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Presse

Missbrauch in der katholischen Kirche

2. Quartal 2014

30.6.2014 Heute hat die australische Untersuchungskommission einen ersten Bericht über ihre bisherige Untersuchung vorgelegt. Darin sind Meldungen enthalten, die Vorwürfe in mehr als 1000 einzelnen Institutionen betreffen. 60% der Anzeigen betrafen kirchliche Institutionen, 18,6 % staatliche Institutionen, 9,7% säkulare Institutionen. Die übrigen Anzeigen entfielen auf andere oder unbekannte Kategorien. 86,7% der mutmaßlichen Täter waren männlich. 28,8% davon Mitglieder des Klerus; 15,7% Lehrer. Im Schnitt brauchten die Opfer 22 Jahre, bis sie sich meldeten.

Die Arbeit der Kommission wird bis 2017 verlängert, erste aussagekräftige Auswertungen sind Ende 2015 zu erwarten. Quelle: news.ninemsn.com.au und sbs.com.au


30.6.2014 Der australische Bischof Max Davis soll 1969 einen damals 13-jährigen Jungen missbraucht haben. Der Militärbischof bestreitet den Vorwurf. Er ist vom Dienst freigestellt. Die Verhandlung in Perth ist für den 25.7.2014 angesetzt. Quelle: orf


27.6.2014 Der frühere Vatikan-Gesandte für die Dominikanische Republik, Monsignor Jezef Wesolowski, wurde von der Galubenskongregation des sexuellen Missbrauchs für schuldig befunden und seines Amtes enthoben, er wurde laisiert. Er soll 7 Kinder missbraucht haben. Wesolowski hat 2 Monate Zeit, Berufung einzulegen. Wenn das Urteil rechtskräftig ist, wird das Strafverfahren bei den vatikan. Instanzen fortgesetzt.
Üblicherweise dauert es Jahre, bis ein Täter laisiert wird. Quelle: tribtown.com und radiovaticana.va


27.6.2014 Die australische Kirchenrechtlerin Schwester Moya Henlen sagte vor der australischen Untersuchungskommission, dass die Glaubenskongregation 2001, als sie die Missbrauchsuntersuchungen übernahm, Regeln eingeführt habe, um zu verhindern, dass Details der Untersuchungen sexueller Gewalt durch Priester und ihre Bestrafung bekannt würden. Henlen bestätigte, dass es noch immer das päpstliche Geheimnis gebe, auch wenn die Kirche inzwischen offener mit Missbrauchsfällen umgehe. Quelle: dailymail


26.6.2014 Die Kirche und die Gewalt gegen Kinder – in Irland, Polen und Deutschland. Quelle: CiG


25.6.2014 Der kath. Erzbischof von Adelaide, Australien, Philip Wilson, sagte vor der Königlichen Kommission, die Missbrauch in Institutionen aufklären soll, dass der Vatikan in den späten 1990er Jahren aktiv verhindert habe, dass Bischöfe gegen missbrauchende Priester vorgingen. Die Kleruskongregation sei immer auf der Seite der Priester gestanden und habe den Bischöfen Instruktionen gegeben, was zu tun sei: Den Priestern die Rückkehr in den Dienst zu erlauben. Quelle: theaustralian.com.au/


23.6.2014 Die Glaubenskongregation hat festgestellt, dass die Missbrauchsvorwürfe gegen den chilenischen Bischof Cristian Contreras Molina, San Felipe, unbegründet sind. Auch die staatlichen Behörden haben ihre Untersuchungen abgeschlossen. Quelle: catholicherald.co.uk


22.6.2014 Polens Bischöfe entschuldigten sich in einem Bußgottesdienst bei den Opfern sexueller Gewalt durch Priester. Bischof Piotr Libera, Bischof von Plock, räumte ein, dass die polnische Kirche nicht das Wohl der Kinder an die erste Stelle gesetzt hätten. Er kritisierte, dass ein Teil der Kirche die Missbrauchstaten nicht wahrhaben wolle. Der polnische Opferverband “Fürchtet euch nicht” war nicht eingeladen.
Nach anderer Quelle zitierte Kardinal Dziwisz den Papst: “Es gibt keinen Platz im Priestertum oder im Klosterleben für diejenigen, die junge Menschen verletzt haben.” Es waren lediglich 6 Bischöfe aus Polen bei der Tagung und dem Gottesdienst anwesend. Der Vorsitzende der polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Michalik, nahm nicht an dem Gottesdienst teil. Er hatte 2013 gesagt, die Kinder seien selber schuld, wenn sie sexuell missbraucht würden.
Der Vertreter des Vatikans, der Priester Robert Olivier, betonte, dass die Kirche das Thema Pädophilie auf lokaler Ebene bekämpfen müsse und man keine Intervention vom Vatikan erwarten solle. (Gemeint ist vermutlich: die lokale Kirche müsse die Pädophilie bekämpfen, nicht das “Thema Pädophilie” – denn das geschieht ja längst, auch in Polen.)


19.6.2014 Ein ehemaliges Heimkind erzählt aus der “Kinderhölle Korntal”. Quelle: kontextwochenzeitung.de


17.6.2014 Der Bund hat den “Fonds sexueller Missbrauch im familiären Bereich” 2013 mit 50 Millionen Euro ausgestattet, die Länder sollen noch einmal soviel beisteuern. Lediglich Bayern und Mecklenburg-Vorpommern haben bezahlt. Bisher gingen beim Fonds 796 Anträge von Missbrauchsopfern ein. 270 Gesuche zur Übernahme von Therapiekosten wurden bislang bewilligt. Quelle: wochenblatt.de


11.6.2014 Die kath. Kirche Polens will mit einem Reuegebet ein Zeichen der Entschuldigung an Opfer sexueller Gewalt durch kath. Priester setzen. Bislang hatte die kath. Kirche in Polen zwar sexuellen Missbrauch durch Priester verurteilt, aber keine Mitverantwortung übernommen. Quelle: Augsburger Allgemeine


13.6.2014 Die Katholische Kirche in Polen plant Reuegebet als Entschuldigung für Sex-Missbrauch. Allerdings lehnt sie jede institutionelle Verantwortung ab.  Quelle: augsburger-allgemeine


11.6.2014 Petersplatz 6 – Eine Recherche über Pädophilie und Missbrauch in kirchlichen Institutionen in Österreich. Feature von Ute Maurnböck-Mosser. Quelle: www.betroffen.at


10.6.2014 Ein Gericht in Südafrika empfiehlt dem Justizminister, den in Südafrika des sexuellen Missbrauchs von Kindern angeklagten kath. Priester K. nach Deutschland abzuschieben. In Deutschland warten Opfer seit Jahren auf eine gerichtliche Klärung der sexuellen Gewalt, die der Priester in einer Selbstanzeige zumindest pauschal gestanden hat. Quelle: wz newsline
Kommentar: “K., a priest at a Catholic church in Sundowner, Randburg, was facing charges of sexually abusing five boys, aged nine to 11, after he allegedly climbed into their tents wearing just boxer shorts during a First Holy Communion camp in February 2008.” So wird von der Anklage in Südafrika berichtet. Die Pressemitteilung des in Deutschland zuständigen Bistums Aachen macht daraus “Dem Priester … wurde vorgeworfen, Kinder seiner Gemeinde gegen deren Willen festgehalten zu haben.” Das klingt nun nach einem harmlosen Spiel. Wer Genaueres wissen will, lese Der Pfarrer und die Detektive von J. Heibel.
14.6.2014 Inzwischen wird bekannt, dass das Verfahren in Südafrika eingestellt wurde, weil Ermittlungsakten einfach so verschwanden und damit Beweismöglichkeiten verloren gingen.


