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Presse

2. Quartal 2015

28.6.2015 Die Mutter eines in Südafrika zum Opfer gewordenen Kindes von Pfarrer Georg K. hat die Kirche gebeten, sich zu entschuldigen und die Verantwortung für die Versetzung des Pfarrers zu übernehmen. Die Bischofskonferenz sandte ihr daraufhin das Formular zum Antrag auf eine Geldzahlung “in Anerkennung des Leids” – weder gab es ein Gespräch noch eine Verantwortungsübernahme der Bischofskonferenz/des Bistums Aachen. Quellen: wdr Diesseits von Eden    Publik Forum


28.6.2015 Im April 2015 hat eine Mutter eines Opfers des inzw. in Deutschland verurteilten Pfarres Georg K. einen offenen Brief an die Bischofskonferenz geschrieben. Das Anliegen war, eine Entschuldigung der Kirche zu erhalten, die den Täter nach Südafrika versetzt hatte. Als Antwort erhielt sie den Hinweis auf einen Antrag zur Anerkennung des Leids. Quelle: WDR 5 Diesseits von Eden


28.6.2015 Erwachsene Menschen mit Behinderung haben in der Schweiz keine direkte und unbürokratische Anlaufstelle, wenn sie missbraucht werden. Quelle: Tagesanzeiger


27.6.2015 In der Kirchenpresse Deutschlands war die Nachricht vom Kongress des Kinderschutzzentrums der Gregoriana nicht der Rede wert. So viel zum Interesse an den Opfern.


28.6.2015 Die Mutter eines in Südafrika zum Opfer gewordenen Kindes von Pfarrer Georg K. hat die Kirche gebeten, sich zu entschuldigen und die Verantwortung für die Versetzung des Pfarrers zu übernehmen. Die Bischofskonferenz sandte ihr daraufhin das Formular zum Antrag auf eine Geldzahlung “in Anerkennung des Leids” – weder gab es ein Gespräch noch eine Verantwortungsübernahme der Bischofskonferenz/des Bistums Aachen. Quellen: wdr Diesseits von Eden   Publik Forum


28.6.2015 Im April 2015 hat eine Mutter eines Opfers des inzw. in Deutschland verurteilten Pfarres Georg K. einen offenen Brief an die Bischofskonferenz geschrieben. Das Anliegen war, eine Entschuldigung der Kirche zu erhalten, die den Täter nach Südafrika versetzt hatte. Als Antwort erhielt sie den Hinweis auf einen Antrag zur Anerkennung des Leids. Quelle: WDR 5 Diesseits von Eden


28.6.2015 Erwachsene Menschen mit Behinderung haben in der Schweiz keine direkte und unbürokratische Anlaufstelle, wenn sie missbraucht werden. Quelle: Tagesanzeiger


27.6.2015 In der Kirchenpresse Deutschlands war die Nachricht vom Kongress des Kinderschutzzentrums der Gregoriana nicht der Rede wert. So viel zum Interesse an den Opfern.


26.6.2015 Der ehemalige Bischof von Trapani, Francis Miccichè, Diözese Monreale, soll kinderpornografische Fotos besessen haben. Miccichè wurde bereits 2012 vom Papst des Amtes enthoben – wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten. Quelle: monrealepress.it


26.6.2015 Der irische Kardinal Brady, früherer Primas der kath. Kirche von Irland, räumt Vertuschung von Missbrauchsfällen ein. Einen Täter, der mehr als 100 Kinder missbrauchte, Brendan Smyth, soll er mehrfach weiter versetzt haben. Außerdem war er anwesend, als zwei Opfern ein Schweigegelübde abverlangt wurde. Auch die Polizei wusste wohl von Smyths Verbrechen – Opfer wollen nun auch rechtlich gegen die Polizei vorgehen. Quelle: orf


25.6.2015 Der Papst hat den Rücktritt des chilenischen Bischofs Gonzalo Galvan Castillo, Bistum Autlan, angenommen. Über die Gründe teilte der Vatikan nichts mit. Dem Bischof wird vorgeworfen, auf einen 2009 bekannt gewordenen Missbrauchsvorwurf gegen einen Priester mit der Versetzung des Priesters reagiert zu haben. Weder gab es Disziplinarmaßnahmen gegen den Priester noch eine Anzeige vor weltlichen Justizinstanzen. Quelle: kath.ch


25.6.2015 Pater Zollner, Präsident des Kinderschutzzentrums der Päpstlichen Universität Gregoriana, sagt: “Wie soll ich zu einem Opfer von Missbrauch von Erlösung sprechen? Was bedeutet es, wenn ich sage: ,Jesus Christus hat dich erlöst in deinem Leiden’ – kann man das sagen? Wie kann man das sagen – einem Opfer von Missbrauch, ohne dass es schal wird, ohne dass es leer ist?” Quelle: jesuiten.org
Kommentar: Dies scheint mir ein wichtiger Zugang zum Erleben von Opfern zu sein: Fragen stellen! Und auf die Antworten und Antwortversuche hören und es aushalten, wenn es keine Antworten gibt. Wenn Pater Zollner allerdings davon spricht, dass Kirche von den “Heilungsgeschichte[n] der Opfer lernen” könne, so darf nicht übersehen werden, dass es für nicht wenige Opfer keine Heilungsgeschichte gibt. Was dann?


24.6.2015 Pater Zollner, Präsident des Kinderschutzzentrums der Päpstlichen Universität Gregoriana, sagt, die Kirche müsse noch mehr auf Missbrauchsopfer zugehen. Quelle: kath.ch
Kommentar: Eine gute Gelegenheit wäre z.B., wenn ich eine inhaltliche Antwort auf meine Anmerkungen zum E-Learning-Programm der Gregoriana erhielte, die das Gremium am 25.5.2015 erreicht hat.


24.6.2015 Im Vatikan werden erstmals theologische und spirituelle Fragen im Blick auf den Impact für Bischöfe, Täter und Opfer, der von den Missbrauchsfällen ausgeht, gestellt. Quelle: Radio Vatikan


22.5.2015 Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind in Europa rund 18 Millionen Kinder von sexueller Gewalt betroffen. Die deutsche Traumafolgekostenstudie beziffert die jährlichen Kosten in Deutschland mit rund 11 Milliarden Euro. Rörig, Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung, fordert, dass sexueller Missbrauch nicht mehr als “gesellschaftliches Randphänomen” gesehen wird, sondern als Problem mit weitreichenden gesellschaftlichen Folgen. Dies müsse auch in der Forschung sichtbar werden. Prof. Fegert sagt: “Wenn wir Prävention und Intervention nachhaltig verbessern wollen, müssen wir die Forschung zu sexuellem Missbrauch künftig noch weiter im wissenschaftlichen Mainstream verorten. Dies erfordert auch, vermehrt fächerübergreifend in transdisziplinären Forschungsinitiativen zu arbeiten. Darüber hinaus müssen wir dringend Forschungsprioritäten definieren, ein kontinuierliches Monitoring etablieren, welches die Folgen von Verbesserungen in Prävention und Intervention erfasst, sowie die Zusammenarbeit zwischen Forschung und Praxis verbessern. Nur so können wir sicherstellen, dass wir über die richtigen Themen forschen und gleichzeitig die richtigen Antworten auch in der Praxis ankommen.“ Auch die frühzeitige Einbindung von Fachberatungsstellen, Kitas, Schulen, Betroffenen müsse ausgebaut werden. Quelle: beauftragter-missbrauch.de


