Presse
Antwort auf den Protestbrief zum Priesterjahr

Am heutigen 5.9.2009 traf die Antwort der Bischofskonferenz ein, vermittelt durch eine Mitarbeiterin der Kommission für Geistliche Berufe. Frau Dr. K. antwortete im Auftrag des Vorsitzenden der DBK und schrieb, meine Bestürzung aufgrund der missverständlichen Aussage im Schreiben des Papstes sei "sehr gut nachvollziehbar", "zumal die katholische Kirche sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen ganz klar verurteilt". Frau Dr. K. wies auf eine entsprechende Äußerung des Präfekten der Kleruskongregation in Rom, Kardinal Hummes, vom Mai 2009 hin (http://www.zenit.org/article-17902?l=german: "Sicher ist es wahr..."). Außerdem machte Frau Dr. K. darauf aufmerksam, dass die englische Übersetzung der Papstbotschaft die von mir "zu Recht monierte Äußerung" vorsichtiger übersetze.1  Sie weist ebenfalls auf eine Äußerung des Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Herrn Erzbischof Dr. Zollitsch, unter http://www.blog.dbk.de/kategorien/reden-des-vorsitzenden/ hin. Und im Übrigen möchte sie mir und allen Betroffenen und Opfern von sexuellem Missbrauch ihr persönliches Mitgefühl ausdrücken.


1 Der englische Text formuliert: "What is most helpful to the Church in such cases is not only a frank and complete acknowledgment of the weaknesses of her ministers, but also a joyful and renewed realization of the greatness of God’s gift..." Übersetzt lautet die Stelle: "Am hilfreichsten ist nicht nur ein freies und vollständiges Eingeständnis/Anerkenntnis... sondern auch....". Im englischen Text wird das Eingestehen der "Schwächen" der Priester gleichgewichtig neben den Dank für die guten Hirten gestellt. Aus dem deutschen Begriff "eigensinnige Aufdeckung" wird im Englischen das "freie und vollständige Eingeständnis". Zwischen dem deutschen und dem englischen Text liegen Welten. Der an die deutschsprachigen ChristInnen gerichtete Text fordert den und die zum Vertuschen auf, die der Kirche hilfreich sein wollen. Der an die englischsprachigen ChristInnen adressierte Text fordert zum freien und vollständigen Eingeständnis der "Schwächen" der Priester ebenso auf wie zur Dankbarkeit für "gute Hirten". Dies eine "vorsichtigere Übersetzung" zu nennen, trifft den Sachverhalt wohl kaum.
Interessant ist auch, die französische und italienische Übersetzung zum Vergleich heranzuziehen. Im Italienischen (das Original?) wird das Adjektiv "puntigliosa" dem Aufdecken vorangestellt. Es ist mit "eigensinnig, starrsinnig, verbohrt" zu übersetzen. Und auch der französische Text qualifiziert das Aufdecken als "pointilleuse", d.h. krittelig, nörglerisch, pedantisch.
Bemerkenswert ist trotz bleibenden Unbehagens, dass es eine Reaktion auf den Offenen Brief gab. Allen UnterzeichnerInnen herzlichen Dank!
Erika Kerstner






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