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Karwoche und Ostern 2008

Liebe Freundinnen und Weggefährtinnen!

"Dass ich dich liebe - was geht's dich an!" formuliert das leichte Mädchen Philine aus "Wilhelm Meister" von Goethe. Was geht es Gott an, dass ich Gott liebe? Anders ausgedrückt: Die Liebe zu Gott kann stärker sein als jede Form menschlichen Unglücks.

Ich glaube, dass sich exakt diese Erkenntnis im Garten Getsemani abgespielt hat. Dreimal hat Jesus zu Gott gebetet - und immer ist er ohne Antwort geblieben. Das kommende Leid und die gegenwärtige Angst davor wurden nicht weggenommen. Gott antwortete nicht. Die Freunde schliefen und taten das, was Menschen oft tun, wenn das Leid eines anderen übermächtig ist: Sie machen einfach die Augen zu und bleiben die Antwort schuldig. Wir kennen das ja.

Was ist geschehen in Getsemani? Zuerst bittet Jesus, dass das Leid an ihm vorübergehen möge. Ein zweites Mal betet er: Sollte das Leid nicht vorbeigehen, dann möge Gottes Wille geschehen. Matthäus lässt Jesus beim dritten Gebet das zweite Gebet wiederholen. Er wird seine Gründe für die Wiederholung haben. Danach kann Jesus zu den erneut eingeschlafenen Freunden sagen: "Steht auf! Wir wollen gehen!" Da sind eine Kraft und eine Selbstbestimmtheit in Jesus, die vor dem Gebet nicht da waren und die auch durch die Angst vor dem Kommenden nicht aufgehoben werden.

Was ist in Getsemani geschehen?
Ich weiß es nicht wirklich. Mit masochistischer Leidensverliebtheit darf, was immer geschehen ist, nicht verwechselt werden, scheint mir. Mit einer protestlosen Zustimmung zu den Machtverhältnissen, wie sie nun mal sind, auch nicht. Es muss etwas sein, das jenseits von Leidensverliebtheit und jenseits von Zustimmung zu den Unrechtsverhältnissen zu suchen ist. Vielmehr muss es etwas sein, das mit der Liebe zum Leben zu tun hat und mit der Liebe zu Gott.  Genauer kann ich es nicht sagen.

Ostern werden wir dann miteinander die unverbrüchliche Liebe Gottes zum Leben feiern dürfen - schließlich hat an diesem Tag der Tod endgültig nicht das letzte Wort - sondern die Liebe zum Leben, hier und jetzt schon und danach auch noch.

Uns allen eine Karwoche und ein Ostern auf dem Weg der Liebe zum Leben!
Eure Rika







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