9.6.2014 Die Odenwaldschule verliert ihren Status als Unesco-Modellschule. Die Beründung: „Die Mitgliedschaft der Odenwaldschule im Netzwerk der UNESCO-Projektschulen ist bis zum Ende des kommenden Schuljahres ausgesetzt. Danach wird weiter entschieden. Im Nachhinein hat die Schule zu lange gezögert, transparent, konsequent und opferorientiert sich den vielfältigen Bewältigungsaufgaben zu stellen.“ Quelle: echo-online


6.6.2014 Das Buch “Der Pfarrer und die Detektive” von Johannes Heibel kann ich, nachdem ich es nun  gelesen habe, empfehlen. Es dokumentiert eindrücklich den garstig breiten Graben zwischen der Wahrnehmung der Amtskirche über ihren guten Umgang mit den Opfern und der Wahrnehmung von Opfern über den – wie soll ich sagen: schäbigen und ignoranten und täterschützenden? – Umgang der Kirche mit ihnen und ihren Familien. Das Buch müsste Pflichtlektüre aller Kirchenverantwortlichen sein. Aber ich weiß zu meinem großen Bedauern, dass die nicht einmal wissen wollen, was Gewalt durch Menschen bei Kindern und Jugendlichen lebenslänglich anrichtet.


6.6.2014 Im Bistum Trier wurde der Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Weiskirchen beurlaubt. Ihm wird sexueller Missbrauch einer damals 16-jährigen Jugendlichen in den 1980er Jahren vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft wurde informiert, der Pfarrer beurlaubt. Quelle: sr-online und Bistum Trier
Kommentar: Die sexuelle Gewalt kath. Priester gegen weibliche Jugendliche wird nur selten thematisiert, obwohl sie einen erheblichen Teil der Übergriffe ausmachen dürfte.


4.6.2014 So sieht CiG den Regensburger Katholikentag: “Bei aller Fröhlichkeit, Frömmigkeit und Bewegtheit der fünf Tage Wallfahrts-Auszeit mit Heiligem, Beten, Liturgie, Essen und Trinken, Schauen und Schauenlassen scheint sich das Kirchen-Business as usual mit seiner Aufbruchsrhetorik und seinen Unterhaltungsthemen in Wiederholungen, im routiniert geschäftigen Treiben zu erschöpfen. Ökumene – nichts Neues. Das Zweite Vatikanische Konzil – ehrenwerte Rückerinnerung, aber Geschichte, passé. Gedenken der Befreiungstheologie – das war einmal brennend. Schwangerenkonfliktberatung – entschieden. Missbrauchsskandale – längst durchdiskutiert.”
Die Opfer sehen es ganz anders. Sie sagen, die Aufarbeitung steht noch ganz am Anfang; die Prävention braucht den bislang nicht nachgefragten Sachverstand der Betroffenen in einem Beirat; die Forschung – so sie bei der mutmaßlichen Aktenvernichtung überhaupt noch möglich ist – dauert noch an und ob sie Betroffene einbezieht, bleibt abzuwarten; die Orden sind erst gar nicht in die Forschung einbezogen; eine unabhängige Kommission gibt es immer noch nicht; die Geldzahlungen “in Anerkennung des Leides” setzen die Beantwortung von unsäglichen Fragen voraus, der Betroffene zu retraumatisieren geeignet ist; insgesamt ist die “Umkehr der Kirchenverantwortlichen zu den Opfern” bestenfalls bei einigen wenigen Menschen vorhanden; dass betroffene ChristInnen traumakundige SeelsorgerInnen brauchen, ist noch kaum im Blick der Kirche, u.s.w. Wieder einmal ist zu beobachten, dass die Wahrnehmung der Kirchenleitung und der Außenstehenden eine ganz andere als die der Opfer ist.


4.6.2014 Zwei Kämpfer für die Rechte von Opfern sind aus ihren Kirchen ausgetreten, weil sie keine Hoffnung mehr haben, dass sich in den Kirchen etwas zugunsten der Opfer ändert: Helmut Jacob trat aus der evang. Kirche aus, Johannes Heibel hat die katholische Kirche, seine Frau die evangelische Kirche verlassen.


4.6.2014 In Irland wurden bereits in den 70er Jahren des 20. Jhs. ca 800 Kinderleichen in der stillgelegten Klärgrube eines Heimes für Mütter mit unehelichen Kindern gefunden. Niemand interessierte sich für das Schicksal der Kinder und ihrer Mütter. Nun hat eine Historikerin genauere Untersuchungen angestellt. Es dürfte sich um die Kinder der Mütter aus dem Heim handeln, das zwischen 1925 und 1961 von Tausenden Frauen bewohnt wurde. Die Kinder starben an Masern, Tuberkulose, Vernachlässigung und Unterernährung. Quelle: sueddeutsche.de
Kommentar: Der Kampf der kath. Kirche um das Leben ungeborener Kinder wird durch den Umgang der verantwortlichen kath. Schwestern mit den geborenen Kindern konterkariert. Noch zynischer geht nicht. Sage ich als Mutter von drei Kindern und inzw. Oma eines fast 5 Monate alten Enkelkindes.


