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Presse

2. Quartal 2017

30.6.2017 Für manche Kinder wurde die Kinderkur zu großen Schrecken. Misshandlung und sexueller Missbrauch eingeschlossen. Triggergefahr! Quelle: zeit.de


30.6.2017 Papst Franziskus hat die Amtszeit des Präfekten der Glaubenskongregation nicht verlängert. Kardinal Müller ist ab Sonntag nicht mehr in diesem Amt. Über die Gründe der Nicht-Verlängerung wurde nichts bekannt. Quelle: katholisch.de

Kommentar: Ich erinnere ausschnittweise daran, wie der ehemalige Bischof von Regensburg und bisherige Kardinal Müller, Chef der Glaubenskongregation, die für kirchliche Missbrauchsfälle zuständig ist, mit Missbrauchsfällen umging:
Müller selbst setzte einen
Missbrauchstäter im Bistum Regensburg wieder ein und betonte, es gebe keinen Beleg dafür, dass die Kirche Missbrauch durch Kleriker absichtlich vertuscht habe. Opfern verweigerte er die Anerkennung  Den Vorwurf, dass die Aufklärung bei den Regensburger Domspatzen mangelhaft sei, nannte er postfaktisch. Noch im Februar 2017 sprach Müller davon, dass Missbrauch nicht systematisch vertuscht worden sei.
Die Presseberichte über Missbrauchsfälle in der Kirche verglich er mit der
Christenverfolgung in der Antike, sprach von Lynchjustiz, die auf dem Niveau von Hexenprozessen stehen geblieben sei, fühlte sich an eine Pogromstimmung erinnert, nannte die Berichterstattung eine Verletzung der Menschenwürde aller katholischen Priester und Ordensleute”  und stellte die Berichterstattung über Missbrauchsfälle in die Nähe nationalsozialistischer Agitation.
Als Marie Collins die Päpstliche Kinderschutzkommission verließ, weil die Glaubenskongregation die Kommunikation verweigerte und die Arbeit der Kinderschutzkommission nicht unterstützte, wurde bekannt, dass der vom Papst gewünschte
Gerichtshof für Bischöfe  von Kardinal Müller als “ lediglich ein Projekt” bezeichnet wurde – es gebe längst Möglichkeiten, Bischöfe zu sanktionieren. Den Offenen Brief von Marie Collins hat der Kardinal bis heute nicht beantwortet.


30.6.2017 Die Westschweizer Vereinigung “Groupe Sapec” weitet ihre Suche nach Opfern katholischer Kleriker auf Länder Afrikas und Südamerikas aus. Quelle: kath.ch


30.6.2017 Derzeit wird in Augsburg gegen einen hochrangigen Zen-Priester wegen sexuellen Missbrauchs verhandelt. Der Angeklagte berichtete dabei u.a. von sexuellen Übergriffen durch einen katholischen Priester in Altötting in seiner Kindheit/Jugend. Quelle: augsburger-allgemeine.de


Der geständige Zen-Priester wurde zu sieben Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt. 11.7.2017 Und er berichtete von sexuellen Übergriffen durch einen katholischen Pfarrer in Altötting. http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg-land/Zen-Priester-So-wuetend-sind-die-Muetter-der-missbrauchten-Buben-id41891086.html


30.6.2017 Kommentare zum Fall Pell: welt.de   bernerzeitung.ch   srf.ch   nzz   domradio.de  Süddeutsche 29.6.2017 Horst Hohmann berichtet vom Kesseltreiben gegen die Opferorganisation SNAP. Quelle: imprimatur-trier.de


29.6.2017 Ein früherer katholischer Priester, der sich durch gefälschte Zeugnisse das Priesteramt in der  Erzdiözese Stettin-Camminin in Polen erschlichen hat und 2008 im Bistum Mainz laisiert wurde, muss sich vor Gericht verantworten wegen sexuellem Missbrauch, gewerbsmäßigem Betrug, Urkundenfälschung und Missbrauch von Titeln und Berufsbezeichnungen. Ihm wird ein Vergewaltigungsversuch an einer 18-Jährigen in Österreich und sexueller Missbrauch von fünf Jungen bei insgesamt über 100 Gelegenheiten vorgeworfen. Die Missbrauchstaten geschahen im Raum Mainz, in Österreich, Italien, der Schweiz, Polen und zuletzt im Landkreis Deggendorf.

Auch nach seiner Entlassung aus dem Klerikerstand war der Ex-Priester mit einem offensichtlich gefälschten Priesterausweis weiterhin als Seelsorger tätig, darunter im Landkreis Deggendorf (Bistum Regensburg), im Raum Erding (Erzbistum München), in Taufkirchen (Erzbistum München) und in der Diözese Regensburg. Im Bistum Regensburg war der Beschuldigte aushilfsweise als Seelsorger tätig – er hatte den zuständigen Pfarrer über seine Identität und seine kirchliche und strafrechtliche Vorgeschichte getäuscht. Quelle: katholisch.de
Kommentar: Da ist ja wohl zu fragen, wie es im Fall vaganter Priester mit der Kommunikation zwischen Pfarrern und ihrem Bistum, zwischen den Bistümern (inclusive dem Herkunftsbistum des Priesters) und zwischen der Kirche und den staatlichen Behörden bestellt ist, wenn die Entlassung 2008 geschah, 2014 eine erste Warnung erging und der Ex-Pfarrer noch 2015 amtieren konnte.


29.6.2017 Marie Collins, ehemaliges Mitglied der Päpstlichen Kinderschutzkommission schreibt in ihrem Blog: Über die Schuld oder Unschuld an sexuellem Missbrauch durch Kardinal Pell könne sie vor einer gerichtlichen Untersuchung nicht urteilen. Aber sie sei der Ansicht, dass Pell sich niemals im Vatikan hätte verstecken dürfen, um zu vermeiden, für die falsche Behandlung von Missbrauchsfällen in Australien sanktioniert zu werden. Außerdem hätte er nie zu einer so hochrangigen Stellung ernannt werden dürfen und die Niederlegung seines Amtes sei viel zu spät erfolgt. Die Amtsniederlegung hätte bereits 2016 erfolgen müssen, als die australische Polizei ihre Ermittlungen wegen Missbrauchsvorwürfen begann. Kirchliche Leitlinien sehen die Amtsniederlegung vor, sobald Missbrauchsvorwürfe auftauchen, schreibt Collins und fragt, warum der Rang eines Beschuldigten einen Unterschied machen solle. Quellen: mariecollins.net  ncronline.org


