Stephen Brislin, kritisiert, dass es bisher nur an wenigen Orten ein Regelwerk zum Umgang mit Missbrauch durch Geistliche gebe. Nur wenige afrikanische Länder seien dem Ruf des Vatikan gefolgt und hätten in den vergangenen Jahren ein Regelwerk zum Umgang mit Missbrauch durch Geistliche erlassen. Ein Grund dafür sei die fehlende Hilfe für die Kirche vor Ort. EIn anderer Grund seien Differenzen im kulturellen Verständnis, wie mit Missbrauch umzugehen sei.Das bedeute nicht, dass solche Fälle nicht geahndet würden, „aber eben auf andere Weise“. Brislin sagte auch, dass der Missbrauch von Ordensfrauen die katholische Kirche in Afrika in den kommenden Jahren vermehrt beschäftigen werde. Quelle: katholisch.de


24.4.2019 Seit einigen Jahren forscht Isabelle Jonveaux international zum Leben von Ordensleuten sowie zu deren Gemeinschaftsformen und zum Leben in Klöstern. Sie analysiert angesichts der offenbar gewordenen Fälle von Missbrauch an Ordensfrauen Strukturen von Frauengemeinschaften und benennt Zusammenhänge. Quelle: feinschwarz.net

23.4.2019 Das Münchner IPP-Institut will aufklären, was im ehemaligen Kinderheim St. Josef, Hoheneck, geschehen ist. Schwester Edith Riedle, Leiterin des Karmelitinnen-Ordens in Hoheneck, sagte, die Opfer von Gewalt und Vernachlässigung sollen angehört werden. Bis zum 10. Mai 2019 können sich die Betroffenen melden. Eine Hotline ist bis zum 10.5. eingerichtet.

Adressen: Sr. Edith Riedle, 07141-48886 425; st.josef-sr.edith@arcor.de

Caritasverband Rottenburg-Stuttgart: 0800-4 300 400; www.caritas-gegen-missbrauch.de

IPP München: josefsheim@ipp-münchen.de. Quelle: stuttgarter-zeitung.de


22.4.2019 Eugen Drewermann sagt im Vorwort zu seinem neu aufgelegten Kleriker-Buch: Die Kleriker leiden am meisten an der katholischen Kirche.“ Das bürgerliche Bewusstsein baue darauf, dass die Welt in Gut und Böse eingeteilt werde und der Mensch frei sei. Im Christentum sei das anders, sagt Drewermann: „Die Menschen, die Böses tun, sind nicht böse. Sie wollen das nicht. Sie sind im Grunde wie Verlorene, Verlaufene, Verzweifelte. Und wie geht man sie jetzt suchen, um sie zurückzuholen? Das wäre die Aufgabe, aber nicht den Stab über sie zu brechen oder auf sie draufzuhauen.“ Drewermann plädiert dafür, dass die Opfer ihre Hilflosigkeit von damals verstehen und damit zugleich „die Hilflosigkeit dessen zu verstehen, der es ihm angetan hat. Und wirkliche Versöhnung mit sich selber ist identisch mit der Versöhnung dann auch des anderen.“ Quelle: deutschlandfunk.de

Kommentar: Es gehört zu den Grundlagen jüdisch-christlichen Denkens, dass Menschen in der Lage sind, Gutes von Bösem zu unterscheiden. Diese Möglichkeit der Unterscheidung erlaubt denen, die unter den bösen Taten anderer leiden, die Taten und die Täter anzuklagen. Ein Opfer ist nicht weniger Opfer, wenn der Täter unter inneren und äußeren, systemischen Zwängen gehandelt hat. 


Karfreitag: „In der Gewissheit, dass der Vater [Gott] dich [Jesus] nicht verlassen hat, hast du die Kraft gefunden, seinen Willen anzunehmen, indem du vergeben und geliebt hast.“ So betet Papst Franziskus mit den Worten von Eugenia Bonetti beim Kreuzweg in Rom.

Quelle: vatican.va

Kommentar: Die Evangelisten widersetzen sich diesen Aussagen. Im Matthäus- und Markusevangelium fragt Jesus dezidiert: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“  (Mt2,46; Mk 15,34). Im Lukasevangelium betet Jesus:  „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ (Lk 23, 34). Nicht Jesus verzeiht, er bittet Gott, seinen Mördern zu verzeihen. Das ist ein Unterschied. Das Johannesevangelium schweigt vollständig zu beiden Themen, sowohl zur Gewissheit Jesu, dass sein Gott ihn nicht verlassen habe, als auch zur Vergebung.

Wer gefoltert wird, dem kommt jede, aber auch jede Gottesgewissheit abhanden. Gefolterte sind auch nicht zur Vergebung in der Lage. Die Evangelisten berichten daher sehr realistisch von der Gottverlassenheit Jesu und seiner Unfähigkeit zur Vergebung. Wer das gegen das Zeugnis aller Evangelisten umdeutet, formuliert den eigenen Wunsch, Gott möge auch in größter Not Menschen nicht verlassen und Menschen müssten auch noch unter der Folter verzeihen können. Zugleich setzt eine solche textwidrige Darstellung andere Gewaltopfer unter Druck, dass sie doch vergeben müssten. Sie zwingt zum Schweigen über das Erlittene diejenigen, die sich in der Gewalt von Gott und den Menschen verlassen erleben und die sich nicht einen defizitären, weil vergebungsunfähigen Glauben unterstellen lassen wollen.


Karfreitag – Burkard Hose: Habt Mitleid! Quelle: feinschwarz.net


Karfreitag Lebenszeichen, Missbrauch in der Kirche: Vergebung oder Gerechtigkeit. Christoph Fleischmann, unter Mitarbeit u.a. von Dr. Barbara Haslbeck: Die kirchliche Lehre verheißt den Tätern Vergebung ihrer Schuld. Die Opfer der bösen Taten leiden aber mitunter ein Leben lang unter dem, was ihnen angetan wurde. Ist es nicht moralisch fragwürdig, die Täter zu entlasten solange die Opfer leiden? Gibt es nur Vergebung für die Täter und keine Gerechtigkeit für die Opfer? Oder könnte die Kirche auch anders mit Schuld umgehen, und den Tätern ihre Schuld nicht vergeben, sondern ihnen zur bleibenden Aufgabe machen?  Quelle: Audiothek: WDR 3, 19.4.2019


21.4.2019 Rudolf Langthaler, ehemaliger Philosoph an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, schildert den Zustand der Katholischen Kirche. Er beklagt, dass die Kirchenleitungen den wichtigen Fragen ausweichen: Was heißt Erlösung, Auferstehung, Dreifaltigkeit, Menschwerdung Gottes, Jungfrauengeburt; diesen Fragen werde in der Verkündigung und im Diaolog ausgewichen. Langthaler spricht im Blick auf das Kirchenvolk von einem religiösen Analphabetismus. Quelle: der standard


19.4.2019 Christoph Fleischmann: Vergebung oder Gerechtigkeit?


19.4.2019 Bischof Oster, Passau,ist sehr dankbar für die jüngsten Äußerungen Kardinal Ratzinger zum Missbrauchsskandal. Oster lese den Text „schlicht als Ausdruck seines Mitgehens, Mitfühlens und Mitleidens mit der Kirche, mit der geschichtlichen Situation, in der wir stehen und in die wir gekommen sind, mit den Menschen, die in der Kirche handeln und mit denen, die von der Kirche misshandelt worden sind“. Quelle: katholisch.de


18.4.2019 Das Zisterzienserpriorat Birnau, bei Überlingen, diente jahrelang als Entsorgungsstation für Geistliche mit einschlägigen sexuellen Neigungen, sagen Recherchen der Badischen Zeitung. Das Erzbischöfliche Ordinariat Freiburg, dessen Katholik*innen von den Zisterziensern betreut wurden, ließ Untersuchungen schleifen.