22.6.2015 Ein im Jahr 2000 wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in Italien und der Schweiz zu 5 Jahren Haft verurteilter französischer kath. Priester saß 4 Jahre seiner Strafe ab. Im 5. Jahr (2004) setzte ihn sein Freund, der Bischof von Reunion, in einer Gemeinde ein, trotz seiner Verurteilung und obwohl er sich von Kindern fernhalten sollte. Nun wurde er vom Vatikan laisiert. Ob der Bischof von Reunion Konsequenzen zu erwarten hat, ist unbekannt. Quelle: la croix


21.6.2015 In Kanada, Bistum Chicoutimi, hat ein kath. Priester im Ruhestand zugegeben, zwischen 1963 und 1987 insgesamt 40 Kinder zwischen 6 und 12 Jahren missbraucht zu haben. Erste Anschuldigungen ergingen 2012. Quelle: kath.ch


24.4.2015 Ein junger holländischer Priester – und wohl viele seiner Kollegen – beschuldigen das Bistum Brügge, in der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen weder transparent zu sein, noch sich an die eigenen Statuten zu halten. Quelle: demorgen.be


20.6.2015 Im Jahr 2004 wurde Don Giorgio Barbacini verhaftet und 2006 wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Er entzog sich durch Flucht in die Schweiz der Strafe und wurde nun bei seiner Rückkehr in sein Haus in Lusignan/Albenga festgenommen. Quelle: retelabuso.org


19.6.2015 Im Bistum Rottenburg wurden bislang 92 Priester, Diakone, Welt- und Ordenspriester des sexuellen Missbrauchs an 170 mutmaßlichen Opfern beschuldigt. 5 Priester wurden entlassen, 7 wurden suspendiert bzw. ließen ihr Amt ruhen. Quelle: swr.de


19.6.2015 Die Insolvenzverwalterin der Odenwaldschule prüft das Weiterbestehen der Schule. Es hänge davon ob, ob die Mittel aufgetrieben werden könnten und die Behörden die Genehmigung erteilten. Offenbar geben Eltern die Odenwaldschule nicht auf. Aus deren Kreisen sei zu hören, man hoffe auf einen kompletten Neuanfang unter anderem Namen. Ein Namens-Vorschlag laute „Paul-Geheeb-Schule“.
Klaus Mann beschreibt Geheeb als einen älteren Herrn, der sich schamlos an Schülerinnen heranmachte. Geheebs Biograph Martin Näf berichtete, dass die nahen Beziehungen Geheebs oft etwas gehabt hätten, das wir heute als übergriffig bezeichnen würden. Quelle: FR


19.6.2015 Amy Berg wurde bekannt durch ihre Dokumentation “Erlöse uns von dem Bösen“. Nun beschäftigt sie sich mit sexuellem Missbrauch in der Filmindustrie Hollywoods: “An Open Secret”. Der Film beschreibt, wie Eltern sich blind stellen, wie Täter sich das Vertrauen der Opfer erschleichen und sich miteinander vernetzen; wie Täter abgebrüht und ohne Schuldbewusstsein sind; wie noch noch oder auch nach einer Verurteilung weiterhin dort arbeiten, wo sie mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt sind und wie die Information der Öffentlichkeit verhindert wird.
Quelle: Süddeutsche


18.6.2015 Die Erzieherinnen der Mainzer Kita, die Kinder nicht vor der Gewalttätigkeit, den Erpressungen und den sexuellen Übergriffen anderer Kinder schützten, hatten eine Präventionsschulung durchlaufen. Quelle: swr
Anmerkung: Zu beachten ist, dass Kinder, die anderen Kindern gegenüber übergriffig werden, in der Regel selbst Opfer von Übergriffen geworden sind. Sie dann, wenn sie Erlittenes ausagieren, als “Täter” zu bezeichnen, wird diesen Kindern nicht gerecht – auch sie sind vermutlich Opfer.


16.6.2015 Dem zurückgetretenen Erzbischof von Saint Paul an Mineapolis, Nienstedt, wurde nicht nur Vertuschung von Missbrauchsfällen, sondern auch sexueller Missbrauch vorgeworfen. Mit den “Ermittlungen” war der Weihbischof Lee A. Piché beauftragt worden, der inzwischen ebenfalls wegen Vertuschung zurückgetreten ist. Quelle: diepresse.com


15.6.2015 Der Prozess gegen den früheren Nuntius Josef Wesolowski soll am 11. Juli 2015 beginnen. Quelle:  bzbasel


15.6.2015 “Kardinal Gerhard Ludwig Müller, Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre, war einst selbst an der Vertuschung eines Missbrauchsskandals beteiligt” – Macht der Papst den Bock zum Gärtner? Quelle: welt.de und ntv


15.6.2015 Die Vorgänge in der Mainzer Kita, in der die erwachsenen ErzieherInnen die Kinder (und ihre Eltern?) nicht ernst genommen haben, machen sehr betroffen. Offensichtlich genügt eine Selbstverpflichtung nicht und offensichtlich ist es möglich, jahrelange Präventionsarbeit zu ignorieren. Allerdings machen Bischöfe den ErzieherInnen vor, wie Opfer nicht gehört werden. Quelle: swr.de


15.6.2015 Klaus Mertes weist darauf hin, dass aufklären muss, wer Prävention (glaubwürdig) betreiben will.  Quelle: evangelisch.de


15.6.2015 Gegen das US-Bistum Saint Paul and Mineapolis hat die Staatsanwaltschaft im Januar Anklage erhoben, weil Kinder nicht ausreichend vor sexuellem Missbrauch geschützt wurden. Die Anklagen richten sich gegen Erzbischof Jon Nienstedt und Weihbischof Lee A. Piché. Nun hat der Vatikan die Rücktritte der beiden Bischöfe angenommen.
2001 war John Ward, Erzbischof von Cardiff zurückgetreten. Ihm wurde das Vertuschen von Missbrauchsfällen vorgeworfen. Der polnische Erzbischof Paetz musste 2002 zurücktreten, weil er Seminaristen zu sexuellen Handlungen genötigt hatte.
Der Bischof von Limerick, Donal Murray, trat wegen Vertuschung von Missbrauchsfällen im Dezember 2009 zurück. Im April 2015 akzeptierte der Papst den Amtsverzicht von US-Bischof Robert Finn, Kansas City-Saint Joseph. Gründe wurden nicht genannt, vermutlich wurde ihm der Rücktritt nahegelegt, weil er einen Priester, der kinderpornografische Fotos besaß, nicht den Behörden meldete.
Hingegen wurde der chilenische Bischof Barros 2015 neu ernannt, obwohl ihm das Vertuschen von sexuellem Missbrauch vorgeworfen wird. Und Kardinal Müller, dem Vertuschung von Missbrauchsfällen im Bistum Regensburg vorgeworfen wird, ist Präfekt der Glaubenskongregation, die wiederum weltweit die kirchlichen Missbrauchsfälle bearbeitet. Quelle: Radio Vatikan  s. auch: Stuttgarter Nachrichten


