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Presse

1. Quartal 2016

31.3.2016 Der Argentinier Sebastián Cuattromo wurde mit ca 16 Jahren von einem Ordensmann der Marianisten, Fernando Picciochi – neben einem weiteren Opfer – sexuell missbraucht. 2000 erstattete Cuattromo Anzeige. Der Beschuldigte floh in die USA, wo er Dank Cuattromos Hinweis festgenommen und nach Argentinien ausgeliefert wurde. 2012 wurde Fernando Picchiochi wegen wiederholter sexueller Nötigung Minderjähriger zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt. Inzw. ist er wieder frei, weil ihm die U-Haft angerechnet wurde.
Cuattromo sagt, er habe von der katholischen Kirche keine Unterstützung erhalten. Als der Orden ihm eine Entschädigung anbot, verlangte er zugleich Stillschweigen. Daraufhin ging Cuattromo zum damaligen Erzbischof von Buenos Aires, Bergoglio. Der schickte Bischof Mario Poli. Poli erklärte dem Opfer, dass es richtig sei, wenn der Marianisten-Orden Stillschweigen verlangte.
Die US-amerikanische Opferorganisation Bishop Accountability wirft Papst Franziskus, der von 2005 – bis 2011 die argentinische Bischofskonferenz leitete, sein Schweigen vor. Franziskus habe das Problem des Kindesmissbrauchs nicht öffentlich gemacht, sich bei den Opfern nicht entschuldigt und keine Richtlinien zum Umgang mit Pädophilen innerhalb der katholischen Kirche veröffentlicht. Die wurden erst 2015 erstellt. Der Papstbiograf Sergio Rubin sagt, Bergoglio habe zwar in seiner Zeit als Erzbischof seine Haltung gegenüber dem Problem des sexuellen Missbrauchs verschärft und gewollt, dass die Justiz gegen pädophile Priester vorgehe, jedoch keine Leitlinien aufgestellt.
Laut Bishop Accountability haben in den vergangenen Jahrzehnten ca 50 Priester Kinder sexuell missbraucht, die Dunkelziffer dürfte höher liegen. Ein Teil der Täter wurde verurteilt.
Sebastián Cuattromo stellt fest, dass die Gesten der Entschuldigung eine “Konsequenz des jahrzehntelangen Kampfes der Opfer” sind: “Wir selbst haben erreicht, dass den Kirchenhierarchien heute keine andere Wahl bleibt, als offen über das Verbrechen des sexuellen Missbrauchs und dessen Vertuschung zu reden.” Quelle: Deutschlandfunk


31.3.2016 Das Würzburger “mutmaßliche” Missbrauchsopfer äußert sich in einem Interview. Quelle: br und abendzeitung-muenchen.de


30.3.2016 Im steyrischen Kinderheim Gleink sollen Erzieher Jungen nicht nur verprügelt haben, sondern auch zu sexuellen Handlungen gezwungen haben. Bereits verurteilt wurde ein Erzieher wegen sexueller Übergriffe zu 8 Monaten Haft. Die weiteren Vorwürfe gelten dem ehemaligen stellvertretenden Heimleiter Pater L. Die Klasnic-Kommission weist darauf hin, dass der Beschuldigte noch immer in der Kirche tätig ist. Ein kirchenrechtliches Ermittlungsverfahren läuft. Quelle: nachrichten.at


30.3.2016 Die Erzdiözese Boston zahlt 10 Missbrauchsopfern ca 1 Million US-Dollar (ca 880.000 €) Schmerzensgeld. Das Erzbistum erklärte, die Kirche “fühlt sich verpflichtet, die Fälle von klerikalem Missbrauch in einer mitfühlenden und gerechten Weise zu lösen”. Der Anwalt der Opfer, Garabedian, sagte, noch immer meldeten sich Opfer, die es bisher nicht schafften, sich zu melden. Seit der Aufdeckung des Boston Globe 2002 und damit der Öffentlichmachung der Missbrauchsfälle in den USA sind inzwischen 14 Jahre vergangen. Quelle: domradio.de


30.3.2016 Opfer sexuellen Missbrauchs können Mittel aus dem Ergänzenden Hilfesystem auch nach dem 30.4.2016 beantragen. Der dafür geschaffene Fonds sollte mit 100 Millionen Euro ausgestattet werden. Der Bund hat zugesagte 50 Millionen gezahlt, Bayern zahlte 7,6 Millionen und Mecklenburg-Vorpommern 1,3 Millionen. Die übrigen 14 Bundesländer zahlten die zugesagten 41,1 Millionen Euro bislang nicht. Quelle: radiovaticana.va


30.3.2016 Der Pariser Erzbischof Vingt-Trois unterstützt den Kardinal Barbarin. Vingt-Trois glaubt, Barbarin habe alles im Kampf gegen Pädophilie getan. Georges Pontier, Vorsitzender der französischen Bischofskonferenz, sagte, es liege an Barbarin, eine Antwort auf die derzeitige Situation zu finden. Gegen Barbarin läuft ein Ermittlungsverfahren. Ihm wird vorgeworfen, zwei Priester, die Jugendliche sexuell missbrauchten, nicht der Staatsanwaltschaft angezeigt zu haben. Quelle: katholisch.de


29.3.2016 Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft im Fall des Würzburger hochrangigen Geistlichen. Außerdem prüft der jetzige Missbrauchsbeauftragte Hinweise verschiedener Personen auf einen weiteren Fall, die sich möglicherweise auf dieselbe Person als Täter beziehen. Quelle: br.de und Interview mit dem Missbrauchsbeauftragten


29.3.2016 Der Nordkirchener Diakon, der wegen sexuellen Missbrauchs eines ehemaligen Schülers verurteilt wurde, hat Revision eingelegt. Quelle: ruhrnachrichten.de


29.3.2016 Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen: “Schade, dass erst jetzt so aufgeklärt wird” – von Lisa Weiß. Quelle: deutschlandradio


28.3.2016 Robert Werner: Warum Georg Ratzinger Domkapellmeister wurde. Regensburg-digital schaut die Ernennungen der Verantwortlichen für die Regensburger Domspatzen und die Vorschule in Etterzhausen genauer an. Das Urteil über Georg Ratzinger: “Faktisch war Ratzinger ein tragender, zumindest ein duldender Teil dieses gewalttätigen Systems und nicht dessen Gegner.” Dass G. Ratzinger von sexuellem Missbrauch durch den Vater von Probst wusste, ist bekannt. Dass er weder gegen die Gewalttäter noch gegen die Missbraucher etwas unternahm, auch. Quelle: Regensburg-digital


27.3.2016 Für den Bischof von Würzburg ist der mutmaßliche sexuelle Missbrauch einer Jugendlichen durch einen hochrangigen Bistumsmitarbeiter und die mutmaßliche Vertuschung durch das Bistum in der Osterpredigt nicht der Rede wert. Quelle: pow.bistum-wuerzburg.de


27.3.2016 Beim Kreuzweg sprach der Papst auch von den “Wunden, der in ihrer Intimität geschändeten Kinder” und verurteilte die “untreuen Diener”, die sogar die Unschuldigen ihrer Würde berauben, anstatt die eigenen eitlen Ambitionen abzulegen”. Quelle: Handelsblatt und tagesschau.de

Kommentar: Die Wortwahl des Papstes (oder die Übersetzung?) ist durchaus problematisch. Eine Ambition umfasst in der Regel nämlich zwar auch Machtstreben, benennt aber nicht das Verbrecherische des Tuns. Und “Eitelkeit” ist ein ungeeigneter Begriff, um ein Verbrechen zu beschreiben. Das Wort “Untreue”, das schon Papst Benedikt verwendete, hat die Kirche im Blick, nicht die Opfer. Zudem: Der Papst könnte einiges tun, um die Gerechtigkeit für die Opfer zu unterstützen, z.B. den versprochenen vatikan. Gerichtshof für vertuschende Bischöfe einrichten, die Finanzierung der vatikan. Kinderschutzkommission sicherstellen; die Bischöfe anweisen, die Aufklärung begangener Verbrechen von unabhängigen Kommissionen durchführen zu lassen und transparent zu veröffentlichen und darauf zu verzichten, Bischöfe zu ernennen bzw. im Amt zu belassen, die kirchliche Täter schützten.


26.3.2016 Eine heute 44-Jährige, Tochter eines Diakons, beschuldigte bereits im Oktober 2012 einen ehemaligen Missbrauchsbeauftragten des Bistums Würzburg (u.a. Direktor eines Internates, Spiritual, Personalchef, Domkapitular). Er soll sie 1988 zu sexuellen Handlungen gezwungen haben. Der heutige Missbrauchsbeauftragte des Bistums, der Kriminologe Klaus Laubenthal, informierte im März 2014 den Bischof, dass er die Vorwürfe für plausibel halte. Der Beschuldigte weist den Verdacht zurück. Anders als es die Leitlinien 2010 (und 2014 als Kann-Bestimmung bzw. “soweit es die Sachlage erfordert”) vorsehen, wurde der Beschuldigte nicht vom Dienst freigestellt.

In einem internen Kirchengerichtsverfahren wird die Ansicht vertreten, die behauptete Straftat sei nahezu auszuschließen. Aus den ca 1300 Akten-Seiten, die dem Spiegel vorliegen, geht hervor, dass der Beschuldigte zusammen mit dem inzwischen verstorbenen Generalvikar des Bistums (der sich mir als durchaus opferzugewandt dargestellt hatte und entsprechende Veröffentlichungen vorzuweisen hat!) entschied, den vermutlich verjährten Fall nicht durch die Staatsanwaltschaft überprüfen zu lassen. Der Beschuldigte wurde vom Generalvikar vorgewarnt und durfte im Kirchenarchiv üblicherweise nicht zugängliche Akten zu seinem eigenen Fall durcharbeiten. Der Bischof sprach dem Beschuldigten sein Vertrauen aus. Quelle: spiegel.de
Fragen an Bischof Ackermann stellt Claudia Adams hier: missbrauch-im-bistum-trier.blogspot.de/
Die Darstellung des Bistums lesen Sie hier: http://www.aktuell.bistum-wuerzburg.de/chronologie
Kommentar: Da gedenken wir eines Gewaltopfers, Jesus von Nazaret – und Kirchenverantwortliche scheuen sich nicht, ein Opfer der Gegenwart im Stich zu lassen? Das ist unerträglich.


25.3.2016 Am heutigen Karfreitag wird es beim traditionellen Kreuzweg am röm. Kolosseum auch ein Gebet für sexuell missbrauchte Kinder und Jugendliche und eine Bitte um Vergebung geben. Quelle: orf

Kommentar: Mit dem Gebet und der Bitte um Vergebung (wer wird wen bitten?) sollte jedoch auch verbunden sein, dass die vatikanische Kinderschutzkommission nicht um ihre Finanzierung bangen muss und dass diese Kommission nicht ständig ohne Antworten von der Kurie bleibt. Außerdem fehlt es an Gerechtigkeit für die Opfer. Der vatikan. Gerichtshof, der vertuschende Bischöfe zur Rechenschaft zieht, ist noch immer nicht eingerichtet. Ein folgenloses Gebet ist keine Hilfe.


24.3.2016 Kardinal Barbarin, Lyon, dem die Vertuschung von Missbrauchsfällen vorgeworfen wird, bittet die Missbrauchsopfer von Priestern um Vergebung: „Ich fühle mich verpflichtet, alles Übel auf mich zu nehmen, das einige Priester verursacht haben, und persönlich um Vergebung zu bitten“, sagte er in der Chrisammesse. Auch der Erzbischof von Paris, Kardinal Vingt-Trois sprach von „schuldhaftem Versagen einiger”: „Wir wenden unseren Blick nicht ab von den begangenen Fehlern. Solidarisch (?) bitten wir (?) um Vergebung.“ Quelle: Radio Vatikan


22.3.2016 Um die Veröffentlichung der Untersuchung von Missbrauchsfällen im Benediktinerstift Kremsmünster ist ein Streit zwischen den Betroffenen und dem Kloster entstanden. Die Rechte liegen beim Kloster, das den Bericht des IPP nicht in Buchform veröffentlicht haben will. Die Opfer argumentieren, dass bei einer Veröffentlichung in Buch-Form Wissenschaftler Zugriff auf die Untersuchung haben.

In der Untersuchung waren 350 Fälle sexueller, körperlicher oder psychischer Gewalt untersucht worden. 24 Personen wurden beschuldigt, einer davon wurde verurteilt. Die Untersuchung ist nicht repräsentativ. Quelle: orf


22.3.2016 Das Zentralinstitut Mannheim führt eine Untersuchung durch, in der die Belastungen von Opfern von Straftaten, die Anzeige erstattet haben, untersucht werden. Quelle: morgenweb mannheim

Kommentar: Anders als bei der MHG-Studie, die im Auftrag der Bischofskonferenz kirchliche Missbrauchsfälle untersuchen soll, gibt es hier einen schnell auffindbaren Probandenanruf.


21.3.2016 Der Missbrauchsbeauftragte des Bistums Würzburg Klaus Laubenthal schilderte in seinem Jahresbericht 2015/2016 den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs einer Frau durch den Priester Arnold Renz. Auch gegenüber dem Priester Ernst Alt wurden entsprechende Vorwürfe erhoben. Nach Ansicht Laubenthals sollten künftige Forschungen zum Fall Michel auch den Aspekt des sexuellen Missbrauchs in Erwägung ziehen. Anneliese Michel starb am 1.7.1976 in Klingenberg im Kontext von großen Exorzismen, die durch beide Priester durchgeführt wurden. Quellen: wikipedia  Mainpost  Mainpost 10.10.2016 und 17.10.2017


21.3.2016 Im Bistum Würzburg wurden im vergangenen Jahr 4 Missbrauchsfälle gemeldet. Zwei der Vorwürfe betrafen Priester des Bistums, 2 weitere Ordenspriester. Quelle: Bistum Würzburg und ruhrnachrichten.de und mainpost.de 


21.3.2016 In Nordkirchen, Bistum Münster, wurde ein kath. Diakon, der seelsorglich arbeitet, zu 3 Jahren Haft verurteilt. Er hat einen intelligenzschwachen Schüler sexuell missbraucht. Weder die Staatsanwaltschaft noch der Verurteilte informierten das Bistum. Das Bistum Münster leitete ein kirchliches Vorermittlungsverfahren ein und untersagte dem Verurteilten jeglichen kirchlichen Dienst. Quelle: ruhrnachrichten.de und ruhrnachrichten.de


21.3.2016 In der anglikanischen Kirche Englands erheben Politiker, Anwälte, Wissenschaftler und Religionsvertreter den Vorwurf gegen die Kirchenleitung, sie habe in der Anzeige einer Frau wegen sexuellen Missbrauchs gegen den 1958 verstorbenen Bischof Bell vorschnell und undurchsichtig geurteilt und ein Fehlurteil gefällt. Die anglikan. Kirche verteidigt sich: Die Entscheidung für eine Entschuldigung und die Zahlung der Entschädigung (19.250 Euro) sei nicht leichtfertig und nicht ohne Berücksichtigung der Auswirkungen auf den Ruf von Bischof Bell getroffen worden. Übergeordnetes Ziel sei es gewesen, die Wahrheit herauszufinden. Quelle: religion.orf.at


20.3.2016 Interview mit Christoph Fleischmann: Sprachlose Kirche? Sexueller Missbrauch und Theologie

20.3.2016 Martin Baron, der frühere Chefredakteur des Boston Globe, berichtet in einer Dankrede für den Film “Spotlight” von einer Rede der Harvard-Professorin Mary Ann Glendon, einer Juristin. Sie sagte am 4.11.2002 auf einer Konferenz vor Katholiken: “Ein Pulitzerpreis für die Reporter vom Boston Globe wäre wie ein Friedensnobelpreis für Osama bin Laden.” 2004 wurde sie Präsidentin der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften. 2007 war sie Botschafterin der USA beim Heiligen Stuhl. Sie ist Mitglied im Päpstlichen Rat für die Laien und im Päpstlichen Rat für die Familie.
Quelle: zeit.de
Kommentar: Da drängt sich die Frage auf, ob Opferfeindlichkeit eine Empfehlung für kirchliche Ämter ist.