29.6.2017 Kardinal Pell hat den Papst gebeten, sein Amt als Finanzchef des Vatikans vorübergehend niederlegen zu dürfen, um seine Unschuld  zu beweisen. Quelle: orf


29.6.2017 Die australische Justiz hat ein Ermittlungsverfahren gegen den australischen Kurienkardinal Pell, Chef der vatikanischen Finanzbehörde, wegen Missbrauchsverdacht eingeleitet. Ihm wird australischen Medienberichten zufolge von zwei Männern vorgeworfen, sie Ende der 1970er Jahre missbraucht zu haben. Drei Männer werfen ihm vor, sich in den 80er Jahren nackt gezeigt zu haben. Eine erste Anzeige wegen Missbrauchs eines Zwölfjährigen, die 2002 auch kirchlich untersucht wurde, bezieht sich auf das Jahr 1961 (s. auch queer.de). 2002 stellte der viktorianische Richter fest, dass sowohl der Ankläger als auch der Beklagte ehrliche Zeugen seien. Pell wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Am 18. Juli wird Pell nach Auskunft der Erzdiözese Sydney nach Australien kommen, um sich gegen die Vorwürfe zu verteidigen. Er wies die Vorwürfe wiederholt als “völlig unwahr und komplett falsch” zurück und sprach von einer “skandalösen Schmutzkampagne” gegen ihn. Bislang gab es keine gerichtliche Untersuchung der Vorwürfe der 1970er und 1980er Jahre.

In Australien haben sich mindestens 4440 Opfer katholischer Kleriker, Ordensfrauen und Laienmitarbeiter bei der königlichen australischen Untersuchungskommission gemeldet. Unter den Opfern ist auch ein Bischof, der als Flüchtling missbraucht wurde. Bislang hat die kath. Kirche Australiens mehr als 276 Millionen Euro als Ausgleich gezahlt. Quelle: sueddeutsche.de


29.6.2017 Papst Franziskus hat den italienischen Priester Mauro Inzoli, wegen seiner Vorlibe für Autos “Don Mercedes” genannt, aus dem Priesterstand entlassen. Inzoli war Pfarrer und Rektor des katholischen Shakespeare-Gymnasiums in Crema und hatte eine führende Position in der Gemeinschaft “Comunione e Liberazione”. Dort war er u.a. verantwortlich für die jugendlichen Mitglieder. Die Vorgeschichte: Erste Vorwürfe wurden 1999/2000 gegenüber dem zuständigen Bischof erhoben. Erst 2009 kam es zu einem kirchlichen Prozess. Im Dezember 2012 entließ Papst Benedikt Inzoli aus dem Priesterstand. Inzoli legte bei der Glaubenskongregation Einspruch ein. Im Juni 2014 nahm Papst Franziskus ihn wieder auf und verurteilte ihn zu einem “Leben in Gebet und demütiger Zurückhaltung”. Die Auflage hinderte Inzoli nicht, im Januar 2015 an einer öffentlichen Tagung von Comunione e Liberazione teilzunehmen. Im Juni 2016 wurde Inzoli von einem staatlichen Gericht zu vier Jahren und neun Monaten Haft wegen sexuellen Missbrauchs von fünf Jungen in der Zeit von 2004 bis 2008 verurteilt. Ca 15 ältere Taten waren verjährt. Quelle: kathpress.at


29.6.2017 Einem Tiroler Ordensmann wird der Missbrauch eines jugendlichen Lehrlings, dessen Chef der Ordensbruder war, vorgeworfen. Die Polizei ermittelt. Der Ordensmann wurde von der Provinzleitung des Serviten-Ordens beurlaubt. Quelle: kleinezeitung.at


27.6.2017 Ursula Enders, Zartbitter, schätzt, dass unter Missbrauchstätern 20% weiblich sind. Seit ihrem Buch “Auch Indianer kennen Schmerz (1995) habe sich wenig für Jungen als Opfer geändert: Selbst nach 2010 sei auf politischer Ebene wenig geschehen, Beratungsstellen für Jungen sind nicht gut ausgestattet und haben keine finanzielle Sicherheit. Quelle: focus.de


26.6.2017 Die neuen Vergewaltigungsvorwürfe gegen drei Jesuiten am AKO wird die Bonner Staatsanwaltschaft nicht verfolgen. Die mutmaßlichen Straftaten seien verjährt und der Geschädigte habe sich nicht gegenüber den Strafverfolgungsbehörden gemeldet. Bislang waren die Anschuldigungen nicht bekannt. Einer der mutmaßlichen Täter lebt noch. Quelle: wdr


26.6.2017 Das Forschungsprojekt der Bischofskonferenz „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ wird bis September 2018 verlängert. Ursprünglich sollte es 2017 beendet werden. Grund der Verlängerung: Umfang und Komplexität. Quelle: Bistum Essen


23.6.2017 Charles Scicluna bescheinigt der kath. Kirche beim Schutz von Minderjährigen vor sexuellem Missbrauch in der Vergangenheit einen amateurhaften Ansatz. Scicluna war von 2002 bis 2012 in der Glaubenskongregation für die innerkirchliche Strafverfolgung u.a. von Missbrauchstätern zuständig. – Der Leiter des Kinderschutzzentrums, Hans Zollner, SJ, forderte auf der dritten “Anglophone Safeguarding Conference 2017” mehr Schulung für kirchliches Personal und und höhere Standards beim Kinderschutz. Auf der Konferenz ging es um Zukunftsperspektiven für (kirchliche) Missbrauchsopfer, deren Begleiter und für Täter. Quelle: domradio.de


23.6.2017 Der Primas der anglikanischen Kirche von England, Justin Welby, hat seinem Vorvorgänger George Carey nahegelegt, sein Amt als Hilfsbischof nicht mehr auszuüben. Carey wird vorgeworfen, sechs von sieben Briefen von Missbrauchsopfern oder ihren Familien nicht an die Polizei weitergeleitet zu haben. Die Anzeigen betrafen den heute 85-jährigen anglikanischen Bischof von Gloucester, Peter Ball, der sexuelle Übergriffe auf mindestens 18 Minderjährige verübte. Quelle: orf


23.6.2016 Beim Eckigen Tisch hat sich ein Betroffener gemeldet, der sagt, dass er zwischen 1980 und 1983 (10-13 Jahre alt) mehrfach Opfer schweren sexuellen Missbrauchs insbesondere durch zwei Jesuitenpatres und Opfer gefährlicher Körperverletzung durch einen dritten Pater wurde. Quelle: Eckiger Tisch


