zurueck

Kommentierte Dokumentation Januar bis Juli 2010: Wie in der katholischen Kirche noch immer abgewiegelt und verharmlost wird. Wie die Täter gerechtfertigt und die Taten verharmlost werden und wie die Opfer diskriminiert werden. Und wie man Schuld überall sucht, nur nicht im eigenen Haus.
Ein Gedicht als Kommentar - 30.4.2010


5.9.2010 Noch immer wird auf der Internetseite des Erzbistums Freiburg im "Birnauer Fall" von einem  m u t m a ß l i c h e n  Opfer gesprochen, obwohl das Opfer erwiesenermaßen ein wirkliches Opfer ist.
Quelle: Erzbistum Freiburg
Übernommen wurde diese falsche Formulierung auch vom Domradio, von evangelisch.de, von katholisch.de, von den ad-hoc-news, domradio.mobil

14.8.2010 "Wegen eines Missbrauchsfalles aus den 60er Jahren und dem erneuten Auftauchen eines Paters im Kloster Birnau in den 80er Jahren recherchiert die BZ nun auch im Stadtarchiv von Überlingen. Sie lässt also nicht locker, zu ermitteln, wer was wann gewusst haben muss und wer wofür zuständig war. Sind diese Einzelheiten heute noch so wichtig? Muss dafür ein US-Kirchenrechtler eingeschaltet werden? Hat die BZ damals Hinweise auf sexuellen Missbrauch immer ernst genug genommen? Muss darauf nun auch das Archiv der BZ durchsucht werden?" So formuliert ein Leserbriefschreiber.
Quelle: Badische Zeitung

3.8.2010 Aus einem Leserbrief: "das Thema wird medial ausgeschlachtet, aber eigentlich gibt es keinen Skandal, weil Missbrauch usw. bei Priestern eigentlich sogar noch viel seltener vorkommt als sonst und deshalb sehe ich auch keinen Grund der Kirche etwas übel zu nehemn oder gar aus ihr auszutreten."
28.7.2010 Im Forum des AKO zitiert eine Gesprächsteilnehmerin aus der Totenrede über P. Stüper, gehalten von P. Ulrich Rabe SJ bei den Exequien am 27. Juli 2010: “In den letzten Jahren ist aber auch Schatten auf seine Person gefallen. Mit Erschrecken hat er zur Kenntnis genommen, dass sein früheres Fotografieren in manchen Dingen unangebracht war. Er hat zur Kenntnis genommen, dass man jugendliche Seelen auch durch solches unbedachtes Tun verletzten kann. Er hat sich bei einigen Betroffenen entschuldigt. Er hat einen Brief an den Provinzial geschrieben, wo er das auch nochmal dargelegt hat und versichert hat, dass er zu keiner Zeit weitergreifende Übergriffe vollzogen hat. Es hat ihn bedrückt. Er hat darunter gelitten, weil Vergebung ihm letztlich nicht genügend gegeben auch nochmal dargelegt hat und versichert hat, dass er zu keiner Zeit worden ist.”
Quelle: Eckiger Tisch
Kommentar
: Es sind die Opfer diejenigen, die dem Täter, der ein paar relative Harmlosigkeiten ein wenig gesteht, nicht vergeben. Böse Opfer!

26.7.2010 Die Stuttgarter Nachrichten berichten von einem Pfarrer, der sich darüber beklagt, dass heutzutage alles "Fehlverhalten" gleich zum sexuellen Missbrauch erklärt würde. Und ein Gemeindemitglied ergänzt, dass die Aussagen des Pfarrers im Gemeindeblatt "friedensstiftend" seien. Die Gemeinde ist nach zahlreichen Einzelgesprächen einvernehmlich zu der Haltung gekommen, "sdass es keinem etwas bringt, wenn wir ein Tribunal errichten." Schließlich seien Christen grundsätzlich davon überzeugt, dass es Vergebung gebe.
Kommentar: Offensichtlich kann eine Gemeinde, der ein neuer Priester zugewiesen wurde, der schlimmstenfalls wegen "Fehlverhalten" vom Bischof suspendiert wurde, ohne Berücksichtigung von Opfern vergeben. Bei Fehlverhalten ist ja auch Vergebung nicht gar so schwer. Und wer nicht betroffen ist, kann ohnehin leicht und schnell vergeben.

