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Sexuelle Gewalt in der evangelischen Kirche Deutschlands 2021

2022    2021   2020   2019   bis 2018

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13.12.2021 Die evangelischen Landeskirchen Baden, Württemberg, Bayern und Pfalz wollen 2022 eine Kommission zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen einsetzen. Solche Kommissionen sollen auch im Westen, Norden und Osten entstehen. Für Zusammenschlüsse sprächen die Fallzahlen. Aufgabe der Kommission ist die Aufbereitung von Missbrauchsfällen und Prävention. In Streitfällen soll die Kommission die letzte Instanz sein. Mitglieder sollen Betroffene und Vertreter aus Kirche, Politik und Wissenschaft sein. Gesichtet werden solle alle Personalakten aller Landeskirchen. Ergebnisse der Studien werden 2023/24 erwartet und anschließend in den Landeskirchen vertieft. Quelle: landtag-bw

13.12.2021 Der neugewählte Rat der EKD hat den Beauftragtenrat zum Schutz vor sexualisierter Gewalt neu berufen. Seit 2018 gehören Landesbischof Christoph Meyns, Braunschweig, und Bischöfin Kirsten Fehrs, Nordkirche, dazu. Neu hinzugekommen sind Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst, Pfalz, Dr. Jan Lemke, Mitteldeutschland und Oberkirchenrätin Franziska Bönsch. Quelle: presseportal


4.12.2021 Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens informiert die Öffentlichkeit über Fälle sexualisierter Gewalt, die sich in den 1960er und 1970er Jahren ereignet haben. Vier Betroffene berichten von wiederholten Übergriffen in ihrer Jugendzeit durch den Moritzburger Diakon Kurt Ströer, der von 1956 bis 1986 Jugendwart in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) war. Geplant ist, die Taten Kurt Ströers durch eine unabhängige, wissenschaftliche Studie aufarbeiten zu lassen. Quelle: evlks

25.11.2021 In der Evangelischen Landeskirche in Württemberg wurden seit 2010 insgesamt 167 Fälle sexualisierter Gewalt durch ehren- und hauptamtliche Mitarbeitende gemeldet. Quelle: swr


17.11.2021 Veronika Wawatschek schaut auf die Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der Evangelischen Kirche. Bislang wurden 942 Anträge laut EKD bearbeitet. Betroffene fordern, dass die Kirche gezielte Nachforschungen anstellt. Der Journalist Philipp Greifenstein mahnt: "Wenn die Betroffenen endgültig den Mut verlieren, dass sie sich mit ihren berechtigten Sorgen bei den Kirchen melden können, weil sie jetzt über Jahre sehen, dass die evangelische Kirche da nicht vorankommt und sich da gar nicht viel verändert, dann verliert die Kirche nicht nur das Vertrauen dieser Menschen, sondern da macht sich Kirche schuldig." Quelle: br


9.11.2021 Eine von sexualisierter Gewalt in der Evangelischen Kirche betroffene Frau berichtete der Synode, dass es in ihrem kirchlichen Verfahren um die Amtspflichtverletzung der Amtsperson gegenüber der Kirche ging. Der Kirche sei Schaden zugefügt worden. Dass vor allem sie den Missbrauch erlitt, habe im Verfahren gegen ihren Täter kaum gezählt. Ihr Fazit: "Ich kann mit meinen Erfahrungen niemandem zu einem Verfahren raten." -Quelle: chrismon


8.11.2021 Berichte von der Synode der EKD

 

Überblick über den Synodentag

 

Betroffene fordern von EKD Beteiligung auf Augenhöhe

 

Bischöfin Fehrs zu Betroffenen: "Es tut mir sehr leid"

 

Bischof Christoph Meyns fordert schärferes Disziplinarrecht

 

Florian Breitmeier, NDR, kommentiert

 

Margot Käßmann fordert, jeden Verdachtsfall zu veröffentlichen und Täter aus dem Dienst zu nehmen

 

Betroffene fordern einen Kulturwandel


8.11.2021 Der bisherige Ratsvorsitzende der EKD, Bedford-Strohm, ist unzufrieden mit der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche und zeigte sich offen für eine Beteiligung Dritter, etwa des Staates, an der Aufarbeitung. Betroffene üben Kritik am Aufarbeitungswillen der Evangelischen Kirche. Sie fordern eine unabhängige Aufarbeitung. Für Missbrauchsopfer habe sich in den vergangenen Jahren auf Ebene der Landeskirchen "nichts oder nur wenig geändert", erklärte Katharina Kracht, Mitglied des ehemaligen Betroffenenbeirates. Henning Stein, Betroffener, fordert eine unabhängige Aufarbeitung in einer Wahrheitskommission. Die evangelische Kirche versuche stets, die Kontrolle zu behalten und könne deshalb eine solche Aufarbeitung nicht leisten. Zudem müsse der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, Betroffene darin unterstützten, sich zusammenzuschließen. Quelle: domradio


8.11.2021 Auch die Evangelische Kirche Deutschlands habe tausende Fälle von sexualisierter Gewalt zu verzeichnen, sagt Henning Stein, Mitglied im Betroffenenbeirat der EKD. Er glaubt, dass viele Behinderteneinrichtungen betroffen sind und fordert eine Wahrheitskommission. Quelle: www1.wdr.de


7.11.2021 Anna-Nicole Heinrich, Präses der EKD, sagt: "Es kann nicht darum gehen, den Status-Quo um jeden Preis zu bewahren, sondern wir müssen uns immer wieder die Frage stellen, was sind unsere Zielvorstellungen? Wozu sind wir evangelische Kirche, was ist unsere Mission, im Hier und jetzt?" Und: "Wir haben doch guten Grund, uns als Kommunikator:innen und Multiplikator:innen des Aufbruchs zu verstehen ­– nach innen und nach außen. Und auch wenn es für einen jeden Einzelnen von uns mehr Anstrengung bedeutet sich immer wieder in diese direkte Kommunikation zu begeben: Es lohnt sich!" Quelle: ekd


7.11.2021 Betroffene sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche haben die Aufarbeitung als "völlig unzureichend" kritisiert. Sie beklagten eine mangelnde Partizipation und zu wenig Unterstützung bei der Bildung von Netzwerken. Katharina Kracht sagte, die Aussetzung des Beirats sei gegen den Willen der Mehrheit der Betroffenenvertreter*innen geschehen. Sie warf der EKD vor, die ausgezahlten Gelder durch Trickserei gering zu halten und Betroffene unter Druck zu setzen, weil diese institutionelles Versagen nachweisen müssen. Die von der EKD zugesagte Unterstützung bei der Vernetzung der Betroffenen sei nicht erfolgt. Henning Stein, Betroffener, forderte eine unabhängige Aufarbeitung durch eine "Art Wahrheitskommission", weil die evangelische Kirche stets versuche, die Kontrolle zu behalten. Daher könne sie eine solche Aufarbeitung nicht leisten. Quellen: katholisch.de   kirche-und-leben