12.6.2015 Der Generalzeiger Bonn macht darauf aufmerksam, dass ein neuer Vatikan-Gerichtshof, der gegen vertuschende Bischöfe vorgehen soll, das staatliche Monopol auf Strafverfolgung nicht ersetzt. “Die Frage ist, ob dem Gebot der Transparenz Genüge getan wird, wenn Anzeigen gegen Bischöfe, die Täter decken, zunächst bei den zuständigen vatikanischen Kongregationen eingereicht werden müssen und von dort an das neue Tribunal in der Glaubenskongregation weitergeleitet werden (können). Dem Eindruck, dass Priester Ihresgleichen schützen, muss der Vatikan glaubhaft entgegentreten. Diese Glaubwürdigkeit wird sich daran messen lassen, ob der Vatikan auch Bischöfe zur Verantwortung zieht, die weit zurückliegende Fälle von Missbrauch auch in Zukunft decken.” Quelle: general-anzeiger-bonn.de


12.6.2015 In Mainz wurde ein kath. Kindergarten geschlossen. Dort soll es seit einem halben Jahr zu sexuellen Übergriffen von Kindern an Kindern, zu Erpressungen, Diebstählen und Erniedrigungen gekommen sein. Erste Mitteilungen von Eltern an den Kindergarten haben die ErzieherInnen nicht ernst genommen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt u.a. wegen Vernachlässigung der Aufsichtspflicht. Der Kindergarten wurden geschlossen, die ErzieherInnen entlassen. Quelle: derwesten.de


11.6.2015 In Italien wurde der ehemalige Pfarrer von Sciacca, David M., 44, zu 15 Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von 100.000 Euro verurteilt. Er hat in Spas 4 Jungen, 14-18 Jahre, sexuell missbraucht und versucht, zwei weitere Kinder zu missbrauchen. Quelle: comunicalo.it


11.6.2015 Gesetzesänderungen unterliegen auch in der Kirche einem Rückwirkungsverbot. Erst wenn die vom Vatikan geplanten Regeln zum Umgang mit Bischöfen, die Missbrauchsfälle vertuschten, in Kraft treten, können Bischöfe zur Rechenschaft gezogen werden. “Sollte aber ein Bischof in Zukunft einen Täter wegen eines zurück liegenden Falles von Missbrauchs decken, könnte er deshalb dennoch beim Vatikan angezeigt werden. Mary Collins, Mitglied der Kommission und selbst Missbrauchsopfer zeigte sich ‘sehr zufrieden’ mit der Ankündigung.” Quelle: mittelbayerische.de


11.6.2015 Der KNA-Chefredakteur L. Ring-Eifel erwartet, dass die geplante Gesetzesänderung des Vatikans, der auch Bischöfe wegen Vertuschung von Missbrauchsfällen zur Rechenschaft zieht, weniger Auswirkungen auf bisherige Fälle hat: “Weniger das Hinterherarbeiten an alten Fällen – das wird es auch geben. Aber der Umgang mit neuen Fällen wird sich jetzt verändern, weil eben diese Strafdrohung gegen die Bischöfe im Raum steht.” Quelle: domradio.de


10.6.2015 Der Papst kommt einer Empfehlung der päpstlichen Kinderschutzkommission nach und richtet eine neue Sektion in der Glaubenskongregation ein, die Amtsmissbrauchs-Beschwerden gegen Bischöfe prüfen soll. Dazu gehören auch Beschwerden gegen Kirchenmänner (nur Bischöfe? Was ist mit Generalvikaren und Personalchefs?), die im Verdacht stehen, Fälle sexuellen Missbrauchs vertuscht zu haben. Der Sekretär untersteht dem Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal G.L.Müller, früher Bischof von Regensburg. Für Anzeigen sind weiterhin die Bischofs-/Missions- oder Ostkirchenkongregation zuständig, die die Anzeigen an den neu einzurichtenden Gerichtshof weiterleiten – oder auch nicht.
Quellen: Domradio, Süddeutsche, Zeit, katholisch.de

Kommentar: Eine erste Konsequenz wäre, zunächst einmal den/die Täter in der Glaubenskongregation ihres Amtes zu entheben und zu suspendieren. Außerdem kann nur gehofft werden, dass den Absichtserklärungen auch Taten folgen – anders als bei der Absichtserklärung von Bischof Ackermann vom Katholikentag 2014, einen “strukturierten Dialog” mit kirchl. Missbrauchsopfern zu prüfen. Und anders als die bislang nicht/jedenfalls nicht öffentlich erkennbar eingelöste Absicht, eine Hotline für die Opfer einzurichten, die für das Forschungsprojekt der DBK zu Interviews gebeten wurden und werden. Auch der angekündigte angemessene Aufruf und die angemessene Werbung für die Studienteilnahme ist bislang nicht öffentlich geworden, obwohl die Forscher selbst davon ausgingen, dass das Teilprojekt “Qualitative biografische Analyse in Form von Interviews mit (Tätern und) Opfern” nur unter dieser Voraussetzung gelingen könne.
Zu fragen ist auch, ob Bischöfen vorgeworfen werden kann, dass sie sich an das geltende Kirchenrecht halten.
Dort heißt es:

Zu Recht sind daher denen, die zum Dienst am Volk Gottes bestimmt sind, gewisse Dinge anvertraut, die geheimzuhalten sind, nämlich solche, die kundgetan oder zu unrechter Zeit und unpassend kundgetan, entweder für die Auferbauung der Kirche hinderlich sind oder dem öffentlichen Wohl schaden oder überhaupt die unverletzlichen Rechte der einzelnen oder Gemeinschaften verletzen (vgl. die Instruktion Communio et progressio Nr. 121). Das alles verpflichtet immer im Gewissen, vor allem ist das Beichtgeheimnis wegen der Disziplin des Bußsakramentes streng zu halten, und dann das Amtsgeheimnis oder das sogenannte anvertraute Geheimnis und darüber hinaus das päpstliche Geheimnis, von dem diese Instruktion handelt….
Unter das päpstliche Geheimnis fallen:…
4. außergerichtliche Anzeigen und Verstöße gegen Glaube und Sitten, über Delikte gegen das Bußsakrament sowie die diesbezüglichen Verfahren und Entscheidungen, jedoch immer unbeschadet des Rechtes des Angezeigten auf Kenntnis der Anzeige, wenn das zu seiner Verteidigung erforderlich sein sollte. Der Name des Anzeigenden darf aber nur dann bekannt gegeben werden, wenn die zuständige Autorität es für opportun hält, den Angezeigten und den Anzeigenden einander gegenüberzustellen.
s.auch 2001 AD EXSEQUENDAM ECCLESIASTICAM LEGEM
s.auch 2010 Normae de gravioribus delictis