4.6.20134 In Belgien gingen 2012 und 2013 insgesamt 323 Anzeigen wegen sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche bei der kath. Kirche ein. Das berichtet die Kinderschutzkommission der belgischen Bischofskonferenz. 71% der Opfer sind männlich, 25% der Opfer waren zum Zeitpunkt der Verbrechen jünger als 10 Jahre, 66% waren zwischen 10 und 18 Jahren alt. 94% der Täter waren Männer, knapp die Hälfte davon Priester. Quelle: radiovaticana.va


4.6.2014 Die Deutsche Ordensoberenkonferenz (DOK) hat ihre Leitlinien für den Umgang mit sexuellem Missbrauch und ihre Rahmenordnung Prävention aktualisiert. Quelle: kathweb.at


2.6.2014 Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte – EGMR – hat den irischen Staat zur Zahlung von Schmerzensgeld verurteilt. Das heute 50-jährige Opfer erlitt in ihrer Grundschule durch den Direktor sexuelle Gewalt. Irische Gerichte hatten ihre Ansprüche zurückgewiesen. Der EGMR beruft sich auf Art. 3 der MRK: „Niemand darf der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.“ Im Artikel 13, auf den sich der Spruch der Richter ebenfalls bezieht, heißt es: „Sind die in der vorliegenden Konvention festgelegten Rechte und Freiheiten verletzt worden, so hat der Verletzte das Recht, eine wirksame Beschwerde bei einer nationalen Instanz einzulegen, selbst wenn die Verletzung von Personen begangen worden ist, die in amtlicher Eigenschaft gehandelt haben.“ Quelle: kurier.at


2.6.2014 Der Horror um den BBC-Mitarbeiter Savile nimmt kein Ende. Quelle: Spiegel


31.5.2014 Ebba Hagenberg-Miliu, Prof. Michael Osterheider, Barbara Tambour, Prof. Christian Pfeiffer und Janina Neutze diskutierten auf dem Regensburger Katholikentag über sexualisierte Gewalt. Dr. Neutze, die sich im Forschungsprojekt Mikado mit den Hintergründen von sexueller Gewalt befasst, beklagt teils massiven Gegenwind von Institutionen, Schulen und Eltern – Geld werde schnell bereitgestellt, aber über Missbrauch und Sexualität reden wolle kaum jemand. – Professor Dr. Michael Osterheider, Forensiker, nannte vor Jahren die kath. Kirche ein  „Biotop und „Schutzraum“ für Pädophile und erneuerte auf dem Kirchentag diese Einschätzung. Intransparente Strukturen, die einen Korpsgeist pflegen und nicht öffentlich seien, begleiteten und unterstützten die Übergriffe, sagte er. Quelle: Mittelbayerische


30.5.2014 Katholikentag Regensburg – “Kirche auf dem Weg zu einer Kultur der Achtsamkeit?”
Auf der Podiumsdiskussion räumte Bischof Dr. Ackermann ein, dass die Bischofskonferenz keine Gewalt über die Entscheidungen von Bischöfen habe (regensburg-digital).
Bischof Ackermann nahm laut katholisch.de seinen Amtsbruder Müller gegen Vorwürfe in Schutz und bescheinigte ihm eine konsequente Fortsetzung des unter Papst Benedikt XVI. eingeschlagenen klaren Kurses. Insgesamt seien über 2.000 Priester weltweit wegen Missbrauchs laisiert worden. Zugleich verteidigte Ackermann das differenzierte Vorgehen der deutschen Bischöfe und erklärte, auch die Täter hätten ein Recht auf faire Verfahren und Urteile. Er verteidigte diese Position gegen Unmutsbekundungen aus dem Publikum. Weiter bescheinigte Bischof Ackermann Kardinal Müller “eine konsequente Fortsetzung des unter Papst Benedikt XVI. eingeschlagenen … Kurses”.
Matthias Katsch, Eckiger Tisch, und andere Opfergruppen legten einen Forderungskatalog an die Kirche vor. Sie schreiben u.a.: “Solange es keinen Austausch von Angesicht zu Angesicht gibt und kein Dialog in Gang kommt, kann die verschiedentlich vorgebrachte Bitte um Vergebung für die Schuld der Kirche als Institution von den Betroffenen nur als hohl und leer empfungen werden.” Sie haben Recht.
Dr. Barbara Haslbeck legte dar, dass sie in Priesterfortbildungen erstmal 2 Stunden braucht, um die Ängste der Priester um sich selbst zu bearbeiten. Die Priester fürchten einen Generalverdacht und sie wissen von falschen Missbrauchsbeschuldigungen zu erzählen und von willkürlichen Versetzungen (katholisch.de + Video). Sie formuliert den Wunsch nach Frauen als Priesterinnen, weil sie weiß, dass Männerbünde sich verändern, wenn Frauen hinzukommen (on demand). Die Zulassung von Frauen als Priesterinnen könnte den bislang existierenden “Männerbund Kirche” verändern – zum Schutz von Kindern und Jugendlichen.

Kommentar:
Dass Bischof Dr. Ackermann ein faires Verfahren und faire Urteile für Priester fordert, die Kindern und Jugendlichen sexuelle Gewalt angetan haben, ist eine Selbstverständlichkeit – die Fairness dürfte in den meisten Fällen gegeben sein. Das Problem liegt eher darin, dass die meisten kirchlichen und sonstigen Missbrauchstäter ohne Strafe bleiben. Nur ein Bruchteil wird angezeigt und verurteilt. Priester und Geistliche liegen im Ansehen immer noch auf Platz 6 – die Sorge vor einem Generalverdacht gegen katholische Priester trifft subjektiv sicher zu und ist ernst zu nehmen – aber sie hat wenig Anhalt in der Wirklichkeit. Sie signalisiert auch, was viele Opfer spüren: Priester und Leitungsverantwortliche in der katholischen Kirche sind immer noch mit sich selbst und mit ihrer Kirche beschäftigt – die Opfer sind entgegen den ständig wiederholten Äußerungen, sie stünden im Mittelpunkt – immer noch nicht wirklich im Blick. Und ganz nebenbei: Seit 2010 hat sich das Thema „Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche“ sowohl gesellschaftlich als auch kirchlich zunächst erweitert auf sexuelle Gewalt gegen Jungen, die bisher kaum im Blick waren. Inzwischen hat sich die Wahrnehmung allerdings wiederum verengt: Mädchen und Frauen als Opfer sexueller Gewalt sind gesellschaftlich aus dem Blick geraten. In der katholischen Kirche wurden Mädchen und Frauen als Opfer von Priestern/Ordensmännern – trotz zweier ökumenischer Dekaden, die auch von katholischen Frauen mitgetragen wurden –  noch überhaupt nicht wahrgenommen.
Bischof Dr. Ackermann, Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz, hat noch nicht das Leid der Opfer verstanden. Hätte er es verstanden, würde er nicht von “irgendeiner Chance” für bestrafte und aufrichtig bereuende Priester-Täter sprechen. Er meint damit nämlich vermutlich, dass bestrafte und reumütige Priester weiterhin in der Seelsorge eingesetzt werden können – etwa in Krankenhäusern oder Alters- und Pflegeheimen. Bischof Ackermann kann nicht ermessen, was es bedeutet, wenn ein Opfer sexueller Gewalt in Pfarrei, Klinik oder Altenpflegeheim einem Täter gegenübersteht. Er kann es deswegen nicht, weil er das Leid der Opfer noch nicht wirklich verstanden hat.
Wenn Bischof Dr. Ackermann davon spricht, dass der jetzige Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Müller, ehemals Regensburger Bischof, den unter Papst Benedikt XVI. eingeschlagenen Kurs der Bearbeitung kirchlicher Missbrauchsfälle konsequent fortsetze, dürfte er – wohl unfreiwillig – die Wahrheit sagen: Auch unter Papst Benedikt wurden Täter geschützt, Opfer im Stich gelassen, Zahlen nicht oder unvollständig veröffentlicht. So verwundert auch die von Bischof Ackermann genannte Zahl von weltweit 2000 Priestern, die wegen sexueller Gewalt in den Laienstand (offensichtlich ein Stand, der eine Strafe ausdrückt) versetzt wurden, nicht wirklich. Noch am 23.5.2014 sprach der Vatikan vor der UNO von 848 laiisierten Priestern. Die von der Kirche veröffentlichten Zahlen scheinen ziemlich beliebig zu sein – es gibt ja bislang auch in Deutschland keine zuverlässigen Zahlen und sie sollen auch im neuen Forschungsprojekt nicht erhoben werden. Durch die Presse gingen alleine für Deutschland (seit 1945?)
1269 Priester und Ordensmänner als Täter und mehr als 2650 Opfer, wobei auch diese Zahlen mit Vorbehalt zu sehen sind. 
Es war nicht Thema auf dem Katholikentag und es scheint nur bei ganz wenigen Kirchenleuten Thema zu sein: Hat Kirche auch jene Menschen im Blick, die in nicht-kirchlichem Kontext Opfer sexueller Gewalt wurden? Unermüdlich haben Kirchenleute in den vergangenen Jahren auf Opfer sexueller Gewalt in Familien hingewiesen. Diente dieser Hinweis nur zur Vergleichgültigung der Missbrauchsfälle in der Kirche? Dieser Verdacht liegt nahe, denn bislang gibt es – von wenigen Ausnahmen abgesehen – keine qualifizierte Seelsorge für Opfer sexueller Gewalt, obwohl jeder 8. Mensch, also auch jeder 8. Katholik und jeder 8. Protestant zwischen 0 und 14 Jahren sexuelle Gewalt i.e.S., d.h. Vergewaltigung, erlitten hat.
Auch die von Klaus Mertes und anderen hervorgehobene Fähigkeit der Opfer, die Sprachlosigkeit zu überwinden, ist nur die halbe Wahrheit. Zwar haben viele Opfer gesprochen – aber sie haben weitgehend noch nicht das Gefühl, auch gehört zu werden. Viele von denen, die gesprochen haben ohne gehört zu werden, haben sich längst zornig, resigniert und nicht selten retraumatisiert wieder von den Kirchen abgewandt – sie erwarten nichts mehr von den Kirchen.


