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Presse

2. Quartal 2012


29.6.2012 Der Vatikan wurde eingeschaltet, die Vorwürfe gegen den chilenischen Priester Christian P. zu prüfen. Bereits 2011 war ermittelt worden, ob der Vorwurf stimmte, dass P. in den 1980er Jahren Minderjährige sexuell missbraucht habe. Die Untersuchung erhärtete den Verdacht nicht. Wer die Untersuchung durchführte, wird nicht berichtet. Nun werde neu ermittelt, weil neue Hinweise vorlägen. P. genießt wegen seines Einsatzes für Menschenrechte großes Ansehen. Er bestreitet die Vorwürfe und beteuert seine Unschuld. Quelle: Radio Vatikan


 29.6.2012 In einem kath. Internat bei Lingen soll ein heute 15Jähriger jüngere Mitschüler missbraucht haben. Quelle: ruhrnachrichten


28.6.2012 Die Staatsanwaltschaft in Roermond verdächtigt im Zusammenhang mit ungeklärten Todesfällen in einer psychiatrischen Klinik in katholischer Trägerschaft zu Beginn der 1950er Jahre einen Ordensbruder. Es wird vermutet, dass er für den Tod von 37 Jungen verantwortlich ist, die zwischen 1952 und 1954 in dem Kinderheim in Heel starben. Im September 2011 hatte der ehemalige Oberpfleger des Heims, Nico van Hout, erklärt, ein Bruder habe ihm berichtet, dass sein inzwischen verstorbener Vorgänger 20 Kinder getötet habe. Van Hout erklärte damals, er habe die Aussage bereits 1969 auch Vorgesetzten und Behörden gemeldet, aber keine Reaktion darauf erhalten. Quelle: aachener-zeitung


28.6.2012 Etwa 10 Jungen hat ein Kaplan und späterer Pfarrer von Aadorf/Thurgau zwischen 1999 und 2010 belästigt bzw. missbraucht In einem Fall war die Grenze zur Strafbarkeit überschritten, der Täter erhielt eine bedingte Geldstrafe über 4000 Franken. Die übrigen Verfahren wurden eingestellt. Der Verurteilte ist nicht mehr in der Seelsorge eingesetzt. Quelle: kath.ch   prüfen


26.6.2012 Nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung an Ministranten ist in der Steiermark ein Pastoralpraktikant suspendiert worden. Man sei entsprechend der 2010 von den Bischöfen beschlossenen Rahmenordnung gegen Missbrauch vorgegangen: Das sei gut gelaufen; man habe gesehen, dass die Maßnahmen greifen: “Dieser Fall hat uns gezeigt, dass die Rahmenordnung bei der Aufarbeitung solcher Fälle konkret helfen kann”, so ein Sprecher des Bistums. Quelle: religionv1.orf


26.6.2012 Im Erzbistum Hamburg meldeten sich 50 Opfer, die von kath. Priestern missbraucht wurden. Über die Anzahl der Täter gibt es keine Angaben. Quelle: Abendblatt


25.6.2012 “Schlechte Erfahrungen” haben die Heimkinder gemacht – so wird anlässlich der Einstellung der kath. Hotline zum 30. Juni 2012 genannt, was Kinder in (kath.) Heimen erlitten haben. Es wird beteuert, dass es weiter Hilfsangebote für die Opfer gibt. Erzbischof Zollitsch erklärte: „Nach einer mehrjährigen erfolgreichen Arbeit ist dieses Angebot der Kirche nicht länger notwendig, weil unterdessen sehr gute andere Angebote geschaffen wurden. Die Hotline war ein wichtiger Schritt zur Aufklärung und Aufmerksamkeit.“ Und weiter: „Mit den Anrufen konnten Schicksale ehemaliger Heimkinder aufgeklärt werden. Vor allem hat die Hotline ein Gesprächsangebot für Heimkinder ermöglicht, das ihnen die notwendige und in der Vergangenheit oft versagte Aufmerksamkeit geschenkt hat.“  Quelle: dbk
Zur Erinnerung:
Die Opfer hingegen sind unzufrieden – mit den Hilfsangeboten. Manfred Kappeler, Sozialpädagoge, seit langem für die Heimkinder engagiert, sprach davon, dass die bereit gestellten Gelder “meilenweit entfernt von einer wirklichen Entschädigung” seien. Die Akteure der Runden Tische hätten “ganz überwiegend die Interessen der ‘Täterorganisationen’ vertreten, um möglichst von diesen einen finanziellen und einen Image-Schaden abzuwenden.
Einige Heimkinder erhalten beschämend-niedrige Nachzahlungen in die Rentenkasse – und auch nur dann, wenn ihre Rente zu niedrig ist. Löhne für die geleistete Kinderarbeit werden nicht nachgezahlt. Wenn kein anderer Geldgeber gefunden wird – und nur dann -, werden manchmal Hilfen für medizinische und psychologische Behandlungen gezahlt. Schließlich muss jeder, der einen Antrag stellt, dem stattgegeben wird, zuvor eine Verzichtserklärung für alle weiteren Ansprüche unterschreiben. Im Dezember 2011 ging durch die Presse, dass etwa 400 Heimkinder den sog. Entschädigungsfonds (der keine Entschädigungen auszahlt, sondern Almosen mit großer Geste und großen Worten verteilt) boykottieren werden. Im Dialog-Prozess, den Erzbischof Zollitsch angestoßen hat, ist immer wieder von der “hörenden Kirche” die Rede. Warum aber wird den Heimkindern nicht zugehört? Warum wird einem Dierk Schäfer und einem Helmut Jacob nicht zugehört, die sich seit vielen Jahren für die Heimkinder einsetzen? Wie glaubwürdig ist es, wenn die katholische Kirche sich permanent ständig selbst bescheinigt, wie gut sie doch mit ihren Opfern umgeht – und viele Opfer etwas ganz anderes als einen guten Umgang erleben? Wie überzeugend ist es, wenn 1.136 Erstgespräche mit Ex-Heimkindern im Januar 2012 stattfanden – bei ca 30.000 Anspruchsberechtigten (das sind 3,7% der Anspruchsberechtigten!)? Quelle: WDR
Kommentar: Das leidige und rufschädigende Thema “Heimkinder” ist durch. Das interessiert niemanden (mehr). Wie demütigend und beschämend die Heimkinder vom RTH behandelt wurden, ist schon wieder vergessen. Es ist eine Schande.


23.6.2012 Monsignore William Lynn, Erzbistum Philadelphia, wurde wegen seiner Rolle bei der Vertuschung sexueller Gewalt verurteilt. Lynn habe geholfen, Täter im Amt und die Öffentlichkeit im Dunkeln zu halten, wird ihm vorgeworfen. Lynn war von 1992 bis 2004 Sekretär der Erzdiözese. Ihm drohen bis zu 7 Jahre Haft.  Vage begründet die Kirche ihre Absage an einer Verlängerung der Verjährungsfrist mit der Sorge, dass diese Verlängerung zu einer “Zweierklassengesellschaft der Opfer” führe. Quelle: swissinfo
Kommentar: Wie die kath. Kirchenleitung wohl dastehen würde, wenn alle Personalchefs, Bischöfe, Kollegen, auch Gemeindemitglieder… bestraft würden, die Sexualstraftaten vertuschen halfen?


23.6.2012 Der Fotograf Martin Schlüter berichtet von sexuellem Missbrauch vor allem durch Jesuiten in Alaska. Der dortige Bischof war vom Gericht verpflichtet worden, die Dörfer mit den vielen Opfern zu besuchen. Er traf kein einziges Opfer – es war ihm draußen zu kalt. Auf einem dieser Bilder ist er zu sehen – er steht über den Menschen und er ist nicht “mit ihnen”. Quelle: dradio.de


23.6.2012 Ein Assistent des früheren American-Football Trainers Joe Paterno, der 68-jährige Jerry Sandusky, wurde schuldig gesprochen, dass er sich über 15 Jahre lang an 10 Jungen vergangen hat. Sandusky droht lebenslange Haft. Quelle: Spiegel


20.6.2012 Die Stiftung Diakonie de La Tour, Kärnten, hat 150 000 Euro an Missbrauchsopfer aus dem Kinderheim “Herrnhilf” gezahlt. Pro “Fall” wurden 5 – 25 000 Euro gezahlt. Die Schilderungen der Opfer sei glaubwürdig, sagte der Sprecher Hansjörg Szepannek. Quelle: tt.com


20.6.2012 In Wiener städtischen, kirchlichen und privaten Kinderheimen gab es zwischen 1950 und 1979 systematische Gewalt gegen die Heimkinder. 1100 Opfer meldeten sich, die Hälfte von ihnen berichtete auch von sexueller Gewalt. Quelle: Spiegel


18.6.2012  “Wie sollen wir es uns erklären, dass Personen, die regelmäßig den Leib des Herrn empfingen und im Bußsakrament ihre Sünden anklagten, auf solche Weise gefehlt haben?”, fragt der Papst anlässlich des Eucharistischen Kongresses in Irland. Es bleibe ein Geheimnis. Quelle: religionv1.orf
Kommentar: Natürlich kann man sexuelle Gewalt mystifizieren und zum Geheimnis erklären, wie der Papst das tut. Es gibt aber eine Fülle von Erkenntnissen der Psychologie, der Soziologie und anderer Wissenschaften, die mithelfen zu verstehen, warum Menschen andere zum Objekt machen, wie und warum der Schutz einer Institution die Täter unterstützt, welche Besonderheiten des Weltbildes und Selbstverständnisses der Institution Täter anziehen … Aber wissen wollen muss man es schon. Und man muss bereit sein, auch nach systemischen Ursachen zu fragen und sie beseitigen zu wollen. Nur: Das will in der kath. Kirche kaum jemand, und der Papst schon gar nicht.


18.6.2012 Beide Großkirchen (EKD und DBK) haben eine Vereinbarung mit dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung unterschrieben, in der sie sich zum Schutz von Kindern vor sexuellem Missbrauch verpflichten. Konkrete Maßnahmen sind nicht vorgegeben, sie sollen von den Kirchen entwickelt werden. Außerdem erklären die Kirchen sich bereit, zwei bundesweite Befragungen des Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung in den kirchlichen Strukturen zu ermöglichen. Quelle: welt


18.6.2012 “Im Bereich sexueller Missbrauch Minderjähriger durch kirchliche Mitarbeiter sind wichtige Initiativen in die Wege geleitet worden und Beschlüsse gefasst worden, die deutlich machen, dass die Kirche es ernst meint, wirklich zuerst die Opfer sexuellen Missbrauchs zu sehen… Die spirituellen Konsequenzen, die sich aus dem Missbrauchsskandal ergeben, sind noch nicht vollzogen worden. So steht ein wirklicher Läuterungsprozess, der am Ende die Kirche und ihre Verantwortlichen demütiger, wahrhaftiger und damit glaubwürdiger macht, weiterhin aus.” Das sagt Wunibald Müller. Quelle: saarbruecker-zeitung
Kommentar: Dass die Kirche es ernst meint mit den Opfern, kann ich so nicht bestätigen. Seit Anfang Mai bin ich auf der Suche nach SeelsorgerInnen, die vor Ort Betroffene seelsorglich begleiten. Von den 81 Anfragen an Verantwortliche (!) für die Seelsoge und Seelsorgeausbildung aller katholischen Bistümer wurden bislang nur 30 beantwortet, das sind 37%. 12 Bistümer hüllen sich völlig in Schweigen. 16 Anfragen wurden “an Zuständige” weitergeleitet – da stehen Antworten noch aus, die erfahrungsgemäß nie eintreffen; 6 antworteten nichtssagend, EIN Verantwortlicher bot an, vor Ort SeelsorgerInnen suchen zu helfen. – Wir kennen Täterseelsorge. Es gibt ca 250 katholische Gefangenenseelsorger für die 75 000 Gefangenen jeglicher Konfession und Religion. Den ca 3,1 Millionen katholischen Opfern von Menschengewalt steht die Seelsorge bislang weitgehend hilflos und desinteressiert gegenüber. Seit 2010 weist die kath. Kirche immer wieder darauf hin, dass es sexuelle Gewalt nicht nur in der kath. Kirche gibt, sondern überall. Dieser Hinweis ist richtig – nur scheint er keine Konsequenzen zu haben.


