Missbrauch
                    und Kirche
Dokumentation sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche
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Sexuelle Gewalt in der katholischen Kirche 2009


2009 Expertise Runder Tisch - Heimerziehung: Was hilft ehemaligen Heimkindern bei der Bewältigung ihrer komplexen Traumatisierung? Expertise im Auftrag des Runden Tisches Heimerziehung von Silke Birgitta Gahleitner

30.12.2009 Der emeritierte Erzbischof von Santa Fe, Edgardo Gabriel Storni , ist wegen sexuellen Missbrauchs zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Er war 2002 von einem früheren Seminaristen des Missbrauchs angeklagt worden; die Tat soll 1992 geschehen sein. Der Verurteilte ist über 70 Jahre alt und darf daher die Strafe im Hausarrest abbüßen.

25.12.2009 Eamonn Walsh und Raymond Field, Weihbischöfe der Erzdiözese Dublin, kündigten am Heiligen Abend an, ihre Ämter niederzulegen. Auch mehrere Priester und Diakone baten nach der Veröffentlichung des  Murphy-Berichtes, der den systematischen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch katholische Priester und Kirchenmitarbeiter detailliert veröffentlichte, um Entbindung von ihren Aufgaben.
Quelle: Der Standard

23.12.2009 Der Bischof von Kildare und Leighlin, James Moriarty, hat dem Papst seinen Rücktritt wegen der Vertuschung von Sexualverbrechen in der Erzdiözese Dublin angeboten. Moriarty war von 1991 bis 2002 Weihbischof in Dublin.
Quelle: Yahoo

23.12.2009 Gerry Adams, Vorsitzender der katholischen Partei Sinn Fein, offenbarte kurz vor Weihnachten, dass sein Vater, Gerry senior, einer der Anführer der katholischen IRA-Untergrundarmee, und sein jüngerer Bruder Liam jeweils ihre eigenen Kinder sexuell und emotional missbrauchten.
Quelle: FAZ

17.12.2009 Der irische Bischof Donal Murray, Limerick, ist zurückgetreten. Sein Rücktrittsgesuch wurde vom Papst angenommen. Murray hat - wie andere Bischöfe auch - kirchliche Missbrauchstäter geschützt. Der Papst hatte letzte Woche von seiner tiefen Verstörung und Betrübnis angesichts des Skandals gesprochen. Der Gesandte des Vatikan hingegen hatte nach einem Spiegelbericht in Dublin die Arbeit der Murphy-Kommission boykottiert. Auch der pensionierte Dubliner Erzbischof Desmond Conwell habe noch im letzten Jahr versucht, die Arbeit der Kommission für Kindesmissbrauch zu blockieren, indem er ihr den Zugang zu den Akten verwehrte.
Quelle: Der Spiegel
Conwell war 2003 vorgeworfen worden, er habe verdächtige Priester versetzt. Ob diesem Vorwurf gerichtlich nachgegangen wurde, weiß ich nicht. - Bereits 2002 gab es eine Opfer-Vereinigung in Irland, der 800 Opfer von priesterlichen Missbrauchstätern angehörten. Im Februar 2003 lagen mehr als 400 Klagen allein in der Erzdiözese Dublin wegen sexuwellen Missbrauchs vor. Im September 2004 gingen Kirche und Regierung in Irland von ca 11.000 mutmaßlichen Opfern sexuellen Missbrauchs durch Kirchenmitarbeiter aus.
Dass der Papst erst Ende 2009 erschüttert ist, ist kaum nachzuvollziehen.

12.12.2009 "Bestenfalls unaufrichtig" sei das Bedauern, das der Papst nach dem Murphy-Bericht geäußert habe, sagte der Vorsitzende der irischen Opfergruppe "One in Four", Maeve Lewis. Der Papst müsse seit langem vom Ausmaß des Problems gewusst haben.
Quelle: Domradio
Kommentar: Es hilft den Opfern nicht, wenn seit Jahren in schöner Regelmäßigkeit päpstliche und bischöfliche "Entschuldigungen" vor der Presse verlautbart werden - und sich für die Opfer nichts ändert. S i e  werden nach wie vor verdächtigt, dem Ruf der Kirche zu schaden. Zuletzt hat der Papst, der sich gestern wieder einmal entschuldigte, in seinem Brief zum Priesterjahr den Opfern und jenen, die mit ihnen solidarisch sind, unterstellt, sie seien "eigensinnig" und sie liebten ihre Kirche nicht. Solange dieses Denken im Vatikan, bei den Bischöfen und auf allen (!) Stufen katholischer Hierarchie - in der Regel unausgesprochen, aber auch völlig naiv offen gelegt wie zuletzt im Brief zum Priesterjahr - vorherrscht, so lange wird es die täterschützenden Seilschaften geben, die der sie bislang favorisierende Papst dann wortreich beklagt. Was Missbrauchsopfer brauchen, das ist glaubwürdige Solidarität. Ich kenne kein (familiäres oder kirchliches) Missbrauchsopfer, das nicht sehr genau zu unterscheiden wüsste zwischen ehrlicher und glaubwürdiger Anteilnahme und Solidarität - und unaufrichtigen Mitleids-Beteuerungen. Wenn Kirche vom kleinsten Mitglied bis zum Papst sich nicht wirklich zu den Opfern "bekehrt", werden wir noch viele Jahrzehnte mit folgenlosen und unglaubwürdigen Worthülsen der Entschuldigung zubringen, die niemandem helfen - den Opfern nicht und nicht mal dem Papst. Dem Evangelium schon gar nicht.
Erika Kerstner,
die der irischen Opferorganisation aufgrund eigener Erfahrungen nur zustimmen kann: "Bestenfalls unaufrichtig" ist das päpstliche Bedauern. Sollte sich an meiner Einschätzung etwas gravierend ändern, wäre ich die Letzte, die das nicht hier und nicht öffentlich sagen würde.
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11.12.2009 Der Papst zeigte sich im eineinhalbstündigen Gespräch mit irischen Bischöfen bestürzt über die im Murphy-Bericht benannten Missbrauchsfälle in der kath. Kirche Irlands. Er werde die Aufklärung persönlich verfolgen. Der Bericht befasst sich mit Vorwürfen aus den Jahren 1975 bis 2004, die von 320 Personen erhoben wurden. Seit Mai 2004 kamen 130 weitere Vorwürfe hinzu.
Wie die Absichtserklärung des Papstes, er werde die Aufklärung persönlich verfolgen, mit seiner im Brief zum Priesterjahr geäußerten Empfehlung an die Christen, die "Schwächen der Priester" nicht "eigensinnig aufzudecken", in Einklang zu bringen ist, weiß ich nicht. (E.K.)
Quelle: ORF

10.12.2009 Die irischen Bischöfe haben - wieder einmal - um Vergebung für den Missbrauch von Kindern durch Priester und die Vertuschung durch die Kirche gebeten. Sie erklärten, der Murphy-Bericht habe Schreckliches in schockierendem Ausmaß zutage gefördert und sprechen davon, dass eine Vertuschungskultur bei "Missständen" innerhalb der Kirche offenbar weit verbreitet gewesen sei.
Quelle: Radio Vatikan
Die Bischöfe scheinen also wieder einmal über sich und über diejenigen, die in den eigenen Reihen Verbrecher schützten, entsetzt zu sein. Es bleibt zu hoffen, dass das Entsetzen als Solidarität bei den Opfern auch ankommt. Dass Täter in der irischen Kirche geschützt werden, war spätestens 2003 bereits abzusehen. Schon damals waren allein in der Erzdiözese Dublin 400 Missbrauchsfälle bekannt. 2004 sprach der Erzbischof Martin von 11.000 mutmaßlichen Opfern. 2005 klagten 15000 mutmaßliche Opfer gegen die Kirche. Seither vergeht kein Jahr ohne Nachrichten. Bereits Mitte der 80er Jahre ließ der damalige Erzbischof der Diözese Dublin seine Diözese gegen mögliche Missbrauchs-Prozesse versichern. Das tut nur jemand, der den Umfang eines Problems ahnt - oder davon weiß.

9.12.2009 Der päpstliche Nuntius in Irland äußerte Verständnis für die Wut der Menschen und das Leid der Missbrauchsopfer. Er äußerte Beschämung. Opferorganisationen hingegen sagen, die Äußerung von Bedauern sei unglaubwürdig, solange Kirchenverantwortliche, die durch Wegsehen weiteren Missbrauch von Kindern ermöglicht hätten, im Amt verblieben.
Quelle: Domradio
Kommentar: Es gehört seit 2002 zum Ritual der Kirche, Verständnis, Entschuldigungen, Beschämung.... über den sexuellen Missbrauch von Kindern durch Kleriker und Kirchenmitarbeiter zu artikulieren. Die Bitten um Vergebung scheinen jedoch nicht bei den Opfern anzukommen. Nach 7 Jahren, in denen dieses Ritual praktiziert wird, sollte doch langsam das Nachdenken darüber einsetzen, warum die Vergebungsbitten bei den Betroffenen nicht ankommen. Dann wäre es höchste Zeit, bei ihnen nach den Gründen zu fragen.
Und es müsste in Rom überlegt werden, den Papstbrief zum Priesterjahr zu ändern: Anstelle der bisherigen Aufforderung zum Vertuschen von Verbrechen müsste die Aufforderung stehen, sie aufzudecken. Und es müsste eine Zusage der Kirche geben, bei den Verbrechensopfern nachzufragen, was an Solidarität der Kirche sie benötigen.