23.6.2017 Der Schweizer Kapuziner Joel Allaz wurde am 20.5.2017 von der Glaubenskongregation mit Zustimmung des Papstes von den Ordensgelübden entbunden und aus dem Klerikerstand entlassen. Allaz wurde erstmals 1995 wegen sexuellen Missbrauchs angeklagt. Das Verfahren wurde wegen Verjhrung eingestellt. 2008 gab es eine weitere Voruntersuchung, bei der 22 Opfer identifiziert wurden – auch hier waren die Taten verjährt. Während dieser Untersuchungen benannte Allaz zwei weitere Opfer, die er von 1992 bis 1995 in Frankreich missbrauchte. Die Schweizer Kapuziner sind überrascht von der Härte, die der Ausschluss aus dem Orden bedeutet. Die Kapuziner werden weiterhin für Allaz aufkommen und er erhält Unterkunft in einem der Kapuziner-Häuser. Damit werde der Orden den Ansprüchen des Evangeliums, das Gerechtigkeit und Barmherzigkeit fordere, gerecht. Quelle: kath.ch


21.6.2017 Bischof Hanke, Eichstätt, rechtfertigt die Diakonenweihe für den Seminaristen, der im Priesterseminar Würzburg wegen antisemitischer Witze entlassen wurde. Damals bestätigten die Gutachter dem Seminaristen eine höchst bedenkliche Grundhaltung, nicht etwa nur ein Fehlverhalten. In die Entscheidung für oder gegen die Weihe waren die Gutachter nicht einbezogen. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Schuster, nennt die Weihe einen Persilschein, der inakzeptabel sei. Bischof Hanke begründet die Weihe damit, dass keine Heiligen geweiht werden, sondern Menschen. Auf die Frage von Journalisten, ob der Weihekandidat denn Reue zeige, zögerte der Bischof. Man hätte die damaligen Gutachter erneut hinzuziehen müssen: Sie hätten dem “Seminaristen eine höchst bedenkliche Grundhaltung, nicht einen Ausrutscher aufgrund von jugendlichem Leichtsinn attestiert”. Der nun ausgestellte “Persilschein”, so Schuster, sei inakzeptabel. Quelle: donaukurier.de


17.6.2017 In einer katholischen Gemeinde in Schwalbach wird am 24. Juni ein Gedenkstein für Pascal und andere verschwundene und missbrauchte Kinder aufgestellt. Das beschlossen die Gremien im Anschluss an eine Präventionsschulung. Damit setzen sie ein Zeichen für Zugehörigkeit von Betroffenen. Quelle: stern.de


17.6.2017 Einem 68-jährigen reformierten Pfarrer, der in den Kantonen Aargau, Solothurn und Schwyz arbeitete, wird sexueller Missbrauch vorgeworfen. Den jahrelangen Missbrauch von vier Enkelkindern (6 – 14 Jahre) gestand er; Übergriffe außerhalb der Familie bestreitet er. Er befindet sich in Untersuchungshaft. Quelle: srf.ch


16.6.2017 Ein buddhistischer Mönch aus Augsburg hat gestanden, Kinder im Alter von vier bis dreizehn Jahren, darunter einen Flüchtling im Kirchenasyl. Ebenfalls missbrauchte er die beiden Söhne einer Frau, die nach dem Tod ihres Mannes Rat suchte und mit der er eine Beziehung hatte. Quelle: religion.orf.at


15.6.2017 Mindestens 160 Studenten des St. Stanislaus College in Bathurst wurden von pädophilen Priestern und Mitarbeitern missbraucht. Nun will das Internat sich im Rahmen eines Gottesdienstes entschuldigen. Ehemalige Opfer sind empört, an den Ort ihres Leides zurückkehren zu sollen, um die Entschuldigung zu hören. Sie sagen:

“You would’ve thought the church and this school would have learnt the lesson, but instead they’re still disrespecting the victims. They’re still prioritising their own needs.” Quelle: newsgrio.com


14.6.2017 Der Zwischenbericht der Unabhängigen Kinderschutzkommission liegt vor. Christine Bergmann kommentiert: “Aufarbeitung ist die Basis für eine wirkliche vernünftige Prävention. Alles was da aufgearbeitet wird, hilft Kinder künftig besser zu schützen und hilft eben auch den Betroffenen, mehr Unterstützung zu bekommen für das was sie erlitten haben und was sie benötigen, um mit den Folgen fertig zu werden.”

In den Blick geraten Familienmitglieder, vor allem Mütter, als Mitwissende, die ihren Kindern nichht glauben und ihnen nicht helfen.
Wie wichtig der Gesellschaft die Unterstützung von Opfern ist, kann hier oder auch hier nachgelesen werden. Dass 13 von 16 Bundesländern sich weigern, in den für Opfer eingerichteten Fond Geld einzuzahlen, gehört zu diesem Bild. Quellen: aufarbeitungskommission.de  br  Zeit  katholisch.de
Kommentar: So richtig es ist, das Versagen der Mütter als Mitwissende zu beklagen, so darf darüber jedoch nicht in den Hintergrund treten, dass die Missbrauchstäter meistens männlich sind: Väter, Stiefväter, Lebenspartner der Mutter, Brüder, männliche Verwandte, Nachbarn, Priester…. Sexueller Missbrauch durch Frauen/Mütter ist kaum erforscht – die Zahlen schwanken zwischen 10 bis 25% der Missbrauchstaten.


13.6.2017 Sexueller Missbrauch ist noch immer ein Tabu. Im Gespräch mit den Experten Sabine Andresen und Johannes-Wilhelm Rörig berichten sie, dass die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs bundesweit rund 200 Betroffene sexualisierter Gewalt angehört und von 170 Betroffenen schriftliche Berichte erhalten und ausgewertet hat. Insgesamt haben sich etwa 1000 Menschen für Anhörungen bereit gefunden. Weitere vertrauliche Gespräche sind mangels Finanzen nicht mehr möglich. Das Anhörungs-Projekt endet im März 2019. Quelle: zeit


11.6.2017 Die Marburger Erziehungswissenschaftlerin Sabine Maschke hat Jugendliche in einer repräsentativen Untersuchung nach Erfahrungen sexueller Gewalt vor allem unter Gleichaltrigen befragt. Die Sexualisierung und Pornografisierung der Alltagskultur beeinflusst Jugendliche gravierend. 18% der Jungen und 60% der Mädchen haben noch nie einen Porno angeschaut. 50% der Jugendlichen wurden schon als schwul oder lesbisch verhöhnt, in sozialen Medien sexuell belästigt, zum Opfer exhibitionistischer Handlungen. Jeder vierte hat mindestens einmal, meist öfter, körperliche sexuelle Gewalt erlebt. Vor allem Mädchen sind betroffen. Die Täter bei körperlichen Übergriffen sind meist männliche Gleichaltrige. Quelle: Süddeutsche  Speak-Studie


