22.3.2008
Gleich
in
zwei
Interviews
äußerte sich der Apostolische Nuntius Dr. Jean-Claude
Périsset zum Fall Riekofen. In der pnp fragt der Interviewer: "Wenige
Tage
vor
Ihrem
Besuch fand der Prozess
gegen einen hiesigen Priester statt, der Jungen sexuell missbraucht
hat. Wie stark belastet das Thema sexueller Missbrauch das Ansehen der
katholischen Kirche?"
Périsset: "Das ist ein trauriges
Beispiel mit Folgen für die Missbrauchten, die Hilfe brauchen,
aber
auch für junge Männer, die Priester werden wollen und diese
Schwachheit
sehen. Dennoch sollte man die Hoffnung nicht verlieren. Ich bete
regelmäßig für diese Mitbrüder, die gefallen sind,
um Gottes Erbarmen,
aber auch um menschliches Erbarmen. Sie brauchen unsere Hilfe, damit
sie irgendwie wiederhergestellt werden. Was sollte man sonst tun? Sie
lebenslang einsperren? Das geht nicht, auch wenn sie ein Verbrechen
begangen haben. Es gibt nicht einfach hier die Guten und dort die
Bösen, die weg müssen. Man muss ihnen helfen, nicht sie
wegschicken."
20.3.2008 Im Interview mit der Mittelbayerische Zeitung sagte der Apostolischer
Nuntius
Dr.
Jean-Claude
Périsset zum Fall Riekofen: "Ich
denke an das Kind, das missbraucht wurde, aber auch an den
Priester, der so schwach blieb. Ich bin sehr traurig, wenn ich das
höre. Aber ich glaube, es gibt auch für die Sünder immer
eine Erlösung.
In diesem Fall hat, so weit ich weiß, das Gericht schon
früher gesagt,
er könne wieder normal eingesetzt werden. Ich glaube nicht, dass
man
die Strafen noch verschärfen muss. Sicher wird man noch
stärker auf die
Ausbildung und Weiterbildung und auf die innere Haltung der Priester
achten müssen. Die Bischöfe und der Heilige Stuhl wollen hier
nicht nur
mit Strafe, sondern auch mit Blick auf die Erlösung reagieren."
Kommentar: Dem Opfer gilt in beiden Interviews jeweils ein Halbsatz des
Nuntius. Die restlichen Äußerungen betreffen den Täter.
Dieser Befund entspricht ziemlich genau dem, was Opfer von Gewalt im
kirchlichen und gesellschaftlichen Kontext auch erleben - das Interesse
gilt dem Täter.
16.3.2008
Richter
erhebt
schwere
Vorwürfe gegen Bistum Regensburg Welt.de
15.3.2008
Das Bistum Regensburg stellt offengebliebene Fragen nach dem Abschluss
des Strafverfahrens gegen den Ex-Priester von Riekofen
Bistum Regensburg
15.3.2008
Auch
die
Justiz
schaute lange weg - Augsburger Allgemeine über den Riekofener
Missbrauchsfall
14.3.2008 Verliert
jetzt auch die Kirche das Vertrauen der Bürger? kath.de
Kommentar
14.3.2008 Radio
Vatikan zur
Verurteilung des Riekofener Ex-Pfarrers
13.3.2008 Die Stellungnahme
des Bistums Regensburg zur Verurteilung des Riekofener Ex-Pfarrers
wegen Kindesmissbrauchs.
Bistum Regensburg
Da erübrigt sich jeder Kommentar.
13.3.2008
Der Ex-Pfarrer von Riekofen ist wegen sexuellen Missbrauchs im
Wiederholungsfall zu drei Jahren Gefängnis und
Sicherungsverwahrung
verurteilt worden.
In der Verhandlung entschuldigte sich der Angeklagte mehrfach bei
seinem Opfer und dessen Eltern. Der psychiatrische Gutachter Bernd
Ottermann stellte dar, dass der Angeklagte sich in den
10-jährigen
Jungen verliebt habe und nie das Gefühl hatte, dem Kind zu
schaden.
Offiziell war der 1999 schon einmal
Verurteilte in einem Altenheim tätig. Tatsächlich jedoch
hatte er
bereits 2 Jahre vor Ende seiner Bewährungszeit, die ihm den
Kontakt mit
Kindern verbot, die gesamte Seelsorgearbeit in Riekofen übernommen
und
sich besonders um die Ministranten gekümmert. Offiziell erfolgte
der
Einsatz in Riekofen erst ab 2004.
Quelle: Augsburger Allgemeine
Bislang
hatte
das
Bistum
Regensburg gesagt, es habe seitens des Ordinariats
"keinerlei Beaufgtragung zu Aushilfseinsätzen in der Gemeinde- und
Ministrantenarbeit in der Pfarre Riekofen" gegeben.
Die
Welt
jedoch
berichtet:
'Aus der von der Polizei beschlagnahmten
Personalakte des Pfarrers geht allerdings hervor, dass die
Diözesanleitung zu jeder Zeit über die Arbeit des
vorbestraften Priesters in Riekofen informiert war. So wurden auch
Zeitungsartikel gesammelt, die über die Aktivitäten des
Geistlichen mit Jugendlichen berichteten. Nachdem der zuvor
zuständige Pfarrer gestorben ist, war der Angeklagte praktisch
bereits während seiner Bewährungszeit als Pfarrer
verantwortlich.'
Quelle: welt.de
Dass ihn sein Dienstvorgesetzter, also
die Diözese, wieder einsetzte
und damit die Taten ermöglicht habe, habe sich bei der
Strafzumessung
zugunsten des Angeklagten ausgewirkt, sagt der Richter. Das bisherige Gutachten von Herrn
Ottermann hatte bereits 2000
festgestellt, dass Peter K. eine "Kernpädophilie und homoerotische
Veranlagung" habe. Laut Richter Iglhaut hätte sich die
Diözese dieses
Gutachten besorgen können, aus dem hervorgeht, dass K. keinesfalls
mehr
mit Kindern hätte arbeiten dürfen. Ein Vermerk auf dieses
Gutachten
fand die Polizei denn auch in K.s kirchlicher Personalakte. Und auf den
Internetseiten der Diözese ist nachzulesen, der Justitiar des
Bischofs
sei "in groben Zügen" über Ottermanns Gutachten informiert
gewesen.
(Quelle: SZ)
s.
auch Kommentar
zum
Riekofener
Missbrauchsfall "Sprache im Dienste der Täter"
26.1.2008 Im Bistum Regensburg wurde
Anklage gegen den der Pädophilie
verdächtigen früheren Pfarrer von Riekofen erhoben. Die
Anklage geht
von 20 Übergriffen auf einen 13-jährigen Messdiener aus. In
einem
Gutachten wird dem Angeklagten "homoerotische Kernpädophilie"
bescheinigt.
