Hoffnungsseite
ICH MUSS NIEMANDEM
UND MIR SELBST NICHT BEWEISEN,
DASS MEIN LEBEN SCHÖN IST UND GUT
UND DASS ICH GLÜCKLICH BIN.

DASS ICH GLÜCKLICH WERDEN
UND SEINEM REICH ENTGEGENREIFEN KANN;
LIEGT IN SEINEN HÄNDEN.
UND ER WIRD ES SCHENKEN,
JETZT UND IN ZUKUNFT
WIE VON ALLEM ANFANG AN.


Liebe Weggefährtinnen und Freundinnen!

„… Wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.“ – so beten wir oft am Ende der Psalmen und anderer Gebete.
Rika bat mich, für den diesjährigen Pfingstbrief noch etwas zu dem Lied zu schreiben, das ich vor einigen Wochen in den Wirren meines Umzugs wieder entdeckt und in die Mailingliste geschrieben habe.

Es kommt immer mal wieder vor, dass ich gefragt werde, warum ich so verkrampft und traurig bin, wenn ich doch an Jesus Christus und die Auferstehung glaube und so. Und manchmal frage ich mich das auch selbst: „Wie kann es sein, dass meine Ängste mich immer wieder so gefangen nehmen?“

Wir sind es von den Naturwissenschaften gewohnt, Wirkungen als Auswirkungen der Vergangenheit zu betrachten. Ein Stein rollt, weil er von einem anderen Stein angestoßen worden ist. Das Licht geht an und aus, wenn ich den Schalter betätige, weil ich damit den Stromkreis schließe oder unterbreche …
Manchmal wird auch das Leben Jesu so behandelt. Und die Auferstehung. Wir meinen, dass unser Leben von der Vergangenheit her zementiert ist: Weil die Auferstehung war, muss mein Leben so oder so sein. Wenn es das nicht ist, dann bin ich nicht richtig von der Auferstehung berührt. Dann glaube ich nicht richtig und bete nicht richtig. Jedenfalls muss der Fehler bei mir liegen, denn an Gott kann es ja nicht liegen.

Der evangelische Theologe W. Pannenberg hat die Perspektive recht klug gewendet, wie mir scheint. Er meint, dass uns Gottes Wirken aus der Zukunft entgegenkommt. Den Geist Gottes stellt er sich wie ein Kraftfeld vor, das von Gott ausgeht wie von einem Magneten. Dieser Magnet liegt in der Zukunft und entfaltet von dort aus seine Wirkung.
Die Machttaten Gottes in der Vergangenheit sind sozusagen Zukunft, die schon zur Wirklichkeit geronnen ist. An ihnen kann man ablesen, was Gottes Macht vermag und wie Gott es mit uns meint.

Wir glauben mit den Kirchen daran, dass sich die Welt mit Jesus Christus verändert hat. Und wir wissen aus Erfahrung, wie sehr sich Vergangenes auf die Gegenwart auswirkt. Das alles sei nicht in Abrede gestellt.

Aber zu diesem Pfingstfest wünsche ich allen, die an sich und an anderen leiden und sich kein bisschen erlöst fühlen, den „Beistand“ ins Herz, der uns von Jesus verheißen worden ist. Dass er die „Ankläger“ zum Schweigen bringe, die uns auf Vergangenheit und Gegenwart festnageln wollen, und uns für die Zukunft bei Gott öffne:
Gott wird es schenken. Er fängt gerade wieder damit an, indem er sagt: „Du bist doch noch gar nicht fertig.“ Und vielleicht auch: „Wir sind doch noch lange nicht fertig miteinander, wir haben noch lange miteinander zu tun!“

„… Wie im Anfang so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.“

Frohe Pfingsten!

S.







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