11.6.2017 Die amerikanische Bischofskonferenz hat ihren Jahresbericht zu sexuellem Missbrauch vorgelegt. 2015/2016 gab es im Vergleich zu 2014/2015 einen Anstieg der Opfer um 132 % und der Täter um 59%. Der Anstieg wird erklärlich, weil in sechs Diözesen in Minnesota durch die Aufhebung von Verjährungsfristen die Zahl der Anzeigen erheblich gestiegen ist. Ohne die Bistümer von Minnesota beträgt der Anstieg bei den Opfern 9%, 7% bei den Anzeigen und 8% bei den Tätern. Zum Bericht: usccb.org2015 http://www.usccb.org/news/2016/16-059.cfm


11.6.2017 Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs hat zu wenig Geld und kann daher keine Anmeldungen für vertrauliche Anhörungen von Betroffenen mehr entgegennehmen. Das teilte die Kommissionsvorsitzende Sabine Andresen mit. Quelle: evangelisch.de


9.6.2017 Vor vier Jahren fielen drei Priesteramtskandidaten im Würzburger Priesterseminar durch antisemitische und rassistische Äußerungen auf. Nun hat der Bischof von Eichstätt einen der Priesteramtskandidaten – aus dem Erzbistum Bamberg stammend – zum Diakon geweiht. Quelle: donaukurier.de


9.6.2017 Ermittlungen gegen den früheren Bischof von Orléans (2002-2010), André Fort (81), wegen Nichtanzeige sexueller Übergriffe wurden eingeleitet. Der emeritierte Bischof soll von sexuellem Missbrauch an Minderjährigen im Jahr 1993 durch einen für die Pfadfinder zuständigen Priester gewusst haben. Quelle: kath.ch


9.6.2017 Die Informationen über den im Bistum Würzburg wohnenden Ruhestandspriester, dem sexueller Missbrauch in den 1990er Jahren vorgeworfen wird, stammen von Johannes Heibel, Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen und Christine Jeske, Redakteurin der Mainpost. Der Beschuldigte war zunächst im Erzbischöflichen Collegium Marianum in Neuss. Der damalige Rektor schrieb an das Priesterseminar in Trier ein Gutachten, das nicht gut ausgefallen sei. Mitte der 1980er Jahre erklärte der Regens des Trierer Priesterseminars, der Mann sei für das Amt des Priesters nicht geeignet. Bevor der Ruhestandspriester entlassen werden konnte, ging er in ein “großes Kloster” in Österreich. Das Kloster fragte nicht in Trier nach dem Grund für das Verlassen des Priesterseminars. Anfang der 1990er Jahre gab es nach Aussage eines Informanten vor der ewigen Profess Bedenken, die aber der damalige Probst und Novizenmeister nicht beachteten. Nach der Profess missbrauchte der Beschuldigte einen Ministranten – die Anklage wurde klosterintern geregelt. Der mutmaßliche Täter bat um Entbindung von seinem Gelübde, verließ das Kloster, wohnte aber einige Jahre in einer klostereigenen Wohnung in Wien. 1996 weihte ihn ein griechisch-katholischer rumänischer Bischof. Heute sagt das rumänische Bistum, der Mann sei dort nicht bekannt und werde nicht als ordinierter Priester geführt. Im Bistum Eichstätt wurde die Übernahme des Priesters abgelehnt. Darauf ging er ins Bistum Basel in eine Pfarrei – vermittelt durch einen ehemaligen Mitstudenten im Trierer Priesterseminar. In der Pfarrei entstanden wohl “böse Gerüchte (Bruch des Zölibats, unkorrektes Verhalten gegenüber Jugendlichen); das Zeugnis, das die Schweizer Pfarrei ausstellte, sei jedoch sehr positiv gewesen. Seit 2000 war er im Bistum Würzburg angestellt. Quelle: mainpost.de

Kommentar: Offensichtlich informierten die beteiligten kirchlichen Stellen einander nicht bzw. nur begrenzt über Eignung und Verhalten des Beschuldigten und fragten auch nicht an vorhergehenden Dienststellen nach. Und der Beschuldigte scheint auch immer neu tatkräftige Unterstützung durch Kirchenleute erhalten zu haben.


8.6.2017 In den USA überwachen weder der Staat noch die Kirche jene Priester, die Kinder und Jugendliche sexuell missbrauchten, dafür jedoch nicht vor Gericht verurteilt wurden, weil sie von der Kirche nicht angezeigt wurden. In der Regel haben sie den Kirchendienst verlassen und unterstehen keinem Bistum mehr. In staatlichen Registern von Missbrauchstätern tauchen sie nicht auf. Nicole Sotelo, Woman Healing, ermittelte im Erzbistum Chicago die Adressen von 29 der 33 noch lebenden Priester, die Missbrauchstäter waren. Fünf der Täter wohnten oder hatten im Abstand von 500 Fuß (152 m) von einer Schule oder einer Tagesstätte für Kinder gewohnt und elf in einem Abstand von bis zu 1500 Fuß (456 m). Quelle: ncronline.org

Kommentar: Auch in den Kirchen in Deutschland, Österreich und Rumänien gibt es keine Überwachung von Priestern, die sexuellen Missbrauch begangen haben, der kirchenintern behandelt wurde. Wenn sie aus dem Priesteramt entlassen wurden, hat die Kirche keine Möglichkeit der Überwachung mehr. Wie der Fall eines Priesters im Bistum Würzburg zeigt, scheint es im Gegenteil noch immer so zu sein, dass Täter unter dem Schutz der Kirche stehen und von ihr gefördert werden (mainpost.de).


8.6.2017 Ein im Bistum Würzburg wohnender, aber nicht im Bistum inkardinierter kath. Ruhestandspriester (55) wurde vom Bistum wegen sexuellen Missbrauchs bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Die Vorgeschichte, soweit sie den Presseberichten zu entnehmen ist: Der Beschuldigte soll Anfang der 90er Jahre als Mitglied einer österreichischen Ordensgemeinschaft in einem Kloster an einem 15- oder 16-jährigen Ministranten Missbrauch begangen haben. 1996 wurde der Beschuldigte in Rumänien zum Priester geweiht. Von 1998 bis 2000 war er in der Schweiz als Kaplan tätig. Zwischen 2000 bis 2002 arbeitete er im Bistum Würzburg. Bei seiner Anstellung in Würzburg lagen eine positive Beurteilung des rumänischen Bischofs, eine ausführliche positive Beurteilung durch seine Schweizer Dienststelle und ein Führungszeugnis ohne Eintrag vor.