18.6.2012 Missbrauchsopfer kritisieren den Umgang der Hiltruper Missionare mit den Missbrauchsfällen. Aus Rom kam ein Strafdekret für 2 Täter.
Quelle: wn


17.6.2012 Die große Geschichte des Glaubens sei “in jüngster Zeit auf eine erschreckende Weise getrübt worden durch die Offenlegung von Sünden, die Priester und gottgeweihte Personen Menschen gegenüber begangen haben, die ihnen anvertraut waren.” Das sagte der Papst in einer Videobotschaft an die TeilnehmerInnen des Eucharistischen Kongresses in Irland. Von seinem Anteil am Vertuschen und damit an der Ermöglichung weiterer Opfer sprach er nicht. Quelle: sn

Kommentar: Der Papst hat Recht mit seiner Formulierung: Das Problem für ihn sind nicht die Gewalttaten gegenüber Kindern und Jugendlichen, sondern ihre Offenlegung.


16.6.2012 Als Kind wurde Leserin Rosemarie Müller missbraucht. Noch Jahrzehnte später leidet sie unter Angstzuständen, Arbeitsunfähigkeit und dem Unglauben der Behörden. Quelle: Zeit


15.6.2012 Ein Heimkind erzählt: “Und nachts kam der Pfarrer”. Quelle: FR  


15.6.2012 Das Opus Dei freut sich, wenn die Einigung des Vatikan mit den Piusbrüdern zustande kommt. Zur Erinnerung: Die Piusbrüder erkennen das 2. Vaticanum nicht an, sind extrem frauenfeindlich, antijudaistisch… Quelle: kath.ch


15.6.2012 Kardinal Jean Brady leitete einen Bußgottesdienst im Rahmen des Eucharistischen Weltkongresses in Irland. Brady weigerte sich Anfang Mai zurückzutreten. Ihm wurde Versagen im Umgang mit Missbrauchsfällen vorgeworfen. U.a. hat er weder die Eltern missbrauchter Kinder, von deren Missbrauch er wusste, noch die Polizei informiert. Quelle: irishcentral


14.6.2012 Mord wird in der katholischen Kirche verziehen, eine zweite Ehe nicht. Das sagt Pfarrer Konrad Irslinger, Erzbistum Freiburg. Zu ergänzen wäre: Wer zum zweiten Mal heiratet, darf nicht zur Kommunion gehen, wer hingegen Kinder missbraucht, darf Eucharistie feiern. Quelle: Spiegel


14.6.2012 Die US-amerikanischen Bischöfe haben Bilanz im Blick auf die Missbrauchsfälle gezogen. Es habe eine beachtliche Verbesserung gegeben, aber es sei auch noch viel Arbeit zu tun. Seit 2002 erhoben 15.000 Menschen Missbrauchsvorwürfe. Insgesamt klagten sie 6115 Priester an. Bemängelt wurde die Kommunikation zwischen Diözesen und Orden über Verdächtige – die Ordensleitungen würden Diözesen nicht über pädophile Ordensmänner informieren. Quelle: kath.web  prüfen


14.6.2012 In vielen Kinderheimen in der DDR war Gewalt Alltag. Vom Runden Tisch Heimerziehung (West) wurden sie ausgeschlossen. Jetzt wurden ähnliche Regelungen auch für die Heimkinder-Ost getroffen – ebenso ungerecht wie im Westen. Von den 40 Millionen Euro sollen u.a. Reha-Maßnahmen und Beratungsstellen finanziert werden. Kirchen waren an der Heimerziehung im Osten beteiligt – 152 von ca 700 Kinderheimen waren in kirchl. Trägerschaft. Eine Mitwirkung am Hilfsfonds für ehemalige DDR-Heimkinder wird bislang weder vom Diakonischen Werk noch vom Caritasverband unterstützt. Quelle: Zeit und Spiegel 


13.6.2012 Der päpstliche Gesandte Ouellet traf beim Eucharistischen Kongress in Irland Opfer und bekundete “Scham und Reue” für die sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen durch katholische Priester. Er traf auch mit Opfern zusammen. Im Auftrag Benedikts XVI. bat er um “Vergebung von Gott und den Opfern für die schwere Sünde des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Kleriker”.
Quelle: http://www.domradio.de/aktuell/82403/papst-laesst-in-irland-um-vergebung-fuer-missbrauch-bitten.html
Kommentar: Die Bekundung von Reue ist erst dann ernst zu nehmen, wenn ihr ein klares “Sündenbekenntnis” vorausgeht. Dazu gehört die Offenlegung der Beteiligung am Täterschutz durch den Papst, die Kurie und die Bischöfe. Solange dies nicht geschieht, haben wir es wie gewohnt mit routinemäßigen Worthülsen zu tun.


13.6.2012 Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung Johannes Wilhelm Rörig hat an die Bundesländer appelliert, 50 Millionen Euro für den geplanten Hilfsfonds für Opfer sexueller Gewalt in ihren Familien fest zuzusagen. Rörig erklärte am Dienstag in Berlin, eine weitere Verzögerung sei den Betroffenen nicht zuzumuten. Quelle: taz.de


13.6.2012 “Da ist zum Beispiel das schockierende Geständnis von Pater Alfredo Moreno, dem Sekretär von Marcial Maciel, des 2006 wegen sexuellen Missbrauchs mit Amtsverbot belegten Gründers der Legionäre Christi. Am 19. Oktober 2011 um 9.30 Uhr trifft Moreno den Sekretär des Papstes. Er gibt zu, Dokumente über Maciels Schandtaten vernichtet zu haben. Er enthüllt aber vor allem, dass er bei Papst Johannes Paul II. kein Gehör fand, als er 2003 von diesen Taten berichten wollte. Warum, bleibt ein Geheimnis. Moreno war ein glaubwürdiger Zeuge, er war viele Jahre Maciels treuer Schatten. So aber mussten noch Jahre vergehen, bis der Skandal ans Licht kam.” Das berichtet Gianluigi Nuzzi. Quelle: wir-sind-kirche


12.6.2012 Der Sozialpädagoge und Universitätsprofessor Manfred Kappeler berichtet vor dem Bayerischen Landtag über das Leben von einstigen Heimkindern. Er kritisiert, die Kinder hätten damals keine Chance gehabt, sich gegen die Demütigungen zu wehren. “Es gab keine Institution, die ihnen zugehört oder geglaubt hätte.” Als er fortfährt, uneheliche Kinder seien ihren Müttern entrissen, andere zu Kinderarbeit gezwungen worden, hält es einige nicht mehr auf den Sitzen. Andere Zuhörer sind zu betroffen und verlassen unter Tränen den Saal. 80 ehemalige Heimkinder aus Bayern haben im Landtag über Misshandlungen berichtet, die sie in den Einrichtungen durchlitten haben. Quelle: welt
Kommentar: Es bleibt abzuwarten, ob dieses erneute Berichten der Opfer irgendwelche Konsequenzen hat. Die Berichte und das Leid sind bekannt – und trotzdem wurden die Heimkinder über den Runden Tisch gezogen.


11.6.2012 Sexueller Missbrauch an einer New Yorker Privatschule. Quelle: Spiegel


11.6.2012 Die Klasnic-Kommission hat einen heute 65-Jährigen als Opfer anerkannt. Er wirft Martin Bormann sexuellen Missbrauch vor. Bormann und der Abt seines früheren Ordens, Herz-Jesu-Missionare, weisen die Vorwürfe zurück. Bormann ist heute dement. Quelle: salzburg.orf


8.6.2012 Auf einer Veranstaltung der evangelischen Kirche in Ahrensburg sagte Ursula Enders, dass das positive Selbstbild einer Institution durch einen Missbrauchsfall stark erschüttert werde. Die Folge seien Ohnmacht, Erstarrung und Leugnung der Fakten. “Dann wird versucht, das Problem intern zu regeln”, sagte die Missbrauchsexpertin. “Aber das funktioniert nicht, das funktioniert nie.”
Diese Aussage hat es nicht bis ins Radio Vatikan geschafft. Eine andere schon: Der Zölibat sei keine Ursache für sexuellen Missbrauch (was sicher richtig ist). Quelle: mobil abendblatt


6.6.2012 Etwa 1,25 Millionen US-Dollar hat das Erzbistum Philadelphia in den letzten 2 Steuerjahren für Anwaltskosten rund um Missbrauchsprozesse ausgegeben. Nicht mitgerechnet sind die Kosten, die wegen des Prozesses gegen den früheren Personalverantwortlichen William Lynn zu zahlen sind. Quelle: kipa


5.6.2012 Im Bistum Augsburg wurde ein kath. Priester wegen des Besitzes von Kinderpornografie verurteilt. 2 Monate vor der Wohnungsdurchsuchung war er durch ein Mitglied des Domkapitels über die Anzeige informiert worden – genug Zeit, um Daten zu löschen. Die konnten jedoch rekonstruiert werden. der Priester war aus “gesundheitlichen Problemen” von seiner Arbeitsstelle abberufen worden. Heute ist er im Ruhestand. Quelle: augsburger-allgemeine.de
Kommentar: Täter können sich noch immer darauf verlassen, in der Hierarchie Unterstützer zu finden. Und: Katholische Priester, die wegen gesundheitlicher Probleme in den Ruhestand gehen, müssen damit rechnen, dass Mitchristen darüber nachdenken, ob hinter den “gesundheitlichen Problemen” eine Sexualstraftat steckt.


5.6.2012 Auch im Bistum Essen gibt es mindestens einen Priester, der Sexualstraftäter ist und weiterhin in der Seelsorge arbeitet. Quelle: zeit zu beten


4.6.2012 Die Plattform „Betroffener kirchlicher Gewalt.at” hat neun römisch-katholischen Bischöfen eine Liste mit 40 Beschuldigten geschickt, denen sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche vorgeworfen wird. Die Beschuldigten sind laut Plattform nach wie vor unbehelligt im Amt. Quelle: oe1.orf


4.6.2012 In diesen Tagen ging durch mehrere Presseorgane die Nachricht aus Berlin, dass ein ursprünglich als Missbrauchsfall deklarierter Fall sich als “schwerer Verstoß gegen den priesterlichen Dienst” entpuppte. Also kein Missbrauch; vielleicht Steuerhinterziehung? Unregelmäßigkeiten in den Finanzen? Eine Beziehung zu einer Frau? Jedenfalls erklärte das Erzbistum Berlin, es habe weder eine Straftat nach kirchlichem noch nach weltlichem Recht vorgelegen, der Pfarrer sei jedoch aufgefordert worden, auf sein Amt zu verzichten. Das wurde im Gottesdienst der Berliner Kirchengemeinde vorgelesen. Nur: Das Opfer war anwesend und erklärte, dass es sehr wohl eine Straftat nach weltlichem Recht gab, die jedoch verjährt sei. Das Opfer hatte als 16-Jähriger den Beischlaf mit dem erwachsenen Kaplan erlitten. Keine Straftat? Keine sexuelle Gewalt – in welchem Gewand auch immer sie daher kam? So kann man die nicht veröffentlichten Missbrauchsbilanzen der Bistümer auch schönen. Quelle: Berliner Zeitung und FR prüfen


4.6.2012 Im Bistum Trier wird gegen 16 Priester ermittelt, die des Missbrauchs verdächtig sind. Immer wieder einmal war von 20 Verdächtigen die Rede. Die Recherchen einer Betroffenengruppe (missbit) kommen zu anderen Ergebnissen. Quelle: FR


2.6.2012 Heimkinder gehen vor Gericht. Quelle: zdf


2.6.2012 Im Asylbewerberheim zeigt ein Mann einem Zwölfjährigen erst einen Pornofilm – dann missbraucht er ihn. Damit der Junge nichts verrät, wird er beschenkt. Vor Gericht hat der Flüchtling die Taten nun gestanden. Quelle: Süddeutsche


2.6.2012 Psychiatrische Gutachten bestätigen psychische Langzeitschäden durch Gewalt und Missbrauch an ehemaligen Zöglingen des Klosters Kremsmünster. Damit sind die Taten nicht verjährt. Jetzt wird mit der Anklage des „Pumpgun-Paters“ gerechnet. Diejenigen, die die Taten vertuschten, werden vermutlich nicht zur Rechenschaft gezogen. Quelle: profil.at


30.5.2012 Im Jahr 2011 wurden in Deutschland 146 Kinder und Jugendliche getötet – weitere 72 entkamen nur knapp diesem Schicksal. Weit über 12 000 Kinder sind im gleichen Zeitraum Opfer eines sexuellen Missbrauchs geworden – fast fünf Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Außerdem wurden knapp 4000 Erwachsene überführt, die sich im Besitz von kinderpornografischen Fotos oder Videos befanden oder versucht haben, sich solche zu verschaffen. Das entspricht einem Anstieg um 23 Prozentpunkte. Die Zahlen stammen aus dem Hellfeld. Quelle: fnweb


Pfingsten 2012:

NEUERDINGS
Das Alte
und das Immer-Schon.
Das Ungenügende
und das Noch-Nicht.
Das Vermoderte
und das “Wie-gehabt”

können das
Unverhoffte
nicht
aus unserem Leben
streichen,
welches gebären wird
das: NEUERDINGS.