19.3.2016 Den Rücktritt von Kardinal Barbarin wünschen 63% der Franzosen; 88% sind überzeugt, dass der Kardinal die Probleme ignoriert hat. Unter den katholischen Christen Frankreichs sprechen sich hingegen 62% für einen Verbleib des Kardinals aus. 56 % der Franzosen haben ein negatives Bild der katholischen Kirche. Der Bischof, der die traditionelle Josefs-Wallfahrt mit ca 3000 Pilgern leitet, verliert kein Wort über den Skandal, der die französische Kirche erschüttert. Sein Kollege, Monsignore Dominique Rey, hingegen sagt in seiner Predigt: “Man kann nicht erlauben, dass die Hände, die den Leib Christi geben, den Körper von Kindern anfassen. Die Eucharistie sollte heilen.” Quelle:  lefigaro.fr und bfmtv.com und fdebranche.com


19.3.2016 Die Rechtsabteilung des Vatikans habe Kardinal Barbarin mitgeteilt, dass keine Amtsenthebung eines Priesters nötig sei, wenn die Taten verjährt seien. Quelle: stuttgarter-Zeitung


19.3.2016 In Pennsylvania gibt es Lobbyisten, die das Parlament manipulieren, um eine Verlängerung der Verjährungsfristen zu verhindern. Es sieht so aus, als würden sie u.a. von der kath. Kirche bezahlt. Quelle: mcall.com


18.3.2016 Von den Regensburger Domspatzen melden sich weiterhin Opfer. Quelle: br


18.3.2016 Stephan Brändle schreibt über Kardinal Barbarin: Der Kardinalfehler. Quelle: fr-online.de


17.3.2016 In den Niederlanden wurde ein Drittel (342) der kirchlichen Missbrauchsfälle hinter verschlossenen Türen ausgehandelt. Es ist unbekannt, wie viel in den 342 “Fällen” (von insgesamt 1.045) von der Kirche gezahlt wurde. In den Niederlanden gibt es ca 723 Priester und knapp 4 Millionen Katholiken. Quelle: nrc.nl


17.3.2016 Drei frühere Superiore von Franziskanern müssen sich vor Gericht verantworten, weil sie einen Mitbruder versetzten, statt ihn zu suspendieren und anzuzeigen. Der Mitbruder, Baker, soll mehr als 100 Kinder missbraucht haben. Quelle: bigstory.ap.org


17.3.2016 Helen Last, ein ehemalige Koordinatorin des kirchlichen Heilungsprojektes für kirchliche Opfer der Diözese Melbourne, sagt, das volle Ausmaß der kirchlichen Missbrauchsfälle sei nicht bekannt. Das würde erst bekannt, wenn die Diözese alle ihre Unterlagen zur Verfügung stellen müsste. Diese sog. roten Akten enthalten forensisches Material, kriminelle Handlungen Geistlicher und Aussagen von Eltern. Ein Ex-Generalvikar berichtet, dass die Dateien die Aufschrift tragen “Nie zu öffnen”. Quelle: abc.net.au


17.3.2016 Rücktrittsforderungen an den französischen Kardinal Barbarin werden laut. Unter anderem kommen sie von der Staatssekretärin für Opferfragen Juliette Meadel. Ein Amtsverzicht sei „das Mindeste“, was Barbarin noch tun könne, statt sich „hinter juristischen Spitzfindigkeiten zu verstecken“, so die Staatssekretärin. Die kirchliche Presse protestiert und sagt, der Kardinal werde medial gelyncht. Quelle: de.radiovaticana.va/


17.3.2016 Die Fortexistenz der vatikanischen Kinderschutzkommission, der u.a. Pater Zollner, Marie Collins und Baroness O’Loan angehören, ist bedroht. Mangels Geld ist die Arbeit der Kinderschutzkommission behindert, sagt Marie Collins. Viele guten Initiativen seien gescheitert, weil es nicht genügend Geld gibt. Baroness O’Loan sieht keine sichtbaren Zeichen für ein echtes Engagement der Vatikan-Hierarchie. Collins beklagt, dass es sehr schwer sei, Antworten von der Kurie zu erhalten. Sie bezeichnet diese Vorgänge als entmutigend. Quelle: irishcatholic.ie

Kommentar: Es sieht so aus, als behielten die Skeptiker Recht, die die vatikan. Kinderschutzkommission für eine PR-Aktion halten.


17.3.2016 Pater Zollner, Mitglied der Päpstlichen Kinderschutzkommission in Rom, stellt die Frage, ob “wir eine Kirche sein wollen, in der die vom Missbrauch Betroffenen einen Platz haben” und weist darauf hin, dass Gott uns dazu hinführen wolle, “ehrlich zu sein und unsere Schuld einzugestehen”. Er bemerkt, dass psychologische und rechtliche Fragen im Missbrauchs-Kontext behandelt werden, in der “Mitte unseres Glaubens” erlebe er jedoch eine Leere, als ob “wir vermeiden wollten, das vor Gott zu bringen, was uns bei diesem Thema umtreibt”.

Außerdem wies er darauf hin, dass sich beim Missbrauchs-Thema sehr viel von dem bündelt, “was zum Himmel stinkt in der Kirche”: Fragen von Macht, Geld und dem Verständnis von Kirche-Sein. Quelle: kirchensite.de


17.3.2016 Helen Last, frühere Koordinatorin des Seelsorgeamtes des Bistums Melbourne, sagte, dass das gesamte Ausmaß des sexuellen Missbruchs von Priestern erst aufgeklärt werden könne, wenn auch die geheimen Akte öffentlich werden.

Monsignore Cudmore, ehemaliger Generalvikar von Melbourne, tratz zurück, weil er die Handhabung von Missbrauchsfällen durch Kardinal Pell für legalistisch hielt. Zudem wurde bekannt, dass der Nuntius Lazzarotto Akten nicht weitergegeben hat. Quelle: abc-net


17.3.2016 Der in Italien seit über einem Vierteljahrhundert gegen sexuellen Missbrauch kämpfende kath. Priester Fortunato Di Noto, Gründer von Meter, stellt fest, dass sexueller Missbrauch weiter ansteigt. Die Anzahl der Bilder habe sich im letzten Jahr verdoppelt. Hinter dieser Zahl stehen 700.000 Kinder mehr, die betroffen seien. Die pädokriminellen Netzwerke im Deep Web sind in einem Jahr von 180 auf 3.000 gestiegen. Es gebe keine weltweite Aufmerksamkeit für das Problem, sondern eher Gleichgültigkeit, auch in den Medien, sagt Di Noto und weist darauf hin, dass Europa das Mutterland der Pädokriminellen sei. Dass der Nuntius Wesolowski mit 100.000 Dateien mit Kinderpornografie in diesen Zahlen enthalten ist, erwähnt er nicht. Quelle: Radio Vatikan


16.3.2016 Unter dem Titel “Die Brüder und ihre Jungs” berichtet die taz von den Kapuzinern in Altötting, die 4 junge Flüchtlinge aufgenommen haben. Offensichtlich ist zumindest dem Artikelschreiber die Zweideutigkeit dieses Titels nicht einmal aufgefallen. Missbrauchsopfer hingegen erinnern sich gut daran, dass in der deutschen Kapuzinerprovinz mindestens 20 Täter mindestens 46 Kinder oder Jugendliche sexuell missbrauchten. Ein solcher Titel dokumentiert, wie schnell die kirchlichen Missbrauchsfälle vergessen sind – und wie wenig Gespür für die Opfer vorhanden ist.

16.3.2016 In den USA ist der Befreiungstheologe Virgilio Elizondo, 80 J., tot aufgefunden worden. Er hat Selbstmord begangen. Er wurde des Kindesmissbrauchs an einem Waisenjungen beschuldigt und hat diesen diesen Vorwurf zurückgewiesen. Quelle: de.radiovaticana.va


16.3.2016 Rete L’Abuso, eine italienische Gruppe von kirchlichen Missbrauchsopfern, hat eine Karte veröffentlicht, in der aufgeführt sind: in Rot alle Fälle von verurteilten Priestern, in Gelb alle Fälle, die noch auf ihren Prozess warten bzw. deren Verbrechen verjährt sind und in Schwarz Fälle von Priestern aus dem Ausland, die mutmaßlich in Italien versteckt wurden. Aufgelistet wurden die 150 Fälle, die in den letzten 10 Jahren bekannt wurden.
Quelle:google.com/ und retelabuso.org
Kommentar: Eine Karte von Deutschland würde vermutlich ähnlich oder noch erschreckender aussehen. 


15.3.2016 Kardinal Barbarin von Lyon wurde vom französischen Premierminister Manuel Valls aufgefordert, sich seiner Verantwortung zu stellen. “Ich erwarte nicht nur Worte, sondern Taten”, sagte Valls. Barbarin hat zwei Priester, die Kinder missbrauchten, im Amt gelassen und die Justiz nicht eingeschaltet. Zu seiner Verteidigung sagte Barbarin, dass die Fälle verjährt gewesen seien, “Gott sei Dank”. Der Vatikansprecher Lombardi erklärte seine Unterstützung für Kardinal Barbarin und sprach von seinem Respekt und der Wertschätzung für das Verantwortungsbewusstsein des Kardinals. Weiter sagte Lombardi: „Es ist klar, dass jede Form von Missbrauch an Minderjährigen ein schweres Verbrechen ist und die Auswirkungen auf die Opfer in ihrer Tiefe und Tragweite nicht zu unterschätzen sind.“ Quellen: Radio Vatikan + euronews.com + news.yahoo.com

Kommentar: Vor 2 Tagen noch hatte Erzbischof Scicluna verkündet, dass es heute nicht mehr möglich sei, dass ein Bischof einen des Missbrauchs verdächtigen Priester einfach in eine andere Pfarrei versetze. Seit 14 Jahren gebe es Regelwerke, die Bischöfen hülfen, Kinder zu schützen und die Kirche auf Prävention zu verpflichten, sagte er. Nun, offensichtlich nützen die Regelwerke nur begrenzt. 


15.3.2016 Ein mutmaßliches Missbrauchsopfer des französischen Pfarrers Jerome B., der 1990 den damals ca 16jährigen Jungen missbraucht haben soll,  informierte 2009 den zuständigen Erzbischof von Lyon, Barbarin. Dieser soll eingeräumt haben, seit 2007 genau über den Fall Bescheid zu wissen und die Fakten anzuerkennen. Barbarin bat das Opfer um Vergebung im Namen des Täters. Er suspendierte aber den mutmaßlichen Täter nicht und verbot ihm auch nicht die weitere Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Derzeit läuft eine Voruntersuchung wegen Nichtanzeige eines Verbrechens gegen den heutigen Kardinal Barbarin, der zugleich Primas von Gallien ist.

Jerome B. hat nach eigenem Geständnis zwischen 1986 und 1991 Pfadfinder sexuell missbraucht. Ende August 2015 wurde er seines Amtes enthoben. Seit Jan. 2016 läuft ein Ermittlungsverfahren. 60 Opfer sollen sich gemeldet haben.
Am Wochenende hat der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Georges Pontiers, Marseille, den Lyoner Kardinal verteidigt und gesagt, Barbarin sei in seinen Diözesen Moulins (1998 – 2002) und Lyon streng gegen Missbrauchsfälle eingeschritten. Er – Pontiers – wisse, dass Barbarin stets auf der Seite der Opfer gestanden habe. Dies müsse auch der Kurs der französischen Kirche bleiben.
Gestern wurde bekannt, dass eine weitere Anzeige gegen Barbarin vorliegt. Er wird beschuldigt, im Fall eines Priesters, der nach wie vor in Lyon amtiert und Anfang der 90er Jahre Missbrauch begangen haben soll, untätig geblieben zu sein. Quellen: domradio und bfmtv.com und fm1today.ch und unternehmen-heute.de und blick.ch und orf und dw.com und sz


14.3.2016 Die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in den Heimen der Brüdergemeinde Korntal ist gescheitert. Das wissenschaftliche Team unter Leitung von  Professorin Mechthild Wolff hat seinen Rückzug erklärt. Quelle: swr


14.3.2016 Norbert Denef und Klaus Mertes, SJ, sprechen im Interview von einem “Akt der Versöhnung” zwischen kirchlichen Opfern und der kath. Kirche. Quelle: deutschlandfunk.de

Kommentar: Ich verstehe den von Norbert Denef und Pater Mertes in den Blick genommenen Akt der Versöhnung einfach nicht. M.E. setzt Versöhnung voraus, dass Täter und Vertuscher die Verbrechen ermessen, das Unrecht ihres Tuns einsehen (Gewissenserforschung), es benennen (Bekenntnis), es bereuen (Reue), Verantwortung dafür übernehmen (guter Vorsatz) und es wieder gut zu machen versuchen (Wiedergutmachung).
Zum Ermessen des geschehenen Unrechts gehört transparente Aufklärung, die ich nur stellen- und bruchstückweise erkennen kann. Zur Einsicht in das Unrecht gehört, die Folgen für das Opfer sehen zu wollen – da lese ich viel zu oft routinierte Sätze, die davon Zeugnis geben, dass die Folgen sexueller Gewalt nicht verstanden wurden. Wer nicht ermessen kann, was sexuelle Gewalt bei den Opfern anrichtet, kann auch nicht bereuen, Gewalt angewendet bzw. vertuscht zu haben. Er kann logischerweise auch keine Verantwortung für die Verbrechen oder ihre Vertuschung übernehmen.
Und so ist es nur folgerichtig, dass es bislang lediglich einige wenige Bischöfe gab, die – nicht etwa aus Einsicht, sondern – nach großem Druck der Öffentlichkeit oder/und des Vatikans ihr Amt zurückgegeben haben. Der vatikanische Gerichtshof, der die Vertuschung durch Bischöfe untersuchen soll, ist bislang nicht eingerichtet. Strukturelle Änderungen, die (Macht- und) sexuellen Missbrauch verhindern sollten (der gute Vorsatz), werden verbal beschworen, sind aber faktisch nicht erkennbar. Auch das von Bischof Ackermann auf dem Regensburger Katholikentag 2014 angekündigte “strukturierte Gespräch” mit Opfern ist über seine Ankündigung nicht hinausgekommen.
Bevor es m.E. möglich ist, über eine – durchaus erstrebenswerte! – Versöhnung nachzudenken, müssen die Voraussetzungen dafür gegeben sein. Sonst droht ein “Akt der Versöhnung” zu einem der vielen unverbindlichen und folgenlosen Sprachspiele zu werden, die kirchliche Missbrauchsopfer schon zur Genüge kennen. Es wäre überdies ein fahrlässiger Gebrauch eines wichtigen Begriffs.

Erika Kerstner


 

13.3.2016 Der Tagesspiegel bringt ein Interview mit Bischof Ackermann. Dort sagt der Bischof, dass es der Wunsch der Forscher gewesen sei, die Untersuchung der Missbrauchsbrauchsakten in nur 9 der 27 Bistümer bis zum Jahr 1945 zu betreiben. Bischof Ackermann kann keinen Überblick über die bislang geleisteten Zahlungen geben. Er kann auch keine Auskunft über die Zahl der Priester-Täter geben und über die Zahl der Priester, die aus ihren Ämtern entfernt wurden. Quelle: eckiger-tisch.de
Kommentar: Nach meiner Erinnerung war dies nicht auf den Wunsch der Forscher zurückzuführen, sondern auf die Weigerung von 18 Bistümern, ihre Personalakten ab 1945 statt ab 2000 zur Verfügung zu stellen. Dass der Papst den Nuntius Wesolowski verhaften ließ, ist nur ein Teil der Wahrheit: Er hat ihn vor der Justiz der Dominikanischen Republik in vatikanische Sicherheit gebracht.


13.3.2016 Markus Ries, Kirchengeschichtler und Prorektor an der Universität Luzern, konstatiert, dass die Kirchenleitungen die Schärfe der sexuellen Gewalt nicht erkannt haben, “weil man sich die Opferperspektive nicht zu eigen gemacht hat. Man hat die Sache nur aus Sicht der Institution Kirche und ihrer Reputation angeschaut. Aus dieser Haltung heraus hat man sexuelle Übergriffe wie eine Art peinliches Problem behandelt.” Quelle: kath.ch


13.3.2016 Bischof Ackermann teilt mit, dass inzwischen ça 1600 Anträge auf Anerkennung des Leides infolge sexuellen Missbrauchs durch Priester, die bei den Bistümern angestellt sind, vorliegen. Das sind ça 175 mehr als vor ça 15 Monaten. Am 3.3.2016 hatte er von 1650 Anträgen gesprochen.

Bischof Ackermann betonte, dass die Anzahl der Täter erst mit der Studie, die 2017 beendet sein soll, bekannt würden. Zuletzt war von mehr als 860 kirchlichen Tätern die Rede. Quelle: domradio.de und katholisch.de
Kommentar: Dass die Täterzahl erst mit der MGH-Studie bekannt werden könne, ist vermutlich nicht richtig. Wenn die Zahl der Opfer, die Anträge gestellt haben, ermittelt werden kann, so dürfte auch die dahinter stehende Zahl der Täter der DBK bekannt sein, denn die Anträge werden u.a. auf ihre Plausibilität geprüft. Ohne Namen und Dienstorte der Beschuldigten dürfte eine Plausibilitätsprüfung unmöglich sein.- Auch der Hinweis auf den Forschungsverbund ist nicht hilfreich: Der Forschungsauftrag bezieht sich lediglich auf die Bistümer, nicht auf die Orden. D.h. auch diese Forschung dürfte lediglich Zahlen über Bistums-Täter erheben. Die Zahlen der Täter, die einem Orden angehören, wird auch nach 2017 im Dunkeln bleiben. M.a.W. Bei diesem Vorgehen ist es mit der versprochenen Aufklärung nicht allzu weit her.