22.7.2010 Der Pressesprecher des Erzbistums Freiburg sagt über das Opfer von Birnau, das bislang vergeblich um sein Recht kämpft:  " 'Man hat mit raffinierten Methoden versucht, ein Medienecho zu generieren.' Unabhängig davon bietet das Erzbistum dem offenbar verzweifelten Opfer weiter Hilfe an."
Quelle: Stuttgarter Zeitung
Kommentar: Zuerst gewährt man dem wirklichen (nicht nur mutmaßlichen) Opfer keine ausreichende Unterstützung und dann stellt man es als "verzweifelt" dar, was fast so klingt wie "unzurechnungsfähig". Und schließlich bietet man ihm - im Kontext des Vorwurfs, raffinierte Methoden anzuwenden - großzügig weiterhin Hilfe an, die bislang - so sie denn vorhanden war - offensichtlich beim Opfer nicht ankam. Es ist ein Leichtes, einem Menschen Hilfe zu verweigern und ihn dann zu beschimpfen, wenn er entsprechend verzweifelt ist.Der Vorgang zeigt, wie "garstig tief der Graben" noch immer ist, der zwischen Täterschützern und Opfern klafft.

18.7.2010 Anlässlich erneuerter Vorwürfe gegen den Erzbischof von Freiburg schreibt ein Leserbriefschreiber: "18.07.10 18:04. "Jetzt reicht's langsam. Ich bin zwar evangelisch, aber trotzdem reicht diese Schlammschlacht langsam. Hier werden sich doch mittlerweile Opfergeschichten zusammengelogen"
14.6.2010 Im Bistum Hildesheim gab es eine Fortbildung für 50 ReligionslehrerInnen. Dort sagte eine Expertin: "Furchtbare Folge von sexuellem Missbrauch: 'Ein Opfer strebt danach, Täter zu werden, so wie jeder Täter einmal Opfer war'. Indem es einen schwächeren Menschen missbrauche, könne ein ehemaliges Opfer für einen kurzen Moment seine eigene Macht spüren und sein Minderwertigkeitsgefühl überspielen, behauptet die Expertin." So veröffentlichte das Bistum Hildesheim die Opferbeschuldigung und so wurde sie auch vom Merkur weitergegeben. Ob mein Protest dagegen etwas nutzen wird, wird sich zeigen.
Nachtrag am 17.7.2010: Der Protest kam im zweiten Anlauf an und stieß bei 2 Menschen auf offene Ohren. Aber der Beitrag steht nach wie vor auf der Bistumsseite. Und im Merkur ist er ebenfalls zu finden.
Nachtrag am 22.7.2010: Der opferbeschuldigende Beitrag wird auch nach nochmaliger Bitte nicht entfernt. Selbst der Hinweis, wie eine solche Opferbeschuldigung durch das Bistum Hildesheim bei Opfern wohl aufgenommen wird, konnte diese Entscheidung des Verantwortlichen nicht verändern. Eine Missbrauchsbeauftragte des Bistums Hildesheim wird diesen Vorgang jedoch in ihrem Ordinariat zum Thema machen. Es bleibt abzuwarten, ob ihr Engagement Erfolg hat.

10.6.2010 „Missbrauchsopfer kommt nicht gut an. Man ekelt sich auch vor Wunden.“ Das sagt ein anonymes Opfer des AKO. Auf Facebook wurde unter „aloisius. das akonews magazin“ auch ein WDR-Bericht über den „2. Eckigen Tisch“ in Oberdollendorf eingestellt. Darunter stehen Mitte Mai zwei Kommentare. Ein Ex-AKO-Schüler schreibt: „Missbrauchsopfer der katholischen Kirche könnte glatt zum Ausbildungsberuf werden, so inflationär, wie sich vermeintliche Opfer melden.“ Der andere Kommentar: „Können die nicht endlich mal Ruhe geben?“
Quelle: Merkur
Kommentar: Die Kommentare geben vermutlich wieder, was viele Menschen - auch in der katholischen Kirche - denken.

