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Archiv Gäste-Geschichten II
26.12.2003 -


Inhalt
Wasser
Das Märchen von der traurigen Traurigkeit
So geht es Gott
Wenn der Baum geboren wird
Der Esel, der Rabe und der Hirt
Zur Stärkung
Aufhebung
Sonne und Wind
Steinpalme
Was ich dir wünsche
Wussten Sie schon?
Glanz des Himmels
Es wird erzählt
Ein frommer Rabbi
Schiffe bauen
Vom Wert der Dinge und der Menschen
22.11.2007 11:10:50
julia < http://www.myblog.de/intarsien >
Das von mir beschrieben Geschehen dokumentiert mein Leben - und all diese Dinge passien in so vielen Familien, so o. ähnlich. Verbrechen an Kindern - und sie bleiben allzuoft ungesühnt - in meinem Fall sprechen sie von "Verjährung" - seltsam, bei mir verjährt nichts, nein, es schmerzt täglich mehr, denn ich bin sehr krank davon geworden, und auch heute zeichnet niemand verantwortlich!
Ich möchte aufrütteln, möchte unbequem sein - denn es gibt uns! Ja, ich werde reden, schreiben, und das mit echtem Namen - Verstecken war gestern, gleich, wieviele Leute mich wieder erkennen - ich habe nichts verbrochen, und die sollten sich schämen, die mich später noch zusätzlich drangsaliert haben - sicher nicht ich!

Auch der aufgeführte Ärztepfusch auf meiner Seite bleibt ohne Konsequenzen für den Arzt; ebenso die vielen Schikanen und zugefügten Schmerzen durch die Götter der Medizin; und auch das interessiert nicht - aber ich werde nicht schweigen!


An mir wurden Menschenrechte verletzt, viele Male, und das beschreibe ich hier, ungeschönt, offen, niemals gefällig.
...ich hatte Gott geliebt, hatte auf ihn gehofft - aber angesichts meiner Geschichte - siehe meine Webseite/Blog weiß ich wirklich nicht mehr, was ich fühlen soll, außer:


Gott hat sein Kind alleine gelassen!!! Und: bitte keine Phrasen jetzt, denn ich werde mich nicht brav einreihen und sagen, alles hatte seinen Sinn, denn das hat es nicht - ohne weitere Worte also findet Ihr mein Leben in:

http://www.myblog.de/intarsien

Antworten online lese ich generell nicht, zuviel wird innerhalb zwei Minuten in die Tasten gehackt, unbedacht, ignorant, verletzend, was immer - wer etwas sagen möchte, kann dies gerne über die im Blog aufgeführte Postfachadresse tun - ich verstecke meinen Namen nicht mehr.



25.12.2006 18:16:16
warum

VOM KÖNIG, DER GOTT SEHEN WOLLTE

In einem fernen Land wohnte ein König, der am Ende seines Lebens sehr traurig feststellte: Vieles habe ich in meinem Leben gesehen, Gott aber habe ich nie gesehen.
Er ließ alle Gelehrten des Landes zu sich kommen. Sie sollte ihm zeigen, wo Gott ist.
Als sie zum König kamen, wussten sie jedoch keine Antwort auf die Frage und blieben stumm. Sie kannten den Zorn des Königs. Wahrscheinlich würde er sie jetzt alle zum Tode verurteilen.

Da kam ein Hirt vom Feld. Er hatte von der Frage des Königs gehört und wollte helfen.
Er führte den König auf ein Feld, und bat ihn in die Sonne zu blicken. Der König versuchte es, doch der Glanz der Sonne blendete ihn. Schnell senkte er den Kopf und schloss die Augen. „Willst du, dass ich blind werde?“ fuhr er den Hirten an.
„Aber König, die Sonne ist doch nur ein schwacher Abglanz vom Licht Gottes. Wie willst du Gott schauen, wenn deine Augen schon zu schwach sind, um sein Bild zu sehen? Suche ihn mit den Augen des Herzens! “ antwortete der Hirte.
Dem König gefiel diese Antwort. Er stellte ein weitere Frage. Was war vor Gott?
Der Hirt forderte ihn auf , bitte beginne zu zählen.
Der König folgte der Aufforderung, eine, zwei , drei...... .
„Nein, nicht so. Beginne mit dem, was vor eins kommt?, sagte der Hirt.
Der König antwortete:“ Wie kann ich das? Vor eins kommt nichts!“
„Du hast weise gesprochen,“ meinte der Hirt, „auch vor Gott kommt nichts!“
Dem König gefiel auch diese Antwort. Jetzt fragte er, was macht Gott?
Der Hirt sagte zu ihm: „ Bitte König, lass uns für eine Weile unsere Kleider tauschen.“
Der König legte sein Gewänder und die Zeichen seiner Macht ab. Der Hirt zog sie an, während der König die Kleidung des Hirte anlegte. Dann setze sich der Hirt auf den Thron. Der König blieb an den Stufen des Thrones stehen. "Siehst du, das macht Gott! Die Kleinen macht er groß, und die Großen macht er klein!“