Quelle: Süddeutsche
28.12.2008
"Bis
heute
hoffen
die
Riekofener auf einen Besuch des
Bistumsoberhauptes. Pfarrgemeinderatsvorsitzende Rosemarie Meßner
hat
erst kürzlich mit Pfarrer Dachauer über eine Visite des
Bischofs
gesprochen. Bis jetzt gibt es aber noch keinen Termin. „Es würde
uns
sehr helfen, wenn der Bischof zu einem guten Gespräch bereit
wäre“,
sagt die Pfarrgemeinderatsvorsitzende. Es gebe viele offene Wunden bei
den Gläubigen. Vor allem bei den Eltern, die Pfarrer K. jahrelang
ihre
Kinder anvertraut haben, sei das Vertrauen in die Kirche verloren
gegangen. Viele hinterfragten auch ihr Engagement, berichtet
Meßner.
„Wir müssen im neuen Jahr hart daran arbeiten, dass die
Pfarrgemeinde
nicht auseinander bricht. Und dass endlich wieder Ruhe in Riekofen
einkehrt.“
Quelle: Mittelbayerische.de
27.10.2007
Der
Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller lehnt eine
Entschuldigung
für den sexuellen Kindesmissbrauch durch einen seiner Pfarrer
weiter
ab. "Es geht nicht darum, mich zu entschuldigen oder Fehler
einzugestehen", sagte Müller im Radiosender Bayern2. Nach
seiner Ansicht sei im Umgang mit dem bereits einschlägig
vorbestraften
Geistlichen getan worden, "was menschenmöglich war“. Der Bischof,
der
bislang nicht mit den Christinnen in Riekofen sprach - und mit dem
Opfer auch nicht -, warb um Mitgefühl für die Eltern des
beschuldigten
Geistlichen.
Quelle: br2
Zur Kritik an seiner Amtsführung sagte der Regensburger Bischof,
er
brauche keine "Belehrungen von Leuten, die in der Pastoral gar nichts
zu tun haben". Der einzige Vorgesetzte eines Bischofs sei der Papst,
"und von dieser Seite habe ich noch keine Kritik gehört", sagte
Müller.
Quelle: SZ
Eine Kritik des Papstes gibt es nicht, stattdessen wird Bischof
Müller am 21.12.2007 vom Papst in die Glaubenskongregation
berufen.
Aufgabe der Kongregation für die Glaubenslehre ist es,
"die Glaubens-
und Sittenlehre in der ganzen katholischen Kirche zu fördern und
schützen", so Papst Johannes Paul II. im Jahr 1988.
13.10.2007
Riekofen und kein Ende. Heute geht durch die Presse,
dass das Bistum Regensburg nach eigener Aussage des zuständigen
Pfarradministrators H.G. ihn nicht über die Vorgeschichte des
pädophilen Pfarrers informierte. Als der heute 73-jährige
Pfarradministrator den
Aushilfspriester als seinen Nachfolger ins Gespräch brachte, wurde
ihm
vom Personalreferenten des Bistums geantwortet, man wisse nicht, ob
dieser dazu gesundheitlich in der Lage sei - "Herz-Lungen-Geschichten".
Vom
Missbrauch in Viechtach wurde nicht gesprochen.
Auch
der
damals
zuständige
Dekan
erfuhr erst 2003, dass "es da was
gegeben" hätte in Viechtach (offensichtlich ist das Wort
"sexueller Missbrauch" unaussprechlich). Über Auflagen wurde der
Dekan nicht informiert. Der Generalvikar G. bat den Dekan jedoch, ein
bisschen aufzupassen. Und nichts vom Aufpassen zu erzählen. Ein
solcher
Appell kann alles Mögliche bedeuten: Frauengeschichten,
homosexuelle
Beziehungen, Irregularitäten bei den Finanzen, Alkoholprobleme,
Suchtprobleme....
9.10.2007
Der Pfarrgemeinderat von Riekofen äußert
gegenüber der Mittelbayerischen Zeitung, dass der Ex-Pfarrer von
Riekofen Erstkommunion-Kinder und Firmlinge betreute. 2002 schrieb die
Pfarrei 2 Briefe an das Ordinariat, in dem die Arbeit des Kaplans
gelobt wurde. Das Bistum Regensburg will nach eigenen Angaben jedoch
nichts gewusst haben.
Rosemarie
Meßner,
PGR-Sprecherin,
berichtet,
dass der
Angeschuldigte bereits im
Herbst 2000 mit Aushilfsdiensten begonnen hatte - wenige Monate
nach seiner Verurteilung wegen Missbrauchs. Im Januar 2001 habe der
Angeschuldigte alle Aufgaben in der Pfarrei übernommen. Vom 10.
Mai 2001 existiert ein Foto mit 16 Erstkommunionkindern und dem
Pfarrer. PGR und Bürgermeister schrieben im Januar und März
2002 an das Ordinariat. Die Antwort datiert vom 10.4.2003 (!) und
enthielt die Aussage, dass die derzeitige pastorale Situation durch die
Mithilfe von Kaplan K. sehr befriedigend und deswegen nicht
änderungsbedürftig sei.
Das
Bistum besteht darauf, dass es von einem Kontakt zu Kindern und
Jugendlichen nichts gewusst habe, wie der Bistumssprecher Schötz
sagte: "Aus den Briefen aus Riekofen ging nicht hervor, dass er in der
Jugendseelsorge tätig war." (Anm.: Da das Bistum die Riekofener
Gemeinde nicht über die Vergangenheit ihres Aushilfspfarrers
informiert hatte, hatte die Gemeinde keinen Anlass, ein besonderes
Augenmerk auf die Kinder- und Jugendarbeit zu richten - die
Sakramentenpastoral mit Kindern und Jugendlichen und die
Messdiener-Arbeit gehören einfach zum Gemeindealltag.)
Bistumssprecher
Schötz
gab
jedoch
zu
erkennen, dass dem Bistum bereits 2001 bekannt war, dass der
Angeschuldigte in seiner Bewährungszeit liturgische
Aushilfsdienste leistete - in Absprache mit dem Personalreferenten des
Bistums und dem Therapeuten.
Quelle:
Mittelbayerische Zeitung
Anm:
Offensichtlich
wird
die
Wahrheit
nur in kleinsten Portionen sichtbar. Eckhard Bieger beschrieb
die Sitaution so: "Erst
abwiegeln, dann Pressekonferenzen und Besuche verschieben, den
Gerichten nicht alle Unterlagen zur Verfügung stellen. Das
Entscheidende aber, was den Motor immer wieder mit Sprit speist:
Möglichst keine Fehler eingestehen. Was
alleine bei einem solchen Vorfall hilft: Alles sofort auf den Tisch
legen und die Öffentlichkeit umfassend informieren." Nur so
können Opfer und ihre Familie - vielleicht - glauben lernen, dass
Kirche auf der Seite der Opfer steht. Und nebenbei wird dann auch nur
so ein zusätzlicher Kollateralschaden von der Kirche abgewendet -
als sei der Schaden, der aufgrund des sexuellen Missbrauchs durch einen
Priester entstanden ist, immer noch nicht groß genug.
