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Pfingsten 2005
Hallo, ihr! Mit dem Feuer zu spielen, kann gefährlich sein. Aber es kann auch ein Funke überspringen :-) So geschehen am Pfingstfest - und lange davor schon vorbereitet. Petrus hält eine Predigt. Vermutlich ist dieser Predigttext erst von Lukas in die Form gegossen worden, die uns heute in der Apostelgeschichte 2,14 - 36 vorliegt. Der Fischer vom See Gennesaret hatte wohl diese Eloquenz nicht, ungebildet wie er war. Aber er hatte etwas erlebt, ohne das diese Predigt damals - und auch heute - niemanden beeindruckt hätte. Er war erschüttert worden. So sehr, dass er auch der eigenen Feigheit ins Gesicht schauen konnte, ohne ihr in Verzweiflung das letzte Wort zu lassen. Er kann eine Pfingstpredigt halten, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt. Er mutet seinen ZuhörerInnen die bittere Wahrheit zu: Sie haben Jesus durch die Hand von Gesetzlosen umgebracht. Und Petrus wird dabei nicht vergessen haben, dass auch er zu den Gegnern Jesu übergelaufen war. Er kenne diesen Jesus gar nicht, hatte er auf mehrfache Nachfragen gesagt. Danach allerdings hat er "bitterlich geweint". Manchmal beginnt das Glück mit dem Weinen. Heute steht Petrus in Jerusalem und sagt in aller Öffentlichkeit die bittere Wahrheit, die auch seine eigene ist. Aber sie ist noch nicht die ganze Wahrheit. Die ganze Wahrheit heißt: "Denn euch und euren Kindern gilt die Verheißung und all denen in der Ferne, die unser Gott herbeirufen wird." Und Petrus kann sich an den Propheten Joel erinnern: "Ich werde von meinem Geist ausgießen über alle Menschen. Eure Söhne und Töchter werden Propheten sein, eure jungen Männer werden Visionen haben, und eure Alten werden Träume haben. Auch über meine Knechte und Mägde werde ich von meinem Geist ausgießen in jenen Tagen, und sie werden Propheten sein." (Joel 3, 1-2) Nur eines müssen die ZuhörerInnen tun: Sich retten lassen. Einige können da nur spotten: Die sind besoffen. Sie mögen sich kopfschüttelnd und achselzuckend abgewandt haben. Manche vielleicht gleichgültig, andere verärgert, einige gar hasserfüllt. Diesen Menschen wird nichts Neues geschehen. Keine Hoffnung wird ihnen aufscheinen - es bleibt alles beim hoffnungslos Alten. Andere scheinen von Anfang bis Ende ganz Ohr gewesen zu sein. Sie ließen sich nicht irritieren - nicht einmal von sich selbst. Und ihnen geschieht das Wunder: Die Predigt des Petrus "trifft sie mitten ins Herz", weil die Verheißung nicht nur den Kindern und nicht nur jenen in der Ferne gilt, sondern auch ihnen selbst. Das haben sie verstanden. So fängt es an, mit offenen Ohren und offenen Herzen - und manchmal auch mit einem Weinen. Dass wir uns nicht durch unsere Ängste, Zweifel und Hoffnungslosigkeiten irritieren lassen, wünsche ich uns. Ebenso wünsche ich uns, dass wir erschütterbar bleiben durch die Verheißung, dass das Neue - wie Petrus ganz richtig sagt - JETZT schon geschieht. Mancher von uns ist das alte Gebet Veni sancte spiritus (um 1200) eine Hilfe. Und Hilfe können wir gut brauchen - von allen Seiten und aus allen Zeiten :-) Frohe Pfingsten! Eure Rika Komm herab, o Heilger Geist, die die finstre Nacht zerreißt, strahle Licht in diese Welt. Komm, die alle Armen liebt, komm, die gute Gaben gibt, komm, die jedes Herz erhellt. Höchster Tröster in der Zeit, Gast, der Herz und Sinn erfreut, köstlich Labsal in der Not, in der Unrast schenkst du Ruh, hauchst in Hitze Kühlung zu, spendest Trost in Leid und Tod. Komm, o du glückselig Licht, fülle Herz und Angesicht, dring bis auf der Seele Grund. Ohne dein lebendig Wehn kann im Menschen nichts bestehn, kann nichts heil sein noch gesund. Was befleckt ist, wasche rein, Dürrem gieße Leben ein, heile du, wo Krankheit quält. Wärme du, was kalt und hart, löse, was in sich erstarrt, lenke, was den Weg verfehlt. Gib dem Volk, das dir vertraut, das auf deine Hilfe baut, deine Gaben zum Geleit. Lass es in der Zeit bestehn, deines Heils Vollendung sehn und der Freuden Ewigkeit. Amen und Hallelu-ja. |