30.5.2015 Die Theologin Julia Enxing formuliert das Notwendige, das in der katholischen Kirche noch zu leisten ist: “Die Vergebung ist wichtig, und die Bitte um Vergebung setzt aber voraus, dass die Schuld auf allen Ebenen anerkannt wurde. Erst wenn die Schuld betrachtet, anerkannt, reflektiert wurde, wissen wir, um was wir eigentlich um Vergebung bitten.” Quelle: Deutschlandradio kultur


30.5.2014 Der Chicagoer Kardinal Francis George wurde zu Missbrauchsvorwürfen – vermutlich im Fall des Priesters Daniel McCormack – vor Gericht gehört. McCormack bekannte sich 2007 des Missbrauchs schuldig, erhielt eine fünfjährige Haftstrafe, befand sich in der Psychiatrie und wurde letzte Woche erneut in U-Haft genommen, weil weitere Vorwürfe bekannt wurden. Quelle: radiovatican


30.5.2014 In Mexiko ist erstmals ein kath. Priester wegen sexueller Gewalt gegen Kinder suspendiert und vor einem staatlichen Gericht angezeigt worden. Bereits 1998 gab es Vorwürfe, denen die Kirche aber nicht nachging. Quelle: iol.co.za


29.5.2014 Vier ehemalige Domspatzen, die in ihrer Schulzeit bei den Regensburger Domspatzen sexuelle Gewalt erlitten haben, waren gestern auf dem Katholikentag in Regensburg. Sie protestierten gegen das Vergessen, Verschweigen, Verleugnen und Vertuschen von sexueller und körperlicher Gewalt an mehr als 60 Kindern unter den Domspatzen. Ihnen gehören Respekt und Dank! Quelle: Regensburg digital


29.5.2014 Das Buch “Der Pfarrer und die Detektive” von Johannes Heibel ist im Horlemann-Verlag (€ 16,90) erschienen.


27.5.2014 Auf seiner Rückreise aus dem Nahen Osten hat Papst Franziskus sexuelle Gewalt gegen Kinder durch Geistliche als das bezeichnet, was es ist: Ein Verbrechen. Der gewalttätige Priester begehe “Verrat am Leib des Herrn”, das Verbrechen wei wie eine “satanische Messe”, sagte Franziskus. Anfang Juni wird der Papst sich mit ca 8 Opfern sexueller Gewalt in der Kindheit treffen. Bislang gab es kein Treffen des Papstes mit Opfern. Quelle: Handelsblatt
Kommentar: Wer mit katholischer Diktion vertraut ist, weiß, dass die Begriffe “Verrat am Leib des Herrn” und “satanische/schwarze Messe”, nach anderen Quellen auch der Begriff “Sakrileg” ein Höchstmaß an Verurteilung transportieren. Wenn der Papst das Thema “sexuelle Gewalt gegen Kinder” zur Chefsache macht statt sie den Institutionen anzuvertrauen, die bislang schon damit beschäftigt waren, besteht ein wenig Hoffnung, dass die Verbrechen nicht weiterhin verharmlost und vertuscht werden. Das wird abzuwarten sein und sich u.a. daran zeigen, ob ein unabhängiges Gremium beauftragt wird, an das sich Opfer wenden können.