8.12.2009 Ein Hamburger evangelischer Pastor steht unter dem Verdacht, kinderpornografische Bilder zu besitzen. Gegen ihn wird auch wegen Kindesmissbrauch ermittelt. Er wurde suspendiert.
Quelle: News Yahoo

7.12.2009 Der Papst hat für den kommenden Freitag den Bischofskonferenzvorsitzenden von Irland und den Erzbischof von Dublin, Diarmuid Martin, nach Rom eingeladen. Er möchte sich über die schmerzliche Situation der Kirche in Irland informieren.
Die Presse berichtet auch, dass der Bischof von Limerick, Donal Murray, dem Papst seinen Rücktritt angeboten habe. Murray war von 1982 bis 1996 Weihbischof in Dublin. Ihm wurde im Murphy-Bericht vorgeworgfen "unentschuldbar" in einem bekannten Missbrauchsfall reagiert zu haben.
Quelle: ORF

6.12.2009
In Irland steigt der Zorn über die dortigen Bischöfe, soweit sie sich weigern, Verantwortung für den Schutz zu übernehmen, den sie kirchlichen Missbrauchstätern gewährten. Auch die Fragen an den Vorgesetzten der Bischöfe, an den Papst, werden lauter.
Quelle: südkurier

4.12.2009 Der irische Orden "Sisters of Mercy" will eine Entschädigung von knapp 128 Millionen Euro wegen des jahrelangen seelischen, körperlichen und sexuellen Kindesmissbrauchs in Schulen und Waisenhäusern zahlen.
Quelle: ORF

4.12.2009  14.768 Iren und Irinnen haben nach einem Aufruf der irischen Regierung eine Entschädigung für Misshandlungen und Missbrauch beantragt, die sie in kirchlichen Kinderheimen, Waisenheimen, Internaten und Kinderspitälern erlitten haben. Die Entschädigungssumme könne bei über 1 000 000 000 Euro liegen, teilte der Entschädigungsausschuss für Heimbewohner (RIRB) mit. Die Kirche muss maximal 128 Millionen Euro zahlen, den Rest übernimmt der Staat.
Quelle: 20min.ch

30.11.2009 Bereits Mitte der achtziger Jahre ließ der damalige Erzbischof der Diözese Dublin seine Diözese gegen mögliche Missbrauchs-Prozesse versichern. Die Kirchenleitung war sich also im Klaren, dass die bekannten Anklagen von Missbrauch durch katholische Priester Straftaten waren.
Quelle: Maerkische Allgemeine

28.11.2009 Radio Vatikan interviewte Diarmuid Martin, der seit 2004 Erzbischof von Dublin ist, zum Murphybericht. Martin sagte: „Ich denke an den Schrecken, den sie [die Opfer] durchgemacht haben. Besonders denke ich an eine ganz bestimmte Gruppe, nämlich an diejenigen, die bis jetzt noch nicht fähig sind, ihre Geschichte selbst zu erzählen. In ihnen werden furchtbare Gefühle und Erinnerungen beim Lesen dieses Berichtes wach, Gefühle, mit denen sie noch nicht zu Recht kommen. Ich habe in den letzten Jahren viele, viele Opfer getroffen und konnte sehen, wie ihr Leben oder Teile ihres Lebens zerstört sind. Sie mussten mit dem furchtbaren Leid jahrelang leben. Es ist natürlich besser, wenn sie für sich selbst sprechen, aber ich kann mir auch vorstellen, dass für einige die Tatsache, dass jetzt die Wahrheit ans Licht kommt, sehr wichtig ist.“...„Es ist sehr traurig, dass einerseits die Eltern und die Opfer, die an die Öffentlichkeit gegangen sind, keinen Zweifel daran hatten, wie schwerwiegend dies alles war; die Leiter unserer Kirche scheinen nicht die gleiche Wahrnehmung gehabt zu haben, wie desaströs das alles für Kinder war. Das ist ein Kapitel in der Geschichte der Erzdiözese Dublin, das sehr traurig ist. Es wird bleiben. Wir können das nicht verleugnen. Es hat keinen Sinn zu sagen, mit dem Bericht sei alles vorbei, jetzt sei wieder alles normal. Die Kirche muss sich ändern und ich glaube, es wird auch gut für uns sein, dass wir uns diesem Kapitel unserer Geschichte ganz gestellt haben.“
Quelle: Radio Vatican
Dass Martin mit Opfern gesprochen hat, ist im Interview zu erkennen. Üblicherweise ermessen Kirchenleute lediglich den Schaden, der der Kirche durch die Missbrauchsfälle angetan wurde. Der Schaden, den die Opfer nahmen, bleibt in der Regel unerwähnt. Und von der Solidarität der Sonntagsreden mit Opfern weiß wochentags kaum noch jemand.

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26.11.2009 Den irischen Bischöfen Mc Quaid, Ryan, McNamara und Conell war der Ruf der katholischen Kirche wichtiger als das Schicksal der Opfer. Sie hielten Dokumente zurück, die Priester belasteten. Die Untersuchungskommission forschte in zuvor geheimen Unterlagen der Kirche über den Umgang mit Missbrauchsfällen in der Erzdiözese Dublin 1975 bis 2004. Untersucht wurden die Fälle von 46 (von 150 beschuldigten) Priestern, die mindestens 320 Kinder missbraucht hätten. Die Kommission zweifelt nicht daran, dass die 46 Priester deutlich mehr als 320 Kinder missbrauchten. Kindesmissbrauch sei im untersuchten Zeitraum weit verbreitet gewesen. 1995 nach 7 Amtsjahren habe der Erzbischof Conell der Polizei Zugang zu seinen Unterlagen in 17 Fällen gewährt. Die Kommission wies die Aussage der Bischöfe zurück, dass sie vom Umfang des Missbrauchs nichts gewusst hätte.
Zu den 60 000 untersuchten Dokumenten gehörten mehr als 5 500, die im privaten Tresor des Erzbischofs Connell lagerten.
Quelle: baz online

25.11.2009 Haben die Opfer eine Chance? Unter dem Titel "Das Kreuz und die Kirchen" geht Gotthard Fuchs in CiG der Frage nach, welche Bedeutung das Kreuz für die Christen - und die Welt - hat.

25.11.2009 Das katholische Bistum Fairbanks, Alaska, wird an fast 300 Opfer sexuellen Missbrauchs 10 Millionen Dollar zahlen. Auf diesen Betrag einigten sich Kirche und Opfer.
Quelle: http://tagesschau.sf.tv/content/view/full/2493690

24.11.2009 Der Generalobere der "Legionäre Christi" hat sich bei den Opfern von sexuellen Übergriffen des Ordensgründers Marcial Maciel Degollade (gest. 2008) entschuldigt.
Quelle: kipa.apic

24.11.2009 Der Vorsitzende der Australischen Bischofskonferenz hat sich bei den ehemaligen Heimkindern in Australien entschuldigt. Es geht dabei um die Kinder, die in der Zeit der Kolonialherrschaft aus ihren Familien genommen wurden und in Waisenhäusern aufwuchsen. Dort wurden sie oft auch mit Gewalt und sexuellem Missbrauch "umerzogen". Die kath. Kirche setze sich für die Begleitung ehemaliger Heimkinder ein und fördere den Dialog mit allen, die durch einen Heimaufenthalt geschädigt wurden, berichtet die Presse.
Quelle: glaube-aktuell

17.11.2009 Gewaltherrschaft in deutschen Kinderheimen - Triggergefahr
Quelle: FR

3.11.2009 Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Zollitsch, bedauert das Unrecht sehr, das ehemaligen Heimkindern in katholischen Heimen zugefügt wurde. Er hat sich mit drei ehemaligen Heimkindern getroffen und mit ihnen gesprochen.
Quelle: Erzbistum Freiburg

31.10.2009 In Freiburg will ein wegen Körperverletzung und Betrug verurteilter katholischer Priester verhindern, dass das Buch seines Opfers erscheint.
Quelle: Badische Zeitung

30.10.2009 Bedrückende Zeugnisse davon, was der Mensch dem Menschen antun kann - Heimkinder in Hessen - FR

11.10.2009 Ortstermin in einem Dorf des Schweigens. Zwischen 1987 und 2003 soll ein Kirchenorganist ein ursprünglich sechs Jahre altes Mädchen immer wieder missbraucht haben. Er soll sich auch mit glühenden Eisen und Holzstöcken misshandelt haben. Der mutmaßliche Täter ist im 200-Seelen-Dorf ein angesehener Mann. Der Pfarrer des Dorfes erfuhr 2001 von dem Vorwurf. Er stellte den Täter nicht zur Rede, er informierte auch nicht das zuständige Bistum Fulda, er tat gar nichts. Die heute 29-jährige Frau erstattete 2006 Anzeige. Laut FR ist das mutmaßliche Opfer multipel. Der Staatsanwalt wundert sich, das in einer so kleinen Ortschaft eigentlich irgendjemand irgendwann etwas hätte bemerken müssen. (Der Staatsanwalt sollte wissen, dass Täter ihre gesamte Umwelt manipulieren und dass sie nur eines brauchen, um weitermachen zu können: Das Schweigen der Zuschauer.)
Quelle: FR