Der Priesterrat im
Bistum Regensburg hat sich am 8.10.2077 sich bei den Gläubigen in
Riekofen entschuldigt dafür, "dass einer aus ihrer Mitte das
Vertrauen der beiden Gemeinden und des Bischofs aufs Bitterste
enttäuscht hat." Das tiefste Mitempfinden des Priesterrates haben
die möglichen Opfer, die Familien und die Pfarrgemeinden.
Quelle: Mittelbayerische
Zeitung
7.10.2007
Die
Kriminalpolizei prüft, ob der wegen pädophiler
Übergriffe festgenommene Riekofener Pfarrer während seiner
Bewährungszeit gegen Auflagen verstieß, indem er wieder in
Kontakt mit Kindern und Jugendlichen kam bei einer nicht angeordneten
Aushilfstätigkeit in Riekofen. Die Kriminalpolizei prüft, ob
dem Bischof der Verstoß bekannt war.
Bistumssprecher
Jakob
Schötz
bestätigte,
dass
der Pfarrer freiwillig
bei "liturgischen Diensten" in der Dorfkirche von Riekofen geholfen
habe, das Bistum habe davon aber nichts gewusst.
Quelle: Süddeutsche
Anm.:
Auf
der
Pressekonferenz
des
Bischofs vom 21.9.2007 hatte der
Bischof die Pfarrei-Übernahme des vorbestraften Priesters
begründet mit dem Satz: "Viele Pfarrangehörige wollten den
Priester als Pfarrer, nachdem sie
ihn durch gottesdienstliche Aushilfen kennen gelernt hatten. Es wurden
denn auch nie Klagen und Beschwerden über ihn laut. Er war
allgemein
sehr beliebt und als Seelsorger anerkannt." Der Bischof gab in
dieser Konferenz nicht zu erkennen, ob er über den Zeitraum der
Aushilfstätigkeit Bescheid wusste. In Riekofen ist bekannt, dass
der vorbestrafte Pfarrer seit 2001 in der Gemeinde arbeitete.
6.10.2007 Stellungnahme des Bistums Regensburg: Das
Ottermann-Gutachten habe dem Bistum nicht vorgelegen. Wörtlich: "Vom Gericht wurde kein Gutachten
ausgehändigt.
Auch bei der telefonischen Rückfrage des Justiziars im Februar
2004
bzgl. des Wiedereinsatzes von Peter K. und evtl. Auflagen wurde nicht
auf gerichtsinterne Gutachten verwiesen.
Es widerspricht jeder
Logik, zu verlangen, dass der Entscheidung des Ordinariats, Peter K.
wieder in der Pfarrseelsorge einzusetzen im September 2004
gerichtsinterne Gutachten zu Grunde gelegt werden sollten, die nur dem
Gericht vorlagen und dem Ordinariat für die Entscheidungsfindung
nicht
in Erinnerung gebracht wurden."
Kommentar:
Der
Begriff "etwas in Erinnerung bringen" setzt voraus, dass
etwas schon einmal gewusst war und nur noch erinnert werden muss.
Bedeutet also die Formulierung des Bistums, dass der Kirche das
Ottermann-Gutachten bekannt war - und nur "vergessen" worden ist?
5.10.2007
Christian Eckl stellt im Regensburger Wochenblatt die Frage, ob der Bischof
von Regensburg im Fall des Riekofener Pfarrers, der unter
Missbrauchsverdacht verhaftet wurde, die Unwahrheit sagte. Das Bistum
hatte mehrfach von einem Gutachten des behandelnden Therapeuten
gesprochen; u.a. in der Presseerklärung
des Bischofs -
wörtlich: "Das siebenseitige sehr detaillierte
Fachgutachten, das der
gerichtlich angeordnete, keineswegs kirchlich bestellte Therapeut zum
Abschluss vorlegte, bescheinigte, dass der Geistliche keine
pädophile
Fixierung habe und dass die Tat in Viechtach auf ein einmaliges,
regressives Verhalten zurückzuführen sei. Es bestünden
keine Bedenken
gegen einen Wiedereinsatz". Dr. Andreas
Quentin,
Justizsprecher des Oberlandesgerichts Nürnberg sagte dem
Regensburger Wochenblatt jedoch: „Wir sprechen nur dann von Gutachten,
wenn
ein vom Gericht bestellter Gutachter eingesetzt wird”. Der Therapeut
des angeschuldigen Pfarres war jedoch nicht vom Gericht bestellt,
sondern vom Personalreferenten des Bistums
ausgesucht worden.
Das
Wochenblatt schreibt, dass es jedoch
ein Gutachten von Seiten der
Justiz sehr wohl gab. Es wurde von Dr. Bernd Ottermann, einem
anerkannten Fachmann auf dem Gebiet der Forensik, erstellt. Dr.
Ottermann äußerte, dass er damals klar gesagt habe, "dass
ein Einsatz in der
Jugendseelsorge für Herrn K. auf keinen Fall mehr in Frage kommen
darf”. Gerichtssprecher Quentin sagte, auf
dieses Gutachten fußte auch das Kontaktverbot für K.: „In
der
Bewährungsauflage heißt es, während der Dauer der
Bewährungszeit [bis 2003?] ist es
dem Verurteilten in keiner Weise gestattet, in der Jugendseelsorge und
in der Jugendarbeit tätig zu werden”.
Die
Riekofener hatten berichtet, dass der Angeschuldigte
bereits ab 2001 bei ihnen wieder mit der Ministrantenarbeit begonnen
habe. Das bedeutet, dass er - unbemerkt von Justiz, Bistum und
Therapeut - gegen Bewährungsauflagen verstoßen hat;
vorausgesetzt diese Informationen sind richtig.
3.10.2007
Eckhard Bieger, SJ, zu der Frage: "Wie inszeniert man einen
Skandal?"
Bieger
hat
Recht.
Fragwürdig
scheint
mir jedoch folgende
Äußerung: "Die Öffentlichkeit, wie sie
sich in der
Moderne herausgebildet hat, kennt dagegen diesen [Täter-] Schutz
nicht. Sie hat
kein Mitleid mit dem Täter. Sie streitet für die Opfer, weil
das die
Sympathie der Leser garantiert." Es mag sein, dass Opfer-orientierte
Berichterstattung die Quote steigert. Quotensteigerung ist jedoch nicht
mit einem wirklichen Interesse an wirklichen Opfern zu verwechseln. Die
veröffentlichte Meinung kann sehr schnell auch Opfer zu
Tätern machen - wie im Fall der Eltern der vermissten Madelaine
oder auch im Fall von Natascha Kampusch zu studieren ist.
2.10.2007
Das
Schulamt des Landkreises Regensburg kritisiert das Bistum Regensburg,
weil ein als Missbrauchstäter vorbestrafter Priester vom Bistum an
eine Grundschule in Sünching geschickt wurde. Für die
Einstellung der Religionslehrer ist das Bistum verantwortlich. Bei
einem
Lehrer, der vom Staat eingesetzt wird, wäre dies nicht
möglich gewesen. Straftaten diesen Ausmaßes tauchen im
Führungszeugnis auf und verhindern eine Einstellung in einem
vergleichbaren Fall. Das Bistum wollte sich zu der Kritik nicht
äußern.