7.11.2021 Zum Auftakt der EKD-Synode in Bremen sagt Katharina Kracht - Mitglied des ausgesetzten Betroffenenbeirats -, dass die EKD noch immer den "Mythos von Einzelfällen" verbreite. Kracht und andere Betroffene kritisieren, dass die versprochene Evaluation des vorläufigen Scheiterns der Betroffenenbeteiligung lediglich aus einer "Expertise" durch eine Einzelperson bestehe, die aus der Sicht der Betroffenen keinerlei Fachlichkeit im Bereich sexualisierter Gewalt aufweise. Die Einzelperson werde von einer Traumatherapeutin begleitet. Kracht kritisiert, dass Betroffene immer wieder auf ihr Trauma reduziert werden. Der Sprecher des Missbrauch-Beauftragtenrates der EKD, Christoph Meyns, will die Ergebnisse der Expertise abwarten. Wann sie vorliegen werden, ist nicht bekannt. Am Montag wird die Synode sich mit dem Stand der Aufarbeitung befassen. Die Synode kann live verfolgt werden. Quelle: evangelisch.de


5.11.2021 Der Osnabrücker Oberstaatsanwalt Retemeyer sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), seine Behörde bearbeite jeden Fall, den ihr die Kirchen auf den Tisch legten - unabhängig davon, wie lange er zurückliege und ob er offenkundig verjährt sei. Selbst wenn der Täter nicht mehr lebt, bearbeitet die Staatsanwaltschaft den Fall. Letztlich jedoch sei es die Entschiedung der Kirchen, wie sie damit verfahre. Der Leiter der Rechtsabteilung im Landeskirchenamt, Oberlandeskirchenrat Rainer Mainusch, sagte, dass er sich ein solches Vorgehen schon immer gewünscht habe, die "Signale" jedoch bisher in vergleichbaren Fällen anders gelautet hatten. Bislang war die Landeskirche immer pauschal von einer 20-jährigen Verjährungsfrist ausgegangen. Quelle: Landeskirche Hannovers


5.11.2021 Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hat die evangelische Kirche für ihren Umgang mit Mitgliedern des Betroffenenbeirats kritisiert und bemängelt, dass es derzeit keinen partnerschaftlichen Umgang mit ihnen gebe. Rörig forderte, dass die neue Leitung der EKD die Bekämpfung und Aufarbeitung von Missbrauch künftig zur Chefsache machen solle. Die Synode, die in diesen Tagen stattfindet, möge einen "neuen Aufbruch für die Aufarbeitung bringen, wünscht Rörig und ruft die EKD zu einer "professionellen und partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit Betroffenen auf. Sie müssten auch zur Beteiligung befähigt werden. Kritik müsse ernst genommen werden. Inakzeptabel sei, dass auf Kritik mit einseitiger Machtausübung reagiert werde. -Der scheidendeEKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm ist ebenfalls unzufrieden mit dem Stand der Aufarbeitung und der Präventionsstrategie der EKD. Zudem sagte er: "Die Fälle sexualisierter Gewalt in unserer Kirche belasten mich extrem." Quellen: katholisch.de   spiegel


3.11.2021 Michael Hollenbach schaut sich das katholische Verfahren zur "Anerkennung des Leids" an, das die EKD ülbernehmen will. Triggergefahr schon beim Hören. Quelle: DLF


3.11.2021 Für die Studie ForuM der EKD werden Betroffene gesucht, die bereit sind über ihre Gewalterfahrungen in evangelischen Kontexten zu berichten.

31.10.2021 Der Ratsvorsitzende der EKD, Heinrich Bedford-Strohm, ist mit der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt nicht zufrieden: "Wir haben hier das Vertrauen vieler Menschen verloren, und es ist uns bisher nicht gelungen, es in ausreichendem Maße zurückzugewinnen." Er hofft, dass in der ersten Hälfte 2022 ein neuer Weg der Betroffenenbeteiligung gefunden wird. Auch der hannoversche Landesbischof Ralf Meister sieht die Kirche noch am Anfang der Aufarbeitung. Quellen: t-online   evangelisch.de

29.10.2021 Die Synode der EKD beschäftigt sich auf ihrer Sitzung im November erneut mit dem 11-Punkte-Plan zur Bekämpfung sexualisierter Gewalt in der Kirche. Der größte Knackpunkt ist derzeit der Mangel an Beteiligung von Betroffenen an der kirchlichen Aufarbeitung. Unklar ist, wie es mit dem im Mai 2021 ausgesetzten Betroffenenbeirat weitergeht. Auch die Vereinbarung der EKD mit dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig,  steht noch aus. Ursprünglich sollte sie im Sommer fertig sein. Quelle:evangelisch.de

28.10.2021 Dass sich im Bereich der EKD bislang nur wenig Betroffene für Interviews bereit erklärten, könnte damit zusammenhängen, dass die Unabhängigkeit des Forschungsverbundes von der EKD noch nicht ausreichend bekannt ist. Möglicherweise haben Betroffene im Raum der EKD auch das Gefühl, dass das eigene Schicksal nur ein "isolierter Einzelfall" sei. Martin Wazlawik, Professor für Soziale Arbeit an der Hochschule Hannover und Koordinator des Forschungsverbunds, geht davon aus, dass es sich keineswegs um Einzelfälle handelt. Quelle: Süddeutsche


28.10.2021 Das Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) München stellte in einer Pressekonferenz das Vorgehen einer Teilstudie vor, die das Ziel hat, Fälle von sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch im Bereich der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Diakonie Deutschland aus der Perspektive der Betroffenen zu rekonstruieren.

Die Teilstudie ist eingebunden in den Forschungsverbund "ForuM - Forschung zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und anderen Missbrauchsformen in der evangelischen Kirche und Diakonie in Deutschland". Finanziert werden die fünf Teilstudien von der EKD mit 3,5 Millionen Euro. Ergebnisse werden Ende 2023 vorliegen. Betroffene sind als Co-Forschende beteiligt. Die Forscher*innen sind an keine Weisung der Kirche gebunden. Um die ganze Bandbreite sexualisierter Gewalt im Bereich der EKD abzubilden, werden Betroffene aufgerufen, sich zu melden.

Auch Detlev Zander ruft Betroffene auf, sich zu melden, weil Schweigen die Macht der Täter und Täterinnen stärke. In der evangelischen Kirche wurden den Anerkennungskommissionen der Landeskirchen bislang 881 Fälle sexualisierter Gewalt gemeldet, die sich seit den 1950er Jahren im Raum der evangelischen Kirche und der Diakonie ereignet haben. Diese Fälle stammen in der großen Mehrheit aus dem Kontext der Heimerziehung. Quellen: evangelisch.de   Ruhrnachrichten


18.10.2021 Lisa Meyer, Pseudonym, hatte u.a. im ndr von der Aufarbeitung ihrer Missbrauchserfahrungen im evangelischen Kirchenkreis Melle-Georgsmarienhütte berichtet. Am Sonntag war er Thema in der König-Christus-Gemeinde in Oesede. In einem Brief des Meller Superintendenten Hannes Meyer-ten Thoren heißt es dazu: "Die Gewalttat eines kirchlichen Mitarbeiters und die Leidensgeschichte der Betroffenen haben uns sprach- und fassungslos gemacht.... Einzelne, aber auch unsere Kirche als Institution, sind an Menschen schuldig geworden." Meyer-ten Thoren ist es wichtig, "dass sich die Verantwortlichen in unseren Kirchengemeinden und im Kirchenkreis eindeutig und solidarisch an die Seite der Betroffenen stellen." Quelle: domradio


16.10.2021 Der bayerische Landesbischof Bedform-Strohm sagt: "Was mich emotional am meisten berührt und einen ungeheuren Schmerz spüren lässt, ist das Thema 'sexualisierte Gewalt'. Es macht mich ein Stück fassungslos, dass solche Fälle im Raum der Kirche möglich waren und sind." Quelle: Domradio