31.10.2009 In dem Artikel in der Welt werden die US-amerikanischen Diözesen aufgelistet, die bereits Insolvenz beantragt haben, weil sie die Entschädigungszahlen für Missbrauchsopfern von kath. Priestern und Kirchenmitarbeitern nicht mehr zahlen können. Zitiert wird der Opferanwalt Robert Jacobs: "Die Arroganz der Diözese bei den Verhandlungen habe ich in keiner anderen Art von Verhandlung erlebt, die ich je hatte." Ebenfalls wird eine Äußerung von Bartholomew J. Dalton, der einer Anwaltskanzlei angehört, die mehr als 50 Missbrauchsopfer repräsentiert, wiedergegeben: "Die Diözese von Wilmington hat ihren Bankrott nur aus einem einzigen Grund erklärt: Um Hunderte von Verhandlungen wegen Kindesmissbrauchs im gesamten Bundesstaat zum Stillstand zu bringen. Es handelt sich um einen kalkulierten und verwerflichen legalen Trick, der Opfer von sexuellem Missbrauch um die Chance bringt, vor Gericht auszusagen. ... Einfach ausgedrückt, hat dieser Antrag nichts mit Geld zu tun, aber alles mit Geheimniskrämerei." Anders sieht es für den Erzbischof von Balitmore aus: Er sei "aufgewühlt und betrübt", erklärte er im Internet und betonte, dass seine "Solidarität und Unterstützung den katholischen Brüdern und Schwestern in WWilmington gelte und allen, die von der schmerzlichen und unglückseligen Entscheidung der Diözese Wilmington betroffen seien. Im Übrigen weist er auf seine "lang anhaltenden und weitergehenden Bemühungen" hin, den Opfern sexuellen Missbrauchs durch Priester und andere Kirchenrepräsentanten, Heilung zu bringen.
Quelle: welt.de

24.10.2009 Die Diözese Belleville, Illinois, beendete einen sehrsjährigen Rechtsstreit mit der Zahlung von 1,2 Millionen Dollar (800.000 Eure) an einen ehemaligen Ministranten, der mutmaßlich (?) vom Gemeindepfarrer missbraucht wurde. Der Priester stand im vergangenen Jahr in einem ähnlichen Fall bereits vor Gericht. Die Diözese hat Rechtsmittel gegen das Urteil eingelegt.
Quelle: Wiener Zeitung

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23.10.2009 Der frühere Bischof von Santa Rosa, Geoge Patrick Zimann, ist gestorben. Er hatte wegen sexuellen Missbrauchs und wegen Finanzskandalen sein Bistum aufgeben müssen. 16 Millionen Dollar Schulden hat er seiner Diözese hinterlassen.  Geweiht worden war er von Kardinal Mahoney von Los Angeles, dem das Vertuschen sexuellen Missbrauchs vorgeworfen wird und der Täter immer neu versetzte. Nach einer von der Katholischen Kirche in den Vereinigten Staaten selbst in Auftrag gegebenen Untersuchung, deren Ergebnisse im Februar 2004 veröffentlicht wurden, haben sich in den vergangenen 50 Jahren mehr als 4000 amerikanische Priester an gut 10.000 Kindern vergangen. Die Opfer waren in der Mehrzahl Jungen.                               
Quelle: Los Angeles Times

19.10.2009 Der Bischof der Diözese Wilmington, Francis Malooly, erklärte in Annapolis, dass das Bistum Konkurs angemeldet habe. Dies geschehe, um bei begrenzten Mitteln alle Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester gerecht zu behandeln. Die Entscheidung hat zur Folge, dass der für den 19.10.2009 angesetzte erste von acht Prozessen verschoben wird. Der Anwalt der Kläger, Thomas Neuberger, warf dem Bistum vor, sich um seine Verantwortung zu drücken und die Wahrheit vor der Öffentlichkeit zu verbergen. Er befürchte, dass kranke und ältere Kläger, die z.T. bereits im Alter von 8 Jahren von Priestern missbraucht wurden, keine Gerechtigkeit erfahren würden.
Quelle: baz

7.10.2009 Die FR berichtet, dass der kanadische Bischof Raymond Lahey bereits in den 80er Jahren von einem Jugendlichen belastet wurde. Der Jugendliche habe 1985 im GEspräch mit einem GEistlichen angegeben, er habe in der Wohnung des damaligen Pfarrers Lahey Pornografie gesehen. Auch der Amtsvorgänger im Bischofsamt sei informiert worden. Ob die Vorgesetzten etwas - und wenn ja was - unternommen haben, wird nicht berichtet.
Quelle: FR vom 7.10.2009 S. 8

3.10.2008 Der kanadische Bischof Raymond Lahey hat sich gestellt. Er zahlte 6000 Euro Kaution und darf weder Parks besuchen noch das Internet nutzen. Er wird verdächtigt, kinderpornografisches Material zu besitzen. (Da mir in einem Park noch nie Kinderpornografie begegnete und anderen Menschen vielleicht auch nicht, darf spekuliert werden.) Der Papst hat den Rücktritt des Bischofs von Anitgonish angenommen.
Zur Erinnerung: Kinderpornografie heißt im Klartext, dass Kinder misshandelt, sexuell missbraucht, gefoltert wurden und ihre Folter aufgezeichnet wurde. Und der Bischof sich die gefolterten Kinder mit Vergnügen angeschaut hat.
Quelle: rp-online
Erst am 7.8.2009 hatte der Bischof ca 12,9 Mio Franken (8,3 Mio Euro) wegen sexuellen Missbrauchs durch einen Priester der Diözese Antigonish, Provinz Neuschottland, an die mehr als 10 Opfer und ihre Familien gezahlt. Damals sprach er von einem "verwerflichen Handeln" des Priesters. Und er sprach davon, dass Geld keine vollständige Entschädigung bringen könne, die kirche sich jedoch "mitfühlend zeigen" wolle. (Kommentar: Sich mitfühlend zeigen garantiert noch nicht, dass jemand auch mitfühlend ist.)
Quelle: nzz

1.10.2009 Erzbischof Silvano Tomasi fordert laut Radio Vatikan, beim Kindesmissbrauch nicht nur auf die katholische Kirche zu schauen, sondern auch auf die Skandale in anderen Kirchen und Religionsgemeinschaften. Er verwies augf die protestantischen Kirchen in den USA und die dortigen jüdischen Gemeinschaften. Wörtlich sagte er: „So wie die Kirche vor ihrer Tür gekehrt hat, sollten das jetzt auch mal andere Institutionen und Autoritäten tun, und zwar mit der gleichen Offenheit den Medien gegenüber!“
Quelle: Radio Vatikan
Der Erzbischof wies weiter darauf hin, dass die ihm vorliegenden Studien zeigten, dass 1,5 bis 5 Prozent der Geistlichkeit in den letzten 50 Jahren in Kindsmissbrauchsfälle verwickelt gewesen sei. Nach anderen Quellen machte er Homosexuelle in 90% der "Fälle" für Kindesmissbrauch verantwortlich.

Kommentar: Woher dieses Wissen über Homosexuelle als Täter stammt, ist mir unbekannt. Seriösen Studien konnte ich dies bislang nicht entnehmen. Allerdings gibt es seriöse Studien, die im Untersuchungszeitraum (1950 - 2002) von 4% aller US-amerikanischen Priester ausgehen, die Kinder und Jugendliche missbrauchten. (United States Conference of Catholic Bishops, The Nature and Scope of Sexual Abuse of Minors by Catholic Priests and Deacons in the United States 1950-2002). Für Deutschland hochgerechnet wäre - bei gleichem Anteil an Tätern an der Gesamtzahl der Welt- und Ordenspriester (15 222) - von ca 608 priesterlichen Missbrauchstätern auszugehen. Ob die Verbrechen dieser vermuteten statistischen Täter, die nicht selten mehr als ein Opfer haben, tatsächlich für die Opfer erträglicher sind, wenn die katholische Kirche sie mit Missbrauchstaten anderer Konfessionen und Religionen "abgleicht", bezweifle ich.