6.6.2015 Klaus Mertes verweist auf das Buch von Doris Wagner und formuliert: „Einer der Täter [von Doris Wagner] ist heute Abteilungsleiter in der Glaubenskongregation. Das kann man nachlesen. Das ist zugegeben.“ Das wisse auch Kardinal Müller, aber auch hier sei wieder dieses Schweigen, diese Untätigkeit. „Man muss ganz klar sagen: In der Glaubenskongregation sitzen Täter“ – so Mertes. Quelle: regensburg-digital


6.6.2015 Der MB-Beauftragte der Bundesregierung fordert, dass die evangelische Kirche mehr gegen sexuellen Missbrauch tun solle. Er appellierte an die EKD, einen Leitenden Geistlichen einer Landeskirche mit der Aufklärung vergangenen Unrechts zu betrauen. Wenn die EKD die Aufarbeitung zur Chefsache machen würde, wäre das ein starkes Signal. Quelle: idea.de


5.6.2015 In der Schweiz werden weiterhin Missbrauchsfälle in der Kirche gemeldet. 2014 wurden 12 “Vorfälle” registriert. 9 der Meldungen beziehen sich auf die Jahre 1950  bis 2000, ein Fall datiert von 2013. 8 der Opfer waren Kinder, ein Opfer war jugendlich, 3 Opfer waren erwachsene Frauen. 2013 waren 11 Fälle gemeldet worden. Die Meldungen von 2013 betrafen 14 Täter. Die Meldungen von 2014 betrafen 10 Täter. – Die Statistik wird von einer Kommission “Sexuelle Übergriffe in der Pastoral erstellt und von der Bischofskonferenz veröffentlicht. Quelle: appenzellerzeitung.ch


4.6.2015 Die Päpstliche Kinderschutzkommission will sich zu den Vorwürfen gegen den australischen Kardinal George Pell nicht äußern. Peter Saunders, Mitglied der Kinderschutzkommission habe seine Privatmeinung geäußert. Die Kommission habe nicht die Kompetenz, rechtliche Einzelfälle zu beurteilen, sie solle den Papst beim Kampf gegen sexuellen Missbrauch im kirchl. Bereich beraten. (Offensichtlich gehört dazu nicht die Beratung, wie mit Bischöfen umzugehen ist, die verdächtigt werden, priesterliche Missbrauchstäter nur versetzt zu haben und Opfern Schweigegeld anzubieten.) Quelle: kath.ch   Hier finden Sie einen Überblick über den Umgang von Kardinal Pell mit Missbrauchsopfern.


3.6.2015 Der Regensburger Anwalt, der im Auftrag des Bistums Regensburg Gewalt bei den Domspatzen untersucht, hat Berichte des Bayerischen Rundfunks zurückgewiesen, dass die Zahl der Misshandlungsfälle höher sei als bisher bekannt. Seine Aussage von einem “Dominoeffekt” habe sich auf das Vertrauen der Opfer zu ihm, nicht jedoch auf die Zahl der Opfer bezogen. Quelle: katholisch.de


3.6.2015 Pater Zollner berichtet, dass es noch keine kirchenrechtliche Handhabe gegen Ortsbischöfe gebe, die sexuellen Missbrauch in ihrer Diözese vertuschen. Es fehlt eine Prozessordnung und eine Sanktionsliste. Quelle: kathweb.at  katholisch.de


3.6.2015 Mehr als 150 000 Kinder von Indianern, Inuit und Mestizen wurden seit dem späten 19. Jh. in meist katholischen Heimen untergebracht, wo sie häufig Misshandlung und sexuellen Missbrauch erlitten. Der Ureinwohnerverband First Nations bezeichnete die Zwangseinschulung der Kinder als kulturellen Völkermord. Quelle: kurier.at


3.6.2015 Auf Mallorca wurde im März 2015 gegen den Pfarrer von Sa Pobla Anzeige wegen sexuellen Missbrauchs erstattet – nun hat der Anzeigende die Beschwerde vor Gericht zurückgezogen. Quelle: radioaleman.com


2.6.2015 Das Bistum Mallorca zahlt an das Missbrauchsopfer des früheren Pfarrers von Can Picafort 30.000 Euro. Damit verzichtet die Frau auf eine Entschädigung, die ihr von einem Gericht im Fall der Verurteilung des Beschuldigten zugesprochen würde. Die Staatsanwaltschaft fordert ein Schmerzensgeld von 100.000 Euro. 1998 hatte ein Gemeindemitarbeiter den Fall angezeigt, das Mädchen leugnete jedoch. Sie sei vom Pfarrer dazu gezwungen worden, sagt sie. Der damalige Bischof nahm die Vorwürfe nicht weiter ernst, der Pfarrer blieb im Amt. Quelle: mallorcazeitung


1.6.2015 Der australische Kardinal Pell wurde 2014 vom Papst zum Leiter des vatikanischen Finanzministeriums ernannt. Er gehört auch der Kardinalskommission für eine Reform der römischen Kurie an. Bekannt ist seit langem, dass Pell einem Missbrauchsopfer eines Serientäters, der mindestens 50 Kinder missbrauchte, Schweigegeld angeboten hat. Das Opfer, David Ridsdale, sagte dies vor der australischen Royal Commission into Institutional Responses to the Child Sexual Abuse aus. Nun wurde Pell vorgeladen. Er will der Vorladung folgen, beteuert jedoch seine Unschuld.
Peter Saunders, eines von 2 Opfern in der päpstlichen Kinderschutzkommission, fordert den Rücktritt Pells. Der Papstsprecher Lombardi wies die Forderung zurück. Er wies darauf hin, dass Peter Saunders’ Forderung von keinem der 17 (16?) anderen Kommissionsmitglieder unterstützt werde. Pell erwäge juristische Schritte gegen Peter Saunders. Quellen: 20 min und zeit und kathpress
Kommentar: Pell ist nicht der einzige Bischof, der Priester-Täter versetzte. Dass Peter Saunders in der vatikan. Kinderschutzkommission der einzige ist, der Pells Rücktritt fordert, bedeutet, dass die 16 (17?) anderen Kommissionsmitglieder sich nicht daran stören, dass ein Kardinal hohe Ämter in der Kurie hat, obwohl er verdächtig ist, priesterliche Missbrauchstäter lediglich versetzt zu haben.


