Weihnachten 2004
Hallo, ihr!
Unfassbar,
Unfassbar
- dass 37% aller Frauen in Deutschland nach einer Untersuchung des Bundesministeriums für Jugend und Familie Gewalt erleiden - unter den Migrantinnen sind es sogar 49%,
- dass 10% der Deutschen 49% des Vermögens besitzen
- dass in Deutschland über die Legitimität von Folter diskutiert werden kann
- dass 22% der Schüler "Risikoschüler", d.h. funktionelle AnalphabetInnen, sind und es nicht danach aussieht, dass jemand das wirklich ändern möchte
- dass es derzeit in 52 Ländern der Erde Krieg gibt .....
- dass Gott Mensch wird in einer solchen Welt der Verstrickung in Lüge und Gewalt.
Reichlich verrückt auch, wenn Menschen genau dies für die Rettung aus der Gewalt halten: die Geburt eines kleinen Kindes in Betlehem ("Haus des Brotes") vor über 2000 Jahren. Es sieht ganz so aus, als würden noch alle menschlichen Konzepte von Gewaltüberwindung über kurz oder lang scheitern - am Menschen. Offensichtlich braucht es ein anderes Konzept und genauso offensichtlich sind wir nicht in der Lage - zumindest gilt das für Vergangenheit und Gegenwart -, von selber draufzukommen. Es muss uns geschenkt werden. Und wir müssen zulassen, dass es uns geschenkt wird.
Ich danke euch, dass ihr hier die Hoffnung teilt, dass dieses Kind neue, andere, rettende Perspektiven für uns und die Welt bereithält, denen wir im Laufe des Jahres immer wieder nachgegangen sind.
Der Prophet Jesaja hat für "jenen Tag", an dem unsere Hoffnung sich erfüllt, eine Vision entwickelt: "An jenem Tag hören alle, die taub sind, sogar Worte, die nur geschrieben sind." (Jes 29, 18 a)
Wir haben nichts anderes getan als zu schreiben und zu lesen. Und häufig war ich überrascht, dass wir lesen und verstehen konnten, was nicht hatte geschrieben werden können, weil die Worte fehlten. Für mich war dies ein sehr hoffnungsvoller Vorgang, der mich oft - trotz allem Schweren - mit großer Freude erfüllte. Dafür danke ich euch herzlich. Ich wünsche uns, dass das Wort des Engels an die Hirten für uns an guten und an schweren Tagen hörbar bleibt: Fürchtet euch nicht! Und dass wir - wie bisher - einander daran erinnern können, wenn eine von uns es zu vergessen droht!
Euch allen frohe Weihnachten und Schalom!
Eure Rika