Presse

Bericht an die Zeitschrift der Badischen Landeskirche Karlsruhe am 28.2.2006




Gewalt, über die man nicht spricht

war das Gottesdienst-Thema am 21.1.2006 in St. Michael in Weingarten/Baden. Er wurde von dem katholischen Dekan von Bruchsal, Herrn Pfarrer Olf, der evangelischen Pfarrerin Frau Frank, Bad Schönborn, Mitgliedern der seit 2003 bestehenden ökumenischen Gruppe gewaltüberlebender Christinnen und der sie begleitenden Seelsorgerin Frau Gallinat-Schneider, Bruchsal, gestaltet. So war es möglich, Betroffene selbst zu Wort kommen zu lassen.
Gewalt gegen Frauen und Kinder geschieht mitten im Alltag und dort – im alltäglichen Gemeindegottesdienst - sollte sie auch zur Sprache kommen dürfen. Menschen, die dem Menschen zum Opfer fielen, benötigen neben tatkräftiger, praktischer Soforthilfe auch die langfristige und öffentliche Solidarität anderer Menschen; denn die Folgen von Traumatisierung durch Gewalt bleiben oft lebenslänglich bestehen. Sie können aber durch die Erfahrung von Solidarität gemildert werden. Wenn ChristInnen beider Kirchen in ihrem Sprechen zu erkennen geben, dass sie um die Not des Schweigens über familiale Gewalt wissen, erteilen sie damit den Betroffenen Sprecherlaubnis. Wenn sie in ihrem Beten zeigen, dass der christliche Gott sich parteiisch an die Seite der Gewaltopfer stellt, dürfen Betroffene darauf hoffen, auch in ihrer christlichen Gemeinde vor Ort Gehör zu finden. In der Predigt nannte Dekan Olf die Heilung der gekrümmten Frau eine öffentliche „Handlung mit Vision“, bis heute ein Dauerauftrag für ChristInnen. Frau Pfarrerin Frank plädierte dafür, sich nicht an die Gewalt und nicht an das Schweigen über sie zu gewöhnen. Sie hatte die Geschichte der von ihrem Bruder Amnon vergewaltigten Tamar als Beispiel für den biblischen Umgang mit Gewalt ausgewählt: Gewalt im Nahbereich nennt die Bibel beim Namen – sie verschweigt sie nicht. Das macht Betroffenen Hoffnung.
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Ob dieser Bericht je veröffentlicht wurde, weiß ich nicht. Ein Belegexemplar erhielt ich nicht.

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