30.5.2010 „Ich und viele Bekannte können es nicht mehr hören, wie die katholische Kirche angegriffen wird. Sie ist für viele Menschen ein Hort der Geborgenheit. Die aus der Kirche austreten, haben für ihre Seele keine Heimat mehr und es ist wie eine Wüste ohne Kamele. Jesus sagte bei der bevorstehenden Steinigung der Ehebrecherin: ,Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.‘ Lasst also Ruhe in den Herzen der Menschen einkehren, in dieser von Unheil zerrütteten Welt!“ Hilde J., Passau
Quelle: pnp
So schreibt Hilde J. - Es sind also wieder einmal die Opfer, die anderen die Kirche als "Hort der Geborgenheit" madig machen. Und die Opfer müssen sich den Satz um die Ohren schlagen lassen: "Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein!" Natürlich kann man die Bibel so benutzen. Und man kann den Satz Jesu von den Mühlsteinen einfach unterschlagen und sogar die gesamte prophetische Tradition übersehen, die immer wieder Unrecht aufgedeckt hat. Ach ja, und am Ende kann man den Opfern vorwerfen, sie verhinderten die "Ruhe in den Herzen der Menschen". 

30.5.2010 Der Vatikansprecher Federico Lombardi sagt, die Missbrauchskrise sei noch nicht überwunden. Dieser Hinweis macht nur dann Sinn, wenn es schon jetzt verstärkt Stimmen gibt, die die Krise für überwunden erklären wollen.
Quelle: Kleine Zeitung

18.5.2010 Der Forensiker Hans-Ludwig Kröber ist unzufrieden. Er ist unzufrieden mit der medialen Aufbereitung des Themas "Sexueller Missbrauch in der Kirche".  Er übersieht dabei, dass eine jahrzehntelang hörunfähige Kirche offensichtlich erst durch die veröffentlichte Meinung veranlasst werden kann, den Blick auf die Opfer zu richten. Ob diese - meine - Kirche damit lediglich politisch korrekt handelt oder ob sie sich wirklich zu jenen Menschen bekehrt, die unter die Räuber fielen, ist für mich noch längst nicht ausgemacht. Wir werden sehen. Das, was ich derzeit wahrnehme, stimmt mich nicht zuversichtlich.
Kröber hält auch für falsch, dass Missbrauchsopfer als "Überlebende" dargestellt werden und er warnt vor ihrer "Sakralisierung". Er übersieht, dass Opfer von Menschengewalt in der Regel ihre eigenen Schwächen mehr als gut kennen - und dennoch und zu Recht stolz darauf sind, dass es ihnen bislang gelang, die Folgen der Menschengewalt halbwegs in Schach zu halten und zu überleben. Nicht allen ist das gelungen - und um die Menschen, die diese Chance des Überlebens nicht hatten, trauern wir. Und um die Menschen, die am Ende ihrer Widerstandskraft sind, sorgen wir uns.
Kröber fragt sich auch, warum jeden Monat tausende Minderjährige vor allem aus der Unterschicht Missbrauch anzeigen, während Schüler von Eliteinternaten Jahrzehnte zu diesem Schritt bräuchten. Dafür gibt es gute und viele Gründe. Ob jemand wie Kröber sie hören möchte, bezweifle ich.
Ach ja, und am Ende meint Herr Kröber, dass "Weinen kein Beweis" sei. Natürlich hat er Recht damit. Dass ein Mensch weint, beweist rein gar nichts. Es zeigt nur, dass dieser Mensch sehr traurig, vielleicht verzweifelt, ist. Und es zeigt, dass er noch weinen kann. Ich kenne nicht wenige Opfer von Menschengewalt, denen diese "Gabe der Tränen" versagt ist. Was gäben sie darum, endlich, endlich weinen zu dürfen. Aber sowas ist so jemandem wie Herrn Kröber nicht vermittelbar.


