25.7.2009
OFFENER
BRIEF
An den Vorsitzenden
der Deutschen Bischofskonferenz
Herrn Erzbischof
Dr. R. Zollitsch
zu Hd. des
Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz
Herrn Pater Dr. Hans Langendörfer SJ
Kaiserstraße 161
53113 Bonn
Sehr geehrter Herr Erzbischof Dr. Zollitsch!
Ich möchte Ihnen meine Bestürzung zum
Ausdruck bringen über das
Schreiben von Papst Benedikt XVI. zum Beginn des
Priesterjahres anlässlich des 150. Jahrestages des "Dies Natalis" von
Johannes Maria Vianney.
Dort heißt es
u.a. im Text:
"Leider gibt es auch Situationen, die nie genug beklagt werden können, in denen es die Kirche selber ist, die leidet, und zwar wegen der Untreue einiger ihrer Diener. Die Welt findet dann darin Grund zu Anstoß und Ablehnung. Was in solchen Fällen der Kirche am hilfreichsten sein kann, ist weniger die eigensinnige Aufdeckung der Schwächen ihrer Diener, als vielmehr das erneute und frohe Bewußtsein der Größe des Geschenkes Gottes, das in leuchtender Weise Gestalt angenommen hat in großherzigen Hirten, in von brennender Liebe zu Gott und den Menschen erfüllten Ordensleuten, in erleuchteten und geduldigen geistlichen Führern."
Ich gehe wohl recht in der Annahme, dass mit der nicht näher erklärten „Untreue“ einiger Diener der Kirche vor allem der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch katholische Priester gemeint ist. Der Heilige Vater stellt fest, dass die Welt darin „Grund zu Anstoß und Ablehnung“ findet. Ich möchte gerne davon ausgehen dürfen, dass auch der Heilige Vater und die katholische Kirche den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch katholische Priester anstößig finden und ablehnen.
Der Heilige Vater nennt die Aufdeckung von Verbrechen durch die Opfer „eigensinnig“. Der Begriff „eigensinnig“ ist konnotiert mit starrsinnig, unnachgiebig, störrisch, trotzig. Wenn Menschen so charakterisiert werden, dann geschieht dies mit dem Ziel, sie abzuwerten.
Außerdem konstatiert der Heilige Vater, dass es für die Kirche nicht „am hilfreichsten“ ist, wenn Missbrauchsopfer die an ihnen verübten Verbrechen aufdecken. Der Heilige Vater suggeriert damit, dass Missbrauchsopfer von Priestern Verbrechen nicht aufdecken sollten, wenn sie der Kirche „am hilfreichsten“ sein wollen. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Wer der Kirche wirklich hilfreich sein will, darf die „Untreue“ (gemeint sind Menschenrechtsverletzungen!) der Diener der Kirche nicht aufdecken. Zugleich bedeutet dies, dass kirchliche Missbrauchsopfer in Christen keine mit ihnen solidarischen Verbündeten zu erwarten haben.
Und ein Letztes: Der Heilige Vater spricht vom – zweifellos vorhandenen – Leid, das Priester mit ihrer „Untreue“ der Kirche zugefügt haben. Völlig vergessen wird das nicht selten lebenslängliche Leid, das pädokriminelle Priester mit ihren Verbrechen den Missbrauchsopfern zugefügt haben. Als das „wahre Opfer“ erscheint die Kirche - das Leid der Missbrauchsopfer hingegen wird hinter dem Leid der Kirche zum Verschwinden gebracht.
Dieses Schreiben des Papstes ist ungeeignet, die verlorene Glaubwürdigkeit der Kirche wieder herzustellen. Ich kann Ihnen mein Entsetzen über das Papstschreiben nicht verhehlen. Es wäre gut, wenn Sie diese Rückmeldung auf das päpstliche Schreiben in geeigneter Weise auch dem Heiligen Vater zugänglich machen.
Mit der Bitte um Rückmeldung verbleibe ich mit freundlichem Gruß!
(Unterschrift)
und namentlich nicht
genannte Mitglieder der
Mailingliste GottesSuche sowie 68 weitere UnterzeichnerInnen
|
Gewaltüberlebende
Christinnen
&
GottesSuche Glaube nach Gewalterfahrungen Arbeits- und Selbsthilfegruppe |
Anlage: 6
Unterschriftenlisten
| Diese Seite gehört zu http://www.gottes-suche.de |