11.10.2021 Eine im Alter von etwa zehn Jahren von einem Geistlichen in Georgsmarienhütte, Ev.-luth. Landeskirche Hannover, missbrauchte Frau - Pseudonym Lisa Meyer - wirft der evangelischen Landeskirche Versäumnisse vor. Sie sei sich wie "eine Art Bittstellerin" vorgekommen. 2010 stellte sie einen Antrag auf eine Anerkennungsleistung bei der Landeskirche , erlebte das Verfahren als "sehr belastend, absolut intransparent und somit wenig Betroffenen freundlich".  Florian Breitmeier nennt das Verhalten der Kirchenverantwortlichen einen "unglaublichen Verschiebebahnhof der Verantwortung" und fordert: "Die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der hannoverschen Landeskirche muss endlich zur Chefsache werden - das betrifft nicht nur den Landesbischof, es betrifft die Institution insgesamt."  Quellen: NDR   landeskirche-hannovers


28.9.2021 Die EKD hat eine "Musterordnung für Verfahren zur Anerkennung erlittenen Unrechts" verabschiedet. Sie soll die Anerkennungsleistungen für Betroffene sexualisierter Gewalt einheitlich regeln. Die Beweislast für Betroffene entfällt. Quelle: ekd


26.9.2021 Ein Interventionsteam hat Missbrauchsvorwürfe gegen einen ehrenamtlichen Mitarbeiter einer Jugendgruppe im Evangelischen Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg, Westfälische Landeskirche, untersucht. In 40 Jahren soll der Beschuldigte mehr als 20 Jungen sexuell missbraucht haben. Er beging Selbstmord, als die Vorwürfe öffentlich wurden. Quelle: rp-online


22.9.2021 Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat Fehler im Umgang mit der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt eingeräumt.  Quelle: evangelisch.de


17.9.2021 Alke Arns, Leiterin der Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt in der Nordkirche, sagte auf der Tagung der Landessynode, dass es im Umgang mit Missbrauchsfällen in der Nordkirche um die Wiedergewinnung des Vertrauens gehe. Die „Unterstützungsleistungskommission für Betroffene von sexualisierter Gewalt“ (ULK) hat nach Aussage von Bischöfin Fehrs etwa 70 Fälle bearbeiten können und über eine Million Euro an Unterstützungsleistungen gezahlt. Quelle: evangelische-zeitung


7.9.2021 Der Podcast mit Sabine Rückert und Andreas Sentker greift den Fall des evangelischen Pfarrers Rainer S. aus Dorfen auf und fragt, wie es sein kann, dass ein Missbrauchstäter über Jahrzehnte Minderjährige sexuell missbrauchen konnte, ohne dass die Taten verhindert wurden. Quelle: zeit
27.8.2021 Bischöfin Kirsten Fehrs, Hamburg, spricht sich für staatliche Unterstützung bei der Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der Evangelischen Kirche aus. Quelle: domradio

24.8.2021 Die Evangelische Kirche ruft auf zur Teilnahme an zwei Interviewstudien des Forschungsverbundes ForuM „Forschung zu sexualisierter Gewalt und anderen Missbrauchsformen in der evangelischen Kirche und Diakonie Deutschlands“. Quellen: Aufruf  www.forum-studie.de
5.8.2021 Der ehemalige Präsident der Evangelisch-Reformierten Kirche Schweiz (EKS) Gottfried Locher hat eine ehemalige Mitarbeiterin missbraucht. Nun entschuldigt sich die EKS, dass sie es versäumt hat, die Frau zu schützen.  Versäumnisse der EKS seien zum Teil auch auf damals fehlende Prozesse und Verfahren der Reformierten Kirche zurückzuführen. Eine Studie plant die EKS nicht – es kämen lediglich Einzelfälle vor. Quelle: Domradio

14.7.2021 Die EKD hat ihr Datenschutzgesetz geändert, um die institutionelle Aufarbeitung sexualisierter Gewalt zu erleichtern. Die Verarbeitung personenbezogenener Daten soll ermöglicht werden. Veröffentlicht werden dürfen diese Daten jedoch nur bei Personen der Zeitgeschichte oder bei Personen, die eingewilligt haben. Quelle: katholisch.de


14.7.2021 Aus der katholischen Kirche traten 221.390 Menschen im Jahr 2020 aus (2019: 272.771). Im Erzbistum Köln waren es 17.281 Austritte. Im Erzbistum München (22.595) und im Erzbistum Freiburg (19.665) lagen die Austrittszahlen höher als in Köln – gemessen in Relation zur Gesamtzahl der Gläubigen. Dies gilt ebenfalls für die Bistümer Berlin, Hamburg, Limburg, Dresden, Hildesheim, Rottenburg-Stuttgart, Augsburg und Bamberg. – Aus der evangelischen Kirche traten 220.000 Menschen aus. Der DBK-Vorsitzende kommentierte: „Viele haben das Vertrauen verloren und möchten mit dem Kirchenaustritt ein Zeichen setzen. Wir nehmen das sehr ernst und müssen uns dieser Situation offen und ehrlich stellen und Antworten auf die Fragen geben, die an uns gerichtet werden.“ Quellen:  katholisch.de DBK katholisch.de


9.7.2021 Die Synode der Evangelischen Landeskirche Sachsens berät ein neues Kirchengesetz zum wirksamen Schutz vor sexuellem Missbrauch, zur Aufklärung von Missbrauchsfällen und zu Hilfen für Betroffene. Eine seit 2012 bestehende unabhängige Kommission beschäftigt sich mit erlittenem Leid durch Haupt- und Ehrenamtliche. Bislang wurden 17 Fälle von Unterstützungs- und Anerkennungsleistungen entschieden. Nähere Angaben machte Hans-Peter Vollbach, Präsident des Landeskirchenamtes nicht. Quelle: t-online


7.7.2021 Der Mannheimer Psychiater Harald Dreßing kritisiert das Tempo und die Methoden der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in den Kirchen. In der katholischen Kirche seien das Tempo und die inhaltliche Ausgestaltung der einzelnen Aufarbeitungskommissionen der Bistümer „sehr heterogen“. Eine bundesweite Aufarbeitungskommission sei nicht vorgesehen. In der Evangelischen Kirche werden erst 2023 die Ergebnisse einer Studie erwartet. Es fehle eine breite empirische Datenbasis und die Analyse kirchenspezifischer Konstellationen, die sexuelle Gewalt begünstigen. Dreßing schlägt eine von der Kirche unabhängige Enquetekommission vor, die auch hilfreich wäre für Aufarbeitungsprozesse in anderen Institutionen. Quelle: domradio.de


30.6.2021 Bundespräsident Steinmeier forderte Solidarität mit den Opfern sexueller Gewalt und eine „Haltung des Hinschauens“ im Kampf gegen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen. Das sagte er Vertreter*innen des Nationalen Rats gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen. Der Rat forderte Schutzkonzepte in allen Schulen und Einrichtungen , die Kinder und Jugendliche betreuen, kindgerechte gerichtliche Verfahren, mehr Schutz im Internet, enge Zusammenarbeit aller beteiligten Behörden in den Ländern und den Ausbau von Hilfen für Betroffene. Die Kirchen forderte der Rat auf, die Aufarbeitung zu beschleunigen, die Täter namhaft zu machen und die Vertuschung zu ächten. Rörig setzte sich für eine Enquetekommission im neuen Bundestag ein. Quelle: evangelisch.de


25.6.2021 In der Landeskirche Hannover soll eine unabhängige Studie zu sexualisierter Gewalt in Auftrag gegeben werden. Im Mittelpunkt steht ein schwerer Missbrauchsfall in Nenndorf bei Hamburg. Die Ansprechpartnerin zur institutionellen Aufarbeitung von Fällen sexualisierter Gewalt, Karoline Läger-Reinbold, berichtet von Missbrauch einer früheren Konfirmandin in den 1980er und 1990er Jahren. Die Landeskirche will wissen, warum niemand eingriff und warum die Leitung den Missbrauch nicht erkannte, obwohl in dem Ort bekannt war, dass der Täter gezielt die Nähe zu jungen Frauen suchte. Die Landeskirche will ungehinderten Aktenzugang ermöglichen und Zeitzeugen befragen lassen.