13.09.2005 13:44:30
Eisvogel
Wasser


so klar und rein
so zielstrebig in seinem Weg
langsam, plätschernd, tosend,
brausend, aber unbeirrbar im Weg
geht an Hindernissen vorbei und
nichts hält es auf

ein Tropfen manchmal nur, und machmal eine See
es kann Freude machen und bereichern
manchmal ist es auch Gefahr
aber die Gefahr kommt nicht vom Wasser selbst
sondern von außen

Wasser, Quelle des Lebens???
Wasser kann heilen, kann löschen
Feuer und Wunden, Durst und Sehnsucht
Wasser kann reinigen, manchmal
auch innen

Ohne Wasser kein Leben
und ohne Wasser kein Eisvogel
Darum hofft der Eisvogel immer
Wasser zu finden, sauberes und
klares, damit er nicht vergiftet wird.

Ein Eisvogel ist selten und
wunderbar ist sein buntes Gefieder
er ist einmalig und selten
und nur wenige bekommen ihn zu sehen.

Schau genau, dann erkennst Du eines Tages
vielleicht auch einen Eisvogel.

 
11.03.2005
Suse 
Das Märchen von der traurigen Traurigkeit
Es war eine kleine Frau, die den staubigen Feldweg entlangkam. Sie war wohl schon recht alt, doch ihr Gang war leicht, und ihr Lächeln hatte den frischen Glanz eines unbekümmerten Mädchens. Bei der zusammengekauerten Gestalt blieb sie stehen und sah hinunter. Sie konnte nicht viel erkennen. Das Wesen, das da im Staub des Weges saß, schien fast körperlos. Es erinnerte an eine graue Flanelldecke mit menschlichen Konturen. Die kleine Frau bückte sich ein wenig und fragte: 'Wer bist du?' Zwei fast leblose Augen blickten müde auf. 'Ich? Ich bin die Traurigkeit', flüsterte die Stimme stockend und so leise, daß sie kaum zu hören war. 'Ach die Traurigkeit!' rief die kleine Frau erfreut aus, als würde sie eine alte Bekannte begrüßen. 'Du kennst mich?' fragte die Traurigkeit mißtrauisch. 'Natürlich kenne ich dich! Immer wieder einmal hast du mich ein Stück des Weges begleitet.' 'Ja aber...', argwöhnte die Traurigkeit, 'warum flüchtest du dann nicht vor mir? Hast du denn keine Angst?' 'Warum sollte ich vor dir davonlaufen, meine Liebe? Du weißt doch selbst nur zu gut, daß du jeden Flüchtigen einholst. Aber, was ich dich fragen will: Warum siehst du so mutlos aus?' 'Ich.....ich bin traurig', antwortete die graue Gestalt mit brüchiger Stimme.