26.5.2014 Ein australischer Priester, 70,  wurde wegen sexuellem Missbrauch  von 15 Schülern, die auf der Krankenstation ihrer Schule waren, zu 10 Jahren Haft verurteilt. Richter Frank Gucciardo wurde schlecht, als er von den Folgen für die Opfer hörte – er musste den Saal verlassen. Der Anwalt des Verurteilten sagte, der Priester sei zum Paria geworden und überall als pädophiler Priester bekannt.
Bereits 2006 war der Priester seines Amtes enthoben worden. Er war zu mindestens dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden, weil er 11 Jungen unsittlich angegriffen hatte. In diesem Prozess waren die Verbrechen, die er in der Schule beging, noch unbekannt.
Bereits 1994 war der Priester wegen Kindesmissbrauch verurteilt worden. Sein Orden, die Salesianer, schickten ihn daraufhin nach Samoa, wo er weiter als Priester arbeitete. 2004 wurde seine Vorstrafe dort bekannt und er ging nach Australien zurück. Quelle: dailymail.co.uk


24.5.2014 Die UNO lobt und kritisiert den Umgang der katholischen Kirche mit den Missbrauchsfällen. Original hier. Das UNO-Antifolterkomitee der Vereinten Nationen fordert den Vatikan auf, die Meldepflicht ernst zu nehmen und ein unabhängiges Gremium einzurichten. Der Vatikan hingegen weist darauf hin, dass die katholischen Priester nicht der vatikanischen Gesetzgebung unterliegen und somit der Vatikan auch nicht haftbar sei. Quelle: religion.orf.at


23.5.2014 “Es würde nie jemand offiziell sagen, dass dies nicht nötig sei. Aber umgekehrt ist auffallend, dass das Interesse nicht sehr gross ist.” Das stellt die Professorin für Seelsorge, Isabelle Noth, fest, wenn es im Kampf gegen sexuelle Gewalt um besser ausgebildete Seelsorger geht. Quelle: derbund.ch


22.5.2014 Der Haushaltsausschuss hat am Mittwoch bei den Beratungen des Etats 2014 des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung auf Antrag der Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD die Zuweisungen an den Fonds für Opfer und Heimerziehung um 19,5 Millionen Euro auf 500.000 Euro gekürzt. Grund für die Kürzung ist, dass die notwendigen Abstimmungen mit Ländern und Kirchen über deren Beteiligung sich verzögert. Deshalb kann das eingeplante Geld in diesem Jahr nicht mehr abfließen. Quelle: sozialticker


22.5.2014 In New York wurde ein Kinderporno-Ring ausgehoben, 71 Verdächtige wurden festgenommen, unter ihnen 2 Polizisten, zei Krankenpfleger, ein Rabbi, ein Au-Pair und der Trainer eines Kinder-Baseballteams. Eine Frau war unter den Festgenommenen. Die Verfassungsschutzbehörde teilte mit, das Ausmaß der Straftaten sei schockierend und der professionelle Hintergrund von vielen Verdächtigen besorgniserregend. Quelle: tageblatt.de/


20.5.2014 “Aufklärung und Vorbeugung – Dokumente zum Umgang mit sexuellem Missbrauch im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz”, 2., völlig überarb. und aktualisierte Aufl. 2014, 31. März. Quelle: DBK


20.5.2014 Der Papst will eine Experten-Kommission in der Glaubenskongregation einrichten, die sich mit Einsprüchen von Bischöfen und Priestern in Missbrauchsfällen befasst. Leiter der Kommission ist der argentinische Erzbischof Jose Luis Mollaghan, Rosaria. Quelle: Radio Vatikan


13.5.2014 Die katholische Kirche in Irland wird von der nationalen Behörde für Kinderschutz gelobt. Sie habe ein rationales, weit reichendes und integriertes System für die Sicherheit seiner Schutzbefohlenen installiert. Quelle: kipa


10.5.2014 Italienische Missbrauchsopfer von Klerikern haben Papst Franziskus einen Videobrief geschickt.


9.5.2014 Tom Doyle, Kirchenrechtler, seit 30 Jahren für kirchl. Missbrauchsopfer engagiert, berichtet im National Catholic Reporter, dass Papst Johannes Paul II. mit Sicherheit spätestens seit 1984 von den Verbrechen wusste – und nichts unternahm. Deutsche Übersetzung hier.


8.5.2014 Das Bistum Würzburg hat vor dem Amtsgericht zugestanden, dass Bernhard Rasche nicht nur Zeuge sexueller Gewalt in einem Internat in Lebenhan war, sondern auch Opfer eines Paters, der 16 Schüler sexuell misshandelte. Vor Gericht sagte das Bistum, sie habe “nach damaligem Kenntnisstand” von Rasche als Zeuge, nicht als Opfer gesprochen. Rasche sagt, das Bistum Würzburg habe auch damals schon Bescheid gewusst. Infos zu den Hintergründen hier. Quelle: Mittelbayerische und mainpost


6.5.2014 Der Vatikan hat in einer Anhörung vor der UNO zur Anti-Folter-Konvention erstmals belastbare Zahlen über priesterliche Missbrauchstäter vorgelegt. Danach wurden seit 2004 weltweit 3420 Priester angezeigt, 848 wurden entlassen, 2572 kamen mit geringen Strafen (Buße und Gebet) davon. Sichergestellt sei, dass die von der Kirche Verurteilten nicht mehr mit Kindern in Kontakt kämen. Der Vatikanvertreter Erzbischof Silvano Tomasi betonte, dass die Anti-Folter-Konvention nur innerhalb der Grenzen des “Heiligen Stuhls” gelte, legte aber dennoch weltweite Zahlen vor. Tomasi widersprach auch nicht, dass sexuelle Gewalt gegen Kinder und Vergewaltigung als Folter bezeichnet werden müssen. Quelle: abendblatt
Kommentar: Alleine in Deutschland wurde in der Presse von mindestens 1269 Priestern berichtet, die Kinder und Jugendliche mit sexueller Gewalt überzogen. Die Zahlen des Vatikans dürften die Realität nur sehr begrenzt widerspiegeln.   


6.5.2014 Ein Bericht bestätigt die körperliche, psychische und sexuelle Gewalt gegen Kinder, die im Kinderheim St. Iddazell in Fischingen/Schweiz lebten. Die Klosteranlage wurde als Waisenanstalt, Sekundarschule, Erziehungs- und Kinderheim genutzt, die von Patres und Ordensschwestern geführt wurden. 6500 Kinder und Jugendliche waren in 97 Jahren dort. Quelle: NZZ


5.5.2014 In Sachsen-Anhalt wurden Mitglieder eines Pädophilen-Rings vorübergehend festgenommen. Die Ermittlungen laufen. Die 10 Männer und eine Frau gestanden ihre pädophile Neigung, nicht jedoch Straftaten. Sie trafen sich auf einem Kinderflohmarkt und auf dem Spielplatz eines Zoos. Ein 5-jähriges Kind sollte Kontakte zu anderen Kindern anbahnen. Ziel des konspirativen Treffens war es, “Aufenthaltsorte von Kindern zu besichtigen und neue Kontakte zu Kindern zu knüpfen.” Als Lockvogel wurde ein 5-jähriges Kind benutzt. Quelle: süddeutsche


3.5.2014 Die Kinderschutzkommission des Vatikans wird keine individuellen Missbrauchsfälle behandeln. Vielmehr wird sie Empfehlungen geben, wie die Kirche ihre Verantwortung wahrnehmen könne. “Besonderes Augenmerk wolle man auf die Bewusstseinsbildung über die ‘tragischen Konsequenzen’ von Missbrauch und die ‘verheerenden Folgen des Nicht-Hinhörens und Nicht-Berichtens über Verdachtsfälle’ sowie das ‘Versagen in der Unterstützung von Opfern, Überlebenden und ihrer Familien’ lenken” sagte Kardinal O’Malley.
Unklar ist derzeit, ob die Kommission an ein vatikanisches Dikasterium angegliedert werde. Quelle: Vaticanhistory


