"Man muss viele Geschichten kennen, um der
Hoffnungslosigkeit zu entgehen", meint Fulbert Steffensky 1.
Die
Weihnachtsgeschichte
ist
eine
dieser
Hoffnungsgeschichten. Sie
erzählt in der Legende vom Lebensanfang Jesu, was später
Wirklichkeit werden sollte. Sie erzählt von einem Kind, das in
Armut und Heimatlosigkeit geboren wurde. Dieses Kind findet sich von
Anfang an in der Gesellschaft Ausgegrenzter - der Hirten, die immer
wieder des Viehdiebstahls verdächtigt wurden. Und von Anfang an
ist sein Leben beeinträchtigt durch die Macht - und die Angst -
der Mächtigen: Der Kaiser von Rom will wissen, wie viele Steuern
er aus den Armen Israels rauspressen kann und lässt das Volk, die
Steuerzahler, zählen. Herodes, Vertreter des römischen
Imperiums, wittert in dem "neu geborenen König" Konkurrenz und
bedroht das Leben des Kindes. Von Anfang an nimmt die "große
Politik" des Imperiums Einfluss auf das Leben eines Kindes - damals wie
heute.
Und von Anfang an erkennen wir im Leben Jesu, wo der Ort Gottes ist:
Bei denen, die gefährdet und ohne Macht sind. Bei denen, die
marginalisiert sind und immer schon "verdächtig". Dort ist ein
guter Ort, weil es offensichtlich der Ort Gottes ist.
Ich wünsche uns, dass wir diese Weihnachtsgeschichte als eine
Hoffnungsgeschichte lesen lernen - mitten in der Krise. Ich
wünsche uns, dass wir im Gesicht dieses - und der anderen neu
geborenen :-)))) - Kindes lesen lernen, dass Vertrauen möglich ist
und dass keine von uns alleine ist.
Frohe Weihnachten!
Eure Rika
1Sölle/Steffensky,
Wider
den
Luxus
der
Hoffnungslosigkeit,
Freiburg 1995, S. 59