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Ostern 2009
Liebe Weggefährtinnen, liebe Freundinnen!

In jeder Osternacht wird die ganze Geschichte Gottes mit den Menschen erzählt, angefangen von der Erschaffung der Welt und des Menschen und fortgeschrieben in der Auferstehung Jesu, die ein Versprechen auch für uns heute ist: Auferstehung schon hier und heute.
Und nach jeder Osternacht sagen mir MitchristInnen: "Ich finde es unerträglich, dass im Gottesdienst davon erzählt wird, wie die Ägypter umkommen. Was ist das für ein Gott, der die Ägypter umbringt!" Oder sie fragen ein wenig differenzierter: "Was ist das für ein Gott, der zulässt, dass die Ägypter so elend umkommen?"

Zunächst scheint es, dass hinter diesen Fragen ein humanitäres Anliegen steht: Es darf niemand umgebracht werden. Das Anliegen ist berechtigt und begründet. Und das Mitleid mit den Ägyptern, die mit ihren schweren Streitwagen im Schilfmeer steckenbleiben und denen die Flucht vor dem herandröhnenden Wasser nicht gelingt, ehrt die Menschen, die keines Menschen vorzeitigen Tod wollen.

Bei genauerem Hinsehen und in weitergeführten Gesprächen zeigt sich aber dann, dass hinter dem Mitleid mit den armen Ägyptern das Mitleid mit Tätern steht. Die Menschen vergessen einfach, dass vor dem Untergang der Ägypter die Unterdrückung und Versklavung der Hebräer und Hebräerinnen durch die Ägypter stand. Sie vergessen das Leid der hebräischen Sklavenarbeiter und das Leid der Hebräerinnen, die in ihren Schwangerschaften Todesängste ausgestanden haben. Wenn das Neugeborene nämlich ein kleiner Junge war, dann drohte ihm die Ermordung. Und seine Mutter wusste es und musste 9 Monate mit dieser Bedrohung leben. - Wie viel Morde hebräische Hebammen - wie Schifra und Puah - haben verhindern können, ist unbekannt.

Gott jedoch scheint anders zu handeln. Gott lässt zu, dass die hochgerüsteten Ägypter an ihrer eigenen Militär-Technologie zugrunde gehen und die Sklaven und Sklavinnen fliehen können. Das ist ein Lichtblick in einer Welt, die sich lieber um die armen Täter als um die störenden Opfer kümmert. Gott sorgt sich um die Opfer und er vergisst über dem Leiden der Täter nicht, was zuvor den Opfern angetan wurde. Zur Wahrheit gehört unabdingbar Gerechtigkeit. Gott weiß das - und wir dürfen Ihm/Ihr überlassen, wie Er/Sie die Gerechtigkeit herstellt.
Und so können wir Ostern feiern in der Hoffnung und sicheren Gewissheit, dass unser Gott die Opfer nicht vergisst.
Herzlich!
Eure Rika





















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