zurueck
Weihnachten 2010

Liebe Frauen von GottesSuche, liebe Gäste!


Wie formulierte der Kommentator der Frankfurter Rundschau? "Schwere Zeiten für Weihnachtsprediger: Zwei ihrer zentralen Begriffe – Kind und Krippe – sind kontaminiert, das Gift des sexuellen Missbrauchs vergällt die geistliche Rhetorik an Heiligabend. Wer kann in diesem Jahr vom Gotteskind hören, ohne an das zu denken, was Priester und Ordensleute Menschenkindern angetan haben? Viele Pfarrer und Bischöfe werden sich trotzdem scheuen, darüber erneut zu sprechen. Sie werden sich auf die Bedürfnisse gerade jener Gläubigen berufen, die sonst selten oder gar nicht zur Kirche kommen. Für sie sind „Stille Nacht“ und die Geschichte vom Stall zu Bethlehem Teil eines Rituals, Ausdruck einer tiefen Sehnsucht nach Geborgenheit und Harmonie. Der Missklang des Missbrauchs-Skandals steht hierzu im denkbar schrillsten Kontrast. Er stört das weihnachtliche Idyll."

Wenn Joachim Frank in der FR Recht hat, dann müssten wir die "Weihnachtsgeschichte" umschreiben. Dass ein Kaiser eine Volkszählung macht, um die Steuereinnahmen besser abschätzen zu können, sollte entfernt werden. Dass eine Frau keine Herberge findet, um ihr Kind zu gebären, müsste gestrichen werden. Die Geburt eines Kindes unter der Bedingung von Heimatlosigkeit sollte verschwiegen werden. Auch von Hirten auf dem Feld darf keine Rede sein, denn die gehörten zur untersten Schicht in Israel  (selber schuld!) und waren routinemäßig des Viehdiebstahls verdächtig. Der Weihnachtsgeschichte des Evangelisten Lukas fehlt entschieden die weihnachtliche Idylle.  Bei Matthäus ist das nicht viel anders. Hier streichen wir am besten die Mordabsichten des Herodes und die Flucht nach Ägypten. Und es sollte in den Weihnachtsgottesdiensten jeglicher Hinweis auf das Ende dieses gerade geborenen Kindes getilgt werden - es ist brutal und es passt nicht zur Weihnachtsstimmung.

Wir aber beharren darauf, dass Jesus Mensch geworden ist, in eine geschichtliche Zeit hineingeboren wurde und den Einflüssen politischer und religiöser Mächte ausgeliefert war - wie wir auch. Ein Jesus, der nur für die "gute Stimmung" gebraucht wird,
ist überflüssig. Ein Jesus, der unsere Ängste, Nöte, Schmerzen, Einsamkeiten - und die vieler anderer Menschen auch - kennt, der ist uns ein Bruder. Den Geburtstag dieses Bruders feiern wir gerne.
Idyllisch wird die Geburtstagsfeier nicht werden, weil wir unseren Alltag nicht ausklammern wollen und nicht ausklammern können. Aber die Feier wird unsere Hoffnung nähren, unseren Mut stärken, unser Durchhaltevermögen festigen, uns trösten, wo wir Trost brauchen und uns ermutigen, wo wir Ermutigung nötig haben.
Ich wünsche uns, dass uns all das geschenkt wird in diesen "heiligen" Tagen und dass wir dieses Geschenk dankbar annehmen können.
Eure Rika




Zur Startseite
Mailen Sie Diese Seite gehört zu http://www.gottes-suche.de nach oben