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Sexuelle Gewalt in der evangelischen Kirche Deutschlands 2019

Dokumentation bis 2018

Bild von prettysleepy1 auf PixabayBild von prettysleepy1 auf Pixabay

26.5.2019 Die EKD-Beauftragte zum Schutz vor sexualisierter Gewalt sagte, vereinsartige Strukturen begünstigen in der evangelischen Kirche Missbrauch. Es gebe eine zudem eine unreflektierte Vermischung von dienstlichen und privaten Angelegenheiten, Beschweremöglichkeit fehlten. 

Quelle: evangelisch.de


19.4.2019 Interview mit Bischöfin Kerstin Fehrs

Quelle: podcast.de


30.3.2019 Die evangelische Kirche in der Pfalz hat eine unabhängige Kommission gegründet zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen gegründet. Der Kommission gehören die Vorsitzende Richterin am Oberlandesgericht Zweibrücken, Anja Schraut, und die evangelische Theologin, Ilse Seifert aus Bad Dürkheim an. Eine dritte externe Person wird noch gesucht. Die ehrenamtlichen Mitglieder sollen Ansprechpartner für Betroffene sein. Bisher seien in der Landeskirche vier Fälle angezeigt worden.

Quelle: swr.de


17.3.2019 Christioph Fleischmann interviewt Jörg Fegert zu dessen Studie über sexuellen Missbrauch. Die Zahl von 110.000 katholisch-kirchlichen und 110.000 evangelisch-kirchlichen Opfern ist eine Hochrechnung des Dunkelfeldes. Die MHG-Studie hatte Zahlen aus dem Hellfeld veröffentlicht. Das Vertrauensintervall liegt zwischen 28.000 und 280.000 Opfern, die gewonnene Prävalenz von 0,16 % entspricht 110.000 Opfern. 

Fegert weist darauf hin, dass die kath. Kirche in 8-Jahres-Abständen (2002, 2010, 2018) erschrickt und neue Versprechen abgibt. Externe Berater können der Kirche kaum noch Hinweise auf deren Aufgabe geben, die Opfer ernst zu nehmen und sie zu ermutigen, am Leben teilzunehmen. Dazu gehöre auch, die Opferrechte im Kirchenrecht zu stärken. Derzeit dauern kirchl. Verfahren 10-15 Jahre, die Opfer werden nicht informiert und nicht angehört. Eine Gerichtsstatistik gibt es bislang nicht. Zudem sei der Anteil der Priester von 8% an Missbrauchstaten, gemessen an ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung, eine Problemanzeige.

Quelle: www1.wdr.de


16.3.2019 In einer Wohngruppe der Diakonie in Gifhorn sollen junge Mädchen durch ein Ehepaar, das die Gruppe mehr als 25 Jahre geleitet hat, missbraucht worden sein. Die Mädchen seien teilweise schwer traumatisiert. Die Staatsanwaltschaft wirft den Eheleuten vor, zwischen 1998 und 2007 vier junge Bewohnerinnen sexuell missbraucht und misshandelt zu haben.Die Opfer seien zum Tatzeitpunkt zwischen 6 und sechzehn Jahre alt gewesen. Eine inzwischen erwachsene Frau, die früher in der Wohngruppe lebte, hatte im Januar Anzeige erstattet. Beide Verdächtigen sitzen in Untersuchungshaft.

Quelle: ndr.de


5.3.2019 Am 4.3.2019 trafen sich die Mitglieder des Beauftragtenrates der EKD mit der Arbeitsgruppe "Aufarbeitung Kirchen", um über die Entwicklung von Aufarbeitungs-Standards zu beraten. Bis Herbst 2019 sollen Eckpunkte einer Vereinbarung zwischen der EKD und dem Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung vorliegen.