Die kleine, alte Frau setzte sich zu ihr. 'Traurig bist du also', sagte sie und nickte verständnisvoll mit dem Kopf. 'Erzähl mir doch, was dich so bedrückt.' Die Traurigkeit seufzte tief. Sollte ihr diesmal wirklich jemand zuhören wollen? Wie oft hatte sie sich das schon gewünscht. 'Ach, weißt du', begann sie zögernd und äußerst verwundert, 'es ist so, daß mich einfach niemand mag. Es ist nun mal meine Bestimmung, unter die Menschen zu gehen und für eine gewisse Zeit bei ihnen zu verweilen. Aber wenn ich zu ihnen komme, schrecken sie zurück. Sie fürchten sich vor mir und meiden mich wie die Pest.' Die Traurigkeit schluckte schwer. 'Sie haben Sätze erfunden, mit denen sie mich bannen wollen. Sie sagen: Papperlapapp, das Leben ist heiter. Und ihr falsches Lachen führt zu Magenkrämpfen und Atemnot. Sie sagen: Gelobt sei, was hart macht. Und dann bekommen sie Herzschmerzen. Sie sagen: Man muß sich nur zusammenreißen. Und sie spüren das Reißen in den Schultern und im Rücken. Sie sagen: Nur Schwächlinge weinen. Und die aufgestauten Tränen sprengen fast ihre Köpfe. Oder aber sie betäuben sich mit Alkohol und Drogen, damit sie mich nicht fühlen müssen.' 'Oh ja', bestätigte die alte Frau, 'solche Menschen sind mir schon oft begegnet.' Die Traurigkeit sank noch ein wenig mehr in sich zusammen. 'Und dabei will ich den Menschen doch nur helfen. Wenn ich ganz nah bei ihnen bin, können sie sich selbst begegnen. Ich helfe ihnen, ein Nest zu bauen, um ihre Wunden zu pflegen. Wer traurig ist hat eine besonders dünne Haut. Manches Leid bricht wieder auf wie eine schlecht verheilte Wunde, und das tut sehr weh. Aber nur, wer die Trauer zuläßt und all die ungeweinten Tränen weint, kann seine Wunden wirklich heilen. Doch die Menschen wollen gar nicht, daß ich ihnen dabei helfe. Statt dessen schminken sie sich ein grelles Lachen über ihre Narben. Oder sie legen sich einen dicken Panzer aus Bitterkeit zu.'

Die Traurigkeit schwieg. Ihr Weinen war erst schwach, dann stärker und schließlich ganz verzweifelt Die kleine, alte Frau nahm die zusammengesunkene Gestalt tröstend in ihre Arme. Wie weich und sanft sie sich anfühlt, dachte sie und streichelte zärtlich das zitternde Bündel. 'Weine nur, Traurigkeit', flüsterte sie liebevoll, 'ruh dich aus, damit du wieder Kraft sammeln kannst. Du sollst von nun an nicht mehr alleine wandern. Ich werde dich begleiten, damit die Mutlosigkeit nicht noch mehr an Macht gewinnt.' Die Traurigkeit hörte auf zu weinen.

Sie richtete sich auf und betrachtete erstaunt ihre neue Gefährtin: 'Aber...aber - wer bist eigentlich du?' 'Ich?' sagte die kleine, alte Frau schmunzelnd, und dann lächelte sie wieder so unbekümmert wie ein kleines Mädchen. 'Ich bin die Hoffnung.'!

Inge Wuthe





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10.02.2005
Die jüdischen Chassidim erzählen folgende Geschichte:
Ein kleiner Junge kommt weinend zu seinem Großvater, dem Rabbi Joschua. Der fragte ihn: 'Warum weinst Du?' 'Wir spielten Versteck', berichtet der Kleine, 'ich hatte ein besonders gutes gefunden und mich darin verborgen. Aber sie vergaßen, mich zu suchen'. Da begann auch der alte Rabbi zu weinen und sagte: 'So geht es Gott. Er hat sich verborgen, damit man ihn sucht. Aber die Menschen haben ihn vergessen und suchen ihn nicht'.


 

 
 
26.01.2005
 
Wenn der Baum geboren wird,
ist er nicht sofort groß.
Wenn er groß ist,
blüht er nicht sofort.
Wenn er blüht,
bringt er nicht sofort Früchte hervor.
Wenn er Früchte hervorbringt,
sind sie nicht sofort reif.
Wenn sie reif sind,
werden sie nicht sofort gegessen.

Aegidius von Assisi

 

 

19.01.2005
 
Der Esel, der Rabe und der Hirt
Auf einer Wiese weidete ein Esel, der sich den Rücken wund geschunden hatte. Dies sah ein Rabe, flog auf den Esel zu, setzte sich auf dessen Rücken und fing an, mit dem Schnabel in das rohe Fleisch zu picken.
Dies schmerzte den Esel sehr, und obgleich er sich bemühte, den lästigen Gast los zu werden, gelang es ihm nicht.
Wenige Schritte davon lag sein Hüter, der mit einem Worte den Raben hätte vertreiben können. Der aber ergötzte sich an den tollen und possierlichen Sprüngen und Gesichtern, welche der Esel von Schmerz getrieben machte, und lachte laut dazu.
'Oh!' rief der Esel aus, 'jetzt fühle ich wirklich meine Schmerzen doppelt, weil mich auch der verlacht, der mir helfen könnte und sollte.' (Aesop)



