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- "Die
Dimensionen des Problems "sexualisierte
Gewalt" werden auf allen Ebenen der Kirche
unterschätzt, sie haben ein
weltkirchliches global-katholisches
Ausmaß." Der kirchlich-spirituelle Kontext wird
ausgeblendet. Der kirchlich induzierte (!)
Vertrauensvorschuss gegenüber
Amtsträgern, der den Rahmen von
(sexualisierter) Gewalt gegenüber
Abhängigen bildet, wird ignoriert. Die
moralischen, organisationalen und
theologischen Dimensionen des sexuellen
Missbrauchs in der Kirche werden weithin und
weiterhin verniedlicht und verkleinert. Das Ausmaß der Gewalt in der
kath. Kirche ist noch nicht begriffen und noch
nicht formuliert worden. Die Aufdeckung des
Ausmaßes sexualisierter Gewalt in den
romanischen Ländern, in Lateinamerika, in
Afrika steht noch bevor. (Sexualisierte)
Gewalt ist ein globales Problem der
Katholischen Weltkirche und Teil der
Strukturen dieser Kirche.
- "Die
steigenden Kirchenaustrittsquoten wird man
verkraften, die erosionsartige innere
Abwanderung und Abwendung der haupt- und
ehrenamtlichen MitarbeiterInnen in der Kirche
wird unterschätzt und geht an die
Substanz." Die
MitarbeiterInnen haben kein Vertrauen mehr in
die Leitung der Kirche. Sie "bleiben, indem
sie innerlich gehen". Sie erleben sich als
enttäuscht, aber auch als getäuscht.
"Der Boden des Vertrauens ist erdbebenartig
verrutscht, es ist kein Stein mehr auf dem
anderen und sinnvolle
Wiederaufbaumaßnahmen sind nicht in
Sicht."
- "Man
ahnt die Dimensionen der 'sexualisierten
Gewalt' und bietet deshalb keine
Entschädigungen an und kann daher auch
nur halbherzig aufklären und aufarbeiten
und verliert weiter an Glaubwürdigkeit
und Vertrauen." Diese These Hellers bleibt richtig,
auch wenn 5000 €
"Entschädigungszahlungen" im
Gespräch sind. Dass vorbehaltlos und
schonungslos aufgeklärt würde,
glauben nur die kirchlichen Aufklärer -
die Opfer wissen es anders und spüren
sehr genau, was Heller beschreibt. Noch ist
bei den Kirchenleitungen nicht angekommen,
dass Kirche durch die "strukurelle Sünde"
zur Täterin wurde. Auch Täter-Sein
kann eine Form der Traumatisierung sein und zu
Erstarrung, Lähmung, Ohnmacht....
führen. Für Kirche wichtig
wäre, aus diesen Mechanismen von
Vermeidung, Leugnung, Lähmung,
Dissoziation oder Selbstdestruktion
herauszufinden.
- "Die
ausschließlich internen,
innerkirchlichen Versuche das Problem zu
bearbeiten, verschärfen das
Vertrauensdilemma." Kirche hat eigene Bearbeitungsmuster
sexualisierter Gewalt (höchste
Geheimhaltung, Meldung an die Zentrale,
Androhung hoher Kirchenstrafen bei Information
der Öffentlichkeit, interne
Klärungsmechanismen, Versetzungspolitik),
aber die funktionieren nicht - und sie
widersprechen eklatant dem Evangelium, das
Kirche verkünden soll und ohne das sie
keine Existenzberechtigung hat. Vertrauen kann
nicht durch Worte und Absichtserklärungen
wieder gewonnen werden, sondern durch
Handlungen, die verlässlich und
berechenbar sind. Zum Vertrauensaufbau
gehört eine verbindliche Kommunikation
als Ausdruck und Kennzeichen der
Organisationskultur. Zunächst müssen
die Kirchenleitungen die Fakten anerkennen,
die Perspektive der Opfer nachfühlen und
alles tun, um die Lage auch theologisch zu
verstehen und zu verändern.
- "Die
Kirche muss 'sexualisierte Gewalt' als eine
strukturelle Sünde theologisch sehen,
begreifen und anerkennen." Die Kirchenleitungen können
nicht länger von "Fehlern" sprechen, sie
müssen von struktureller Sünde
sprechen, denn Kirchenleute haben
Abhängige systematisch und eben auch
"systemisch" missbraucht. Zur "Kultur der
Kirche" gehörte eben auch die
selbstverständliche Mitwisserschaft auf
allen Ebenen, "die kollektive
Vertuschungspraxis, die moralische
Unterbewertung und Relativierung, das
gemeinsame Interesse an der Aufrechterhaltung
des status quo, die Ignoranz gegenüber
den Opfern etc." Das Allerwichtigste nach
Heller ist das Anerkennen des Leides des
Erlebten". Das ist viel viel mehr als eine
"Entschuldigung" an die Adresse der Opfer (EK:
die eigentliche Adresse sind nicht die Opfer,
es ist die Öffentlichkeit).
- "Die
Kirche glaubt, durch die Personalisierung und
Individualisierung des Problems eine
"Bearbeitungsform" gefunden zu haben und
müsste langsam erkennen, dass sie selbst
verstrickt bleibt." Die Hotlines beraten, sondieren und
sortieren. Heller vermutet - zu Recht -, dass
hier eine Auswahl an berichtenden Opfern
lanciert wird und bewusst verhindert wird,
dass sich andere Opfer melden. Hinzu kommt,
dass die Fokussierung auf die Opfer
verhindert, dass der pathologisierende,
gesellschaftliche, politische Kontext
berücksichtigt wird.
- "Die
Kirche kann sich nicht am eigenen Schopf aus
dem Morast ziehen, sie muss sich helfen
lassen."
- "Die
Kirche muss sich öffentlich helfen lassen
und könnte in entsprechenden
Zivilverfahren vor öffentlichen Gerichten
auf die Verjährung verzichten und
Glaubwürdigkeit gewinnen."
- "Die
Kirche muss einen tiefgreifenden
interdisziplinären Analysevorgang
aufsetzen, der zum Ziel hat, die
Aufklärung und Auseinandersetzung als
fachlichen und emotionalen Vorgang, als eine
intellektuelle und
gefühlsmäßige
Prozeduralisierung zu verstehen." Nach Hellers Ansicht braucht es "vor
allem" die Perspektive der Opfer.
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Der Schlusssatz Hellers:
"In der
Organisationstheorie wird immer wieder vermutet,
unter welchen Bedingungen Organisationen bereit
sind, solche tiefgreifenden Veränderungen
einzugehen. Von dem amerikanischen
Managementtrainer Edgar Schein stammt die
Beobachtung: Organisationen ändern sich
erst, wenn die Angst vor dem Untergang
größer ist als die Angst vor der
Veränderung. Diese Untergangsangst in der
Kirche ist erst schemenhaft zu erkennen."
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