2002 zeigte sich der Priester selbst wegen sexuellen Missbrauchs eines 11-Jährigen an. Er wurde zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Die Glaubenskongregation entschied, dass der Geistliche nach Abschluss einer Therapie nicht wieder in der ordentlichen Seelsorge eingesetzt werde. Quellen:   SZ   kath.de   abendblatt.de 


7.6.2017 Es gibt Hinweise, dass der sexuelle Missbrauch von Kindern in Einrichtungen der Korntaler Brüdergemeinde auch in der evangelischen Gemeinde von Ditzingen bekannt gewesen sein kann. Der Pfarrer der Korntaler Brüdergemeinde hat möglicherweise Jungen missbraucht – dies bestätigen zwei mutmaßliche Opfer.

Im Anschluss an einen Bericht des swr, Report Mainz am 30.5.2017 haben sich nach Auskunft von Detlev Zander, der 2014 von Gewalt berichtet, 26 Opfer gemeldet. Damit begann die Aufklärung. Nach dem Bericht gestand die Brüdergemeinde erstmals, dass es sich um ein System der Gewalt gehandelt habe. Bislang hatte die Brüdergemeinde von Einzelfällen gesprochen. Quelle: Leonberger Kreiszeitung


7.6.2017 Der Sonderermittler bei den Regensburger Domspatzen wird seinen Bericht in der 2. Juliwoche vorstellen. Der ursprünglich geplante Termin der Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse hat sich wegen der Datenfülle und dem Qualitätsanspruch verschoben. Außerdem gingen zahlreiche weitere Informationen ein, darunter auch neue Opfermeldungen. Im Oktober 2016 hatten sich 422 mögliche Opfer gemeldet. Quelle: Mittelbayerische


2.6.2017 Corey Taylor wurde – wie Ozzy Osbourne, Carlos Santana und Axl Rose – als Kind vergewaltigt und spricht darüber. Quelle: ze.tt


2.6.2017 Ein heute 62-Jähriger beschuldigt den verstorbenen Erzbischof Felixberto C. Flores, ihn vor mehr als 50 Jahren an der Cathedral Grade School sexuell missbraucht zu haben. Flores war der Vorgänger des beurlaubten Erzbischofs von Guam, Apuron, der im Vatikan auf seinen Prozess wegen Kindesmissbrauchs wartet. Flores ist neben Apuron und dem ehemaligen Bischof von Saipan der dritte Kirchenführer von den Marianen, die des sexuellen Missbrauchs beschuldigt werden. Der Bischof von Saipan, emeritus Tomas Camacho wird ebenfalls vor dem Bezirksgericht von Guam beschuldigt. Quelle: guampdn.com


2.6.2017 In Guam gibt es inzwischen 72 Opfer, die sich zu erkennen gegeben haben. Als Täter benannte der zuletzt Anzeigende den Priester Cepeda, der bereits von fünf anderen Opfern als Täter benannt wurde. Quelle: ns1.pacificnewscenter.com


1.6.2017 John Crowley, der Direktor des australischen St. Patrick’s College in Ballarat, in dem Studenten missbraucht wurden, sagte, es genüge nicht mehr, mit sorgfältig ausgewählten, aber hohlen Worten, gebrochenen Versprechungen und leeren Gefühlen auf die Opfer zu reagieren. Der Test der Echtheit des Bedauerns sei das Handeln der Kirchenverantwortlichen. Die königliche australische Missbrauchskommission spricht u.a. von dreihundert identifizierten “Christlichen Brüder”, die 1015 Kinder und Jugendliche missbrauchten. Quelle: townsvillebulletin.com.au


30.5.2017 Den ca 20.000 australischen verurteilten Missbrauchstätern, die ihre Strafe abgesessen haben, soll der Pass abgenommen werden, um sie daran zu hindern, im Auslang Kinder zu missbrauchen. Zuletzt war vermehrt registriert worden, dass verurteilte und entlassene australische Täter Opfer in asiatischen Entwicklungsländern suchten. Quelle: sueddeutsche.de


30.5.2017 Über die Auflärung der körperlichen, seelischen und sexuellen Gewalt in Heimen der Korntaler Brüdergemeinde. Der Verdacht, dass Kinder an Paten zu sexuellem Missbrauch ausgeliehen wurden, wird geprüft. Quelle: ardmediathek.de


30.5.2017 Ursprünglich erhielten die irischen Sisters of Charity die Lizenz für den Betrieb einer Geburtsklinik in Dublin. Der Staat wollte den Schwestern 300 Millionen Euro für den Bau geben, der in den Besitz des Ordens übergehen sollte. Die Sisters of Charity gehören zu den Betreibern der früheren Magdalenenheime, in denen bis in die 90er Jahre des 20. Jhs. Frauen misshandelt, missbraucht und ausgebeutet wurden und Kinder misshandelt, zum Teil zur Adoption in die USA verkauft, zum Teil in einer Sickergrube “begraben” wurden. Der Orden hatte sich zu Entschädigungen bei Missbrauchsfällen verpflichtet, kam aber seinen Zahlungen nur unvollständig nach – statt der verabredeten 5 Millionen Euro zahlte der Orden lediglich 13 % aus. Nach vielfältigem öffentlichem Protest (Rückzug eines Gynäkologen, Petition mit 100.000 Unterschriften, zwei Demonstrationen) haben sich die Ordensfrauen aus der Geburtsklinik zurückgezogen. Quelle: orf


29.5.2017 G.R.Pafumi, Vertreter der “Victims Speak Database/VictimsSpeakDB.org” spricht von 75 Missbrauchsfällen alleine in Guam. Involviert sind 70 Opfer und 15 Kleriker. Im September 2016 wurde die Verjährungsfrist für Missbrauchsanzeigen in Guam aufgehoben.  Es wird erwartete, dass der Vatikan ein Urteil über den u.a. des sexuellen Missbrauchs und der Vertuschung angeklagten Bischof von Guam, Apuron im Juni fällen wird. Es wäre der erste Prozess dieser Art im Vatikan. Bislang gab es kein einziges Urteil gegen einen Bischof. Quelle: guampdn.com


28.5.2017 Literaturhinweis für KatholikInnen: Christiane Florin: Der Weiberaufstand. Im Klappentext steht: “Es geht mir um die kleinen NAdelstiche, die ganz selbstverständlichen Benachteiligungen, nur weil das Gegenüber eine Frau ist. Würde man so handeln, weil das Gegenüber eine dunkle Hautfarbe hat, dann wäre man Rassist. Handelt und redet man so, weil das Gegenüber eine Frau ist, was ist man dann? Katholisch.” Quelle:  randomhouse.de s. auch Streitgespräch