 
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26.12.2004
Zur Stärkung des Glaubens, insbesondere für die, die zur Zeit in der Krise sind:
http://www.joerg-sieger.de/predigt/weihn/weih_c.htm
 


29.11.2004
 
AUFHEBUNG
Sein Unglück ausatmen können,
tief ausatmen,
so dass frau wieder einatmen kann
und vielleicht auch ihr Unglück sagen kann
in Worten, in wirklichen Worten,
die zusammenhängen und Sinn haben,
die man selbst noch verstehen kann
und die vielleicht auch irgendwer sonst versteht
oder verstehen könnte
und weinen können
das wäre schon fast wieder Glück

Erich Fried

 
 
22.10.2004
 
Die Sonne und der Wind

Einst stritten sich die Sonne und der Wind darüber, wer von ihnen mehr Macht über die Menschen habe. 'Schau dir diesen Mann dort unten an', sagte der Wind. 'Ich werde ihm binnen kurzem Hut und Mantel entreißen.'

Und der Wind blies ganz fürchterlich. Doch je heftiger er wehte und stürmte, desto fester presste der Mann seinen Hut an den Kopf, und er knöpfte außerdem schnell den Mantel zu. So lange, bis der Wind aufgeben musste.

Danach war die Sonne an der Reihe. Sie lächelte freundlich vom Himmel herab, dass es dem Mann ganz warm ums Herz wurde. So zog er Hut und Mantel aus, um ihre wärmenden Strahlen so richtig genießen zu können.

(Hab ich mal im Radio gehört, die Geschichte.)



 

11.10.2004
vibre 
Die Steinpalme

Es war Spätnachmittag, und es war ein Wind aufgekommen, der leise über die Haare streicht und auf dem Gesicht eine Ahnung von Kühle hinterlässt. Es war die Zeit, die zum Erzählen verführt, ja, die Lust auf Märchen wurde so zwingend, dass alle den weisen Raman baten, doch eine seiner wundervollen Geschichten zu erzählen.

Der kluge, alte Mann lächelte. Er überlegte einen Augenblick und rief dann: 'Wir treffen uns an der Steinpalme, wenn die Feuer angezündet werden!'

'Steinpalme? Was bedeutet das?' riefen sie hinter dem Alten her. 'Sucht sie!' Er sagte dies schon im Fortgehen. 'Sucht sie! Der Baum ist nicht zu verfehlen.'

Noch ehe die Nacht plötzlich herabfiel, hatten sie den Baum gefunden. Neben den vielen Palmen am Strand, die in ihrer schlanken Schönheit wie winkende Frauen zu sein schienen, stand diese eine etwas abseits, doch so, dass ihre starken, dunkelgrünen Blattfächer die neben ihr stehenden Bäume leicht berührten. Es war eine eigenartig geformte Palme! Sie wirkte gedrungen, mit einem mächtigem Stamm und starken Fächern, die in ihren Bewegungen sichtbare Mäßigung zeigten und nichts von der Heiterkeit hatten, die alle anderen Palmen so weiblich machte. Das Merkwürdigste aber war die Krone der Palme! Der Baum neigte sich mit seinen Blattfächern zur Mitte hin.

'Seht nur genau hin', sagte der alte Erzähler, der sich in ihre Mitte gesetzt hatte, 'achtet auf das nächste Wehen des Windes.' Und sie konnten es sehen! Als der Wind die Fächer der Bäume etwas auseinander wehte, da sahen sie es: Im Herzen der Palme, dort, wo sonst die neuen, hellgrünen Triebe aus der Mitte des Stammes nach oben drängten, lag ein mächtiger, rötlicher Stein, ein Stein, wie unzählige am Strand herumlagen.

Raman ließ keine Zeit zum Fragen. Mit einer weiten Armbewegung zeigte er, dass sich alle im Kreis setzen sollen. Ein Feuer wurde in der Mitte angezündet, und die Nacht kam schnell und fiel über alles wie ein schwarzes Tuch. Der Schein des Feuers erreichte den Stamm der großen Palme und malte auf den Schuppen bizarre Zeichen. Wenn eine Flamme hell aufflackerte, konnte man die Krone des mächtigen Baumes ahnen.