Als Täter werden genannt: Einnem Ex-Prior der Birnau wird sexueller Missbrauch vorgeworfen. Einem Pater Michael wird vorgeworfen, dass er einen 13-Jährigen veranlasste, nackt zu boxen und Reizwäsche zu tragen. Eine 13-Jährige berichten von Traumatisierung. In jüngeren Ermittlungen wird dem Pater vorgeworfen, er habe sich von Zuhältern jugendliche Prostituierte ins Kloster zuführen lassen.

Ein Pater Severin habe um 2001 in Niederösterreich „mindestens sechs Buben“ missbraucht und sei verurteilt worden. Nach BZ-Recherchen musste der Augustiner-Chorherr damals sein Heimatstift Reichersberg verlassen und fand bis zum Haftantritt Asyl in der Birnau.

Ein Pater Robert, Zisterzienser, taucht in Diözseanverzeichnissen der 70er Jahre in der Birnau auf. Er war einschlägig vorbestraft und inhaftiert. Danach war er wieder als Priester tätig und kam nach der Haft in die Birnau. Pater Robert habe nicht zur Gemeinschaft Mehrerau gehört; er sei aus dem Orden entlassen worden, wurde aber dennach 1995 auf dem Klosterfriedhof beerdigt.

Der Fall von Pater Gregor ist seit 2010 öffentlich bzw. im Erzbistum seit 2006 bekannt.  Auch andere Namen werden gerüchteweise genannt als Missbrauchstäter, sind dem Freiburger Ordinariat aber im Zuge der Recherchen nicht aufgefallen. Quelle: Badische Zeitung


18.4.2019 Bischof Voderholzer, Regensburg, nennt innerkirchliche Diskussionen um Fragen von Macht und Partizipation „fruchtlos“, weil damit die Kirche auf eine weltlich-politische Größe reduziert werde. Quelle: domradio


17.4.2019 Der Augsburger Bischof Zdarsa ist der Ansicht, das Schicksal der Kirche entscheide sich an ihrem Umgang mit der Eucharistie. Quelle: katholisch.de

Kommentar: Ich denke, das Schicksal der Kirche entscheidet sich am Umgang mit den kirchlichen (und außerkirchlichen!) Missbrauchsopfern, denn Jesus hat sich selbst an das Schicksal der Kleinsten gebunden: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40 b)


17.4.2019 Der Osnabrücker Bischof Bode äußert sich zu seiner Befindlichkeit angesichts des Missbrauchsskandals: Er zeigt sich betroffen angesichts der Enttäuschungen über die Kirche und ihre Verantwortlichen. Das mache für ihn die Liturgie an den Kar- und Ostertagen schwer. Wie (christliche) Betroffene die Kar- und Ostertage in einer sie täuschenden und enttäuschenden Kirche erleben, fragt er nicht. Quelle: katholisch.de


17.4.2019 Michael Seewald schreibt zum Schreiben von Kardinal Ratzinger, emeritierter Papst, zum Missbrauchsskandal: Die Erinnerungen, mit denen Benedikt XVI. in seinem Text die 1968er Revolution beschreibt, seien „skurril“. Die Worte des 92-Jährigen offenbarten ein „beachtliches Maß an Gehässigkeit“. Der emeritierte Papst scheine zu denken, „dass es ohne ihn doch nicht geht“. Die kirchliche Hierarchie sei geschickt darin, mit „Zwangsmaßnahmen“ und „kirchenamtlichen Sprechverboten“ Dinge unter der Decke zu halten, sagt Seewald. Quelle: katholisch.de  fr.de


16.4.2019 Daniel Deckers über „Die Kirche der Mitwisser“. Deckers konstatiert, dass es noch immer kein gemeinsames Vorgehen der Bischöfe bei der Aufklärung kirchlicher Missbrauchsfälle gebe. Die drei Bischöfe, die die Arbeit der MHG-Studie behinderten, bleiben unbehelligt. Die Bistümer, die Missbrauchsfälle an die Staatsanwaltschaften melden, definieren den potentiellen Täterkreis sehr unterschiedlich. So meldete Fulda 32 Fälle, Mäinz 199. Die häufig zitierten „externen Fachleute“ seien überschaubar, zumindest die Zahl derer, die sich mit kirchlicher Verwaltung auskennen und merken, wann sie in die Irre geführt werden. Im Bistum Limburg  steht fest, dass die Namen der vertuschenden Bischöfe und Verantwortlichen nicht öffentlich genannt werden. Vertuscher im Bistum Limburg sollten „gegebenenfalls zur Verantwortung gezogen werden“. Dies gilt dann vor allem für Bischof Kamphaus (u.a. Fall Fritz B.). Quelle: edition.faz.net


16.4.2019 Marie-Laure Janssens, eine ehemalige kontemplative Schwester des Heiligen Johannes, berichtet, sie habe 2017 das Buch „Le Silence de la Vierge“ geschrieben und darin auch von ihrem sexuellen Missbrauch berichtet. Vor der Veröffentlichung wollte sie sicher sein, dass ihr Zeugnis den Ruf der Kirche nicht schädigen würde und fragte ihren Bischof, Mgr. Henri Bricard, nach seiner Genehmigung. Er sagte ihr: „Das Schweigen der Kirche ist ein Akt der Barmherzigkeit gegenüber den Menschen. Schweigen bedeutet nicht, Angst vor der Wahrheit zu haben, wenn dieses Schweigen ein Zeichen der Selbsthingabe ist, der Sprache des Dienstes, wie uns die Jungfrau Maria verständlich gemacht hat.“ Quelle: globalsistersreport.org