In der Landeskirche Hannover sind bislang 130 Fälle von sexuellem Missbrauch seit 1945 bekannt. 114 von ihnen ereigneten sich in der Nachkriegszeit in Erziehungsheimen der Diakonie. 16 Fälle geschahen in Kirchengemeinden durch Pastoren, Diakone oder Kirchenmusiker. Seit 1999 gab es sieben Disziplinarverfahren gegen Pastoren, vier Mitarbeitern wurde gekündigt bzw. sie erhielten Aufhebungsverträge. Quelle: evangelisch.de


21.6.2021 Ein evangelischer Pfarrer aus dem Dekanatsbezirk Weiden wurde zu einer Freiheitsstrafe von elf Monaten auf Bewährung verurteilt wegen sexuellen Missbrauchs unter Ausnutzung eines Beratungsverhältnisses mit einer jungen Frau. Der Strafbefehl ist noch nicht rechtskräftig. Ein kirchliches Disziplinarverfahren steht noch aus. Quelle: sonntagsblatt


16.6.2021 Zu elf Monaten auf Bewährung wurde ein evangelischer Pfarrer aus dem Dekanatsbezirk Weiden, Landeskirche Bayern, verurteilt. Er hat sich im Sommer 2019 an einer jungen Frau im Kontext eines Beratungsverhältnisses vergangen. Ein erstes Verfahren wurde von der Staatsanwaltschaft eingestellt, weil kein ausreichender Tatverdacht bestand. 2020 wurde das Verfahren wieder aufgenommen. Am 22. Dezember 2020 wurde der Beschuldigte seines Dienstes enthoben. Das kirchliche Disziplinarverfahren steht noch aus, sagte Dekan Thomas Guba. Quelle: evangelisch.de


15.6.2021  Auf der Webseite „www.du-auch.de“ finden Kinder und Jugendliche ab sofort Hilfe nach einer Gewalterfahrung. Quelle: evangelisch.de


8.6.2021 Die Evangelische Landeskirche der Pfalz will Kinder besser vor sexuellem Missbrauch schützen und verlangt von allen Ehrenamtlichen ein erweitertes Führungszeugnis. Vier Presbyter aus Schifferstadt klagen dagegen, weil sie keinen Kontakt zu Kindern und Jugendlichen haben. Quelle: swr


3.6.2021 Landesbischof Ralf Meister, Hannover, bittet um Entschuldigung für das Versagen der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover beim Schutz von Heimkindern vor sexuellem Missbrauch. Im Zuge der Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt wurden in der hannoverschen Landeskirche in den letzten Jahren rund 120 Fälle sexualisierter Gewalt seit 1945 bekannt. Über 80 Prozent davon sind Fälle in den Einrichtungen der Diakonie. Quelle: NDR


26.5.2021 Die Evangelische Landeskirche Bayern bereut, dass sie sich nicht früher von dem Pädophilie-Befürworter und Sozialpädagogen Helmut Kentler distanziert hat. Das berichten der Landeskirchenrat und der Landessynodalausschuss. Kentler war von 1962 bis 1965 pädagogischer Referent des Studienzentrums für evangelische Jugendarbeit in Josefstal am Schliersee. Er befürwortete eine aufgeklärte Sexualpädagogik, setzte sich jedoch zugleich für die Legalisierung von Pädosexualität ein. Kentler war über drei Jahrzehnte Zentrum eines Netzwerkes "quer durch die wissenschaftlichen pädagogischen Einrichtungen" in Berlin. In Berlin vermittelte die Kinder- und Jugendhilfe systematisch Pflegekinder an Pflegeväter mit pädosexuellen Neigungen. Das Land Berlin will nun bundesweit die Arbeit Kentlers durch die Universität Hildesheim untersuchen lassen. Auch das Studienzentrum Josefstal untersucht Kentlers Einfluss auf die Theorie evangelischer Jugendarbeit. Die Evangelische Landeskirche Bayern wird sich an der Untersuchung beteiligen. Das Studienzentrum für evangelische Jugendarbeit ruft Betroffene auf, sich an die Ansprechstelle für Betroffene von sexualisierter Gewalt der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern zu wenden. Quelle: br


25.5.2021 Ein evangelischer Pfarrer aus dem Dekanatsbezirk Weiden ist vorläufig des Dienstes enthoben worden. Ihm wird sexueller Missbrauch unter Ausnutzung eines Beratungsverhältnisses vorgeworfen. Quelle: BR 


21.5.2021 Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover hat ein Disziplinarverfahren gegen einen ehemaligen Mitarbeiter wegen Vorwürfen sexueller Übergriffe eröffnet. Zudem sei Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet worden. Weitere Details zu dem Verfahren könnten aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht bekannt gegeben werden. Sobald sich ein neuer Stand ergebe, werde die EKD die Öffentlichkeit informieren. Ansonsten verweist die EKD auf die "anlaufstelle help/", an die Betroffene sich wenden können.

Quelle: NDR


18.5.2021 Angesichts der Schwierigkeiten bei der Einbindung von Betroffenenbeiräten in beiden Großkirchen empfiehlt der Jesuit Mertes eine vollständig unabhängige, ohne kirchliche Beteiligung eingerichtete Aufarbeitungskommission. Parallel dazu müssten Betroffene dabei unterstützt werden, sich selbst zu organisieren, um so den Kirchen und der unabhängigen Aufarbeitungskommission "gegenüberzutreten". Beim derzeitigen Konzept der Betroffenenbeiräte sieht Mertes die Gefahr der Instrumentalisierung. Quellen: feinschwarz   katholisch.de


17.5.2021 Annette Zoch kommentiert die Äußerung von Bischof Ackermann über die "Aktivisten", die seiner Ansicht nach nicht mehrheitlich in Betroffenenbeiräten sein sollen: "Seine Aussage und die De-facto-Auflösung des Beirats durch die EKD gegen den Willen der Mehrheit der Betroffenen zeigen, dass das Konzept der Beiräte in ihrer bisherigen Form unter dem Dach der Kirchen problematisch ist. ...Die Kirchen müssen die Aufarbeitung aus der Hand geben. Sie können es nicht alleine. Es ist Zeit für eine unabhängige Wahrheitskommission. Quelle: Süddeutsche


16.5.2021 Die Stimmen, die eine kirchenunabhängige Aufklärung der Missbrauchsfälle in der EKD fordern, mehren sich. Nach Einschätzung von Bettina Limperg, Präsidentin des Bundesgerichtshofs, können die Kirchen die Aufarbeitung nicht alleine bewältigen. Katrin Göring-Eckardt, Synodenmitglied der EKD und Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, plädiert für die Berufung eines unabhängigen Beauftragten. Quelle: domradio


16.5.2021 Kerstin Claus überlegt, wie die Aufklärung der Missbrauchsfälle in der EKD funktionieren könnte. Quelle: 1.wdr.de  ab min. 19


 16.5.2021 ÖKT-Podium mit dem Thema: Wie glaubwürdig sind die Kirchen? Mit Dr. Christiane Florin, Katrin Göring-Eckardt, Wolfgang Rösch, Generalvikar des Bistums Limburg,
Ulrike Scherf, stellv. Kirchenpräsidentin der Ev. Kirche in Hessen und Nassau. An einer Stelle sagt der Generalvikar: "
Wir merken momentan, wie viele Meldungen über Missbrauch aus Jugendarbeit, aus Kindergärten, aus familiärem Zusammenhang und aus Seelsorgezusammenhang kommen. Vor zehn Jahren hätte sich niemand getraut, das zu melden." (ca Minute 48).