1.6.2015 Der vom Bistum Regensburg beauftragte unabhängige Gutachter Ulrich Weber spricht davon, dass die Zahl der Opfer bei den Regensburger Domspatzen deutlich höher liegen könne als die bislang bekannten 70 /72?) Opfer. Das Bistum war für den br nicht zu einer Stellungnahme bereit.
Klaus Mertes berichtet, dass auf unterer und mittlerer Ebene viel an Aufklärungs- und Präventionsarbeit geschehen sei, dass es aber nach wie vor einen harten Block von Verweigerern gebe. Er kritisierte, dass ausgerechnet Kardinal Gerhard Müller, ehemals Regensburg, jetzt Leiter der vatikanischen Glaubenskongregation sei, nachdem er bei den ersten Berichten über sexuellen Missbrauch von einer Pressekampagne und von Pogromstimmung gesprochen hatte. Quellen: br   Die Seite der Missbrauchsopfer der Regensburger Domspatzen

1.6.2015 Der Prozess in Österreich gegen den aus Teisendorf (D.) stammenden Pater Fabian V. wird voraussichtlich neu aufgerollt. Der Pater war wegen sexuellen Missbrauchs zu 4 Jahren Haft verurteilt worden. Er hofft, dass das Strafmaß reduziert wird. Quelle: bayernwelle


1.6.2015 Heute ist der Internationale Kindertag. Vermutlich wieder einmal der Tag der großen und folgenlosen Reden – von denen gibt es zu viele.


31.5.2015 Klaus Mertes sagt: „Das größte Hindernis ist die Unfähigkeit und Unwilligkeit zuzuhören.“ Diese Unfähigkeit und Unwilligkeit sei strukturell begründet, weil die Opfer das Selbstverständnis der Kirche in Frage stellen. – Mertes berichtet, dass er von den deutschen Bischöfen nicht eingeladen wurde und Signale aus Rom erhalten habe, der er “für die ein rotes Tuch” sei. Quelle: Mittelbayerische


31.5.2015 Im Stift Lambach wurde ein Pater, Pius H., wegen eines “privaten Vorfalls” suspendiert. Ihm wird vorgeworfen, einen minderjährigen Jungen für sexuelle Dienste bezahlt zu haben. Quelle: kurier.at


30.5.2015 Der Papst ist – weiterhin – der Ansicht, zwei oder drei “Klapse auf den Hintern” schaden nicht. Quelle: Badische Zeitung


30.5.2015 Französische Soldaten sollen in einem Flüchtlingscamp in der Zentralafrikanischen Republik Kinder sexuell missbraucht haben. Die UNO wurde informiert, unternahm aber nichts. Jetzt hat sie etwas unternommen – gegen Anders Kompass, einen UNHCHR-Mitarbeiter, der – zu Recht – davon ausgehen musste, dass weder die UNHCHR noch die Befehlshaber der französischen Truppen vor Ort irgendetwas gegen den möglicherweise fortgesetzten Missbrauch unternehmen würden. Kompass wurde suspendiert, weil er den Dienstweg nicht einhielt. Was im Blick auf die Opfer geschieht, ist unbekannt. Quelle: spiegel.de


28.5.2015 Die Erzdiözese Saint Paul and Minneapolis tätigt Notverkäufe. Sie hat Insolvenz angemeldet, weil die Steuerjahres-Bilanz ein Minus aufwies, sich die Kirchenleitung mit möglichen weiteren Missbrauchsklagen konfrontiert sah und teure Rechtsstreitigkeiten mit Missbrauchsopfern abwenden wollte. Quelle: orf


28.5.20155 Bayerische Mitglieder des Betroffenenrates des Unabhängigen Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung berichten von ihren Zielen.
Quelle: br.de


28.5.2015 Das Bistum Aachen prüft noch immer, ob der inzwischen in Deutschland verurteilte Priester Georg K. auch in Südafrika einen Jungen missbraucht hat und ob sich die Kirche in Deutschland entschuldigen will oder nicht. Der Prozess in Südafrika endete ohne Urteil, weil die in Deutschland verhandelten Taten schwerer waren. Die Familie des Opfers aus Südafrika hat Johannes Heibel bevollmächtigt, sie gegenüber der Kirche zu vertreten. Der Pressesprecher des Bistums Aachen sagt: „Wir wünschen uns sehr, dass wir als katholische Kirche damit [mit der Antragstellung der Familie auf Leistungen in Anerkennung des Leids] einen Beitrag leisten können, damit die Wunden endlich verheilen können.“ Quelle: wz-newsline


28.5.2015 Nachdem ein Opfer aus dem Erzbistum Freiburg 10 verschiedenen Ansprechpartnern die Vorwürfe gegen einen amtierenden Priester des Bistums Münster erklären musste und das Bistum Münster dem mutmaßlichen Täter glaubt, der die Vorwürfe zurückweist (trotz Anerkennung des Opfers durch das Erzbistum Freiburg und die Koordinierungsstelle der DBK), hat sich nun das Erzbistum Freiburg entschlossen, das Leid der Frau “anzuerkennen”. Das Bistum Münster wiederum prüft die Vorwürfe weiterhin und will das Opfer erneut anhören. Der Täter will zum 1.9.15 in den Ruhestand gehen, aber weiterhin als Priester zur Verfügung stehen. Das Bistum Münster beabsichtigt nicht, ihn zu suspendieren.
Quelle: Badische Zeitung
Kommentar: Dass ein Bistum sich nicht der Entscheidung der Bischofskonferenz unterwirft, dürfte häufiger vorkommen. Dass ein Bistum die Entscheidung eines anderen Bistums nicht akzeptiert, dürfte nicht oft vorkommen. Es dürfte innerkirchlich prekär sein.


27.5.2015 Kardinal Pell,  Präfekt des vatikanischen Wirtschaftssekretariates, ist bereit, als Zeuge vor dem staatlichen Untersuchungsausschuss in Australien auszusagen. Ein Opfer eines Serientäters wirft Pell vor, ihm finanzielle Unterstützung gegen Schweigen in Aussicht gestellt zu haben. Quelle: orf


26.5.2015 In Italien wurde ein 49-jähriger kath. Priester (Salesianer, in Alassio) festgenommen wegen des Verdachts auf Konsum von Kinderpornografie. Er gehörte einem internationalen Netzwerk mit 233 Verdächtigen aus 35 Staaten an. Quelle: retelabuso.org


26.5.2015 In der Schweiz werden 172 katholische Priester und Mönche des sexuellen Missbrauchs verdächtigt (bei derzeit ca 730 amtierenden kath. Priestern und Ordensmännern). Gegen ca 20 der Verdächtigen wurden Verfahren eröffnet. Manche der Verdächtige sind einfach unauffindbar. Der Sekretär der kirchlichen Sonderkommission ergänzte, dass die Diözesen nur sehr lückenhaft Informationen – vor allem, den Zeitraum von 1950 bis 1980 betreffend – zur Verfügung gestellt hätten.
Da dürfte noch immer zutreffen, was ein Opfer 2014 sagte: “Man hat den Eindruck, dass die Kirche ihre Rolle nicht ernst nimmt.” Quelle: luzernerzeitung.ch


23.5.2015 Auch ein zu den Armen bekehrter Bischof hat es nicht leicht, im Vatikan anerkannt zu werden. An diesem Sonntag wird Oscar Romero – 35 Jahre nach seinem Tod – seliggesprochen. Quelle: sueddeutsche.de


