Gewalt ist teuer: PRESSE MITTEILUNG / Nr. 007/2003
Unterlassende Hilfeleistung!
„Wirtschaftspolitik“ auf dem
Rücken misshandelter Frauen.
Metzingen,
25. November 2003 – Zum Internationalen Tag gegen Gewalt an
Frauen erklärt die Lobby für Menschenrechte:
Die Politik
zieht sich aus der politischen Verantwortung zurück!
Sie weigert sich, ihre staatlichen Pflichtaufgaben zu erfüllen, zu
denen ganz klar auch ein sicher finanziertes Hilfesystem für
Gewaltopfer gehört. Gewalttäter verursachen nachweislich
weltweit jährlich Milliarden über Milliarden an
ökonomischen Kosten! Aber die deutsche Politik spart am
Hilfesystem, an den Opfern, obwohl hier traditionell ohnehin nur
Peanuts ausgegeben werden.
Die Tatsache,
dass Gewalttäter durch ihre Taten ein Vielfaches an
Steuergeldern „verschlingen“ - und zwar regelmäßig! - wird
nicht zum Anlass genommen, einmal etwas zu unternehmen. Sie dürfen
also weiter Kosten verursachen. Wenn in Deutschland ein
Gewalttäter Millionenschäden verursacht, gerät nicht er
ins Visier der Politiker/innen, sondern sein Opfer und dessen
Helfer/innen. An denen wird gespart. Gnadenlos...
Wissenschaftliche Daten zur
Veranschaulichung:
Eine
kanadische Studie schätzt die jährlichen
ökonomischen Kosten der Gewalt gegen Frauen in Kanada auf etwa 3.5
Milliarden Euro pro Jahr. Davon trägt der Staat etwa 87.5 Prozent!
Eine weitere Studie schätzt die von Gewalttätern verursachten
Kosten nur für den Gesundheitsbereich auf 1.25 Milliarden Euro pro
Jahr!
Eine
australische Studie kommt auf jährliche Kosten der
häuslichen Gewalt von 1.5 Milliarden australische Dollar.
Eine
neuseeländische Studie berechnet die von Gewalttätern
verursachten, jährlichen Gesamtkosten mit 4.2 Milliarden Dollar.
Eine
niederländische Studie kommt auf 150 Millionen Euro im Jahr.
Eine Londoner
Studie errechnete über 7.5 Millionen Euro für
einen Stadtteil. Bei einer Hochrechnung für die Stadt London kommt
man auf circa 290 Millionen Euro.
Eine
schweizer Studie schätzt die Kosten für die Bereiche
Polizei, Gericht, Strafvollzug, Gesundheitsversorgung, Sozialhilfe,
Opferhilfe auf 400 Millionen Schweizer Franken.
Eine
finnische Studie ermittelt jährliche Kosten von über 50
Millionen Euro; und die Kosten durch Verluste bei der Arbeitskraft usw.
auf ein Vielfaches!
Eine deutsche
Studie schätzt den volkswirtschaftlichen Schaden
allein durch misshandelnde Therapeuten auf jährlich 10 Millionen
Euro.
In all diesen
wissenschaftlichen Berechnungen sind dabei noch
Unterschätzungen, riesige Lücken! Denn es ist ein
Unterschied, ob man nur direkte, unmittelbare Kosten (z.B. Notaufnahme,
stationäre Behandlung) berechnet oder mittel- und langfristige
(z.B. Sozialbereich, Bildungsbereich, chronische Erkrankungen,
Arbeitslosigkeit, abgebrochene Ausbildungen oder fehlende
Schulabschlüsse) dazu nimmt. Es ist ein Unterschied, ob man die
Kosten für die Strafverfolgungsbehörden (Polizei, Gerichte)
mit einbezieht oder nicht. Es ist ein Unterschied, ob man die
nachfolgenden Einschränkungen der Produktivität
und der damit verbundenen
Steuerausfälle (z.B. durch
Arbeitsunfähigkeit, Frühberentung) mit berechnet oder nicht.
Und so weiter, und so weiter...