 15.5.2021 Philipp Greifenstein betrachtet die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in beiden Großkirchen. Sein Fazit: "Die Evangelische Kirche muss jetzt mit Aufklärung, Aufarbeitung und Prävention des sexuellen Missbrauchs ernst machen, sonst steht ihr eine Krisen-Dekade bevor, wie sie die Katholiken gerade hinter sich gebracht haben – und es wird immer so weiter gehen." Quelle: eulemagazin


15.5.2021 Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, hält die Berufung eines unabhängigen Beauftragten für die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der evangelischen Kirche für unabdingbar. Die stellvertretende Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Ulrike Scherf sagt, das Thema Missbrauch müsse ernst genommen werden. Der Generalvikar des katholischen Bistums Limburg, Wolfgang Rösch, berichtet, dass ihm erst durch die Begegnung mit Betroffenen die Augen geöffnet wurden und "wir" [wer genau?] hätten die Erschütterung gebraucht. Christiane Florin kommentiert, dass sie dann erwarte, dass kein Stein auf dem anderen bleibt. Die Kirchen könnten ihre Verfehlungen nicht selbst aufarbeiten, sagte sie und erinnerte daran, dass der damalige Vorsitzende der Bischofskonferenz, Zollitsch, 2010 von Einzelfällen gesprochen habe, obwohl jeder in Personalverantwortung gewusst habe, dass es viele sind und dass es "akut" ist. Quelle: evangelisch.de


15.5.2021 Eine Stunde zu Kirche und Macht - u.a. mit Katharina Kracht, Johanna Beck und Dr. Barbara Haslbeck.


15.5.2021 Auf dem 3. Ökumenischen Kirchentag hatten zwei Betroffene sieben Minuten Zeit. Katharina Kracht, die dem aufgelösten Betroffenenbeirat der EKD angehörte, sprach drei Minuten. Sie kritisierte die Auflösung des Betroffenenbeirates und die Pressemitteilung der EKD, die voller Halbwahrheiten gewesen sei. Kracht nannte das Vorgehen der EKD "ein gutes Beispiel für Machtmissbrauch". Sie forderte die evangelische Kirche auf, ihre Deutungshoheit in Frage zu stellen. - Johanna Beck vom Betroffenenbeirat der DBK sagte, dass die Missbrauchs- und Vertuschungsgeschehen der Vergangenheit schonungslos ans Licht gebracht und aufgearbeitet werden müssen und Täter und Vertuscher benannt und belangt werden müssen. Betroffene müssten für all das erlittene Leid angemessen entschädigt werden. Die Kirche müsse aus ihren Fehlern lernen und alles daran setzten, dass die Kirche in Zukunft wieder ein besserer und sichererer Ort für die ihr anvertrauten Kinder, Jugendliche und Erwachsene wird. Quellen: Die Eule   katholisch.de  Videos vom 3. ÖKT   evangelisch.de


15.5.2021 Der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz, Bischof Ackermann, erwartet von den Betroffenenbeiräten, dass sie die Kirche beraten sollen und nicht immer als Aktivisten Gegenüber zu sein, wie das z.B. Matthias Katsch ist, der Mitglied im Betroffenenbeirat des UBSKM ist. Bischof Ackermann betont, dass die Rolle der Betroffenenbeiräte nicht sein dürfe, kompromisslos die Fehler aufzudecken und zu keiner Kooperation bereit zu werden und immer den Finger in die Wunde zu legen und dies auch politisch öffentlich zu tun. - Auch Bischof Christoph Meyns, Braunschweig, Sprecher des Beauftragtenrats zum Schutz vor sexualisierter Gewalt in der EKD mahnte eine Rollenklarheit bei Betroffenenvertretern an: "Hier gibt es Rollenvorstellungen, die mit dem Mandat der EKD für einen Beirat die Rolle sprengen würden." Der Beirat könne als Einrichtung des Rates der EKD nicht unabhängig sein, sagte Bischof Meyns. Quelle: katholisch.de

 Kommentar: Es ist gemeinhin die Aufgabe von Prophet*innen, kompromisslos die Fehler aufzudecken, nicht mit den Ausbeutern zu kooperieren, den Finger in die Wunden zu legen und dies auch politisch öffentlich zu tun.


14.5.2021 Anna-Nicole Heinrich, Präses der EKD-Synode, will gemeinsam mit Betroffenen schnell neue Wege der Betroffenenbeteiligung finden. Quelle: evangelisch.de


13.5.2021 Die evangelische Kirche muss bei der Aufarbeitung des Missbrauchs in den eigenen Reihen wieder von vorne anfangen. Der Vertrauensverlust ist enorm. Den Schaden hat allein die evangelische Kirche zu verantworten, kommentiert Tilmann Kleinjung. Quelle: BR


13.5.2021 Katharina Kracht, Betroffenenbeirat der EKD, berichtet u.a., dass der Betroffenenbeirat nicht zur Synode 2020 der EKD eingeladen wurde: "Es hieß, man könne uns nicht zumuten, an einer Synode im digitalen Format teilzunehmen. Dabei hätten wir gern selbst eingeschätzt, was wir uns zumuten können und was nicht. Man hat uns aber gar nicht erst gefragt. Und ich hätte mir das durchaus zugemutet. Ich denke: Man wollte uns einfach nicht dabeihaben." Quelle: Emma


13.5.2021 Einige Eindrücke vom 3. Ökumenischen Kirchentag: Der Prior der Taizé-Kommunität, Frère Alois, ruft zu einer Erneuerung der Kirchen auf, hält Strukturveränderungen für unerlässlich und betont, dass wir auch eine tiefe geistliche Erneuerung brauchen. Der Missbrauch von Schutzbefohlenen in der Kirche habe viel Vertrauen zerstört: „Heilung ist nur möglich, wenn wir zugeben, was geschehen ist“, und wenn die Kirchen die Stimmen der Opfer hörten. Quelle: evangelisch.de


11.5.2021 Katharina Kracht und Henning Stein, Mitglieder des Betroffenenbeirates der EKD, beschreiben ihre Erfahrungen mit dem Betroffenenbeirat. Christiane Florin erklärt die Institution und kommentiert die Auflösung des Betroffenenbeirates der EKD. Quelle: Zeit


11.5.2021 Der Betroffenenbeirat der EKD wird ausgesetzt. Er war als Gegengewicht zum Beuaftragtenrat bei der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der EKD berufen worden, allerdings scheinen die Aufgaben und Kompetenzen des Beirats unklar gewesen zu sein. Die im Betroffenenbeirat verbliebene Mitglieder kritisierten, dass sie nicht ausreichend und rechtzeitig über Sachverhalte informiert wurden. Zudem seien die Anforderungen "weit über das Maß eines üblichen Ehrenamts hinausgegangen." Bislang gebe es keine grundlegenden Standards für die Betroffenenbeteiligung und es fehle an Transparenz. Bischof Meyns bietet den Mitgliedern des Beirates an, sich in einer Zwischenzeit  als Einzelpersonen an bestimmten Prozessen zu beteiligen. Katharina Kracht kritisiert, dass sich die Betroffenen dann nicht untereinander austauschen können. 