30.9.2007
Der
Spiegel
berichtet,
dass
Bischof Müller, Regensburg,
sich im mutmaßlichen Missbrauchsfall Riekofen über den
richterlichen Rat hinweggesetzt habe. Das Oberlandesgericht
Nürnberg habe einen weiteren Einsatz befürwortet, aber nur
unter der Bedingung, dass der verurteilte Missbrauchstäter keinen
Kontakt zu Kindern mehr habe. Diese ergänzende Information hat der
Bischof bislang der Öffentlichkeit vorenthalten. Er sprach nur
davon, dass das Gericht keine Einwände gegen einen erneuten
Einsatz des Riekofener Pfarrers in der Seelsorge habe.
Quelle:
Der Spiegel
Das Bistum Regensburg dementiert den Spiegel-Bericht, der die
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung zitiert hatte. Das Bistum
schreibt u.a. :"Am 11.09.2007 traf ein
Brief des Direktors des Amtsgerichts Viechtach im Bischöflichen
Ordinariat ein, worin mitgeteilt wurde, dass die Richterin damals
telefonisch keine Bedenken gegen einen pastoralen Wiedereinsatz von
Peter K. gehabt habe, wenn dieser nicht mit Kindern und Jugendlichen
zusammenkomme und unter Aufsicht sei. Inhaltlich steht nun die
damalige Telefonnotiz des Justitiars gegen die jetzige Aussage der
Richterin dreieinhalb Jahre danach. Das Bistum betont nochmals, dass es
im Falle auch nur geringster Zweifel nach erfolgreichem Abschluss der
vierjährigen Psychotherapie einen neuerlichen Einsatz in der
allgemeinen Seelsorge ausgeschlossen hätte.
Das Dementi ist hier nachzulesen.
30.9.2007
Der
Spiegel
berichtet,
dass
Bischof Müller, Regensburg,
sich im mutmaßlichen Missbrauchsfall Riekofen über den
richterlichen Rat hinweggesetzt habe. Das Oberlandesgericht
Nürnberg habe einen weiteren Einsatz befürwortet, aber nur
unter der Bedingung, dass der verurteilte Missbrauchstäter keinen
Kontakt zu Kindern mehr habe. Diese ergänzende Information hat der
Bischof bislang der Öffentlichkeit vorenthalten. Er sprach nur
davon, dass das Gericht keine Einwände gegen einen erneuten
Einsatz des Riekofener Pfarrers in der Seelsorge habe.
Quelle:
Der Spiegel
Das Bistum Regensburg dementiert den
Spiegel-Bericht, der die
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung zitiert hatte. Das Bistum
schreibt u.a. :"Am 11.09.2007 traf ein
Brief des Direktors des Amtsgerichts Viechtach im Bischöflichen
Ordinariat ein, worin mitgeteilt wurde, dass die Richterin damals
telefonisch keine Bedenken gegen einen pastoralen Wiedereinsatz von
Peter K. gehabt habe, wenn dieser nicht mit Kindern und Jugendlichen
zusammenkomme und unter Aufsicht sei. Inhaltlich steht nun die
damalige Telefonnotiz des Jusitiars gegen die jetzige Aussage der
Richterin dreieinhalb Jahre danach. Das Bistum betont nochmals, dass es
im Falle auch nur geringster Zweifel nach erfolgreichem Abschluss der
vierjährigen Psychotherapie einen neuerlichen Einsatz in der
allgemeinen Seelsorge ausgeschlossen hätte.
Das Dementi ist hier nachzulesen.
28.9.2007 Kardinal
Lehmann sagte zum Abschluss der Herbstkonferenz der
Deutschen BIschöfe in Fulda: "....und
sind entschlossen, alles zu tun, um sexuellen Missbrauch mit allen
Kräften aufzudecken. Wir bedauern zutiefst alle Schäden, die
bei den
Opfern und ihren Familien entstehen. Es gibt die grundsätzliche
Bereitschaft, therapeutische Maßnahmen zu unterstützen, auch
materiell.
Im Blick auf die Vergehen selbst können wir jedoch die ethische
Verantwortlichkeit nicht vom Täter nehmen. Im Falle einer
Verurteilung
wegen sexuellen Missbrauchs kann ein Einsatz in einem seelsorglichen
Bereich mit Kindern und Jugendlichen auf keinen Fall erfolgen. In der
Aussprache hat sich gezeigt, wie differenziert, verletzlich und
anfällig dieser gesamte Bereich ist. Wir bitten deshalb alle an
diesen
Vorgängen Interessierten, besonders die Medien, bei allem
berechtigten
Interesse zur Offenlegung von Vergehen, mit der notwendigen
Sensibilität und dem Respekt vor der Personwürde eines jeden
Menschen
vorzugehen. Die Sorge für die Opfer liegt uns dabei besonders am
Herzen."
Quelle: DBK
Die Frage eines
Journalisten, ob
verurteilte Täter grundsätzlich nicht mehr als Priester
eingesetzt werden dürfen, wurde - laut afp - vom Kardinal nicht
beantwortet. Die
Bischofskonferenz habe keinerlei Befugnisse zum Eingreifen und
könne
einzelne Vorfälle in den Diözesen auch nicht
überprüfen, sagte Lehmann.
Die Westfalenpost berichtet: "Die 71 Bischöfe und
Weihbischöfe hatten den Missbrauchsfall nicht auf
ihrer Tagesordnung. Lehmann berichtete, dass zu Beginn der Tagung
keiner seiner Amtsbrüder einen Antrag gestellt habe, das Thema auf
die
Tagesordnung zu setzen. Auch nicht "auf mehrfache Nachfrage". Trotzdem
sei am Donnerstag über zwei Stunden darüber diskutiert
worden."
Kommentar:
Man wird gespannt sein dürfen, was die Routine-Äußerung
von der 'Sorge für die Opfer, die den Bischöfen besonders am
Herzen liege' real bedeutet, wenn die Bischofskonferenz keinerlei
Befugnisse zum Eingreifen in einzelne Diözesen hat. Bereits 2002
war die Rede davon: "Die
Fürsorge der Kirche gilt zuerst dem Opfer." Nach Auskunft der
letzten Opfer in Regensburg kam die Fürsorge der Bischofskonferenz
nicht bei ihnen an. Ob sich das mit der Wiederholung der
Absichtserklärung ändern wird, wird sich zeigen.
Zu fragen ist
natürlich auch, was Richtlinien der DBK, deren
Einhaltung weder von den Bischofskollegen noch vom Papst
("Null-Toleranz" - zur Erinnerung) kontrolliert wird, für einen
praktischen Wert haben.