8.5.2010 In einem Forum ist zu lesen: "Mir ist es mittlerweile egal, ob die erneuten Anschuldigungen wahr oder falsch sind. Ich kann diese  ganzen Berichte aus dem katholischen Morast nicht mehr ertragen - auch nicht von angeblich Geschädigten, die augenscheinlich so verklemmt sind, dass sie keine Traute haben und ihr Umfeld vorschieben."
Kommentar: Noch immer ist offensichtlich nicht in der Bevölkerung angekommen, was Traumatisierung durch Menschengewalt bedeutet und welche Folgen sie hat.


30.4.2010 Eine katholische Internetseite, die ich um einen Link auf GottesSuche bat, hat abgelehnt. Begründung: Es gebe keinen aktuellen Anlass.

30.4.2010 Der Generalsekretär der italienischen Bischofskonferenz hat sich gegen eine Verharmlosung sexuweller Missbrauchsfälle unter katholischen Klerikern gewandt.
Quelle: Radio Vatikan
Kommentar: Diese Nachricht macht nur Sinn, wenn katholische Kleriker in Italien sexuellen Missbrauch verharmlosen. Es geschieht ja auch in Deutschland.

29.4.2010 In Bad Godesberg hat ein Kaplan gemeint, zum Schweigen aufrufen zu müssen. Vermutlich kann er das Opfergeschrei nicht mehr hören.

28.4.2010 "Das war wohl der wahre Sinn der Sendung: zu zeigen, wie lange es noch dauern wird, bis diese Gewalt wirklich im Bewusstsein der Gesellschaft angekommen sein wird." So beschreibt Matthias Drobinsky in der Süddeutschen die Diskussion bei Beckmann. (Vorsicht: Triggergefahr bei Beckmann!)
Kommentar: Wie weit entfernt Kirche noch immer von den Opfern ist, zeigt sich an der Sprache des  Vatikans. Da ist von "sexuellen Vergehen" die Rede. Gemeint jedoch ist sexualisierte Gewalt. Im Papstbrief zum Priesterjahr 2009 war noch von den "Schwächen der Priester" die Rede. So gesehen, ist die neue Sprachregelung direkt ein Fortschritt. Immerhin werden nun aus den "Schwächen" wenigstens "Vergehen". Bis zum korrekten Begriff "Verbrechen" scheint noch ein weiter Weg zu sein.
27.4.2010 Die Missbrauchsdebatte bei "Beckmann" hat sich in der Verharmlosung verloren, kritisiert der Spiegel.
Quelle:  Spiegel
Der Beitrag ist noch einige Tage online zu sehen. Vorsicht - Triggergefahr. Hier geht's zum Beitrag Die TeilnehmerInnen sprechen so, als wüssten sie nichts von sexualisierter Gewalt.


Kardinal Lehmann warnt vor generellen finanziellen Entschädigungen von Opfern. Er weist darauf hin, dass mit Geldzahlungen  eine grundlegende Verkennung des ethischen Schwergewichts der Verbrechen einhergehe. Scharf kritisierte er, dass die unübersehbare Verantwortlichkeit der Täter konstant ignoriert werde. Und schließlich führte er an, dass auch die "Begehrlichkeit nach Geld" nicht übersehen werden dürfe.
Nach Angaben des SWR formulierte Kardinal Lehmann:
Der beinahe ausschließliche Ruf nach finanzieller Entschädigung sei darüber hinaus "verräterisch". Da sexueller Missbrauch schwerste Schäden anrichten könne, sei die Forderung "Ich will endlich Geld sehen, viel Geld" eine Verkennung "des ethischen Schwergewichts einer solchen Verfehlung und auch der Formen möglicher Wiedergutmachung".
Quelle: swr
Quelle: Radio Vatican
Kommentar: Kardinal Lehmann unterstellt Opfern die Aussage "Ich will endlich Geld sehen, viel Geld". Das ist sein Versuch, Opfer moralisch als "geldgierig" zu diskriminieren. Wir lernen: Opfer sind begehrlich nach Geld. Natürlich geht Opferbeschuldigung auch so. Diese Variante ist mir neu.