Cristy Orzechowski, Seine kleine Gegenwart, S. 261


25.5.2012 Der neue Generalvikar des Erzbistums Köln, Stefan Heße, hält den erneuten Einsatz von Geistlichen nach sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen kaum für möglich. Als praktikable Lösung bleibe im Grunde nur die “Null-Toleranz”, die Entlassung aus dem kirchlichen Dienst. Quelle: Domradio


25.5.2012 Die Entführung und der mögliche Tod von Emanuela Orlandi sind immer noch ungeklärt. Die 15jährige Vatikanbürgerin war vor 30 Jahren entführt worden. Jetzt behauptet der Chef-Exorzist der kath. Kirche, Gabriele Amorth, die june Frau sei von Gendarmen der Vatikan-Polizei für Sexpartys vermittelt und später ermordet worden. Amorth berief sich auf einen Archivar, der von fragwürdigen Festen im Vatikan berichtet. Emanuela sei in diesem Umfeld gelandet. Es handle sich um einen Fall von sexueller Ausbeutung mit anschließendem Mord. Die Polizei hat die Untersuchung dess Verschwindes des Mädchens wieder aufgenommen.Quelle: Spiegel


25.5.2012 Die Leitung des Malteserordens in Großbritannien ist nach Vertuschungsvorwürfen vorerst suspendiert worden. Die drei obersten Mitglieder des katholischen Ritterordens seien angeklagt, den Besitz von kinderpornographischem Videomaterial bei ihrem Küster nicht den Behörden angezeigt zu haben. Der 68-jährige Küster sei im April zu einer 40-wöchigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Er habe Videomaterial besessen, das sexuellen Missbrauch von Kindern zeigte. Unabhängig davon sei der Mann mit der Beschuldigung sexueller Übergriffe gegen Kinder in sieben Fällen zwischen 1979 und 2011 rechtlich belangt worden. Quelle: kipa


24-5-2012 Der sexuelle Missbrauch in der Berliner Parkeisenbahn war seit etwa 10 Jahren bekannt, ohne dass die Kinder geschützt und die Täter zur Rechenschaft gezogen wurden. Quelle: rbb


23.5.2012 Im Jahr 2011 fielen in Deutschland 313 Frauen Mord und Totschlag zum Opfer. Bei 154 von ihnen, also fast jeder zweiten getöteten Frau, hatte die Polizei Ehemann, Freund oder Ex-Partner in dringendem Tatverdacht. Das geht aus bisher nicht veröffentlichten Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik des Bundeskriminalamtes hervor, die der Süddeutschen Zeitung vorliegen. Ebenfalls 2011 starben 349 Männer durch Mord oder Totschlag. In 16 Fällen steht die Ehefrau in Verdacht, 7mal die Freundin oder der Freund und einmal der eingetragene Lebenspartner. Quelle: Süddeutsche


23.5.2012 Der Papst provoziert den Ungehorsam, sagt Hans Küng. Quelle: südwestpresse


23.5.2012 Die Bischofskonferenz Italiens hat zwischen 2000 und 2011 insgesamt 135 Fälle sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Priester registriert. Zugleich wurden Leitlinien zum Umgang mit Missbrauchsfällen in Kraft gesetzt. Quelle: orf


23.5.2012 Bericht des Missbrauchskommission des BIstums Rottenburg-Stuttgart vom 19.4.2012. Quelle: Bistum Rottenburg-Stuttgart


 23.5.2012 Bericht vom Podium über “Die Täter, die Opfer, das System” auf dem Alternativen Katholikentag in Mannheim. Quelle: rheinneckarblog


22.5.2012 Bischof Ackermann erhält Rückenstärkung. Die Pädophilen-Gruppe “K 13” begrüßt den bisherigen Umgang der kath. Kirche mit pädophilen Priestern und hält den Ausschluss aus der Seelsorge oder gar die Entlassung der Straftäter für unchristlich und inhuman. Quelle: K13    über K13


23.5.2012 Die Einschätzung von Matthias Gierth, dradio, zum Katholikentag sieht so aus: Tatsächlich scheint ein Aufbruch, der zu echten Struktur- und Positionsveränderungen in der katholischen Kirche führt, von den deutschen Bischöfen auch gar nicht mehr gewollt zu sein. Schon wer die Predigt im Eröffnungsgottesdienst von Erzbischof Robert Zollitsch hörte, musste gewarnt sein: Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz vermied es penibel, die Glaubwürdigkeitskrise der Kirche und die Notwendigkeit zu einem umfassenden innerkirchlichen Neuanfang in den Mittelpunkt seiner Ansprache zu stellen. Konkrete Konfliktfelder und den Dissens, den es derzeit so massiv zwischen Gläubigen und Bischöfen gibt, benannte er gleich gar nicht. Quelle: Deutschlandradio


22.5.2012 Die Unterstützungsgruppe Sapec für Personen, die durch Priester in der Westschweiz missbraucht wurden, fordert die Schaffung einer unabhängigen Westschweizer Untersuchungskommission. Diese soll sich mit der Untersuchung und Wiedergutmachung befassen, schreibt Sapec in einem Bericht von Montag an die Schweizer Bischöfe. Die Gruppe gibt ihrem Zweifel an den bisherigen Untersuchungen Ausdruck und spricht von Nachlässigkeit. Abgesehen von guten Worten sei nicht viel geschehen, um den Opfern zu helfen, schreiben für Sapec die Verantwortlichen Jacques Nuoffer et Marie-Jo Aeby. Sapec vorliegende Dokumente gäben vielmehr Hinweise darauf, der Kommission sei es darum gegangen, “auf dem Rücken der Opfer” die Institution Kirche zu schützen. Die Richtlinien, welche die Schweizer Bischöfe unter dem Titel “Sexuelle Übergriffe in der Seelsorge” veröffentlichten, hätten zu Hoffnungen Anlass gegeben. Die Realität zeige aber, dass die “Mehrheit der Bischöfe und der Ordensobern” die “schrecklichen Leiden der Opfer” unterschätzten. Notwendig sei eine “Geste der Wiedergutmachung”. Es sei befremdend, dass oft Hinweise wie “Es gibt mehr Fälle von Pädophilie in den Familien” vorgeschoben würden. Quelle: kipa
Kommentar: Wenn es allerorten Klagen über die kirchlich eingesetzten Untersuchungskommissionen gibt, wird das die Kirchenleitungen doch nachdenklich machen, sollte man meinen.


20.5.2012 Roland Jahn, Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde, spricht im Kontext der DDR-Diktatur über die Täter, die andere Menschen und auch Nächste an die Stast verraten haben und nennt Kriterien, wann eine Entschuldigung glaubhaft ist. Er berichtet von Reue, die zu beweisen ist durch überzeugendes Handeln. Der Täter muss sich mit sich selbst auseinandergesetzt haben, die eigene Rolle und das eigene Tun vor sich und anderen offenlegen, sich Rechenschaft darüber ablegen, was sein Tun für die Opfer bedeutet. Quelle: Zeit
Kommentar: Das gilt so auch für diejenigen Männer, die ihre Kinder oder ihnen anvertraute Kinder zu Opfern sexueller Gewalt gemacht haben.


19.5.2012 In Großbritannien wurden 9 Männer wegen Menschenhandel und sexueller Gewalt zu 4 – 19 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Bande verführte im Großraum Liverpool Teenager aus chaotischen Familienverhältnissen mit Alkohol, Drogen und Geschenken, um sie anschließend zu vergewaltigen, an Komplizen weiterzureichen oder zu Sex mit anderen Freiern zu zwingen. Die Mädchen waren zum Teil erst 13 Jahre alt. Mit Empörung musste zur Kenntnis genommen werden, dass eine Polizeidienststelle die Anzeige eines 15jährigen Mädchens nicht entgegen nehmen wollte – wegen mangelnder Glaubwürdigkeit. Quelle: süddeutsche


19.5.2012 „Wir haben keine Glaubenskrise und wir haben auch keine Kirchenkrise. Wir habe eine Krise der Kirchenleitung“, sagte Helmut Schüller, österreichische Pfarrer-Initiative beim Alternativprogramm des Katholikentags. „Grundrechte für Getaufte“ gebe es nicht, sie seien aber Voraussetzung für Gespräche auf Augenhöhe. „Im Moment ist der Dialog ein Gnadenakt von einer Seite, der jederzeit unterbrochen werden kann.“ Quelle: faz


19.5.2012 Von außen betrachtet erscheine die katholische Kirche mit all ihren Erosionen als Krisen-Schauplatz schlechthin, und bei alldem wirkten die Bischöfe merkwürdig sprachlos, befindet der Soziologe Franz-Xaver Kaufmann, und Kurienkardinal Walter Kasper lächelt milde, als Kaufmann der Kirche vorhält, ihre „Herrschafts-Ideologie“ sei im „Barock-Zeitalter stehen geblieben“. Kasper, der das Ende der Volkskirche gekommen sieht, diagnostiziert: „Wir befinden uns erst am Anfang eines epochalen Umbruchs.“ Als Hauptursache für die schwierige Situation macht Kasper den Missbrauchsskandal aus. Das verlorene Vertrauen könne in einem langen und demütigen Prozess zurückgewonnen werden. Quelle: FR


19.5.2012 Interview mit Hans Maier im Deutschlandradio


19.5.2012 “Der Mut der Bischöfe ist ein eigen Ding”, titelt die Welt. Das ist richtig – er ist nämlich nicht sichtbar. Hier ist die unterschiedliche Einschätzung verschiedener Gruppierungen nachzulesen. Ob der Katholikentag wirklich ein Tag der verpassten Chancen ist, wird sich zeigen – und zwar dort, wo KatholikInnen mit dem Segen oder auch ohne den Segen der kath. Kirchenleitungen aufbrechen.


19.5.2012 So wurden zwei von 4 eingereichten Veranstaltungen beim Katholikentag abgesagt: “Die Arbeitskreise haben sehr wohlwollend versucht, alle Vorschläge in die konzeptionellen, räumlichen und zeitlichen Gegebenheiten einzubinden. Trotz dieses Bemühens konnten nicht alle Vorschläge berücksichtigt werden. Daher muss ich Ihnen leider mitteilen, dass Ihre Veranstaltungsvorschläge „Bei euch soll es nicht so sein – Menschenrechte in der Kirche“ und „Am Ende des Tunnels? Aufarbeitung der sexuellen Gewalt in der Kirche“ nach eingehender Prüfung nicht in das Programm des Mannheimer Katholikentags aufgenommen werden kann.” Quelle: Rheinneckarblog


19.5.2012 Kritik an der Kirchenhierarchie und an kirchlichen Gremien hat Kapuzinerpater Anton Rotzetter, dem wir gute Gebete verdanken, auf dem Katholikentag geübt. Die Kirchen seien derzeit weitgehend unfähig, die Zeichen der Zeit zu erkennen, sagte der Schweizer Ordensmann am Donnerstag in Mannheim. Statt um sich selbst zu kreisen, sollten sie sich mit den Armen solidarisieren. Vielen Bischöfen sei aber “das tägliche Fleisch offenbar wichtiger als das tägliche Brot”. Quelle: kipa


18.5.2012 Der kanadische Bischof Raymond Lahey wurde vom Vatikan in den Laienstand “zurück”versetzt. Er sitzt im Moment eine Strafe wegen des Besitzes von Kinderpornografie ab. Quelle: kipa


18.5.2012 Die Einschätzung der Stuttgarter Nachrichten vom Katholikentag in Mannheim ist hier nachzulesen.


18.5.2012 Die Ehrlichkeit ehrt Bischof Dr. Ackermann – und sie offenbart zugleich den grässlich tiefen Graben zwischen Kirchenverantwortlichen und Opfern: Bischof Ackermann räumt ein, dass er am Anfang [des Bekanntwerdens von so viel sexueller Gewalt in der kath. Kirche] noch darüber nachgedacht habe, ob die Betroffenen “nicht ein bisschen dankbarer” ihm gegenüber sein könnten. Er weiß nicht, dass es auch eine stellvertretende Sühne für die Verbrechen der Täter und die Vertuschungen der Bischofskollegen (die bis heute ohne Konsequenzen sind in Deutschland) gibt. Stellvertretende Sühne wäre angemessen angesichts des Leides, das den Opfern durch die Täter und durch eine täterschützende Kirche angetan wurde. Peter Eicher sagt: “Der Schmerz, der dem eigenen Leib und dem eigenen Gedächtnis eingebrannt ist, bleibt unerträglich, solange er nicht wie eine Botschaft gehört und verstanden wird.” Die Botschaft der Opfer wurde offensichtlich auch vom Missbrauchsbeauftragten noch nicht gehört – sonst könnte er nicht Dankbarkeit erwarten. Pater Stefan Kiechle, Provinzial der Deutschen Provinz der Jesuiten, nennt die 5000 Euro Entschädigungsprämie immerhin ein “beschämendes Zeichen”. Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung


17.5.2012 Die taz bringt es auf den Punkt: “Da ist der Missbrauchsskandal, der Tausende Menschen für ihr Leben gezeichnet und die Verlogenheit einer ganzen Bischofsgeneration – mit wenigen Ausnahmen – deutlich gemacht hat. Da sind mittlerweile unüberhörbare Forderungen nach Reformen und mehr Beteiligung der Laien in der Kirche, die aber von fast allen deutschen Oberhirten seit Jahren um der Einheit mit Rom willen beiseite gewischt werden.” Und weiter in der taz: “Überraschend war, dass wenige Minuten nach dieser überfüllten Podiumsdiskussion im gleichen Saal eine zweite Veranstaltung mit nicht weniger Brisanz anstand – aber fast zwei Drittel der Stuhlreihen leer blieben: Dabei trafen hier erstmals auf einem Katholikentag ein Missbrauchs-Betroffener, Matthias Katsch, von der Initiative „Eckiger Tisch“ und ein Bischof, nämlich der Trierer Bischof Stephan Ackermann, öffentlich aufeinander, um über dieses größte und schmerzlichste Verbrechen in der Geschichte der deutschen katholischen Kirche zu sprechen. Katsch sprach in wohl gesetzten, aber bitteren Worten über die Verdrängung und Vertuschung des Skandals durch die katholische Hierarchie, das „zweite Verbrechen“ nach der Tat selbst. Doch die Opfer von damals störten heute viele nur noch. Nach der Aufklärungswelle des Jahres 2010 hätten viele offenbar schon wieder von dem Thema genug. Und die vergleichsweise geringe Menge an Zuhörern scheint ihm recht zu geben. Bischof Ackermann, der der „Missbrauchsbeauftragte“ der Bischofskonferenz ist, verstand es nicht, das Misstrauen von Katsch und vielen Gläubigen im Publikum aus der Welt zu räumen. Zu schwammig waren Ackermanns Aussagen, dass man doch vielleicht, irgendwie, irgendwann, womöglich kommendes Jahr die bischöflichen Richtlinien gegen sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland verschärfen wolle, ein bisschen, ja, vielleicht auch mehr.” Bundespräsident Lammert spricht von einer faktischen Entmündigung der Laien.


17.5.2012 Der Sozialethiker Friedhelm Hengsbach, Jesuit, kritisierte die kath. Kirchenleitung scharf. Die Bischöfe seien “ein Club, der sich selbst paralysiert”, sagte er. Die Strukturen seien verkrustet. Die Bischöfe versuchten, die Krise der Ämter in eine Krise des Glaubens umzudeuten. Der Dialogprozess in der Kirche sei längst “kabarettreif”. Die Bischöfe antworteten nicht auf die gestellten Fragen, sondern ließen nur Fragen zu, die sie beantworten wollten. Quelle: welt.de


17.5.2012 Mertes, SJ, sieht zwei Probleme in der Kirche: Das Misstrauen wachse und den Herrschaftsanspruch der Kleriker. Man reagiere in den Kirchenleitungen auf Probleme mit Realitätsverlust wie der Geisterfahrer, der vor einem Geisterfahrer gewarnt wird und fragt: “Einer? Hunderte!” Man nehme vielleicht auch wahr, was schief läuft, tue aber trotzdem nichts, weil man das Image der Kirche nicht weiter beschädigen will. Quelle: Tagesspiegel


17.5.2010 Bischof Ackermann verteidigt den Einsatz von Priestern in der Seelsorge, die Sexualstraftaten gegen Kinder und Jugendliche begangen haben. Man dürfe sie nicht alleine lassen. Stefan Kiechle, SJ, stimmte ihm zu. Quelle: Die Welt
Kommentar: Es ehrt die Kirche, wenn sie Sexualstraftäter nicht alleine lässt. Sie hat jedoch mit Sicherheit als einer der größten Arbeitgeber Deutschlands viele Möglichkeiten, Straffällige in nicht-seelsorglichen Arbeitsgebieten einzusetzen, bei denen auch keine Kinder, Jugendliche, Behinderte, Kranke oder wehrlose alte Menschen gefährdet werden. Einsatz von Sexualstraftätern in der Seelsorge ist ein no go.    


17.5.2012 Der Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki hat sich dankbar über die Aufdeckung des Skandals sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche gezeigt. Wo Unrecht geschehe, müsse es öffentlich benannt werden; Missbrauch sei “zutiefst böse”, sagte Woelki am Donnerstag beim Katholikentag in Mannheim. Quelle: Domradio


16.5.2012 Interview mit Helmut Schüller, einem der Initiatoren der Österreichischen Pfarrer-Initiative. Er sagt, was Viele an der Kirchenbasis denken. Die Frage ist, ob es einen oder besser zwei mutige Bischöfe gibt, die die Zeichen der Zeit verstehen – und auch in Rom davon berichten. Quelle: taz


16.5.2012 Wir wissen es schon länger: Gewalt in der Kindheit hinterlässt hirnphysiologische und genetische Veränderungen – ähnlich denen, die bei Soldaten im Kriegseinsatz beobachtet werden. Nur begrenzt sind die Veränderungen noch rückgängig zu machen. Dennoch ist Hoffnung angebracht. Lesen Sie von den unbändigen Hoffnungen der jungen Menschen, die das Attentat Breviks auf der Insel Utoya überlebt haben. Zu Ina Linak, die überlebte, sagt der Staatsanwalt: „Du wirkst, als hättest du dein Leben im Griff.“ „Ja“, entgegnet Ina Linak, „aber ich muss gestehen, dass der Ernst Teil des Lebens geworden ist.“ Dann lacht sie. Quelle: FR
Kommentar: Der Bericht des Prozesses gegen Brevik ist schwer zu lesen. Zugleich ist er ermutigend und zutiefst hoffnungsvoll. Es gibt Eines, das die Opfer und Überlebenden von Utoya von “unsereiner” unterscheidet: Diese Kinder und jungen Menschen in Schweden dürfen mit der uneingeschränkten Solidarität ihrer Mitmenschen rechnen – Gott und den solidarischen Menschen sei Dank. Das hilft, das Unsägliche zu überleben, den Mut zum Leben nicht zu verlieren und Zeugnis abzulegen von dieser Hoffnung und diesem Mut. Wir, die wir oft jahrelange massive Gewalt erlitten haben in Herkunftsfamilien oder im Nahbereich, müssen um diese Solidarität täglich neu kämpfen. Wenn wir sie erfahren – und das geschieht -, dann sind auch wir zu nicht unterzukriegenden Hoffnungen in der Lage.


16.5.2012 Thomas Williams, Berater von Benedikt XVI bei seinen USA- und  Israel – Reisen, Führender der Legionäre Christi und Professor für Moraltheologie, hat zugegeben, was die Legionäre längst wussten: Dass er ein Kind hat. Zuvor war bekannt geworden, dass er von spanischen Opfervertretern der sexuellen Gewalt gegen Kinder/Jugendliche beschuldigt wird. Quelle: welt.de


15.5.2012 “Macht gegen Ohnmacht – die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle im Bistum Trier” Quelle: swr


16.5.2012 Das Verschwinden der Vatikan-Bürgerin Emanuela Orlandi bleibt auch nach der Exhumierung des Mafia-Bosses Enrico de Pedi ungeklärt. Es hatte Vermutungen gegeben, dass die 15-Jährige im Grab des Mafia-Bosses liegen solle. Sie wurde vor 30 Jahren entführt. Seither fehlt jede Spur von ihr. Pikant: Der Mafia-Boss hat sein Grab in der vermutlich dem Opus Dei gehörenden Basilika Sant’Apollinare gefunden, wo nur Erzbischöfe und Kardinäle begraben werden. Ermöglicht wurde dieses Begräbnis durch Ugo Poletti, damals stellvertretender Erzbischof von Rom und durch Mosignor Pietro Vergari, Rektor der Basilika. Vergari erklärte, er habe mit De Pedis immer nur über religiöse und aktuelle Dinge gesprochen und nie nach seinen Verbrechen gefragt. De Pedis habe Vergani bei den Vorbereitungen für die Armenspeisung geholfen. Quelle: spiegel


10.5.2012 Hans Küng geht nicht zum Katholikentag nach Mannheim. Er war zu einer Festgala anlässlich des 50. Jahrestages des 2. Vatikanischen Konzils eingeladen. Er hat abgesagt mit der Begründung: ‘Zu einer festlichen Konzilsgala besteht meines Erachtens kein Anlass, eher zu einer ehrlichen Bußandacht oder zu einem Trauergottesdienst. Überall auf der Welt empfinden viele Katholiken eine tiefe Trauer über die Entwicklungen unserer Kirche in den letzten drei Jahrzehnten, und nicht wenige haben deshalb in den letzten Jahren unserer Kirche den Rücken gekehrt.’ Quelle: wir sind kirche.at


15.5.2012 Im Prozess gegen die Erzdiözese Philadelphia hat der Jurist Tim Coyne drei Kardinäle schwer belastet: den verstorbenen Kardinal Anthony Bevilacqua und die amtierenden Bischöfe Edward Cullen, der heute die Diözese Allentown in Pennsylvania leitet, und Bischof Joseph Cistone von Saginaw im Bundesstaat Michigan. Sie hätten gelogen, als sie vor Gericht sagten, ihnen sei eine Liste von 35 Priestern, die sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche angewandt hätten, unbekannt. Die Liste war im Februar 2012 aufgetaucht. Der angeklagte Bischofs-Sekretär und ehemalige Personalverantwortliche habe diese Liste an Bevilacqua übermittelt und Bevilacqa habe angeordnet, die Liste zu vernichten. Obwohl bei 3 Priestern diagnostizierte Pädophilie vorgelegen habe und bei anderen sexueller Missbrauch eingeräumt worden war, sei einer der Missbrauchstäter bis zu seiner Suspendierung im März 2012 als Pfarrer im Dienst gewesen.
Der angeklagte ehemalige Personalverantwortliche Lynn hat im Fall eines Schuldspruchs bis zu 28 Jahre Haft zu erwarten. Quelle: kath.web
Kommentar: Hier gilt wieder mal, dass man die Kleinen hängt und die Großen laufen lässt. Die Propheten unserer Bibel wissen Klagelieder davon zu singen. Und es gilt das, was Menschen, die ihre Kirche lieben, weil sie ihr das Evangelium verdanken, kaum glauben können: Im Zweifel wird auch von Kirchenleitungen einfach – gelogen. Es ist nicht das erste Mal in Sachen sexueller Gewalt, dass gelogen wird. Es wäre gut, wenn es das letzte Mal wäre – aber das ist kaum noch zu hoffen.


15.5.2012 ARD-Sendung am 14.5.2012, 0.15 Uhr – 1:00 Uhr und Notizen von all dem, was in der ARD-Sendung ungesagt blieb und/oder nicht veröffentlicht wird. Die Sendung wird am Mittwoch, 16.5.2012, 13.15 Uhr auf Phoenix wiederholt und steht im Moment in der Mediathek (Sendeminute 15-21).


14.5.2012 “Beim Katholikentag wollen die Menschen nicht nur zusammen beten, singen und feiern. Sie werden auch über Probleme diskutieren, die es in der katholischen Kirche gibt. So soll es zum Beispiel darum gehen, warum so viele Menschen aus der Kirche austreten. Auch werden die Leute über sexuellen Missbrauch sprechen: Einige Priester sollen Kinder gegen ihren Willen angefasst haben. Das ist verboten und darf nicht passieren. Wer das macht und erwischt wird, bekommt eine Strafe.” Quelle: der westen

Kommentar: Auch so wie in diesem Artikel kann man sexuelle Gewalt beschreiben – noch harmloser geht nicht mehr. Die Leserin/der Leser weiß jetzt, dass es verboten ist, ein Kind gegen seinen Willen anzufassen. Und dass das auch bestraft wird – vorausgesetzt man wird erwischt.