Nach Ansicht von Florian Breitmeier scheint es viele Unklarheiten zu geben: Was soll das Gremium leisten? Ist es ein politisches Geemium, das die Interessen Betroffener in klarer Abgrenzung zur EKD vertritt oder ist es ein Gremium, das stärker auf Kooperation setzt? Auch die Kontrollfunktionen sind unklar. Gibt es Stimmrecht in den EKD-Geremien? Hat der Betroffenenbeirat ein robustes Mandat? Quellen: NDR   NDR   Zeit  katholisch.de  kathpress.at


11.5.2021 Mehrere Opfervertreter - Katharina Kracht, Henning Stein und Detlev Zander - kritisieren die Auflösung des Betroffenenbeirates der EKD, über die sie nicht informiert wurden. Damit wolle sich die EKD der Kritik von Betroffenen an ihrer mangelhaften Aufarbeitung entziehen. Verschwiegen werde, dass die Mehrheit des Betroffenenbeirates für eine Fortsetzung der gemeinsamen Arbeit ausgesprochen habe und nun die EKD den Betroffenen das Scheitern der Zusammenarbeit in die Schuhe zu schieben. Quelle: Zeit.de


10.5.2021 Der Betroffenenbeirat der EKD wird vorläufig ausgesetzt, weil die bisherige Konzeption gescheitert sei. Beiratsmitglieder sind zurückgetreten und es gab interne Konflikte zwischen den Mitgliedern. Außerdem wurde zwischen dem Beauftragtenrat und dem Betroffenenbeirat kein Konsens über das weitere Vorgehen erzielt. Die bisherige Form der Beteiligung sei an Grenzen gestoßen, erklärte Bischof Meyns, Braunschweig. Die Arbeit des Beirats soll extern evaluiert werden, danach sollen neue Formen der Beteiligung mit den ursprünglichen Beiratsmitgliedern diskutiert werden. Quellen: evangelisch.de  Domradio


8.5.2021 Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, plädiert für eine staatliche Mitwirkung an der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der Kirche. Er erhofft sich vom Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung Unterstützung und will eine ähnliche Vereinbarung mit ihm treffen, wie sie in der katholischen Kirche getroffen wurde. Quelle: evangelisch.de


8.5.2021 Anna-Nicole Heinrich wurde zur Präses der EKD-Synode gewählt. Wir freuen uns und gratulieren herzlich!


7.5.2021 Die Evangelische Kirche will die Arbeit des Betroffenenbeirates mit sofortiger Wirkung aussetzen. Der Beirat mit 12 Mitgliedern wurde im August 2020 für vier Jahre berufen. Inzwischen sind nur noch sechs namentlich bekannte und ein anonym benanntes Mitglied im Betroffenenbeirat. Die EKD will alle bisherigen Mitglieder zur Evaluation der bisherigen Arbeit einladen. Grund für den Ausstieg von fünf Mitgliedern sind interne Konflikte. Quellen: Zeit.de   br.de   Eule-Magazin


1.5.2021 Ein Mitglied des Betroffenenbeirats der evangelischen Kirche hat die Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt in der EKD kritisiert. Die öffentlich bekannte Zahl von 900 Fällen sei "nicht einmal die Spitze des Eisbergs", sagte das Mitglied des Betroffenenbeirats Katharina Kracht. Zu Recht stehe die katholische Kirche in der Kritik und die evangelische Kirche stehe zu Unrecht nicht in der Kritik, sagte Kracht. Kracht plädierte für eine unabhängige Ombudsstelle und eine bessere Ausstattung und professionelle juristische Beratung des Betroffenenbeirates. Quelle: evangelisch.de


28.4.2021 Im Interview mit der Augsburger Allgemeinen sagt Prof. Dreßing, das Kölner Gercke-Gutachten habe nur wenig Erkenntnisgewinn gebracht – wie die meisten Untersuchungen im Nachgang zur MHG-Studie. Das Ergebnis des Gercke-Gutachtens sei trivial, denn es sei klar gewesen, dass vertuscht wurde. Überrascht habe ihn, wie wenig Namen im Gercke-Gutachten genannt wurden, denn ein Bischof oder Generalvikar sei ja nicht im luftleeren Raum tätig. Untersuchungen ohne die Sicht Betroffener seien nicht weiterführend. Dreßing merkt an, dass der Aufarbeitungsprozess „immer noch nicht sonderlich weit“ sei. Die Verantwortlichen, die ihren Rücktritt angeboten haben, hätten dies erst nach dem Gutachten gemacht: „Durch einen selbstbestimmten Rücktritt kann ein Stück Glaubwürdigkeit zurückgewonnen werden, bei einem erzwungenen nicht“, kommentiert Dreßing. Sein Fazit: „Nach der Vorstellung der MHG-Studie wurde in der katholischen Kirche die große Chance vertan, wirklich verantwortungsvoll mit den Ergebnissen umzugehen und mit der gebotenen Dynamik einen Aufarbeitungsprozess einzuleiten.“ Die „unabhängigen Aufarbeitungskommissionen“ nennt Dreßing „sogenannte unabhängige Aufarbeitungskommissionen, weil in ihnen auch Bistumsvertreter sitzen. Notwendig wäre eine überdiözesane, nationale und völlig unabhängige Kommission, die die Aufarbeitung begleitet und vorantreibt. Dreßing beklagt, dass die Politik nicht aktiv genug ist. Auch das Tempo der Missbrauchsaufarbeitung in der evangelischen Kirche bemängelt er. Quelle: Augsburger Allgemeine


26.4.2021 Missbrauch aufklären – wie kann das gelingen? Ein Podcast mit der Historikerin Ulrike Winkler, die über Missbrauch durch Jugendliche im Margaretenhort in Hamburg-Harburg geforscht hat, das der Evangelisch-Lutherischen Kirche unterstand. Hätte sie nur die Akten angeschaut, würde ihr Bild ganz anders aussehen, berichtet sie. Ihre Studie ist veröffentlicht: Kein sicherer Ort. Der Margaretenhort in Hamburg-Harburg in den 1970er und 1980er Jahren, Verlag für Regionalgeschichte, ISBN 978-3-7395-1285-3 3021 Quelle: reflab.ch


11.4.2021 Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Rörig, ist optimistisch, dass eine „Gemeinsame Erklärung“ zu den Aufarbeitungsstandards mit der Evangelischen Kirche noch im Mai 2021 unterschrieben wird. Vermutlich werden dort vier bis sechs Aufarbeitungskommissionen festgeschrieben. Vorgesehen sind Siebener-Kommissionen: Zwei Betroffene, zwei externe, von der jeweiligen Landesregierung benannte Experten und maximal drei Kirchenleute.  Quelle: Zeit