Dass die Bischöfe
das Thema nicht auf die Tagesordnung setzten,
auch
nicht nach mehrmaliger Nachfrage, zeigt, wie hilflos und
realitätsverleugnend sie damit umgehen, dass Menschen Kinder
missbrauchen. Das Thema "Gewalt im Nahbereich", und dann auch von
Priestern, ist hochnotpeinlich und zerstört die eigenen
vermeintlichen
Sicherheiten. Für mich wird da auch nochmal verständlicher,
dass die
Hälfte meiner Kontaktversuche mit kirchl. Seelsorgestellen erst
gar
nicht beantwortet werden und ein weiteres Viertel meiner Anfragen mit
spitzen Fingern weitergereicht wird, bis es im Nirgendwo versandet. Den
Preis dieser Realitätsverleugnung zahlen - die Opfer.
Auffällig ist,
dass vom Ansehen des Bischofs, von den Zuständigkeiten der
Bischöfe und
der Bischofskonferenz, von Dementis nach Presseberichten und und und
die Rede ist - nur vom Opfer nicht.
Rika
26.9.2007
Micha
Hilgers,
Psychoanalytiker,
spricht Klartext im Regensburger
Missbrauchsfall. Erfrischend, den Artikel zu lesen. "Es ist
geradezu bizarr, ihn [den Pfarrer, der wg. Missbrauch bereits
verurteilt wurde] wieder in die deliktnahe Situation
hineinzubringen", sagte Hilgers, der seit vielen Jahren pädophile
Straftäter betreut, der Deutschen Presse-Agentur. Abwegig sei es
auch,
wenn der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller davon spreche,
der
Priester sei nach einer Therapie als "geheilt" betrachtet worden:
Pädophilie sei nicht heilbar, höchstens kontrollierbar.
Hilgers
räumt auch mit dem Mythos auf, dass jemand pädophil
werde, weil er zölibatär lebe. Umgekehrt sei es richtig zu
sagen, der Zölibat ziehe Pädophile an.
Quelle:
Stern
25.9.2007
Nun
soll
es
doch
eine Stellungnahme der DBK, die gerade in Fulda tagt, zum
jüngsten Missbrauchsfall in Regensburg geben. Quelle: heute.de
24.9.2007
Die
Phalanx
des
kirchlichen
Schweigens über die Bewertung des
Einsatzes von einem Priester, der schon einmal Kinder missbrauchte und
erneut in einer Gemeinde eingesetzt wurde, scheint zu bröckeln.
Der Fuldaer Bischof äußert seine Meinung im Vorfeld der
Fuldaer Bischofskonferenz. Er meint, die Konferenz müsse sich mit
dem Regensburger Fall beschäftigen.
Quelle:
Rhein-Neckar-Zeitung
Nachtrag:
Die
Freude
war
verfrüht. Es bleibt dabei: Der
Regensburger Bischof wird keine persönlichen Konsequenzen ziehen.
Er hat richtig gehandelt, wenn er einen missbrauchenden Priester erneut
in der Seelsorge u.a. mit Ministranten einsetzte. Der Bischof hat auch
richtig gehandelt, wenn er sich auf ein Gutachten stützte - dass
das Gutachten kein unabhängiges, sondern eines des behandelnden
Therapeuten war, ficht den Bischof sichtlich nicht an.
Er
hat
vermutlich
auch
richtig gehandelt, wenn er sich bisher weder bei
dem jüngsten Opfer noch bei der betroffenen Kirchengemeinde hat
sehen lassen.
Fazit:
So
also
sieht
aus, was die Richtlinien der DBK vorsehen: «Die
Fürsorge der Kirche
gilt zuerst dem Opfer». Die
Glaubwürdigkeit der Kirche - und damit die Glaubwürdigkeit
des Evangeliums - wird sich nicht an der lateinischen Sprache in der
Messe entscheiden - sie entscheidet sich am Umgang mit jenen Menschen,
die unter die Räuber fielen und daran, ob die Kirche Kinder oder
Täter schützt. Auf der Konferenz in Fulda wird der Umgang mit
der lateinischen Sprache ausgiebig diskutiert werden. Eine Diskussion
des Umgangs mit Täter und Opfern im Bistum Regensburg wird es
nicht geben.
Rika, zornig, aber
nicht wirklich überrascht.
21.9.2007 Heute
will
der Regensburger Bischof Müller zum Missbrauchsfall in Riekofen
Stellung nehmen. Bekanntlich hat sich dort ein bereits wegen Missbrauch
vorbestrafter Priester jahrelang an einem Ministranten vergangen. Ende
August wurde er verhaftet. Der Bischof hat seine Teilnahme an der 3.
Ökumenischen Versammlung in Sibiu abgesagt, um in dieser
schwierigen Situation bei den Gläubigen von Riekofen zu sein.
Allerdings hat er einen dort zunächst angekündigten Besuch
ebenfalls abgesagt und auf später verschoben.
Quelle: mehrere
Nachtrag:
Die
Pressekonferenz
hat
stattgefunden.
Der Bischof weist jede Verantwortung
für das Verhalten des Täters zurück. Seine
Entscheidung nannte er „verantwortet“, doch
sei das „wohlbegründete Vertrauen auf schreckliche Weise
missbraucht“
worden. Wörtlich sagte
er laut Radio Vatikan: „Für mich
gibt es hier null Toleranz.“ - In der Pressekonferenz betonte der
Bischof, dass er dem als nicht-pädophil diagnostizierten Pfarrer
eine zweite Chance habe geben wollen. Dass er den Opfern keine einzige
Chance gab, ließ er unerwähnt.
Die routinemäßige Feststellung "Den Opfern gilt meine ganze
Sorge" kann auf ihren Wirklichkeitsgehalt überprüft werden:
Wann ist der Bischof mit den Opfern (dem Kind/Jugendlichen und der
gesamten Kirchengemeinde) zusammengetroffen? Der angekündigte
Besuch des Bischofs in Riekofen am 23.9. wurde abgesagt, ein neuer
Termin ist unbekannt.
Pikant ist eine Formulierung, die möglicherweise auf schludrigen
Sprachgebrauch zurückzuführen ist, aber möglicherweise
der Wahrheit sehr nahe kommt: "Darum ist das Entsetzen bei dem schlimmen Vergehen
gegen die
Keuschheit durch einen geweihten Diener Gottes um so empörender."
Bedeutet diese Formulierung, dass der Bischof empört darüber
ist, welches Entsetzen Kindesmissbrauch durch Kleriker hervorruft?
