Frei
will
ich
sein.
Aber du hast mich gebunden:
Mit den Wunden meines Körpers und den Wunden meiner Seele,
Mit Todesfurcht, Einsamkeit und Verzweiflung,
Mit Schmerz, Ohnmacht und Entsetzen,
Dich kniend um Gnade anbetteln zu müssen.
Mit
meiner Angst vor dir,
Deinem
Vergnügen an meiner Qual.
Mit
der Trauer um alles Fröhliche,
Dem
Schweigen über das Unsagbare,
Dem
Glauben, das alles zu verdienen,
Der
Hoffnung, etwas ändern zu können.
Mit
meiner Liebe zu dir.
Frei
wollte
ich
sein.
Ich
habe mein Leid verborgen, vergessen, bekämpft,
Erinnert,
angeschrieen und betrauert.
Aber
so wurde ich nicht frei.
Wenn
ich
nicht
ohne
mein
Leid leben kann, will ich mit ihm
leben.
Ich
will umarmen, die ich in meinem Leid geworden bin,
Und
mich willkommen heißen.
Ich
verdiene es zu leben.
Ich
kann nicht frei sein?
Wenn
ich mit meinem Leid tanzen und singen und erschaffen
kann,
Wenn
alles in mir das Leben feiern kann,
Bin
ich schon jetzt ganz,
Bin
ich schon jetzt frei.
(in: Spiegel meiner Seele, hrsg. von
Petra Pauls, Lumen Verlag, Freiburg i.Br. 2005, S. 150 f.)
http://www.lumen-verlag.de/