22.9.2009 Im Prozess gegen einen ehemaligen Organisten der katholischen Kirche in Eiterfeld/Rhön kam zutage, dass der Vater und das mutmaßliche Opfer im Sommer 2001 den Gemeindepfarrer über den Missbrauch in der Sakristei informiert hatten. Damit erklärten Vater und Tochter, warum die Tochter den Dienst als Küsterin niederlegte. Der Pfarrer sprach nicht mit dem beschuldigten Organisten. Er entband ihn auch nicht von seinem Ehrenamt. Erst 2006, als das mutmaßliche Opfer Anzeige erstattete, wurde der Organist von seinem Amt suspendiert.  Am 27.9.2002 hat die Bischofskonferenz Leitlinien zum Umgang mit Missbrauch beschlossen. Spätestens dann hätte der Pfarrer wissen müssen, an wen er sich wenden kann und muss.
Quelle: Fuldaer Zeitung

16.9.2009 Eine Polizistin fasst die Aussage eines Organisten aus dem Raum Fulda zusammen, der des Missbrauchs angeklagt ist: „Er sagte, das Mädchen habe freiwillig und gern mitgemacht und er wolle nichts mehr sagen, um das Mädchen nicht zu belasten.“ 1987 bis 2003 wurde die heute 29-Jährige von ihrem Onkel, einem  im Dorf sehr angesehenen Mann, missbraucht. Der Missbrauch begann, als sie 7 Jahre alt war. Mehrere Menschen - incl. des Pfarrers - haben vom Missbrauch gewusst. Niemand hat den Onkel zur Rechenschaft gezogen.
Quelle: Fuldaer Zeitung

14.9.2009 In Verona, Italien, klagen 67 ehemalige Schüler einer katholischen Taubstummen-Schule 24 katholische Kleriker und Kirchenmitarbeiter an, sie missbraucht zu haben. Unter den Beschuldigten ist auch der Bischof Carraro sein, der inzw. gestorben ist. Dier Diözese von Verona setzte eine Untersuchungskommission ein, die Carraros Unschuld feststellte. Der Nachweis der Unschuld des Bischofs wurde durch Befragung des Personals der Taubstummen-Schule geliefert. Eine Befragung der mutmaßlichen Opfer fand nicht statt. Der eingeleitete Seligsprechungsprozess für Bischof Carraro wird fortgeführt. Die Diözese Verona spricht von Ausnahmefällen und davon, dass alle Schuldigen suspendiert seien. Den anklagenden ehemaligen Schülern warf die Schule vor, unschuldige Geistliche bewusst denunziert zu haben.
Eine offizielle Statistik gibt es nicht. AP hat auf der Basis von Medienberichten, Angaben vonopfergruppen und Betroffenen-Blogs eine Liste von mindestens 73 Missbrauchsfällen mit rund 235 Opfern aufgestellt.
Quelle: Basler Zeitung

13.9. 2009 Ein Jahr lang sammelte AP Missbrauchsvorwürfe gegen Priester in Italien. Das Ergebnis: 73 Fälle mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Priestern gegen Minderjährige in den letzten zehn Jahren in Italien, mit mehr als 235 Opfern. Fast alle Fälle wurden seit 2002 öffentlich.

12.9.2009 Im Bistum Paderborn wurde ein ehemaliger katholischer Geistlicher, Dr.F.E., 72, wegen sexuellen Missbrauchs zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Das Urteil ging von 30 Missbrauchsfällen aus, die 13-15-jährige Jungen betraf. Der Verurteilte war als Missionar in Nicaragua und hatte einen libanesischen Jungen adoptiert. Er berichtete, mit 27 habe er gemerkt, dass er homosexuell sei. (Auch hier wird wieder einmal Homosexualität mit Pädophilie verwechselt.) Das Erzbistum Paderborn ließ über seinen Sprecher Ä. Engel mitteilen, dass dem Bistum dieser Vorfall nicht bekannt gewesen sei. Seit 2001 habe es keinen Kontakt mehr zu dem Priester gegeben, 2002 sei er suspendiert worden, 2008 trat er aus der Kirche aus.
Quelle: Der Westen und "Bild"

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5.9.2009 Ein Brief von P. Sylvester Heeremann LC, dem Verantwortlichen des Ordens für Mitteleuropa, an die Legionäre Christi

3.9.2009 Der Vatikan prüft, ob die Nachricht stimmt, dass der Gründer der Gemeinschaft „Legionäre Christi“, Pater Marcial Maciel Degollado, nicht nur eine Tochter, sondern weltweit mindestens fünf weitere Kinder habe. Der Rechtsvertreter der mutmaßlichen Kinder ist Jose Bonilla. Maciel Degollado wurde seit den 90er Jahren des 20. Jhs. von Seminaristen sexueller Missbrauch vorgeworfen. Ein Verfahren gab es nicht. Er erhielt von der Kirche lediglich die Auflage, ein zurückgezogenes Leben zu führen. Eine zur Zeit laufende Visitation will dem Vorwurf der Kinderzeugung durch Maciel Degollado nachgehen. Der Vorwurf sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen war für den Vatikan kein Grund zur Überprüfung.
Quelle: Radio Vatikan
Ein Kommentar von Christian Modehn - 12.6.2009 (nicht mehr online)
Modehn berichtet, dass die "Legionäre Christi" die Befreiungstheologie bekämpfen. Sie vertreten eine »teologia de la prosperidad«, eine Theologie des Wohlstands, die den Reichen erklärt, ihr üppiges Leben sei gottgewollt.
Zweiter Kommentar von Christian Modehn - 24.8.2009 (nicht mehr online)
Modehn spricht davon, dass im Orden der Legionäre Christi immer wieder Missbrauchsfälle bekannt wurden und es vermutlich ein pädophiles Netzwerk gab. Dass der Ordensgründer mindestens seit den 60er Jahren ungehindert Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene missbrauchen konnte, spricht dafür, dass er Helfershelfer hatte und dass viele weggeschaut haben.
Noch der heutige Papst - als er noch Kardinal war - teilte dem Missbrauchsopfer José Barba mit:  „Da kann ich nichts machen, der Orden gibt dem Johannes Paul II. Papst viel Geld“.
Die Legionäre Christi unterstützen das Internetportal ZENIT. Im Impressum heißt es dort: "Die Organisation „Kirche in Not“, die Italienische Bischofskonferenz und die Kongregation der Legionäre Christi setzten großes Vertrauen in das Projekt und ermöglichten mittels großzügiger Spenden die Gründung der Nachrichtenagentur ZENIT und ihr anfängliches Wachstum.")
s. auch: http://religionsphilosophischer-salon.corbida.de/keys/legionare-christi

26.8.2009 Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen 31-jährigen Vikar aus dem Erzbistum Paderborn. Er soll in mehr als 100 Fällen Kinderpornografie besessen und verbreitet haben. Er soll weitgehend geständig sein. Vom Dienst wurde er suspendiert.
Quelle: Spiegel

9.8.2009 CiG Nr. 32, 61.Jg. vom 9.8.09, S. 358, berichtet, dass der Vatikan den Franziskaner Tomislav Vlasic vom Priesteramt suspendierte. Vlasic muss den Orden verlassen, weil er sich weigerte, der Glaubenskongregation zu gehorchen, weil er Irrlehren verbreitet habe, spirituelle und finanzielle Manipulationen und schließlich schwere sexuelle Verfehlungen begangen habe. Er war im Wallfahrtsort Medjugorje tätig.

8.8.2009 Die WZ berichtet, dass das kanadische Bistum Antigonish wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern durch einen Priester, der kurz nach Bekanntwerden der Verbrechen starb, an die Opfer, mehr als zehn Minderjährige, umgerechnet 8,4 Millionen Euro Schadenersatz zahlt. Das Geld soll von den Mitgliedern der Gemeinde erbracht werden.
Quelle: Wiener Zeitung

7.8.2009 Das kanadische Bistum von Antigonish, Provinz Neuschottland, zahlt Opfern umgerechnet 8,4 Millionen Euro. Das Geld solle von den Mitgliedern der Gemeinde eingesammelt werden.
Quelle: n24.de
2011 wurde dieser Bischof mit Kinderpornografie im Handgepäck festgenommen: diepresse.com

1.8.2009 Offener Brief an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz zum Brief des Papstes anlässlich des Priesterjahres. Bislang gibt es keine Antwort. 3.9.2009