16.4.2019 Der Kriminologe Christian Pfeiffer, KFN, wirft der katholischen Kirche vor, dem Forschungsinstitut Geld angeboten und ihn selbst bedroht zu haben, um ihn und seine Kollegen zum Schweigen zu bringen über ihre Sicht zu den Umständen des Scheiterns einer gemeinsamen Studie zu bringen. 2012 sei Pfeiffer als Leiter des KFN – in Anwesenheit von Bischof Ackermann -, angeboten worden, „dass wir nicht ausgegebene Forschungsmittel in Höhe von circa 120.000 Euro für sonstige Forschungszwecke behalten dürfen.“ Pfeiffer habe das im Namen des KFN abgelehnt. Daraufhin hätte Ackermann dem Kriminologen gedroht, „dann sei ich ein Feind der katholischen Kirche – und das wünsche er niemandem“. Der Bischof habe erklärt, „dass sie meinen guten Ruf öffentlich massiv attackieren würden“, „dass mir das schaden würde, dass ich es bereuen und einen schweren Fehler begehen würde“, wenn keine Schweigevereinbarung zustande käme, so Pfeiffer. Er wertet das als Versuch einer Nötigung. Zudem ließ die katholische Kirche vor Gericht klären, dass Pfeiffer bei Androhung eines Ordnungsgeldes von bis zu 250.000 Euro nicht mehr behaupten dürfe, die Kirche habe die Studie zensieren wollen. Die Kirche unterlag in dem Prozess. Auch Kardinal Marx habe – so Pfeiffer – keine Transparenz zugelassen und den Wissenschaftlern den Datenzugang erschwert. Die Kirche habe verhindert, dass Forscher „auch die in die Gegenwart ragende Mitverantwortung von Bischöfen, von Diözesen und Verwaltungen“ aufdecken. Quelle: presseportal.de

Nachtrag 18.4.2019 Das Bistum Trier äußert sich nicht zu dem Bericht von Christian Pfeiffer.


16.4.2019 In Birnau/Bodensee soll der ehemalige Prior des Zisterzienserklosters Mehrerau  sexuell übergriffig geworden sein gegenüber einem damals 13-Jährigen und einer heute 35-jährigen Frau, die damals 15 Jahre alt war. Der Beschuldigte weist die Anschuldigungen zurück. Die mutmaßlichen Opfer stammen laut „Bild“ aus einer Sinti-Großfamilie.

Der Pressesprecher berichtet, dass der Pater bereits vor ca 20 Jahren erpresst worden sei. Er habe damals an die Erpresser gezahlt und ist später wegen Veruntreuung vor ein weltliches Gericht gekommen und zu einer einjährigen bedingten Haftstrafe verurteilt worden.Die Erpresser mussten ins Gefängnis. Das Kloster Mehrerau geht davon aus, dass die erneuten Beschuldigungen gegen den Pater einer weiteren Erpressung durch den selben Personenkreis dienen. Es hat bei den zuständigen Staatsanwaltschaften Konstanz und Feldkirch Sachverhaltsdarstellungen eingebracht. Quelle: orf


16.4.2019 Bischof Jung, Würzburg, fragt: „Was geben wir öffentlich für ein Schauspiel ab in der Selbstzerfleischung bezüglich der Situationsanalyse?“ Diese reiche im Extrem von der Feststellung, Kirche sei eine „Täterorganisation“ bis hin zur vernichtenden Diagnose, der Missbrauch reiche in die „DNA der Kirche“. Quelle: pow.bistum-wuerzburg.de


16.4.2019 In Rheinland-Pfalz erhielten Opfer der Heimerziehung mehr als zwölf Millionen Euro für materielle Hilfen und Rentenersatzleistungen bekommen. Im Durchschnitt erhielt jeder einst misshandelte Betroffene 9.850 Euro für materielle Unterstützung und 8.245 Euro für Rentenersatzleistungen, wie das Familienministerium am Dienstag mitteilte. Quelle: swr


16.4.2019 Angesichts der epochalen Umbrüche in der katholischen Kirche ist echte Veränderung gefordert. Matthias Sellmann, Zentrum für angewandte Pastoralforschung (ZAP), Bochum, drängt auf Verbindlichkeit. Quelle: feinschwarz.net


16.4.2019 Wojciech Polak, 54, Erzbischof von Gniezno (Gnesen) und Primas von Polen erklärt im Interview, die in Polen bekannten Fälle sexuellen Missbrauchs durch Kleriker seien möglicherweise nur die Spitze des Eisbergs. Zwar gebe es seit 2001 die Pflicht, jede Meldung zu prüfen und an den Vatikan zu melden. In der Praxis sei dies nur selten passiert. Es brauche eine neue Mentalität. Quelle: Süddeutsche


15.4.2019 Der Kirchenhistoriker Massimo Faggioli sagt, die Rolle eines „Papa emeritus“ lasse sich in der aktuellen ungeordneten Form nicht weiterführen. Sie erfordere klare Regelungen sowohl für den Betroffenen als auch für die Gläubigen: „Die Kohabitation zwischen den beiden Päpsten kann nur funktionieren, wenn der zurückgetretene unsichtbar bleibt.“Quelle: kathpress.at


15.4.2019 In Polen nennt ein siebenseitiger Bericht der Bischofskonfrenz von 1990 bis 2018 insgesamt 382 Missbrauchsfälle. Der Vorsitzende der polnischen Bischofskonferenz sagt, die Vorwürfe sollten die Autorität der Kirche untergraben. Der Stellvertretende Vorsitzende verglich die Forderung nach null Toleranz gegenüber Missbrauchstätern mit dem Verhalten von Nazis und Bolschewiken gegenüber ihren Feinden. Erzbischof Wojciech Polak, 54, Gniezno/Gnesen, wiederum fordert, die Opfer anzuhören, um eine neue Mentalität herzustellen. Ob ein ausführlicher Bericht über Missbrauch durch Kleriker erarbeitet wird, wird erst nach dem Besuch von Erzbischof Scicluna Mitte Juni bei der polnischen Bischofskonferenz in Erwägung gezogen. Ob es eine Aufklärung der Vorwürfe gegen den 2010 gestorbenen Solidarnosc-Priester Henryk Jankowski geben wird, ist unklar. – Früher vertrauten 90 Prozent der Polen der Kirche, heute sind es nach Angaben des kath. Wochenblattes Tygodnik Powszechny nur noch 54 Prozent der Polen. Quelle: Süddeutsche


15.4.2019 Zu den Missbräuchen in Lüdge sagt Matthias Drobinski: „Es hat, weit über die Regierung hinaus, der Staat mit seinen Institutionen die Kinder alleingelassen, die da ihren Vergewaltigern ausgeliefert waren. Polizei und Jugendamt haben nicht mit all ihrer Kompetenz und Zugriffsmacht die Menschenwürde geschützt; sie haben dazu beigetragen, dass sie weiter mit Füßen getreten werden konnte.“ Quelle: Süddeutsche


15.4.2019 Die Bloggerin Mary Pezzulo sagt: „Jesus wurde sexuell missbraucht“ und begründet ihre Aussage. Quelle: feinschwarz.net


