Wie formulierte der Kommentator der Frankfurter Rundschau?
"Schwere Zeiten für Weihnachtsprediger:
Zwei ihrer zentralen Begriffe – Kind und Krippe – sind kontaminiert,
das Gift des sexuellen Missbrauchs vergällt die geistliche
Rhetorik an Heiligabend. Wer kann in diesem Jahr vom Gotteskind
hören, ohne an das zu denken, was Priester und Ordensleute
Menschenkindern angetan haben? Viele Pfarrer und Bischöfe werden
sich trotzdem scheuen, darüber erneut zu sprechen. Sie werden sich
auf die Bedürfnisse gerade jener Gläubigen berufen, die sonst
selten oder gar nicht zur Kirche kommen. Für sie sind „Stille
Nacht“ und die Geschichte vom Stall zu Bethlehem Teil eines Rituals,
Ausdruck einer tiefen Sehnsucht nach Geborgenheit und Harmonie. Der
Missklang des Missbrauchs-Skandals steht hierzu im denkbar schrillsten
Kontrast. Er stört das weihnachtliche Idyll."
Wenn Joachim Frank in der FR Recht hat, dann müssten wir
die "Weihnachtsgeschichte" umschreiben. Dass ein Kaiser eine
Volkszählung macht, um die Steuereinnahmen besser abschätzen
zu können, sollte entfernt werden. Dass eine Frau keine Herberge
findet, um ihr Kind zu gebären, müsste gestrichen werden. Die
Geburt eines Kindes unter der Bedingung von Heimatlosigkeit sollte
verschwiegen werden. Auch von Hirten auf dem Feld darf keine Rede sein,
denn die gehörten zur untersten Schicht in Israel (selber
schuld!) und waren routinemäßig des Viehdiebstahls
verdächtig. Der Weihnachtsgeschichte des
Evangelisten Lukas fehlt entschieden die weihnachtliche Idylle.
Bei Matthäus ist das nicht viel anders. Hier streichen wir am
besten die Mordabsichten des Herodes und die Flucht nach Ägypten.
Und es sollte in den Weihnachtsgottesdiensten jeglicher Hinweis auf das
Ende dieses gerade geborenen Kindes getilgt werden - es ist brutal und
es passt nicht zur Weihnachtsstimmung.
Wir aber beharren darauf, dass Jesus Mensch geworden ist, in eine
geschichtliche Zeit hineingeboren wurde und den Einflüssen
politischer und religiöser Mächte ausgeliefert war - wie wir
auch. Ein Jesus, der nur für die "gute Stimmung" gebraucht wird,
ist überflüssig. Ein Jesus, der unsere Ängste,
Nöte, Schmerzen, Einsamkeiten - und die vieler anderer Menschen
auch - kennt, der ist uns ein Bruder. Den Geburtstag dieses
Bruders feiern wir gerne.
Idyllisch wird die Geburtstagsfeier nicht werden, weil wir unseren
Alltag nicht ausklammern wollen und nicht ausklammern können. Aber
die Feier wird unsere Hoffnung nähren, unseren Mut stärken,
unser Durchhaltevermögen festigen, uns trösten, wo wir Trost
brauchen und uns ermutigen, wo wir Ermutigung nötig haben.
Ich wünsche uns, dass uns all das geschenkt wird in diesen
"heiligen" Tagen und dass wir dieses Geschenk dankbar annehmen
können.
Eure Rika