'Ihr wollt wissen, wie der große Stein dort oben hinaufgekommen ist!' begann Raman seine Erzählung. 'Nun, dies geschah vor vielen, vielen Jahren, als die mächtige Palme noch ein winziger Bäumling war. Hier waren damals noch keine Häuser, und es gab auch noch keinen Brunnen. Nur einige Palmen standen am Strand. Ihnen und dem kleinen Palmenbaum genügte das, was sie aus dem Sandboden an Nahrung und vom Himmel an Feuchtigkeit bekamen.

Die kleine Palme liebte das Meer und die Musik des Wassers. Sie liebte den leisen Wind an den Spätnachmittagen und die plötzlich hereinbrechende, oft kalte Nacht mit ihrer schattenlosen Dunkelheit. Und sie liebte den Mond in den klaren Nächten, dessen Licht harte Umrisse malt und auf dem Meer lange Streifen zieht, die eine Ahnung von Unendlichkeit geben. Der kleine Baum wusste, dass wenige Meter hinter ihm die Wüste war. Aber er hatte keine Vorstellung von ihr, er wusste nicht, was wasserlos und leer bedeutete. Er war ein kräftiger, glücklicher Palmenschössling. Bis zu dem Tag, an dem der Mann kam!

Er kam durch die Wüste. Er war tagelang umhergeirrt, hatte sein Hab und Gut verloren und war vor Durst und Hitze fast um den Verstand gekommen. Seine Hände brannten wund vom vergeblichen Graben nach Wasser, und alles an ihm war grenzenloser Schmerz. So stand er vor dem Wasser, vor dem endlosen, weiten, salzigen Wasser. Der Mann warf seinen ausgedörrten Körper in das Wasser hinein, aber in seinem Mund mit den aufgerissenen Lippen und der dickpelzigen Zunge brannte der Durst, den das Salzwasser nicht stillen konnte.

Da packte ihn ein rasender Zorn. 'Ich habe Anspruch auf Wasser!' schrie er. 'Ich will leben, weil ich einen Anspruch darauf habe!' Er griff nach einem großen Stein. Sein Zorn gab ihm Kräfte, die sein ausgedörrter Körper kaum noch hergeben konnte, und er schrie über die Grenzenlosigkeit des Wassers, schrie gegen die Unauslöschbarkeit der Sonne, schrie gegen die Wüste und hinauf zu den unerreichbaren Kronen der Palmen. Drohend hatte er den Stein erhoben. Seine Arme zitterten, und es schien, als wolle alle Kraft ihn endgültig verlassen.

Da sah er neben den großen Palmen, zwischen Geröll und Sand, den Palmenschössling stehen, in hellem Grün und voller Hoffnung auf jeden neuen Tag. 'Warum lebst du?' schrie der Mann. 'Warum findest du Nahrung und Wasser, und ich verdurste hier? Warum bist du so jung und schön? Warum hast du alles und ich nichts? Du sollst nicht leben!' Mit aller noch vorhandenen Kraft presste er den Stein mitten in das Kronenherz des jungen Baumes.

Es knirschte und brach. Es war, als vervielfachte sich das Knirschen und Brechen bis in die Unendlichkeit der Wüste und des Meeres. Und dann kam eine entsetzliche Stille! Der Mann brach neben der kleinen Palme zusammen. Zwei Tage später fanden ihn Kameltreiber - man sagt, dass er gerettet wurde.

Von den Treibern hatte sich keiner um den kleinen, zerschmetterten Palmbaum gekümmert. Er war unter der Last des Steines fast begraben, sein Tod schien unausweichlich. Seine hellgrünen Fächerblätter waren abgebrochen, und in der heißen Glut der Sonne verdorrten sie schnell. Sein weiches Palmherz war gequetscht, und der große Stein lastete so schwer auf dem zierlichen Stamm, dass er bei jedem leisen Windhauch abzubrechen drohte.

Doch der Mann hatte die kleine Palme nicht töten können. Er konnte sie verletzen, aber nicht töten. Als sich in dem jungen Baum das entsetzliche Geräusch der brechenden Zweige, das Zerfasern der jungen Triebe und der brennende Schmerz zusammenballten, als alles eine ungeheure, wolkenähnliche Masse von Schmerz und immer wieder Schmerz war, da regte sich gleichzeitig, daneben, ohne Verbindung zum Schmerz und allen zerstörenden Geräuschen, eine erste kleine Welle von Kraft. Und diese Welle vergrößerte sich, fiel in die Wellenbewegung des Schmerzes, wuchs, machte die Pausen zwischen Schmerz und Wieder-Schmerz länger und länger, bis die Kraft größer wurde als der Schmerz.