Quelle: beauftragter-missbrauch.de


28.2.2019 Der Journalist Thomas Klatt sagt, die evangelische Kirche kolportiere, dass sexuelle Gewalt gegen Minderjährige ein katholisches Phänomen sei - wegen Klerikalismus, Zölibat und Männerbünde. Aber auch in der evang. Kirche gebe es Machtkonzentration; zudem fehle eine Trennung zwischen Amt und Privatbereich. Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung gab an, dass zwei Drittel der Fälle in kirchlichen Kontext auf die kath. Kirche entfiel, ein Drittel auf die evangelische Kirche. Ein Aufschrei in der evang. Kirche sei ausgeblieben, weil es dort keine systematischen Untersuchungen und Aufarbeitung gab. Lediglich aus der Nordkirche liegt ein 500-Seiten-Bericht vor, den aber längst nicht alle für diesen Bereich Verantwortlichen gelesen haben. Die Erfahrungen von Opfern seien ganz ähnlich denen von Opfern im katholischen Bereich. Opfer werden auch in der evang. Kirche überhört und haben auf der EKD-Synode kein Podium.

Quelle: deutschlandfunk.de


18.2.2019 Die Kirchenrätin Daniela Fricke ist hauptamtliche Beauftragte für den Umgang mit Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung. Sie soll auch die Prävention im Bereich der evangelischen Kirche von Westfalen ausbauen und die gesetzliche Grundlage dafür erarbeiten. Die EKD hat rund 1,3 Millionen Euro  im Haushalt 2019 für die Aufarbeitung von Missbrauch vorgesehen.

Quelle: t-online


3.1.2019 Der Münchner Sozialpsychologie Heiner Keupp, Mitglied der Unabhängigen Aufarbeitungskommission der Bundesregierung, sieht Defizite in der kirchlichen Missbrauchsaufarbeitung. Frauen als Täter seien vernachlässigt worden. Es brauche zudem ein Interventionsrecht der Aufarbeitungskommission. Auch der Staat sei in der Pflicht; er erstatte den Kirchen einen Großteil der Kosten für ihre Heime und Einrichtungen - und habe ihnen die Selbstkontrolle überlassen. Viele Bischöfe wollten das Thema aussitzen. Einigen Bischöfen habe er bei der Vollversammlung im September 2019 ihre Erschütterung angemerkt: "Aber die große Mehrheit sitzt da, und man versteht nicht, was hinter ihrer Fassade abläuft". Den Zölibat und verklemmte Sexualität als Grund für Missbrauch anzunehmen, überzeuge ihn jedoch nicht. Dabei werde die "Pastoralmacht" ausgeblendet, die als Zugriff auf die Seelen der Menschen verstanden werden könne.

In der evangelischen Kirche habe bislang nur die Nordkirche glaubhaft versucht, Übergriffe aufzuarbeiten. Keupp bemängelte, dass keiner der Betroffenen vor der Synode habe berichten dürfen. Als vorbildlich bezeichnete der Wissenschaftler die Praxis im US-Bundesstaat Pennsylvania. "Dort gibt es einen unabhängigen Beauftragten, dem alle Archive geöffnet werden. Sie haben dort sogar alle Namen von Tätern öffentlich genannt, egal, ob sie noch leben oder tot sind." Die Erforschung in kirchlichen Archiven müsse "unbedingt von unabhängigen Gremien gemacht werden".

Im Interview mit der Süddeutschen weist Keupp darauf hin, dass es wichtig sei, die Betroffenen in die Aufarbeitung einzubeziehen, "denn ohne ihr Engagement gäbe es den aktuellen Aufarbeitungsprozess gar nicht." In den Familien, sagt Keupp, gebe es keinen, "der das Thema offensiv nach außen trägt, die Opfer bleiben oft allein. So ähnlich ist es, wenn ein Pfarrer gegenüber einem Kind übergriffig war, auch dann blieb das Opfer oft allein. Deshalb fordern wir von der evangelischen Kirche: Ihr müsst den Betroffenen eine Plattform schaffen, damit sie sich austauschen können." Die Kirchen hätten sich daran beteiligt, den „Schweigecontainer dicht zu halten“, sagte der Sozialpsychologe. Erst die Skandalisierung der Missbrauchsvorwürfe durch die Medien und „die schwindende Macht der Kirchen" hätten zu einer Änderung der Haltung geführt.

Quelle: katholisch.de  Süddeutsche, Printversion; pro-medienmagazin.de

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