12.3.2016 Die katholische Erzdiözese Philadelphia hat im vergangenen Steuerjahr 1,7 Millionen US-Dollar (1,5 Millionen Euro) an Hilfen für Opfer sexuellen Missbrauchs ausgegeben. Erzbischof Charles Chaput beklagt, dass die Aufdeckung der Missbräuche für die Kirche “besonders bitter” sei. Die Washington Post weist darauf hin, dass es ein Tarifverzeichnis für Entschädigungszahlungen wegen sexuellen Missbrauchs gab: “The chart recommended paying $10,000 to $25,000 to victims fondled over their clothes; $15,000 to $40,000 to those fondled under their clothes or subjected to masturbation; $25,000 to $75,000 for those subjected to oral sex; and $50,000 to $175,000 to those subjected to intercourse.” Quelle: kathpress.at


12.3.2016 Im Umgang mit kirchlichen Missbrauchsfällen ist das Wohl der Kirche das Kriterium, sagt Erzbischof Scicluna (“The good of the Church is the criterion we try to follow”). Quelle: www.lastampa.it


11.3.2016 Bei dem von Papst Franziskus im Sommer 2015 angekündigten Tribunal für Bischöfe, die Missbrauch durch Kleriker vertuschten, gibt es bislang keine Fortschritte. Administrative und rechtliche Fragen sowie Widerstand innerhalb und außerhalb des Heiligen Stuhls blockieren die Einrichtung des Tribunals. Mark Silk, Theologieprofessor am Trinity College, sagt, dass die Vertuschung von Missbrauchsfällen in der kath. Kirche erst endet, wenn die Bischöfe zur Rechenschaft gezogen werden: “The scandal will only come to an end when the Vatican creates a clear and effective process for holding them accountable.” Ein Leserbriefschreiber macht – zu Recht – darauf aufmerksam, dass Bischöfe nicht für vergangene Vertuschungen zur Rechenschaft gezogen werden können – sie handelten ja kirchenrechtlich korrekt. Quelle: handelsblatt.com und digitaljournal.com/ und marksilk.religionnews.com


8.3.2016 In Österreich hat die Klasnic-Kommission 1550 Fälle sexueller Gewalt durch kath Priester und Ordensleute anerkannt. Das sind ca 150 mehr als 2015. Quelle: nachrichten.at/        


7.3.2016 Es gibt seit zwei Jahren Gerüchte, dass es in einem ehemaligen Internat in Damme, Landkreis Vechta, das von Benediktinern betrieben wurde, zu Missbrauch an Schülern in den 60er und 70er Jahren gekommen sein soll. Nun hat der Benediktiner-Orden alle ehemaligen Schüler, die zwischen 1966 und 1974 von einem Pater, der die Schule gegründet hat, missbraucht worden sein könnten, angeschrieben, um die Gerüchte aufzuklären. Der Pater ist seit 11 Jahren tot. Quelle: ndr.de und nwzonline.de 8.3.2016 und katholisch.de


6.3.2016 Christoph Fleischmann berichtet von der Kölner Tagung “Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen (Offb 21,4) – Chancen und Risiken von Spiritualität. Pastorale Herausforderungen und Heilungsaspekte in der Missbrauchsthematik”. Er zitiert Karlinj Demasure, die der Vorstellung widerspricht, dass für Opfer sexueller Gewalt oft keine Heilung möglich sei: “Ich habe Leute gesehen, die gereift sind und weiter wachsen”, sagt sie und unterscheidet “zwischen Opfern, Überlebenden und gereiften Menschen: “So ein gereifter Mensch ist jemand, der die Geschichte des Missbrauchs integriert hat in seine Lebensgeschichte, und der den sexuellen Missbrauch nicht mehr als Referenz nimmt, um die Welt und seine Beziehungen zu anderen zu interpretieren. Und ich kenne viele solche Menschen.” Quelle: christoph-fleischmann.de

Kommentar: Wer Opfer einteilt in “Opfer, Überlebende und gereifte Menschen”, unterstellt Menschen, die als Kinder oder Jugendliche Opfer sexueller Gewalt wurden, dass es unter ihnen welche gibt, die nicht die ihnen mögliche Reife erreicht haben. Das ist eine mir neue Form der Opferdiskriminierung. Vertrauensbildend ist eine solche Einteilung von Opfern nicht. Außerdem erweckt die Formulierung, “Missbrauch als Referenz nehmen”  den Eindruck, als seien Traumafolgen frei gewählt und könnten durch eine Willensentscheidung aufgehoben werden.


6.3.2016 Wie Missbrauch und Misshandlung und verweigerte Aufklärung sich auf eine ganze Institution auswirken können, schildert der Bericht der Mittelbaierischen über die Aufführung des Domspatzen-Films “Schlafe, mein Prinzchen” und eine anschließende Diskussion mit heutigen Schülern der Domspatzen. Vertreter des Bistums waren nicht da. Quelle: Mittelbayerische


6.3.2016 Interview mit Professorin Dr. Hildegunde Keul über sexuellen Missbrauch und Spiritualität. Quelle: podcast-mp3.dradio.de/ und  deutschlandradiokultur


5.3.2016 Thomas Seiterich, PF, schreibt unter der Überschrift “Kardinal Pell missbraucht seine Kirche”. Und Christian Modehn schreibt “Über das Fehlen des investiagtiven Journalismus zu Kirchenthemen in Deutschland.” Quellen: publik-forum.de und religionsphilosophischer-salon.de


5.3.2016 Kardinal Pell will ein australisches Forschungszentrum zu Prävention unterstützten. Quelle: de.radiovaticana.va

Kommentar: Ein Forschungszentrum zu Prävention ist sicher eine gute und wichtige Sache. Aber mindestens ebenso wichtig wäre gewesen, dass der Kardinal sein persönliches Versagen im Umgang mit Missbrauchsfällen eingesteht, statt andere zu beschuldigen und am Ende vage zu formulieren, dass er selbst mehr hätte tun können. Wichtig wäre, dass er sein Amt zurückgibt und zu seinem Versagen steht. Wichtig wäre, dass er bereit ist, nach strukturellen Ursachen zu fragen und die Strukturen, die Vertuschung ermöglichten, zu verändern. Er jedoch ist der Ansicht, dass die gegenwärtige Struktur der Kirche nicht verändert werden muss und er auch nicht zurücktreten sollte. Darüber hinaus ist es bedrückend zu sehen, dass die Kirchenleitungen, die den Gläubigen Umkehr empfehlen, nicht mit gutem Beispiel vorangehen. 


5.3.2016 Kardinal Pell lehnt einen Rücktritt als vatikanischer Finanzchef ab. Ein Rücktritt „würde einem Schuldeingeständnis gleichkommen“, sagte er. Wenn jedoch der Papst seinen Rücktritt verlange, dann werde er tun, was immer der Papst wolle. Am 4. Tag der Befragung vor der australischen Untersuchungskommission war er imstande, persönliches Fehlverhalten im Umgang mit Missbrauchsfällen einzugestehen. Zur Erinnerung: Im Sommer 2015 wollte Papst Franziskus einen Gerichtshof einrichten, der Bischöfe beurteilt, die Missbrauchsfälle vertuschten. Bislang ist dieser vatikan. Gerichtshof nicht eingerichtet worden. Quelle: Berliner Zeitung


4.3.2016 Pater Zollner, Kinderschutzzentrum der Gregoriana und Mitglied der päpstlichen Kinderschutzkommission, hat mit australischen Missbrauchsopfern kath. Priester gesprochen. Quelle: de.radiovaticana.va


4.3.2016 Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung und der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz haben eine Vereinbarung unterschrieben. Die Bischofskonferenz wird den UBSKM und das beauftragte Deutsche Jugendinstitut dabei unterstützen, das Monitoring zum Stand der Prävention vor sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen in Deutschland 2015-2018 durchzuführen. Allerdings gilt, dass der UBSKM Anonymität der Datenerhebung, Auswertung und Ergebnisdarstellung zusichert. “Die Ergebnisse des Monitoring werden vor Veröffentlichung der Deutschen Bischofskonferenz zur Kenntnisnahme übermittelt und in der AG-Schutzkonzepte diskutiert und interpretiert. Nach der Veröffentlichung werden die Daten in aggregierter Form zur weiteren Verwendung zur Verfügung gestellt. Es können weitere Absprachen zur besonderen organisationsbezogenen Ergebnisauswertung getroffen werden.“ Quelle: dbk.de


4.3.2016 Auf der Fachtagung “Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen (Offb 21,4) – Chancen und Risiken von Spiritualität. Pastorale Herausforderungen und Heilungsaspekte in der Missbrauchsthematik” sagt Frau Professor Dr. Demasure,  Geschäftsführerin des Kinderschutzzentrums der Gregoriana, Heilung sei möglich und nennt die Bedingungen. Quelle: katholisch.de


4.3.2016 Im Regensburger Presseclub stand das Thema “Die langen Schatten der Vergangenheit – Missbrauch und die Folgen für die Domspatzen” an. Die Domspatzen waren durch den Chormanager Christof Hartmann vertreten, der die Aufgabe hatte, die Domspatzen-Einrichtung gut darzustellen und dem es nicht erlaubt war, Aufarbeitung und Aufklärung zu kommentieren. Er sagte: „Es wurde festgelegt: Die Pressearbeit läuft über den Generalvikar und die bischöfliche Pressestelle.“ Das Bistum Regensburg hat sich geweigert, einen eigenen Vertreter zu dem Pressegespräch zu schicken. regensburg-digital kommentiert, dass es wohl zu dem “Mehltau” gehört, offen und ehrlich über Gewalt und Missbrauch an den Einrichtungen der Domspatzen zu sprechen, Fehler einzugestehen und Verantwortliche für das Vertuschen und Verharmlossen offen zu benennen. Udo Kaiser, der neben Michael Sieber und anderen zu den Hauptverantwortlichen für die weitere Aufklärung gehört, sagte den heutigen Domspatzen: “Wenn ihr damals mehr Courage gehabt hättet, dann hätten wir das heute hinter uns.“ Quelle: regensburg-digital.de


3.3.2016 Die Aussagen von Kardinal Pell über sein Wissen von Missbrauchsfällen in seiner Umgebung bzw. in seinem Verantwortungsbereich in Australien: Dass in der Stadt Ballarat bei Melbourne damals mehrere Priester Kinder missbrauchten, bezeichnete Pell als „schrecklichen Zufall“. Die Vorwürfe gegen den Priester Edward Dowlan, der mittlerweile im Gefängnis sitzt, habe ein Bub im Jahr 1974 „beiläufig in einer Unterhaltung erwähnt“, sagte Pell am letzten Tag seiner Befragung durch die australische Missbrauchskommission. Er habe die Gerüchte zwar an den Schulkaplan weitergegeben, sonst aber nichts unternommen. Quelle: religion.orf.at und nzz.ch


3.3.2016 So schätzt Bischof Ackermann den Stand der Aufklärung, der Prävention und des Forschungsprojektes ein. Quellen: domradio.de und katholisch.de


3.3.2016 Das Bistum Hildesheim kündigte an, den sexuellen Missbrauch durch den früheren Bischof Janssen von einem unabhängigen Gutachter untersuchen zu lassen. Quelle: pnn.de und tagesspiegel.de


3.3.2016 Professorin Dr. Hildegunde Keul, Leiterin der Frauenseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz, spricht auf der Fachtagung “Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen (Offb 21,4) – Chancen und Risiken von Spiritualität. Pastorale Herausforderungen und Heilungsaspekte in der Missbrauchsthematik “über Unterstützung für Betroffene. U.a. erwähnt sie das Buch “Damit der Boden wieder trägt” (“Ein ganz tolles Buch. Kann ich sehr empfehlen!”). Sie weist auch darauf hin, dass die Vertuschungen die Theologie vor enorme Herausforderungen stellt. Quelle: katholisch.de


3.3.2016 Interview mit Bischof Ackermann nach der Tagung  “Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen (Offb 21,4) – Chancen und Risiken von Spiritualität. Pastorale Herausforderungen und Heilungsaspekte in der Missbrauchsthematik.” Quelle: katholisch.de


3.3.2016 Im Erzbistum Altona-Johnstown wurde ein Priester zu 17 Jahren Gefängnis verurteilt. Er hat zwei Kinder bei Missionstätigkeit in Honduras sexuell missbraucht. Der Priester sagt, er sei unschuldig. Quelle: handelsblatt.com


2.3.2016 Hier lesen Sie über den dritten Tag der Vernehmung von Kardinal Pell. Der Kardinal stellt sich als Reformer dar, dem – als Weihbischof – wesentliche Wahrheiten von seinem Bischof, Little, vorenthalten wurden, weil der Bischof Angst vor Aufdeckung hatte. Pell hat auch nicht nachgefragt und ist der Ansicht, er habe verantwortlich gehandelt. Auch in seiner Zeit als Berater des Bischofs von Ballarat, Mulkearns, fragte er nicht nach und wirft dem Bischof vor, ihn – Pell – getäuscht und vielleicht belogen zu haben.

Der Kommentator Bolt – bisher ein Verteidiger Pells – sagt , der Kardinal würde entweder lügen oder er sei gefährlich gleichgültig gegenüber missbrauchten Kindern. Quelle: news.com.au und theguardian.com und heraldsun


1.3.2016 Unter childabuseroyalcommission.gov.au ist ab 22 Uhr MEZ die Befragung von Kardinal Pell live zu sehen. Mitschriften der Anhörungen sind unten auf der angegebenen Seite zu finden (vom 29.2. und vom 1.3.).

1.3.2016 Eine landesweite Grand Jury stellte fest, dass in der Diözese Altoona-Johnstown, Pennsylvania, Hunderte von Kindern über einen Zeitraum von mindestens 40 Jahren von Priestern und religiösen Führern missbraucht wurden. Mindestens 50 Priester und Kirchenleute waren Täter. Die Vorgesetzten schützten die Täter und die Institution. Die Untersuchung dauerte 2 Jahre und ist noch nicht beendet. Keine der Taten kann mehr strafrechtlich verfolgt werden, weil die Taten verjährt sind oder die Täter tot sind oder weil die Opfer so traumatisiert sind, dass sie nicht aussagen können. Die Grand Jury erhielt aufgrund eines Durchsuchungsbefehls Einblick auch in das Geheimarchiv. Dort befanden sich etwa 115.042 Dokumente, die das Bistum im Geheimarchiv untergebracht hatte. Belegt werden konnte, dass die Bischöfe Hogan und Adamec (Mitte der 1960er Jahre bis 2011) maßgeblich an den Vertuschungen beteiligt waren. Quellen: orf, faz und attorneygeneral.gov. Der ausführliche Bericht steht hier.


1.3.2016 ARD “Und alle haben geschwiegen” 20.15 Uhr Film über das Leben von Heimkindern. Dokumentation ab 21.15 Uhr

1.3.2013 Kardinal Müller sagt, den allermeisten Geistlichen geschehe bitteres Unrecht durch die Generalisierung von Missbrauchsvorwürfen und weist darauf hin, dass es Missbrauch überall gibt, vor allem im familiären Umkreis. Den Vorwurf der Vertuschung bezeichnet er als “leicht dahingesagt”, weil der Wissensstand vergangener Jahrzehnte ein anderer war als heute. Er betont, dass es zuerst um die Gerechtigkeit für die Opfer gehe, um ihr Leid und die Wiederherstellung ihrer Würde. Entscheidend seien die Präventionsmaßnahmen. Die Glaubenskongregation, die für Fälle von Missbrauch die zuständige Letzt-Instanz ist, habe seit ihrer Beauftragung “mit höchster Verantwortung gehandelt”. Müller weist darauf hin, dass nicht die Gemeinschaft, sondern Individuen sich des Missbrauchs schuldig gemacht haben. Quelle: berliner-zeitung.de


1.3.2016 Klaus Mertes, SJ, vermisst Konsequenzen der Kirchenführung im Blick auf den Umgang mit Kirchenleitungen, die Kindesmissbrauch durch Kleriker vertuschten und Täter versetzten. Namentlich nennt der den früheren Bischof von Regensburg, der heute Leiter der Glaubenskongregation ist und damit auch zuständig für die Strafverfolgung kirchlicher Täter. Mertes fragt: “Welche Konsequenzen hat er [Kardinal Müller] aus seinem Versagen als Bischof von Regensburg gezogen, wo er einen übergriffigen Pfarrer wieder zum Dienst zugelassen hat, der sich dann prompt erneut an Kindern vergangen hat? Merkt er nicht, dass er heute als Verantwortlicher für die Strafverfolgung der Täter ein massives Glaubwürdigkeitsproblem hat?”  Quelle: presseportal.de und kirchensite.de 


1.3.2016 Zur Erinnerung: Im Bistum Ballarat, Australien, wurden 281 Priester des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen überführt, 853 Anzeigen liegen vor, 47 Betroffene verübten Selbstmord. Bei der gestrigen Anhörung von Kardinal Pell vor der australischen Untersuchungskommission sagte Pell, er habe nicht gewusst, dass der Grund für die häufigen Versetzungen von Pfr. Ridsdale – einem inzw. verurteilten Missbrauchs-Täter, der auch vierjährige Kinder missbrauchte – sexueller Missbrauch Minderjähriger gewesen sei. In der Kommission, die den Bischof bei Versetzungen von Priestern beriet und der Pell angehörte, sei davon keine Rede gewesen. Drei andere Kommissionsmitglieder hingegen hatten ausgesagt, sie hätten den Grund für die Versetzungen von Ridsdale gewusst. Auch bei Eltern, anderen Priestern und der Polizei sei bekannt gewesen, dass Ridsdale Minderjährige missbrauchte. Pell machte in seiner Aussage den damaligen Bischof verantwortlich, der ihn nicht informiert habe. Vielleicht sei “Homosexualität” als Grund für die Versetzungen genannt worden, sagte Pell, aber er könne sich nicht erinnern. Er wisse nicht, ob Ridsdales Verhalten allgemein bekannt gewesen sei oder nicht. Es sei eine traurige Geschichte, aber sie sei für ihn nicht von großem Interesse gewesen. (“I didn’t know whether it was common knowledge or whether it wasn’t,” he said. “It’s a sad story and it wasn’t of much interest to me.”)