Die Studien geben also jeweils nur
Teilbereiche der ökonomischen
Kosten für die Allgemeinheit an. Bei alledem sind die schlimmsten
Auswirkungen, die Gewalttäter verursachen, noch nicht
erwähnt: die persönlichen „Kosten“ der Gewaltopfer! Sie
tragen nachweislich (auch finanziell) den Hauptteil. So etwas ist
einfach unsäglich. Man kann die gegenwärtige Politik deutlich
als verwerflich und schamlos bewerten. Auch deshalb, weil man die
Totaldemontage des sogenannten Sozialbereichs als „Wirtschaftspolitik“
bezeichnet. Das Ganze erinnert aber viel eher an ein Horrorszenario, in
dem man einen verletzten
Menschen in
ein Schrottauto mit defekten Bremsen setzt, vorher noch den
Sicherheitsgurt ausbaut und dem Auto dann einen Schubs auf eine
abschüssige
Küstenstraße
gibt.
Wir
verurteilen die Politiker/innen aller
Parteien für ihre Verantwortungslosigkeit und für ihre
soziale Kälte.
V.i.S.d.P.
Lobby für Menschenrechte e.V. - Gegen alle Formen
sexualisierter Gewalt -
Gemeinnütziger
und
mildtätiger
Verein (Amtsgericht Bad Urach
Nr. 654)
Kontakt: info@lobby-fuer-menschenrechte.de URL:
http://www.lobby-fuer-menschenrechte.de
Eingesperrt
und allein
gelassen - Menschen im Irak 7.10.2003 Radio Vatikan
http://www.kath.de/rv/index.shtml vom 7.10.2003
Irakische Ordensfrau: Katastrophale Lage
Seit dem amerikanisch-britischen
Einmarsch in den Irak vergangenen
März ist die Lage im Land desaströs. Fast zwei Drittel der
Irakis
sind arbeitslos, Wasser und Strom gibt es nur zum Teil, aus Angst vor
Überfällen vermeiden immer mehr Menschen auch tagsüber,
sich auf der Straße blicken zu lassen. Die 31-jährige
chaldäische Ordensschwester Lusia Markos Shammas, die seit sieben
Jahren in der Schweiz lebt, war zwei Monate in ihrem Heimatland, um
dort die ewigen Ordensgelübde abzulegen. Sie zeigt sich entsetzt
von den Zuständen im Irak. Die Christen, eine Minderzeit von drei
Prozent, sähen sich dazu gedrängt, ihr Heil im Exil zu
suchen. Die Tatsache, dass US-Präsident Bush immer wieder vorgebe,
im Namen der Christen zu sprechen, mache die irakischen Christen sehr
verletzlich. Noch während des Krieges hätten nicht wenige
Iraker die Alliierten als Befreier gesehen. Heute, sagt Schwester
Lusia, sind die Amerikaner durch die Bank Feinde. „Sie machen den
Eindruck, als seien sie nur wegen des Erdöls im Land. In Bagdad
sah ich ganze Stadtteile in Schutt und Asche – aber das
Öl-Ministerium war heil. Mit derartigen Aktionen haben die
Amerikaner das Vertrauen der Menschen im Irak nicht
gewinnen können. Und die Bürger sind vergleichsweise gebildet
– der Irak ist nicht Afghanistan.“ In einem Land, das nach Jahrzehnten
von Krieg, Embargo und Gewaltherrschaft am Boden liegt, nimmt man
Zuflucht
zur Religion. Schwester Lusia erklärt sich das mit dem Gefühl
der Menschen, isoliert vom Rest der Welt zu sein. „Das ist die Angst,
die
im Irak herrscht. Es gab vor dem Krieg viele Menschen, die nicht in die
Moschee gingen und die kein bisschen religiös waren – jetzt ist
überall
im Irak ein Wiederaufkeimen religiöser Gefühle spürbar.
Wo geht man hin um Hilfe und Zuflucht zu finden, wenn nicht in die
Moschee.
Die Rückbesinnung auf den Islam ist sehr stark. Denn wir haben
das
Gefühl, wir sind da unten eingesperrt und alleingelassen.“