22.5.2015 In Italien wurden in 5 Wochen sechs kath. Priester verhaftet: einem wird Mord an einer Frau vorgeworfen, den 5 anderen sexueller Missbrauch von Kindern: 26.5.2015 ein Salesianer-Priester, 49, Alassio; 20.5.2015 ein Priester aus Brindisi, Giampiero P.; 24.4.2015 der Salesianer V.; 11.1.2015 ein Priester, 50 J., aus Neapel; 2.1.2015 ein Priester aus Parioli, Rom, Missbrauch in Argentinien. Quelle: panorama.it


22.5.2015 Missbrauchsopfer fordern mehr Hilfe. Sie kritisieren:

  • “Sexueller Missbrauch ist noch immer eins der sichersten Verbrechen”( Renate Bühn)
  • Der MB-Beauftragte der Bundesregierung spricht von “unverbindlichem Mitgefühl” und weist darauf hin, dass Präventionsmaßnahmen mangels Finanzierung nicht umgesetzt werden.
  • Die Hilfen für Betroffene seien nicht ausreichend – nur Bayern und Mecklenburg-Vorpommern haben bislang in den Hilfsfond eingezahlt.
  • der Zugang zu Hilfen ist kompliziert
  • Opfer wollen Anerkennung ihres Leids und treffen auf Juristen (Kerstin Claus, Journalistin)
  • noch immer werden in der evang. Kirche Verschwiegenheitserklärungen verlangt
  • Manchmal streiten sich verschiedene Behörden über ihre Zuständigkeit
  • Nötig sei eine Reform des Hilfssystems und des OEG und eine Verlängerung des Hilfsfonds, der 2016 auslaufen sollte. Quelle: dw
  • 22.5.2015 In Viterbo wurde ein kath. Priester verhaftet. Ihm wird regelmäßige Kinderprostitution mit minderjährigen Roma-Mädchen am Hauptbahnhof Termini, Rom, vorgeworfen. Zudem wurden 1700 kinderpornografische Bilder bei ihm gefunden. Quelle: kath.ch


    21.5.2015 Kardinal Pell, dem seit Jahren vorgeworfen wird, einem Opfer Geld gegen Schweigen angeboten zu haben, dementiert. Er habe kein solches Angebot gemacht. Es steht Aussage unter Eid gegen Aussage unter Eid. Pell ist seit 2014 Präfekt des neuen Wirtschaftssekretariates im Vatikan. Quelle: spiegel, s. auch  childabuseroyalcommission.gov.au


21.5.2015 Aufruf der Aktion Sühnezeichen und der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus für das Recht von Flüchtlingen, zu kommen und zu bleiben.


21.5.2015 Die britische Polizei ermittelt gegen 1400 Menschen, die im Verdacht stehen, Kinder in der Vergangenheit sexuell missbraucht zu haben, darunter auch 261 Prominente. Quelle: SZ


20.5.2015 Heute wird eine Studie über sexuelle Gewalt gegen Kinder in der Vorgängerpartei der Grünen in Berlin vorgestellt. Dort ist von 1000 Opfern die Rede. Die Berliner Vorgänge sind in der Walter-Studie nicht enthalten. Die Grünen/Berlin korrigieren den Bericht des Tagesspiegels. Quelle: tagesspiegel.de


19.5.2015 Die Diözese Chicago zahlt einem Missbrauchsopfer 1,25 Millionen US-Dollar, die Diözese Seattle einem anderen Opfer 1,2 Millionen Dollar als Entschädigung. Die Diözese Chicago will mit dieser außergerichtlichen Einigung mit dem Opfer einen Prozess abwenden. Quelle: orf


16.5.2015 Umfang, Kontext und Auswirkungen pädophiler Forderungen innerhalb des Deutschen Kinderschutzbundes. Zusammenfassende Analyse der Bedingungsfaktoren sexuellen Missbrauchs, diskursiver Anschlussstellen und institutioneller Schwachstellen aus historischer Perspektive. Quelle: Endbericht + Anhang


12.5.2015 Pater Zollner berichtet von einem einsemestrigen Diplomkurs in englischer Sprache an der Gregoriana. Er soll weltweit für künftige Präventionsbeauftragte gemacht werden. Pro Sommersemester können 18 Studierende teilnehmen. Auch online ist der Kurs einsehbar. Außerdem fordert er Sanktionen für Bischöfe, die Missbrauchsfälle vertuschen. Quelle: radiovaticana.va


10.5.2015 Ein zorniger Beitrag über den Rückgang der Schülerzahlen in kirchlichen Internaten. Die Kirche sucht Gründe für den Rückgang überall – nicht jedoch in den Missbrauchsfällen. Quelle: freitag.de


8.5.2015 Inzwischen sind die Statuen des vatikanischen Kinderschutzkommission öffentlich. Die Mitglieder der Kommission sind hier nachzulesen. Es sind 18 (17?) Mitglieder (2 davon Betroffene), die für 3 Jahre ernannt werden. Es soll 2 Tagungen pro Kalenderjahr geben.
Die Kinderschutzkommission berät den Papst und ist eine unabhängige, mit dem Heiligen Stuhl verbundene Institution. Vorschläge, die an den Papst gehen, müssen mit einer Zweidrittelmehrheit verabschiedet werden (gegen die Ernennung des Bischofs Barros von Chile haben m.W. 4 der 17 oder 18 Mitglieder protestiert, also keine Zweidrittelmehrheit erreicht.)
Die Kompetenz der Glaubenskongregation in der Behandlung von Klerikern, die Kinder/Jugendliche missbrauchten, bleibt unberührt. Wie die genaue Zusammenarbeit mit der Glaubenskongregation aussieht und wie unabhängig die Kommission ist, geht aus den Statuten nicht hervor. Quelle: press.vatican.va


8.5.2015 Der in Krefeld zu 6 Jahren Haft verurteilte kath. Priester Georg K. hat das Urteil beim Bundesgerichtshof fristgerecht angefochten. Eine Opferfamilie hat einen Offenen Brief an die Bischofskonferenz geschrieben. Die DBK hat sich im Februar 2015 erstmals – über 7 Jahre nach der Tat – bei der Familie gemeldet und ihr vorgeschlagen, einen Antrag auf Anerkennungszahlung zu stellen, obwohl die Fakten längst bekannt sind und obwohl J. Heibel beauftragt war, die Interessen der Familie zu vertreten. Quelle: aachener-zeitung.de


6.5.2015 Bishof Anthony Fisher, Australien, wurde in die Glaubenskongregation berufen. Fisher hatte anlässlich des Weltjugendtages 2008 Missbrauchsopfer dazu aufgefordert, „nicht ständig verschroben und verärgert an alte Wunden zu rühren.“ Damit würden sie die gute Stimmung des Weltjugendtages stören und von den Feierlichkeiten ablenken. Quelle: KNA


3.5.2015 Der Papst forderte zum bessern Schutz von Kindern vor sexuellem Missbrauch und vor Gewalt auf. Quelle: Domradio
Kommentar: Nun, der Papst könnte ganz aktuell den chilenischen Bischof Barros wieder seines Amtes entheben – und dies bei allen Bischöfen tun, die sexuelle Gewalt vertuscht haben. Außerdem könnte der für Januar 2015 angesetzte Prozess gegen den Ex-Nuntius der Dominikanischen Republik, der sich im Vatikan aufhält, endlich beginnen.