Bischof Mixa wird nach seinem Rücktritt als "Sündenbock" angesehen. Üblicherweise sind Sündenböcke unschuldig - wie Jesus z.B. Sie tragen die Schuld der anderen, obwohl sie selbst ohne Schuld sind. Dass dies auch für Bischof Mixa gelten solle, wird hier im Kommentar von kath.de dargelegt. 24.4.2010

Ein 53-jähriger Mann hatte eine Mahnwache vor der Birnau gehalten und damit darauf hingewiesen, dass er in den 60er Jahren von Pater G. missbraucht wurde. Pater G. hatte gestanden. Es besteht der Verdacht, dass es weitere Opfer gibt. Ein Mitarbeiter der Birnau, Herr Fröhlich, verwies das Opfer des privaten Terrains der Kirche. Gegenüber dem SÜDKURIER sagte Fröhlich, der nicht als Sprecher des Priors von Birnau auftrat, sondern seine persönliche Meinung äußern wollte: „Diese Ereignisse schmerzen jeden Christen. Im Sinne der Botschaft der Liebe von Jesus Christus geht man aber anders mit solchen Dingen um als mit einer Aktion, die einfach nur Ärger hervorruft, vor allem Ärger bei unserem Herrn Jesus Christus. Es gibt gewisse Dinge, die man nicht so an den Haaren an die Öffentlichkeit reißt, sondern die man dort regeln sollte, wo man sie regeln kann. Unter Christen ist das möglich.“
Quelle: Missbrauch in der Kirche
Kontakt über: ein.opfer@web.de
Kommentar: Dass Jesus verärgert wäre, wenn ein Opfer den Mut hat, zu sich und zu seiner schmerzlichen Wahrheit zu stehen, muss aus vielen guten Gründen doch sehr bezweifelt werden. Zumal es leidvolle Erfahrungen von Opfern gibt, die mit einer täterschützenden und vertuschenden Kirche zu tun haben. Da wurde im Interesse der Täter "geregelt".

Der Kurienkardinal Hoyos verteidigt die frühere Praxis von Bischöfen, pädophile Priester nicht in jedem Fall anzuzeigen. Das wäre doch so gewesen, als ob man jemanden zwänge, vor Gericht gegen ein Familienmitglied auszusagen, sagte der langjährige Kurienkardinal am Donnerstag in einem Radiointerview. „Das Recht in entwickelten Staaten sieht nicht vor, dass jemand gegen sein Kind oder gegen seinen Vater aussagt“, so Hoyos wörtlich: „Warum sollte man das dann von der Kirche verlangen? Das ist ungerecht.“  Gleichzeitig bestehe aber kein Zweifel daran, „dass die Kirche an der Seite derer steht, die wirklich Opfer waren“.
Quelle: Radio Vatikan
Kommentar: Zur "Familie" gehören die Täter, die Opfer offenbar nicht. Der Ausdruck "wirkliche Opfer" transportiert den Verdacht, es gebe auch vermeintliche Opfer und solche, die sich zu Opfern erklären, ohne es zu sein. Solches Denken konterkariert jegliches Bemühen der Kirche, sich an der Seite der Opfer zu positionieren. Die größten Feinde der katholischen Kirche scheinen ihre ranghöheren Mitglieder zu sein.

Die Homosexuellen haben Schuld. Das sagte Kardinal Bertone, als er in Chile war. Tarcisio Bertone gilt als Vertrauter des Papstes, ist Kardinalstaatssekretär und die Nummer Zwei im Vatikan.
Quelle: Süddeutsche

Bischof Overbeck nutzt die Debatte um sexualisierte und körperliche Gewalt, um zu erklären, dass Homosexualität eine Sünde sei.
Quelle: Tagesanzeiger


Der frühere vatikanische Justizminister Julian Herranz, 80, Opus-Dei-Kardinal, sieht die Angriffe auf Papst Benedikt XVI. auch in Zusammenhang mit dessen Eintreten für den Lebensschutz. Die internationalen Medien hätten das Oberhaupt nicht nur wegen pädophiler Priester ins Visier genommen, sondern auch wegen „der Verteidigung ethischer Werte, angefangen mit dem Nein zur Abtreibung“, sagte der spanische Kardinal in einem Interview der italienischen Tageszeitung „La Repubblica“.
Quelle: Radio Vatikan
So entwickeln sich Märtyrerlegenden...