15.4.2019 Missbrauchte Nonnen: Chronologie eines lang verborgenen Skandals. Maura O’Donohue schickte 1994 einen Bericht an den Vatikan. 1996 ergab eine unabhängige Studie dreier Psychiater, dass 30 % der Nonnen in den USA während (!) ihres Ordenslebens sexuellen Missbrauch erlebt hätten. Zählt man die sexualisierte Gewalt vor dem Ordenseintritt hinzu, sind 40 % der Ordensschwestern sexuell missbraucht worden. Die Autoren hatten mehr als 1.100 Nonnen von 123 Ordensgemeinschaften in den USA befragt. Mindestens 34.000 Ordensfrauen sollen betroffen gewesen sein. In 13 % der Fälle wurde die sexuelle Ausbeutung oder Belästigung durch Ordensfrauen begangen, in 87 % der Fälle waren die Täter männlich und Kleriker. Erst im Januar 2003 wurde die Studie veröffentlicht. Vorher hatten die Us-amerikanischen Ordensoberinnen Sorge, die Informationen würden sensationalistisch ausgeschlachtet. Quelle: br.de


15.4.2019 Die beiden Sprecher der deutschen Arbeitsgemeinschaft Moraltheologie,  Christof Breitsameter und Stephan Goertz, nehmen zum Schreiben von Kardinal Ratzinger zur Missbrauchskrise Stellung. Quelle: feinschwarz.net


13.4.2019 Eckhard Bieger, SJ, schildert seine Sicht auf Missbrauchsopfer: „Die Opfer haben Gewalt erfahren. Daher mussten sie Schutzmechanismen ausbilden, vor allem deshalb, weil sie eigentlich nicht mehr vertrauen können. Hinzu kommt ein weiteres Motiv, sich zurückzuziehen: ihnen wurde nicht zugehört. Jeder, der sich zurückzieht, geht der Gemeinschaft verloren. Sind die Traumatisierten erwachsen, werden sie weiter ins Aus geschoben, indem sie für schrullig gehalten werden. Oder sie streuen Pessimismus in die Familien und Gruppen, in denen sie Mitglied sind. Da sie sich nicht direkt am Täter rächen können, lenken sie ihre Enttäuschung, ihr Misstrauen, ihre destruktiven Energien auf andere. Manche werden sogar selbst wieder zu Tätern.“ Quelle: hinsehen.net


13.4.2019 Der Übergangsleiter des Erzbistums Santiago, der chilenische Bischof Celestino Aos, traf Missbrauchsopfer von Priestern und bat um Entschuldigung für die erlittene Gewalt. Die Gründer der Opferinitiative „Para la confianza“,  James Hamilton, Juan Carlos Cruz und Jose Andres Murillo, lobten die Geste des Bischofs, bekräftigten aber die Forderung nach konkreten Schritten. Ein Berufungsgericht hatte den drei Opfern eine Entschädigung von je 130.000 Euro zugesprochen. Das Erzbistum Santiago will nicht gegen die Entscheidung vorgehen. Quelle: domradio.de


13.4.2019 Der Kirchenhistoriker Wolf hat vor dem Freckenhorster Kreis den Missbrauchsskandal als größte Systemkrise der Kirchengeschichte bezeichnet und zugleich gesagt, dass die 2000-jährige Geschichte und Tradition de „Quelle und Chance zu ihrer Reformierung“ in sich trage. Die Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. hätten unter ihren Pontifikaten Reformen zum „Tabu und zum Unwort“ gemacht. Dabei sei die Kirche immer Wandlungsprozessen unterworfen gewesen. „Das, was wir heute Kirche nennen, besteht so erst seit dem 19. Jahrhundert.“ Wolf erinnerte daran, dass in früheren Jahrhunterten die Beichte von Nonnen und Mönchen abgenommen wurde, 500 Jahre lang ein Konsistorium aus Kardinälen Entscheidungen in Rom Trafen, Bischöfe nicht immer von Rom ernannt wurden, es weibliche Diakone gab und Frauen rechtlich als Bischöfe agierten – dies habe erst das 2. Vatikanum unmgölich gemacht. Die bisherigen Dialogprozesse haben zu nichts geführt. Christiane Florin prangerte die „Verachtung von Frauen“ in der Kirche an und sagte, Frauen seien „auch keine Missbrauchs-Präventions-Geschöpfe“, die die alten Strukturen retten könnten. Den synodalen Weg nannte sie eine Ablenkung und rief dazu auf, den Bischöfen die Kirche nicht zu überlassen. Quelle: kirche-und-leben.de


13.4.2019 Der Journalist Pedro Salinas und die Journalistin Paola Ugaz haben 2015 Missbrauch, Vergewaltigungen, Erniedrigungen, Grausamkeiten, militärischen Drill und Misshandlungen in der konservativ-katholischen und päpstlich anerkannten apostolischen Laien-Bewegung „Sodalitium Christianae Vitae“, Peru, aufgedeckt. Eine unabhängige Untersuchungskommission hat die Vorwürfe später bestätigt. Der heutige Erzbischof Eguren, eines der Gründungsmitglieder des „Sodalicio“, dem selbst seit Jahren Missbrauchsvertuschung vorgeworfen wird, hat im August 2018 Verleumdungsklage eingereicht, weil Salinas ihn mit dem chilenischen Bischof Barros verglichen hat. Nun wurde Salinas zu einer einjährigen Bewährungsstrafe und einer Entschädigungszahlung von ca 21.500 Euro verurteilt. Die peruanische Bischofskonferenz stellte sich hinter den verurteilten Journalisten. Salinas will gegen das Verleumdungsurteil vorgehen und seine Äußerungen auf keinen Fall zurücknehmen: „Eher zahle ich Eguren die Strafe und recherchiere und schreibe weiterhin, was ich für richtig halte.“ Quelle: kathpress.at


12.4.2019 Die Statue des Jesuiten Renato Poblete in der chilenischen Hauptstadt Santiago wird eingeschmolzen. Der 2010 verstorbene Geistliche soll eine Frau sexuell missbraucht haben; die Vorwürfe sind seit Januar dieses Jahres bekannt. Quelle: vaticannews


12.4.2019 Im Bistum Limburg wird derzeit gegen vier Priester wegen sexuellen Missbrauchs ermittelt. Bischof Bätzing hat in einem der Fälle Position gegen den früheren Personaldezernenten des Bischofs bezogen. Das ehemalige Pflegekind des Pfarrers hat dem früheren Personaldezernenten vorgeworfen, den sexuellen Missbrauch des Pfarrers am Pflegekind vertuscht zu haben. Gegen den beschuldigten Pfarrer läuft ein kirchenrechtliches Verfahren. Quelle: wiesbadener-kurier.de


12.4.2019 Anfang der 2000er-Jahre wechselt ein Priester des Bistums Limburg in eine andere hessische Gemeinde. Dort kommt es zu Vorwürfen wegen Distanzlosigkeit gegenüber Jugendlichen. Untersuchungen des Bistums bestätigen die Vorwürfe nicht.  Dann wurde der Priester 2010 des sexuellen Missbrauchs beschuldigt. Staatsanwaltliche und kirchenrechtliche Untersuchungen blieben folgenlos. Der Priester räumte die Vorwürfe teilweise ein. Bischof Tebartz-van Elst suspendiert den Priester, kurz bevor er eine neue Stelle als leitender Pfarrer in einer hessischen Gemeinde antreten soll. Die Gemeinde wird nicht informiert. Der Bistums-Sprecher verneint jeglichen Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt. Nach den Vorfällen wechselt der Priester den Wohnort in ein anderes Bundesland, ein anderes Bistum. Die Suspendierung wird aufgehoben. Dennoch belegte das Bistum den Beschuldigten 2010 mit Auflagen.