23.5.2017 Kardinal Barbarin, Lyon, muss erneut vor Gericht. Ihm wird erneut Nichtanzeige sexueller Übergriffe bei Gericht vorgeworfen. Die Anzeige richtet sich u.a. auch gegen Pierre Durieux, Kommunikationsdirektor von Kardinal Barbarain; Regine Maire, verantwortlich für Opfer von Priestern; Maurice Gardès, Erzbischof von Auch; Pater Xavier Grillon, den Vorgesetzten von Preynat, der 70 Kinder und Jugendliche missbrauchte; Thierry Brac de la Perrière, Bischof von Nevers und Monsignor Luis Ladaria, Sekretär der Glaubenskongregation. Zehn Opfer eines Priesters des Bistums Lyon haben die Klage eingereicht. Die Staatsanwaltschaft hatte 2016 Ermittlungen wegen einer anderen Anschuldigung wegen Nichtanzeige gegen Kardinal Barbarin eingestellt. Quelle: katholisch.de  lefigaro.fr


22.5.2017 Bis zu 300.000 Kinder wurden in Spanien ihren Müttern direkt nach der Geburt weggenommen mit der Information, sie seien gestorben. Dann wurden diese Kinder verkauft. Beteiligt an dem Kinderhandel waren Ärzte, Notare und die katholische Kirche. Bereits 2011 gab es Informationen an die Presse (ARD-Studio Madrid) gegeben worden, geschehen ist nichts. Ärzte mit politischen Freunden und “Kräfte der katholischen Kirche” hätten dafür gesorgt, dass es nie zu größeren Ermittlungen kam. Nur gegen eine Nonne wurde ermittelt, sie starb, ehe sie hätte aussagen können. Der Kinderhandel begann in den 1930er Jahren unter Franco und wurde bis in die 1990er-Jahre praktiziert. Quelle: tagesschau.de


17.5.2017 Die Staatsanwaltschaft Hildesheim hat das Bistum Hildesheim scharf kritisiert, weil es gestern die Öffentlichkeit darüber informierte, dass es neben kirchlichen Ermittlungen gegen einen Lehrer der Hildesheimer Marienschule auch ein Verfahren der Anklagebehörde gebe. Dem Lehrer wird sexueller Missbrauch vorgeworfen. Das Bistum sagte, man habe die Öffentlichkeit angemessen und zeitnah informieren wollen. Die Staatsanwaltschaft nannte dies nicht hilfreich für die Ermittlungen, wenn informiert werde, bevor die Staatsanwaltschaft zu Vernehmungen vorgeladen habe. Aus dem Fehlen eines Lehrers und einer Schülerin könne das zu Nachfragen führen. Auch Eltern kritisierten, der Zeitpunkt der Bekanntgabe trage Unruhe – gerade während der Abiturprüfungen – von außen in die Schule. Quelle: ndr.de


17.5.2017 Kardinal Pell muss mit einer Anklage wegen Missbrauchsvorwürfen rechnen. Das bestätigte die Polizei im australischen Bundesstaat Victoria. Pell wird vorgeworfen, in den 1970er und 1980er Jahren mehrere Jugenliche sexuell belästigt zu haben. Der Kardinal weist die Vorwürfe als “völlig unwahr und komplett falsch” zurück. In Australien hat die Kirche inzwischen an mehrere tausend Opfer mehr als 276 Millionen Euro gezahlt. Quelle: orf


16.5.2017 Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen Lehrer der katholischen Hildesheimer Marienschule wegen des Verdachts von sexuellem Missbrauch Schutzbefohlener. Im Gespräch mit dem Bistum habe der Beschuldigte gestanden, sexuell übergriffig gewesen zu sein. Er wurde fristlos entlassen und erhielt Hausverbot. Das Bistum stellte Strafanzeige. Der zuständige Bischof Trelle ist bestürzt, dass trotz intensiver Präventionsarbeit eine Jugendliche Opfer wurde. Quelle: ndr.de


15.5.2017 Ein neues Buch “Cardinal: The Rise and Fall of George Pell” von Louiste Milligan wirft dem vatikanischen Finanzchef, dem australischen Kardinal Pell, neben Vertuschung auch den Missbrauch von zwei Chorkindern vor. Pell wurde im Oktober 2016 von der Königlichen australischen Kommission gehört, bislang jedoch nicht angeklagt. Das Buch soll auch neue EInzelheiten enthalten. Das Büro des Kardinals spricht von einer “skandalösen Schmutzkampagne”. Quelle: religion.orf.at


14.5.2017 Papst Franziskus berichtet von einem Gespräch mit Marie Collins, die die Päpstliche Kinderschutzkommission verlassen hat. Er stimmt ihrem Protest zu, dass viele Missbrauchsfälle verspätet behandelt wurden. Man habe den juristischen Rahmen in der Kirche erst schaffen müssen, das habe viel Zeit gekostet, erklärte der Papst. Außerdem gebe es nicht ausreichend Mitarbeiter, die ausgebildet seien, sich damit zu befassen, auch das ein Problem. – Der Papst wies bei der Frage nach einer Einigung mit den Piusbrüdern darauf hin, dass es auch noch Probleme gebe, zum Beispiel den sexuellen Missbrauch durch Mitglieder der Bruderschaft. Quelle: Radio Vatikan


13.5.2017 Papst Franziskus spricht von einem Rückstand von 2.000 Missbrauchsfällen, die im Vatikan auf Bearbeitung warten. Es werde mehr Mitarbeiter geben, fügte er hinzu. Quelle: abcnews.go.com


11.5.2017 Anfang April hat das schwedische Fernsehen von vier Angehörigen der Piusbruderschaft berichtet, die zwölf Minderjährige über Jahrzehnte missbrauchten. Quelle: katholisch.de


10.5.2017 Ein Priester der Pius-Bruderschaft wurde in Frankreich wegen Vergewaltigung zu 16 Jahren Haft verurteilt. RV sagt nichts über die Opfer. Quelle: radiovaticana.va


9.5.2017 Der Eckige Tisch hat die Gespräche mit den AKO-Verantwortlichen ausgesetzt und wartet auf eine öffentliche Darstellung des Kollegs über den Sachverhalt. Zudem fordert der Eckige Tisch, die derzeit vakante Stelle des Ako-Rektors für drei Jahre mit einer kirchenfremden Person zu besetzen, die Kompetenzen im Präventionsbereich hat. Quelle: generalanzeiger bonn.de