Der persönliche Prediger des Papstes, Cantalamessa, hat im Karfreitagsgottesdienst 2010 in Rom Vorwürfe gegen die Kirche in der Missbrauchsaffäre in die Nähe des Antisemitismus gerückt und gesagt, der kath. Kirche ginge es so, wie es den Juden in Deutschland ergangen sei.
Quelle: heute.de

Die Juden haben Schuld, sagte Giacomo Babini, emeritierter Bischof von Grosseto, am Freitag auf  Ponitfex.Roma mit Blick auf die Diskussion um Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche. Mit Blick auf den irischen Missbrauchsskandal empfiehlt er den Anglikanern, sich zu entschuldigen: “Da viele von ihnen beschlossen haben, katholisch zu werden, hoffe ich nur, dass wir uns damit nicht eine nette Dosis Homosexueller einfangen.” Bischof  Babini hat nämlich keinen Zweifel, dass die “Homosexuellen-Lobby” die Fälle des sexuellen Missbrauchs in den Reihen katholischer Priester für eine Kampagne gegen die katholische Kirche nutzt: „Sie ziehen über die Kirche her, wo sie nur können.”
Quelle: marx-blog


Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller hat den Medien in Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen eine "Kampagne gegen die Kirche" vorgeworfen. Der Bischof rückte die laufende Berichterstattung in die Nähe der kirchenfeindlichen Haltung der Nationalsozialisten.
Quelle: Fürther Nachrichten

"Die sogenannte sexuelle Revolution, in deren Verlauf von besonders progressiven Moralkritikern auch die Legalisierung von sexuellen Kontakten zwischen Erwachsenen und Minderjährigen gefordert wurde, ist daran sicher nicht unschuldig", sagte Mixa.
Quelle: der standard

Pater Eberhard von Gemmingen, SJ, bis vor Kurzem Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan, hat in der Heilbronner Stimme nach Angaben des Spiegels und der SZ die Situation des Jesuitenordens, in dessen Schutz sexueller Missbrauch stattgefunden hat und der derzeit im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht, mit der Situation der Juden in der Hitlerzeit verglichen. Wörtlich: "Es ist fatal, nun den ganzen Orden schlechtzumachen. Ich muss einen Vergleich ziehen: Mit den Juden ist es so losgegangen, dass vielleicht der ein oder andere Jude Unrecht getan hat. Dann aber hat man schlimmerweise alle angeklagt und ausrotten wollen. Man darf nicht von einzelnen Missetaten ausgehen und eine ganze Gruppe verurteilen. Und die Gefahr, dass das passiert, ist groß."

Hans-Ludwig Kröber, Deutschlands bekanntester Kriminalpsychiater, sagte in Cicero: "Deshalb sollten Betroffene zuallererst zur Kripo gehen. Auch, weil damit die Hemmschwelle für Leute steigt, die sich eigentlich nur wichtig machen wollen. Das kommt leider auch oft vor."
Quelle: cicero

9.4.2010 In einem Leserbrief heißt es: "Ohne den Opfern zu nahe treten zu wollen: Was Schmidt hier einseitig-boshaft zuspitzt, trifft den Nerv Vieler, die langsam die Nase voll haben von Enthüllungs-Stories über sexuellen Missbrauch."
Quelle: otz