Kardinal Pell hatte sich vor dem zweiten Tag der Anhörung des Rückhaltes von Papst Franziskus versichert. Quellen: tageswoche.ch und sbs.com.au und smh.com.au und katholisch.de und Radio Vatikan
Kommentar: Der drittmächtigste Mann im Vatikan war an einer “traurigen Geschichte”, an deren Ende entsetzlich viele Opfer – über 50 gerichtsbekannte und vermutliche viele mehr – standen, einfach nicht interessiert.


29.2.2016 Unter childabuseroyalcommission.gov.au ist ab 22 Uhr die Befragung von Kardinal Pell live zu sehen.


29.2.2016 Klaus Mertes sieht beim Umgang mit Missbrauchsfällen in der kath. Kirche zwei Probleme: “Das eine ist, dass wir uns zu sehr auf Prävention beschränken und die Kommunikation mit den Opfern der Vergangenheit darüber ins Hintertreffen gerät. Das zweite ist, dass wir konsequent verweigern, die Strukturfragen zu stellen, die notwendig zu stellen sind, wenn man sich die Struktur von Schweigekartellen in der katholischen Kirche anschaut. Diese gibt es immer noch.” Quelle: domradio.de


29.2.2016 Kardinal Pell gibt zu, dass die Kath. Kirche in Australien Kindesmissbrauch durch kath. Priester heruntergespielt hat. Er weist jedoch zurück, dass er als Priester und Bischof sexuelle Übergriffe von anderen vertuscht habe. Auch den Vorwurf, er selbst habe missbraucht, weist er zurück. Die Ursache von Kindesmissbrauch in der Kirche sieht er in persönlichen Schwächen, nicht in institutionellen Strukturen.

Er erklärte, die Kirche in Australien habe “die Dinge versaut und Menschen im Stich gelassen.” Aber an konkrete Dinge konnte er sich nicht erinnern bzw. er gab dem damaligen Bischof Ronald Mulkearns die Schuld. Mulkearns war von 1971 – 1997 Bischof von Ballarat.
Quellen: katholisch.de, reuters, bbc, solothurnerzeitung.ch presstv.ir, spiegel, orf
Kommentar: Nun wäre es wichtig zu erfahren, wer denn konkret “die Kirche in Australien” ist. Kardinal Pell selbst scheint es nicht zu sein: weder als Priester in Ballarat (1973-1984), noch als Berater von Bischof Mulkearns (1977-1984), noch als ehemaliger Weihbischof der Erzdiözese Melbourne (ab1987), noch als Erzbischof von Melbourne (1996), noch als Erzbischof von Sydney (2001 – 2014). 


29.2.2016 Der Film Spotlight. Quelle: katholisch.de


29.2.2016 Opfer von Redemptoristen auf dem Collegium Josephinum appellieren an die Medien, das Thema Missbrauch in den Kirchen und seine Aufarbeitung nicht aus den Augen zu verlieren. “Hinzu käme, dass sich die Kirchen mit dem medial bislang nicht öffentlich überprüften Präventionsversprechen auch als Aufklärer in eigener Sache in Stellung gebracht hätten. Dass letzteres nicht funktioniere zeigte leuchtturmhaft die jüngste Berichterstattung rund um die Personalien im Bistum Hildesheim.” Quelle: missbrauchsopfer-josephinum-redemptoristen.de


28.2.2016 Ein weiterer Betroffener körperlicher und sexuell motivierter Zudringlichkeiten durch einen Pater W. hat sich bei der Iniatiative der Ehemaligen vom Johanneum Homburg gemeldet. Die Initiative stellt fest:  “Bis heute lehnt der Orden der Hiltruper Missionare als damaliger Schulträger und Verantwortlicher jede institutionelle Verantwortung für die massiven Übergriffe mehrerer Mitglieder des Ordens ab, obwohl ihm die Fakten durchaus bekannt sind. Entschädigungsleistungen an Betroffene wurden vereinzelt lediglich im bescheidenem Rahmen der Richtlinien der DOK geleistet. Von einer umfassenden Aufklärung und Verantwortungsübernahme, verbunden mit entsprechenden Konsequenzen und Entschädigungsleistungen, kann nach wie vor keine Rede sein.” Quelle: initiative-ehemaliger-johanneum-homburg.de


27.2.2016  “Wir sind Kirche” fordert, dass die kath. Kirche die Aufklärung von Missbrauchsfällen Personen mit einer speziellen Ausbildung und nicht den Personalchefs von Bistümern überlässt. Quelle: orf


25.2.2016 Der Ressisseur und Schauspieler Gerd Buurmann schreibt: „In meiner Kindheit war ich Messdiener in Haren-Erika. Dort habe ich die komplette katholische Erziehung erhalten: Taufe, Beichte, Kommunion, Firmung, Missbrauch, das volle Programm.“ Das ist das Fazit eines von vielen Kindern, die in Haren-Erika von einem Pfarrer missbraucht wurden. Der Weser-Kurier erinnert an den Pfarrer, der viele Kinder jahrelang missbrauchte und den niemand stoppte: Das Bistum nicht, die Eltern nicht, der Pfarrgemeinderat nicht. Quellen: weser-kurier.de und daserste.ndr.de


25.2.2016 Die BBC hat den Missbrauchsskandal um ihren früheren Moderator Jimmy Savile begünstigt. Zu diesem Ergebnis kommt die frühere Richterin Janet Smith. Sie spricht davon, dass systematisches Wegschauen, eine Atmosphäre der Angst, ein hierarchisches, verschlossenes System und eine Kultur der Ehrfurcht in der BBC mitverantwortlich sind, dass Saviles Taten nicht aufgedeckt wurden. Bis heute herrsche ein Klima der Angst vor möglichen Enthüllungen. Quelle: ARD Zeit


24.2.2016 Vom 2.-3.3.2016 wird in Köln eine Fachtagung stattfinden. Thema: “Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen (Offb 21,4) – Chancen und Risiken von Spiritualität. Pastorale Herausforderungen und Heilungsaspekte in der Missbrauchsthematik.” Quelle: dbk.de und katholisch.de


24.2.2016 Die Korntaler Brüdergemeinde richtet ab 1.3.2016 eine unabhängige telefonische Meldestelle für Menschen ein, die sexuelle Gewalt und anderes Unrecht in den Heimen der Brüdergmeinde Korntal erlebt haben. Die Meldestelle soll helfen, Ausmaß und Art von Unrechtsfällen zu erfassen. Ziel sei die Aufklärung von Gewalttaten und von institutionellen und individuellen Verantwortlichkeiten. Das “Betroffenenforum Missbrauch in den Kinderheimen der Brüdergemeinde Korntal” steht kritisch zur Meldestelle. Die geplante wissenschaftliche Aufarbeitung und eine Buchveröffentlichung geschehe ohne die Mitarbeit der Betroffenen, die nur “vorgeführt und zur Schau gestellt” würden. Quelle: epd


24.2.2016 In Belgien haben sich 50 kirchliche Missbrauchsopfer öffentlich mit ihrem Namen geoutet. Sie bitten andere Opfer, die sich bislang noch nicht gemeldet haben, sich noch zu melden. Unterstützt werden sie von Rik Devillé, einem Priester, der seit langem an der Seite kirchlicher Opfer steht. Quelle: standaard.be


24.2.2016 Peter Saunders, der aus der vatikanischen Kinderschutzkommission entfernt wurde, vermutet, dass diese Kommission lediglich eine PR-Angelegenheit sei. Über sein Gespräch mit Papst Franziskus meint er im Nachhinein festzustellen, dass der Papst ihm gar nicht zugehört hat. Quelle: ilgiornale.it    Christ und Welt


24.2.2016 Anwälte der Christian Brothers von Ballarat, Australien, beauftragten Privatdetektive im Vorfeld von Prozessen, um bei den Opfern nach Schmutz zu graben (“dig dirt”), den sie gegen die Opfer hätten verwenden können. Quelle: standard.net.au


Kardinal Pell wird am 29.2.2016 um 8 Uhr Ortszeit vor der australischen Untersuchungskommission aussagen. (Das dürfte etwa ab 21 Uhr MEZ am 28.2.2016 sein.) An der Anhörung werden auch Opfer teilnehmen, die nach Rom reisen. Quelle: childabuseroyalcommission.gov.au


22.2.2016 Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung stellte heute „Häufigkeitsangaben zum sexuellen Missbrauch – Internationale Einordnung, Bewertung der Kenntnislage in Deutschland, Beschreibung des Entwicklungsbedarfs, Forderungskatalog Forschung“ vor. Auch hier findet sich erneut die Feststellung, dass Mädchen deutlich häufiger als Jungen sexuelle Gewalt erleben. Die Wahrnehmung von Mädchen als Opfer ist seit 2010 stark zurückgegangen.  Quellen: uniklinik-ulm.de und beauftragter-missbrauch.de


22.2.2016 Dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung werden fast jede Woche Übergriffe in Flüchtlingsheimen gemeldet. Täter seien sowohl Helfer und Wachpersonal als auch andere Bewohner. Rörig, der Missbrauchsbeauftragte, plädiert für einen verbesserten Schutz. Quelle: Radio Vatikan


22.2.2016 Im Josephinum Bad Münstereifel, einem erzbischöflichen Knabenkonvikt des Bistums Köln wurde ein Zwischenbericht über Täter und Opfer veröffentlicht. Von 5 Opfern und 6 -7 Tätern ist die Rede. Andere Meldungen sprechen von 40 Opfern, die sich gemeldet haben. Quellen: dokumente.pro-cj.de und KStA


22.2.2016 In Belgien meldeten sich ca 500 Opfer von Priestern bei der kath. Kirche, weitere ca 500 bei staatlichen Stellen, insgesamt 1064 Opfer. Belgien hat ca 8,25 Mio Katholiken und derzeit ca 5585 Priester und Ordenspriester. Quelle: salue.de und Radio Vatikan 23.2.2016  cathobel.be

Kommentar: Die Formulierung der Nachricht “In den letzten vier Jahren haben sich dort schon etwa 1000 Menschen gemeldet und gebeichtet, dass sie von Geistlichen sexuell missbraucht wurden” insinuiert, dass die Opfer schuldig sind, denn gebeichtet werden üblicherweise Sünden. Beichten könnten also nur die Täter… Außerdem macht der Vergleich von Opferzahlen stutzig: In Österreich (ca 5 Millionen Katholiken) gab es bei derzeit ca 3.834 kath. Priestern und Ordenspriestern ca 1.381 Opfer. In Deutschland (ca 24 Mio Katholiken) gab es bei derzeit ca 14.636 Priestern und Ordensleuten offiziell ca 1.568 Opfer, die Anträge auf Leistungen stellten und anerkannt wurden.


21.2.2016 Der Film “Spotlight” kommt ins Kino. Er schildert den Beginn der Aufdeckung von Missbrauchsfällen in Boston/USA. Quelle: ORF Trailer


26.1.2016 Ein Mitglied des Betroffenenbeirates im Lenkungsausschuss des Fonds Sexueller Missbrauch steigt aus. Sie klagt über den Mangel an Unterstützung durch die Politik und die Institutionen und bemerkt: “Die Institutionen hingegen setzen allesamt auf “Prävention”; Aufarbeitung hat den “Nachteil” den Ruf der Institution zu schädigen.” Weder beim UBSKM noch beim Betroffenenbeirat wurde diese Nachricht öffentlich kommuniziert.
Quelle: talkingaboutsexualtrauma.wordpress.com


20.2.2016 Der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, hat einen Geistlichen aus Horstmar beurlaubt, der seit 2012 in der Kirchengemeinde St. Gertrudis in Horstmar tätig war. Der 48-Jährige hat auf Weisung des Bischofs die Gemeinde inzwischen verlassen und hält sich derzeit in einem Kloster auf. Ihm wird vorgeworfen, im vergangenen Jahr ein Kind sexuell missbraucht zu haben. Quellen: wn.de und bistum-muenster.de


20.2.2016 Unter der URL barmherzigkeit-beginnt-beim-taeter findet sich bei Christ und Welt ein Artikel über Erfahrungen beim Windbacher Knabenchor “Barmherzigkeit beginnt bei den Opfern”. Der Interviewte stimmt der erlebten Gewalt mindestens teilweise zu: “Aber es ist wie im Sport: Wenn du zur Spitze gehören willst, dann verlangt das wahnsinnige Opfer. Das war uns bewusst. Der Drill wurde durch den Stolz und das Zugehörigkeitsgefühl teilweise aufgehoben. Was wir musikalisch gelernt haben, ist ja auch ein Schatz fürs Leben. Ohne das System der Gewalt hätte ich das nicht.” Quelle: christundwelt


20.2.2016 Raul Löbbert stellt fest, dass für den Papst bei seiner Plauderei im Flugzeug auf der Rückreise von Mexiko die konkreten mutmaßlichen Vertuschungen von Bischof Juan Barros Madrid in Chile und von dem australischen Kurienkardinal George Pell – immerhin zwei Würdenträger im Umfeld des Papstes – nicht der Rede wert waren. Und schlimmer noch, sagt Löbbert zu Recht: “Es fragt ihn niemand danach.” Quelle: zeit.de


19.2.2016 Nach Informationen des blog.zdf.de wies der Papst auf das “neue Tribunal für Rekurse” (von beschuldigten Priestern) hin. Den Vorsitz des Rekurs-Tribunals scheint Monsignore Scicluna (siehe auch news.va/ und visnews-en.blogspot.de) übertragen zu werden. blog.zdf.de berichtet weiter: “‘Darüber hinaus’ gedenke er, bei der Glaubenskongregation den Posten eines ‘beigeordneten Sekretärs’ zu schaffen, der sich nur um die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle kümmern soll. Die Dinge müssten allerdings überprüft werden, denn so Franziskus, ‘wir sind ziemlich im Rückstand mit den Fällen, denn es kommen Fälle’ “.

Kommentar: Die Aussagen des Papstes bzw. die jeweiligen Quellen lassen nicht klar erkennen, ob es tatsächlich eine vatikanische Kommission geben solle, die sich um die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle kümmern soll. Das wäre ein Fortschritt, der es verdiente, nicht nur en passant berichtet zu werden. Bislang scheint es folgende vatikanische Gremien zu geben, die sich mit Missbrauch beschäftigen:

  1. die päpstliche Kinderschutzkommission, die den Papst berät
  2. das katholische Kinderschutzzentrum der Päpstlichen Universität Gregoriana, das weltweit Bischöfe und kirchl. Mitarbeiter schult und für Prävention zuständig ist.
  3. Eine Instanz innerhalb der Glaubenskongregation, die sich mit “Einsprüchen von Bischöfen in Missbrauchsfällen befassen soll und unter Vorsitz des argentinischen Erzbischofs Jose Luis Mollaghan von Rosario stehen soll – nach anderer Quelle unter Vorsitz von Scicluna.
  4. Von einer Instanz, die sich nur um die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle kümmern soll, ist bislang nichts bekannt.
  5. Unbekannt ist auch, ob es die angekündigte Instanz, die vertuschende Bischöfe zur Rechenschaft zieht, inzwischen gibt.

19.2.2016 Der Herold Sun, Melbourne, berichtete, dass die australische Polizei seit einem Jahr gegen Kardinal George Pell, Finanzchef des Vatikans, wegen des Verdachts, fünf bis zehn Jungen missbraucht zu haben, ermittle. Vorgeworfen wird Pell u.a., einem der Missbrauchsopfer Schweigegeld angeboten zu haben, nachdem sich dieser ihm anvertraut hatte. Nächste Woche soll Kardinal Pell vor der staatlichen australischen Missbrauchskommission aussagen. Kardinal Pell widersprach den Vorwürfen: “Die Vorwürfe sind ohne Grundlage und vollkommen falsch.” Pell forderte eine öffentliche Untersuchung zu der Frage, wie die Informationen an die Presse gelangten. Quelle: unternehmen-heute.de und Radio Vatikan


19.2.2016 Im Bistum von Lyon klagen Opfer, dass der heute zuständige Bischof seit 2007 von der sexuellen Gewalt des Priesters Pater Bernard P. gewusst hat – und nichts unternommen hat. Quelle: euronews.com


 

19.2.2016 Ein ehemaliger Domspatz schreibt einen Brief an die heutigen Domspatzen. Quelle: regensburg-digital


19.2.2016 Christian Feldmann zu den Regensburger Domspatzen. Quelle: christundwelt.de


18.2.2016 Peter Saunders sagt in einem Interview mit “Christ und Welt”: “Die Kirche ist immer noch voll von Vergewaltigern und Missbrauchstätern, und zwar auf der ganzen Welt.” Er fährt fort: “Solange ich Katholik bin, wird meine Loyalität nicht der Institution Kirche gelten. Die Loyalität der meisten Kommissionsmitglieder hingegen gilt dieser Institution.” Saunders sagte, wenn der Papst in sechs Monaten oder einem Jahr keine konkreten Antworten auf drängende Fragen liefere, dann glaube er nicht, dass er Mitglie in der Kinderschutzkommission des Papstes bleiben könne. Der Einsatz für die Umwelt oder zugunsten der Armen seien wichtige Anliegen. “Aber wenn du deinen Angestellten erlaubst, ungestraft zu vergewaltigen, dann sind diese Themen überflüssig.” Quelle: kirchenblatt.ch und Christ und Welt  italienreporter.de


18.2.2016 Auf der Rückreise von Mexiko nach Rom sagte Papst Franziskus Journalisten: „Und was den Fall Maciel angeht: Hier erlaube ich mir den Mann zu loben, der in Zeiten, in denen er nicht die Kraft hatte, sich durchzusetzen, gekämpft hat, obgleich er sich nicht sofort hat durchsetzen können: Kardinal Ratzinger“ [der Papst bittet um Applaus]. Als Präfekt der Glaubenskongregation habe dieser alle Informationen gesammelt, aber nicht gegen Maciel vorgehen können. Um die Papstwahl 2005 herum habe Ratzinger das dann angesprochen und als Papst auch angegangen, daran wolle er an dieser Stelle erinnern, so Franziskus. Quellen: katholisch-informiert.ch und catholicphilly.com  und la stampa

Kommentar: Wer die Karriere des Gründers der Legionäre Christi und das Ignorieren der Verbrechen Maciels durch den Vatikan kennt, weiß, dass auch der langjährige Präfekt der Glaubenskongregation, der spätere Papst Benedikt XVI., Anteil daran hat.