Der Baum versuchte, den Stein abzuschütteln. Er bat den Wind, ihm zu helfen. Aber es gab keine Hilfe. Der Stein blieb in der Krone, dem Herzen der kleinen Palme, und rührte sich nicht. 'Gib es auf', sagte sich die kleine Palme, 'es ist zu schwer. Es ist dein Schicksal, so früh zu sterben. Füge dich! Lass dich selber los. Der Stein ist zu schwer.' Aber da war auch eine andere Stimme, die sagte: 'Nein, nichts ist zu schwer. Du musst es nur versuchen, du musst es tun.' 'Wie soll ich es tun?' fragte die Palme, 'der Wind kann mir nicht helfen. Ich stehe allein in meiner Schwachheit. Ich kann den Stein nicht abwerfen.' 'Du musst ihn nicht abwerfen', sagte wieder die andere Stimme. 'Du musst die Last des Steines annehmen. Dann wirst du erleben, wie deine Kräfte wachsen.'

Und der junge Baum nahm in seiner Not seine Last an und verschwendete keine Kraft mehr an das Bemühen, den Stein abzuschütteln. Er nahm ihn in die Mitte seiner Krone. Er klammerte sich mit langen, kräftiger werdenden Wurzeln in den Boden, denn er brauchte mit seiner doppelten Last einen doppelten Halt. Dann kam der Tag, an dem sich die Wurzeln der Palme so tief gesenkt hatten, dass sie auf eine Wasserquelle stießen. Befreit schoss eine Quelle noch oben, und sie hat diesen Platz hier zu einem Ort der Freude und des Wohlstands gemacht.

Nun, als der Baum festen Halt im Grund hatte und dort dauernde Nahrung fand, begann er, nach oben zu wachsen. Er legte breite, kräftige Fächerzweige um den Stein herum. Man konnte manches Mal meinen, dass er den Stein beschützte. Sein Stamm gewann mehr und mehr an Umfang, und mochten die anderen Palmen am Strand höher und lieblicher sein, der Palmbaum, den die Leute bald die Steinpalme nannten, war unbestritten der mächtigste Baum. Seine Last hatte ihn aufgefordert, und er hatte den Kampf gegen seinen Kleinmut aufgenommen. Er hat diesen Kampf gewonnen. Er hat eine Quelle freigelegt, die seitdem den Durst vieler gelöscht hat, und, was sicher das Wichtigste ist, der Baum hat seine Last angenommen und hoch hinausgetragen. Sie liegt auch heute noch auf seinem Herzen, aber sie ist in seinem Dasein an eine Stelle gerückt, die sie tragbar macht. Nur die äußere Last erscheint uns tragbar. Ist sie angenommen, wird sie ein Teil von uns selbst.'

Raman, der Erzähler, legte beide Hände an den Stamm der großen Palme. Das Feuer war fast niedergebrannt. Die Zuhörer verließen einer nach dem anderen den Platz. Nur einer blieb noch. Er war spät gekommen und hatte ein wenig abseits gesessen. Er setzte sich nun zu Raman, und beide saßen lange ohne Worte.

'Ich bin der Mann, der den Stein auf die Palme gedrückt hat', sagte der Mann. 'Ich hatte es vergessen, doch deine Erzählung weckte alles wieder auf. Was soll ich tun? Ich fühle Schuld.' 'Dann trage die Schuld wie der Baum den Stein', antwortete Raman. 'Nimm die Schuld an. Versuche, soviel du vermagst, davon in Liebe zu verwandeln. Vergiss dabei nicht, dass Liebe etwas ist, was man tun muss. Es nützt nichts, sie nur zu erkennen und um ihre Notwendigkeit zu wissen. Liebe ist Leben und wächst allein aus dem Tun.'

Die Männer saßen noch lange unter der Palme, und es war ein leichter Wind, der das Feuer wieder zum Brennen brachte.



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19.09.2004
 
Was ich dir wünsche?

Nicht, dass du der schönste Baum bist,
der auf dieser Erde steht.
Nicht, dass du jahraus, jahrein
leuchtest von Blüten an jedem Zweig.