  


12.5.2012 “Statt auf die bis dato bekannten Opfer und deren Familien demütig zuzugehen und ein intensives seelsorgerisches Gespräch mit den Geschändeten zu suchen, hätten sich die meisten Kirchenführer [in den USA] schnell hinter “Verteidigungslinien” zurückgezogen und seien mit einer zum Teil unvorstellbaren Aggressivität auf die Opfer und deren Anwälte losgegangen, bedauert der Dominikaner. Als “geldgierige Prozess-Hähne” und “Kirchenfeinde” hätten sie die Opfer beschimpft, mit Verleumdungsklagen hätten sie gedroht und hätten eiskalt gelogen, wenn es galt, die klerikalen Straftäter zu decken. Vielerorts hätten sie die Kinderschänder klammheimlich in neue Pfarreien und schulische Einrichtungen versetzt und hätten dadurch skrupellos weitere sexuelle Gewalt an Tausenden von Jugendlichen in Kauf genommen. Typisch für das zynische Verhalten vieler “Würdenträger”, so Doyle, sei nicht nur der Meineid gewesen, den Kardinal Roger Mahony von Los Angeles in einem Prozess schwor. Auch die feige Flucht zweier anderer amerikanischer Kardinäle vor den Opfern, sei in- und außerhalb der Kirche mit sprachlosem Entsetzen registriert worden: Der eine erklärte, er habe “Wichtigeres zu tun”. Der andere gestand, er habe “Angst beschimpft zu werden”! Quelle: imprimatur

ca 2006: Richard Sipe über sexuelle Gewalt in der kath. Kirche – kann als Kommentar zum Mannheimer Katholikentag gelesen werden. Quelle: www.aha.lu


11.5.2012 Bei den Legionären Christi soll es neben der sexuellen Gewalt des Gründers Marcial Maciel Degollado weitere Priester geben, die Kindern und Jugendlichen sexuelle Gewalt antaten. 7 Priester seien der Glaubenskongregation in Rom gemeldet worden. Quelle: Spiegel


10.5.2012 Über Monate missbrauchte ein Krankenpfleger minderjährige Patienten in einer Berliner Klinik. Nun ist der 29-Jährige zu einer Haftstrafe von mehr als drei Jahren verurteilt worden. Ins Gefängnis muss er aber vorerst nicht. Er ist nach einem Suizidversuch gelähmt und haftunfähig. Quelle: Spiegel


10.5.2012Der Vatikan will laut Informationen der Wochenzeitung “Irish Catholic” (Donnerstag) die Nachfolge des Primas von Irland, Kardinal Sean Brady (72) von Armagh, bald regeln. Die Zeitung berichtet unter Berufung auf vatikanische Quellen, der päpstliche Nuntius in Irland, Erzbischof Charles Brown, halte bereits seit seinem Amtsantritt im Jänner nach einem geeigneten Nachfolger Ausschau. Durch die Kontroverse der vergangenen Wochen habe die Frage an Dringlichkeit zugenommen. Brady war zuletzt durch eine BBC-Dokumentation unter Druck geraten, in der ihm eine zentrale Rolle bei der Vertuschung von Missbrauchsfällen in den 1970er Jahren vorgeworfen wurde. Der Vatikan sieht Bready als unschuldig an. Quelle: kath.web.de


10.5.2012 Hans Küng, treuer Katholik trotz Entzug der Lehrerlaubnis im Jahr 1979 oder 1980, sieht zwischen der kath. Kirche und Diktaturen immer mehr Parallelen. Weltweit seien Bischöfe durch Beaufsichtigung und Denunziantentum zu einem “fügsamen Apparat” geworden. Papst Benedikt blockiere Reformen und riskiere den Zusammenbruch von Seelsorge und Gemeinden. Das Kirchenvolk solle beruhigt statt ernstgenommen, die Reformverweigerung in Mannheim mit Aufbruchsgerede überspielt werden, so Küng. Er meint, Bischöfen sei dann kein Gehorsam geschuldet, wenn diese selbst wesentlichen Forderungen des Evangeliums ungehorsam geworden sind, wenn sie die Kirchengesetze über das Wohl der Gemeinden und Seelsorger stellen. Quelle: orf
Kommentar: Küng sagt, was viele engagierte KatholikInnen in Deutschland und andernorts auch beobachten und denken – mit brennender Sorge. Dass sie gehört würden, ist nicht erkennbar. Da helfen auch keine markigen Worte vom Aufbruch.


10.5.2012 Gotthard Fuchs über das Mitspracherechtes des Volkes Gottes – und wie es in der Vergangenheit übergangen wurde und hoffentlich nicht wieder übergangen wird. Z.B. in der Mitsprache, dass die Lieder von Huub Osterhuis im neuen kath. Kirchengesangbuch, die tastend nach einem Gott fragen, weiterhin in der Neuauflage des Gesangbuches stehen dürfen. Sie drücken aus, was Menschen glauben wollen – und manchmal nicht können. Gotthard Fuchs wörtlich: “Denn das Gottesvolk hat keine Stimme, der „Glaubenssinn der Glaubenden” hat keine Mitsprache. Kommissionen – oder sind es manchmal vielleicht sogar „Hintermänner”? – entscheiden. Die Kluft zwischen oben und unten wächst. Ein Klima der Angst bestimmt allzu oft die Szene. Auch „höhere” Amtsträger verstecken sich im Kollektiv.  Quelle: CiG


9.5.2012 Der Irish Independent vom Mittwoch berichtet, dass die Polizei eine Untersuchung über Anzeigen von 20 ehemaligen Schülern einer Schule der Herz-Jesu-Missionare in Cork an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet hat. Dort wird über eine Anklage entschieden. Drei Männer, 60 bis 70 Jahre alt – wurden vorübergehend verhaftet, aber wieder freigelassen. Quelle: kipa


8.5.2012 Illegal Adoptierte kämpfen in Spanien – gegen Verjährung, gegen Politik und Kirche. Der illegal Adoptierte Barroso gründete die Stiftung Anadir, die am 27.1.2011 eine Sammelklage einreichte. Die Stiftung geht von bis zu 200 000 bzw. 300 000 Betroffenen aus. Das Vorgehen war immer gleich: Alleinstehende Frauen brachten in einer Klinik ein Kind zur Welt. Das Spital sagte, das Kind sei tot und es würde sich um alles kümmern. In Madrid wurde den Müttern ein Baby aus der Gefriertruhe zum Beweis vorgelegt. Dann verkauften Die “Menschenhändler” das Kind an zahlungskräftige Adoptionswillige. Das Netz der Händlerringe war vermutlich dezentral organisiert. Behörden, Ärzte und Mitglieder der katholischen Kirche gehörten dazu. Quelle: Baz online


 7.5.2012 Opfer fordern den Rücktritt des irischen Primas, Kardinal Bready. “Nicht nur die katholische Hierarchie, sondern auch die Polizei hat den Missbrauch geduldet, totgeschwiegen, vertuscht und die Täter geschützt. Wie ein Verbrechersyndikat ging die Kirche über Leichen, um die Organisation zu schützen. Wie bei Smyth versetzte man die Täter in andere Gemeinden.” Quellen: taz    orf und Radio Vatikan


6.5.2012 Der frühere Kurienkardinal Walter Kasper sieht im Missbrauchsskandal, den Austrittszahlen und der Vertrauenskrise der kath. Kirche Zeichen eines epochalen Umbruchs in der europäischen Kirche. Die Reaktion, meint er, dürfe nicht darin bestehen, traditionelle Inhalte oder Formen über Bord zu werfen. Kirche müsse vielmehr neu von Gott reden und nicht von innerkirchlichen Fragen, die für viele Menschen keinerlei Bedeutung hätten. Quelle: Radio Vatikan
Kommentar: Der Kardinal übersieht, dass innerkirchliche Fragen sehr wohl mit der Glaubwürdigkeit der Kirche und ihrer Botschaft zusammenhängen. Wie sollen Frauen sich in einer Kirche beheimaten wollen, die sie strukturell und permanent diskriminiert? Wie soll Kirche glaubwürdig von Gott reden, wenn ihre Zuwendung zu denen, die unter die Räuber gefallen sind, bestenfalls halbherzig ist? Wie soll eine Institution für Menschen attraktiv sein, die einteilt in privilegierte (Geweihte) und Nicht-Privilegierte (Laien)? Die Liste wäre fortzusetzen.


5.5.2012 Erzbischof Chaput, Philadelphia, hat 5 Priester wegen sexuellen Missbrauchs dauerhaft suspendiert. Die derzeit beurlaubten Geistlichen dürfen keine öffentlichen (!) Aufgaben mehr übernehmen, können aber in Rom Berufung einlegen. 3 weitere Beschuldigte bleiben Seelsorger. Über 9 weitere mutmaßliche Täter muss noch entschieden werden. Chaput bat die Opfer erneut um Entschuldigung. Quelle: Domradio


4.5.2012 “Der Anfangsimpuls [der Odenwaldschule], die Vorzeigeschule für Aufarbeitung und Entschädigung zu werden, war arrogant – und er ist ganz schnell verflogen. Stattdessen hintertreibt die Schule die Aufklärungsbemühungen, sie führt den Opferschutzverein „Glasbrechen“ mit Aufklärungstricks an der Nase herum und sie demütigt die Betroffenen sexueller Gewalt.” Quelle: taz-Bericht und  taz-Kommentar


4.5.201 Die Geschichte von Henk Heithuis aus den Niederlanden ist bedrückend. Geboren wurde er 1935, die Kindheit und Jugend verbrachte er als uneheliches Kind in Kinderheimen. Im Vincentius-Stift in Harreveld wurde er von Mönchen 1950-1953 missbraucht. Drei Jahre später zeigte er die Geistlichen an und kam in die Psychiatrie. Dort wurde er kastriert – eugenisiert nannte man das, weil man dachte, er habe die Geistlichen verführt. 1958 reichte Heithuis Klage gegen seine Misshandler und Missbrauchstäter ein. Wenige Tage später starb er bei einem Autounfall. Ein anderes Auto hat seinen Wagen auf der Autobahn gerammt, der 22-Jährige war sofort tot. Die Polizei untersuchte den Unfall nicht näher. Sein Freund Rogge identifizierte den Toten. Als er im Zimmer des Toten die Aufzeichnungen von Heithuis holen wollte, hatte ein Polizist die Unterlagen beschlagnahmt. Sie sind verloren. Es war der Freund Rogge, der ihm seine Geschichte geglaubt hat – 50 Jahre lang versuchte er, die Geschichte von Heithuis der Presse zu vermitteln. Erst der niederländische Journalist Joep Dohmen verifizierte die Berichte. Unklar ist, warum die Deetman-Kommission diesen Opfern nicht nachgegangen ist. Quelle: Spiegel


4.5.2012 Irlands Außenminister Eamon Gilmore sagte im Blick auf das Verhalten von Kardinal Sean Brady: “Es ist meine persönliche Auffassung, dass jemand, der nichts gegen das Ausmaß des Missbrauchs getan hat, keine verantwortungsvolle Position innehaben sollte.”
Auch der emeritierte Theologieprofessor Vincent Twomey sagte dem Sender RTE, Brady habe seine moralische Autorität eingebüßt und solle sein Amt abgeben. Quellen: europeonline-magazine.eu    Radio Vatikan


4.5.2012 Laut Opferentschädigungsgesetz haben Missbrauchte auch Jahre nach der Tat noch Anspruch auf Entschädigung, hat die Deutsche Anwaltsauskunft bekanntgegeben. Wer als Kind oder Jugendlicher sexuell durch den Vater missbraucht worden ist, kann bei einer psychischen Erkrankung Versorgung nach dem Opferentschädigungsgesetz verlangen. Dies gilt auch noch nach Jahren. Das entschied das Landessozialgericht Baden-Württemberg (Aktenzeichen: L 6 VG 584/11), wie die Deutsche Anwaltsauskunft mitteilt. Quelle: newsticker.sueddeutsche.de


2.5.2012 Die Verurteilung des Schwarzwälder Lehrers wegen sexuellen Missbrauchs einer Tochter ist rechtskräftig. Die Schilderungen vor Gericht weisen auf eine dysfunktionale, gewalttätige und verwahrloste Familie hin. Der Täter wies den Vorwurf, er habe seine Tochter sexuell missbraucht, zurück. Er muss sich der sexuellen Dimension seines Handelns jedoch bewusst gewesen sein. Er beendete sein sexualisiertes Verhalten (“Riechkontrollen”), nachdem eine seiner Töchter von ihrem Orgellehrer sexuell missbraucht worden war.
Beim Orgellehrer handelte es sich um ein angesehenes Mitglied der katholischen Kirchengemeinde. Die Eltern erstatteten keine Anzeige. Quellen: Schwarzwälder Bote    Badische Zeitung