30.7.2009 Das Bistum Regensburg weist einen Bericht von in der MZ scharf zurück. "Darum weisen wir den Pauschalvorwurf von Strafvereitelung, Vertuschung oder einer laxen Umgangsweise mit solchen Fällen für das Bistum Regensburg zum wiederholten Male scharf zurück. Ebenso entschieden kritisieren wir die schändliche Art und Weise, Priester und kirchliche Mitarbeiter als potentielle Sexualstraftäter zu diffamieren. Sie leisten Tag für Tag treu ihren Dienst, der von den Menschen anerkannt und dankbar angenommen wird."
Die MZ hatte am 29.7.2009 einen Artikel gebracht, in dem B.R., ein Opfer des heute 71-jährigen Ordensmannes vermutet, dass die Opferzahl des 71-jährigen Ordensmannes größer sei als bekannt. Nur 12 der Opfer hatten sich nach der ersten Aufdeckung beim Orden der Missionare von der Heiligen Familie gemeldet. Der Geistliche selbst hatte 16 Opfer benannt. (Das dürfte ein Hinweis darauf sein, dass längst nicht alle Opfer sich gemeldet haben.) B.R. sagte, alleine in seiner Klasse seien 6 Schüler betroffen gewesen. Bei 90 Schülern pro Jahrgang kann man vorsichtige Rückschlüsse auf die Opferzahl ziehen. B.R. stellte außerdem fest, dass den Opfern von der Kirche nicht geholfen werde. Vielmehr setze man darauf, dass diese sich nicht wehren. (Das wird durch einen Absatz des Papstbriefes zum Priesterjahr bestätigt.)
Dr. B. Ottermann, Ärztlicher Direktor des Kriminal-Forensischen Instituts am Bezirkskrankenhaus Straubing und zweimaliger Gutachter im Fall Peter Kramer, sagte auf einer Tagung des Priesterrates im Oktober 2008: „Entgegen dem Eindruck , der in der Öffentlichkeit leichtfertig erweckt wird, sind pädophile Straftaten in der Berufsgruppe der Priester unterproportional vertreten“. Wie er zu dieser Feststellung gelangt, ist nicht gesagt. Ottermann unterscheidet auch nicht zwischen Pädophilie und sexuellem Missbrauch von Kindern. Bekannt ist, dass der Anteil pädophiler Täter am sexuellen Missbrauch von Kindern auf 2-10% geschätzt wird (Kinsey-Report: Lautmann, Brongersma, Groth). Sexueller Missbrauch ist überwiegend ein Phänomen hetero- und homosexueller Orientierung. Eine Untersuchung der Katholischen Kirche zeigte, dass 80% der auffällig gewordenen Priester NICHT pädophil orientiert sind.

Kommentar: Eine differenziertere Diskussion, die zw. Pädophilie und sexuellem Missbrauch unterscheidet, wäre wünschenswert. Dass Opfer wie B.R. der Kirche Mithilfe bei der Strafvereitelung, Vertuschung und Beschämung der Opfer vorwerfen, dürfte ganz einfach ihren realen Erfahrungen entsprechen. Kirche kann sich nur durch Transparenz und Solidarität mit den Opfern von diesem Vorwurf befreien. Dass Opfer kirchlicher (und nicht-kirchlicher) Täter bislang nur ausnahmsweise eine "solidarische Kirche" erleben, muss ich nach 9 Jahren Gewaltarbeit bestätigen.

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29.7.2009 In der SZ berichtet Matthias Drobinski, dass auch ein Jahr nach dem Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe gegen einen Bamberger Domkapitular die Opfer weiter leiden. Einer von ihnen wirft der Kirche vor, dass es nach außen schöne Worte gäbe, aber tatsächlich passiere nichts. Den Missbrauchsbeauftragten des Bistums Bamberg nimmt er ausdrücklich aus von diesem Vorwurf. "Wagner" (Name geändert), eines der Opfer, konnte vom Missbrauchsbeauftragten keine Finanzierungszusage für eine Therapie erhalten und wandte sich an den Generalvikar. Der habe ihn angeschnauzt: Wieso er erst jetzt damit komme, ob ihm bewusst sei, was er da angerichtet habe, ob er eine Existenz vernichten wolle.... Später entschuldigte sich der Generalvikar.
Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sind abgeschlossen, die Taten verjährt; Anhaltspunkte, dass die Opfer unglaubwürdig seien, gibt es nach Angaben der Staatsanwaltschaft nicht; der Domkapitular wohnt inzw. wieder in seiner Dienstwohnung. Sein Stellvertreter in der Personalabteilung war auch im Ottanianum, dem Tatort, sein Stellvertreter. Er habe nichts mitbekommen. Insider berichten nach SZ-Angaben, dass man den Fall zunehmend in mildem Licht sehe.
Kommentar: Erst wenn es keine Nachrichten mehr geben wird, die die Opfer zu den wahren Schuldigen machen wollen, können Missbrauchsopfer von kath. Priestern anfangen, in kirchlichen Behörden auf Unterstützung und Gerechtigkeit zu hoffen.

29.7.2009 Am Freitag, 31.7.2009, wird in Bonndorf/Schwarzwald um 19 Uhr eine "Messfeier im Gedenken an die Opfer sexualisierter Gewalt" sein. Wir danken dem Pfarrer und der Gemeinde für die offenen Ohren! Erika Kerstner

23.7.2009 In der Kirche in Irland geht die Nationalpolizei derzeit knapp 100 neuen Vorwürfen gegen katholische Geistliche nach. Die Betroffenen meldeten sich bei einer Hotline, die nach dem Ryan-Report eingerichtet wurde. Mehr als die Hälfte der Vorwürfe beziehen sich auf sexuellen Missbrauch, die übrigen sprechen von körperlicher Züchtigung.
Quelle: kath.web

22.7.2009 Der 71jährige katholische Ordenspriester, der mindestens 16 Internats-Schüler in Lebenhan/Bayern missbraucht hat, wurde durch den Papst vom Priesteramt entbunden. Angehöriger des Ordens der Missionare von der Heiligen Familie bleibt er weiterhin. Er darf nur keinen Kontakt mehr zu Kindern und Jugendlichen haben und das Kloster nur nach Rücksprache verlassen. Juristisch waren die Straftaten verjährt. Es wurde keine Anklage erhoben.
Quelle: FR

21.7.2009 Im Papstschreiben zum Priesterjahr steht u.a. folgender Text: "Leider gibt es auch Situationen, die nie genug beklagt werden können, in denen es die Kirche selber ist, die leidet, und zwar wegen der Untreue einiger ihrer Diener. Die Welt findet dann darin Grund zu Anstoß und Ablehnung. Was in solchen Fällen der Kirche am hilfreichsten sein kann, ist weniger die EIGENSINNIGE AUFDECKUNG (Großschrift E.K.) der Schwächen ihrer Diener, als vielmehr das erneute und frohe Bewußtsein der Größe des Geschenkes Gottes, das in leuchtender Weise Gestalt angenommen hat in großherzigen Hirten, in von brennender Liebe zu Gott und den Menschen erfüllten Ordensleuten, in erleuchteten und geduldigen geistlichen Führern."
Kommentar: Unter der "Untreue" der Diener der Kirche ist vermutlich der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch katholische Priester gemeint. Ich kann diesen Text nur als Aufforderung zur Vertuschung von Verbrechen und als Diffamierung der Verbrechensopfer lesen. Den Verbrechensopfern werden irgendwie eigensinnige - d.h. ja wohl zwielichtige - Motive bei der Aufdeckung der Untreue von Priestern unterstellt. Zur Klarheit: Wir sprechen hier von Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen!  In der Optik des Papstes sind die wahren Opfer also nicht missbrauchte Kinder und Jugendliche, vielmehr ist es die Kirche. Damit wird die Realität umgedeutet und die Opfer werden - wieder einmal - zum Verschwinden gebracht. (Ein entsprechendes Schreiben an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Herrn Erzbischof Dr. R. Zollitsch, ist in Arbeit.)

20.7.2009 Der ORF-Film "Mit befleckter Soutane" ist inzwischen online.

19.7.2009 Wie das Erzbistum Freiburg sexuellem Missbrauch vorbeugen will. Der Missbrauchsbeauftragte des Erzbistums Freiburg hat jährlich mit 8-10 Fällen von Grenzverletzungen unterschiedlicher Schwere zu tun.
Quelle: SWR

18.7.2009 ORF bringt am Sonntag, 19.7.2009 einen Beitrag über die Kirche in Polen. Titel: Mit befleckter Soutane. Bislang wurden Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs, die Priester als Täter benannten, von der katholischen Kirche in Polen als Angriffe gegen Gott gedeutet. Inzwischen jedoch regt sich auch in Polen Widerstand gegen die "Vertuschungspolitik". In Lodz hat sich eine kleine Gruppe von sexuell missbrauchten Ex-Ministranten zusammengetan. Ein Mann, der nach Kanada ausgewandert ist, hat seine Leidesngenossen in Polen aufgerufen, ihr Schweigen zu brechen. Die kath. Kirche spricht von einer Medienkampagne und von den berühmten "Einzelfällen". Joana Radzyner hat den Bericht zusammengestellt.

Kommentar: Offensichtlich gehorchen die katholischen Bischöfe mit ihrem Verhalten dem Schreiben des Papstes zum Priesterjahr 2009. Dort heißt es u.a.: "Leider gibt es auch Situationen, die nie genug beklagt werden können, in denen es die Kirche selber ist, die leidet, und zwar wegen der Untreue einiger ihrer Diener. Die Welt findet dann darin Grund zu Anstoß und Ablehnung. Was in solchen Fällen der Kirche am hilfreichsten sein kann, ist weniger die eigensinnige Aufdeckung der Schwächen ihrer Diener, als vielmehr das erneute und frohe Bewußtsein der Größe des Geschenkes Gottes, das in leuchtender Weise Gestalt angenommen hat in großherzigen Hirten , in von brennender Liebe zu Gott und den Menschen erfüllten Ordensleuten, in erleuchteten und geduldigen geistlichen Führern."
Natürlich kann man so argumentieren und der Papst tut es ja auch. Die Glaubwürdigkeit der Kirche kann man damit jedoch nicht zurückgewinnen.