Aber dass dann und wann
an irgendeinem Ast eine Blüte aufbricht,
dass dann und wann etwas Schönes gelingt,
irgendwann ein Wort der Liebe ein Herz findet,
das wünsche ich dir.

Ich wünsche dir, dass du dem Himmel nahe bist
und mit der Erde kräftig verbunden,
dass deine Wurzeln Wasser finden
und deine Zweige im Licht sind.

Dass du Halt findest an einem festen Stamm
und die Kraft hast, Stamm zu sein
für die, die du tragen sollst.

Dass du mit allem, was krumm ist an dir,
an einem guten Platz leben darfst
und im Licht des Himmels.

Dass auch, was nicht gedeihen konnte, gelten darf
und das Knorrige und Unfertige
an dir und deinem Werk
in der Gnade Gottes Schutz finden.


Jörg Zink, Ich bin ein Baum. Eine Lebensreise, Verlag am Eschbach, Eschbach/Markgräflerland 2000, S. 9

(Danke der Unbekannten für die guten Wünsche! Rika)


   


07.05.2004
maria 

wussten sie schon

wussten sie schon
dass die nähe eines menschen
gesund machen,krank machen
tot und lebendig machen kann

wussten sie schon
dass die nähe eines menschen
gut machen, böse machen
traurig und froh machen kann

wussten sie schon
dass das wegbleiben eines menschen
sterben lassen kann
dass das kommen eines mensschen wieder leben lässt

wussten sie schon
dass die stimme eines menschen
einem anderen menschen, der für alles taub war
wieder aufhorchen lässt

wussten sie schon
dass das wort oder das tun eines menschen
wieder sehend machen kann
einen, der für alles blind war, der nichts mehr sah
der keinen sinn mehr sah in dieser welt und in seinem leben

wussten sie schon,
dass das zeithaben für einen menschen
mehr ist als geld
mehr als medikamente
unter umständen mehr als eine geniale operation

wussten sie schon
dass dasanhören eines menschen wunder wirkt
dass das wohlwollen zinsen trägt$dass ein vorschuss an vertrauen
hundertfach auf uns zurückkommt

wussten sie schon
dass tun mehr ist als reden
wussten sie das alles schon
wussten sie auch schon
dass der weg vom wissen über das reden zum tun
undendlich weit ist

(wilhelm willms)



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12.03.2004
 
Das kleine Mädchen fragte seine Mutter: 'Woher kommen die Sterne?' Die Mutter antwortete: 'Gott hat mit einer Nadel Löcher in das Zelt des Himmels gestochen'. Das Mädchen wollte wissen, warum Gott das getan habe. Nach einem langen Blick in den sternenklaren Himmel sagte die Mutter lächelnd: 'Damit die Menschen ein wenig vom goldenen Glanz des Himmels sehen können.'
(Quelle unbekannt)


 
25.01.2004
Es wird erzählt:
'Ein alter Russe hat mir folgende Geschichte erzählt: In seiner Jugend, nach der russischen Revolution, ist er nach Frankreich geflohen. Weil er nichts zu tun und kein Geld hatte, ging er in die Fremdenlegion und wurde dort Offizier. Unter seinen Legionären war auch ein deutscher Soldat, der sich durch besondere Brutalität der Sprache und des Umgangs auszeichnete. Nun kam es einmal zu einem Scharmützel, und dieser junge Legionär wurde schwer verwundet. Er läßt seinen Offizier, den damals noch jungen Russen, zu sich rufen. Dieser überlegt sich, ob er hingehen soll, um dann nur wieder unflätige Worte zu hören. Er geht schließlich doch hin und findet den verwundeten Legionär verändert. Dieser stellt ihm in Französisch, in sehr feinen Worten die Frage: &#8218;Glauben Sie, daß Christus mir etwas von sich geben kann, wenn ich jetzt sterbe?' Der junge Offizier war etwas verwirrt und fragte: &#8218;Was meinen Sie damit?' &#8218;Ja', sagte der Verwundete, &#8218;wenn ich jetzt sterbe und dann hinüber komme und da dann all die Engel und Heiligen sind, dann werden die auf mich zeigen und sagen: &#8218;Was macht der denn da!?' und ich werde nicht hineinkommen. Aber wenn Christus mir etwas von sich gibt, dann können sie nichts sagen, dann komme ich rein.' Der Russe hat dem Legionär versichert, Christus werde ihm wohl etwas von sich geben. Kurz darauf ist dieser gestorben. Mit diesem Erlebnis, sagte der alte Russe, habe er zum ersten Mal begriffen, was eigentlich das Christentum ist. -