18.2.2016 “Papst Franziskus erwartet von Bischöfen, die sexuellen Missbrauch durch Kleriker vertuschen, den Rücktritt,” meldet eine KNA-Schlagzeile von einer “fliegenden Pressekonferenz” des Papstes auf dem Rückweg von Rom nach Mexiko. „Ein Bischof, der einen Priester aus einer Pfarrei versetzt, wenn dieser als Pädophiler bekannt ist, handelt verantwortungslos, und das Beste, was er tun kann, ist seinen Rücktritt einzureichen!“ So der Papst wörtlich.

Diese Äußerung bezog sich nicht auf den Umgang des französischen Kardinals Barbarin mit einem Missbrauchstäter.
Quellen: kna.de/ 18.41 Uhr und Radio Vatikan und riposte-catholique.fr  Domradio
Kommentar: Von einer Rechenschaftspflicht und einer Amtsenthebung der Bischöfe durch den Papst spricht der Papst nicht. Die bereits 2014 angekündigte Disziplinarabteilung der Glaubenskongregation für Bischöfe wurde bis heute nicht geschaffen. Noch am 6.2.2016 klagte Pater Zollner: “Weiterhin gibt es keine klare Verfahrensordnung, um katholische Bischöfe oder Ordensobere zur Rechenschaft zu ziehen, die ihren rechtlichen Verpflichtungen zur Anzeige und Aufklärung von Missbrauch nicht nachkommen.” Die Erfahrung lehrt, dass Bischöfe, die Missbrauchsfälle vertuschten und Täter versetzen, durchaus nicht bereit sind, das Beste zu tun und ihren Rücktritt einzureichen. Ohne eine kirchengerichtliche Verurteilung und Amtsenthebung werden Bischöfe, die vertuscht haben, nur unter öffentlichem Druck zurücktreten. Die Worte des Papstes sind nicht mehr als ein frommer Wunsch – es fehlen die kirchenrechtlichen Gesetze und ihre Durchführung.


18.2.2016 Im Erzbistum Berlin wurden 2015 acht neue Missbrauchsvorwürfe bekannt, so dass es seit 1947 insgesamt 49 Meldungen gibt. Einbezogen wurden 2015 neben Vorwürfen sexuellen Missbrauchs auch sexuelle Übergriffe. Das Bistum hat an 18 Opfer insgesamt 103.516 Euro gezahlt: 80.000 an 18 Opfer plus Ausgaben für Psychotherapie 21.297 Euro und für Fahrtkosten 2.219 Euro. Über die Anzahl der Beschuldigten teilt der Zwischenbericht nichts mit.  Quelle: Erzbistum Berlin 19.2.2016


17.2.2016 Papst Franziskus wird sich in Mexiko nicht mit Missbrauchsopfern treffen. Sexueller Missbrauch sei eine Episode der kirchlichen Vergangenheit, begründete der Pressesprecher, Pater Lombardi. Quelle: eleconomista.com.mx


17.2.2016 “Der Fall der Domspatzen macht deshalb so sprachlos, weil er die katholische Kirche bis hinauf zum Vatikan kontaminiert,” sagt Christian Füller und verweist auf den Bruder von Papst Benedikt, Georg Ratzinger, der als Domkapellmeister von ehemaligen Domspatzen beschuldigt wird, ein Sadist zu sein und nicht aufgeklärt hatte, obwohl er das System des sexuellen Missbrauchs kannte. “Mit dem Chef der Glaubenskongregation im Vatikan, Kardinal Ludwig Müller, sitzt der oberste Regensburger Halbaufklärer inzwischen an der Spitze der römisch-katholischen Inquisition.” Zu lernen ist nicht nur für die Regensburger Domspatzen, sondern für die gesamte Kirche und die Gesellschaft, dass es eine unabhängige Kommission braucht, die von außen und fachkundig die Untersuchungen führt und zeitnah Berichte veröffentlicht. So geschah es u.a. in Großbritannien. In Deutschland hingegen müssen Opfer mit Verleumdungsklagen rechnen. Füller warnt: “…wer nicht radikal aufklärt, riskiert den Untergang.” Quelle: freitag.de


16.2.2016 Stefan Aigner beschreibt die “Sorge der Arrivierten” um den Ruf der Domspatzen und berichtet von “Aufklärern und Verhinderern”. Aus dem von RA Weber initiierten Kuratorium ist ein weiteres Gremium hervorgegangen, das sich ausschließlich um konkrete Maßnahmen kümmern soll. Ihm gehörendie ehemaligen Domspatzen Michael Sieber, Peter Müller und Peter Schmitt auf der einen und Bischof Rudolf Voderholzer, Domkapellmeister Roland Büchner und Internatsdirektor Rainer Schinko an. In der nächsten Sitzung sollen diese Maßnahmen beschlossen und anschließend veröffentlicht werden. Quelle: Regensburg-digital


16.2.2016 Kardinal Romeo, bis Oktober 2015 Erzbischof von Palermo, hat den Priester Don Roberto E., der des sexuellen Missbrauchs von drei Jungen beschuldigt wird, nicht suspendiert. Die Begrüdnung des Kardinals lautet, es sei nicht seine Aufgabe, den Verdächtigen zu entpflichten – es sei Aufgabe der Mutter der Opfer. Quelle: farodiroma.it


16.2.2016 Geschlossene Gesellschaft – Odenwaldschule – Doku

16.2.2016 Das deutschsprachige Radio Vatikan informiert über die Ansicht des Vorsitzenden der päpstl. Kinderschutzkommission, Kardinal O’Malley, über die Pflicht der Bischöfe, sexuelle Vergehen an Kindern durch Kleriker den staatlichen Stellen zu melden. Quelle: Radio Vatikan
Kommentar: Nicht erwähnt wird – anders als auf der englischen Seite von Radio Vatikan -, dass in der Einführung für neue Bischöfe noch immer gesagt wird, es bestünde keine Verpflichtung von Bischöfen zur Anzeige von Tätern bei staatlichen Stellen. Dass die Vorschläge der päpstlichen Kinderschutzkommission lediglich der römischen Kurie “zur Verfügung gestellt” werden – was nichts aussagt über ihre Befolgung -, verschwindet hinter der Formulierung: “Auch in den lokalen Kirchen weltweit sowie insbesondere in Rom bei jährlichen Fortbildungen für neue Bischöfe und Mitglieder der römischen Kurie habe die Kommission mit ihren Trainingsprogrammen innerhalb der vergangenen beiden Jahre große Fortschritte gemacht.”


16.2.2016 Im Bistum Trier haben sich seit Januar 2015 elf weitere Opfer gemeldet, so dass die Operzahl nun bei 125 Menschen liegt. Seit Januar 2015 haben sich elf Opfer mehr gemeldet. 90 Opfer stellten Anträge, von denen die meisten bewilligt wurden. D.h. im Vergleich zum Januar 2015 erhielten elf Opfer zusammen ca 3.500 Euro. Die Täterzahl hat sich von 66 bzw. 67 im Januar 2015 auf 30 reduziert. Quelle: swr.de


16.2.2016 Der Vorsitzende der päpstl. Kinderschutzkommission, Kardinal O’Malley, bekräftigt, dass die Bischöfe eine moralische und ethische Verantwortung haben, den Verdacht von sexuellem Missbrauch durch Priester den zivilen Behörden zu melden. Er bekräftigte auch die Bereitschaft der Kommissions-Mitglieder, das Kursmaterial der römischen Kurie zur Verfügung zu stellen. Dies gelte auch für das jährliche Ausbildungsprogramm für neue Bischöfe.

Zuletzt war bekannt geworden, dass in den Kursen für neue Bischöfe gesagt wurde, Bischöfe müssten keine Anzeige bei zivilen Behörden erstatten.
Quelle: Radio Vatikan und kathpress.at 17.2.2016
Kommentar: Dies bestätigt die Wahrnehmung von Marie Collins, die darauf hinwies, dass die Vorschläge der Kinderschutzkommission an ihrer Umsetzung in der Kurie scheitern. Es scheint auch ein unterschiedliches Verständnis darüber zu geben, was vertraulich in der Kommission gesprochen werden soll und was öffentlich kommuniziert werden soll.


15.2.2016 Mexikanische Opfer sind enttäuscht und erbost. Sie müssen mitansehen, wie Kardinal Rivera einerseits die Priester-Täter schützt und andererseits mit dem Papst im Papamobil fährt.

Quelle: jornada.com.mx

15.2.2016 Ein Opfer des französischen Priesters Preynat will den zuständigen Kardinal Barbarin, Lyon anzeigen, weil er einen Missbrauchstäter im Amt gelassen hat und es dem Täter möglich war, Dekan zu werden. Barbarin erfuhr 2007/2008 von den Übergriffen zwischen 1986 und 1991. Erst 2015 beurlaubte er ihn. Quelle: bfmtv.com und riposte-catholique.fr


15.2.2016 Marie Collins, Mitglied der päpstlichen Kinderschutzkommission, berichtet, dass die Kommission Vorschläge gemacht habe, die vom Papst auch akzeptiert wurden. Sie würden jedoch in der Kurie nicht umgesetzt. Dies gelte für den Einführungskurs neuer Bischöfe ins Amt, in denen ihnen gesagt wird, sie müssten sexuellen Missbrauch durch Priester nicht bei den staatlichen Behörden anzeigen. Bereits 2014 habe der Papst angeordnet, dass den neuen Bischöfen vermittelt werden solle, dass Bischöfe Missbrauch zur Anzeige bringen müssen – geschehen sei nichts. Es gelte auch für die Einrichtung eines eigenen Gerichtshofes, der Bischöfe zur Rechenschaft ziehen soll, die Täter schützen und Missbrauchsfälle vertuschen. Quelle: irishtimes.com

Auch Paul Valley, Autor einer Biographie von Papst Franziskus, berichtet von vielen Steinen, die der Kinderschutzkommission von der Kurie in den Weg gelegt werden. Er erwähnt auch, dass der Papst vorsichtig sei wegen falscher Beschuldigungen von Priestern. Quelle: theguardian.com


14.2.2016 Peter Saunders, ehemaliges Mitglied der päpstlichen Kinderschutzkommission, äußert sich sehr enttäuscht über die mangelnden Fortschritte der Kinderschutzkommission. Für ihn hat die Kirche alle morale Verantwortung verloren und beim Schutz der Kinder versagt. Auch der neue Gerichtshof, der im Sommer 2015 angeregt wurde, wurde nicht eingerichtet und die drei Bischöfe, die wegen des Schutzes von priesterlichen Missbrauchstätern nicht mehr im Bischofsamt sind, wurden nicht entlassen – sie sind zurückgetreten. Quelle: buenosairesherald.com


14.2.2016 Papst Franziskus besucht Mexiko. Dort wurde zuletzt bekannt, dass ein Priester über 100 Opfer haben soll – unter indigenen Kindern und Jugendlichen. Andere sprechen von mehr als 1000 Missbrauchsopfern (bei ca 100 Millionen KatholikInnen) durch Kleriker in Mexiko. Der globalpost äußerte den Verdacht, dass Priester, die in Europa oder den USA als Missbrauchstäter bekannt wurden, in die armen Gebiete in Südamerika geschickt werden und dort weiterhin als Priester arbeiten und mit Kindern und Jugendlichen umgehen. Quellen: katholisch.de und globalpost


11.2.2016 Der britische Guardian berichtet, dass neuernannte Bischöfe in einem Einführungskurs im Vatikan lernen, dass die Anzeige von Missbrauchsfällen Sache der Opfer oder deren Familie sei und nicht notwendigerweise eine Verpflichtung eines Bischofs. Ein Experte der Australischen Bischofskonferenz, Sullivan, reagiert auf diese römische Praxis mit dem Hinweis, dass Bischöfe die moralische Pflicht haben, ” im Interesse einer effizienten und zügigen Ermittlung und im Interesse der Opfer der Polizei so viele Informationen wie möglich zu geben”. Die für den Einführungskurs verantwortliche Kongregation für die Bischöfe hat offensichtlich die vatikan. Kinderschutzkommission beim Thema Missbrauch nicht zu Rate gezogen. Quelle: kathpress.at und abc.net.au und thetablet.co.uk


11.2.2016 Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung hat mit dem Zentralrat der Muslime ein Bündnis geschlossen, das dem Schutz muslimischer Kinder – unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus in Deutschland – dienen soll. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek sagte: „Uns geht es darum, unseren Part als Muslime und als Bürger in diesem Land wahrzunehmen“. Das ergebe sich auch aus dem religiösen Verständnis, dass Kinder nicht irgendjemandem gehörten, sondern von Gott anvertraut und daher zu schützen seien.” Quelle: fr-online.de


11.2.2016 Die Korntaler Brüdergemeinde erklärt sich bereit, Betroffenen von Misshandlungen, Demütigungen, Zwangsarbeit und Vergewaltigungen – bis zu 5.000 Euro zu zahlen. Erstmals spricht Klaus Andersen, der Vorsteher der Brüdergemeinde, von der damaligen Brüdergemeinde als „Täterorganisation“. Quelle: stuttgarter-nachrichten.de/


10.2.2016 Bruder Paulus Terwitte beobachtet ganz richtig: “Ich glaube, wir brauchen einen neuen Schub, auch innerkirchlich über Barmherzigkeit nachzudenken. Zum Beispiel die Barmherzigkeit gegenüber Opfern von sexuellem Missbrauch. Es gibt da immer noch eine Mentalität des ‘Wir schlagen die Bücher zu und dann ist das Thema für uns vorbei’. Da brauchen wir große Wachheit. Und da möchte ich gerne mit dem Papst … auch uns als Ortskirche in Deutschland sagen: Das Thema ist nie zu Ende. Wir brauchen zum Beispiel Referentenstellen, die dauerhaft für die Opfer sexuellen Missbrauchs da sind und so die Barmherzigkeit des nachgehenden guten Hirten deutlich machen.” Quelle: domradio


10.2.2016 Das Bistum Essen hat seine Missbrauchsfälle bis Ende 2015 vorgelegt: 72 Priester und Ordenspriester und 21 Ordensschwestern wurden von insgeamt 192 Opfern dem Bistum gemeldet. 22 Meldungen über sexuellen Missbrauch mit Straftatbestand gingen 2015 ein, acht davon bezogen sich auf 2014 und 2015. Zwei der 2014/2015 beschuldigten Priester wurden von mehreren Opfern beschuldigt. Das Bistum Essen zahlte seit 2010 insgesamt 448.000 Euro, 43.000 Euro davon im Jahr 2015. 12 Priester wurden strafrechtlich verfolgt, 7 von ihnen verurteilt. Kirchenrechtl. wurden 8 verurteilt, 7 Verfahren sind noch nicht abgeschlossen.

Quelle: bistum-essen.de, inzwischen unter http://www.bistum-essen.de/presse/artikel/missbrauch-ruhrbistum-untersuchte-ueber-190-hinweise/
Kommentar: Keine der 22 Meldungen mit Straftatbestand, die 2015 beim Bistum Essen eingingen, wurde m.W. in der Presse bekannt. Ein transparentes Vorgehen kann man das nicht gerade nennen. Und wenn 8 der 267 aktiven Priester und Ordensmänner im Bistum Essen sexuellen Missbrauch begehen, dann sind das knapp 3% der Priester. Diese Zahl ist erschreckend – nach den jahrelangen Diskussionen und Präventionsmaßnahmen.  