8.7.2009 Michael Jacksons Trauerfeier ist zu Ende. Vergessen sind die Missbrauchsvorwürfe. Selbst der Osservatore Romano, die Vatikan-Zeitung, kommentierte, dass keine "noch so schwere Anschuldigung" den "Mythos Jackson" bei den Fans zerstören konnte.

6.7.2008 Am 15. Juli beginnt die apostolische Visitation bei den Legionären Christi. Dem inzwischen verstorbenen Gründer, Marcial Maciel Degollado (1920-2008) wird vorgeworfen, dass er eine Beziehung zu einer Frau hatte und Vater einer Tochter (manche sprechen von 2 Kindern) ist. Ein weiterer Anlass für die Untersuchung ist der Vorwurf, dass Maciel jahrelang junge Seminaristen missbraucht haben soll.
Quelle: katholisches.info
S. a. auch einen Beitrag von Christian Modehn in PF
Der Briefwechsel zwischen dem Orden und Rom kann hier nachgelesen werden. Ihm ist nicht zu entnehmen, was der Anlass der Visitation ist. Von "momentanen Herausforderungen" und von "schwerwiegenden Tatsachen im Leben des Gründervaters" ist die Rede. Im Übrigen wird der mütterliche Schutz Unserer lieben Frau von Guadalupe erfleht. Wie - um Himmels willen - soll es bei einer solch verschleiernden Sprache je ein zutreffendes Untersuchungsergebnis geben!

27.6.2009 Kardinal Claudio Hummes, Präfekt der vatikanischen Kleruskongregation, sagte, die Kirche könne die Augen nicht vor den Pädophiliefällen kath. Priester verschließen. Sie sei ein "entsetzliches Verbrechen". Hummes sagte, 4% der Priester seien pädophil.
Quelle: Radio Vatikan
Zur Erinnerung: Am 19.4.2008 meldete die Presse, dass der vatikanischen Glaubenskongregation seit 2001 rund 1.000 Anzeigen aus den USA wegen pädophiler Verbrechen zugegangen seien, die in den vergangenen Jahrzehnten von katholischen Priestern begangen worden waren. Nur in zehn Fällen sei es allerdings auch zu einem Strafprozess gekommen.

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24.6.2009 In der heutigen Generalaudienz beklagt der Papst, dass viele Kinder in Angst leben, allein gelassen werden, unter Hunger, Missbrauch und Krankheit leiden oder in bewaffneten Konflikten Opfer würden. In der gleichen Audienz erinnerte er an Jean Marie Vianney, dessen Wort der Papst anlässlich des Priesterjahres in Erinnerung ruft: "Wenn ihr den Priester seht, denkt an unseren Herrn Jesus Christus".
Kommentar: Es ist u.a. diese völlig unreflektierte Herstellung dieses Zusammenhangs "Priester = Christus", die es von Priestern missbrauchten Kindern oft unmöglich macht, einen Zugang zum christlichen Glauben zu finden. Es ist bedrückend, dass niemand den Papst darauf hingewiesen hat - und dies nur 14 Tage nach der Veröffentlichung eines Berichtes, in dem von über 3000 Missbrauchsopfern irischer Kleriker die Rede war. E. Kerstner

16.6.2009 Ein Priester aus Cork in Irland berichtet, dass es Missbrauch auch im Priesterseminar gegeben hätte. Der Geistliche sprach von 'widerwärtigen, grausamen und repressiven Zuständen' dort. Er berichtete auch von Selbstmorden im Seminar und dass niemand bereit gewesen sei, gegen den Missbrauch einzuschreiten. Der Geistliche soll einen Brief an den Vatikan gesandt haben. Bevor er das Priestersemanr verließ, sei ihm befohlen worden, den Mund zu halten und das Wissen mit ins Grab zu nehmen.
Quelle: ORF

13.6.2009 Kinderheime und sexueller Missbrauch. Ein Artikel von Stephan U. Neumann in CiG
Da würde frau sich doch wünschen, dass den guten Worten auch Taten folgen.

11.6.2009 Die irische evangelische Pfarrerin der deutschsprachigen Gemeinde in Dublin, Corinna Diestelkamp, weist in einem Interview auf die Rolle der Zuschauer und Zuschauerinnen hin, die Zeugen der Kindesmisshandlung des Kindesmissbrauchs in irischen Heimen waren und nichts unternommen haben. Sie sagt: „Je länger man sich damit befasst, umso mehr wird deutlich, dass es natürlich Menschen gegeben hat, die nicht selbst in Missbrauch verwickelt waren, die aber nicht hingeschaut haben, nichts unternommen haben und die nicht haben sehen wollen oder können, dass auch von der Kirche aus Unrecht passiert."
Quelle: Radio Vatikan

11.6.2009 Vor einigen Jahren wurden die Aussagen ehemaliger Heimkinder noch als "bedauerliche Einzelfälle" abgewehrt. Inzwischen liegt eine wissenschaftliche Untersuchung vor. Dort zeigt sich, dass in deutschen Kinderheimen in den 50er- und 60er-Jahren systematisch geprügelt wurde, Zwangsarbeit an der Tagesordnung war und sexuelle Übergriffe nicht selten waren. Inzwischen berät ein runder Tisch der Regierung über eine Wiedergutmachung. Mehr steht im Welt-Artikel. Dort sind auch Leserbriefe eingestellt. Wer sie sich zumuten will, kann dort "Volkes Stimme" nachlesen. Viele dieser Stimmen zeugen von völliger Unkenntnis darüber, was Gewalt in der Kindheit lebenslang anrichtet. Und sie zeugen vom Unwillen mancher Leute, anderen Menschen zuzuhören und so etwas wie Mit-Gefühl zu entwickeln.
(Vorsicht! Triggergefahr!) Quelle: Die Welt

9.6.2009 Die irischen Bischöfe haben am Freitag dem Papst persönlich über die Kindesmisshandlungen und den Kindesmissbrauch in irischen Heimen berichtet. Dort waren über 30 000 Kinder immer wieder geschlagen und misshandelt worden. Gemeldet haben sich über 3000 Opfer, die in 216 Institutionen den Tätern ausgeliefert waren. Der Dubliner Erzbischof Diarmuid Martin berichtete, der Heilige Vater sei "sehr bekümmert" gewesen. Eine offizielle Stellungnahme des Vatikan gibt es nicht. Die Begründung: Der Kindesmissbrauch sei eine "Angelegenheit der örtlichen Kirche".
Quelle: der standard.at

5.6.2009 Heute beraten die Spitzen der irischen Bischofskonferenz mit Papst Benedikt XVI. über die im Mai bekanntgewordenen Fälle sexuellen Missbrauchs in der irischen Kirche. Mehr als 2000 Kinder wurden in katholischen Erziehungseinrichtungen misshandelt, geschlagen und/oder sexuell missbraucht.
Quelle: Die Presse

10.6.2009 Der der katholische Priester Julio César Grassi in der Provinz Buenos Aires wurde wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Der 52-jährige Grassi, Gründer und ehemaliger Leiter der Stiftung für Kinder "Felices Los Niños" (Selig sind die Kinder), wurde für schuldig befunden, in wenigstens zwei Fällen einen minderjährigen Jungen sexuell missbraucht zu haben. Die Tat sei umso schwerer, weil der Täter für die Erzieher der Opfer verantwortlich gewesen sei, hieß es in der Urteilsbegründung. Der Verurteilte ist der 4. Priester, der im mehrheitlich katholischen Argentinien in den vergangenen sieben Jahres wegen Kindesmissbrauch verurteilt wurde. Zwei Bischöfe mussten bislang zurücktreten.
Quellen: taz 2.1.2010 und dnews. Link zu Felices Los Ninos

28.5.2009 Michael O'Brien, früherer Bürgermeister seiner Heimatstadt, schockte das Studiopublikum des irirschen Fernsehsenders RTE am Montagabend. Während einer politischen Podiumsdiskussion saß er der 75-Jährige mit seiner Frau im Publikum und berichtete von dort aus, dass er mit 8 Jahren zusammen mit sieben Geschwistern im Jahr 1942 in eine katholische Anstalt eingewiesen wurde. Der Grund ist unbekannt - vielleicht war die Mutter gestorben. "Schon in der zweiten Nacht wurde ich vergewaltigt", berichtete O'Brien. Und weiter sagte er: "Wie oft stürze ich schweißgebadet aus meinem Bett, weil ich diese Kerle an meinem Bettende stehen sehe, wie sie mir zuwinken, wie sie mich in ihr Zimmer zerren, um mich zu vergewaltigen und die Eingeweide aus mir herauszuprügeln." O'Brien hat mit diesem Bericht der Untersuchungskommission des sexuellen Missbrauchs in irischen katholischen Kinderheimen eine Stimme und ein Gesicht gegeben. Irland ist schockiert.
Im Bericht der "Welt" wird wieder einmal deutlich, dass Täter mit der Unterstützung der scheinbar Unbeteiligten, der Zuschauer, rechnen dürfen. Noch 2002 konnten die "Christian Brothers", in deren Kinderheimen viele Kinder missbraucht wurden, mit staatlicher Unterstützung rechnen. Ihnen wurde zugestanden, dass keine Täter aus ihren Reihen mit Namen genannt werden. Erst am 26.5.2009 stimmten die Christian Brothers und weitere Orden einer Stiftung für die Opfer zu.
Quelle: welt.de

25.5.2009 Der Dubliner Erzbischof Diarmuid Martin erhob schwere Vorwürfe gegen die irischen Orden, die immer noch verschwiegen, dass Ordensmitglieder "praktisch ohne jegliche Moral" gehandelt hätten. Er kritisierte auch, dass die Opfer bislang keine ausreichende Entschädigung erhalten hätten. Der gesamten katholischen Kirche Irlands warf der Erzbischof vor, auf die Anschuldigungen nur schwach reagiert zu haben, was zu einem hohen Glaubwürdigkeitsverlust geführt habe.
Quelle: orf
Kommentar: In der Tat hat der Erzbischof Recht.