Nach der Vorstellung der MHG-Studie im September 2018 meldeten sich erneut Betroffene beim Bistum Limburg mit bislang unbekannten Vorwürfen. Bischof Bätzing hat den Dienst des Priesters „stark eingeschränkt“. Die Einschränkungen betreffen vor allem den Umgang mit jungen Menschen. Der Priester dürfe nicht mehr als Seelsorger und Hochschul-Dozent arbeiten und das Halten von Gottesdiensten wäre ihm verboten. Der neue Fall reicht in die frühen 90er-Jahre zurück.

Das Bistum Limburg geht jetzt erneut gegen den Priester vor.

Ein Missbrauchsopfer des beschuldigten Priesters erzählt. Quelle: hr-inforadio


12.4.2019 Im Bistum Osnabrück sollen die Gremien für Missbrauchsprävention und -aufarbeitung mit 50 % externen Fachleuten besetzt werden. Quelle: domradio


12.4.2019 Die Franziskanische Generaloberin Sr. Katharina Ganz sagt: „Mein Eindruck ist, dass das Frauenthema in der römischen Kurie in Rom, nach wie vor ein ungeliebtes Thema ist. Man will nicht wirklich, dass Frauen mehr an Entscheidungsprozessen beteiligt werden, geschweige denn, dass man über Frauen in kirchlichen Ämtern nachdenkt.“

Zur sexualisierten Gewalt von Priestern und Bischöfen an Ordensfrauen sagt die Generaloberin: „Ich erwarte mir, dass er (Papst Franziskus] ähnlich deutlich wird, wie bei der sexualisierten Gewalt an Minderjährigen und dieses Thema zur Nulltoleranz-Zone erklärt. Es muss entschieden aufgearbeitet werden, was da in den letzten Jahrzehnten schon im Vatikan bekannt geworden ist. Außerdem erwarte ich, dass sich immer mehr betroffene Frauen und auch Ordensfrauen trauen, ihr Schweigen zu brechen und zu sagen, was mit ihnen geschehen ist.“ Quelle: domradio


12.4.2019 Julia Knop, Professorin für Dogmatik, nennt Geschlechtergerechtigkeit ein zentrales theologisches Anliegen und zunehmend auch ein ökumenisches Problem. Es könne nicht sein, „dass das unverzichtbar Katholische darin liegt, Frauen strukturell zu benachteiligen“, sagt sie. Sie meint, dass Geschlechtergerechtigkeit im Jahr 2019 eine Selbstverständlichkeit sein müsste: „Nicht der Zugang zu Entscheidungskompetenzen und bestimmten Rollen ist begründungspflichtig, sondern der geschlechtsspezifische Ausschluss.“ Quelle: domradio


12.4.2019 Weitere Theolog*innen kritisieren den Text des emeritierten Papstes zur Missbrauchskrise. Martin Wehrlen findet ebenfalls deutliche Worte. Auch der Kirchenrechtler Thomas Schüller äußert sich klar. Quelle: kathpress.at


12.4.2019 Christiane Florin kommentiert das Missbrauchsschreiben des emeritierten Papstes: „Der Text ist nicht ganz kurz, dennoch war kein Platz, um einige Worte darüber zu verlieren, welche Wunden Kleriker geschlagen haben, was sie Kindern, Jugendlichen und Ordensfrauen angetan haben.“ Quelle: deutschlandfunk.de


12.4.2019 Tilman Kleinjung sagt, Kardinal Ratzinger, der emeritierte Papst, fördere die Spaltung seiner Kirche. Quelle: katholisch.de


11.4.2019 Der emeritierte Papst Benedikt sieht die Ursache für die Missbrauchstaten von Klerikern in der Gottlosigkeit, in der Entfremdung vom Glauben und in der Auflösung der moralischen Lehrautorität der Kirche seit den 1960er Jahren. Das wahre Opfer sind Kirche und Glaube.

Magnus Striet sagt das Nötige zu den Ausführungen des emeritierten Papstes. Quelle: katholisch.de


11.4.2019 Hans Zollner, Kinderschutzexperte der Kinderschutzkommission des Vatikans und Präfekt des Kinderschutzzentrums der Gregoriana, fordert (seit 2012!) eine theologische und seelsorgerische Auseinandersetzung mit dem sexuellen Missbrauch von Kindern durch Geistliche. Er bemängelt, dass es seit 35 Jahren zwar eine psychologische, psychiatrische, kirchenrechtliche und strafrechtliche Auseinandersetzung mit Missbrauch durch Geistliche geben, jedoch keine theologische. Z.B. keine Liturgie, in der sich Betroffene ausdrücken können. Die Kirche müsse sich dem Thema theologisch sehr grundsätzlich stellen, fordert er. Quelle: kath.ch


10.4.2019 In Hamm-Bockum-Hövel informierte das ehemalige Mitglied der Missbrauchskommission, Hermann Kahler, über Details des Falls Pottbäcker. Der inzwischen verstorbene Geistliche hat an mehreren oder allen Dienstorten Opfer hinterlassen, auch in der Heilig-Geist-Gemeinde in Hamm-Bockum-Hövel, wo er von 1968 bis 1971 Kaplan war. Vier Betroffene gingen an die Öffentlichkeit. Die Verantwortlichen des Bistums Münster hätten entscheidende Informationen über die Taten des Kaplans gehabt haben müssen, ihn aber dennoch versetzt und die Kinder nicht geschützt. In den Personalakten seien kaum Informationen zu finden, die die Auseinandersetzung der damaligen Bistumsleitung mit dem Fall belegen.  Quelle: kirche-und-leben.de


10.4.2019 Hier ist nachzulesen, wie es einem Opfer aus dem Erzbistum Freiburg, Birnau, seit 2006 erging. Spätestens seit Dezember 1968 weiß das Kloster des Täters, Abt Kassian Lauterer des Klosters Mehrerau, um die pädophilen Neigungen – und versetzt den Täter, der auch andernorts Opfer hinterlässt. Im Februar 2019 hat das Opfer aus Birnau eine Kirchenklage u.a. gegen Erzbischof Burger und gegen den emeritierten Erzbischof Zollitsch im Vatikan eingereicht und zwei Strafanzeigen bei der Staatsanwaltschaft Freiburg gegen Verantwortliche der Erzdiözese Freiburg wegen Urkundenunterdrückung und gegen Erzbischof Burger wegen Verdachts auf Strafvereitelung gestellt. Quelle: kontextwochenzeitung.de