18.9.2007
Das Bistum Regensburg dementiert
(SZ) die Behauptung des
Spiegel, dass das Schweigen der Familie des Viechtacher Opfers mit Geld
erkauft worden sei. Die ca 6500.- Euro habe der Täter selbst
gezahlt, nicht das Bistum. Das Schweigen sei mit der Familie vereinbart
worden - zum Schutz der Kinder. In einem Interview ("Der Kaplan war
so komisch unruhig")
berichtet die Mutter, dass sie
von niemandem beraten wurde und vom
Bistum über den Tisch gezogen wurde. - Dies bedeutet auch, dass
die Fragwürdigkeit offen zutage tritt, die darin besteht, dass die
Ombudsstelle der Bistümer nicht notwendigerweise mit neutralen
Fachleuten besetzt wird, sondern mit Kirchenangehörigen. Wie die
Besetzung der Gruppe "Missbrauchsbeauftragte" im Bistum Regensburg
vorgenommen wurde und wer AnsprechpartnerIn ist, versuchte ich mit Anfrage
vom 29.8.2004 rauszufinden. Die
Anfrage wurde nie beantwortet. -
Wer sich mit der psych. Verfassung von Missbrauchsopfern und deren
Familien auskennt, weiß, dass sie keine zweite Frage an das
Bistum stellen werden. Vermutlich sind also beide Darstellungen
richtig: Die des Spiegel und der Mutter der Opfer von Viechtach trifft
die Wahrheit - und das Bistum hat ebenfalls Recht, Letzteres allerdings
nur der Form nach.
Wir
sind Lichtjahre davon entfernt,
dass Opfer in der kath. Kirche
wirklich und wahrhaftig gehört werden. Das gilt bevorzugt für
Missbrauchsopfer von Priester-Tätern. Es gilt aber auch für
Opfer von Gewalt im Nahbereich, d.h. auch in sog. gut-katholischen
Familien.
Rika,
schon
mehrere
Jahre
mit dem
Schweigen der Kirchen sehr vertraut
17.9.2007
"Dem SPIEGEL
liegen Dokumente vor, die belegen, dass sein Ordinariat (gemeint ist
Regensburg) -
hart an der Grenze der Legalität - versucht hat, Kindesmissbrauch
zu
vertuschen: Schweigen sollte mit Geld erkauft werden. Einer der
missbrauchten Jugendlichen wirft den Kirchenmännern vor: 'Es geht
ihnen
nicht um die Opfer, sondern vor allem darum, dass nichts an die
Öffentlichkeit kommt. Das tut weh.' "
So
formuliert der Spiegel.
Der
Bischof hatte vor einigen Tagen
formuliert, dass der "Vorfall eine
Tragödie für die mutmaßlichen Opfer, aber auch für
den verhafteten Geistlichen" sei. In einem Zeitungsinterview
äußerte er, die Kritiker würden den Fall des Pfarrers
missbrauchen und als Trittbrettfahrer ohne Rücksicht auf die
Betroffenen agieren. "Wir lassen
uns nicht verleumden und wenn
das nicht aufhört, werden wir auch rechtlich dagegen vorgehen",
wird
der Bischof zitiert.
Quelle:
br-online.de
Kommentar:
Als
"Tragödie" wird ein Vorgang
bezeichnet, der einen sittlich
guten Charakter das Umschlagen von Glück ins Unglück erleben
lässt; und zwar nicht, weil der Mensch schlecht oder gemein
wäre, sondern weil er einen Fehler macht, der in der Regel aus
mangelndem Wissen resultiert.
Interessant
ist
eine
weitere
Äußerung des
Regensburger Bischofs. Er habe das
Foto des jungen Mannes aus Viechtach in der Zeitung gesehen. "Er macht
auf mich einen sympathischen Eindruck, und ich kann nur sagen, dass mir
sehr leid tut, was ihm passiert ist."
Da
stellt sich die Frage,
was der Eindruck des Bischofs vom Opfer mit dem Missbrauch zu tun hat.
Ist ein Missbrauch schlimmer, wenn das Opfer sympathisch ist - und
weniger schlimm, wenn das Opfer unsympathisch ist? Oder ist es
umgekehrt?
Ungeklärt
scheint
auch,
dass
das
Ordinariat den verurteilten
Pfarrer zwar "überwachte", ihn jedoch - bereits während
seiner Psychotherapie und vor der Feststellung seines behandelnden
Therapeuten, dass keine Gefahr mehr
von ihm ausginge - freiwillig und ohne kirchl. Auftrag in der Gemeinde
Riekofen aushelfen ließ, wo er in Kontakt mit
Kindern/Jugendlichen kam.
Wie
das Bistum Regensburg davon
sprechen kann, dass die Leitlinien der
Bischofskonferenz im Umgang mit pädophilen Priestern eingehalten
wurden, entzieht sich meinem Verständnis. Und warum das Bistum
sich auf die Antworten des Pfarrers, ob er rückfällig
geworden sei, verließ, ist schleierhaft. Es dürfte bekannt
sein, dass Sexualstraftäter es bekanntermaßen mit der
Wahrheit nicht so ernst nehmen.
14.9.2007
Oh
nein, nicht schon wieder, möchte ich gerne sagen. "Regensburg"
reicht und ist erneut zu viel. Aus Italien
kommen jedoch erneut makabre Mitteilungen. Ein bekannter Pater, Piero
Gelmini (82), der sich um
Zehntausende von Drogenabhängigen kümmerte, wird beschuldigt,
60 und mehr Menschen missbraucht zu haben. Unter ihnen sind auch
Menschen, die in seinen inw. 164 Entzugsanstalten in Italien bzw. 74
ausländischen Anstalten leb(t)en. Gelmini ist Gründer der
"Comunita incontro", die sich u.a. um HIV-Positive und Aids-Kranke
Jugendliche kümmert. Er betonte seine vollkommene Unschuld.
Quelle:
Der
standard.at
und
13.9.2007
Matthias
Drobinski
sagt
in
der SZ zum mutmaßlich neuesten
Missbrauchsfall im
Bistum Regensburg Folgendes: Das Gutachten über den
pädophilen Priester, der bereits 2000 verurteilt wurde und dem
nach der Therapie Unbedenklichkeit bescheinigt wurde, stammt vom
Therapeuten des Priesters. Es scheint also gar kein unabhängiges
Gutachten zu geben.
Nebenbei
wird
öffentlich,
dass
das
zuständige Gremium, das
auch im Bistum Regensburg existiert, bislang kein einziges Mal
zusammentrat.
12.9.2007
In Wolfsburg darf ein Arzt, der wegen sexuellen Missbrauchs von
Schutzbefohlenen, sexueller Nötigung von Patientinnen, Beleidigung
und Körperverletzung seit Ende letzten Jahres in Haft saß,
wieder in Wolfsburg praktizieren. Die Bezirksstelle Braunschweig der
Ärztekammer war nicht zu einer Stellungnahme gegenüber der
Presse bereit. Kollegen des verurteilten Arztes sind entsetzt und
protestieren. Kommentar: Da fragt man sich, wo die Kollegen von
priesterlichen Missbrauchstätern protestieren.
Quelle:
newsclick.de
9.9.2007
Der Regensburger Bischof hat zum "Fall Riekofen" gemeint,
Kindesmissbrauch sei "schreiender Widerspruch zum priesterlichen
Dienst“. Er äußerte die Hoffnung, dass die möglichen
Opfer mit Hilfe
von Seelsorgern die "furchtbaren Vorgänge" überwinden
könnten.