22.5.2009 Der neue Londoner Erzbischof Vincent Gerard Nichols sagte zum Kindesmissbrauch in Irland im britischen Fernsehsender ITV, er bescheinige den Tätern Mut, weil sie sich ihrer Vergangenheit gestellt hätten. Er denke zuerst an die Missbrauchsopfer. Aber er denke auch an die Geistlichen. Der Missbrauchsbericht dürfte die vielen guten Dinge, die diese Menschen ebenfalls getan hätten, in den Hintergrund treten lassen.
Quelle: Radio Vatikan

22.5.2009 "Die Wahrheit wird euch frei machen" heißt es im 8. Kapitel des Johannes-Evangeliums. Es gibt keine Garantie, dass die Wahrheit schmerzlos zu haben ist. Die katholische Kirche in Irland hat diesen Erkenntnisprozess noch vor sich. Sonst würde sie die Ermittlungen einer irischen Kommission zu Missbrauch und Misshandlung in irischen katholischen Kinderheimen unterstützen.
Quelle: taz
Der Verband der "Irischen Überlebenden der Kindesmisshandlungen" kritisiert, dass der Bericht keinen der Täter beim Namen nennt und dass es keine Strafanzeigen geben wird. Der Orden der Christian Brothers hatte 2004 vor Gericht erzwungen, die Anonymität der Täter zu wahren.
Entschädigungssummen werden zu neun Zehnteln (mehr als 1 Milliarde Euro) von den Steuerzahlern aufgebracht, ein Zehntel begleicht die katholische Kirche. Das Oberhaupt der katholischen Kirche Irlands, Kardinal Sean Brady, äußerte "tiefste Scham darüber, dass Kinder in diesen Institutionen auf so schreckliche Weise gelitten haben".
Quelle: FR
Kommentar: Dass die Namen der kirchlichen Täter in Irland mit gerichtlicher Zustimmung verschwiegen werden, nennt man "Täterschutz". Er funktioniert immer noch - obwohl bereits im März 2002 der Papst an die Priester schrieb, die Kirche wolle auch Sorge und Mitgefühl zeigen und sich der schmerzlichen Situation mit Wahrhaftigkeit (!) und Gerechtigkeit (!) widmen. Wie Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit mit Täterschutz vereinbar sein soll, entzieht sich meiner Kenntnis. E. Kerstner

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20.5.2009 In Irland gab es bis in die 80er Jahre des 20. Jh. hinein in ca 250 kirchlichen Häusern ca 35 000 Kinder. 2 500 dieser ehemaligen Heimkinder sagten vor einer seit 2000 arbeitenden Kommission aus, dass sie in den Heimen sexuell missbraucht und/oder misshandelt wurden.  Die Kommission ermittelte, dass Kirche und Staat wissentlich die Augen vor den Zuständen verschlossen habe. Jeder Missbrauchsfall sei von der kath. Kirche als Einzeltat und in Verschwiegenheit behandelt worden. Die Angst vor einem Skandal sei größer gewesen als die Sorge um das Wohl der Kinder. "Im besten Fall wurden die Peiniger versetzt, aber für das Kind wurde nichts gemacht. Im schlimmsten Fall wurden dem Kind noch Vorwürfe gemacht", heißt es in dem Bericht. Vor allem Jungen seien in den kirchlichen Einrichtungen sexuellem Missbrauch ausgeliefert gewesen. Mädchen seien zwar auch sexuell missbraucht worden, jedoch nicht so systematisch wie Jungen.
Die "Nummer 253" in einem dieser Kinderheime war John Kelly, der Vorsitzende des irischen Opferverbandes SOCA.
Quelle: ntv

27.4.2009 Die Ureinwohner von Kanada hoffen auf eine Entschuldigung des Papstes für die Misshandlungen, die psychische, physische und sexuelle Gewalt, die Kinder und Jugendliche in Internaten durch katholische Geistliche erlitten haben. Die kanadische Regierung hat den Opfern, die bis in die 80er Jahre des 20. Jhs. in Internaten lebten, Entschädigungen gezahlt. Experten sprechen davon, dass die Probleme der Ureinwohner - Alkoholismus, Gewalt und Inzest - ihre Ursache in der über Generationen hinweg erlittenen Gewalt haben.
Am Mittwoch wird eine Delegation des Dachverbandes der Assembly of First Nations zur Audienz beim Papst sein. Geleitet wird die Delegation von Phil Fontaine, der als 6-Jähriger zur Umerziehung in eines der Internate gebracht worden war.
Quelle: Die Zeit
4.9.2011: In Kanada wurden 80.000 Kinder in katholischen Schulen und Internaten missbraucht. Das sind 6,9% der Inuits, der Metis und der Angehörigen der First-Nation. 80.000 Einzelfälle.
Quelle: Liborius
Martin Schlüter hat betroffene Inuit in Alaska fotografiert.
29.4.2009 Der Papst hat sich bei einer Delegation kanadischer Ureinwohner entschuldigt wegen der Misshandlungen, die Kinder in katholischen Internaten erleiden mussten. Ca 100 Jahre lang waren junge Inuits, Crees und andere Indianerkinder aus ihren Familien genommen worden und in katholischen Schulen unterrichtet worden. Wenn sie ihre Muttersprache benutzten oder kulturelle und spirituelle Riten durchführten, wurden sie streng bestraft.
Quelle: Tagesschau

23.4.2009 Im Spiegel berichtet Peter Wensiersksi, wie ein wegen Kindesmissbrauchs verurteilter Pfarrer seinen Opfern Detektive ins Haus schickte und wie die katholische Kirche es dem Täter leicht machte, seine Verbrechen zu verharmlosen.
 Quelle: Spiegel

Papst Benedikt wird am 29.4.09 mit kanadischen Ureinwohnern sprechen. Thema wird der Vorwurf sexuellen Missbrauchs an UreinwohnerInnen sein, die in den 20er Jahren des 20. Jh. in katholischen Schulen missbraucht wurden. Die UreinwohnerInnen Kanadas erwarten vom Papst eine Entschuldigung.
Quelle: Radio Vatican

2.4.2009 Der Papst lässt die Gemeinschaft der Legionäre Christi überprüfen. Der Orden wurde 1941 in Mexiko von dem mexikanischen Pater Marcial Maciel gegründet. Dem Gründer wurde von mehreren früheren Seminaristen sexueller Missbrauch vorgeworfen. 2006 war er vom Papst gemaßregelt worden und zu einem zurückgezogenen Leben des Gebets und der Buße verurteilt worden. Maciel starb 2008.  Die ersten Vorwürfe waren bereits 1956 erhoben worden. Sie wurden in den Jahren 1978, 1989 und 1999 erneuert und erweitert (s. auch hier). Die jetzige Überprüfung findet statt, weil Pater Maciel Frau und Tochter habe. Dies räumte der Orden ein.
Quelle: Die Presse

31.3.2009 Die FR meldet, dass in Kolumbien eine 35-jährige Frau ihren Vater beschuldigt, sie fast 30 Jahre lang sexuell missbraucht zu haben und sie 14 Mal geschwängert zu haben. Niemand in ihrem Dorf mit 300 Einwohnern habe etwas gesagt, obwohl viele wussten, was geschah. Bereits vor drei Jahren will die Frau einem Pastor gesagt haben, was los sei. Als dieser Priester, Orlando Marin, nun von Journalisten gefragt wurde, begründete er sein Schweigen mit dem Satz: "Wer bin ich, um einen Menschen ins Gefängnis zu bringen?" Auch die Hebammen, die bei den Geburten halfen, haben nach Aussage der Frau gewusst, von dem die Kinder seien. Selbst die Behörden der Stadt Mariquita haben Bescheid gewusst.
Quelle: FR
Kommentar: Der Pastor hat sich nicht gefragt, wer er sei, dass er dieser Frau seine Unterstützung versagte.