9.2.2016 Marie Collins nimmt Stellung zu den Vorwürfen gegen die vatikanische Kinderschutzkommission im Kontext des Ausschlusses von Peter Saunders bzw. seiner “Auszeit”. Sie beteuert ihr Vertrauen in die Kommission und ihre Mitglieder und sagt, sie habe nicht das gleiche Vertrauen in die Kurie, wenn es darum geht, die Vorschläge der Kinderschutzkommission – sofern sie vom Papst empfohlen werden – zu implementieren. “but unfortunately there are still those, at this top level, who worry more about their own fiefdoms (Lehen/Machterhalt) and the threat of change than they do about the work the Commission is trying to do to protect children”. Quelle: ncronline.org


9.2.2016 Das frühere Mitglied der vatikanischen Kinderschutzkommission Peter Saunders wirft dem Papst Untätigkeit im Umgang mit kirchlichen Missbrauchsfällen vor. Quelle: orf


8.2.2016 Kardinal Pell wird aus gesundheitlichen Gründen nicht zu einer Anhörung vor der staatlichen Missbrauchskommission Australiens reisen. Er wird per Videoschaltung aussagen über seinen Umgang mit Missbrauchsopfern in seiner Zeit als Erzbischof von Sydney und in seiner Zeit in Ballarat. Die Kommission will Pell auch zu dem Vorwurf hören, dass sein Programm zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen, “Melbourne Response” ein gemeinsames Vorgehen der australischen Bischöfe unterlaufen habe, wie ihm innerkirchliche Kritiker – darunter der emeritierte Weihbischof Geoffrey Robinson – vorwerfen. Quelle: radiovaticana.va

Die anhaltenden Herzprobleme von Kardinal Pell haben ihn allerdings nicht gehindert, im März/April 2015 nach Australien, u.a. in seinen Geburtsort nach Ballarat, zu fliegen. Er war zurück im Vatikan, als die staatliche Missbrauchskommission im Mai 2015 eine Anhörung hatte. Quelle: brokenrites.org.au


8.2.2016 Bei katholisch.de heißt es: “Der Papst solle gebeten werden, alle kirchlichen Würdenträger zu erinnern, wie wichtig direkte Antworten für Opfer, die um Kontakt bitten, sowie für deren Hinterbliebene seien.” Es scheint – obwohl es selten thematisiert wird – ein Wissen darum zu geben, dass nicht alle Opfer sexuellen Missbrauchs überleben. Quelle: katholisch.de


8.2.2016 Die vatikanische Kinderschutzkommission hat eine Woche lang getagt. Das Ergebnis: Sie befürwortet die Einführung eines Welttags des Gebets und eine Bußliturgie, die auf die Rechte Minderjähriger und gegen Missbrauchsfälle in der Kirche aufmerksam machen sollen. Die Kommission will den Papst darauf hinweisen, dass er alle Verantwortlichen in der Kirche darauf hinweist, dass sie “Opfern, die sich an sie wenden, eine direkte Antwort geben“ müssten.

In einer weiteren Sitzung im Verlauf des Jahres – die Kommission trifft sich zweimal jährlich – will die Kommission schauen, wie eine größere Transparenz in kanonischen Prozessen gegen Missbrauchstäter hergestellt werden kann. Außerdem soll eine Internetseite überlegt werden, die auf “Best Practice-Beispiele” aus aller Welt aufmerksam macht.
In der öffentlichen Verlautbarung der Kinderschutzkommission wird nicht erwähnt, dass Peter Saunders – eines von zwei Opfern in der Kinderschutzkommission – mit 17 Stimmen bei einer Enthaltung von der Kommission ausgeschlossen wurde. 
Quellen: radiovaticana.va   Presseerklärung der Kinderschutzkommission
Kommentar: Wenn die Kommission in ihrer Presseerklärung Transparenz (in den kanonischen Prozessen gegen Missbrauchstäter) fordert, zugleich jedoch völlig intransparent mit dem Ausschluss von Peter Saunders umgeht, ist das kein gutes Vorbild.


7.2.2016 Bischöfe, die neu im Amt sind, durchlaufen im Vatikan eine Einführung in ihre Aufgaben. Seit 2001 gehört dazu auch Information über den Umgang mit Missbrauchsfällen. Zuletzt hat Monsignor Tony Anatrella, Mitglied des Rats der Familie und des Päpstlichen Rates für die Pastoral im Krankendienst den Bischöfen gesagt, sie müssten sexuellen Missbrauch nicht an die staatlichen Behörden melden. Quelle: cruxnow.com und http://www.accessatlanta.com/news/news/religion/catholic-bishops-not-obligated-report-clerical-sex/nqNQb/


7.2.2016 Am 20.1.2016 hatte das Bistum Regensburg berichtet, 158.500 Euro an 30 Opfer gezahlt zu haben. Nun wird bekannt, dass bislang knapp 400.000 Euro an 150 Opfer körperlicher Gewalt gezahlt wurden. Zusätzlich wurden Zahlungen in unbekannter Höhe an eine unbekannte Anzahl von Missbrauchsopfern gezahlt. Das Bistum macht offensichtlich Unterschiede zwischen verprügelten und missbrauchten Opfern. “Mit der Angelegenheit vertraute Personen hegen den Verdacht, dass die Summen geheim gehalten werden sollen, um keine Anreize zu schaffen, dass weitere Opfer sexuellen Missbrauch anzeigen.” Quelle: welt.de und welt.de und sueddeutsche.de

Kommentar: Sollte die Vermutung zutreffen, dass das Bistum meint, Geld sei ein Anreiz für Missbrauchsopfer, sich bei der Kirche zu melden, so würden zwei Botschaften vermittelt: Das Bistum Regensburg will die Opferzahl klein halten, ist also weder an der Wahrheit noch an den Opfern interessiert. Und die zweite Botschaft: Opfern gehe es nicht um die Anerkennung der Wahrheit, um Verständnis und Solidarität – es gehe ihnen ganz einfach um Geld. Übersehen wird, dass das unwürdige Prozedere nicht wenige Opfer abhält, sich zu melden – das Geld spielt dabei überhaupt keine Rolle.


6.2.2016 Die Nachrichten des Vatikans besagen, dass das Mitglied der vatikanischen Kinderschutzkommission Peter Saunders – neben Marie Collins das einzige Opfer in der Kommission – um eine Auszeit von der Kommissionsarbeit gebeten habe. Andere Nachrichten besagen, die Kommission habe Peter Saunders per Abstimmung der Mehrheit der Kommissionsmitglieder (bei einer Enthaltung) zum Verlassen der Kommission aufgefordert. Der Spiegel berichtet, Saunders habe per Pressemitteilung des Vatikans (!) von seiner Absetzung erfahren. Peter Saunders sagt, der Papst habe ihn in die Kommission berufen und nur er könne ihn aus der Kommission entlassen. Übereinstimmung scheint darüber zu herrschen, dass Peter Saunders prüfen möge, wie er der Kommission am besten dienen könne. Die Kommission wirft laut Spiegel Saunders vor, Kampagnen zu betreiben und zu oft mit den Medien zu sprechen – dabei sei es doch Aufgabe der Kinderschützer, dem Papst vernünftige Maßnahmen zur Missbrauchsbekämpfung vorzuschlagen, und nicht, Urteile zu verbreiten. Nun hat die Kommission im letzten Jahr dem Vatikan ein eigenes Gericht vorgeschlagen, um gegen Bischöfe, die Täter schützten, vorzugehen. Über dieses Gericht, wurde seither nichts weiter bekannt. Hans Zollner beklagte noch vor wenigen Tagen: “Weiterhin gibt es keine klare Verfahrensordnung, um katholische Bischöfe oder Ordensobere zur Rechenschaft zu ziehen, die ihren rechtlichen Verpflichtungen zur Anzeige und Aufklärung von Missbrauch nicht nachkommen.”

Peter Saunders: “I have not left and I will not leave my position on the commission. I was appointed by His Holiness Pope Francis and I will only talk to him about my position. … I made clear I would never be part of something that was a public relations exercise. There was a feeling around the table expressed in a vote that the commission could not work with me as things stood at the moment and unless I changed.” Saunders sagte, die Untätigkeit des Vatikans angesichts des weiteren Kindesmissbrauchs “made me lose faith in the process and lose faith in Pope Francis.” Saunders hatte u.a. Kritik an Kardinal Pell geübt, dem Vertuschung von Missbrauch vorgeworfen wird und er hatte sich gegen die Nominierung des Chilenen Juan de la Cruz Barros zum Bischof ausgesprochen, weil der katholische Geistliche schwere sexuelle Vergehen gedeckt habe.
David Clohessy, SNAP, urteilt: We share Pete Saunders’ justifiable frustration with Vatican officials. They refuse to take quick, simple, common sense steps to protect kids and deter cover ups by punishing clerics who conceal abuse. Instead, they do what church officials have done for decades: shrewdly fixate on and discuss meaningless internal policies on paper that give the impression of progress while changing virtually nothing.” Quellen: http://www.sfgate.com/ und Radio Vatikan und der.standard und spiegel  italienreporter.de
Kommentar: Mit dem wahrscheinlich per Abstimmung durchgesetzten Ausschluss von Peter Saunders aus der Arbeit der vatikanischen Kinderschutzkommission, die er dann per Pressemitteilung erfuhr, verliert diese Kommission an Glaubwürdigkeit. Nun bleibt noch Marie Collins übrig, die Opfern – vielleicht – eine Stimme geben kann.  Durch die Entlassung (oder wie man den Vorgang auch immer benennen mag) von Peter Saunders wird eine bislang wichtige und kritische Stimme zumindest innerkirchlich zum Schweigen gebracht. Das wiederholt Vorgänge, die Missbrauchsopfer kath. Priester kennen. Zudem besteht die Gefahr, dass die Kommission durch die Ausschaltung eines Kritikers ihre eigentliche Aufgabe nicht erfüllen kann, weil sie auf kritische Stimmen angewiesen ist, um den Opfern hilfreich zu sein und weitere Opfer zu vermeiden.


6.2.2016 Die philippinische kath. Bischofskonferenz kündigte an, bei Ermittlungen gegen Priester wegen sexuellen Missbrauchs mit den staatlichen Behörden zusammenzuarbeiten. Priester, gegen die ermittelt werde oder eine Anklage erhoben wurde, dürfen ihre Diözese nicht verlassen. Missbrauchsopfern würde durch den zuständigen Bischof “jede notwendige medizinische, psychologische und spirituelle Hilfe” angeboten. Finanzielle Entschädigungen für Missbrauchsopfer sollten durch entsprechende gerichtliche Verfügungen geregelt werden. Quelle: kathpress


5.2.2016 Peter Saunders, Mitglied der vatikanischen Kinderschutzorganisation, sagt, er sei empört, wenn der Papst nicht an den Sitzungen der Kommission teilnimmt. Quelle: catholicherald.co.uk


5.2.2016 An Heimkindern wurden Medikamentenversuche gemacht, u.a. von NS-Ärzten (Hans Heinze und Friedrich Panse)- in den 1960er und 1970er Jahren! Die beteiligten Pharmafirmen lehnen jegliche Verantwortung dafür ab. Quelle: zdf.de und Spiegel


5.2.2016 Das Schweigen der Brüdergemeinde von Korntal – die Betroffenen setzen Hoffnungen in den Opferanwalt Weber, der sich aber noch nicht entschieden hat. Quelle: Stuttgarter Zeitung


4.2.2016 Auf Hawai wurden 15 katholische Priester, 18 Ordensmänner, 2 Lehrer und ein Seminarist als Missbrauchstäter bekannt. 60  mutmaßliche Opfer sind männlich, 3 weiblich. Quelle: hawaiinewsnow.com  zur Statistik


4.2.2016 Hans Zollner, oberster Kinderschützer des Vatikans, sagt: “Ich beobachte immer dieselben Muster von Vertuschung, Vermeidung, Verleugnung, Gegenangriff und Larmoyanz. Ja, auch jetzt, sechs Jahre nach der deutschen Aufklärungswelle zur sexuellen Gewalt in kirchlichen und nicht kirch­lichen Institutionen, 14 Jahre nach dem Bekanntwerden der Skandale von Boston, 20 Jahre nach Irland und 30 nach Australien und Kanada.” Und: “Wir brauchen echte Umkehr: Gerechtigkeit  für die Opfer und umfassende Prävention müssen gewollt sein. Sie dürfen nicht als lästig abgehakt werden, sobald die Öffentlichkeit wieder wegschaut.” Quelle: http://ccpblog.unigre.it


4.2.2016 Kritische Anfragen an das Bistum Regensburg und seinen Aufklärungswillen: Warum hat der Opferanwalt Weber nur einen Auftrag, die Vorgänge bei den Regensburger Domspatzen – und das erst ab 1945, obwohl sexueller Missbrauch und Gewalt auch vor 1945 üblich waren – zu untersuchen? Was geschieht mit jenen Menschen, die in anderen kirchlichen Kontexten missbraucht wurden? Quelle: regensburg-digital


4.2.2016 In Genf hat ein Priester einen 17-Jährigen missbraucht und den Missbrauch gestanden. Die Anwältin des Opfers sagt, das Bistum habe bislang “nichts Konkretes” unternommen, um der Familie des Opfers zu helfen. Das Bistum sagt, die Diözese stelle für Opfer von sexuellem Missbrauch eine Menge Mittel zur Verfügung. Quelle: 20min.ch


4.2.2016 Ergebnisse der Mikado-Studie: Missbrauch von Kindern: Aitiologie – Dunkelfeld – Opfer. Quelle: mikado-studie.de 


3.2.2016 Ein Prozess gegen einen Pater des Stiftes Lambach, Benediktiner, wurde wegen eines Schlaganfalls des Paters auf Eis gelegt. Ihm wird vorgeworfen, einen 12-Jährigen missbraucht zu haben. Er hat die Tat gestanden. Quelle: nachrichten.at/


3.2.2016 Gewalt und sexuelle Gewalt bei den Regensburger Domspatzen. Quelle: Deutschlandfunk  Interview mit Christiane Florin: Stand der Aufklärung


2.2.2016 Das erste Gespräch des RA Weber mit Opfern und Vertretern des Bistums sei konstruktiv verlaufen, sagt RA Weber. Es gibt Stimmen, die Erinnerungen an Gewalt und Missbrauch für Nestbeschmutzung von “Weicheiern” halten. Karl Unterstein hält solche Erinnerungen für Nestbeschmutzung von “Weicheiern”. Ein Opfervertreter berichtet, dass Eltern heutiger Domspatzen, die ihre Kinder aus dem Internat nähmen, sich reihenweise an ihn wenden. Ein Junge schildert seine Geschichte, die es nahelegt zu glauben, dass sich nicht viel geändert habe am psychischen Druck. Quelle: onetz.de


1.2.2016 Der Sonderermittler bei den Regensburger Domspatzen, RA Weber, hat heute ein Kuratorium einberufen, dem je sechs Vertreter der Kirche und der Opfer angehören. Weber sagt: “Aufklärung ist die Basis für Aufarbeitung.” Quelle: br.de


31.1.2016 WDR 5 – “Diesseits von Eden”: Darstellung des letzten bekannt gewordenen Missbrauchsfalls im Bistum Hildesheim von Christoph Fleischmann und Kommentar von Florian Breitmeier. Quelle: WDR 5 zum Hören  zum Lesen


30.1.2016 In Mexiko – dem Land, das der Papst im Februar besuchen wird – erregt der Fall eines Priesters Aufsehen, der mehr als hundert indigene Kinder missbraucht haben soll. Quelle: katholisch.de


30.1.2016 Im letzten Jahr wurden bei UN-Friedens-Soldaten 69 Fälle sexueller Gewalt an Minderjährigen bekannt. Die Strafverfolgung obliegt den entsendenden Staaten – und wird oft versäumt. Quelle: n-tv


29.1.2016 Opfer der Redemptoristen im Josephinum berichten mit zwiespältigen Erfahrungen von einem Treffen mit Ordensmitgliedern. Quelle: missbrauchsopfer-josephinum-redemptoristen.de


29.1.2016 Der Papst dankt Kurienkardinal Müller, dem Präfekten der Glaubenskongregation und früheren Regensburger Bischof, für seinen Kampf gegen sexuellen Missbrauch in der Kirche. Die Vatikanbehörde widme sich dieser Aufgabe mit Einsatz und Verantwortungsbewusstsein, sagte der Papst. Frühere Regensburger Domspatzen hingegen erinnern sich, wie der damalige Regensburger Bischof Müller die Aufklärung von Gewalt und sexueller Gewalt bei den Domspatzen blockiert hat. Auch von der Aufgabe der Glaubenskongregation, dass Bischöfe, die Missbrauchstaten vertuschten, zur Rechenschaft gezogen wurden, ist bislang nichts bekannt geworden – im Gegenteil. (s.auch hier)


29.1.2016 Die Aufklärung in der Brüdergemeinde Korntal schleppt sich dahin. Vielen der mutmaßlich 200 Betroffenen geht inzwischen die Kraft aus. Quelle: kontextwochenzeitung


29.1.2016 Im Bistum Fribourg, Schweiz, hat die Universität eine Studie zu den Vorgängen im Kinderheim Marini im Kanton Fribourg vorgelegt. Dort wurden Jungen systematisch gedemütigt, geschlagen und sexuell missbraucht. Die Studie spricht von elf Tätern bis Mitte der fünfziger Jahre – Erzieher und Geistliche. Quelle: swr.de/


29.1.2016 Volker Resing spricht von der “Zweiten Schuld”, der Vertuschung von Missbrauchsfällen in der Kirche. Er beklagt eine unzureichende Wahrnehmungsfähigkeit in Teilen der Kirche und weist darauf hin, dass es noch immer erst Medienberichte braucht, bevor die Kirche Maßnahmen einleitet. Es müsse endlich das Bewusstsein reifen, dass man der Kirche durch Vertuschung immer schadet, durch Aufklärung nie. Quelle: katholisch.de


29.1.2016 Christoph Fleischmann über die Katholische Kirche und Missbrauch: “Es nicht genau wissen wollen” Quelle: heise.de


28.1.2016 Das mexikanische Netzwerk gegen Kindesmissbrauch “Foro Oaxaqueno de la Ninez” und mehrere Priester aus der Region fordern den Papst auf, sich für eine kirchen- und zivilrechtliche Bestrafung kirchlicher Missbrauchstäter einzusetzen. Ein Priester aus Oaxaca soll mehr als 100 indigene Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht haben.