3.5.2014 Das Bistum Würzburg und ein Missbrauchsopfer stehen sich vor Gericht gegenüber. Das Opfer hat das Bistum verklagt, um endlich überhaupt eine Reaktion des Bistums auf seine Missbrauchsakte zu erreichen. Das Opfer Bernhard R. berichtet, dass auf keine seiner Bitten um ein Gespräch eingegangen worden sei und erst ein Anwaltsschreiben zu einer Äußerung des Bistums führte. Bernhard R. sagt: „Trotz allem Bemühens stellt sich keine einzige Kirchengemeinde offen hinter die Opfer.” Bis heute habe sich kein betroffener Priester oder Ordensmann öffentlich geäußert. Die Kirche habe noch nicht begriffen, dass sexuelle Gewalt kein Verstoß gegen das 6. Gebot ist, sondern versuchter Mord. Quelle: mittelbayerische
Dazu passt dann die Nachricht aus dem Vatikan, dass sich vom 1.-3.5. die Missbrauchskommission der kath. Kirche getroffen habe. “Besonderes Augenmerk wolle man auf die Bewusstseinsbildung über die „tragischen Konsequenzen“ von Missbrauch und die „verheerenden Folgen des Nicht-Hinhörens und Nicht-Berichtens über Verdachtsfälle“ sowie das „Versagen in der Unterstützung von Opfern, Überlebenden und ihrer Familien“ lenken, sagte Kardinal O’Malley. (Nun, dann hat die Kommission auch in der kath. Kirche in Deutschland noch ein weites Arbeitsfeld, wie u.a. die Würzburger Ereignisse zeigen.) Quelle: Radio Vatikan


27.4.2014 Der Pfarrer von Lauchheim, Bistum Rottenburg-Stuttgart, wurde wegen des Verdachts, Kinderpornographie zu besitzen, von Bischof Fürst bis zur Klärung der Vorwürfe von seinen Verpflichtungen entbunden. Quelle: Südwestpresse


27.4.2014 Einspruch anlässlich der Heiligsprechung von Papst Johannes Paul II., der u.a. den Missbrauchstäter Degollada – Legionärsgründer – schützte.
Für eine Heiligsprechung ist ein Wunder nötig. “Wunder” wird dabei verstanden als ein Vorgang, der mit (heutigen) naturwissenschaftlichen Methoden nicht erklärbar ist. Papst Johannes Paul II. soll eine Nonne von der Parkinson-Krankheit und eine Frau aus Costa Rica geheilt haben. Das wahre Wunder wäre gewesen, wenn dieser Papst (und seine Nachfolger) sich zu den Opfern bekehrt hätte. Die Opfer hätten das Wunder dann auch bestätigen können. So jedoch können sie nur wieder einmal feststellen, dass sie nicht dazugehören und ihre Erfahrungen – z.B. mit dem Vertuschen der Verbrechen – keine Bedeutung haben. Wie eine Kirche “unter Umgehung der Opfer” feiern will, ist mir schleierhaft.


26.4.2014 In den Niederlanden wurde ein weiterer Bischof bekannt, der vier Jungen sexuelle Gewalt angetan hat. 2 Jahre nach Bekanntwerden informierte die Diözese Utrecht auf Anfrage der Presse darüber. Der Tagesanzeiger kommentiert die Heiligsprechung von Papst Johannes Paul II.   nachrichten.at


25.4.2014 Dank betroffen.at ist der UN-Bericht über die Anhörung des Vatikans zum Umgang mit sexueller Gewalt in der kath. Kirche in Deutsch übersetzt.


25.4.2014 Matthias Katsch nennt das Grundproblem: Beim Umgang der kath. Kirche mit den Opfern sexueller Gewalt durch kath. Priester fehlt die Empathie mit den Opfern. Quelle: BZ


25.4.2014 Der Religionssoziologe Michael N. Ebertz sagt zur Heiligsprechung der beiden Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II.: „Wenn die Päpste anfangen, einander durch die Bank heilig zu sprechen, dann ist das die nochmalige Steigerung einer Selbstsakralisierung der Institution Kirche und des Papstkults durch einen Kult um die Person der Päpste“, sagte der Freiburger Wissenschaftler dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Freitag-Ausgabe). Eine Institution, deren Spitzenpersonal so um sich selbst kreise, wirke leicht unglaubwürdig.”
Dazu passt dann auch die Nachricht über Papst Paul VI., der nach Angaben der italienischen Zeitschrift “Credere” noch in diesem Jahr selig gesprochen werden solle. Die Anerkennung des dafür erforderlichen Wunders ist in Arbeit. Zur Erinnerung: Papst Paul VI. hat die Enzyklika “Humanae vitae” zu verantworten, die er gegen den Rat eines Fachgremiums durchsetzte. Das dürfte 1968 eine Entscheidung gewesen sein, die den Entfremdungsprozess von Eheleuten von der Kirche bzw. der Kirche von den Familien eingeleitet hat, die heute beklagt wird. Quelle: Kölner Stadtanzeiger


23.4.2014 Die belgische Theologin Karlijn Demasure wird geschäftsführende Direktorin des Center for Child Protection, Gregoriana. Demasure gehörte in Belgien der kirchlichen Kommission an, die sich mit Missbrauch in der belgischen Kirche befasste. Vorsitzender bleibt Pater Hans Zollner. Die jüngst gegründete vatikanische Kommission zum Schutz von Minderjährigen soll – laut Radio Vatikan – nun doch nicht an der Glaubenskongregation (Präfekt: EB Müller, ehemals Regensburg) angesiedelt werden, sondern direkt dem Papst unterstellt werden. Quelle: Radio Vatikan


22.4.2014 Der Vatikan weist alle Vorwürfe gegen Papst Johannes Paul II. zurück, er sei persönlich in den Fall des Gründers der Legionäre Christi, der viele Kinder sexuell misshandelt hat, verwickelt gewesen. Quelle: zeit.de
Dazu lese man doch im Religionsphilosophischen Salon einfach mal nach. Z.B. hier oder hier oder hier. Auch wenn Papst Johannes Paul II. möglicherweise Informationen durch Mitarbeiter vorenthalten wurden, so wäre es seine Aufgabe gewesen, die Mitarbeiter anzuweisen, ihm die Informationen über verbrecherische Priester vorzulegen.