2.5.2012 Dem Primas von Irland, Kardinal Brady, wird erneut Vertuschung von Missbrauchsfällen vorgeworfen. 1975 habe er bei einer Anhörung eines dringend verdächtigen Geistlichen eine aktive Rolle gehabt, die Eltern der missbrauchten Kinder jedoch nicht vor dem Priester gewarnt. Bisher war nur bekannt, dass Brady als Protokollant anwesend war, als sexuelle Übergriffe des Priesters B. Smyth untersucht wurden. Smyth wurde 1997 wegen ca 90 Fällen von Kindesmissbrauch verurteilt. Brady hatte 2009 im Blick auf den Fall Smyth erklärt, er würde sein Amt aufgeben, falls Kinder durch ihn gefährdet worden seien. Nun ist der Fall eingetreten und Rücktrittsforderungen werden laut. Charles Scicluna, Vatikan-Beauftragter für die Untersuchung von Missbrauchsfällen wies Rücktrittsforderungen an Brady zurück. Quelle: kath.web


1.5.2012 Der ehemalige Bamberger Domkapitular darf diesen Titel nicht mehr tragen. Die Bamberger Bistumsleitung hat festgelegt, dass der Priester auch weiterhin keine seelsorglichen Funktionen “in dem in der Öffentlichkeit wahrnehmbaren Bereich” ausüben darf. Generalvikar Georg Kestel erläuterte auf Nachfrage, dies entspreche einem vollständigen Verbot, als Seelsorger tätig zu werden. Es gebe “keinerlei Ausnahmen”. Der Generalvikar sagte, der Erzbischof habe letzte Woche mit dem Priester gesprochen und ihm weitere Gespräche angeboten. Ihm gelte weiterhin die Fürsorge der Bistumsleitung. Quelle: katholisch.de


30.4.2012 In einem kirchenrechtlichen Prozess wurde der Bamberger Domkapitular des sexuellen Missbrauchs im Ottonianum in den Jahren 1978 – 1984 in sechs Fällen schuldig gesprochen. Seine Strafe: Er wurde in den Ruhestand versetzt. Quelle: Radio Vatikan


30.4.2012 Wer 500 000 Euro oder 1 000 000 000 Lire zahlt, kann auch nach einem Leben als Verbrecher – wie Ugo Pedis – noch dort beerdigt werden, wo sonst nur Päpste und Kardinäle beerdigt werden. Woher das Geld stammt, interessiert den Empfänger, Generalvikar Ugo Poletti, nicht. Öffentlich wurde der Vorgang, weil noch einmal nach der Vatikan-Bürgerin Emanuela Orlandi, die am Mittwoch, 22.6.1983 als Fünfzehnjährige verschwand, gesucht wird. Corrade Augias berichtet in seinem Buch “Die Geheimnisse des Vatikan”, 2012 (beck’sche reihe, S. 359-383) davon, dass die damals ermittelnden Beamten beim Heiligen Stuhl auf eine “konstante Zurückhaltung” stießen, und “der Heilige Stuhl de facto jede Art von Nachforschungen behindert habe” (a.a.O. S. 374). Quelle: focus


30.4.2012 in Irland solidarisieren sich Christen mit Priestern, die ein Redeverbot des Papstes haben. Quelle:orf.at


30.4.2012 Ein Vatikan-Kenner, Marco Politi, sagt, die Pius-Brüder führten den Papst und den Vatikan vor. Es sei der Papst selbst, der den Pius-Brüdern seit Jahren immer mehr entgegenkomme. Quelle: orf.at


30.4.2012 Es scheint überall das Gleiche zu sein, egal ob es um die kath. Kirche oder um die Odenwaldschule geht: “Man hat damals gesagt, sie werde eine rückhaltlose Aufklärung in Auftrag geben und alles dafür tun, dass die Umstände der Taten schnell aufgeklärt werden. Nach zwei Jahren muss ich feststellen, dass die Schule die wissenschaftliche Aufklärung noch immer nicht in Auftrag gegeben hat. Das ist der Bruch eines Versprechens. Das empört mich zutiefst. Zwei Jahre sind genug!” Das sagt der Grünen-Abgeordnete Marcus Bocklet über die Odenwaldschule. Quelle: FR


29.4.2012 Obwohl der Papst ein Gespräch ablehnte, vertraut Helmut Schüller, Pfarrer-Initiative Österreich, weiterhin auf ein Gespräch. Er fragt sich – zu Recht – was eigentlich die Menschen in den Gemeinden noch zu sagen hätten – wenig bis nichts. Quelle: orf


28.4.2012 Klaus Mertes hat den Bürgerpreis der SPD entgegengenommen. Er fragte u.a.: “Was ist bei uns [in der kath. Kirche] los, wenn das Selbstverständliche gepriesen werden muss?“, fragt er. „Da stimmt etwas nicht ganz tief im Unterholz der Kirche.“ Eine „Glaubenskrise.” Quelle: spd.de


27.4.2012 In Irland wird erwogen, eine Meldepflicht für sexuelle Gewalt gegen Kinder auch bei Priestern, die in der Beichte davon erfahren, einzuführen. Im Falle von Zuwiderhandlungen werden 5 Jahre Haft diskutiert. Weihbischof R.Field, Dublin, sagte, das Beichtsiegel sei unantastbar und dabei bliebe es. Quelle: orf
Kommentar: Die Meldepflicht dürfte in der Praxis unerheblich sein. Es gehört zu den Kennzeichen von Tätern, die an Kindern/Jugendlichen sexuelle Gewalt ausüben, dass sie keine Empathie für die Opfer aufbringen. Ihnen tut ihr Verhalten in der Regel nicht leid. Bei Bedarf reden sie sich ihr Verbrechen schön. Es besteht also auch bei Priestern, die Täter sind, keinerlei Grund zu beichten. (Wenn ich irre und wenn Sie andere Informationen haben, korrigieren Sie mich bitte.) Die Täter bedauern erst, wenn ihre Verbrechen bekannt wurden und ihnen nachgewiesen wurden und sie noch nicht verjährt sind – und sie bedauern dann in der Regel nicht ihre Taten, sondern das Öffentlich-Werden ihrer Taten.


27.4.2012 Ein Lehrer wurde wegen sexuellen Missbrauchs einer seiner Töchter, die im Rahmen täglicher “Hygienekontrolle” aller 5 Kinder des Täters stattfand, zu 2 Jahren auf Bewährung und zur Zahlung von 10000 Euro verurteilt. Der Verurteilte geht in Berufung, ebenso wie die Staatsanwaltschaft.
Quelle: Schwarzwälder Bote


27.4.2012 Der Abt des Zisterzienserklosters Mehrerau, Anselm van der Linde, stand vor Gericht. Zwei Opfer sexueller Gewalt haben ihn zivilrechtlich auf Schadenersatz verklagt. Im Fall eines 58jährigen Opfers muss das Gericht klären, ob die Verjährungsfrist mit dem Tatzeitraum beginnt oder mit dem Zeitpunkt, zu dem dem Opfer der Schaden bewusst wird. Der Anwalt des Klosters erklärte – anders als früher -, der Kläger sei nicht glaubwürdig. Schadenersatz werde wegen Verjährung abgelehnt, das Opfer solle sich an die Klasnic-Kommission wenden. Bislang waren vom Kloster die Taten nicht bestritten worden. Ein Gutachten soll die Traumatisierung und Verdrängung beim Opfer klären. Der Standard fährt fort: “Im Vergleich zum ersten Kläger wird der zweite vom Klosteranwalt mit Respekt behandelt.” Der zweite Kläger wurde vom selben Pater sexuell misshandelt. Seine Eltern protestierten 1982, der Priester wurde versetzt und kurzfristig suspendiert. Es kam zutage, dass die Vorgänger von Abt Anselm die Gewalttaten des Paters vertuschten. In den Akten, die vom Abt geführt werden, tauchte weder eine rechtskräftige Verurteilung von 1967 auf noch die Suspension von 1982. Der frühere Abt Kassian Lauterer wird nun vor Gericht geladen. Auch der Beschuldigte soll aussagen. Von ihm berichtet Abt van der Linde:  “Er ist schwer depressiv und suizidgefährdet, er hat mich gebeten, seinen Aufenthaltsort nicht zu sagen.” Quellen: derstandard    vorarlberg orf


25.4.2012 Ein ehemaliger Canisius-Schüler äußert sich in der taz anonym. Und Matthias Katsch, ehemaliger Canisius-Schüler berichtet ebenfalls in der taz. “Das Verbrechen der Institution Kirche: verdecken und verschweigen der Taten, das „Täterschutzprogramm“ und die Opfervergessenheit. Wir hatten unsere Geschichte über Jahrzehnte hinweg zusammenstückeln müssen. Isoliert voneinander, wie bei einem großen Puzzlespiel. Die andere Seite aber hatte längst gewusst, was geschehen war.”


25.4.2012 In Irland regt sich Widerstand gegen den Vatikan. 3 irischen Priestern wurde ein Redeverbot auferlegt, weil sie liberale Ansichten über Priesterinnen, Pflichtzölibat und Verhütung geäußert haben. Ihre Kollegen erklären sich solidarisch mit ihnen und rufen zu einer Mahnwache am kommenden Sonntag vor der Residenz (!) des päpstlichen Nuntius in Dublin auf. Quelle: orf


24.4.2012 Traumata in der Kindheit beschleunigen das Altern. In Zwillingsstudien wurde der Nachweis erbracht. Von den 236 Kindern waren knapp 42 % (!) das Opfer von Misshandlungen, Mobbing oder häuslicher Gewalt gewesen. (Bitte, den Bericht nur lesen, wenn ausreichende Stabilität da ist!) Quelle: Spiegel


24.4.2012 Die österreichische Klasnic-Kommission hat vermutlich/möglicherweise sensible Opfer-Daten weitergegeben an die Bischofskonferenz. “Es ist einfach falsch, eine Opfer-Kommission in Hände der Täter und ihrer Helfershelfer zu legen”, kommentiert jemand – zu Recht.


25.4.2012 Die österreichische Klasnic-Kommission nimmt zu dem Vorwurf, sensible Opfer-Daten an die Österreichische Bischofskonferenz weitergegeben zu haben, Stellung. “Der Umgang mit Daten von Missbrauchsopfern im kirchlichen Bereich ist “korrekt”. Darauf hat der Vorsitzende der kirchlichen Datenschutzkommission, Walter Hagel, am Mittwoch hingewiesen. Es würden keinerlei “Dateninhalte” seitens der Unabhängigen Opferschutzanwaltschaft an die Datenschutzkommission weitergeben, betonte Hagel im “Kathpress”-Gespräch. “Dadurch, dass keinerlei Dateninhalte weitergegeben wurden, ist nicht nur keine Verletzung des Datenschutzgeheimnisses geschehen, sondern eine solche Verletzung ist auch undenkbar”, so Hagel. Denn auch umgekehrt sei eine Weitergabe von “Dateninhalten” nicht möglich: “Dateninhalte werden von der Datenschutzkommission weder erhoben noch weitergegeben, weil wir ja nicht einmal darüber verfügen – und das auch gar nicht wollen”, sagte Hagel.”


23.4.2012 Folter an Kindern im Internet – Prozess gegen einen internationalen Drahtzieher in Darmstadt. Quelle: Süddeutsche


22.4.2012 Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen, das von der Bischofskonferenz mit der Aufarbeitung des sog. Missbrauchsskandals in der kath. Kirche beauftragt ist, stößt bei Pfarrern auf Widerstand. Sie haben Sorge, dass vertrauliche Daten an die Öffentlichkeit geraten. Bislang haben auch nur die Bistümer Trier und Hildesheim ihre Akten zur Auswertung zur Verfügung gestellt. Inwieweit die anderen 25 Diözesen ihre Personalakten übergeben, scheint immer noch unklar zu sein. Ein Gespräch zwischen dem Leiter des KFN und Pfarrern kam zu keinem Ergebnis, obwohl Christian Pfeiffer den Pfarrern zusicherte, dass überhaupt keine Akten direkt an das KFN ausgehändigt werden. Die Akten verbleiben in den Ordinariaten und werden von den Mitarbeitern der Bistümer sowie einem externen Juristen vorsortiert. Dieser unabhängige Jurist taucht in den Pressemeldungen mal auf, dann wieder nicht.Quelle: net-tribune


22.4.2012 Wundert sich noch jemand? Ein Artikel in der Badischen Zeitung über das Verschwinden der 15jährigen Vatikan-Bürgerin Emanuela Orlandi, die 1983 entführt wurde und deren Leiche nie auftauchte. Die Ermittlungsrichter waren immer wieder auf eine Mauer des Schweigens im Vatikan gestoßen. In der Stellungnahme weist Lombardi solche Vorwürfe zwar zurück, gleichzeitig signalisiert er jedoch die Bereitschaft der Vatikanbehörden, mit den italienischen Behörden zusammenzuarbeiten.
Christian Modehn formuliert in einer Besprechung des Buches “Die Geheimnisse des Vatikan” des Journalisten  Corrado Augias: “Der Vatikan hat die Ermittlungen des italienischen Staates massiv behindert und sogar terroristische Hintergründe herbeigeredet. Dem Vatikan war es äußerst peinlich, vermutet der Autor mit vielen anderen Beobachtern, öffentlich einzugestehen, dass das Mädchen von einem Priester missbraucht und anschließend ermordet wurde. Augias schreibt: Diese Beispiele demonstrieren: Es gibt von vatikanischer Seite nicht die geringste Unterstützung bei polizeilichen Ermittlungen, keine Reaktion oder aber absolute Zurückhaltung bei Anfragen der Justiz.”