9.4.2010 Das Ausmaß von Missbrauch an Kindern ist auch wegen der häufigen Verdrängung statistisch kaum zu erfassen. Manche Menschen glauben auch nur irrtümlich, Missbrauch erlebt zu haben, wie Studien über sogenannte „False Memories“ belegen. Wissenschaftlichen Studien zufolge liegt die Missbrauchsquote bei Mädchen zwischen zehn und 15 Prozent, bei Jungen zwischen fünf bis zehn Prozent. Rund 95 Prozent der Täter kommen aus dem Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis. Der Vater-Tochter-Inzest ist die vermutlich häufigste Form.
Quelle: Domradio
Kommentar:
Dass das false-memory-Syndrom nun auch von Domradio.de zitiert wird, zeigt, wie wenig kritisch und wie wenig informiert mit dem Thema Traumatisierung durch Menschengewalt hierzulande - auch von der Kirche! - umgegangen wird. Informationen zu den sogenannten "False-Memory-Studien" sind hier nachzulesen:
http://www.falsche-erinnerungen.de/index.htm
http://www.false-memory-syndrome.de/#Fazit
http://www.aufrecht.net/utu/echtheit_erinnerungen.html
Ausführlich beschäftigt sich Martha Schallek, ("Rotkäppchens Schweigen", 2006) mit dem Versuch, gerade die am schwersten Betroffenen, die einer Amnesie unterliegen, als unglaubwürdig hinzustellen. Diese vermeintlich wissenschaftlich abgesicherte Theorie ist nicht belegt. Sie ist auch keine psychische oder medizinische Aussagen, sondern eine juristische. Sie hat das Ziel, Täter vor Gericht frei zu bekommen.
Mehr unter false-memory-syndrome
und unter socialnet

11.4.2010 Die Kardinäle der Weltkirche wollen indes am 19. April - dem fünften Jahrestag der Wahl von Joseph Ratzinger zum Papst - ein außerordentliches Treffen in Rom abhalten, um sich hinter den Pontifex zu stellen. Sie wollen ihre Solidarität mit dem Papst nach den scharfen Attacken wegen der Missbrauchsfälle ausdrücken, berichtete die römische Tageszeitung "La Repubblica" am Sonntag. Am 13. Mai soll zudem auf dem Petersplatz eine große Kundgebung mit Hunderttausenden Demonstranten zur Unterstützung des Papstes stattfinden.
Quelle: Kleine Zeitung

Um den 1.4.2010 Opferbeschimpfungen
„Ich bin zutiefst erschüttert über die Anschuldigungen, die mir gegenüber erhoben werden. Ich versichere nochmals, dass ich zu keiner Zeit gegen Kinder und Jugendliche körperliche Gewalt in irgendeiner Form angewandt habe. Ich bin gerne bereit, mit Männern und Frauen, die in ihrer Jugendzeit im Kinderheim St. Josef in Schrobenhausen gelebt haben, über ihre Erinnerungen, Erlebnisse und Vorwürfe zu sprechen, um zuzuhören und zu erfahren, was sie in ihrer Kindheit belastet hat. Die Sorge um das Wohl und die Zukunft von Kindern, Jugendlichen und Familien ist ein vorrangiges Anliegen meiner seelsorglichen Arbeit seit eh und je.“
Quelle: Bistum Augsburg

Kommentar: Wie um Himmels willen sollen Opfer mit jemandem reden wollen, der ihnen bereits vor dem Gespräch sagt, sie würden lügen!

4.4.2010 Kardinal Sodano wirft denen, die sexuelle Gewalt durch katholische Priester aufdecken, "Geschwätz" vor.
Kommentar: So beleidigt man Menschen, die jahre- und jahrzehntelang um ihre Wahrheit kämpfen müssen, bevor sie an die Öffentlichkeit gehen können.