Quelle:
Mittelbayerische
Zeitung
Kommentar:
Wer
weiß,
wie
schwer
es
für Menschen mit Gewalterfahrungen ist, vor Ort SeelsorgerInnen zu
finden, die sich mit man-made-desaster/Traumatisierung auskennen,
weiß
auch, dass vor der Wirklichwerdung der bischöflichen Hoffnung noch
viel
Zeit vergehen wird und manche Fortbildung der SeelsorgerInnen
nötig ist.
8.9.2007
Das Bistum Regensburg weist die
von unterschiedlichen Stellen vorgetragene Kritik im Zusammenhang mit
Missbrauchsvorwürfen gegen den Pfarrer von Riekofen erneut
zurück. Das psychologische Gutachten habe eine pädophile
Fixierung ausgeschlossen. Zudem habe es während der Arbeit des
Pfarrers in einem Altenheim keinerlei Beauftragung für diesen
gegeben, in der Gemeinde- und Ministrantenarbeit in Riekofen
mitzuarbeiten.
Quelle:
mehrere
6.9.2007
Die Augsburger Allgemeine
berichtet, dass die Bistumsleistung
von Regensburg den Riekofener pädophilen Priester bereits 2001,
d.h. in der laufenden Bewährungszeit, wieder in der
Gemeindeseelsorge eingesetzt habe. Bislang sprach das Bistum lediglich
von seiner Beschäftigung im Altenheim. Der Pfarrgemeinderat nennt
den Einsatz des pädophilen Priesters ein «grausames
Experiment mit den Seelen unserer Kinder». Er fühlt sich
hintergangen und getäuscht und fordert vom Bischof wenigstens
jetzt die volle Verantwortung düe die damalige falsche
Entscheidung.
Quelle:
Augsburger Allgemeine
3.9.2007
Am Rande bemerkt: In dem Dorf Riekofen, Landkreis Regensburg, wurde am
Sonntag für den Pfarrer gebetet, der wegen des Verdachts, ein Kind
missbraucht zu haben, verhaftet wurde. Ein Gebet für das
missbrauchte Kind gab es nicht - so berichtet es die Süddeutsche. Wer sich ein wenig in der
täterschützenden Szene auskennt, versteht auf Anhieb, dass in
der Gemeinde Unterschriften für den Pfarrer
gesammelt wurden. Unvergessen ist ein Fall von Kindesmissbrauch
in Uznach/Schweiz im Juli 2003.
Dort solidarisierten sich gar die
Eltern des Opfers mit dem Missbrauchstäter - gegen die eigenen
Kinder. Der Pfarrer erhielt ca 1000 Solidaritätsbekundungen, das
Opfer keine einzige.
Wenn
Kirche
bei
den
Missbrauchsopfern
Glaubwürdigkeit
wiedergewinnen will, wird sie einiges tun müssen.
3.9.2007
Pfarrer Georg Schmucki, Dekanat St. Gallen, fordert, dass Seelsorgende
mit Pädokriminalität konfrontiert werden müssen. Er
mahnt eine offene Gesprächskultur an, um die Gefahr von
Übergriffen in der Seelsorge zu minimieren. "Bistümer,
die sich bei
diesem Thema in Schweigen hüllen, handeln fahrlässig", sagte
Schmucki.
Quelle: kath.ch
1.9.2007
Kommentar
zur
Nachricht
vom 31.8.2007: Eigentlich müsste sich so
langsam rumsprechen, dass Pädophilie nicht heilbar ist. Fachkreise
- TherapeutInnen und PsychiaterInnen - müssten es wissen,
katholische Kirche sollte es dringend wissen und dann auch beherzigen.
Aus vier Gründen dürfte nicht passieren, was im Bistum
Regensburg geschah und gestern öffentlich wurde:
Erstens
und
am
allerwichtigsten:
wegen der Opfer. In deren gesamtem
Leben wird durch Missbrauch durch Kleriker ein entsetzliches Chaos
angerichtet und nicht so selten Gott für immer gemordet -
vorsichtig formuliert
2.
wegen der Täter. Ein Bistum, das einem verurteilten
pädophilen Pfarrer ermöglicht, beruflich erneut durch den
Einsatz in einer Kirchengemeinde mit Kindern in Kontakt zu kommen,
verletzt seine Fürsorgepflicht auch gegenüber dem
pädophilen Mitarbeiter. Die Fürsorgepflicht für einen
gefährdeten Mitarbeiter würde es gebieten, ihn im
verantwortlichen Umgang mit seiner irreversiblen und andere
Menschen/Kinder vernichtenden Neigung zu unterstützen, statt ihm
Kinder auszuliefern
3.
wegen der Botschaft der Befreiung, die Kirche zu vermitteln
hätte. Bucher's
Artikel in Concilium über "Gottes Niederlage" ist mir
unvergessen, weil sie hilfreich klar und eindeutig ist
4.
wegen jener kirchlichen Mitarbeiter, die treu und redlich ihren
nicht selten frustigen Job mit Überzeugung und Geradlinigkeit
verrichten und durch Ereignisse wie derzeit und schon lange (?) in
Regensburg und andernorts (?) kompromittiert werden - das haben diese
redlichen Menschen nicht verdient
meint
Rika
-
und
mag ihr Entsetzen über die Vorgänge im
Bistum Regensburg nicht verbergen
31.8.2007
Ein wegen Kindesmissbrauch vorbestrafter kath. Pfarrer im Landkreis
Regensburg wurde nach neuen Vorwürfen verhaftet. Die
Staatsanwaltschaft beschuldigt den 39-Jähringen, sich jahrelang an
einem Ministranten sexuell vergangen zu haben. Im Juli erst war bekannt
geworden, dass das Bistum Regensburg den Pfarrer trotz
einschlägiger Vorstrafe wieder - zum Entsetzen nicht nur der
bisherigen Opfer - in der Seelsorge eingesetzt hatte. Das Bistum hatte
dazu erklärt, der Vorbestrafte sei nach einer Therapie geheilt.
Überdies sei diese Prognose von einem psychiatrischen Gutachten
bestätigt worden. Nunmehr zeigt sich das Bistum "schockiert".
Quelle: br-online
Die
Passauer Neue Presse vom 30.7.2007 bringt die
ältere Nachricht.
s. auch
Panorama vom 16.8.2007
28.8.2007 German Robledo war bis 2004
Vorsitzender des Kirchengerichtes im Erzbistum Cali, Kolumbien. Im
Februar 2006 legte er alle kirchlichen Ämter nieder, um freier
über Missstände berichten zu können. Er beschuldigt den
Klerus des Erzbistums Cali des massiven moralischen Versagens. Die
US-amerikanische katholische Nachrichtenagentur CNS listet die
Beschuldigungen auf: zahlreiche Priester unterhielten dauerhafte
sexuelle oder homosexuelle Beziehungen und zweigten Spendengelder
für die Versorgung der eigenen Kinder ab. Weiterhin seien Gelder
dafür verwandt worden, Vermittler von Kindern zu bezahlen, die
anschließend von den Geistlichen missbraucht wurden. Robledo
seien Dutzende von Kindern bekannt, die Erpressungsgelder verlangt
hätten, weil sie sexuelle Kontakte zu Priestern gehabt
hätten. Schließlich seien Geistliche, die in den USA des
sexuellen Missbrauchs von Jungen und Mädchen angeklagt gewesen
seien, in der Erzdiözese Cali eingesetzt worden. Robledo
beschuldigt den zuständigen Erzbischof Juan Sarasti Jaramillo,
schon lange über die Vorwürfe informiert zu sein, aber nicht
zu handeln. An die Öffentlichkeit sei Robledo gegangen, weil auch
nach mehrmaliger Information des Erzbischofs nichts geschehen sei.