30.3.2021 In den evangelischen Landeskirchen wird sexueller Missbrauch selten öffentlich. In der Nordkirche wurde bisher in 60 Fällen, in Württemberg in 145 Fällen, in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover in 120 Fällen über Zuwendungen entschieden. Eine Betroffene - Katharina Kracht, heute Mitglied des Betroffenenbeirats der EKD - wandte sich gemeinsam mit der Landeskirche Hannovers an die Öffentlichkeit. Danach meldeten sich bislang acht weitere Betroffene, die vom gleichen Täter missbraucht wurden. Oberlandeskirchenrat Rainer Mainusch sagt, dass es vermutlich noch weitere Betroffene gibt, die sich (noch) nicht gemeldet haben. Häufig gebe es in evangelischen Kontexten Mehrfachtäter. In einigen Landeskirchen ist ungeklärt, wie mit möglichen weiteren Missbrauchsfällen umgegangen werden soll, die im Anerkennungsverfahren bekannt bzw. angedeutet wurden. Das begünstigt bis heute Täter. In der Landeskirche Hannovers werden Missbrauchsfälle veröffentlicht - damit verbunden ist die Hoffnung, dass Kolleg*innen, ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter*innen aufmerksam werden. Sie werden auch von der Landeskirche kontaktiert. Quelle: Eulemagazin


25.3.2021 Die evangelische Kirche in Hamburg hat den jahrelangen Missbrauch im Kinderheim Margaretenhort in Harburg aufgearbeitet. Die Wissenschaftlerin Ulrike Winkler („Kein sicherer Ort„) stellte die Ergebnisse vor. Den Kindern und Jugendlichen wurde nicht geglaubt, wenn sie von sexueller Gewalt durch Jugendliche, die ebenfalls in dem Heim lebten, erzählten. Insgesamt betroffen waren mindestens zehn Mädchen zwischen zwei und 16 Jahren und ein kleiner Junge. Quelle: ndr.de


18.3.2021 Daniel Deckers beschreibt die Rolle katholischer Laien im Umgang mit kirchlichen Msissbrauchsfällen: „Vor dem ansonsten um keine Stellungnahme verlegenen Zentralkomitee der deutschen Katholiken mussten die Bischöfe sich nicht fürchten. Dessen Präsident Thomas Sternberg wollte sogar jüngst von Aufklärungskommissionen ebenso wenig etwas wissen wie die Bischöfe immer schon. Klerikalismus ist kein Privileg geweihter Männer. Laien, die die Parole ‚Loyal an der Seite der Bischofskonferenz‘ ausgeben, sind nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems.“ Deckers empfiehlt den katholischen Bischöfen Deutschlands den Blick nach Chile: „Diese haben dem Papst vor zwei Jahren kollektiv den Rücktritt angeboten, auf dass es in ihrer missbrauchsverseuchten Kirche einen Neuanfang gebe. Aber Chile ist geographisch ungefähr so entfernt wie gefühlt das Schicksal vieler tausend Betroffener.“ In der Evangelischen Kirche gibt es bislang nicht einmal unabhängige Gutachten, die zurückgehalten werden könnten. Quelle: FAZ


17.3.2021 Die württembergische Landeskirche will Missbrauchsfälle in evangelischen Internaten weiter aufarbeiten. Inzwischen habe sich ca 150 Betroffene an die unabhängige Kommission der württembergischen Landeskirche gewendet. Vor wenigen Jahren gingen zudem nach einem Aufruf knapp 30 Meldungen zu sexuellen Übergriffen an den Seminaren ein. Die meisten Meldungen bezogen sich auf ein und denselben mutmaßlichen Täter. Die Studie der EKD wird heute von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Ulm vorgestellt. Ergebnisse sollen 2023 vorliegen. Quelle: t-online


14.3.2021 Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes Wilhelm Rörig, sieht die katholische Kirche im Hinblick auf eine strukturierte unabhängige Aufarbeitung in einer Vorreiterrolle. Das werde durch die „Kölner Tragödie“ verdeckt. Spätestens im Spätsommer gibt es nach Rörigs Einschätzung in allen 27 Bistümern unabhängige Aufarbeitungskommissionen. Die Aufarbeitungskommissionen seien maximal unabhängig, eine Wahrheitskommission daher nicht nötig. Derzeit verhandelt Rörig mit der evangelischen Kirche über eine Vereinbarung, wie sie mit der kath. Kirche getroffen wurde. In Deutschland gebe es großen Nachholbedarf in der Aufarbeitung in den Bereichen Sport, Schulen und Familie. Politik und Gesellschaft hätten den Kampf gegen Missbrauch und für die Aufarbeitung noch nicht zu einer prioritären Aufgabe gemacht. Quelle: katholisch.de


9.3.2021 Katharina Kracht, Mitglied des Betroffenenbeirats der EKD, berichtet aus der Arbeit des Betroffenenbeirates. U.a. weist sie darauf hin, dass in manchen Landeskirchen Betroffene das institutionelle Versagen nachweisen müssen und Gutachten vorlegen sollen.

Quelle: Zeit

Katharina Kracht im Gespräch mit Dr. Christiane Florin


3.3.2021 Mitglieder des Betroffenenbeirats der EKD fühlen sich von der EKD nicht ernst genommen. Sie werfen ihr mangelnde Beteiligung von Opfern bei der Aufarbeitung vor und unzureichende Einbindung in Beratungen Sie beklagen fehlende Information und Partizipation. Die Ausstattung des und die Aufwandsentschädigungen seien mangelhaft. Sie fordern mehr Beteiligung, auch durch Strukturänderungen. An Sitzungen des EKD-Rates wollen sie teilnehmen. Detlev Zander sagte, über Entscheidungen werde der Beirat erst informiert, wenn sie schon gefallen seien. Die EKD widerspricht: "Der Betroffenenbeirat ist selbstverständlich an allen laufenden Entscheidungsprozessen beteiligt." Quelle: evangelisch.de


26.2.2021 Der Beauftragtenrat der Evangelischen Kirche in Deutschland hatte mit dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM), Johannes-Wilhelm Rörig, und mit der Arbeitsgruppe des UBSKM "Aufarbeitung Kirchen" eine Arbeitstagung. Anwesend waren auch zwei Mitglieder des Betroffenenbeirats der EKD. Ergebnis: Die Beteiligten hoffen, noch 2021 eine "Gemeinsame Erklärung" zur Aufarbeitung in der EKD verabschieden zu können. Der NDR berichtet, dass die Gemeinsame Erklärung noch Ende des Sommers 2021 beschlossen werden kann. Quelle: ekd.de


26.2.2021 Die Verzögerungen bei der Aufklärung von Missbrauchsfällen im Erzbistum Köln und das Verhalten des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki schaden nach Ansicht der Theologin Margot Käßmann auch der evangelischen Kirche in Deutschland. Quelle: evangelisch.de


26.2.2021 Im Sommer 2020 wurde bekannt, dass ein ehrenamtlicher Jugendbetreuer des CVJM Lüdenscheid-West und der evangelischen Kirchengemeinde Brügge sich mindestens 30 Jahre an Jugendlichen vergangen hat. Das Presbyterium der Gemeinde hat sich nun in einem offenen Brief an die Betroffenen gewandt. Das Presbyterium anerkennt, dass es in seiner Verantwortung versagt hat und schuldig geworden ist. Es bittet aufrichtig um Verzeihung.  Die Gemeindeleitung steht Betroffenen „für einen direkten und persönlichen Austausch gerne zur Verfügung“. - Inzwischen haben sich mehr als 20 Betroffene zu erkennen gegeben. Quelle: come-on.de