 



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13.01.2004
Ein frommer Rabbi wünschte sich, seinem Gott einmal leibhaftig zu begegnen und brachte ihm seine Bitte vor: 'Jeden Tag komme ich in den Tempel, um dich zu besuchen. Jetzt wäre es mir eine große Freude, wenn du einmal in mein Haus kommen würdest und mich besuchtest.'
'Ich komme morgen', sagte Gott, 'mach mir alles bereit'.
Der fromme Rabbi lief nach Hause und traf die notwendigen Vorbereitungen. Mitten in den Vorbereitungen platzte ein Kind, angelockt vom Duft der Süßspeisen und bat um einen kleinen Kuchen. 'Morgen bekommst du deinen Kuchen', vertröstete der fromme Rabbi. 'Heute kommt Gott. Geh jetzt, du störst.' Doch Gott ließ auf sich warten. Ein Fremder klopfte an. 'Nein, heute nicht', sprach der Rabbi. 'Morgen kann ich Dir etwas geben. Geh heute zu meinem Nachbarn. Heute kommt Gott. Geh jetzt, du störst.'
Der Tag verging, aber Gott ließ sich nicht blicken. Als die Spannung fast nicht mehr auszuhalten war, da klopfte ein dreckiger, kranker Bettler an die Tür. 'Nein', scheuchte ihn der Rabbi fort, 'heute nicht, morgen ist soviel da, wie du willst. Heute kommt Gott. Geh jetzt, Du störst.'
Aber Gott kam nicht.
Am nächsten Morgen ging der Rabbi voller Zorn in den Tempel und überhäufte Gott mit Anklagen und wütenden Vorwürfen: 'So oft bin ich zu dir in den Tempel gekommen. Ist es da zu viel, wenn du ein einziges Mal zu mir kommen sollst?'
'Was willst du?' erwiderte ihm Gott, 'dreimal war ich da, aber du hast mich nicht erkannt.'
(Chassidische Geschichte) 




11.01.2004
Renate  
Vom Wert der Dinge und der Menschen
Im Rahmen eines Seminars mit sehr vielen Teilnehmern hielt der Trainer einen 50-EUR-Schein in die Luft.

Er fragte: 'Wer von Ihnen möchte diesen 50-EUR-Schein haben?'

Überall gingen Hände hoch.

'Ok, einen kleinen Moment' sagte er und zerknüllte den 50-EUR-Schein. 'Wer möchte diesen nun zerknüllten 50-EUR-Schein haben?'

Wieder gingen die Hände in die Luft.

'Ok, warten Sie', sagte er und warf den zerknüllten 50-EUR-Schein auf den Boden und trat mit seinen Schuhen darauf herum, bis der Schein zerknittert und voller Schmutz war. Er hob ihn an einer Ecke auf und hielt ihn wieder in die Luft. 'Und wer von Ihnen möchte diesen dreckigen, zerknitterten 50-EUR-Schein immer noch haben?'

Und erneut waren die Hände in der Luft.

'Sehen Sie, Sie haben gerade eine sehr wertvolle Lektion erfahren. Was immer ich auch mit dem Geldschein machte, wie schmutzig und zerknittert er auch ist, es hat nichts an seinem Wert geändert. Es sind immer noch 50,- EUR. So oft in unserem Leben werden wir selbst fallen gelassen, sind am Boden zerstört und kriechen vielleicht im Schmutz - und fühlen uns wertlos. Aber all das ändert ebenso wenig etwas an unserem Wert, wie das was ich mit diesem Schein tat, seinen Wert änderte. Der Wert von jedem einzelnen uns bleibt immer erhalten, wie schmutzig, arm oder verloren wir auch immer sein werden.'

(Quelle unbekannt)





26.12.2003
wie bringt man menschen auf einer einsamen insel dazu, sich schiffe zu bauen?
indem man ihnen schiffsbaupläne zeigt?

nein, man erzähle ihnen von der seefahrt, man wecke in ihnen die sehnsucht nach fernen welten -
und sie werden sich ihre eigenen schiffe bauen.

(quelle weiß ich nicht mehr)

 

 




 



 

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