21.4.2012 Hinweis auf ein notwendiges Buch: Susanne G. Kostorz: Krankheit und Berufsleben: Erfahrungen und Ratschläge zu Rente, Reha, Wiedereingliederungsprogramm und Co. 


20.4.2012 Von Homosexuellen geht nach Einschätzung des Vizerektors der Päpstlichen Universität Gregoriana, Hans Zollner, eine höhere Gefahr sexuellen Missbrauchs aus. Der deutsche Jesuit und Psychologieprofessor sagte der polnischen Tageszeitung “Rzeczpospolita” (Freitag), es gebe zwar keinen “direkten Kausalzusammenhang” zwischen Homosexualität und Kindsmissbrauch. Nicht jeder Homosexuelle stelle folglich eine Missbrauchsgefahr dar; aber bei dieser Personengruppe sei das “Risiko höher”. Quelle: kipa
Kommentar: M.W. ist eine statistische Häufung des spezifisch homosexuellen Missbrauchs Minderjähriger nicht belegt. Täterstudien kommen zum Ergebnis, dass die meisten Täter bei gleichgeschlechtlichem Kindesmissbrauch heterosexuell oder höchstens bisexuell sind, meistens verheiratet sind und selber Kinder habe. Auch die beiden einzigen Studien über sexuellen Missbrauch in der röm. kath. Kirche des John Jay College kommen zu dem Schluss, dass – obwohl die meisten Opfer wie die Täter männlich waren, die Täter nicht homosexuell waren, sondern leichteren Zugang zu männlichen Opfern hatten. Auffallend war, dass die Missbrauchsrate Mitte der 1980er Jahre sank – zu einem Zeitpunkt, als eine merkliche Anzahl homosexueller Männer Priester wurden.
Ein Brief ist unterwegs. (Er wurde auch beantwortet – auf Italienisch, mit Verweis auf das polnische Interview.)


20.4.2012 Die Diözese Rottenburg-Stuttgart hat nach einer Untersuchung Missbrauchsvorwürfe gegen das ehemalige Kinderheim St. Jose, Gutenzell-Hürbel, Kreis Biberach, zurückgewiesen. Ehemalige Heimkinder hatten Vorwürfe erhoben: physische und psychische Misshandlungen, missbräuchlicher Einsatz von Psychopharmaka, rätselhafte Todesfälle von Säuglingen und Kleinkindern. Der Vorsitzende der Kommission, der Esslinger Bundestagsabgeordnete Markus Grübel, CDU, sagte, alle Todesfälle seien dokumentiert und der Einsatz von Psychopharmaka habe den damaligen Standards entsprochen. Die Misshandlungs-Vorwürfe vor allem gegen eine Schwester seien schwer zu bewerten. Quelle: swp


20.4.2012 Das Bistum Regensburg nimmt auf Anfrage Stellung zum Vorwurf, (2?) mutmaßliche Opfer von sexuellem Missbrauch nicht anerkannt zu haben. Der Bistumssprecher sagte, bei der Plausibilitätsprüfung werde kein enges Recht angewandt, aber das Bistum müsse eine Form finden, um die Sache anpacken zu können. Die Kirche sei die einzige Institution, die Opfern in dieser Form Hilfe anbiete. Der vom Bistum beauftragte Anwalt sagte, es liege kein sexueller Missbrauch vor. In einem Fall handle es sich um brutale körperliche Misshandlung, die aber nicht sexueller Natur gewesen sei. Quelle: Mittelbayerische


19.4.2012 Das Bistum Regensburg schützt die Opfer. Deswegen erhalten Opfer, die einen Antrag auf Geld in Anerkennung des Erlittenen gestellt haben, einen Brief, in dem die Nicht-Anerkennung als Opfer und die Nicht-Zahlung von Geld mitgeteilt wird. Aus Gründen des Opferschutzes wird in dem Brief kein Grund für die Ablehnung des Antrages genannt. Um eine Retraumatisierung der Opfer zu vermeiden, werden sie jedoch in diesem Brief zu einem Gespräch eingeladen – mit einem Juristen, der im Auftrag des Bistums die Anträge geprüft hat. In dem Gespräch sollen dann die Ablehnungsgründe genannt werden. Der Jurist stellt dann fest, ob ein sexueller Missbrauch vorliegt oder nicht. In einem Fall steht Aussage gegen Aussage. Der beschuldigte Priester bedauerte in einem Gespräch, dass dem Opfer Schlimmes passiert sei, aber die konkreten Vorwürfe weist er zurück. Eine Strafanzeige wegen Verleumdung wurde bislang gegen das Opfer nicht gestellt – auch das gehört ja zum Repertoire von Tätern, die von ihrer Kirche geschützt werden. Das Bistum Regensburg veröffentlicht – wiederum aus Gründen des Opferschutzes – die Zahl der Anträge und die Zahl der an die DBK weitergeleiteten Anträge nicht. Die DBK – vom br befragt – versichert, dass die Sorge um die Opfer oberste Priorität habe.
Quelle: br.de s.auch: regensburg-digital
Kommentar: Alle wollen den Opfern helfen und sie schützen. Nur die Opfer, die kriegen das einfach nicht mit.


18.4.2012 In den Niederlanden nimmt der Schrecken kein Ende: Ein Professor für Medizingeschichte erklärte, zwei katholische Chirurgen hätten ihm persönlich bestätigt, von einem Bischof mit Kastrationen beauftragt worden zu sein. Ein weiterer Wissenschaftler gab an, Priester, die als Beichtväter tätig gewesen seien, hätten homosexuelle Jungen “anschließend” (an sexuelle Gewalt?) direkt zu einem Chirurgen geschickt. Um wie viele Fälle es sich handeln soll, wird nicht berichtet. Erst am Montag waren in Justizarchiven auf Betreiben der Staatsanwaltschaft bislang unbekannte, verlegte Akten über sexuellen Missbrauch durch Geistliche in den 50er und 60er Jahren wieder aufgetaucht. Quelle: Deutsches Ärzteblatt


18.4.2012 Im Bistum Regensburg erhielten mutmaßliche Opfer Serienbriefe, in denen ihnen mitgeteilt wurde, dass sie keinen Anspruch auf Geldzahlungen in Anerkennung ihres Leides erhalten. Offensichtlich wurden auch nicht alle Anträge an die Koordinierungsstelle der Bischofskonferenz weitergeleitet. Der br erhielt vom Bistum keine Auskunft über die Anzahl der Anträge, die Zahlungen und die Weiterleitung an die DBK. Jedes Bistum ist selbständig und kann eigene Entscheidungen treffen. Quelle: br


17.4.2012 Warum auch Matthias Katsch den Heinemann-Bürgerpreis erhalten soll, begründet Ulrike Barth.Quelle: taz


17.4.2012 Im australischen Bundesstaat Victoria werden Missbrauchsfälle in katholischen und anderen religiösen Organisationen vom Staat untersucht. Anlass waren Berichte über Selbstmorde von etwa 20 Gewaltopfern. Der Erzbischof von Melbourne sagte volle Kooperation bei der Aufklärung zu. Vertreter von Opferverbänden, u.a. SNAP, sprachen von einem großen Schritt vorwärts. Der jüdische Opfervertreter Waks sprach von weit verbreitetem sexuellen Missbrauch in Victorias ultraorthodoxer jüdischer Gemeinde. Quelle: kipa


17.4.2012 In Österreich haben sich bei kirchlichen Ombudsstellen 2011 insgesamt 366 mutmaßliche Opfer gemeldet. 221 seien als ernstzunehmende Verdachtsfälle zu qualifizieren. 90% beziehen sich auf die Zeit vor 1993. 2010 waren es 499 bestätigte Fälle von Gewalt und sexueller Gewalt im kirchlichen Bereich. Quelle: Domradio


17.4.2012 Der Dominikaner Doyle hält es für einen “schlechten Witz”, wenn Vertreter des Vatikans oder auch nationaler Bischofskonferenzen uns neuerdings immer häufiger glauben machen wollen, dass die katholische Kirche “vorbildlich mit der Missbrauchskrise” umgehe und als Beispiel für andere Institutionen dienen könne. “Das ist bestenfalls frommes Wunschdenken”, stellt der Amerikaner fest.” Denn wer behauptet, wir seien bereits über den Berg hinweg, handelt unverantwortlich!” Sehr viel realistischer sei es, so der Pater, sich auf weitere “Schreckensnachrichten” einzustellen, zumal nicht nur in den erzkatholische Ländern Europas wie Polen, Italien, Spanien und Deutschland die “ganze Wahrheit” noch lange nicht zu Tage gefördert wurde, sondern auch aus Länder der Karibik, Lateinamerikas und Afrikas noch mit manch “bösen Überraschungen” zu rechnen sei. Quelle: imprimatur
Kommentar: Es gibt erkennbar einen garstig breiten Graben in der Selbstwahrnehmung der kath. Kirche und in der Wahrnehmung von Opfern. Das sollte doch den Kirchenleitungen – und der Presse – zu denken geben.


16.4.2012 In Österreich sollen noch 40 Priester, die sexueller Gewalt beschuldigt wurden, im Amt sein. Quelle: orf


15.4.2012 Das düstere Bild katholischer Missbrauchsfälle in den Niederlanden wird nun um Fälle von Zwangskastrationen erweitert. Die Vatikan-Medien schweigen darüber. Akten scheint es nicht/nicht mehr zu geben. Quelle: faz


13.4.2012 Die Caritas Würzburg ist Trägerin einer Ambulanz für Sexualstraftäter. Quelle: Spiegel


13.4.2012 Ein Lehrer, der eine 14jährige Schülerin sexuell missbrauchte, ist zu einer 15monatigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Quelle: Spiegel


13.4.2012 Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Zollitsch, gratuliert Klaus Mertes, SJ, zur Verleihung des Heinemann-Bürgerpreises durch die SPD. Er freue sich, dass Mertes’ Beitrag zur Aufklärung von sexuellem Missbrauch in Kirche und Gesellschaft gewürdigt werde. Zollitsch wies darauf hin, dass die DBK zahlreiche Initiativen zur Aufklärung und Prävention in den letzten 2 Jahren ergriffen habe. – Die SPD betont: “Mit seinem mutigen Schritt stieß der Pater eine breite Debatte in Gesellschaft, Politik und der kath. Kirche an über die Vertuschung von sexuellen Straftaten.” Zugleich wird hervorgehoben, dass Mertes auch als “Nestbeschmutzer” und “Verräter an der Sache der Kirche” bezeichnet wurde. Quelle: Domradio


12.4.2012 Klaus Mertes, SJ, erhält den Gustav-Heinemann-Bürgerpreis der SPD für seinen Einsatz für Opfer sexueller Gewalt. Quelle: der westen


11.4.2012 Der Pastor Dieter K. der Nordelbischen Kirche, der in Ahrensburg Kinder/Jugendliche missbrauchte, hat vermutlich auch Kinder/Jugendliche an der Stormarnschule in Ahrensburg missbraucht, an der er 3 Jahrzehnte lang Religionslehrer war. Bisher liegen Aussagen von einem Jungen und einem Mädchen vor. Die ehemalige Schülerin hatte die Schulleitung um ein Gespräch mit den ehemaligen Lehrern gebeten. Diese Anfrage wurde zurückgewiesen. Die Schulleitung betonte, sie habe nichts von den Vorwürfen gewusst, Beschwerden habe es nicht gegeben. Quelle: IN-Online
Quelle: missbrauch in Ahrensburg


11.4.2012 Der belgische Kardinal Daneels soll über mindestens 40 Missbrauchsfälle im Erzbistum Mechelen-Brüssel und in ganz Flandern informiert gewesen sein. Der Kardinal hatte stets erklärt, er sei vom Ausmaß der Gewalt überrascht worden. Sein Nachfolger in Brüssel, Andre-Joseph Leonard, soll über mindestens 5 Fälle in seiner früheren Diözese Namur informiert gewesen sein. Quelle: kipa


11.4.2012 In den USA haben Diözesen und Orden 2011 insgesamt 594 glaubhafte Anschuldigungen wegen Kindesmissbrauchs erhalten. 68% der Anzeigen galten Verbrechen zwischen 1960 und 1984. 21 Taten ereigneten sich 2010 und 2011. Das ist das Ergebnis einer Studie der amerikan. Kath. Bischofskonferenz. Die Studie warnte vor einer “wachsenden Nachlässigkeit” im Umgang mit Kinderschutz. Quelle: kath.web


10.4.2012 Aus dem Bistum Trier wird bekannt, dass zwei der sieben Priester, die sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ausübten, nun dem Vatikan gemeldet werden. Quelle: t-online

Kommentar: In den Leitlinien der DBK, Punkt 30, steht: “Bestätigt die „kirchenrechtliche Voruntersuchung“ den Verdacht sexuellen Missbrauchs, informiert der Diözesanbischof den Apostolischen Stuhl, der darüber entscheidet, wie weiter vorzugehen ist (gemäß Motu Proprio „Sacramentorum sanctitatis tutela“ vom 30.4.2001 in Verbindung mit Art. 16 der „Normae de gravioribus delictis“ vom 21.5.2010).” Wieso wurden die beiden Priester (und einige mehr) bislang nicht nach Rom gemeldet? Und wie wird der Vatikan handeln? So wie im Fall des Gründers der Legionäre?