Quelle: kipa
17.8.2007 In
der gestrigen Panorama-Sendung der ARD erhob ein ehemaliger Ministrant
gegen den Würzburger Bischof den Vorwurf, die
sexuellen Übergriffe durch einen Priester verschleiert zu haben.
Der Bischof habe dem Opfer geraten, keine Anzeige zu erstatten, damit
nichts an die Öffentlichkeit gelange. Laut
br-online weist der Bischof die
Vorwürfe zurück.
In
einer (1.) Pressemeldung
vom 16.8., von KNA verbreitet und auf der HP des Bistums eingestellt,
wird der
ARD-Bericht als falsch zurückgewiesen. Der Würzburger
Leitende Oberstaatsanwalt Clemens Lückemann bezeichnete die
Behauptung der sexuellen Nötigung auf Anfrage als "definitiv
falsch". In der Pressemeldung wird auf Zeitungsberichte
verwiesen, die nach dem Selbstmord des Angeschuldigten schrieben, der
damals 22-jährige Mann
habe mit dem Priester ein sexuelles Verhältnis gehabt und dieses
beenden wollen. Er sei aber erst zur Polizei gegangen, als der
Geistliche gedroht habe, sich umzubringen. Das Bistum Würzburg
hatte
nach dem Suizid des Priesters bereits erklärt, dass die
Vorgänge
innerkirchlich untersucht worden seien. Noch vor der Selbsttötung
sei
die Ablösung des Pfarrers beschlossen und vorbereitet worden. Der
junge
Mann habe eine ihm vom Bistum angebotene Therapie abgelehnt, so
Hillenbrand.
Kommentar:
Die Berichterstattung ist eher verwirrend als klärend.
Warum die Pressemeldung von einem sexuellen Verhältnis
(und dann ja wohl einvernehmlich) zwischen dem Angeschuldigten und dem
Ankläger berichten und br-online zugleich schreiben kann,
Generalvikar
Hillenbrand habe Panorama gegenüber gesagt, dass sich in dem
kirchenrechtlichen Verfahren der Untersuchungskommission "der Verdacht"
gegen den Geistlichen erhärtet habe, ist unverständlich. Ja -
was stimmt denn nun? Und um welchen Verdacht geht es eigentlich? Und
warum - um Himmels willen - beteiligt sich ein Bistum an der
unterschwelligen Opferbeschuldigung durch Veröffentlichung des
o.a.
Beitrages?
Nachtrag: Inzwischen gibt es
eine Pressemeldung des
Bistums Würzburg,
datiert ebenfalls auf den 16.8. Die 1. Pressemeldung der KNA ist
auf
der
Internetoberfläche des Bistums Würzburg nicht mehr
aufzufinden. In dem
nun vorliegenden Statement des Generalvikars wird auf einen Hinweis auf
Zeitungsberichte verzichtet, die das Opfer zum Täter machen.
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Deutlicher ist da der Bericht
des Schweizer Fernsehens vom 18.7.2007: Pädophilie: Wie ein
Priesterschüler zum Opfer
wurde. Im katholisch
geprägten Italien werden jedes Jahr durchschnittlich zehn
Priester wegen sexueller Übergriffe auf Kinder verurteilt. In
Palermo
führt ein Opfer, Marco Marchese, heute eine Hilfsorganisation
für andere
Pädophilieopfer.
Quelle: http://www.sf.tv/sf1/10vor10/index.php.
Im Archiv den 18.Juli
2007
aufsuchen. Der Film ist online.
Er beschreibt die häufigen Reaktionen: Die Kirche ist nicht zu
einer Stellungnahme bereit; angesprochene Pfarrer verweigern das
Gespräch; nur einer, ein Militärpfarrer, meint, diese
Fälle werden aufgeblasen, er kenne jedenfalls keine
pädophilen Kollegen. Der inzw. verurteilte Täter fragte nach
dem Prozess sein
Opfer, ob die Anzeige denn nötig gewesen sei. Ebenfalls nach dem
Prozess erhielt Marco Marchese eine Rechnung des Bischofs von Agricento
über Euro 200.000, weil er das Ansehen der Kurie beschmutzt habe.
Die Rechnung wurde nach öffentlichem Protest zurückgezogen.
Zugleich es
gibt
dort einen Pfarrer, Fortunato di Noto, der Anzeige gegen drei Kollegen
erstattete, die Kinder missbrauchten. mehr
30.7.2007
Die Passauer Neue Presse berichtet, dass Generalvikar
Michael Fuchs, Diözese Regensburg, gestern im Sonntagsgottesdienst
die Gemeinde über die Sexualstraftat ihres Pfarrers informierte
und betonte, es läge keine pädophile Fixierung vor und
deshalb werde der Pfarrer weiterhin in der Gemeinde eingesetzt. Die
Strafe hatte 12 Monate Freiheitsentzug betragen und war auf 3 Jahre zur
Bewährung ausgesetzt. Laut Presseberichten hat der Verurteilte
kein Gespräch mit der Familie seiner Opfer geführt.
Abs.
12
der
Leitlinien
der Bischofskonferenz "Zum
Vorgehen bei sexuellem Missbrauch
Minderjähriger durch Geistliche im Bereich der Deutschen
Bischofskonferenz" besagt: "Nach
Verbüßung
seiner
Strafe
werden dem Täter keine Aufgaben
mehr übertragen, die ihn in Verbindung mit Kindern und
Jugendlichen bringen."
In
einer Stellungnahme des Bistums Regensburg heißt es
u.a.: "10. Das Bischöfliche Ordinariat bedauert, dass der Vorfall
bei den Betroffenen auch nach der langen Zeit noch nicht
abschließend aufgearbeitet ist, und steht nach wie vor zu der in
der Vereinbarung (EK: mit den Eltern) zugesicherten Übernahme der
Kosten für ärztlich indizierte therapeutische Begleitung."
Kommentar: Hier wird
die Erwartung an die Opfer formuliert, dass doch
irgendwann einmal "der Vorfall" vergessen sein muss. Diese Erwartung
zeugt von anhaltender und profunder Unkenntnis über die Folgen
sexueller Gewalt.
26.7.2007
Die Passauer Neue Presse berichtet, dass ein Kaplan, der zwei
Brüder missbrauchte, inzwischen als Pfarrer eingesetzt wurde. Das
Bistum Regensburg hält den Pfarrer für geheilt.