8.5.2017 Im Provolo-Institut in Verona leben taubstumme Kinder. Sie werden u.a. von katholischen Priestern betreut. 2011 wurden mehrere Priester des Instituts wegen sexuellen Missbrauchs angezeigt. Vier von ihnen wurden sanktioniert. Andere wurden in weitere Provolo-Institute nach Südamerika (Mendoza und La Plata) versetzt: Corradi, Ricardo Giménez, Jorge Luis Morello, Justo José Ilarraz, Luis Brizzio, Rubén Pardo, Osvaldo Ramírez, Félix Alejandro Martínez, Alejandro Squizziatto Raul del Castillo und José Rohr. Corradi tauchte 2014 in einem Provolo-Institut in Argentinien auf. Der Vatikan unternahm nichts. Ende 2016 wurden Corradi und ein weiterer Priester des Instituts wegen des Vorwurfs sexuellen Missbrauchs verhaftet. Mindestens 24 Kinder sagten gegen die Priester Corradi und Horavio Corbacho und drei weitere Männer aus. Zwei Nonnen sollen die Täter geschützt haben. Nun wurde eine der beiden Nonnen verhaftet. Inzwischen hat der Vatikan beteuert, er schütze die Kinder vor sexuellem Missbrauch und eine vatikan. Kommission geschickt, die den Fall untersucht. Quelle: washingtonpost.com   stern.de   badische-zeitung.de


5.5.2017 Das irische Mitglied der Legionäre Christi, John O’Reilly, wurde nach 4 Jahren Überwachung wegen des sexuellen Missbrauchs eines Mädchens zwischen 2007 und 2011 aus Chile ausgewiesen. Quelle: independent.ie


3.5.2017 Kardinal Marx sagte der Zeit, dass es für die Kirche und ihn selbst ein “schmerzhafter Lernprozess” gewesen sei, “vor allem und in allem von der Perspektive der Opfer her zu denken und zu handeln”. “Für mich persönlich möchte ich ausdrücklich festhalten, dass ich heute und leider erst im Nachhinein erkenne, dass ich intensiver hätte nachfragen müssen”, sagte er. Hintergrund seiner Äußerung ist der mehrfache Missbrauch eines heute 32-Jährigen, der im Bistum Trier von einem Priester mehrfach missbraucht wurde. Gegen denselben Priester lagen sieben weitere Anzeigen vor. Alle Verfahren wurden wegen Verjährung eingestellt. Das Bistum nahm 2006 keinen Kontakt zum heute 32-jährigen Opfer auf. Quellen: Kirche und Leben

Kommentar: So viele Entschuldigungen – und keinerlei Konsequenzen! Und: Kennt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz nicht seine Heilige Schrift, die eine Einübung in die Perspektive derer ist, die unter die Räuber gefallen sind?


2.5.2017 Der Aufklärungsbericht über Missbrauchsfälle bei den Regensburger Domspatzen verzögert sich weiter. Der Grund liege darin, dass weitere Informationen eingingen. Quelle: Domradio


1.5.2017 Bischof Robert Cunningham, Diözese von Syrakus, NY, glaubt, dass Jungen, die sexuell missbraucht werden, mit dem 7. Lebensjahr verantwortlich für ihr Handeln seien. Mit sieben Jahren beginnt in der katholischen Kirche das Alter, in dem Kinder Gut und Böse erkennen können. Quelle: countercurrentnews.com

Kommentar: Bischof Cunningham hat nicht dazugelernt. 2011 sagte er auf die Frage eines Anwalts, ob ein von einem Priester missbrauchtes Kind eine Sünde begangen habe: “Der Junge ist schuldig. Später entschuldigte er sich für seine Wortwahl. Von einer Entschuldigung für den Inhalt seiner Aussage finde ich keine Informationen. 


1.5.2017 Johannes-Wilhelm Rörig, Bundesbeauftragter für sexuellen Missbrauch, lobt die Präventionsarbeit der katholischen Kirche und kritisiert die Aufarbeitung: “Lange war offenbar der Institutionenschutz wichtiger als der Kinderschutz. Oft wurden die Taten Einzeltätern zugeschrieben, aber die strukturelle Komponente nicht gesehen. Heute investiert die katholische Kirche viel in Prävention, mit der Aufarbeitung tun sich viele kirchliche Einrichtungen aber noch schwer. Wir haben dies unter anderem bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals bei den Regensburger Domspatzen gesehen. Es war wohltuend, endlich zu erleben, wie nach bleiernen Jahren die neue Bistumsleitung Verantwortung übernommen hat. Das und der Umgang mit den Betroffenen auf Augenhöhe sind beispielgebend und zeigen, dass es für Aufarbeitung nie zu spät ist.” Quelle: Kirche und Leben


27.4.2017 Johannes Siebner, SJ, wurde zum Oberhaupt der deutschen Jesuiten gewählt. Er war bislang Rektor des Bonner Aloisius-Kollegs. Er forderte eine weitere Aufarbeitung der Missbrauchsfälle am Aloisius-Kolleg und nannte gründliche Aufarbeitung einen zentralen Aspekt guter Prävention. Quelle: Domradio


22.4.2017 Gegen einen Priester aus Lohne ist auch ein zweites Verfahren wegen des Besitzes von Kinderpornografie eingestellt worden. Ein erstes Verfahren war bereits zuvor eingestellt worden. Quelle: nwzonline.de


20.4.2017 In Dublin hat der Staat den “Sisters of Charity” eine Lizenz für den Betrieb einer Geburtsklinik gegeben und staatliches Geld in Höhe von 300 Millionen Euro für den Bau, der in den Besitz des Ordens übergeht. Die Sisters of Charity gehören zu den Betreibern der ehemaligen Magdalenenheime, in denen Frauen misshandelt, missbraucht und ausgebeutet wurden. Bislang kam der Orden seinen Verpflichtungen zu Entschädigungszahlungen bei Missbrauchsfällen nur unvollständig nach. Statt der vor 15 Jahren verabredeten Entschädigungssumme von 5 Millionen Euro wurden bis jetzt nur 2 Millionen gezahlt. Opferverbände sind empört. Mehr als 50.000 Menschen haben eine Petition unterzeichnet, um die Lizenz- und Geldvergabe zu verhindern. Quelle: katholisch.de


 

18.4.2017 Magnus Striet stellt die richtigen Fragen und versucht redliche Antworten – mehr dazu in seinem Buch “Gottes Schweigen” Quelle: Deutschlandfunk


