Persönliches und Dank

Einige Eckdaten zu mir: Jg. 51, verheiratet seit 1974, drei Kinder, Lehrerin in Grund- und Hauptschulen, u.a. für katholische Religion. Ich lebte zwei Jahrzehnte in einer vielfältig gewalttätigen Familie. Mit 20 Jahren verlor ich meine Erinnerungen an diese Zeit. Als psychosomatische Erkrankungen sich häuften, begann ich eine Therapie. Einige Erinnerungen tauchten auf. Der therapeutische Prozess dauerte - mit Unterbrechungen - 11 Jahre und endete vorläufig in einer sechsjährigen Psychoanalyse bei Frau Dr. B., der ich es verdanke, dass ich gelernt habe, mit den andauernden Traumafolgen zu leben.
Schmerzlich vermisst habe ich in diesen Jahren der Re-Vision meines Lebens seelsorgliche Begleitung durch einen Mitchristen/eine Mitchristin. Daher machte ich mich auf die Suche nach anderen gewaltüberlebenden Christinnen, die miteinander nachschauen, wie ihr Glaube an den in Jesus heruntergekommenen Gott ihnen eine Hilfe sein kann im Leben mit den Traumafolgen. Diese Suche führte mich dann u.a. hier ins Internet.
Begleitet und unterstützt wurde dieser Weg von den ersten Anfängen an von Dr. J. Sieger, kath. Pfarrer in Bruchsal, (http://www.joerg-sieger.de), Frau Gallinat-Schneider, Gemeindereferentin der Pfarrei St. Peter in Bruchsal (http://www.joerg-sieger.de/gallinat/) und anderen Menschen aus dieser Pfarrei. Ich fand in dieser Gemeinde eine Nische, in der ich mit meiner Gegenwart und Vergangenheit sein darf - ein heilsamer Schritt aus der Einsamkeit und dem Gefühl der Nichtzugehörigkeit zur Gemeinschaft von Menschen und zur Gemeinschaft der ChristInnen. Diese Solidarität stärkte meine Hoffnung auf Gott als eine/n auch mit uns Verbündete/n. Sie gibt mir Kraft, gegen Widerstände und Ängste mitzuhelfen, dass Betroffene Ort, Sprache, vielleicht Heimat da finden können, wo vom Evangelium Jesu Christi die Rede ist.

Freundinnen, Freunde und Verbündete kamen hinzu. Mir bleibt, der Gemeinde und den Menschen, die sich solidarisch zeigen, herzlich zu danken. Ihnen ist vielleicht nicht immer bewusst, wie wichtig für mich eine interessierte Nachfrage, ein Mitlesen und auch kritisches Mitdenken, ein wohlwollendes Zuhören sind. Ich lebe von dieser wohlwollenden, aber auch kritischen Solidarität.

Und schließlich sei einmal auch hier meinem Mann und unseren Kindern gedankt. Sie haben manche Last solidarisch mitgetragen, mich oft getröstet und mir ebenso oft Mut gemacht - und sie haben meine Freude geteilt.

Rika

April 2002; ergänzt jeweils am 5.9.2002; 19.10.2003; 12.2.2004

Im Frühsommer 2006 wurde ich krank und für Monate arbeitsunfähig. Zum ersten Mal war nicht mehr daran zu denken, die Situation ambulant bewältigen zu können. Ich begab mich in eine psychotherapeutische Klinik. Danach war ich wieder arbeitsfähig. Der Klinikaufenthalt war eine große Unterstützung im Leben mit Traumafolgen. Zur weiteren Stabilisierung habe ich noch einmal eine Psychotherapie begonnen - bei meiner bisherigen Analytikerin :-).  Im Unterschied zur ersten therapeutischen Phase von 1991 - 2002 kann ich heute auf seelsorgliche Unterstützung zurückgreifen. Außerdem habe ich inzwischen - nicht zuletzt dank dieser HP - ein Netz von Menschen, die sich mir auch in der Not solidarisch zeigen. Und noch immer bin ich in meiner Gemeinde mit meiner Geschichte eingebunden. Es besteht also Grund zur Dankbarkeit :-)

Rika K. im Januar 2007

2004  entstanden an einem Sonntagmorgen im Juli 2004, unterwegs mit FreundInnen
Sommer 2006 entstanden auf dem "roten Sofa" in der Klinik des Sommers 2006


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