19.3.2010 Pater Gregor Müller, dessen bekannte (!) Verbrechen in Birnau und Mehrerau verjährt sind, wird von seiner Gemeinde in Schübelbach vermisst. Er hat diese Gemeinde Hals über Kopf im März 2010 verlassen, war zunächst in einem Kloster und ist inzwischen (auf jeden Fall bis Ende Juli 2010) untergetaucht, jedenfalls nicht mehr auffindbar. Eine Frau sagte dem Blick:  "Ich empfinde Wut." Aber nicht auf den Priester! Sondern: «Weil sie ihn jetzt fertigmachen." Und sie ergänzt: "Er ist so ein lieber Mensch." Jetzt sei sein Leben kaputt.
Eine andere Frau sagt: "Es ist so schade, dass er nicht mehr da ist. Darüber bin ich viel mehr schockiert." Mehr als über die Kindsmissbräuche.
Quelle: blick.ch


12.3.2010 "Ich bedaure zutiefst alle Missbrauchsfälle, die in der Vergangenheit im Kloster Mehrerau stattgefunden haben und bitte alle Opfer um Vergebung. Es liegt nicht in meiner Macht, das Unrecht der Vergangenheit ungeschehen zu machen, aber ich kann allen Opfern die Hand reichen und ihnen Gespräch, Offenheit und Versöhnung anbieten."
Kommentar: Das schreibt der Abt des Klosters Mehrerau. Ich glaube, er verwechselt hier Opfer und Täter. Es ist das Opfer/es sind die Opfer, die Versöhnung anbieten (wenn sie das wollen und wenn sie das können). Versöhnung anzubieten hat nicht derjenige, in dessen Institution der Täter geschützt wurde.
Quelle: Abtei Mehrerau

Juni 2009 - Eine päpstliche Opferbeschimpfung steht im Brief des Papstes zum Beginn des Priesterjahres: "Leider gibt es auch Situationen, die nie genug beklagt werden können, in denen es die Kirche selber ist, die leidet, und zwar wegen der Untreue einiger ihrer Diener. Die Welt findet dann darin Grund zu Anstoß und Ablehnung. Was in solchen Fällen der Kirche am hilfreichsten sein kann, ist weniger die eigensinnige Aufdeckung der Schwächen ihrer Diener, als vielmehr das erneute und frohe Bewußtsein der Größe des Geschenkes Gottes, das in leuchtender Weise Gestalt angenommen hat in großherzigen Hirten, in von brennender Liebe zu Gott und den Menschen erfüllten Ordensleuten, in erleuchteten und geduldigen geistlichen Führern."
Kommentar: Verbrechen nennt der Papst "Schwächen". Wer Verbrechen aufdeckt, wird als "eigensinnig" diskriminiert. Und natürlich wird vom Leid der Kirche gesprochen, nicht jedoch vom Leid der Opfer. Das wirkliche Opfer ist also die Kirche.
Mein Protest, den über 50 Menschen unterschrieben, hat die Deutsche Bischofskonferenz mit der Empfehlung beantwortet, lieber den englischen als den deutschen Text zu benutzen. Im Englischen heißt die inkriminierte Stelle:
"Am hilfreichsten ist nicht nur ein freies und vollständiges Eingeständnis/Anerkenntnis... sondern auch...."



Und dies schreibt im April 2010 eine Frau, die die "Steinhartherzigkeit" kaum noch aushalten kann - und sie ist nicht die einzige.


Deine Steinhartherzigkeit, Kirche, regt mich

nicht mehr auf. Mir scheint' s, so verbohrt, wie ihr euch
gebet, bleibt auch ihr in des Höchsten Hand, habt
Teil ihr am Heilsplan.

Schmerzlich seh'n wir euch: ihr verhaltet euch so,
heuchelnd, wie wir's kennen von Kind auf. Nur: wer
würde uns je glauben, wenn plötzlich Umkehr
And'res euch tun hieß?

Leugnet, lügt, deckt Frevel nur weiter zu! Euch
wird geglaubt, nicht uns! Und so reden wir wahr!
Unser Anseh'n schützt ihr; und dumm steht ihr da
– nämlich gar: weltweit.

Dennoch, Gott, lass Heimat uns werden, gieß neu
heil'gen Geist aus. Mitleid bestimme neu: Tun,
Reden, jedwed' Denken in deinem Haus! Bleib!
Zeig uns dein Antlitz!

Möge uns einander doch gut tun dein Recht!
Einsicht schenk letztendlich doch allen. In Ehr'n
halt, die jetzt schon Wärme verschenken, dein Reich
künden, die Zukunft!

Susanne J.
30.4.2010



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