22.2.2021 Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, ruft die Kirchen auf, Unrecht in den eigenen Reihen beim Namen zu nennen und sich konsequent auf die Seite der Betroffenen zu stellen. Dies sagte er in einer gemeinsamen Passionsandacht mit dem Kölner Erzbischof Woelki und wies auf eine "ökumenische Haftungsgemeinschaft" hin. Quelle: evangelisch.de


22.2.2021 Klaus Mertes rechnet in den kommenden zehn Jahren immer wieder mit dem Scheitern der Aufarbeitungsprozesse in der katholischen, vielleicht auch in der evangelischen Kirche. Solange es der Kirche um die Wiedergewinnung von Glaubwürdigkeit gehe, sei dies der falsche „Notenschlüssel“ – es müsse um Gerechtigkeit für die Betroffenen gehen. Mertes warnt vor der Instrumentalisierung Betroffener, die bislang lediglich die Rolle von Zeugen hätten. Nötig sei, die Rolle der Betroffenen im Sinne rechtsstaatlicher Verfahren zu stärken und ihnen den Status von Anklägern zu geben. In der Zeugen-Rolle werde Betroffenen einmal mehr ihre Ohnmacht vor Augen geführt. Er bringt die Gründung von Kommissionen ins Gespräch, die sowohl von der Kirche als auch von Betroffenenverbänden unabhängig seien, vergleichbar der österreichischen Klasnic-Kommission. Quelle: vaticannews   katholisch.de


15.2.2021 Der unabhängige Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, fordert von der Politik mehr Unterstützung. Er sagte, die Politik mache sich den Kampf gegen sexuellen Missbrauch als vorrangiges Thema bis heute nicht zu eigen. Rörig ist irritiert, dass immer erst nach einem Skandal reagiert wird. Die Länder, die für Polizei, Justiz, Jugend, Bildung und Gesundheit zuständig sind, hätten "den goldenen Schlüssel in der Hand".

In der Aufarbeitung der Kirchen sieht Rörig weiterhin Verbesserungsbedarf. Er empfiehlt allen katholischen und evangelischen Kirchenleuten, "sich einen starken Ruck für die Aufarbeitung zu geben". Im Blick auf das Erzbistum Köln fordert Rörig, "zügig" Transparenz sicherzustellen. Die Kölner Gutachten müssten der künftigen Aufarbeitungskommission uneingeschränkt zur Verfügung stehen. Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung hofft, auch mit der EKD bald eine Vereinbarung über die Aufarbeitung zu unterzeichnen. Bislang beschäftigen sich die bestehenden Kommissionen der evangelischen Landeskirchen vor allem mit Anerkennungszahlungen. Unabhängige Aufarbeitungskommissionen müssten auch prüfen, wo vertuscht wurde, wer Verantwortung hatte, wo Missbrauch nicht unterbunden wurde und wie mit Betroffenen umgegangen wurde. Quelle: evangelisch.de   evangelisch.de


12.2.2021 Der BR weist darauf hin, dass die evangelische Kirche noch langsamer als die katholische Kirche in der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt ist. Ein Grund liege darin, dass die evangelische Kirche über Landessysnoden organisiert ist. Kerstin Claus, Mitglied im Betroffenenrat bei der Bundesregierung, berichtet, dass sich nach den Erfahrungen Betroffener in der evang. Kirche nichts geändert habe. Nach wie vor würden Beschuldigte weiter beschäftigt - anderswo. Auch in den Unabhängigen Kommissionen, die über Anerkennungsleistungen entscheiden, sind kirchliche Mitarbeiter*innen. Noch immer gibt es keine verbindlichen und einheitlichen Standards für eine unabhängige Aufarbeitung. Der Journalist Philipp Greifenstein kritisiert mit Betroffenen, dass Aufarbeitung nicht dadurch stattfinde, dass man in der Zukunft etwas besser machen will. Es müsse geklärt werden, wer Verantwortung trage, was mit den Tätern passiere und wie damals und heute mit den Betroffenen umgegangen werde. Quelle: br


4.2.2021 Menschen, die in ihrer Kindheit oder Jugend sexualisierte Gewalt in kirchlichen und diakonischen Einrichtungen im Bereich der rheinischen, westfälischen oder lippischen Landeskirche erlebt haben, erhalten jetzt individuelle Zahlungen. Zuständig ist die Unabhängige Kommission (UK). Das Gremium der Evangelischen Kirche im Rheinland, der Evangelischen Kirche von Westfalen, der Lippischen Landeskirche und des Diakonischen Werkes Rheinland-Westfalen-Lippe (Diakonie RWL) besteht aus sechs Mitgliedern, die über traumatherapeutische, psychologische, theologisch-seelsorgliche, pädagogische und juristische Qualifikationen verfügen. Quelle: evangelisch-in-westfalen.de


1.2.2021 Die Synode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) hat den Rat der Landeskirche beauftragt, ein Kirchengesetz zum Schutz vor sexualisierter Gewalt als gesetzesvertretende Verordnung in Kraft zu setzen.  Seit Ende 2019 gibt es im Bereich der EKKW eine Unterstützungskommission für Opfer sexualisierter Gewalt. Ihr wurden bis Ende 2020 zehn Fälle sexualisierter Gewalt gemeldet. Die ehrenamtlich tätige Kommission befasst sich mit strafrechtlich verjährten Fällen. Thomas Zippert, Koordinator der Kommission, schätzt die Dunkelziffer auf das zehn- bis zwanzigfache. Einige Betroffene haben selbst auf weitere Opfer hingewiesen, die sich bisher nicht gemeldet haben. Quelle: ekkw.de


8.4.2021 Im Interview mit der Augsburger Allgemeinen sagt Prof. Dreßing, das Kölner Gercke-Gutachten habe nur wenig Erkenntnisgewinn gebracht – wie die meisten Untersuchungen im Nachgang zur MHG-Studie. Das Ergebnis des Gercke-Gutachtens sei trivial, denn es sei klar gewesen, dass vertuscht wurde. Überrascht habe ihn, wie wenig Namen im Gercke-Gutachten genannt wurden, denn ein Bischof oder Generalvikar sei ja nicht im luftleeren Raum tätig. Untersuchungen ohne die Sicht Betroffener seien nicht weiterführend. Dreßing merkt an, dass der Aufarbeitungsprozess „immer noch nicht sonderlich weit“ sei. Die Verantwortlichen, die ihren Rücktritt angeboten haben, hätten dies erst nach dem Gutachten gemacht: „Durch einen selbstbestimmten Rücktritt kann ein Stück Glaubwürdigkeit zurückgewonnen werden, bei einem erzwungenen nicht“, kommentiert Dreßing. Sein Fazit: „Nach der Vorstellung der MHG-Studie wurde in der katholischen Kirche die große Chance vertan, wirklich verantwortungsvoll mit den Ergebnissen umzugehen und mit der gebotenen Dynamik einen Aufarbeitungsprozess einzuleiten.“ Die „unabhängigen Aufarbeitungskommissionen“ nennt Dreßing „sogenannte unabhängige Aufarbeitungskommissionen, weil in ihnen auch Bistumsvertreter sitzen. Notwendig wäre eine überdiözesane, nationale und völlig unabhängige Kommission, die die Aufarbeitung begleitet und vorantreibt. Dreßing beklagt, dass die Politik nicht aktiv genug ist. Auch das Tempo der Missbrauchsaufarbeitung in der evangelischen Kirche bemängelt er. Quelle: Augsburger Allgemeine

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