29.3.2009 Der Prälat Ulrich Küchl trat als Propst des Kollegiatsstiftes Eisgarn zurück und in den Ruhestand. s.auch die Informationen von 2004
Quelle: ORF

24.3.2009 Das Bistum Würzburg hat den zwangspensionierten Pfarrer, der wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt war und 2 Opferfamilien durch Detektive aufsuchen ließ, um die Opfer zu einem Widerruf ihrer Anschuldigungen zu bewegen, nunmehr vom priesterlichen Dienst suspendiert.  Das entspreche de facto einer Versetzung in den Laienstand.
(Ich hoffe nicht, dass mit dieser Beschreibung des Laienstandes gemeint ist, er sei der Stand jener, die bestraft gehören.)
Quelle: Bistum Würzburg

16.3.2009 In einem Brief an die Familie des Missbrauchsopfers, die von 2 Detektiven im Auftrag des verurteilten Straftäters, eines zwangspendionierten kath. Pfarrers, aufgesucht worden war (s. 14.3.09), hat sich die Diözese Würzburg entschuldigt. Die Kirche überlege, wie sie in Zukunft ein solches Verhalten unterbinden könne.
Quelle: de.news

15.3.2009 Im Jahr 2008 zahlte die kath. Kirche in den USA 436 Millionen Dollar (ca 337 Millionen Euro) an Opfer sexuellen Missbrauchs durch Kleriker. Die Missbrauchsklagen stiegen im Vergleich zu 2007 um 16 Prozent. Bei mehr als der Hälfte der 803 neuen Fälle geht es um Missbrauch von Kindern. Viele der Klagen betreffen den Zeitraum von 1960 bis 1074.
Quelle: OTZ

14.3.2009 Im Bistum Würzburg schickte ein wegen sexuellen Missbrauchs zwangspensionierter Pfarrer zwei Detektive zu einer Familie, in der eines seiner Opfer lebt. Die Detektive sagten, das heute 19-jährige Opfer solle seine Aussage wiederrufen; er solle sich keine Sorgen machen, die Sache sei ja verjährt. Der heute 69-jährige Pfarrer wolle seinen Seelenfrieden finden. - Das Ordinariat distanzierte sich von dem pensionierten Pfarrer. Der Pfarrer sei uneinsichtig und habe auch jede Therapie verweigert.
Quelle: Süddeutsche

7.3.2009 Der irische Bischof John Magee bat den Papst, ihn von seiner Aufgabe als Bischof der Diözese Cloyne zu entbinden. Dem Ansinnen wurde nachgegeben. Der 72-jährige Bischof, der lange im Vatikan als Privatsekretär der Päpste Paul VI., Johannes Paul I. und Johannes Paul II. gearbeitet hatte, wird wegen seines unangemessenen Umgangs mit zwei der Pädophilie verdächtigten Priestern kritisiert. Eine kirchl. Untersuchungskommission warf ihm vor, durch unpassende Maßnahmen den Schutz von Kindern vor sexuellem Missbrauch durch Priester vernachlässigt zu haben.
in Irland zahlte die kath. Kirche bisher an ca 10 800 Missbrauchsopfer rund 825 Millionen Euro Schadenersatz.
Quelle: KStA

18.2.2009 Der Jesuitenorden im Nordwesten der USA hat beim Insolvenzgericht in Portland Gläubigerschutz beantragt. Der Orden führt ein Vermögen von weniger als 5 Mio Dollar und Verbindlichkeiten von ca 62 Mio Dollar an. Der Gläubigerschutz wurde beantragt, um 200 weitere Klagen von mutmaßlichen Opfern sexuellen Missbrauchs durch Jesuiten entschädigen zu können. Ein Anwalt von 60 Klägern warf dem Orden vor, sein Vermögen bei weitem zu niedrig angegeben zu haben.
Quelle: Frankfurter Rundschau

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5.2.2009 Die "Legionäre Christi" haben erstmals ein Fehlverhalten ihres Gründers Marcial Maciel eingeräumt. Der Orden habe "überraschende Dinge erfahren", die für einen katholischen Geistlichen "nicht angemessen" waren.
Zur Erinnerung: Maciel starb 2007 in den USA mit 87 Jahren. Zuvor hatte Papst Benedikt XVI. disziplinarische Maßbnahmen gegen ihn verhängt, weil diesem sexueller Missbrauch von Seminaristen vorgeworfen wurde. Die Strafe bestand darin, dass Pater Maciel "ein zurückgezogenes Leben des Gebets und der Buße" führen solle. Auf ein kirchenrechtliches Verfahren wurde wegen der "zerbrechlichen Gesundheit" des 2006 85-Jährigen verzichtet.
Bereits 1956 gab es Verdächtigungen gegen Maciel. Damals wurde er freigesprochen. 1978 und noch einmal 1989 hatte der amerikan. Psychologieprofessor Juan Vaca, früher selbst Präsident der Legionäre Christi, an Papst Joh. Paul II. geschrieben, aber keine Antwort erhalten. Ende 2004 ließ der Präfekt der Glaubenskongregation, Ratzinger, gegen Maciel ermitteln. Sieben ehemalige Seminaristen beschuldigten ihn, sie in den 50er und 60er Jahren missbraucht zu haben und sie (!) anschließend in der Beichte freigesprochen zu haben. Nach kanonischem Recht verjährt ein solcher Missbrauch des Beichtsakramentes nicht. 2005 waren weitere 20 Seminaristen bereit, gegen Maciel auszusagen. Die Ankläger waren ehemals hochrangige Legionäre, heute Anwälte, Hochschullehrer, Ingenieure. Die zuletzt anhängige Klage wurde 1999 im Vatikan eingereicht, die im Mai 2006 dann entschieden wurde.
Dass der Orden am heutigen 5.2.2009 "überraschende" Dinge erfahren haben will, dürfte nur den überraschen, der es nicht wissen wollte und heute höchstens von einem "unangemessenen Verhalten eines Priesters" zu sprechen geneigt ist, wo es um Verbrechen geht.
Quelle: net-tribune

30.1.2009 Die Staatsanwaltschaft Kaliforniens ermittelt im Kontext von Missbrauchsvorwürfen gegen den Erzbischof von Los Angeles, Kardinal R. Mahony. Mahony äußerte seine Verblüffung über die angebliche Untersuchung. Seine Anwälte bestätigten, dass die Staatsanwaltschaft Informationen über eine Reihe von Priestern eingeholt habe; sie wiesen aber darauf hin, dass der Kardinal selbst nicht Gegenstand der Untersuchung sei. Nach Angaben der Los Angeles Times wird geprüft, ob Mahony und andere Kirchenobere pädophile Geistliche trotz massiver Vorwürfe geschützt und nicht entlassen hätten.
Quelle: FR

23.1.2009 Die Nürnberger Nachrichten berichten, dass das Erzbistum Bamberg im Fall des verjährten Missbrauchs von Kindern/Jugendlichen durch einen Bamberger Domkapitular von "Betroffenen" spricht, nicht von Opfern. Der inzwischen von allen Ämtern entbundene Domkapitular wohnt in einem der Diözese gehörenden Palais.
Quelle: Nürnberger Nachrichten

19.1.2009 Die Ermittlungen gegen den Bamberger Domkapitular wegen sexuellen Missbrauchs wurden wegen Verjährung eingestellt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat der ehemalige Domkapitular zwischen 1978 und 1983/84 im Bamberger Ottonianum in zehn Fällen acht Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht. Da es jedoch keine Hinweise auf "schweren sexuellen Missbrauch" gibt, beträgt die Verjährungsfrist keine 20 Jahre, sondern nur fünf oder zehn Jahre. Deswegen seien die Ermittlungen eingestellt worden.
Der im Bistum Bamberg zuständige Arbeitsstab beschäftigt sich mit der Prüfung der Vorwürfe und bespricht die nächsten Schritte.
Der ehemalige Domkapitular kann sich an die Taten nicht erinnern. Therapeutische Angebote nehme er "nur bedingt wahr", verlautbarte das Ordinariat.
Quelle: domradio

13.1.2009 Ein Domkapellmeister in München hatte Pornos auf seinen Dienst-PC geladen. Er war der Kündigung zuvorgekommen - man einigte sich auf eine Vertragsaufhebung.
Kommentar: Da gelten in der kath. Kirche andere Regelungen als im staatlichen Recht. Dort ist ausschließlich Kinderpornographie (d.h. die Darstellung von Folter an Kindern) strafbewehrt. In der kath. Kirche gilt dies auch für Pornographie. Ich halte diese Regelung für angemessen, denn sie dient dem Schütz der Würde von Frauen.
Quelle: Süddeutsche

3.1.2009 Der Bischof von Cloyne, Irland, sieht sich mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Kurz vor Weihnachten veröffentlichte ein unabhängiges Kinderschutzprogramm, dass Geistliche aus der südirischen Diözese Cloyne nur mangelhaft kooperationsbereit seien. Ihre Haltung im Kampf gegen den Missbrauch von Kindern sei nicht angemessen und teilweise gefährlich.
Kardinal Sean Brady will, dass jeder kath. Geistliche Irlands sich schriftlich zur Umsetzung der kirchlichen Kinderschutzmaßnahmen verpflichte. Das Vertrauen zur Kirche solle nach den Missbrauchsskandalen wieder hergestellt werden.
Quelle: Radio Vatikan

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