Ostersonntag 2014: 600 m2 Wohnfläche für Bertones neue Residenz – das dürfte für ca 13 Personen reichen bei einem durchschnittlichen Quadratmeterbedarf von 45 m2 pro Person. So manche 5-köpfige Familie wäre mehr als froh, wenn sie gar 225 m2 zur Verfügung hätte. Das dürfte selbst im reichen Deutschland die Ausnahme sein. Und dass sexuelle Gewalt gerade in fundamentalistisch organisierten Gruppierungen vorkommt, ist nicht neu. Dass sie als “Liebe auf Gegenseitigkeit” definiert wird, gehört zu den üblichen Verschleierungstaktiken. Und nochmal: Und wer meint, diese Nachricht passe nicht so recht zur Karwoche oder zu Ostern, der irrt. Quelle: zeit.de


Ostersonntag: In der Odenwaldschule steht ein Lehrer im Verdacht, Kinderpornografie konsumiert zu haben. Opfer fordern die Schließung der Schule.
Quelle: Spiegel


Karsamstag 2014: Erzbischof Martin, Dublin, sagt laut KNA, dass viele Priester in Irland durch die Missbrauchsaffäre in der kath. Kirche traumatisiert seien. Quelle: kipa
Kommentar: Nun muss man diesem Erzbischof wohl erklären, dass es einen Unterschied zwischen einem Leid und einer Traumatisierung durch Menschengewalt gibt. Es ist eine Schande, dass er das immer noch nicht verstanden hat. Also, noch einmal: Nicht jedes belastende Lebensereignis ist ein Trauma. Zu einem Trauma wird ein Ereignis erst, wenn ein Mensch einer Bedrohung für das Leben oder für die körperliche Unversehrtheit ausgeliefert ist, wenn er mit Gewalt und Tod konfrontiert ist; Hilflosigkeit, Angst, Kontrollverlust und drohender Vernichtung ausgesetzt ist und der Bedrohung weder durch Kampf noch durch Flucht entkommen kann. Judith Hermann (Narben der Gewalt, München 1993, S. 54) definiert ein Trauma so: „Psychisches Trauma ist das Leid der Ohnmächtigen. Das Trauma entsteht in dem Augenblick, wo das Opfer von einer überwältigenden Macht hilflos gemacht wird. Ist diese Macht eine Naturgewalt, sprechen wir von einer Katastrophe. Üben andere Menschen diese Macht aus, sprechen wir von Gewalttaten. Traumatische Ereignisse schalten das soziale Netz aus, das dem Menschen gewöhnlich das Gefühl von Kontrolle, Zugehörigkeit zu einem Beziehungssystem und Sinn gibt.” Die irischen Priester, deren Kollegen Kinder sexuell misshandelten, sind nicht mit Gewalt und Tod bedroht – sie könnten die Institution verlassen, wenn sie wollten; sie sind nicht gnadenlos alleine, denn sie haben einander. Niemand bringt sie zum Schweigen… Ja, sie leiden, aber sie sind nicht traumatisiert. Erzbischof Martin macht das, was immerzu geschieht: Er erklärt die Kirche zum Opfer und macht die wirklichen Opfer verschwinden.


Karsamstag 2014: Andreas Huckele, ehemals Odenwaldschule – die gerade erneut mit sexueller Gewalt in Form von Kinderpornographie kämpft – sagt klare Worte zum gesellschaftlichen Umgang mit sexueller Gewalt: ”
Im Gegensatz zu Holocaust-Opfern und Contergan-Geschädigten werden die Betroffenen sexualisierter Gewalt nicht aussterben. Doch ihr Zorn wächst. Darüber, dass sie nun von einer wissenden Gesellschaft genauso alleinegelassen werden wie 2010. Gewissenlos Betrachtende sind eben noch schwieriger auszuhalten als gewissenlos Handelnde.” – Da ist was dran. Und wer meint, das passe nicht so recht zur Karwoche oder zu Ostern, der irrt.
Quelle: Süddeutsche


Karsamstag 2014: “Mit einer Mahnwache vor dem Essener Dom wollen Missbrauchsopfer am 27. April gegen die Heiligsprechung von Papst Johannes Paul II. am gleichen Tag in Rom protestieren. “Die Heiligsprechung verhöhnt die Opfer sexualisierter Gewalt”, erklärte Wilfried Fesselmann vom Opfernetzwerk SNAP am Donnerstag. Johannes Paul II. (1920-2005) sei tief in die Vertuschung der Missbrauchsfälle involviert gewesen und tauge nicht als christliches Vorbild.” Quelle: epd


Karfreitag 2014 Der Innsbrucker Theologie-Dekan Niewiadomski sagte, der demnächst heilig zu sprechende Papst Johannes Paul II. habe beim Umgang mit den Missbrauchsfällen in der Kirche durch sein “Nicht-wahrhaben-Wollen” des Missbrauchs “den Kairos verkannt”. Wie bei allen großen Heiligen gebe es auch bei ihm “Schattenseiten”. Quelle: kathpress.co.at/

Kommentar: Das Fördern von Verbrechern – wie dieser Papst es u.a. mit dem Gründer der Legionäre Christi tat – als “Schattenseite” zu bezeichnen, ist unerträglich.


Karfreitag 2014 – Sendungshinweis WDR, Karfreitag, 18.4.2014, Diesseits von Eden, Opfer und Sühne später als Podcast unter: http://www1.wdr.de/radio/podcasts/wdr5/diesseitsvoneden106.html


17.4.2014 In einer Kreuzweg-Andacht betet der Papst auch für die Opfer sexueller Gewalt: Jesus ist gestorben, “um den Preis für jeden ungerecht verdeckten Missbrauch zu zahlen und um zu zeigen, dass er, Gott, unwiderruflich und ohne Ausflüchte auf der Seite der Opfer steht.” – Der Präfekt der Glaubenskongregation sagt: “Über die kanonischen Sanktionen gegen den Täter hinaus ist die Zuwendung und Hilfe für die Opfer von größter Bedeutung, wofür eben die Diözesen und die Ordensgemeinschaften Sorge zu tragen haben.” Quellen: Radio Vatikan und FAZ


12.4.2014 Ein früherer Bischof der Diözese Roermond starb 2013. Jetzt gab die kath. Kirche zu, was sie bislang leugnete: Der Bischof hat zwischen 1958 und 1961 als Kaplan in Zuid-Limburg 2 Kindern sexuelle Gewalt angetan. Quelle: dutchnews.nl


11.4.2014 Der Papst bittet die Missbrauchsopfer “einiger” Priester um Vergebung. Quelle: taz
Kommentar: Zugleich wird er am 27.4.2014 einen hochrangigen Täterschützer heiligsprechen: Papst Johannes Paul II. Das passt nicht zusammen.