Der frühere Priester Apolonio Merino warf dem Erzbischof von Oaxaca, Jose Luis Chevez Botello, vor, in der Vergangenheit Missbrauchsfälle in seinem Erzbistum vertuscht zu haben. Nach diesem Vorwurf wurde Merino suspendiert. Quelle: katholisch.de und domradio.de


28.1.2016 Das Bistum Hildesheim setzt einen unabhängigen Gutachter ein, der den Umgang mit dem Missbrauchsfällen im Bistum untersuchen soll. Er hat auch den Auftrag, nach weiteren Missbrauchsfällen des Canisius-Täters im Bistum Hildesheim zu suchen. Quelle: katholisch.de  orf  Bistum Hildesheim


28.1.2016 Im Interview nimmt ein ehemaliges Mitglied des Diözesanrates zum “System Regensburg” Stellung. Quelle: zeit.de


28.1.2016 Der Betroffenenbeirat des Unabhängigen Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung nimmt Stellung zur Aufklärung im Bistum Hildesheim. Quelle: beauftragter-missbrauch.de/betroffenenrat


27.1.2016 Die österreichische Unabhängige Opferschutzkommission, die sexuelle Gewalt im kirchlichen Bereich aufklärte, berichtete dem Papst von ihrer Arbeit. In 6 Jahren hat die Kommission rund 1.600 “Fälle” entschieden. Quelle: kathpress.at

Kommentar: In Österreich fand die Unabhängige Kommission ca 1.600 Fälle – bei ca 5 Millionen KatholikInnen und ca 3.834 Priestern und Ordenspriestern. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es ca 1567 von der Kirche anerkannte Opfer – bei ca 24 Millionen Katholiken und derzeit 14.636 Priestern und Ordenspriestern. Die Schlussfolgerung, dass österreichische Priester in einem mehrfach höheren Maß sexuell übergriffig werden als deutsche, dürfte falsch sein. Wahrscheinlicher ist, dass sich in Deutschland weniger Opfer gemeldet haben, weil sie kein Vertrauen in die Aufklärungsbereitschaft der kath. Kirche haben. Wenn diese Schlussfolgerung richtig ist und wenn die kath. Kirche um ihre Glaubwürdigkeit ringt, müsste sie ein hohes Interesse an einer unabhängigen Aufklärung haben. 


27.1.2016 Das Bistum Hildesheim nimmt Stellung zu den Vorwürfen des WDR: Das Bistum wurde am 4.3.2015 von dem Mann der Lehrerin, die die junge Frau zum Gespräch im Ordinariat begleitete, darauf hingewiesen, dass wahrscheinlich auch die Mutter des Mädchens von Peter R. sexuell belästigt worden war. Am 18.9.2015 teilten die Großeltern des Mädchens dem Bistum mit, dass auch ihre Tochter – die Mutter des Mädchens – vom gleichen Täter sexuell missbraucht wurde. Den Großeltern und dem Mann der Lehrerin sei gesagt worden, dass sich die Mutter an das Bistum wenden solle. Das sei nicht geschehen. Und das Bistum habe bis heute keinen Kontakt zu der Mutter. Nachdem das Bistum die Pressemitteilung des WDR gelesen habe, habe es die Staatsanwaltschaft Berlin informiert. Das Bistum stellt auch klar, dass die Großeltern darüber informiert wurden, dass das Bistum die Staatsanwaltschaft einschalten wird, wenn die Großeltern damit einverstanden sind. Auch der Vorwurf, das Bistum habe die Berliner Staatsanwaltschaft nicht über die Vorgeschichte des Täters im Canisius-Kolleg informiert, sei falsch. Das Bistum habe das Protokoll des Gesprächs mit den Großeltern an die Staatsanwaltschaft weitergegeben. Dort sei auch über die Vorgeschichte am Canisius-Kolleg gesprochen worden. Quelle: bistum-hildesheim.de


27.1.2016 Der Missbrauchsbeauftragte de Bundesregierung, Rörig, hält das bisherige Vorgehen des Bistums für unzureichend. Betroffene melden sich nur, wenn sie “Vertrauen in die Institution haben”. Bisher habe das Bistum dieses Vertrauen offenbar nicht aufbauen können. Quelle: katholisch.de

Kommentar: Rörig benennt das Grundproblem: Der kath. Kirche ist es weitgehend (Ausnahmen bestätigen die Regel) nicht gelungen, das Vertrauen der kirchlichen Opfer zu gewinnen. Dazu gehört die ehrliche und glaubwürdige “Umkehr zu den Opfern” – und die ist nur vereinzelt zu erkennen. Offensichtlich interessieren sich die Kirchenverantwortlichen nur dann für die Opfer, wenn ein “Fall” in den Medien auftaucht, wenn also das Ansehen der Kirche tangiert ist.


27.1.2016 Der Spiegel berichtet, das Bistum Hildesheim räume ein, vom Missbrauch der Mutter – damals 15-16jährig – bereits seit März 2010 gewusst zu haben. Quelle: spiegel.de 


27.1.2016 Der Canisius-Kollegs-Täter Peter R. hat eine damals 11Jährige missbraucht, wie der NDR öffentlich machte. Auch die Mutter dieses Kindes, heute 39, wurde mit ca 17 Jahren von Peter R. sexuell belästigt. Seit September 2015 sei das Bistum Hildesheim darüber informiert. Bislang hat das Bistum keinen Kontakt mit der Frau aufgenommen. Rörig, Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung, sagt, es gebe immer noch eine Tendenz, die Institution schützen zu wollen, Informationen zurückzuhalten und Transparenz zu verhindern. Er fordert das Bistum Hildesheim auf, einen unabhängigen Ermittler einzusetzen, der nach weiteren Straftaten schaut. Heute, 22.10 Uhr im WDR, Livestream   Quelle: presseportal.de

Ein Bistumssprecher teilte mit, es bestehe kein Kontakt zwischen dem Bistum und der Mutter. Die Vorwürfe der Mutter seien dem Bistum bisher so konkret nicht bekannt gewesen. Lediglich die Großeltern hätten im Sept. 2015 erwähnt, dass auch ihre Tochter ein Missbrauchsopfer von Peter R. sei. Das Opfer selbst jedoch habe sich bislang nicht an das Bistum gewandt. Das Bistum habe Anfang Januar 2016 den Fall jedoch an die die Staatsanwaltschaft Berlin zur Prüfung weitergeleitet, ebenso die nun konkretisierten Vorwürfe der Frau. Quelle: haz.de

Kommentar: Das Bistum wendet sich an die Staatsanwaltschaft, nimmt aber keinen Kontakt zum Opfer auf. Deutlicher kann nicht mehr gemacht werden, dass die Opfer umgangen werden.


26.1.2016 Andreas Glas kommentiert das Verhalten von Bischof Voderholzer, Bistum Regensburg, im Blick auf die Regensburger Domspatzen. Er hofft, dass der Bischof sich wirklich von den Einflüsterern in seinem Bistum – darunter Kardinal Müller und Domkapellmeister Georg Ratzinger – emanzipiert und auch gegen die Widerstände in den eigenen Kirchenmauern vorzugehen. Quelle: sueddeutsche.de/


26.1.2016 Eine “Unabhängige Aufarbeitungskommission Kindesmissbrauch” nimmt ihre Arbeit auf. Die Hälfte des beantragten Etats wurde genehmigt. Die Kommission will auch mit Opfern sprechen, die bislang nicht gehört wurden: In der Kirche, im Sportverein, in der Familie, im Kinderheim oder in der lünks-grün-alternativen Szene. Die Täter setzen die Opfer unter Druck und zwingen zum Schweigen – wenn die Betroffenen reden, bestreitet die verantwortliche Institution, der Familienverband die Vorfälle und deckt die Täter. “Umso wichtiger ist die jetzt beginnende Arbeit der ‘Unabhängigen Aufarbeitungskommission Kindesmissbrauch’. Was nutzt der schönste Präventionsworkshop für Schülerinnen und Schüler, wenn der Internatsleiter ein Täter ist, der vom Kollegium gedeckt wird.” Quelle: deutschlandfunk.de


26.1.2016 Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung weist darauf hin, dass bislang Missbrauch im familiären Bereich zu wenig thematisiert wurde. Nun soll eine Kommission mit 7 Mitgliedern dies tun. Rörig spricht von “organisierter Kriminalität” und der Spitze eines Eisbergs. Quelle: Deutschlandfunk


26.1.2016 Im katholischen Pensionat Marini, Kanton Freiburg, Schweiz zeigte eine Untersuchung, dass dort in den Jahren 1929 bis 1955 ca 21 Kinder sexuell missbraucht wurden von 11 Tätern, darunter 2 Priester-Direktoren und 2 weitere Geistliche. Die Täter wählten oft Kinder aus besonders heiklen sozialen und familiären Verhältnissen. Die Hauptsorge der Verantwortlichen galt dem Ruf des Pensionats. Quelle: zuonline.ch und nzz.ch und Der Bericht (frz.) Kurzfassung
Kommentar: In Deutschland konzentriert sich der Blick auf Opfer in kirchlichen und öffentlichen Internaten und d.h. auf Jungen aus bürgerlichen und eher finanzstarken Familien. Kinder – und vor allem Mädchen – aus weniger begüterten Familien, die in Kirchengemeinden missbraucht wurden, fallen aus der Wahrnehmung weitgehend raus, ebenso wie die Heimkinder. 


25.1.2016 Bischof Voderholzer, Regensburg, gesteht Fehler bei der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle bei den Domspatzen ein: “Bedauerlicherweise waren die in der Vergangenheit unternommenen Versuche einer Selbstkorrektur zu wenig wirksam.” Opfervertreter äußern sich zurückhaltend – sie wissen offensichtlich noch nicht, ob diese Worte ernst gemeint sind und was sie konkret für die Opfer bedeuten. Quelle: Süddeutsche


25.1.2016  Magnus Striet formuliert wichtige theologische Fragen, die die Aufdeckung der Missbrauchsfälle in der kath. Kirche aufwirft. Quelle: katholisch.de


23.1.2016 In einer Eliteschule der Episkopalkirche – St. George’s School im  US-Staat Rhode Island – wurden mutmaßlich 40 Kinder und Jugendliche von
mutmaßlich zwölf Tätern´(Lehrer, PFarrer, auch Mitschüler) missbraucht. Die Schulleitung vertuschte die Fälle und ließ diejenigen, die der Schulleitung Meldung machten, Schweigeerklärungen unterschreiben. Quelle: welt.de


22.1.2016 Leserbriefe zu den Ereignissen um die Regensburger Domspatzen. Quelle: sueddeutsche.de + sueddeutsche.de22.1.2016


Der Pfarrer von Weilheim St. Franziskus, Bistum Rottenburg-Stuttgart, verzichtet auf seine bisherige Pfarrei. Er hat zwei Jugendlichen pornografische Filme zugänglich gemacht und andere Dienstpflichtverletzungen begangen. Quelle: teckbote22.1.2016 Diese Sichtweise nennt man “Identifikation mit dem Aggressor”. Quelle: tagesanzeiger.ch


22.1.2016 Interview mit einem früheren Regensburger Domspatz. Quelle: br
Zur Erinnerung ein Offener Brief vom Januar 2015


21.1.2015 Im Bistum Paderborn wurden 105 Anträge auf “Anerkennungszahlung” gestellt und 60 bewilligt. Nun wird berichtet, dass insgesamt 1.650 Anträge von Missbrauchsopfern gestellt wurden, von denen 95 Prozent positiv beschieden wurden. Quelle: nw.de 20.1.2016
Kommentar: Gestern (20.1.2016) war von “rund 1000” bewilligten Anträgen die Rede.


21.1.2016 Ein Opfer von den Regensburger Domspatzen erinnert sich. Quelle: swp.de und taz


20.1.2016 Ein ehemaliger Domspatz erinnert sich. Quelle: taz.de20.1.2016 Kommentar in der Badischen Zeitung zu den Vorgängen um die Regensburger Domspatzen. Quelle: badische-zeitung.de


20.1.2016 Das Theater Bonn zeigt das Stück “Bilder von uns”, das die Missbrauchsfälle am Bonner Aloisiuskolleg zum Thema hat. Quelle: Domradio20.1.2016 Das Bistum Hildesheim zahlt einem Hildesheimer Opfer von Peter R. eine Anerkennungszahlung. Quelle: focus.de


20.10.2016 Die deutschen Bistümer haben seit 2011 mehr als 6,4 Millionen Euro an mehr als 1000 Missbrauchsopfer von Klerikern gezahlt. Die Zahl der Beschuldigten liege bei mehr als 860 Personen. Nicht alle Bistümer hätten die Fragen der NOZ beantwortet. Quelle: noz.de
Kommentar: Diese Zahlen sind – wieder einmal – undurchsichtig oder auch irreführend. Sie beziehen sich auf einen unklaren Zeitraum. Die Bistümer Augsburg (2012), Berlin (2015), Eichstätt (2015), München (2015), Regensburg (2014) und Trier (2015) nennen alte Zahlen. Im Bistum Würzburg wurden bis 2015 insgesamt 11 Opfer mit 50.000 Euro entschädigt. Nun sind es 17 Opfer, die den gleichen Betrag erhalten. Im Erzbistum Köln hat sich die bislang vermutete
Opferzahl (25 Menschen) – ohne dass das Erzbistum darüber informiert hätte – mindestens verdreifacht. Im Bistum Speyer gibt es hingegen nur noch 30 Opfer – ein Jahr zuvor waren es noch 53 Opfer. Im Erzbistum Freiburg reduziert sich die Zahl der Opfer, die Anerkennungsleistungen erhalten von 130 Opfer (2014) auf nunmehr 101 Opfer. Im Bistum Bamberg wurden an zwei neue Opfer je 500 Euro ausgezahlt: 2016
wurden 93.000 Euro an 18 Opfer und 2015 waren 92.000 Euro an 16 Opfer gezahlt worden. Kurz: Die Angaben vieler Bistümer sind nicht nachvollziehbar. Transparenz sieht anders aus. Domdechant und Missbrauchsbeauftragter des Bistums Osnabrück, Silies, kann leider nicht darauf verzichten zu erwähnen, dass das Angebot der Kirche auch Menschen anlocke, “die es ausnutzen wollen”. Der Leser/die Leserin versteht: Opfern geht es um Geld und manche wollen Geld, ohne Opfer zu sein.  20.1.2016 Interview mit dem Mitglied der vatikan. Kinderschutzkommission Marie Collins.


20.1.2016 Welt: Sexuelle Gewalt als Grundrisiko der Kindheit. FAZ


19.1.2016 Der Dirigent Lothar Zagrosek – ehemaliger Domspatz – berichtet aus seiner Schulzeit. Quelle: br.de


19.1.2016 Bei dem Unabhängigen Untersucher der Regensburger Domspatzen, RA Weber, haben sich seit der Veröffentlichung des Zwischenberichtes weitere 60 Opfer körperlicher Gewalt gemeldet. Ein ehemaliger Domspatz weist darauf hin, dass die prügelnden Lehrer und Priester eine NS-Vergangenheit hatten. Quellen: br, orf


19.1.2016 Sexueller Missbrauch kommt überall vor – auch bei Frauen auf der Flucht und in Gemeinschaftsunterkünften, auch in muslimischen Gemeinden. Quellen: tagesspiegel.de   zeit.de


19.1.2016 Das Hilfetelefon Forschung wurde eingerichtet: 08  00/44 555 30. Es wendet sich an Betroffene von sexuellem Missbrauch und Angehörige,
die sich an Forschung zu belastenden Kindheitserlebnissen beteiligen möchten und keinen akuten Beratungsbedarf haben. Die Daten werden vom
Uniklinikum Ulm anonym ausgewertet. Quelle: Stuttgarter Nachrichten


19.1.2016 Gegen einen Pater der Kapuziner aus Zell am Harmersbach wurde ein Vorwurf sexuellen Missbrauchs erhoben, der sich vor 30 Jahren ereignet haben soll. Der Pater lässt derzeit seine Ämter ruhen. Quelle: bo.de


18.1.2016 Ein ehemaliges Mitglied des Windsbacher Chores spricht über Angst, Barmherzigkeit und Vertuschung. Er erklärt aber auch: “Was wir
musikalisch gelernt haben, ist ja auch ein Schatz fürs Leben. Ohne das System der Gewalt hätte ich das nicht.” Quelle: Zeit

Kommentar: Diese Sicht kann nur als Identifikation mit dem Aggressor erklärt werden.