3.5.2015 Gegen den chilenischen Bischof Juan de la Cruz Barros, Osorno, gibt es in Chile Widerstand. Barros wird vorgeworfen, von dem schweren Missbrauch Minderjähriger in der Gemeinde “El Bosque” gewusst zu haben. Ein Opfer sagt:”Ich habe gesehen, wie er zuschaute, applaudierte und in gewisser Weise den Missbrauch deckte. Ich habe auch gesehen, wie er Fernando Karadima und dessen Verhalten nachahmte. Barros war ein treuer Jünger in jener Atmosphäre von Machtmissbrauch und Beihilfe.” Unter denen, die gegen die Ernenneung des Bischofs protestieren, sind auch Priester. Die chilenische Bischofskonferenz hingegen hält zu Barros. Quelle: Deutschlandradio   s. auch die Reaktion von Mitgliedern der vatikanischen Kinderschutzkommission


30.4.2015 Der Papst sagt: “Die Ungleichheit [der Frauen] ist der reinste Skandal!” Er hat Recht, meint allerdings nur die ungleiche Bezahlung von Frauen, nicht ihre Diskriminierung in der katholischen Kirche. Quelle: Domradio


30.4.2015 Die Odenwaldschule wird – aus wirtschaftlichen Gründen – geschlossen. Quelle: Zeit


29.4.2015 Das Bistum Münster bedauert, dass ein mutmaßliches Opfer so viele Ansprechpartner hatte – insgesamt 10, eine Ansprechpartnerin aus dem Erzbistum Freiburg. Da der mutmaßliche Täter seine Unschuld betont und da das Bistum Münster sich der Entscheidung der Zentralen Koordinierungsstelle der Bischofskonferenz in Bonn nicht anschließen will, ohne den Fall selbst vorurteilsfrei und von Anfang an zu prüfen, kommt es nicht zu einer Einigung. Quelle: wn.de


28.4.2015 Der zu sechs Jahren Haft verurteilte Pfarrer Georg K., der teilweise schweren sexuellen Missbrauch von Kindern begangen hat, ist mit dem Strafmaß nicht einverstanden. Er wird in Revision gehen. Quelle: rp-online


27.4.2015 Die Missbrauchsfälle und Misshandlungsfälle bei den Regensburger Domspatzen sollen nun von einem Rechtsanwalt des Weißen Rings, Ulrich Weber, untersucht werden. Das Ziel sei, mehr Glaubwürdigkeit zu gewinnen. Der Rechtsanwalt sagte, er wolle “das Geschehene sichtbar machen, den Betroffenen Gehör verschaffen und dazu beitragen, dass Antworten gefunden werden, wie wir solche Geschehnisse künftig verhindern können”. Er wolle mit den Opfern ins Gespräch kommen. In einem noch zu bildenden Beratungskreis sollten alle verfügbaren Unterlagen gesichtet werden, auch öffentlich nicht zugängliche Papiere aus dem Ordinariat. Auch Geheimarchive sowie Personalakten des Bistums und persönliche Notizen des Generalvikars dürfe er einsehen (br). Der RA Ulrich Weber sagte: „Mir werden auch Geheimarchive zur Verfügung gestellt. Das ist fixiert.“ Sollte er nicht uneingeschränkt agieren können, werde er die Arbeit sofort niederlegen (Mittelbayerische). Den Hinweis des Anwaltes auf „Geheimarchive“ korrigierte Generalvikar Fuchs: Im Bistum Regensburg gebe es keine Geheimarchive, sagte er (Mittelbayerische). Der in einem Jahr zu erwartende Abschlussbericht solle anonymisiert öffentlich gemacht werden.
Zu den verfügbaren Unterlagen sagte Fuchs, ihm sei nicht bekannt, dass zu irgendeinem Zeitpunkt Akten vernichtet worden seien. Die Frage sei vielmehr, “warum manche Akten nicht aufgehoben wurden.” Quellen: katholisch.deRegensburger Domspatzen, Mittelbayerische, br.de, regensburg digital
Kommentar: Der Konflikt scheint bereits programmiert: Der RA spricht von Geheimarchiven, die ihm zugänglich gemacht würden und der Generalvikar bemerkt, dass es gar keine Geheimarchive gebe. Und ob es Opfer gibt, die nach allen bisherigen Erfahrungen mit dem Bistum Regensburg noch kontaktbereit sind, wird sich zeigen.


25.4.2015 Das Bistum Lausanne-Genf-Freiburg sucht Informationen, die einer Arbeitsgruppe ermöglichen, Berichten nachzugehen, dass zwischen 1930 und 1950 Kinder zahlreiche sexuelle und andere Misshandlungen in dem katholischen Pensionat Marini, Montet, Kanton Freiburg vorgekommen seien. Quelle: kath.ch


25.4.2015 In der Diözese Bozen-Brixen haben sich 70% der kirchlichen Organisationen mit dem Thema beschäftigt. 7 der 33 Einrichtungen haben sich um die Ausbildung von Mitarbeitern bemüht. Quelle: tageszeitung.it


25.4.2015 Ein Priester des Bistums Brügge wirft dem Bischof in einem Brief vor, dass sich auch nach dem Fall Vangheluwe im Bistum nichts geändert habe. Eine gewisse Anzahl neuer Missbrauchsfälle werde im Bistum stillschweigend akzeptiert und die neuen Richtlinien würden einfach nicht befolgt.
Quelle: brf.be


24.4.2015 In Italien wurde ein Priester aus Vercelli festgenommen wegen des Verdachts von sexuellem Missbrauch von Minderjährigen. Das bestätigte Erzbischof Marco Arnolfo. Quelle: nachrichten.at torino.repubblica.it


24.4.2015 Der Primas der kath. Kirche in Belgien, Andre-Joseph Leonard, muss eine Geldstrafe von 10.000 Euro zahlen. Er wurde dazu verurteilt, weil er versäumt hat, nach Bekanntwerden von Missbrauchsvorwürfen Maßnahmen gegen einen Priester-Täter einzuleiten. Das Opfer war von 1987 bis 1991 – zu Beginn 14 Jahre alt – missbraucht worden. 1996 zeigte es den Täter an. Der wurde 2003 (!) suspendiert. Das Gericht wies dem Primas eine Mitschuld an der Situation des Opfers (psychische Probleme, Arbeitsunfähigkeit) zu. Quelle: orf