10.4.2012 Die Reformpädagogik hat nichts gelernt aus den Erfahrungen von sexueller Gewalt. Quelle: taz


10.4.2012 Im Bistum Trier hat sich ein Geistlicher, der in der Altenheim- und Krankenhausseelsorge tätig war, bei der Staatsanwaltschaft wegen sexuellen Missbrauchs angezeigt. Die Diakonie, die das Krankenhaus, in dem der Geistliche tätig war, wusste nichts von den Anschuldigungen. Quelle: Allgemeine Zeitung    Rheinzeitung


10.4.2012 Bischof Ackermann sagt, wichtiger als kirchliche Bußriten sei der respektvolle Umgang mit den Betroffenen sexueller Gewalt. Und: Die Betroffenen hätten ein Recht, unversöhnt zu bleiben. Bei der sog. Heilig-Rock-Wallfahrt im Bistum Trier werde es auch eine Ausstellung über das Missbrauchsthema geben und Gesprächsangebote, sagte Ackermann. Er hofft, “dass das Thema die Wallfahrt nicht überschattet”. Quelle: domradio
Fragen: Wäre die Wallfahrt nicht “überschattet”, wenn das Thema ausgeblendet bliebe? Sind es also diese Opfer, die ein äußerst unangenehmes Thema auf den Tisch bringen und damit die Wallfahrt “überschatten”? Hätte Jesus den Überfallenen im Gleichnis vom barmherzigen Samariter als einen, der vom Eigentlichen ablenkt und die Festfreude verdunkelt, bezeichnet haben wollen? Und warum denkt der Bischof nicht darüber nach, dass die Unversöhntheit von Opfern das Spiegelbild einer immer noch vertuschenden und täterschonenden Kirche ist, die Opfer von sexueller Gewalt in einer demütigenden Geste mit einem beschämenden Geldbetrag abspeist? Eigentlich wäre zu erwarten, dass der Bischof erkennt: Es gibt kein Fest “unter Umgehung der Opfer”.


10.4.2012 Über den Gehorsam und über autoritären Machtmissbrauch – ein Kommentar von Wolfgang Bergmann Quelle: standard


9.4.2012 Am Ostersonntag protestierten Opfer sexueller Gewalt durch katholische Priester und Patres vor dem Dom in Trier. Quelle: epd


8.4.2012 Ein Rechtsanwalt hat in einem offenen Brief den Bischof von Würzburg gebeten, auf die “Einrede der Verjährung” zu  verzichten, um den Opfern von Gewalt im Kontext der Kirche die restlose Aufklärung und Entschädigung aller Missbrauchsfälle möglich zu machen. Das Antwortschreiben kam von der Bischofskonferenz und wurde mit der Bitte versehen, von einer Veröffentlichung abzusehen. Die Frage, ob die katholische Kirche auf die Einrede der Verjährung verzichte, wurde nicht beantwortet. Das Schreiben weist aber darauf hin, dass die Opfer statt einer unbürokratischen Hilfe auf die gerichtliche Durchsetzung von Ansprüchen angewiesen seien, wenn es keine Verjährung gäbe. Und da läge die Beweislast bei den Opfern. Es bestünde die Gefahr, dass sie mit ihren Ansprüchen vor Gericht scheitern. Der Anwalt weist darauf hin, dass die Opfer nicht scheitern, weil es keine Beweise gäbe, sondern weil die Kirche ihnen sagt, die Ansprüche seien längst verjährt. Würden sie auf die Einrede der Verjährung verzichten – und das könnte sie -, dann gäbe es diese Verjährung nicht. Quelle: VeH
Kommentar: Bislang hat sich meine Kirche nicht opferfreundlich gezeigt – von Ausnahmen abgesehen. Es fällt schwer zu glauben, dass die Kirche aus Gründen der Fürsorge für Opfer auf die Einrede der Verjährung verzichtet. Wahrscheinlicher ist, dass sie damit verhindern will, dass ihre Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit noch mehr Schaden erleidet. Die Forderung, dass die Kirche auf die Einrede der Verjährung verzichtet, wird auch von einem ehemaligen Ombudsmann in Österreich, Helmut Schüller, erhoben.


8.4.2012 Die Leiterin der Berliner Beratungsstelle für Ex-Heimkinder wirft den Job hin und beklagt mangelhafte Ausstattung und Vorgaben. Beratungsstellen in anderen Bundesländern teilen ihre Kritik an zu viel Bürokratie. Quelle: www.welt.de


6.4.2012 Ein Kommissar weint, als er ein Kind befreit, das ein Jahr lang immer wieder in einem Keller gefangen gehalten wurde. Quelle: Süddeutsche


5.4.2012 Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Ackermann, hält ein Umdenken im Umgang mit priesterlichen Sexualstraftätern für notwendig. Er wandte sich gegen die Kritik, die durch Halbinformationen oder bewusst den Eindruck vermittle, die kath. Kirche vertusche und verharmlose weiterhin.
Offensichtlich hat neben dem früheren Pfarrer von Köllerbach ein Mitglied des Pfarrgemeinderates ebenfalls eine anonyme Drohung erhalten. Quelle: Saarbrücker Zeitung


4.4.2012 Prof. Fegert spricht von 12,5% der Menschen, die in Deutschland Opfer sexueller Gewalt werden. Das ist jeder 8. in Deutschland. Das sind 6,25 Mio ChristInnen und 3.120.000 KatholikInnen, für die es keine SeelsorgerInnen gibt – anders als für die 75 000 Gefängnisinsassen; für sie gibt es mehr als 500 kath. und ev. Seelsorger. Quelle: augsburger allgemeine


4.4.2012 Die swp kritisiert recht moderat den Einsatz von priesterlichen Sexualstraftätern in Kliniken und Altenheimen. Meine Kritik am Umgang der kath. Kirche mit Opfern und Straftätern fällt nicht so wohlwollend aus.


4.4.2012 Bischof Dr. Ackermann wies darauf hin, dass die Leitlinien 2010 von Opferverbänden mitformuliert worden seien. Zartbitter jedoch widerspricht, dass in die Leitlinien das Expertenwissen von Opferverbänden eingegangen sei. “Im Interview mit dem domradio erklärte Herr Kronenburg, Pressesprecher von Bischof Ackermann und des Bistums Trier, diese Leitlinien seinen unter  der breiten Beteiligung einer größeren Öffentlichkeit von Experten am Runden Tisch im Gespräch mit Opferschutzverbänden entstanden. Es habe eine relative Einigkeit darüber gegeben, dass man  insbesondere unter Gesichtspunkten der Prävention und Kontrolle pädosexuelle Seelsorger nicht  aus dem Priesterstand entlassen solle. Mit dieser Vernebelungstaktik versucht der Pressesprecher des Bistums die Verantwortung des Trierer  Bischofs Ackermann und der Bischofskonferenz für die Weiterbeschäftigung von Tätern im Priesteramt zu leugnen. Eine Vertreterin der Opferverbände, die mit der Kirche über die Erstellung der Leitlinien im intensiven Diskurs stand, war Ursula Enders von Zartbitter e.V. .  Aufgrund ihrer 20jährigen Erfahrung in der Begleitung von Institutionen, die zum Tatort sexuellen Missbrauchs wurden, und ihrer intensiven wissenschaftlichen Recherche wies die Expertin die Kirche bei der Erstellung der Leitlinien wiederholt darauf hin, dass pädosexuelle Täter grundsätzlich aus dem Priesteramt zu entlassen sind. Keinesfalls reicht es – so Enders –, pädosexuelle Priester lediglich aus der Kinder- und Jugendarbeit auszuschließen.” Zartbitter weist darauf hin, dass 7% aller sexuellen Straftaten gegenüber Kindern und Jugendlichen im Gesundheitsweisen geschehen – also auch in Krankenhäusern, in denen das Bistum Trier straffällige Priester einsetzt. Quelle: zartbitter


3.4.2012 Eine Anklageerhebung gegen einen der vielen Mönche aus Kremsmünster, die Kinder und Jugendliche misshandelten und missbrauchten, ist wahrscheinlicher geworden. Quelle: ORF


2.4.2012 Ein “Guantanamo für pädophile Priester” gebe es nicht, sagte der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz, Bischof Ackermann. Guantanamo ist ein Synonym für staatliche Willkür und Folter Unschuldiger. Bischof Ackermann insinuiert mit diesem Vergleich die Unschuld von Priestern, die sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche anwandten. Quelle: morgenpost


2.4.2012 Bei meinen heutigen Recherchen über den Umgang der kath. Kirche mit Opfern stoße ich auf eine Internetseite, die mir bekannt ist. Dort steht seit Juni 2010 in einem Bericht über eine Fortbildung von Religionslehrern der Satz: “Mit interessanten Einblicken in die Psyche von Tätern und Opfern bereicherte Dr. Eva Busch vom Winnicott-Institut in Hannover den Nachmittag. Nach ihrer Erfahrung zerstören Gewalt und sexueller Missbrauch das Urvertrauen eines Kindes. Opfer entwickeln kein Gefühl für die eigene Unversehrtheit – und jene anderer Menschen. Furchtbare Folge: „Ein Opfer strebt danach, Täter zu werden, so wie jeder Täter einmal Opfer war“. Indem es einen schwächeren Menschen missbrauche, könne ein ehemaliges Opfer für einen kurzen Moment seine eigene Macht spüren und sein Minderwertigkeitsgefühl überspielen, behauptet die Expertin.” Im Juni 2010 machte ich das Bistum Hildesheim auf diesen Text aufmerksam. Von 2 Menschen im Hildesheimer Ordinariat erhielt ich Unterstützung meiner Bitte, diesen unsäglichen Text zu löschen. Es dauerte dann immer noch bis Mitte August 2010, bis der Text gelöscht war. Und heute finde ich die Opferbeschuldigung wieder – diesmal auf 2 Internetseiten, damit nur niemandem entgeht, dass die Opfer von heute die Täter von Morgen sind (Quelle als screenshot vorhanden.) Ich habe – wieder einmal – protestiert. Der Vorgang – wie auch immer er zustande kam – zeigt, dass Opfer nicht mit der Solidarität der kirchlichen Verwaltungen rechnen können. Auch im Erzbistum Freiburg steht noch immer, dass ein Opfer – dessen Täter die sexuelle Gewalt gestanden hat – ein “mutmaßliches Opfer” sei.
Nachtrag: Die beiden Seiten mit der Opferbeschuldigung in der Fortbildung von Religionslehrern im Bistum Hildesheim sind inzwischen gelöscht.


 3.4.2012. Inzwischen ist der lesenswerte Beitrag von Michael Ebertz: Quo vadis, Kirche? Bistum Hildesheim 2010 online.


1.4.2012 Der Abt von Kremsmünster wusste von nichts, sagt er. Die Justiz scheint weder das Kloster noch das Bistum Linz über den Täter Pater A. informiert zu haben. Dass es personelle Querverbindungen zwischen Kloster und Justiz gibt, scheint naheliegend. Quelle: standard.at