9.4.2019 Vier der 27 Bistümer haben bislang Betroffenen sexuellen Missbrauchs durch Kleriker Einblick in die Akten des Täters gegeben. Acht Bistümer haben keine Anträge erhalten. Zwei Bistümer lehnen Akteneinsicht grundsätzlich ab. 13 Bistümer haben dem SWR nicht geantwortet. Einem Opfer aus dem Erzbistum Freiburg wurde im Bistum Basel, in dem der Täter ebenfalls arbeitete, Akteneinsicht gewährt. Das Bistum Basel sagt, es habe die Akte bereits am 1. Februar 2019 an das Erzbistum Freiburg geschickt.  Acht Wochen später schreibt das Erzbistum dem Opfer, es gebe im Erzbistum keine Akte zu Pater Gregor. Quelle: swr.de/report


9.4.2019 Der Vorsitzende der Ungarischen Bischofskonferenz, Andras Veres, sagt, in Ungarn sei der Anteil an Missbrauchsfällen in der Kirche sehr klein: „Bei uns ist wahrscheinlich weniger Missbrauch passiert als in anderen Ländern.“ In Ländern mit einem gesellschaftlich liberalen Geist in der Bevölkerung gebe es mehr Fälle von Kindesmissbrauch. Quelle:  kathpress


9.4.2019 Die katholische Kirche in Japan will Untersuchungen zum sexuellen Missbrauch durch Kleriker einleiten. Es gibt fünf Berichte, die verörrentlicht wurden, als 2002 und 2012 Untersuchungen starteten. Derzeit suchen die Bischöfe die Zusammenarbeit mit externen Partnern. Die fünf gemeldeten Missbrauchsfälle werden erneut geprüft. Mitz den Opfern wurde gesprochen, die Täter jedoch nicht bestraft. Quelle: sumikai.com


9.4.2019 Ein ehemaliger Messdiener und Seminarist hat eine Zivilklage gegen den ehemaligen Bischof von Wheeling-Charleston, USA, wegen sexueller Übergriffe eingereicht, die 2014 stattgefunden hätten. Zugleich klagte der ehemalige Seminarist gegen die US-amerikanische Bischofskonferenz, das Bistum Wheeling-Charleston sowie jede Person, die mit der Diözese in engerer Verbindung stand. Der Kläger war auch als Sekretär für den Bischof tätig.

Am 13.11.2018 ordnete Papst Franziskus eine Untersuchung gegen Bransfield wegen Sexueller Belästigung Erwachsener an. Bransfield erreichte am 8.9.2018 die Altersgrenze und Papst Franziskus nahm sein Rücktrittsgesuch an. Am 20.3.2019 wurde bekannt, dass gegen Bransfield Klage eingereicht wurde, weil er in seinem Bistum (2005- 2018) bekannte Missbrauchstäter erneut an Grund- und weiterführenden Schulen eingesetzt hatte. Quelle: katholisch.de


9.4.2019 Im Bistum Trier wurde ein weiterer Verdacht auf sexuellen Missbrauch bekannt. Das mutmaßliche Opfer ist der Trierer Tenor Thomas Kiessling. Er sagte, er sei von einem Pater der Trierer Abtei St. Matthias sexuell missbraucht worden. Von den Übergriffen hätten alle gewusst, „trotzdem gab es das große Schweigen“.

Bereits 2011 wurden sechs Opfer eines Paters der Trierer Benediktinerabtei St. Matthias bekannt. Quelle: volksfreund.de


8.4.2019 Daniel Bogner: „Diese Kirche tötet“. Bogner spricht von einem „toxischen Kern“ der Kirche. Quelle: feinschwarz.net


8.4.2019 Der Öffentlichkeit und den Mitgliedern der Chorherren wurde bislang im Stift Klosterneuburg verschwiegen, dass Experten im September 2018 Propst Bernhard Backovsky den Rücktritt nahegelegt haben. Der komplette Bericht wurde nicht veröffentlicht. Das Stift verhinderte die Herausgabe der zweiseitigen Empfehlungen. Die Experten schreiben, das Stift und die verantwortlichen Personen müssten einer kirchenrechtlichen Prüfung unterzogen werden. Das Stift Klosterneuburg antwortete auf Anfrage von Addendum: „Eine Empfehlung zum Rücktritt ist im schriftlichen Expertenbericht nicht enthalten.“ Zum Hintergrund: 1993 missbrauchte der Chorherr Dominik V. einen Ministranten. Erst 2017 wurde der Fall durch das Nachrichtenmagazin Profil öffentlich. Das Recherche-Portal Addendum weist darauf hin, dass das Kloster schon sehr früh von dem Missbrauch wusste, aber geschwiegen und vertuscht hat. Der Beschuldigte wurde auch in Deutschland straffällig und dann auch verurteilt. – In der Redaktion von Addendum haben sich mittlerweile weitere Betroffene sexuellen Missbrauchs im Stift Klosterneuburg gemeldet. Quelle: addendum


6.4.2019 Entgegen den Aussagen der bisherigen Redaktionsleiterin des vatikanischen Frauenmagazins „Donne Chiesa Mondo“, Lucetta Scaraffia, sind nicht alle Mitarbeiterinnen des Magazins zurückgetreten. Die übrigen, meist freien Mitarbeiterinnen der Zeitschrift wollen weiterarbeiten. Quelle: katholisch.de


5.4.2019 Über die Aufgaben der theologischen Disziplinen sprechen Julia Knop, Magnus Striet, Thomas Schüller, Matthias Reményi, Viera Pirker und Maria Herrmann, die schreibt: „Wenn der „Schutz der Kirche“ stattdessen bedeutet, Kriminelle zu schützen, raubt er der Kirche ihr Herz.“ Quelle: zeit.de


5.4.2019 Im Bistum Limburg sollen die Empfehlungen der MHG-Studie umgesetzt werden. Alle Personalakten werden durch externe, unabhängige Fachleute untersucht. Die Aus- und Weiterbildung von Seelsorgern wird überarbeitet. Die Begleitung von Seelsorgern soll mit Personalführungskonzepten verbessert werden, Informationsabläufe innerhalb des Bistums und die Öffentlichkeitsarbeit des Bistums werden überprüft. Klerikale Machtstrukturen sollen aufgebrochen werden, die Rolle der Frau in der Kirche soll gestärkt werden, die Auseinandersetzung mit der katholischen Sexualmoral soll forciert werden, Homosexualität soll neu bewertet werden. Kirchenrechtliche Konsequenzen und Gewaltenteilung sollen diskutiert werden. Diese Überprüfungen sollen im Juni 2020 abgeschlossen und danach umgesetzt werden.