10.4.2014 Das ist die Kirche auch:-)


10.4.2014 Erzbischof Kardinal Carlo Maria Martini (1927 bis 2012) hat als Zeuge im Heiligsprechungsprozess von Papst Johanes Paul II. Bedenken gegen die Heiligsprechung geäußert. Der Papst habe die Ortskirchen vernachlässigt zugunsten der neuen geistlichen Bewegungen. Die Feier der Heiligsprechung soll am 27.4.2014 in Rom stattfinden. Quelle: religion.orf.at
Kommentar: Der Tag der Heiligsprechung von Johannes Paul II wird für die Opfer des Gründers der Legionäre Christi ein Tag der Trauer werden. Dann werden sie nämlich erfahren, dass auch ein Papst heilig gesprochen werden kann, der einen Sexualstraftäter schützte, obwohl er mindestens seit 1983 von den Verbrechen wusste.


10.4.2014 Frauen seien selbst schuld, wenn sie vergewaltigt werden. Das glaubten laut einer Studie 35 Prozent der Brasilianer. Laut der Gesundheitsbehörde werden in Brasilien pro Jahr mehr als 500.000 Frauen vergewaltigt. Quelle: stern.de


9.4.2014 Im März war bekannt geworden, dass das Erzbistum Berlin einen Priester rehabilitierte, obwohl der Priester sexuelle Gewalt gegen einen Jungen gestanden hatte. Da er das Geständnis jedoch nicht unterschrieben hatte, galt er der Kirche als unschuldig. Das damalige Opfer hatte nun ein Gespräch mit dem Bischof des Erzbistums Berlin. In diesem Gespräch sagte der Erzbischof, dass es eine unabhängige Untersuchungskommission nicht geben werde. Er wies darauf hin, dass es doch einen Beraterstab gebe. Das damalige Opfer bezeichnet den Beraterstab als “zahnlosen Tiger”, weil er keine Akteneinsicht in Ermittlungen zu Missbrauchsfällen hat. Quelle: maz s. auch pnn.de und Tagesspiegel


9.4.2014 Als “zahnlosen Tiger” wird man wohl auch die Päpstliche Kommission zum Kinderschutz bezeichnen müssen. Pater Hans Zollner – Gregoriana, mit dem Kinderschutzprogramm betraut, – sagte am 26.3.2014 Radio Vatikan: “The commission will look into the legislation of the Church, the Canon Law and will try to find out whether this is effective or not and then recommend to the Holy See if there is something to change and what to change,” Fr Zollner told Vatican Radio. He admitted however that the commission does not “have any legislative power.” Quelle: au.ibtimes.com


9.4.2014 Der frühere Limburger Generalvikar Kaspar war von 1970 bis 2006 Leiter des Kinderheims St. Vincenzstift, einer großen Einrichtung für Behinderte in Rüdesheim-Aulhausen. In einer neueren Untersuchung, die die Ereignisse nach 1970 umfasst, berichten Opfer und Mitarbeiter, dass Kaspar ihren Beschwerden über Gewalt und Misshandlung von Kindern in diesem Heim nicht nachgegangen ist. Gestern bat Kaspar um Nachsicht, es tue ihm unendlich leid und er bitte um Entschuldigung. Laut Radio Vatikan sagte er wörtlich: “Ich teile die Bestürzung und Fassungslosigkeit all derjenigen, denen im Sankt Vincenzstift Aulhausen Leid zugefügt wurde und denen Unrecht geschehen ist.” Unerwähnt lässt Kaspar, dass er gerichtlich gegen Alexander Markus Homes’ vorging, ein Heimkind, das 1981 in dem Buch “Prügel vom lieben Gott” von seinen Erfahrungen im Kinderheim berichtete. Kaspar überzog Homes zunächst mit einem Strafverfahren wegen übler Nachrede, dann erwirkte er eine einstweilige Verfügung gegen die Verbreitung des Buches. Das Strafverfahren wurde eingestellt, es kam zu einem Vergleich. Homes musste aus seiner Dokumentation einen “literarisch verfremdeten” Text machen. Heute sagt Homes, die Entschuldigung von Kaspar sei keinesfalls ausreichend und er könne sie nicht akzeptieren. Quelle: faz.net


6.4.2014 Hans Zollner, SJ, Leiter des Kinderschutzprojektes der Gregoriana, sagt, der Heilige Stuhl habe keine Sanktionsmöglichkeiten, wenn eine Bischofskonferenz Leitlinien zum Schutz Minderjähriger vor sexueller Ausbeutung durch Priester weder hat noch sich daran hält. Und er fragt: : “Wie soll denn der Heilige Stuhl das durchsetzten?” Zugleich weist er darauf hin, dass es Bischöfe gebe, die “wegen eklatantem Fehlverhalten” abgesetzt wurden. [Es scheint also durchaus Sanktionsmöglichkeiten zu geben.]
Zollner sagt weiter, dass in Rom seit dem Jahr 2000 etwa 4500 Anzeigen angekommen seien mit einer deutlich höheren Zahl an Opfern. 10 Leute bearbeiten die Anzeigen und sind außerstande, mit jedem Opfer in Kontakt zu stehen oder auch nur die Opfer über den Stand der Prozesse zu informieren. Quelle: tabularasa-jena.de


4.4.2014 Sexuelle Gewalt an Universitäten der USA scheint Alltag zu sein – genau wie das Ignorieren der Gewalt: “Nach einer Studie aus dem Jahr 2007 sollen ein Fünftel aller Studentinnen sexuell missbraucht worden sein. Sieben Prozent der männlichen Studenten sollen zugegeben haben, schon einmal versucht zu haben, eine Frau zu vergewaltigen oder tatsächlich eine Vergewaltigung begangen zu haben. Zwei Drittel davon sogar mehrmals, im Durchschnitt sechs Mal. Die wenigsten seien festgenommen oder bestraft worden, da nur zwölf Prozent der Opfer Anzeige erstatten. Quelle: Zeit.de


3.4.2012 Einem irischen Priester in Chile, Mitglied der Legionäre Christi, wird sexuelle Gewalt an zwei Schwestern, 7 und 11 Jahre alt, vorgeworfen. Der Priester John O’Reilly, bestreitet die Vorwürfe. Er hat gute Kontakte zu reichen Familien und ist als TV-Pfarrer bekannt geworden. Ihm drohen 20 Jahre Haft. Quelle: Radio Vatikan


2.4.2014 An die Rolle des ehemaligen Generalvikars im Bistum Limburg bei der Aufklärung von Missbrauchsfällen erinnert ein Artikel in der Zeit. Generalvikar Kaspar ging damals gegen eines der Opfer, Alexander Markus Homes, mit einer Strafanzeige wegen übler Nachrede vor und erwirkte eine einstweilige Verfügung gegen die Verbreitung des Buches. Der Autor durfte seine Erinnerungen “Prügel vom lieben Gott” nicht mehr Dokumentation nennen – er musste sie als “literarisch verfremdet” deklarieren. Die im Herbst 2013 vorgestellte Studie, die allerdings nur bis 1970 reicht, bestätigt Alexander Markus Homes. Quelle: Zeit