21.4.2015 Die katholische Kirche in den USA hat seit 2004 2,9 Milliarden Dollar wegen sexuellen Missbrauchs ausgegeben. Von Mitte 2013 bis Mitte 2014 betrugen die Ausgaben der US-Bistümer und Orden 110.079.647 Dollar. Davon gingen 62,9 Millionen als Ausgleichszahlungen an Opfer, 7,7 Millionen wurden für Therapien gezahlt (59% gingen also an Opfer). 28,8 Millionen gingen an kirchliche Anwälte, 15,4 Millionen dienten der Unterstützung der kirchlichen Straftäter. Nicht enthalten sind in diesen Zahlen Aufwendungen, die vor 2004 gezahlt wurden. Quelle: catholicculture


21.4.2015 Papst Franziskus hat den US-Bischof der Diözese Kansas-St. Joseph entlassen. Bischof Finn hatte darum gebeten, weil er die Polizei erst 6 Monate später informierte, dass ein Priester junge Mädchen auf Hunderten obszöner Fotos abgelichtet hatte und die Bilder auf dem Computer gespeichert hatte. Der Priester wurde inzw. zu 50 Jahren Haft verurteilt. Der Bischof erhielt 2012 eine 2-jährige Bewährungsstrafe, blieb jedoch im Amt. Außer ihm gibt es keinen weiteren Bischof, der in den USA wegen Vertuschung zur Verantwortung gezogen wurde. Anne Barrett Doyle von “BishopAccountability” rügt die päpstliche Entscheidung als halbherzig. Sie sagt, es sei “nur ein Anfang”  und noch “keine bedeutsame Wende” in der päpstlichen Haltung. Der Vatikan nennt keine Gründe für die Annahme des vorzeitigen Demissionsgesuchs von Bischof Finn. Die benennt jedoch T. Doyle hier. Quellen: tagesanzeiger.ch und Radio Vatikan und dw
Bereits im Sept. 2014 hatte der Papst einen Bischof von Paraguay, Rogelio Livieres Plano der Diözese Ciudad del Elste, entlassen. Ihm wurde Vertuschung sexuellen Kindesmissbrauchs vorgeworfen.


20.4.2015 Der ehemalige australische Bischof Brian Heenan sagte vor der königlichen australischen Untersuchungskommission aus, dass er unangemessen auf Missbrauchsvorwürfe reagierte. Vor der Kommission wurde ehemalige Kinder des Waisenhauses Neerkol, Rockhampton, angehört. Er hatte die Angaben der Opfer als “skuril” bezeichnet und dem Priester-Täter erlaubt, weiterhin in der Kirche zu arbeiten – auch mit Kindern. Quelle: brisbanetimes.com.au


18.4.2015 In den USA wurden von Mitte 2013 bist Mitte 2014 insgesamt 120 Millionen Dollar an Opfer sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester ausgezahlt. Das geht aus dem Jahresbericht der US-amerikanischen Bischofskonferenz hervor. Von 657 Beschwerden wurden 130 anerkannt. 243 werden noch geprüft, 284 wurden abgewiesen. Zusätzlich wurden 30 Millionen Dollar für Programme zur Bekämpfung der Pädophilie ausgegeben. Quelle: stol.it


16.4.2015 Eine Untersuchung von 8.600 Seelsorgern – darunter 4.200 Priestern – ergab, dass sich der Zölibat auf ein Drittel der Priester belastend auswirkt. Ein Viertel der befragten Priester würden sich nicht noch einmal für ein zölibatäres Leben entscheiden. Weltweit ist die Zahl der Priesteramtskandidaten um 2 % zurückgegangen. Quelle: zeit.de und ORF und katholisch.de


16.4.2015 Der ehemalige Pfarrer von Erftstadt räumt die Vorwürfe – sexueller Missbrauch von 3 Kindern – inzwischen ein, sieht sich aber “vom Erzbistum über Gebühr streng behandelt und auch von Woelki unverstanden.” Quelle: KStA


16.4.2015 Der Vatikan plant strengere Regeln für den Umgang mit Bischöfen, die Missbrauchsfälle vertuschen. Die bisherigen Regeln seien nicht klar genug. Quelle: blick.ch


13.4.2015 Die beiden Missbrauchsopfer in der vatikan. Kinderschutzkommission – Peter Saunders und Marie Collins – erwarten, dass der Papst die Berufung von Juan Barros zum Bischof von Osorno, zurücknimmt. Zuvor hatten sie mit Kardinal Sean O’Malley gesprochen und dessen Einverständnis erhalten, im päpstl. Beratergremium auf eine Entlassung des neu ernannten chilenischen Bischofs hinzuwirken.
(In anderen Meldungen wurden neben Saunders und Collins auch Dr. Catherine Bonnet, Dr. Krysten Winter-Green und Baroness Sheila Hollins genannt, die die Absetzung des Bischofs erwarten.) Quelle: kathweb


12.4.2015 Inzwischen berichtet die NZZ, dass 4 Mitglieder der von Papst Franziskus berufenen Kommission zur Aufklärung der Sexualvergehen an Kindern die Berufung des Geistlichen Juan Barros zum Bischof von Osorno in Chile kritisieren. Sie wollten heute dem Kinderschutzbeauftragten des Vatikans, Kardinal Sean O’Malley, ihre Kritik erläutern und begründen. Barros wird die Vertuschung eines Missbrauchsfalls vorgeworfen.
Quellen: nzz.ch   The Guardian


10.4.2015 Im Fall einer Frau, die im Erzbistum Freiburg wohnend von einem Priester missbraucht wurde, für  den das Bistum Münster zuständig ist, tauchen 10 (!) Ansprechpersonen auf, denen sie Rechenschaft ablegen soll. Ein psychiatrisches Gutachten von Prof. Leygraf, der bislang für die Kirche arbeitete, lehnt die Frau ab. Quelle: badische-zeitung


2.4.2015 Der Theologe und Filmemacher Gerd Schneider berichtet vom kolossalen Versagen der katholischen Kirche im Umgang mit den Missbrauchsfällen. So deutlich hatte er es bislang in Interviews nicht benannt. Quelle: swp.de


1.4.2015 Eine Studie in den USA kommt zum Ergebnis, dass auch Menschen, die in ihrer Kindheit keine Gewalterfahrung machen mussten, den Forschern berichteten, dass sie im Erwachsenenleben Gewalt gegenüber Kindern angewendet haben. Dies traf bei 23 % der unbelasteten Eltern zu. Von den Eltern, die Gewaltfolgen in der Kindheit ins Erwachsenenleben hinein mitbrachten, berichteten 26 % von Gewalt, die sie gegenüber Kindern ausübten. 21 % davon waren den Kinderschutzbehörden gemeldet worden. Quelle: spiegel.de
Fazit: Tatsächlich scheint Gewalterfahrung in der Kindheit auf eine erhöhte Anfälligkeit für Gewaltausübung im Erwachsenenleben hinzuweisen. Die Anfälligkeit für Gewaltausübung von unbelasteten Eltern ist jedoch mit 23% ebenfalls hoch. Die Studie legt nahe, dass Gewalt tatsächlich endemisch ist.