Umfassendes Ziel des Projekts ist für den Limburger Bischof Bätzing, dass Opfer von Missbrauch „endlich gesehen werden“. Sie müssten teilhaben an der Aufarbeitung, auch strukturell in der Kirche. Wie Betroffene in die Arbeitsgruppen eingebunden werden sollen, erläutert der Bischof nicht. Quelle: Bistum Limburg   hessenschau


5.4.2019 Der päpstliche Sonderermittler Erzbischof Charles Scicluna will die 2018 in Chile gesammelten Zeugenaussagen im Interesse der 64 Gesprächspartner nicht der Staatsanwaltschaft übergeben. Zugleich ist er zuversichtlich, dass auch in Chile zunehmend Gerechtigkeit walten wird. Quelle: vaticannews


5.4.2019 Im Erzbistum Köln wurde ein katholischer Pfarrvikar im Kreisdekanat Euskirchen beurlaubt. Er wurde 2010 von Betroffenen angezeigt wegen Missbrauchs, der aus den 1990er Jahren datierte. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen ein. Der Priester bestreitet die Vorwürfe. Nun hat sich im Zuge einer erneuten kircheninternen Untersuchung gezeigt, dass die Vorwürfe gegen den Geistlichen der Glaubenskongregation hätten gemeldet werden müssen, was jedoch nicht geschah. Quelle: sueddeutsche.de


5.4.2019 Kardinal McCarrick wurde wegen sexuellen Missbrauchs eines 11jährigen Jungen und wegen sexuellen Machtmissbrauchs von Seminaristen und Priesteranwärtern suspendiert, bis die kirchenrechtlichen Untersuchungen abgeschlossen sind. Sein Nachfolger, Kardinal Wuerl ist zurückgetreten, nachdem ihm Vertuschung vorgeworfen worden war. Der neu ernannte Erzbischof von Washington, Wilton Gregory verspricht: „Ich werde Euch immer die Wahrheit sagen, wie ich sie verstehe.“ Quelle: de.catholicnewsagency.com


5.4.2019 Priester, die Übergriffe unterhalb der Schwelle der juristischen Strafbarkeit begangen haben, werden nach Aussage des Generalvikars Klaus Winterkamp, Bistum Münster, nicht mehr im Bistum  angestellt. Sie werden bis ans Lebensende vom Bistum bezahlt und besitzen eine Rehabilitierungsmöglichkeit. Sie können von einem Nachbar-Bistum wieder eingesetzt werden. Quelle: rp-online.de


5.4.2019 Das Bistum Fulda hat der Staatsanwaltschaft eine Liste mit 32 Personen gegeben. Die Diözese Limburg übergab 35 und die Diözese Mainz 199 Namen. Die übergebenen Akten enthalten Namen von Priestern und von Mitarbeitern kirchlicher Einrichtungen. Darunter sind auch Akten von verjährten Fällen, von strafrechtlich nicht relevanten  oder von Fällen, in denen bereits ermittelt wird oder Beschuldigte verstorben sind. Quelle: n-tv


4.4.2019  Artur Boelli, italienisches Missbrauchsopfer des Klerikers  Pater Silverio Mura, wurde von Mitgliedern der römischen Kurie angehört. Ihm wurde zugesagt, dass sein Fall wieder aufgenommen werde, er über jeden Schritt informiert werde. Die kurialen Gesprächspartner – Disziplinarabteilungsleiter Pater John Kennedy und dem Staatssekretär Pater Matteo Visioli – betonten, dass sich die Dinge nach dem Februar-Gipfel der Bischöfe zum Schutz Minderjähriger geändert hatten. Borelli wurde auch gesagt, der Papst wisse um seinen Fall und kümmere sich um ihn. Inzwischen wurde der mutmaßliche Täter von der Glaubenskongregation für unschuldig befunden. Dabei wurden seine Anrufe nicht beantwortet, er wurde nicht über das Urteil informiert und wird die Einzelheiten des kirchlichen Prozesses nicht erfahren. Borelli galt in dem Verfahren als Zeuge, nicht als Teil des Prozesses. Quelle: cruxnow


4.4.2019 Der „Weltkongress gegen sexuelle Ausbeutung“ fordert ein Verbot der Prostitution. In der „Mainzer Erklärung“ verlangt der Kongress u.a., den Betrieb von Bordellen zu verbieten und die Bezahlung für Sex als sexuelle Gewalt anzuerkennen. Damit würden die Besuche bei Prostituierten unter Strafe gestellt.  Lea Ackermann, Solwodi, spricht davon, dass Deutschland mit seiner liberalen Prostitutionspraxis und 1,2 Millionen Freiern täglich das „Bordell Europas“ sei.

In Schweden, Norwegen, Irland und Frankreich gebe es ein Sexkaufverbot, das das Europäische Parlament bereits 2014 in einer nicht bindenden Resolution empfohlen hat. Quelle: swr.de


4.4.2019 Der Generalvikar des Kantons Zürich, Josef Annen und die Präsidentin des Synodalrats haben einen Brief an Papst Franziskus geschrieben. Sie sagen, die Kirche stehe in Flammen und Hirten haben den Flächenbrand gelegt. Sie mahnen Taten an und fordern Reformen im Blick auf den Pflichtzölibat, den Ausschluss von Frauen, Klerikalismus und die Sexualität. Quelle: katholisch.de


4.4.2019 In letzter Instanz hat die Glaubenskongregation den früheren Erzbischof von Guam, Anthony Sablan Apuron, wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger verurteilt. Die Strafe besteht darin, dass Apuron nicht mehr Erzbischon von Guam ist, sich dort nicht aufhalten darf, aber weiterhin Priester und Bischof bleibt. Allerdings darf er nicht mehr Bischofsstab, Brustkreuz und Mitra tragen. Mehrere Messdiener hatten Apuron beschuldigt, er habe sie in den 1970er Jahren sexuell missbraucht. Apuron ließ mitteilen, er wehre sich gegen die „koordinierte Kampagne“ gegen ihn. Er sei „vollkommen unschuldig“ und habe dafür „Beweise“. Quellen: vaticannews.va  katholisch.de


4.4.2019 Irene Gassmann, Priorin des Schweizer Benediktinerinnenklosters Fahr, sagt, in der Hierarchie stützten sich die Männer gegenseitig. Priester haben eine Sonderstellung, die Frauen nicht einnehmen dürfen. Dies gilt nicht nur für die Sakramentenspendung. Die Schweizer Benediktinerinnen brauchen einen „Ordensassistenten“, der den Orden bei der vatikanischen Religiosenkongregation vertritt. Gassmann fordert eine Rückbesinnung auf die Taufe: „Durch die Taufe sind wir, ob Frauen oder Männer, gleichwertige Glieder dieser Kirche. Ich glaube, das haben wir in den letzten Jahrzehnten oder Jahrhunderten vergessen.“ Die Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs von Ordensfrauen wird nach ihrer Einschätzung lange dauern. Quelle: katholisch.de