18.1.2016 Der wegen Missbrauchs im Herbst 2015 verurteilte Pfarrer aus dem Bistum Aachen erhält nun keine Geldzuwendungen – bislang 1100 € – mehr vom Bistum. Quelle: www.aachener-zeitung.de


18.1.2016 Interview mit dem Vorsitzenden der vatikan. Kinderschutzkommission, P. Hans Zollner. Quelle: Centre for Child Protection, Zentrum für Kinderschutz


18.1.2016 Ein ehemaliger Domspatz berichtet. Quelle: Süddeutsche


17.1.2016 Johannes Heibel, Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen, wirft der katholischen Kirche vor, dass sie
kircheninterne Verfahren über Missbrauchsfälle verschleppe. So warten Opfer eines Priesters aus Rüsselsheim und aus dem Bistum Aachen seit 2005 auf das Verfahren. Heibel kritisiert auch, dass Anwälten und Opfern keine Akteneinsicht gewährt werde. – Der Priester aus dem Bistum Mainz bezieht weiterhin Gehalt und arbeite als Organist und Chorleiter u.a. mit Minderjährigen. Das Bistum Mainz sagt, ihm seien durch das nicht abgeschlossene Verfahren in Rom die Hände gebunden. Quelle: Spiegel


15.1.2016 Frage des Interviewers an einen Regensburger Prälaten: “Der Missbrauch um die Domspatzen wird nun aufgearbeitet. Wie finden Sie das?”
Antwort des Prälaten und Stiftsdekans Heinrich Wachter: “Unnötig. Ich finde, das ist überflüssig. Dass ewig über das selbe geredet wird, da hätte man doch 1.000 andere Fälle wie in Sportvereinen, über die man auch reden müsste. Die Aufarbeitung ist doch längst hinter uns, das brauche ich nicht dauernd wiederholen.” Quelle: wochenblatt


14.1.2016 Dem früheren US-Bischof der Diözese St. Paul and Minneapolis, John Nienstedt, wurden von der Staatsanwaltschaft Versäumnisse bei der
Aufarbeitung von Missbrauchsfällen vorgeworfen. Nienstedt trat von seinem Amt zurück. Nun wird er für 6 Monate in einer Gemeinde Werktagsmessen halten, Kranke besuchen und Gottesdienste in einem Pflegeheim übernehmen. Quelle: Radio Vatikan


14.1.2016 Der Bayerische Rundfunk stellt fest, dass angesichts der Regensburger Domspatzen-.Veröffentlichungen die Kirchenleitungen schweigen. Kardinal Marx sagt nichts, Bischof Ackermann lässt auf Prävention verweisen, Herr Neck sagt nichts… Quelle: br


14.1.2016 Der Erftstädter Pfarrer, dem drei Frauen sexuelle Grenzverletzungen vorwarfen, ist in den Ruhestand versetzt worden. Er darf künftig nur
noch in Senioreneinrichtungen arbeiten. Alle priesterlichen Handlungen darf er öffentlich in jedem Einzelfall nur mit bischöflicher Genehmigung ausüben. An seinen Therapiekosten soll er sich beteiligen. Ein Kollege des Pensionierten erklärt, er sei enttäuscht, denn “dies bedeute, dass die Vorwürfe nie aufgeklärt werden”. Quelle: KStA
Kommentar: Der enttäuschte Kollege übersieht die Aussagen der Opfer und zudem das Geständnis des Pfarrers. Und: Es ist gängige Praxis, dass die kath. Kirche Täter u.a. in Alters- und Pflegeheimen einsetzt. Das könnte – und wird! – Missbrauchsopfer hindern, den Beistand eines priesterlichen Seelsorgers in Klinik oder Pflegeheim anzufragen. Nur so können sie vermeiden, einem priesterlichen Missbrauchstäter gegenüberzustehen. Diese Vorgehensweise übersieht – wieder einmal – die Perspektive von Missbrauchsopfern.


13.1.2016 Das Bonner Jesuiten-Gymnasium Aloisiuskolleg (AKO) hat – gemeinsam mit der Opfergruppe ‘Eckiger Tisch’ und der Bonner Beratungsstelle für sexualisierte Gewalt eine Erklärung zu den Missbrauchsfällen am AKO erarbeitet. Da stehen die bemerkenswerten Sätze: “Die Missbrauchsfälle
sind Teil der Kollegsgeschichte und dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Wir sehen uns hier fortdauernd in der Verantwortung. Die Betroffenen sind bleibend Teil der Kollegsgemeinschaft; sie haben hier einen Platz und eine Anlaufstelle, wenn sie das wollen. Es gibt kein ‘Abhaken’ der Geschichte. Wir danken ausdrücklich all den Betroffenen, die zur Aufarbeitung beigetragen haben und beitragen und ermutigen alle Zeitzeugen, die zur Aufarbeitung beitragen können, dies auch zu tun. Respekt zollen wir jenen Betroffenen, die sich nicht äußern wollen oder können. Quelle: domradio und Wortlaut: aloisiuskolleg.de und katholisch.de 14.1.2016


13.1.2016 Die Revision des Willicher Priester Georg K. wegen sexuellen Missbrauchs von Jungen wurde vom Bundesgerichtshof abgewiesen. Nun kommt das kirchenrechtliche Verfahren nach Rom zur Glaubenskongregation. Quelle: rp-online und wz.de


13.1.2016 Christian Pfeiffer lobt die Aufklärung bei den Regensburger Domspatzen. Die Süddeutsche formuliert: “Es spricht viel dafür, dass Georg
Ratzinger um die Vorgänge in der Vorschule mehr wusste als er heute angibt. Viele seiner früheren Sänger sagen, sie hätten es ihm erzählt, Jahrgang für Jahrgang, immer wieder. Und auch die Geschichten über sexuelle Übergriffe könnten ihm nicht entgangen sein. Wollte Ratzinger nichts davon wissen?” Pfeiffer wundert sich, dass ausgerechnet der frühere Bischof von Regensburg nun im Vatikan einen Gerichtshof einrichtet (eingerichtet hat?), der Bischöfe aburteilen soll, die Fälle von sexuellem Missbrauch durch Priester oder kirchl. Mitarbeiter in ihrem Bistum vertuschten. Quelle: Süddeutsche, 13.1.2016 Kriminologe lobt Aufklärung
Quelle: Süddeutsche, 14.1.2016 Wie das Bistum Regensburg mit Georg Ratzinger umgeht
Quelle: Schülerbericht
Quelle: katholisch.de 14.1.2016


12.1.2016 Das Bistum Regensburg relativiert die Aussagen Georg Ratzingers. Und Regensburg-digital klärt weiter auf.
Quelle: br.de und sueddeutsche 13.1.2016


12.1.2016 Georg Ratzinger, von 1964 bis 1994 Chef der Regensburger Domspatzen, bezeichnet die Aufklärung des Missbrauchs- und Misshandlungsskandals bei den Regensburger Domspatzen als “Irrsinn” und nennt die Aufklärung eine “Kampagne”. Für ihn sei die Aufklärung abgeschlossen, sagte Ratzinger. Quelle: br

(ups – da haben sich die Überschrift und der Inhalt des Artikels geändert…) zuvor war lediglich von Ratzingers Aussagen die Rede, nun ist zuerst von der Relativierung dieser unsäglichen Aussagen durch den Pressesprecher des Bistums die Rede.)


12.1.2016 Seit der Vorstellung des Zwischenberichtes über Misshandlung und sex. Missbrauch bei den Domspatzen haben sich weitere 20 Opfer bei RA Weber gemeldet. Quelle: donaukurier.de


12.1.2016 Papst Franziskus wird bei seinem Mexiko-Besuch auch Missbrauchsopfer treffen. Quelle: katholisch.de


11.1.2016 Der Papst traf den chilenischen Kardinal Ricardo Ezzati. Gerüchteweise wird kolportiert, es sei u.a. um den neu ernannten Bischof Barros
gegangen. Barros wurde im Januar vom  Papst zum Bischof von Osorno ernannt. Bei Missbrauchsopfern und Politikern war die Ernennung auf Widerstand gestoßen. Barros wird vorgeworfen, den priesterlichen Missbrauchstäter Fernando Karadima Farina geschützt zu haben. Die zuständige Bischofskongregation hatte kein Fehlverhalten Barros erkennen können. Quelle: orf


10.1.2016 Georg Ratzinger, von 1964 bis 1994 Chef der Regensburger Domspatzen, sagt im Blick auf die Prügelvorwürfe bei den Regensburger Domspatzen, Schläge und Ohrfeigen seien damals “in allen Erziehungsbereichen wie auch in den Familien üblich” gewesen. Dass ein “System der
Angst” geherrscht habe, wies er zurück. Von sexuellem Missbrauch habe er als Chef der Domspatzen keine Kenntnis gehabt. Quelle: domradio und Mittelbayerische und Süddeutsche


9.1.2016 Diskussion über den Zwischenbericht zu den Gewaltvorkommen bei den Regensburger Domspatzen. Quelle: br


8.1.2016 Ursula Enders richtet den Blick auf die Opfer der Kölner Silvesternacht. In der öffentlichen Diskussion geht es meist um die Täter. Quelle: Süddeutsche


8.1.2016 Die Rolle des ehemaligen Chefs der Regensburger Domspatzen, Georg Ratzinger, ist seit langem bekannt, aber darauf bezieht sich kaum jemand. Quelle: regensburg-digital


8.1.2016 Ein kath. Pfarrer aus Niederösterreich muss 4 Jahre ins Gefängnis. Er hat einem Opfer Betäubungsmittel gegeben und es sxexuell missbraucht. Der Pfarrer spricht von einer einvernehmlichen Beziehung. Quelle: orf


8.1.2016 Das Erzbistum München-Freising hat 29 Fälle registriert, in denen auf Empfehlung der Missbrauchsbeauftragten Opfern Geld gezahlt wurde –
insgesamt 147 000 Euro. Die Information bezieht sich allerdings auf 2014 und spiegelt den Stand vom Januar 2015. Quelle: http://www.idowa.de


8.1.2016 Klaus Mertes erinnert daran, dass auch die Vertuschung der Missbrauchsfälle bei den Regensburger Domspatzen/in der kath. Kirche aufgeklärt werden muss und dass die Vertuscher Verantwortung dafür übernehmen müssten. “Dieses dauernde Sich-Entschuldigen nachträglich reicht nicht, das ist empörend!”, sagt Mertes. Quelle: Domradio


8.1.2016 RA Ulrich Weber geht davon aus, dass mindestens 231 Kinder bei den Regensburger Domspatzen misshandelt wurden und 50 Kinder sexuelle Gewalt erlitten haben. Weber: “In der Kernzeit von 1953 bis 1992 sprechen wir von 2450 Schülern. Mithin habe ich derzeit keinen Grund, von einer Gesamtopferzahl von 600 – 700 zu zweifeln.” Weber geht weiter davon aus, dass Georg Ratzinger, der von 1964 bis 1994 Chef der Regensburger Domspatzen war, von den Ereignissen wusste. 1989 stand ein Artikel in der Mittelbayerischen, aber bereits 1970 hatten Eltern von zwei Schülern sich bei Georg Ratzinger beschwert. Er müsste also gewusst haben, was bei den Domspatzen los war. Weber spricht von 24 Beschuldigten in Etterzhausen und Pielenhofen und von 18 Beschuldigten, die in Regensburg tätig waren. In Etterzhausen und Pielenhofen gab es gegen 5 Täter Mehrfachbeschuldigungen, in Regensburg gegen 4 Täter. Der Bericht von RA Ulrich Weber zeigt, dass viele Vorfälle den Verantwortlichen bekannt waren, jedoch keinerlei Konsequenzen gezogen wurden. Das Bistum Regensburg will erst Stellung nehmen, wenn der Abschlussbericht vorliegt. Quellen: BR und TV aktuell und Mittelbayerische und Bericht von RA Ulrich Weber bzw. bistum-regensburg und Süddeutsche
Kommentar: Erneut zeigt sich, dass erst unabhängige Untersuchungen ein realistisches Bild zeigen – die Opfer haben wohl nur wenig Vertrauen in die kath. Kirche.


8.1.2016 Verantwortliche der kath. Kirche erregen sich über die körperlichen und sexuellen Übergriffe in Köln in der Neujahrsnacht. “Diese neue Form von Gewalt und vor allem der menschenverachtende Umgang mit Frauen können nicht hingenommen werden”, sagte der Vorsitzende der DBK, Kardinal Marx. “Als Kirche werden wir dabei unseren Beitrag leisten, an einer Gesellschaft mitzuwirken, die in Respekt und gegenseitiger Achtung
lebt”, ergänzte der Münchner Erzbischof. Quelle: katholisch.de
Ich kann mich eines Kommentars nicht enthalten: Solche Worte und (!) anschließend konsequente Taten zur Aufklärung, zum Schutz, zur Hilfe für die Betroffenen hätten sich die Opfer von sexuellem Missbrauch und von Misshandlungen, die ihnen in kirchlichem Kontext geschahen, gewünscht. Das wäre der Bereich gewesen, in dem die Kirchen-Verantwortlichen Einfluss haben. Forderungen an andere zu stellen, ohne sie im eigenen Raum zu verwirklichen, ist unglaubwürdig.   


7.1.2016 Papst Franziskus wird bei seinem Mexiko-Besuch Missbrauchsopfer treffen. Der Erzbischof von San Luis Potosi, Jesus Carlos Cabrero
Romero, erklärte, die Kirche in Mexiko müsse auf den Missbrauch in ihren Reihen reagieren, da sie von diesen „sehr geschwächt“ werde. Bislang
hat die mexikan. kath. Kirche noch keine Präventionsmaßnahmen getroffen. Quelle: orf.at
Kommentar: Der Erzbischof hat die “Schwächung der Kirche” im Blick, nicht das Leid der Opfer. Da kann ich nur sagen: Noch immer nichts gelernt.


7.1.2016 Am Freitag wird der unabhängige RA Ulrich Weber, der die Gewaltvorkommnisse und die sexuelle Gewalt bei den Regensburger Domspatzen seit Ende April 2015 untersucht, seinen Zwischenbericht vorstellen. Er recherchierte, dass bis in die 90er Jahre nicht wie vom Bistum angegeben 72 Kinder, sondern mindestens 200 Kinder von Priestern und Lehrern des Bistums verprügelt wurden und darüberhinaus etliche Kinder sexuell missbraucht wurden. Auch Vergewaltigungen habe es gegeben. Weber geht davon aus, dass mindestens jeder Dritte der 2400 Domspatzen zwischen 1945 und den frühen Neunzigern zum Gewaltopfer wurde. Er sprach mit 70 Opfern. Er fand – anders als das Bistum in fünf Jahren Ermittlungen – Misshandlungen nicht nur in der Domspatzen-Vorschule in Pielenhofen bzw. Etterzhausen, sondern auch Übergriffe im Gymnasium, Internat und Chor in Regensburg. Er geht auch nicht wie das Bistum von zwei Tätern aus, sondern von eindeutig mehr als zwei Beschuldigten. Quelle: sueddeutsche
s. auch Sünden an den Sängerknaben
s. auch Kirche zwischen Schuld und Sühne (2015)


7.1.2016 Der Kölner Domprobst Gerd Bachner zeigt sich entsetzt über die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht in der Nähe des Kölner Doms.
Er sagte, er sei betroffen, dass Menschen, „die hier in unserer Stadt friedlich den Beginn des neuen Jahrs feiern wollten, auf diese Weise angegriffen wurden“. Er wies darauf hin, dass jetzt besonnen gehandelt werden solle und die Vorfälle sorgfältig aufgeklärt werden müssten. Quelle: radiovaticana.va
Kommentar: Das würde glaubwürdiger klingen, wenn Kirchenleute sich in der Vergangenheit um eine sorgfältige Aufklärung der Missbrauchsfälle in den eigenen Reihen gekümmert hätten und die eigenen Täter nicht – bis in die Gegenwart hinein (s. Erzbistum Köln und Bistum Hildesheim) schützen würden.


6.1.2016 Die Staatsanwaltschaft Berlin ermittelt nicht weiter gegen den Priester Peter R., einen der Haupttäter des Canisius-Kollegs, im Fall des Hildesheimer Mädchens, gegen das er an Pfingsten 2006 “übergriffig” wurde. Auch gegen das Bistum Hildesheim gibt es keine neuen Ermittlungen, die den Vorwurf der Vertuschung und Strafvereitelung betreffen. Laut NDR hat die Staatsanwaltschaft das Protokoll vom März 2010, das das Gespräch des Mädchens mit dem Bistum beinhaltete, nicht einsehen wollen. Quelle: NDR 6.1.2015 und evangelisch.de/


5.1.2016 Ein ehemaliges Heimkind berichtet von Gewalt und Ausbeutung.Quelle: Volksfreund


5.1.2016 Kommentar zu den räuberischen und sexuellen Übergriffen von Männern gegenüber Frauen und Kindern in Köln an Silvester 2015.
Quelle: sueddeutsche.de


2.1.2016 Auf Anfrage bestätigte das Erzbistum Köln, dass der Liblarer Pfarrer Winfried J. wieder in Einzelfällen priesterlich tätig werden darf. Ihm werden sexuelle Grenzverletzungen gegenüber einem damals 9 Jahre alten Mädchen und zwei weiteren Betroffenen vorgeworfen. Das kirchliche Verfahren ist noch nicht abgeschlossen. Quelle: ksta.de