16.4.2017 Der in der Schweiz bekannte und anerkannte Reformpädagoge Jürg Jegge (73) wird in einem Buch von seinem Schüler Markus Zangger (59) des sexuellen und psychsischen Missbrauchs beschuldigt. Er hat den Missbrauch gestanden. Nun distanziert sich auch die von ihm gegründete Stiftung “Märtplatz” von ihm. Die sozialpädagogische Institution verhilft 18- bis 25-jährigen Menschen mit Startnachteilen zum Einstieg ins Berufsleben. Quelle: blick.ch


16.4.2017 In einem Elite-Internat haben zwölf Lehrer zwischen 1963 bis 2010 Schüler und Schülerinnen sexuell missbraucht. Die Täter durften an der Schule bleiben oder wurden an andere Schulen versetzt oder kündigten. Kein einziger Fall wurde der Polizei gemeldet. Quelle: tagesschau.de


14.4.2017 Ein Mann hatte Vorwürfe gewalttätiger und sexueller Übergriffe gegen zwei Patres in einem Salesianer-Internat in Österreich in den 1970er Jahren vorgebracht. Der eine mutmaßliche Täter ist tot, der zweite arbeitet in einer Ordensschule in Essen. Der Orden drohte dem mutmaßlichen Opfer mit einer Gegenklage. Nun hat sich ein zweiter Mann gemeldet, der von Misshandlungen in den 1980er Jahren berichtet. Quelle: religion.orf.at


12.4.2017 In Spanien wurde nun der Priester Roman Martinez Velazquez vom Vorwurf sexuellen Missbrauchs freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte usrprünglich neun Jahre Haft gefordert. Nun zog sie die Klage gegen Martinez zurück, weil es fehlende Beweise und Widersprüche in den Aussagen des mutmaßlichen Opfers gab. Juan Pedro Oliver, Vorsitzender der spanischen Vereinigung für Kinderrechte (Prodeni), wies darauf hin, dass viele Missbrauchsopfer nun vor einer Anzeige zurückschrecken werden. Quelle: domradio.de


12.4.2017 Ein viertes Ermittlungsverfahren gegen den ehemaligen Freisener Pfarrer M. wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch hat die Staatsanwaltschaft wegen Verjährung eingestellt. Das Bistum Trier ermittelt jedoch in zwei Verdachtsfällen kirchenrechtlich. Der Beschuldigte, 63, hat seit einem Jahr Kontaktverbot mit Minderjährigen und darf keine Messe feiern. Der damalige Bischof von Trier, Reinhard Marx, wusste von den Missbrauchsvorwürfen. Quelle: http://www.sr.de/sr/home/nachrichten/panorama/Ermittlungsverfahren_Pfarrer_Freisen100.html


7.4.2017 In Österreich sollen Personen, die in Heimen des Bundes, der Länder und der Kirche missbraucht und/oder misshandelt wurden, bei EIntritt ins Regelpensionsaltern bzw. ab Pensionsantritt eine monatliche Zahlung von 300 Euro erhalten. Ab Juli sollen die Auszahlungen beginnen. Quelle: kathpress.at


6.4.2017 Der 57-jährige französische Bischof von Dax, Hervé Gaschinard, trat zurück wegen einer “unangemessenen Haltung” gegenüber Jugendlichen. Ein Bistumssprecher sagte, es handle sich in keinem Fall um sexuelle Akte oder Übergriffe. Quelle: welt.de


6.4.2017 Alfonso Miranda Guardiola, Generalsekretär der Mexikanischen Bischofskonferenz, hat erstmals öffentlich wiederholtes Fehlverhalten von Bischöfen im Umgang mit sexuellem Missbrauch von Minderjährigen durch Priester bekannt. Als Ursache benannte die Bischofskonferenz eine “klerikale Struktur von Machtmissbrauch”. Die Kirche in Mexiko bitte um Vergebung für die Verbrechen, nehme die volle Verantwortung dafür auf sich und fordere eine Bestrafung der Täter. Vertreter von Opfern erwarten, dass den Worten auch Taten folgen. 

kath.net berichtet von Schätzungen, dass mindestens 1.000 Kinder in Mexiko von Priestern missbraucht wurden. Alleine zwischen 2006 und 2016 gab es SNAP zufolge 500 Anzeigen gegen Priester. Quelle: Radio Vatikan


5.4.2017 Der Missbrauchstäter vom Canisius-Kolleg, der Jesuit Peter R., soll vor ein Kirchengericht kommen. Ihm wird der sexuelle Missbrauch von ca 100 Kindern und Jugendlichen vorgeworfen, 60 von ihnen haben sich seit 2010 gemeldet. Da es bislang keine zurechenbare Aussagen gibt, sucht das Berliner Kirchengericht Zeugen, die sich namentlich melden. – Bislang wurde gegen Peter R. wegen eines Falles ermittelt – er musste 4000 Euro Strafe zahlen – an die Kirche – und ihm wurde die Ausübung des Priesteramtes untersagt. Das von ihm missbrauchte Mädchen wurde weder gehört noch informiert. Quelle: welt.de


5.4.2017 Auch Jean-Claude Périsset, früherer Nuntius u.a. in Deutschland, war als Offizial des Bistums mit dem “Fall Joël Allaz” befasst. Er versprach dem Opfer, dass Allaz versetzt und seiner pastoralen Aufgaben enthoben werde. Allaz wurde tatsächlich nach Grenoble versetzt, wo er allerdings weiterhin als Priester tätig war und weiterhin Kinder missbrauchte. Perisset erstattete keine Strafanzeige und leitete auch kein kanonisches Verfahren ein. Strafrechtlich ist die Begünstigung verjährt. Der heute zuständige Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg, Charles Morerod, meint, der Fall sei auch kirchenrechtlich verjährt. Nach Ansicht von Joseph M. Bonnemain, Offizial im Bistum Chur und Sekretär des Fachgremiums “Sexuelle Übergriffe im kirchlichen Umfeld” der Schweizer Bischofskonferenz hingegen könne man nicht von einer kirchenrechtlich verjährten Handlung sprechen. Begründung: Das Versäumnis von Perisset sei kirchenrechtlich nicht als Straftat einzustufen. Erst seit einem Jahr können Bischöfe, die eine Abklärung unterlassen, kirchenrechtlich belangt werden. Quelle: kath.ch


5.4.2017 Der Papst hat den irischen Priester John Kennedy zum neuen Leiter der Disziplinarabteilung der Glaubenskongregation berufen. Er ist der Nachfolger des Mexikaners Pedro Miguel Funes Diaz. Die Disziplinarabteilung ist u.a. für kirchenrechtliche Prozesse gegen Missbrauchstäter zuständig. Quelle: orf