3.4.2019 Thomas P. Doyle schreibt: „Die Geheimhaltung endete Mitte der 80er Jahre, als die Medien die Vertuschung der Kirche über einen Priester-Täter in Louisiana enthüllten. Oft als ‚Krise‘ bezeichnet, ist es in Wahrheit keine Krise. Es ist etwas viel Schlimmeres. Es ist eine weltweite Manifestation eines komplexen, systemischen und selbstzerstörerischen Zustandes in der Kirche…Der eklatanteste Mangel ist das Fehlen einer konsequenten Seelsorge für die Opfer und ihre Familien.“ Quelle: consciencemag.org


3.4.2019 In der Musikbranche ist sexuelle Gewalt normal, schreibt Jens Balzer. „In den meisten Pop-Historiografien ebenso wie im kollektiven Gedächtnis der damals mit Rockmusik sozialisierten Generation wird diese Zeit [die 70er Jahre] weiterhin als Epoche sexueller Befreiung betrachtet. Aber es war eben auch eine Zeit des entfesselten Patriarchats und des massenhaften Missbrauchs von Minderjährigen; das kann man auch nicht mit dem gern vorgebrachten Argument aus der Welt räumen, dass das „in den Siebzigern eben so war“. Denn es ist ja immer noch so!“ Quelle: zeit.de


3.4.2019 Laut der neuen polizeilichen Kriminalstatistik des Bundeskriminalamts wurden 2018 insgesamt 13.683 Kinder als Opfer sexuellen Missbrauchs erfasst. Im Jahr zuvor waren es 12.850. Der Chef der Deutschen Kinderhilfe, Rainer Becker, sagte, sexuelle Gewalt gegen Kinder sei nicht völlig zu verhindern. Die Öffentlichkeit müsse stark sensibilisiert werden, denn solche Misshandlungen seien nicht leicht zu erkennen. «Alle Berufsgruppen, die mit Kindern arbeiten, müssen qualifiziert werden, Hinweise und Signale von Kindern, wie Verhaltensänderungen, frühzeitig zu erkennen.» Denn je früher sexuelle Gewalt erkannt wird, desto schneller und umfassender könne einem Kind geholfen werden, sagte er. Quelle: lippewelle.de


3.4.2019 Das Bistum Hildesheim will bis 2020 die Missbrauchsvorwürfe gegen den früheren Bischof Heinrich Maria Janssen (1907-1988) weiter untersuchen lassen durch eine unabhängige Expertengruppe. Ihr gehören die ehemalige niedersächsische Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne), Gerhard Hackenschmied und Peter Mosser vom Münchener Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP), der frühere Oberstaatsanwalt und ehemalige Leiter der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltung zur Aufklärung nationalsozialistischer Vergehen in Ludwigsburg, Kurt Schrimm, an. Die gesamte Amtszeit Janssens von 1957 bid 1982 soll untersucht werden. Die Expertengruppe will auch die Strukturen untersuchen, die hinter den Verfehlungen Einzelner stehen. Quelle: kirche-und-leben.de


3.4.2019 Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs hat ihr Fazit vorgelegt. Die Studie ist im Sinne der Opfer und zeigt: Der Staat muss handeln. Evelyn Finger schreibt: „Das Deprimierendste jedoch sind die fehlenden Konsequenzen. Immer mehr Betroffene sprechen, in den letzten Jahren sogar öffentlich, sie werden auch öffentlich für ihren Mut gelobt – aber dann? Passiert gar nichts.“ Weder werden die Verjährungsfristen angepasst, noch helfen die Regeln der Opferentschädigung, weil die Opfer nachweisen müssen, dass ihr Leid eine Spätfolge des Missbrauchs ist. „Und die Vorbedingung für eine staatsanwaltliche Ermittlung, dass nämlich ein begründeter Verdacht im Einzelfall vorliegen muss, passt nicht zu der Tatsache, dass der schlimmste begründete Verdacht, der etwa die Kirchen betrifft, ein systematischer ist. Er lautet auf organisierte Strafvereitelung.“ Quelle: zeit.de


3.4.2019 Bilanzbericht des UBSKM Bd. 1: Geschichten, die zählen und Bd. 2: Meine Geschichte Quelle: aufarbeitungskommission.de/bilanzbericht_2019


2.4.2019 Die Bischöfe haben in Lingen einen „synodalen Weg“ beschlossen (Synode heißt „gemeinsamer Weg“). Was ein synodaler Weg ist, ist kirchenrechtlich unklar. Bei einer Diözesansynode sind Laien stimmberechtigt, aber der Bischof ist nicht an die Beschlüsse gebunden. Eine Möglichkeit wäre, eigene verbindliche Regeln nach dem Vorbild der Würzburger Synode aufzustellen. Der Papst müsste die Regeln genehmigen.

Nach Ansicht der Kirchenrechtlerin Sabine Demel kann der 2010 initiierte „Gesprächsprozess“ kein Vorbild sein – es gab keine verbindlichen Beschlüsse, heikle Themen wurden ausgespart. 

Demel fordert, dass das Gremium des „synodalen Weges“ paritätisch mit Bischöfen und Gläubigen mit gleichem Stimmrecht besetzt sein müsse. Die Vertreter der Gläubigen müssten repräsentativ nach dem Pinzip der Delegation durch Wahl bestimmt werden. Zudem sei die Verbindlichkeit der Beschlüsse vor Beginn der Treffen zu klären. Zwar könnten Themen, die vom Kirchenrecht geregelt sind – Pflichtzölibat, Frauenpriestertum – nicht durch einen synodalen Weg neu geregelt werden, aber sie müssten vor Ort zur Sprache kommen. Geregelt werden könnte jedoch, dass Bischöfe sich und ihre Pfarrer an die Entscheidungen demokratisch gewählter  Räte binden können oder eine jährliche Rechenschaftspflicht eingeführt wurde. Auch eine für Pfarreien und Diözesen verbindliche Dienstordnung könne aufgestellt werden. Quelle: katholisch.de


1.4.2019 Klaus Mertes spricht sich für eine Beibehaltung des Beichtgeheimnisses auch bei Missbrauchsfällen aus, weilgeschützte Vertrauensräume zur Grundlage einer humanen, nicht-totalitären Gesellschaft gehörten. Der Priester, der Beichte höre, sei nicht zur Absolution verpflichtet und habe auch die Pflicht, das „Beichtgeheimnis davor zu schützen, dass es zur Komplizenschaft mit Verbrechen führt.“ Quelle: domradio.de


1.4.2019 Papst Franziskus erklärte, dass er den Rücktritt von Kardinal Barbarin nicht annehmen konnte, weil bis zur Entscheidung über die Berufung die Schuld des Kardinals an der Vertuschung eines Missbrauchsfalls nicht erwiesen sei. So lange gelte die Unschuldsvermutung. Quelle: katholisch.de